Sucre wurde 1538 vonPedro Anzurez Marques de Campo Redondo alsCiudad de la Plata de la Nueva Toledo gegründet und war kurz alsLa Plata sowieCharcas und auf Quechua alsChuquisaca bekannt. Das heutigeBolivien wurde im 18. Jahrhundert für seinen Reichtum anSilberLa Plata genannt (plata bedeutet ‚Silber‘ bzw. ‚Reichtum‘ allgemein). Auch derRío de la Plata und Argentinien (lateinischargentum‚Silber‘), beide Zugang zu den silberreichen Gebieten, wurden nach diesem benannt.[1]
La Plata profitierte wirtschaftlich von seiner Nähe zuPotosí und fungierte als kulturelles, administratives und religiöses Zentrum.
Im Jahr 1559 wurde auf Befehl KönigPhilipp II. in La Plata dieReal Audiencia von Charcas mit Kompetenzen in Sachen Gerichts- und Finanzwesen sowie der allgemeinen Verwaltung eingerichtet.[2] Zu Anfang unterstanden dieser Audiencia Gebiete vonCusco bisBuenos Aires, in denen aber nach und nach eigene Audiencias eingerichtet wurden. Nach einer Verwaltungsreform wurden ab 1782 von La Plata aus die vierIntendencias La Plata, Potosí, Cochabamba und La Paz, zwischen 1784 und 1796 auch die Intendencia Puno verwaltet.
La Plata wurde 1552 Sitz eines Bischofs, der für ehemals vomBistum Cuzco betreute Gebiete alsBistum La Plata o Charcas zuständig wurde. 1559 wurde mit dem Bau derKathedrale begonnen. Bis zur Erhebung zumErzbistum La Plata o Charcas im Jahr 1609 gehörte das neu formierte Bistum zum Einflussbereich desErzbistums Lima. Mit der Zeit siedelten sich verschiedene kirchliche Orden, beispielsweise Jesuiten und Franziskaner, an und errichteten Klöster. 1924 erhielt das Erzbistum den NamenErzbistum Sucre.
Im Jahre 1622 unterzeichnete KönigPhilipp III. einen Befehl zur Gründung einer königlichen Universität. Durch eine Bulle PapstGregors XV. aus dem Jahr 1623 zusätzlich legitimiert, konnte sich die Gründung „königlich und päpstlich“ nennen. Vor Ort trat 1624 der lokale Vorsteher der JesuitenJuan Frías de Harrán als Gründer in Erscheinung, und auch das ursprüngliche Personal rekrutierte sich aus den Reihen der Padres. Fast zwangsläufig wurde mit dem AsienmissionarSan Francisco Xavier dann auch ein Jesuit Namensgeber derUniversidad Mayor, Real y Pontificia de San Francisco Xavier de Chuquisaca. Das Lehrangebot umfasste zunächst Theologie, Philosophie, Latein sowie die indigene SpracheAymara.[3]
Nach der Unabhängigkeit von Spanien im Jahr 1825 wurde die Stadt zu Ehren vonAntonio José de Sucre inSucre umbenannt und Hauptstadt des neuen Staates Bolivien.
Wegen des wirtschaftlichen NiedergangsPotosís sowie der schlechten Verbindungen mit dem Rest des Landes wurde Sucre im Jahr 1899[4] als Regierungssitz zugunsten vonLa Paz aufgegeben. Es blieb aber die konstitutionelle Hauptstadt des Landes und beherbergt den Obersten Gerichtshof(Corte Suprema de Justicia).
Sucre liegt auf rund2800 m, hat ein sehr angenehmes, gemäßigtes Klima und gilt mit seinen reichen, gepflegten Plätzen und Parkanlagen als eine der schönsten Städte Südamerikas.
Die Altstadt von Sucre mit ihren weißen Gebäuden gilt als eines der am besten erhaltenen Beispiele einer Kolonialstadt in Südamerika und ist im typischen Schachbrettmuster angelegt. Im Jahr 1991 wurde die Altstadt als Ensemble von derUNESCO alsWeltkulturerbe anerkannt. Die UNESCO begründete dies mit der Vielzahl gut erhaltener Häuser aus dem 18. Jahrhundert sowie damit, dass auch spätere Bauwerke mit Innenhöfen und unter Beibehaltung des Stils spanischer Kolonialarchitektur errichtet wurden. Ebenso unter Schutz stehen frühe Bauwerke wie beispielsweise die durch die ersten Siedler errichteten Kirchen vonSan Lazaro (1544) undSan Francisco (1581). Zur Anerkennung trug ebenfalls bei, dass die bolivianischen Behörden zum Schutz des Gesamtbilds bereits im Jahr 1988 ein weitgehendes Bauverbot für die angrenzenden Hügel erlassen und ein Programm zu deren Aufforstung gestartet hatten.[5]
DieCasa de la Libertad stellt den historischen Gebäudekomplex dar, in dem 1825 Boliviens Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde. Der Hauptsalon ist nach wie vor im Stil jener Zeit erhalten, in dem er die damaligen Revolutionäre beherbergte. In dem Museum werden die ersten Nationalflaggen, sowie all jene Dokumente aufbewahrt, die die historischen Ereignisse rund um die Erlangung der Unabhängigkeit dokumentieren.
DasKloster la Recoleta wurde im Jahr 1601 von Franziskanern gegründet und ist umgeben von viereckigen, mit steinsäulenbewehrten Gängen umrundeten Innenhöfen, in denen liebliche Gärten mit Rosen und blühenden Geranien angelegt sind. Die auf die restaurierte Kapelle hin ausgerichteten Wege führen zu einem schönenChorgestühl.
Die Webkunst der ansässigenIndigenen der Umgebung (Tarabuco) ist imTextilmuseum dokumentiert. Im nahegelegenen KalkabbaugebietCal Orcko kann man die auf mehrere Quadratkilometer verteilten und am besten erhaltenenDinosaurierspuren der Welt besichtigen.
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Museum ist laut Tripadvisor anscheinend geschlossen
ImMuseo de los Niños Tanga Tanga gibt es interaktive Ausstellungen zu den Themen Bolivianische Kultur, Gesundheit, Umwelt, Wissenschaft und erneuerbare Energien.[6]
Die Figur derJungfrau Maria, die in Sucre verehrt wird, besitzt einen speziellen Stellenwert in Bolivien. Frauen, die keine Kinder mehr wollen, bringen der Jungfrau eine Puppe und bitten sie, keine Kinder mehr zu bekommen. Andere Frauen, die gerne Kinder wollen, gehen zu ihr, und nehmen eine Puppe mit und bitten sie, ihr den Kindersegen zu schenken.
Obwohl die Stadt per Luftlinie gut zwischen allen größeren Städten des Landes liegt, ist sie verkehrsmäßig relativ abgelegen. Aufgrund des schwierigen, bergigen Geländes dauert das Vorankommen auch trotz des stetigen Ausbaus der Straßen seit etwa dem Jahr 2000 verhältnismäßig lange. Es gibt Busverbindungen in alle Städte des Region und nach La Paz, Cochabamba,Potosí,Uyuni,Tarija und Santa Cruz.
Der neugebauteFlughafen „Alcantarí“ liegt 25 km südöstlich der Stadt. Von hier gibt es Flugverbindungen in die anderen größeren Städte wieLa Paz,Cochabamba undSanta Cruz. Der innenstadtnahe alte Flughafen „Juana Azurduy de Padilla“ wird nicht mehr bedient.
Es gibt eine nicht mehr genutzte Bahntrasse vonPotosí über Sucre bis nachTarabuco. Während der Teil der Trasse von Sucre nach Osten schon länger nicht mehr in Betrieb war, wurde die Trasse von Sucre nach Potosí noch bis in die 2010er Jahre von einemFerrobus bedient. Er war wesentlich langsamer als der Bus auf der Straße, bot aber stattdessen eine sich malerisch durch die Berge windende Strecke und erschloss einige Dörfer, die über die Straße schwer zu erreichen sind.
Sucre liegt östlich des bolivianischenAltiplano am Westrand derCordillera Central. Das Klima ist ein gemäßigtes Höhenklima und ein typischesTageszeitenklima, bei dem die mittlere Temperaturschwankung im Tagesverlauf stärker ausfällt als im Jahresverlauf.
Die Jahresdurchschnittstemperatur in der Region liegt bei etwa 16 °C (siehe Klimadiagramm Sucre), die Monatsdurchschnittswerte schwanken zwischen 14 °C im Juni/Juli und 17 °C im Oktober/November. Der Jahresniederschlag beträgt etwa 700 mm und weist fünfaride Monate von Mai bis September mit Monatswerten unter 25 mm auf, und eine deutlicheFeuchtezeit von Dezember bis Februar mit Monatsniederschlägen zwischen 125 und 150 mm.
↑Información Institucional. Universidad San Francisco Xavier de Chuquisaca, archiviert vom Original am 4. Oktober 2011; abgerufen am 5. März 2011 (spanisch).
↑Pablo Regalsky:Political Processes and the Reconfiguration of the State in Bolivia. In:Latin American Perspectives.Band37,Nr.3, 2010,S.35–50,hier S. 46,doi:10.1177/0094582X10364032 (englisch).
↑Statistical Office of the United Nations, Department of Economic and Social Affairs (Hrsg.):Demographic Yearbook 1955. United Nations Publication, New York 1955,S.189 (englisch, französisch,un.org [PDF]).