| Stilli | ||
|---|---|---|
| Staat: | Schweiz | |
| Kanton: | Kanton Aargau | |
| Bezirk: | Brugg | |
| Einwohnergemeinde: | Villigeni2 | |
| Postleitzahl: | 5233 | |
| frühereBFS-Nr.: | 4116 | |
| Koordinaten: | 659753 / 26325847.517358.23193333Koordinaten:47° 31′ 2″ N,8° 13′ 55″ O; CH1903: 659753 / 263258 | |
| Höhe: | 333 m ü. M. | |
| Fläche: | 0,57 km² | |
| Einwohner: | 397(31. Dez. 2004) | |
| Einwohnerdichte: | 696 Einw. pro km² | |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) | 25,9 %(31. Dez. 2010) | |
| Website: | www.villigen.ch | |
Ansicht von Stilli | ||
| Karte | ||
Stilli (schweizerdeutsch:ˈʃti.lɪ)[1] ist ein Dorf imSchweizerKanton Aargau. Es liegt etwa dreieinhalb Kilometer nordöstlich des BezirkshauptortsBrugg. Bis Ende 2005 war Stilli eine eigenständigepolitische Gemeinde imBezirk Brugg und gehört seither zuVilligen.

Das Gemeindegebiet von Stilli war mit einer Fläche von 57Hektaren das zweitkleinste des Kantons. Es umfasste einen drei Kilometer langen Streifen von 25 bis 210 Metern Breite entlang dem westlichen Ufer derAare, wobei das Flussbett mehr als einen Drittel der Fläche einnahm. Der 40 Meter hohen Böschung über der Flussniederung entlang verlief die ehemalige Gemeindegrenze zu Villigen. Das Dorf liegt rund eineinhalb Kilometer nördlich der Mündung derLimmat in die Aare, im so genanntenWasserschloss der Schweiz. In der Aare liegt die kleine Insel Fischergrieni, die durch angeschwemmtesGeschiebe entstanden ist.[2]


Die erste urkundliche Erwähnung des Flurnamens Stilli stammt aus dem Jahr 1269. AufAlthochdeutsch bezeichnet er eine «ruhig dahinfliessende Wasserstelle».[1] Die Siedlung entstand im Jahr 1446, als die Besitzer der HerrschaftSchenkenberg beschlossen, in der Nähe der ehemaligen KleinstadtFreudenau eineFähre über dieAare einzurichten und damit neue Einnahmequellen zu erschliessen. Um die Taverne und die Mühle siedelten sich Menschen an, die hauptsächlich vom Fischfang und vom Schiffsverkehr lebten.[3] Die Schiffer von Stilli beförderten Güter vonBern,Luzern undZürich bis nachLaufenburg undZurzach, teilweise sogar bis nachHolland.
Grund und Boden waren Teil des HofesRein, der demKloster Wittichen imKinzigtal gehörte. Als 1460 die StadtBern das Gebiet westlich der Aare eroberte und es den Untertanengebieten desBerner Aargaus anfügte, änderte sich an den Rechten des Klosters nichts. Dieses musste allerdings die Einführung derReformation im Jahr 1528 hinnehmen. 1544 verkaufte es den Hof Rein an den Grafen Hartmann vonHallwyl. Ab 1566 war Stilli der Hauptort eines neuen Gerichtsbezirkes, der auch die DörferLauffohr,Mönthal, Rein,Remigen,Riniken,Rüfenach und Villigen umfasste. Zwischen 1588 und 1599 erwarb die StadtBrugg zwei Drittel des Hofes, Bern das übrige Drittel.
BeimFranzoseneinfall im März 1798 entmachteten die Franzosen die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen dieHelvetische Republik aus, die 1803 aufgelöst wurde. 1799 verlief die Frontlinie imZweiten Koalitionskrieg mitten durch das untere Aaretal. In der Region gab es mehrere Feldlager der französischen Armee. Durch Requisitionen und Plünderungen erlitten die Dorfbewohner grosse Not. 1803 löste der neugegründete Kanton Aargau den Hof Rein auf und erhob die einzelnen Dörfer zu selbständigen Gemeinden.
1903 endete der traditionsreiche Fährbetrieb über die Aare mit der Eröffnung einer 188 Meter langen Strassenbrücke, die 1969 bis 1970 durch eine neue Stahlverbundbrücke ersetzt wurde. Im Jahr 2007 erhielt die Brücke einen neuen Deckbelag und einen breiteren Fussgängerweg.[4] Im September 2003 beschlossen die Stimmberechtigten von Stilli, die Eigenständigkeit ihrer Gemeinde aufzugeben und sich per 1. Januar 2006 der Gemeinde Villigen anzuschliessen.
DieBlasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: «In Blau weisser Anker, überdeckt von kreuzweise gestelltem weissem Ruder und weissem Stachel.» Das Wappenmotiv erschien erstmals 1838 auf einem Papiersiegel. Erinnert wird damit an die Flussschifffahrt, die einst der mit Abstand wichtigste Wirtschaftsfaktor der Gemeinde war.[5]
Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:[6]
| Jahr | 1702 | 1750 | 1800 | 1850 | 1900 | 1950 | 1980 | 2000 |
| Einwohner | 144 | 254 | 293 | 392 | 252 | 280 | 474 | 357 |
Am 31. Dezember 2004, ein Jahr vor der Eingemeindung, lebten 397 Menschen in Stilli, der Ausländeranteil betrug 25,9 %. Bei der Volkszählung 2000 bezeichneten sich 38,8 % alsreformiert und 32,2 % alsrömisch-katholisch; 29,0 % warenkonfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 84,9 % gabenDeutsch als ihre Hauptsprache an, 5,0 %Italienisch und 2,5 %Serbokroatisch.[8]
Stilli liegt an der Kreuzung derHauptstrasse 5 mit mehreren Nebenstrassen, eine Brücke führt über die Aare nachWürenlingen. Das Dorf wird durch zweiPostautolinien erschlossen, die vomBahnhof Brugg aus nachBad Zurzach bzw. nachDöttingen führen (mit Zusatzkursen zumPaul Scherrer Institut in Villigen). Der Bahnhof Siggenthal-Würenlingen liegt etwa einen halben Kilometer entfernt auf der anderen Seite des Flusses. An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus von Brugg über Stilli undVilligen nachRiniken.
An der neuen Brücke über die Aare ist seit 1972 die Grossplastik «Wassertor» des in Stilli aufgewachsenen KünstlersAlbert Siegenthaler montiert.[9] In Stilli endet der historische LehrpfadFlösserweg.