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Stickstoff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Eigenschaften
Allgemein
Name,Symbol,OrdnungszahlStickstoff, N, 7
ElementkategorieNichtmetalle
Gruppe,Periode,Block15,2,p
AussehenFarbloses Gas
CAS-Nummer

7727-37-9

EG-Nummer231-783-9
ECHA-InfoCard100.028.895
ATC-Code

V03AN04

Massenanteil an derErdhülle0,03 % (17. Rang)[1]
Atomar[2]
Atommasse14,0067 (14,00643 – 14,00728)[3][4]u
Atomradius (berechnet)65 (56)pm
Kovalenter Radius71 pm
Van-der-Waals-Radius155 pm
Elektronenkonfiguration[He] 2s2 2p3
1.Ionisierungsenergie14.53413(4)eV[5]1402.33kJ/mol[6]
2. Ionisierungsenergie29.60125(9) eV[5]2856.09 kJ/mol[6]
3. Ionisierungsenergie47.4453(25) eV[5]4577.77 kJ/mol[6]
4. Ionisierungsenergie77.4735(4) eV[5]7475.05 kJ/mol[6]
5. Ionisierungsenergie97.8901(4) eV[5]9444.96 kJ/mol[6]
Physikalisch[2]
Aggregatzustandgasförmig (N2)
Modifikationen1
Kristallstrukturhexagonal
Dichte1,250 kg/m3[7] bei 273,15 K
Magnetismusdiamagnetisch (χm = −6,7 · 10−9)[8]
Schmelzpunkt63,05K (−210,1 °C)
Siedepunkt77,15 K[9] (−196 °C)
Verdampfungsenthalpie5,58 kJ·mol−1[9]
Schmelzenthalpie0,36 kJ·mol−1
Schallgeschwindigkeit333,6 m·s−1 bei 298,15 K
Spezifische Wärmekapazität1040 J·kg−1·K−1 bei 298 K
Wärmeleitfähigkeit0,02583W·m−1·K−1
Chemisch[2]
Oxidationszustände−3, −2, −1, ±0, +1, +2,+3, +4, +5
Elektronegativität3,04 (Pauling-Skala)
Isotope
IsotopNHt1/2ZAZE (MeV)ZP
13N
{syn.}9,965 minε2,22013C
14N
99,634 %Stabil
15N
0,366 %Stabil
16N
{syn.}7,13 sβ10,41916O
Weitere Isotope sieheListe der Isotope
NMR-Eigenschaften
Kernspinγ in
rad·T−1·s−1
Er (1H)fL bei
B = 4,7T
inMHz
14N1+1,9338 · 1071,007 · 10−307,224 (2,348 T)
15N1/2−2,7126 · 1071,043 · 10−310,133 (2,348 T)
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[7]
Gefahrensymbol

Achtung

H- und P-SätzeH:280
P:403[7]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten beiStandardbedingungen.

Stickstoff (lateinischNitrogenium) ist einchemisches Element mit derOrdnungszahl 7 und demSymbol N. ImPeriodensystem steht es in der fünftenHauptgruppe bzw. der 15. IUPAC-Gruppe oderStickstoffgruppe sowie der zweitenPeriode. Das Symbol N leitet sich von derlateinischen Bezeichnungnitrogenium ab (vonaltgriechischνίτρονnítron „Laugensalz“ und-gen, meist als „Salpeterbildner“ übersetzt). Die deutsche BezeichnungStickstoff erinnert daran, dass molekularer StickstoffFlammen durch Verdrängen vonSauerstoff löscht („erstickt“) und dass in reinem Stickstoff Lebewesen ersticken, weil Sauerstoff fehlt. Ältere Bezeichnungen sindAzot oderAzotum, von denen sich weiterhin der Name einiger Stickstoffverbindungen ableitet,Stickgas undZoogenium.

Elementar tritt Stickstoff in der Regel nur in Form zweiatomigerMoleküle auf (molekularer Stickstoff, auch Distickstoff,Summenformel N2) und ist mit 78 % der Hauptbestandteil derLuft. In derErdkruste kommtanorganisch gebundener Stickstoff selten vor; von Bedeutung ist er nur inSalpetervorkommen.

Im Laufe der Evolution hat sich einStickstoffkreislauf derÖkosysteme ausgebildet: Als Bestandteil vonProteinen und vielen anderenNaturstoffen ist Stickstoff essentiell für Lebewesen, die ihn in einem energieintensiven Prozess (Stickstofffixierung) organisch binden und bioverfügbar machen. Dies geschieht zum Beispiel enzymatisch an einemEisen-Schwefel-Cluster, welcher einKofaktor desEnzymsNitrogenase ist.

Geschichte

Carl Wilhelm Scheele

Natürlich vorkommendechemische Verbindungen des Stickstoffs, wieNitrate undAmmoniumsalze, wurden schon in der Antike und von denAlchimisten verwendet. Beide Verbindungstypen kann man neben ihrem Vorkommen alsMineralien auch ausExkrementen herstellen. So stellten die Ägypter beispielsweiseAmmoniumchlorid (Salmiak) ausKamelmist her und Salpeter wurde lange Zeit aus dem Boden von Ställen gewonnen.Carl Wilhelm Scheele wies 1771 Stickstoff als Bestandteil der Luft nach – er bezeichnete ihn als „verdorbene Luft“ – und wurde im Jahr 1772 vonDaniel Rutherford bestätigt.[10]Antoine de Lavoisier gab dem Gas den Namenazôte (vonaltgriechischἄζωτοςázōtos „das Leben nicht unterstützend, lebensfeindlich“, also „erstickender, das Leben nicht unterhaltender Stoff“).[11]Jean-Antoine Chaptal führte den Namennitrogène 1790 ein (vonlateinischnitrogenium), nachdem man erkannt hatte, dass der Salpeter und die Salpetersäure Stickstoff-Verbindungen sind.[12] Daher stammt die übliche Übersetzung „Salpeterbildner“ (nitrogenium ist abgeleitet vonaltgriechischνίτρονnítron „Laugensalz“, das in der Antike verschiedene Salze im modernen Sinn bezeichnete – vergleiche die anfänglichen Ausführungen zurGeschichte des Natriums –, und-gen, gemeinsam „[Laugen-]Salzbildner“).[11] ReinerAmmoniak wurde erstmals im Jahr 1774 vonJoseph Priestley dargestellt.[13] Dass Luft Sauerstoff und Stickstoff in einem konstanten Verhältnis von etwa 1:4 enthält hatteHenry Cavendish 1783[14] erkannt.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts warSalpeter die einzige große Quelle von Stickstoffverbindungen.[15] Durch die Einführung desFrank-Caro-Verfahrens (Kalkstickstofferzeugung nachAdolph Frank undNikodem Caro) wurde der Luftstickstoff erstmals nutzbar gemacht. DasBirkeland-Eyde-Verfahren, nachKristian Birkeland undSam Eyde, diente der Gewinnung vonSalpetersäure. Diese Verfahren wurden bald darauf abgelöst durch dasHaber-Bosch-Verfahren, nachFritz Haber undCarl Bosch, zur Synthese von Ammoniak aus Luftstickstoff und Wasserstoff sowie durch das katalytischeOstwaldverfahren nachWilhelm Ostwald zur Umsetzung von Ammoniak zu Salpetersäure.[16]

Natürliches Vorkommen und Kreislauf des Stickstoffs

Stickstoffkreislauf

Schon im 19. Jahrhundert erkannte man, dass ein großer Teil der pflanzlichen Materie Stickstoff enthält und er ein wichtiges Bauelement aller Lebewesen ist. Er ist das wesentliche Element der Proteine undProteide und derDNS. Stickstoff ist daher auch Baustein allerEnzyme, die den pflanzlichen, tierischen und menschlichen Stoffwechsel steuern. Stickstoff ist für das Leben auf der Erde unentbehrlich.

Stickstoff in der Luft

DieLufthülle der Erde besteht zu 78,09 Vol-% (75,53 % Gewichtsanteil) aus molekularem Stickstoff (Distickstoff N2). Lediglich eine kleine Anzahl von Mikroorganismen kann ihn nutzen, ihn in ihre Körpersubstanz einbauen oder auch an Pflanzen abgeben. Pflanzen können, soweit bekannt, den gasförmigen Stickstoff der Luft nicht unmittelbar nutzen. Die Überführung in eine Form, die von den Pflanzen verwertbar ist, geschieht durch:

  • Knöllchenbakterien: Diese Bakterien dringen in die Wurzeln der sogenanntenLeguminosen ein. Sie ernähren sich von denAssimilaten der Pflanze. Im Tausch dafür liefern sie der WirtspflanzeAmmonium. Dieses wurde durch ein spezielles Enzym, derNitrogenase, unter hohem Energieaufwand aus dem Luftstickstoff reduziert. Diese Lebensgemeinschaft ist eineSymbiose. Sie ermöglicht den Leguminosen die Besiedelung auch schlechter Standorte, weshalb der Mensch diese Pflanzen insbesondere im ökologischen Landbau zur Anreicherung des Bodens mit Stickstoff nutzt. Hier stellen Leguminosen die Hauptstickstoffquelle dar.
  • Freilebende Mikroorganismen: Die nichtsymbiotische Stickstoffbindung beruht auf der Fähigkeit einiger freilebender Mikroorganismen (zum BeispielAzotobacter undCyanobakterien), Luftstickstoff zum Aufbau von körpereigenenProteinen zu verwenden. Bei ackerbaulicher Nutzung wird die Größenordnung der Bindung von atmosphärischem Stickstoff durch freilebende Mikroorganismen mit 5–15 kg/ha und Jahr angenommen.
  • Elektrische Entladung bei Gewittern: In niederschlagsreichen Gebieten können jährlich 20–25 kg N pro ha durch Regen dem Boden zugeführt werden. Das geschieht bei elektrischen Entladungen, wenn sich Sauerstoff und Stickstoff zu Stickstoffoxiden verbinden. Letztendlich reagieren diese Oxide mit dem Regenwasser zu Salpetersäure und im Boden können Nitrate entstehen.
  • Ammoniaksynthese: Die ChemikerFritz Haber undCarl Bosch haben zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein Verfahren entwickelt, mit dem aus Luftstickstoff undWasserstoffAmmoniak hergestellt werden kann. Die durch dasHaber-Bosch-Verfahren möglich gewordene Nutzung des Stickstoff derAtmosphäre hat zur wesentlichen Ertragssteigerung landwirtschaftlicher Produktionen beigetragen. DieErnährungssicherung konnte damit wesentlich verbessert werden. Die Pflanze baut aus dem aufgenommenen Ammoniak pflanzliche Proteine auf, die Mensch und Tier als Nahrung und zum Aufbau der eigenen Körperproteine dient. Im menschlichen und tierischen Organismus werden die Proteine zum großen Teil wieder abgebaut und mit dem Kot und Harn ausgeschieden. Zum heutigen Zeitpunkt wurde im Schnitt bereits jedes dritte Stickstoffatom in der Biosphäre einmal von der Düngemittelindustrie verarbeitet.[17]
  • Autoabgase: Durch die Verbrennungfossiler Energieträger (Benzin,Diesel) werden durch den Autoverkehr Stickstoffverbindungen freigesetzt. Bei dem Verbrennungsvorgang entstehenStickoxide (NOx, vor allemStickstoffdioxid NO2, aber auchStickstoffmonoxid NO und andere NOx-Verbindungen). In der Vergangenheit wurden diese direkt in die Umgebung entlassen. Heutzutage besitzen AutosKatalysatoren, welche diese Verbindungen reduzieren: NOx wird im Katalysator zu Ammoniak reduziert. Dieses wird im Beisein von Wasser in Ammonium umgewandelt (Ammoniak/Ammonium-Gleichgewicht in angesäuerter Lösung: NH3 + H3O+ ⇔ NH4+ + H2O). Sowohl die oxidierten als auch die reduzierten Stickstoffverbindungen werden über die Luft verfrachtet und tragen zu einem beträchtlichen Teil zurEutrophierung benachbarterÖkosysteme bei.

Stickstoff im Boden

In derAckerkrume (A-Horizont) liegen meist mehr als 95 % des Gesamtstickstoffs als organisch gebundener Stickstoff in lebender Wurzelmasse, abgestorbener Pflanzenmasse, Humusstoffen und Bodenlebewesen vor. Der Rest von weniger als 5 % ist anorganischer Stickstoff in Form vonAmmonium oderNitrat und in sehr geringer Menge in Form vonNitrit. Dieser mineralische Stickstoffgehalt wird im Frühjahr vor der Düngung mit derNmin-Methode bestimmt. Der Gesamtstickstoffgehalt der Böden ist stark von deren Kohlenstoffgehalt abhängig. Er wird durchKlima,Vegetation,Bodenart, Geländegestalt und Maßnahmen des Landwirts, wieBodenbearbeitung, beeinflusst.[18]

Stickstoff in Pflanzen

Aufgaben in der Pflanze

Stickstoff wird in die Photosyntheseprodukte eingebaut, um unter anderem Eiweiße herzustellen, und fördert so das Wachstum. Eine wichtige Bedeutung kommt dem Stickstoff als essentieller Bestandteil derDesoxyribonukleinsäure und desChlorophylls zu. Je nach Art liegt der Anteil derTrockensubstanz bei 2–6 %, oder bei durchschnittlich 1,5 %.[19] Die Aufnahme des Stickstoffs erfolgt meist in Form von Ammonium- oder Nitratsalzen.

Mangelsymptome

  • kümmerlicher Wuchs
  • blassgrüne Farbe der Blätter. Ältere werden chlorotisch und fallen vorzeitig ab.
  • zu frühes Blühen (Notblüte)
  • Vergilbungen

Überschusssymptome

  • Mastiger Wuchs
  • Blätter dunkelgrün
  • Blüte verzögert
  • Pflanze frost- und krankheitsanfällig
  • Blattgewebe wirkt schwammig und weich

Stickstoff als Mineral

In der Natur wurde erstmals kristalliner Stickstoff alsEinschluss inDiamant in den Flusssedimenten des São Luís Rivers naheJuína in Brasilien entdeckt. Das inorthorhombischer Struktur kristallisierendeAllotrop von Stickstoff (auch δN) wurde von seinen Erstbeschreibern Oliver Tschauner, Oded Navon und Christian Schmidt alsDeltanitrogen bezeichnet und von derInternational Mineralogical Association (IMA) unter der Eingangs-Nr. 2019-067b als eigenständigeMineralart anerkannt.[20][21]

Da Deltanitrogen erst 2019 als Mineral anerkannt wurde, ist es weder in der zuletzt 2009 aktualisierten9. Auflage der Mineralsystematik nachHugo Strunz noch in der zuletzt 2018 überarbeitetenLapis-Systematik nach Stefan Weiß verzeichnet. Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlicheSystematik der Minerale nach Dana kennt den Deltanitrogen noch nicht.

Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation in der 9. Auflage (auchStrunz-mindat) ordnet Deltanitrogen in die Klasse der „Elemente“ und dort in die Abteilung der „Halbmetalle (Metalloide) und Nichtmetalle“ (englischMetalloids and Nonmetals; vergleiche auchgleichnamige Abteilung der Strunz-Klassifikation). Eine weitere Eingruppierung in eine bestimmte Unterabteilung bzw. Stroffgruppe fand bisher nicht statt (Stand 2024).[22]

Gewinnung und Darstellung

Primär wird Stickstoff heute durch diefraktionierte Destillation verflüssigterLuft in Luftzerlegungsanlagen nach demLinde-Verfahren mit einer Reinheit von bis zu 99,99999 % gewonnen. Stickstoff mit Verunreinigungen unter 1ppb erfordert zusätzliche Reinigungsschritte. Für das Entfernen des verbliebenen Sauerstoffs existiert eine biologische Methode unter Verwendung von Reiskeimlingen.

Schematischer Aufbau des Membranverfahrens

Stickstoff mit einemReinheitsgrad von ca. 99 % wird wesentlich kostengünstiger durch mehrstufige Adsorption/Desorption anZeolithen erhalten. Eine weitere Methode zur dezentralen Gewinnung von Stickstoff ist das Membranverfahren. Hierbei wird Druckluft mit einem Druck von 5 bis 13 bar durch eine Kunststoffmembran gepresst. Die Diffusionsgeschwindigkeit von Stickstoff und Argon durch diese Membran ist deutlich langsamer als jene von Sauerstoff, Wasser und Kohlendioxid, dadurch wird der Gasstrom auf der Innenseite der Membran mit Stickstoff angereichert. Durch Anpassung der Durchströmgeschwindigkeit kann die Reinheit des Stickstoffs gesteuert werden (bis 99,995 % bei Kleinstmengen, 99 % bei industriellen Maßstäben.)

Eine etwas altertümliche Methode ist das Binden des Luftsauerstoffs unter Erhitzen anKohle und das anschließende Auswaschen des entstandenenKohlenstoffdioxids. Der Luftsauerstoff kann auch durch das Überleiten der Luft über glühendesKupfer oder durch einealkalischePyrogallol- bzw.Natriumdithionitlösung entfernt werden.

Im Labor kann reiner Stickstoff durch Erhitzen einer wässrigenAmmoniumnitritlösung oder einer Lösung des GemischesAmmoniumchlorid/Natriumnitrit auf etwa 70 °C dargestellt werden:

NH4NO2 ΔT 2 H2O+N2{\displaystyle \mathrm {NH_{4}NO_{2}\ } \mathrm {{\stackrel {\Delta T}{\longrightarrow }}\ 2\ H_{2}O+N_{2}} }

Alternativ ist eineThermolyse vonNatriumazid möglich, die zur Herstellung von spektroskopisch reinem Stickstoff verwendet wird.[23]

2 NaN3 ΔT 2 Na+3 N2{\displaystyle \mathrm {2\ NaN_{3}\ } \mathrm {{\stackrel {\Delta T}{\longrightarrow }}\ 2\ Na+3\ N_{2}} }

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Valenzstrichformel des N2-Moleküls
Oxidationszustände von Stickstoff[24]
−3NH3,NaNH2,Li3N,HCN,Methylamin
−2N2H4
−1N2H2,Hydroxylamin
0N2
+3HNO2,NaNO2,Nitromethan
+5HNO3,NaNO3

Molekularer Stickstoff ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas, welches bei tiefen Temperaturen (−196 °C) zu einer farblosen Flüssigkeit kondensiert. Stickstoff ist in Wasser wenig löslich (23,2 ml Stickstoff in 1 l Wasser bei 0 °C)[25] und nicht brennbar. Stickstoff ist das einzige Element der Stickstoffgruppe, das mit sich selbst (p-p)π-Bindungen bildet.[26] Der Atomabstand dieser Dreifachbindung beträgt 109,8 pm.

Spektrum einer Stickstoff-Gasentladung
Spektrum einer Stickstoff-Gasentladung

In einer Gasentladungs-Spektralröhre werden bei einem Restdruck von ca. 5–10 mbar die Molekülorbitale des Stickstoffs beim Betrieb mit 1,8 kVHochspannung, 18 mAStromstärke und einerFrequenz von 35 kHz zum Leuchten angeregt. Bei derRekombination der ionisierten Gasmoleküle wird hierbei das charakteristische Farbspektrum abgestrahlt.[27]

Derkritische Punkt liegt bei: Temperatur 126,19 K (−146,95 °C), Druck 33,9 bar, Dichte 0,314 g/cm3. DerTripelpunkt liegt bei: Temperatur: 63,15 K (−210 °C), Druck 0,125 bar.[28]

Stickstoff geht in seinenVerbindungen vorzugsweisekovalente Bindungen ein. In der 2s2p3Elektronenkonfiguration führt die Bildung von drei Kovalenzen zurOktett-Komplettierung; Beispiele hierfür sind:

Alle diese Verbindungen haben einetrigonale pyramidale Struktur und ein freies Elektronenpaar. Über dieses freie Elektronenpaar können sie alsNukleophile und alsBasen reagieren.

Der molekulare Distickstoff N2 ist durch die im Stickstoffmolekül vorhandene stabileDreifachbindung und die damit verbundene hoheBindungsdissoziationsenergie von 942 kJ/mol[29] sehr reaktionsträge. Deswegen braucht es in der Regel einen hohen Energieaufwand, um diese Verbindung zu trennen und Stickstoff an andere Elemente zu binden. Hoch ist auch die erforderlicheAktivierungsenergie, die gegebenenfalls durch geeigneteKatalysatoren verringert werden kann.

Polymerer Stickstoff

In einer Veröffentlichung im August 2004 gaben Forscher vomMax-Planck-Institut für Chemie inMainz bekannt, dass sie unter Drücken von über 110 GPa bei einer Temperatur von über 2000 K eine neue kristalline Form, sogenannter „polymerer Stickstoff“ mit Einfachbindungen erzeugt haben. Diese Modifikation besitzt eine einzigartige kubische Struktur, die sogenannte „cubic gauche“-Struktur.

Durch die hohe Instabilität sind die Einsatzmöglichkeiten begrenzt, man könnte sich polymeren Stickstoff aber zum Beispiel als Sprengstoff oder Energiespeicher vorstellen. Polystickstoff wäre dann mit Abstand der stärkste nicht-nukleare Sprengstoff.[30]

Eine weitere, demschwarzen Phosphor analoge polymere und alsSchwarzer Stickstoff bezeichnete Form des Stickstoffs wurde 2020 beschrieben. Die Struktur enthält zweidimensionale Schichten, in denen die Stickstoffatome über ein einheitliches Zickzack-Muster vernetzt sind. Diese 2D-Schichten ähneln in ihren elektronischen Eigenschaften demGraphen, so dass das Material für viele technische Anwendungen interessant sein könnte.

Die Herstellung erfolgte durch Lasererhitzung von Stickstoff bei einem Druck von 140 GPa in einer Diamantzelle.[31][32]

Hexastickstoff N6

Ein internationales Forschungsteam berichtete 2025 inNature erstmals über die Synthese von molekularem Hexanitrogen (N6), einem neuen metastabilen Stickstoff-Allotrop. Durch die Reaktion vonChlor oderBrom mitSilberazid (oderNatriumazid) bei Raumtemperatur über die ZwischenstufeChlorazid und anschließender Stabilisierung in Argon-Matrizen bei 10Kelvin gelang die Isolierung und Charakterisierung der Verbindung. Bei Raumtemperatur beträgt die Halbwertszeit der Verbindung nur 35,7 Millisekunden.

Synthese von Hexastickstoff
Synthese von Hexastickstoff

Spektroskopische Analysen und Berechnungen bestätigten die Struktur. N₆ setzt bei Zersetzung ausschließlich Stickstoff frei. Es wurde eine sehr hohe Zersetzungsenthalpie von −774,9 kJ·mol−1 bzw. −9220 kJ·kg−1 abgeschätzt, etwa doppelt so hoch wie die bekannter Sprengstoffe wieTNT oderHMX.[33] Damit ist Hexastickstoff der stärkste nichtnukleare Sprengstoff.[34]

Zersetzung von Hexastickstoff
Zersetzung von Hexastickstoff

Die Autoren schlagen die Verbindung als möglichen Kandidaten für zukünftige Energiespeichermaterialien vor. Mit Blick auf die eher teure Herstellung, die geringe Temperaturstabilität bei der Handhabung und der schwer beherrschbaren Energiefreisetzung bei der Zersetzung besteht noch ein erheblicher Forschungsbedarf.[35]

Isotope

Es sind insgesamt 17Isotope zwischen9N und25N sowie weitereIsomere des Stickstoffs bekannt. Von diesen sind zwei, die Isotope14N und15N, stabil und kommen in der Natur vor.Das Isotop mit dem größeren Anteil an der natürlichen Isotopenzusammensetzung ist14N mit 99,636 %,15N hat einen Anteil von 0,364 %.[36]Die langlebigsten instabilen Isotope sind13N, das mit einerHalbwertszeit von 9,965 Minuten durchβ+-Zerfall in13C übergeht, und16N, das mit einer Halbwertszeit von 7,13 Sekunden durch β-Zerfall zu16O zerfällt. Alle anderen Isotope haben nur kurze Halbwertszeiten von Sekunden oder Millisekunden.[37]

Das15N-Isotop wurde 1929 vonStefan Meiring Naudé entdeckt[38] und schon wenige Jahre später von A. G. Norman undChester Hamlin Werkman (1943) in ersten biologischen Feldversuchen eingesetzt.[39] Auch heute noch wird dieses Isotop in ähnlicher Weise für biochemische Untersuchungen des Stickstoffstoffwechsels im Ackerboden oder in Pflanzen, aber auch bei der Umsetzung von Proteinen als Indikator eingesetzt. Der Anteil von15N am Stickstoff der Atmosphäre beträgt 0,3663 %.

Anreichern kann man15N wie andere Isotope gasförmiger Stoffe zum Beispiel durchThermodiffusionstrennung.

Verwendung

Stickstoffverbindungen

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts kann Luftstickstoff technisch fixiert werden: Die großtechnischeKalkstickstoff-Synthese begann um 1901, die derSalpetersäure nach demBirkeland-Eyde-Verfahren um 1905 und die desAmmoniaks (Haber-Bosch-Verfahren) ab 1908.[12]

Stickstoffverbindungen finden mannigfaltige Anwendungen im Bereich derorganischen Chemie und dienen alsDüngemittel.

VieleSprengstoffe sind Stickstoffverbindungen. Es handelt sich dabei umNitroverbindungen oderSalpetersäureester. Bei ausreichend vielenNitrogruppen imMolekül, z. B. beiPikrinsäure, können dieSauerstoffatome der Nitrogruppen bei Anregung durch Schlag oder Temperaturerhöhung mit denKohlen- oderWasserstoffatomen im selben Molekülexotherm reagieren.Somit wird aus demFeststoff in sehr kurzer Zeit einGas hoher Temperatur, das sich mit großer Gewalt ausdehnt. Sprengstoffe befinden sich also in einemmetastabilen Zustand. Bei wenigen Nitrogruppen erfolgt lediglich eine schnelle und unvollständige Verbrennung, z. B. beiNitrocellulose (u. a.Zelluloid).

Stickstoffgas

  • Die Eigenschaft chemischnicht zu reagieren (Inert-Eigenschaft) wird genutzt:
  • Stickstoff in einerGasentladungsröhre
    inGasentladungsröhren zur Erzeugung von Licht.
  • Da Stickstoff im Gegensatz zu CO2 denpH-Wert nicht reduziert, also nichtsäuernd wirkt, können auch Milchmix- und Kaffeegetränke ohne sauren Geschmack geschäumt werden.[41]
  • in Getränkezapfanlagen, wenn auf Grund von baulichen Umständen (langer Leitungsweg, großer Höhenunterschied) ein hoher Zapfdruck notwendig wird. Stickstoff wird hier zusammen mit Kohlenstoffdioxid als Mischgas verwendet. Da sich Stickstoff nicht im Getränk löst, kann auch bei höheren Drücken ohne zu viel Schaumbildung bzw.Aufcarbonisierung gezapft werden.
    Stickstoff hat bei gleichem erhöhten Druck eine geringere Löslichkeit in – stets wasserbasierten – Getränken als Kohlenstoffdioxid. Durch Entspannen beim Zapfen werden dadurch kleinere Schaumbläschen erreicht.
  • zurExekution derTodesstrafe hat der US-amerikanische BundesstaatOklahoma im April 2015 den Einsatz von Stickstoffgas zum Ersticken gesetzlich zugelassen.[42]
    Auch inAlabama undMississippi ist es zugelassen.[43]
    Im Januar 2024 wurde auf diese Weise erstmals ein Mensch in Alabama hingerichtet. Im Gegensatz zu Behauptungen der Behörden, dies sei „vielleicht die humanste Hinrichtungsmethode“, berichteten Zeugen von einem mehrere Minuten andauernden, qualvollen Todeskampf.[44]
    Siehe auchStickstoffhypoxie.

Flüssigstickstoff

Hauptartikel:Flüssigstickstoff
Siedender Stickstoff in einem Metallbecher (−196 °C), Leder-Handschuh als Kälteschutz

Aufgrund des niedrigenSiedepunkts wird flüssiger Stickstoff alsKältemedium in derKryotechnik eingesetzt. Der Stickstoff entzieht dabei dem Kühlgut seineVerdampfungsenthalpie und hält dieses solange kalt, bis er verdampft ist. Gegenüber flüssigemSauerstoff, der bei −183 °C (90 K) siedet, ist der Siedepunkt von flüssigem Stickstoff um weitere 13 K niedriger, er siedet bei −196 °C (77 K) und bringt Luftsauerstoff und andere Gase zur Kondensation, die auf diese Weise getrennt werden können.

Flüssiger Stickstoff (Dichte 0,8085 kg/L bei −195,8 °C)[12] wird unter anderem dazu verwendet, beiHochtemperatursupraleitern den supraleitenden Zustand zu erzeugen. Er wird auch zur Lagerung biologischer und medizinischer Proben,Eizellen undSperma, sowie zum Schockfrieren von biologischem Material verwendet. Ein Beispiel ist auch die Kühlung vonInfrarot-Fotoempfängern, um deren thermisches Rauschen zu verringern oder überhaupt erst einen halbleitenden Zustand in ihnen herbeizuführen.

Im Tiefbau dient er derBodenvereisung. Im Bereich derWerkstofftechnik benutzt man Flüssigstickstoff, umRestaustenit in bestimmten gehärtetenStählen zu beseitigen oder die Werkstoffe durch „Tiefkühlen“ künstlich zu altern. Flüssiger Stickstoff wird auch eingesetzt, um zum Beispiel Getriebewellen so weit zu schrumpfen, dass aufgesetzte Zahnräder durch Presspassung auf der Welle halten. Beim Recycling von Kabeln wird der Isolierstoff durch Kühlen mit flüssigem Stickstoff spröde und kann vom Metall (Aluminium bzw. Kupfer) abgeschlagen werden.

Bei der (in Deutschland nicht zugelassenen) „Stickstoffbestattung“ (Promession) wird der Leichnam in einem Bad aus flüssigem Stickstoff eingefroren und anschließend zu einem Pulver zermahlen.

Stickstoffverbraucher bekommen Stickstoff oft statt in Druckgasflaschen als Flüssigstickstoff in Thermobehältern ähnlich einerThermosflasche bereitgestellt. Diese Behälter bezeichnet man alsDewargefäß. Der Stickstoff wird dazu flüssig aus ebenfalls doppelwandigen Tankfahrzeugen abgefüllt.

Chemische Reaktionen

AlsAzotierung bezeichnet man einechemische Reaktion, bei der ein Reaktionspartner Stickstoff aufnimmt.

Ein typisches Beispiel für eine Azotierung ist die Darstellung vonKalkstickstoff ausCalciumcarbid und Stickstoff:

CaC2+N2 Ca(CN)2{\displaystyle \mathrm {CaC_{2}+N_{2}\longrightarrow \ Ca(CN)_{2}} } Ca2+ N=C=N +C{\displaystyle \mathrm {\longrightarrow \ Ca^{2+}\ ^{-}N=C=N^{-}\ +C} }

Sicherheitshinweise

Obwohl Luft zu über 78 % aus Stickstoff besteht und Stickstoff einInertgas und somit ungiftig ist, müssen bei der Handhabung von gasförmigem Stickstoff in größeren Mengen Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden – beispielsweise wenn aufgrund der Menge an Stickstoff die Gefahr besteht, dass Personen Arbeitsbereiche wie Maschinenräume betreten, welche ausBrandschutzgründen mit Stickstoffgas gefüllt sind, und durch Verdrängung kein oder nur eine ungenügende Menge an Sauerstoff für die Atmung vorhanden ist.Betritt eine Person einen solchen Bereich, kommt es zu einer heimtückischen, da durch die betroffene Person nicht bewusst wahrnehmbaren,normobaren Hypoxie durch Stickstoff, welche nach einigen Sekunden zu leichten Bewusstseinsstörungen gefolgt von Bewusstlosigkeit und nach wenigen Minuten zum Tod durchErstickung führt. So kam es beispielsweise im Vorfeld der ersten Mission desSpace Shuttle im März 1981 zum Tod zweier Techniker, welche einen aus Brandschutzgründen mit Stickstoff gefüllten Bereich in derMobile Launcher Platform betreten hatten.[45]

Der Grund für diese Gefahr liegt darin, dass der menschliche Körper über keine hinreichend schnelle Sensorik imGlomus caroticum zur Erkennung der Unterversorgung mit Sauerstoff verfügt. Das Gefühl von Erstickung tritt bei einem Anstieg des Kohlendioxidgehalts im Blut auf, gefolgt von heftigem Atemreflex undPanik.Kann hingegen das Kohlendioxid in einer reinen Stickstoffatmosphäre problemlos abgeatmet werden, was in größeren mit Stickstoff gefüllten Räumen der Fall ist, kommt es zu keinem wahrnehmbaren Erstickungsgefühl und die Unterversorgung mit Sauerstoff führt zur vom Betroffenen nicht bewusst wahrnehmbaren Hypoxie.[46]

Daher müssen in Bereichen, in denen mit größeren Mengen Stickstoff hantiert wird und die potentielle Gefahr einer Erstickung beispielsweise bei Fehlfunktionen besteht, neben der nötigen Belüftung auch spezielle Warneinrichtungen vorhanden sein, die einen Sauerstoffmangel optisch oder akustisch anzeigen. Zusätzlich kann das Tragen einerpersönlichen Schutzausrüstung nötig sein, welche das Unterschreiten des Sauerstoffgehalts unter einen Grenzwert rechtzeitig anzeigt.

Nachweis

Stickstoff, der in organisch gebundener Form vorliegt, kann qualitativ mittelsLassaignescher Probe und quantitativ mittels derStickstoffbestimmung nach Will-Varrentrapp, derKjeldahlschen Stickstoffbestimmung, über einAzotometer oder dieElementaranalyse erfasst werden. Für anorganisch gebundenen Stickstoff werden alsNachweisreaktion dieKreuzprobe für Ammoniumionen oder dieRingprobe für Nitrationen durchgeführt.Zur Durchführung der Ringprobe wird die Probelösung (schwefelsauer, schwermetallfrei) mit frischer Eisen(II)-sulfat-Lösung versetzt und mit konzentrierterSchwefelsäure unterschichtet. An der Grenzfläche zwischen beiden Flüssigkeiten werden die Nitrationen zu Stickstoffmonoxid (NO) reduziert. Dieses Radikal bildet in wässriger Lösung mit weiteren Eisenionen einen braunenKomplex, der als „Ring“ an der Phasengrenze im Reagenzglas sichtbar wird:

Schritt 1:

3 Fe2++NO3+4 H+3 Fe3++NO+2 H2O{\displaystyle \mathrm {3\ Fe^{2+}+NO_{3}^{-}+4\ H^{+}\longrightarrow 3\ Fe^{3+}+NO+2\ H_{2}O} }
Redoxreaktion

sowie Schritt 2:

Fe2++NO+5 H2O[Fe(H2O)5NO]2+{\displaystyle \mathrm {Fe^{2+}+NO+5\ H_{2}O\longrightarrow [Fe(H_{2}O)_{5}NO]^{2+}} }
Komplexbildungsreaktion

Verbindungen

Ammoniak

Ammoniak ist ein stark stechend riechendes, farbloses,wasserlösliches undgiftigesGas, das zu Tränen reizt und erstickend wirkt. Es ist derGrundstoff zurHerstellung anderer Stickstoffverbindungen, zum BeispielHarnstoff,Ammoniumsalze wieAmmoniumnitrat undAmmoniumchlorid,Metallamide,Säureamide undImide. Die Herstellung von Ammoniak erfolgt fast ausschließlich mit demHaber-Bosch-Verfahren.

Nitride

Stickstoff bildet mit anderenElementen verschiedene Arten vonNitriden:

Bohrer mitBeschichtung ausTitannitrid

Titannitrid hat eineNatriumchlorid-Kristallstruktur. Es dient fürBeschichtungen, die die Lebensdauer von Produkten, zum BeispielWerkzeugen, verlängern. Diese goldfarbenen Schichten sind üblicherweise sehr dünn.

Siliciumnitrid tritt in dreiModifikationen (α-Si3N4, β-Si3N4 und γ-Si3N4) auf, die sich in ihrerKristallstruktur unterscheiden. Es wird in derHalbleitertechnik und für Messspitzen vonRasterkraftmikroskopen verwendet.

Stickoxide

BeiOxidationsprozessen, zum Beispiel bei derVerbrennung vonBenzin,Erdöl undKohle entstehenStickoxide. Stickstoffquelle kann dieLuft oder derBrennstoff sein. Einige Stickoxide, zum BeispielStickstoffdioxid,Stickstoffmonoxid undDistickstofftetroxid, sindgiftig,ätzend und gesundheitsschädlich. Stickstoffdioxid und Distickstofftetroxid sind teilweise für densauren Regen verantwortlich.Distickstoffmonoxid (Lachgas) wird alsNarkosemittel eingesetzt. Es schädigt dieOzonschicht und ist ein sehr starkesTreibhausgas.[47]

Halogenide

Stickstofftrifluorid ist ein starkesOxidationsmittel.[48] Es wird zurHerstellung vonHalbleitern,Flachbildschirmen undSolarzellen verwendet.Iodstickstoff (Stickstofftriiodid) ist eine sehr instabileVerbindung, die hochexplosiv ist und bei Reibung, Schlag oder Erschütterung starkexotherm reagiert.[49]

Säuren und deren Salze

Salpetersäure ist eine starkeSäure, die unter anderem zurHerstellung vonDüngemitteln,Farbstoffen undSprengstoffen verwendet wird. DieSalze der Salpetersäure sind dieNitrate.Ammoniumnitrat,Natriumnitrat,Kaliumnitrat undCalciumnitrat sind wichtige Düngemittel.

Salpetrige Säure ist eine mittelstarke,instabileSäure, die beiErwärmung in einerDisproportionierungsreaktion zuSalpetersäure,Stickstoffmonoxid undWasser zerfällt:[50]

3 HNO2  HNO3+2 NO+H2O{\displaystyle \mathrm {3\ HNO_{2}\ \longrightarrow \ HNO_{3}+2\ NO+H_{2}O} }

DieSalze derSalpetrigen Säure sind dieNitrite.Natriumnitrit undKaliumnitrit werden alsKonservierungsmittel eingesetzt.[51]

Hyposalpetrige Säure ist eine schwache,instabileSäure, die bereits beiZimmertemperatur zuDistickstoffmonoxid undWasser zerfällt:[50]

H2N2O2H2O+N2O{\displaystyle \mathrm {H_{2}N_{2}O_{2}\longrightarrow H_{2}O+N_{2}O} }

Stickstoffwasserstoffsäure ist eineinstabile, hochexplosive, die Schleimhäute reizende, stechend riechendeFlüssigkeit. DieSalze der Stickstoffwasserstoffsäure heißenAzide.Bleiazid wird alsInitialsprengstoff verwendet.[52]

Weitere anorganische Verbindungen

Cyanwasserstoff (Blausäure) ist eine farblose bis leicht gelbliche, brennbare, sehr flüchtige undwasserlöslicheFlüssigkeit. Cyanwasserstoff und seineSalze, dieCyanide, zum BeispielKaliumcyanid undNatriumcyanid, sind hochgiftig. Ähnliches gilt fürHydrazin, das als Raketen- und Satellitentreibstoff und in Brennstoffzellen eingesetzt wird.

Weitere stickstoffhaltigeSäuren sindCyansäure,Isocyansäure undKnallsäure.

Organische Verbindungen

Tripeptid ausValin,Glycin undAlanin
Strukturformel vonNitroglycerin
Strukturformel vonTrinitrotoluol
Stücke ausTrinitrotoluol

Stickstoff ist in zahlreichenorganischenVerbindungen enthalten, zum Beispiel

Sonstiges

In den Niederlanden gibt es in dem seit dem 10. Januar 2022 amtierendenKabinett Rutte IVerstmals einenMinister für Natur und Stickstoff (er istMinister ohne Geschäftsbereich).

Literatur

Weblinks

Wiktionary: Stickstoff – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Stickstoff – Album mit Bildern und Videos
Wikibooks: Praktikum Anorganische Chemie/ Stickstoff – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise

  1. Harry H. Binder:Lexikon der chemischen Elemente. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1999,ISBN 3-7776-0736-3.
  2. Die Werte für die Eigenschaften (Infobox) sind, wenn nicht anders angegeben, auswww.webelements.com (Stickstoff) entnommen.
  3. Angegeben ist der von der IUPAC empfohlene Standardwert; da die Isotopenzusammensetzung dieses Elements örtlich schwanken kann, ergibt sich für die mittlere Atommasse der in Klammern angegebene Massenbereich. Siehe: Michael E. Wieser, Tyler B. Coplen:Atomic weights of the elements 2009 (IUPAC Technical Report). In:Pure and Applied Chemistry. 2010, S. 1,doi:10.1351/PAC-REP-10-09-14.
  4. IUPAC, Standard Atomic Weights Revised 2013.
  5. abcdeEintrag zunitrogen in Kramida, A., Ralchenko, Yu., Reader, J. und NIST ASD Team (2019):NIST Atomic Spectra Database (ver. 5.7.1). Hrsg.:National Institute of Standards and Technology, Gaithersburg, MD.doi:10.18434/T4W30F (physics.nist.gov/asd).  Abgerufen am 11. Juni 2020.
  6. abcdeEintrag zunitrogen beiWebElements,www.webelements.com, abgerufen am 11. Juni 2020.
  7. abcEintrag zuStickstoff in derGESTIS-Stoffdatenbank desIFA, abgerufen am 30. April 2017. (JavaScript erforderlich)
  8. Robert C. Weast (Hrsg.):CRC Handbook of Chemistry and Physics. CRC (Chemical Rubber Publishing Company), Boca Raton 1990,ISBN 0-8493-0470-9, S. E-129 bis E-145. Werte dort sind auf g/mol bezogen und in cgs-Einheiten angegeben. Der hier angegebene Wert ist der daraus berechnete maßeinheitslose SI-Wert.
  9. abYiming Zhang, Julian R. G. Evans, Shoufeng Yang:Corrected Values for Boiling Points and Enthalpies of Vaporization of Elements in Handbooks. In:Journal of Chemical & Engineering Data. 56, 2011, S. 328–337,doi:10.1021/je1011086.
  10. Ernst von Meyer:Geschichte der Chemie. DOGMA Verlag, 2013,ISBN 978-3-95580-588-3,S. 117 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  11. abA. F. Holleman, Wiberg Nils:Lehrbuch der anorganischen Chemie. De Gruyter, 2019,ISBN 978-3-11-083817-6,S. 539 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  12. abcEintrag zuStickstoff. In:Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 5. Juli 2021.
  13. Hans Peter Latscha, Martin Mutz:Chemie der Elemente. Springer Berlin Heidelberg, 2011,ISBN 978-3-642-16915-1,S. 103 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  14. Paul Diepgen,Heinz Goerke:Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 29.
  15. Hugh S. Gorman:The Story of N. Rutgers University Press, 2013,ISBN 978-0-8135-5439-6,S. 4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  16. Bruno Waeser:Die Luftstickstoff-Industrie. Springer Berlin Heidelberg, 2013,ISBN 978-3-662-28970-9,S. 3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche). 
  17. Manfred Schloesser:Mikroorganismen- die größten Chemiker. Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie, Pressemitteilung vom 3. Februar 2010 beimInformationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 23. Dezember 2014.
  18. Markus Bernhardt-Römermann, Jörg Ewald:Einst zu wenig, heute zuviel: Stickstoff in Waldlebensgemeinschaften. In:Gefahrstoffe – Reinhaltung der Luft. 66 (6), 2006, S. 261–266,Abstract.
  19. Lincoln Taiz, Eduardo Zeiger:Physiologie der Pflanzen. Spektrum, Akad. Verlag, Heidelberg/Berlin 2000,ISBN 3-8274-0537-8.
  20. Ritsuro Miyawaki, Frédéric Hatert, Marco Pasero, Stuart J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) – Newsletter 69. In:Mineralogical Magazine.Band 86, 2022,S. 988–992,doi:10.1180/mgm.2022.115 (englisch,cambridge.org [PDF;112 kB; abgerufen am 3. September 2024]). 
  21. Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 3. September 2024 (englisch). 
  22. Classification of Deltanitrogen. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 3. September 2024 (englisch, siehe auch Anker „Strunz-Mindat“). 
  23. G. Brauer (Hrsg.):Handbook of Preparative Inorganic Chemistry. 2. Auflage. vol. 1, Academic Press, 1963, S. 457–460.
  24. LibreTexts:Oxidation States of Nitrogen
  25. Eintrag zuStickstoff in derGESTIS-Stoffdatenbank desIFA, abgerufen am 20. Dezember 2019. (JavaScript erforderlich)
  26. E. Riedel, C. Janiak:Anorganische Chemie. 8. Auflage. de Gruyter, 2011,ISBN 978-3-11-022566-2,S. 464. 
  27. Bild einer Stickstoff-Spektralröhre (Memento vom 5. März 2016 imInternet Archive).
  28. Roland Span, Eric W. Lemmon, Richard T Jacobsen, Wolfgang Wagner, Akimichi Yokozeki:A Reference Equation of State for the Thermodynamic Properties of Nitrogen for Temperatures from 63.151 to 1000 K and Pressures to 2200 MPa. In:Journal of Physical and Chemical Reference Data.Band 29,Nr. 6, November 2000,S. 1361–1433,doi:10.1063/1.1349047. 
  29. A. F. Holleman,E. Wiberg,N. Wiberg:Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2007,ISBN 978-3-11-017770-1, S. 653.
  30. Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft vom 3. August 2004.
  31. Dominique Laniel, Bjoern Winkler, Timofey Fedotenko, Anna Pakhomova, Stella Chariton, Victor Milman, Vitali Prakapenka, Leonid Dubrovinsky, Natalia Dubrovinskaia:High-Pressure Polymeric Nitrogen Allotrope with the Black Phosphorus Structure inPhys. Rev. Lett. 124 (2020) 216001,doi:10.1103/PhysRevLett.124.216001.
  32. Neues Hochdruckmaterial entdeckt – Schwarzer Stickstoff folgt Goldener Regel der Chemie,Laborpraxis-Online, abgerufen am 2. Juni 2020.
  33. Weiyu Qian, Artur Mardyukov, Peter R. Schreiner:Preparation of a neutral nitrogen allotrope hexanitrogen C2h-N6. In:Nature.Band 642,Nr. 8067, Juni 2025,S. 356–360,doi:10.1038/s41586-025-09032-9. 
  34. N6 ist der stärkste nichtnukleare Sprengstoff. Am 3. August auf n-tv.de
  35. Ideal als Raketentreibstoff. Forscher stellen energiereichste Substanz der Welt her am 25. Juni 2025 auf n-tv.de
  36. National Nuclear Data Center, Brookhaven National Laboratory: Nudat 2. Abgerufen am 9. Januar 2019. 
  37. G. Audi, F. G. Kondev, Meng Wang, W.J. Huang, S. Naimi:The NUBASE2016 evaluation of nuclear properties. In:Chinese Physics C. 41, 2017, S. 030001,doi:10.1088/1674-1137/41/3/030001 (Volltext).
  38. S. M. Naudé:An Isotope of Nitrogen, Mass 15. In:Physical Review.Band 34,Nr. 11, 1929,S. 1498–1499,doi:10.1103/PhysRev.34.1498. 
  39. A. G. Norman, C. H. Werkman:The Use of the Nitrogen Isotope N15 in Determining Nitrogen Recovery from Plant Materials Decomposing in Soil 1. In:Agronomy Journal.Band 35,Nr. 12, 1943,S. 1023–1025,doi:10.2134/agronj1943.00021962003500120004x. 
  40. Zusatzstoff-Zulassungsverordnung:Anlage 3 (zu § 5 Abs. 1 und § 7) Allgemein zugelassene Zusatzstoffe.
  41. Der ORF – Cremig und süffig wie Guinness vom 18. Juli 2016, abgerufen am 12. Dezember 2018.
  42. by States Fell in 2015, Report says.The New York Times Dec. 16, 2015 (abgerufen am 16. Dezember 2015)
  43. czl/AP: Todesstrafe in den USA: Oberstes Gericht in Alabama erlaubt Hinrichtung mit Stickstoff. In: Der Spiegel. 3. November 2023, abgerufen am 3. November 2023. 
  44. Ed Pilkington:Alabama executes Kenneth Smith using untested method of nitrogen gas. In:The Guardian, 26. Januar 2024, abgerufen am 26. Januar 2024 (englisch).
  45. Space Shuttle Columbia Fast Facts. 28. Januar 2018, abgerufen am 20. Juli 2018. 
  46. Cryogenic materials - The risks posed by using them. University of Bath, Department of Biology & Biochemistry, 6. Februar 2007, archiviert vom Original am 6. Februar 2007; abgerufen am 20. Juli 2018. 
  47. Bedrohte Ozonschicht: Lachgas ist größeres Problem als FCKW. In: Spiegel Online. 28. August 2009, abgerufen am 13. April 2015. 
  48. A. F. Holleman,E. Wiberg,N. Wiberg:Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2007,ISBN 978-3-11-017770-1, S. 695.
  49. Eintrag zuIodstickstoff. In:Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 15. Juli 2014.
  50. abA. F. Holleman,E. Wiberg,N. Wiberg:Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 101. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1995,ISBN 3-11-012641-9.
  51. Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 in der konsolidierten Fassung vom 31. Oktober 2022
  52. Eintrag zuBleiazid in derGESTIS-Stoffdatenbank desIFA, abgerufen am 1. Februar 2016. (JavaScript erforderlich)
Periodensystem derElemente
HHe
LiBeBCNOFNe
NaMgAlSiPSClAr
KCaScTiVCrMnFeCoNiCuZnGaGeAsSeBrKr
RbSrYZrNbMoTcRuRhPdAgCdInSnSbTeIXe
CsBaLaCePrNdPmSmEuGdTbDyHoErTmYbLuHfTaWReOsIrPtAuHgTlPbBiPoAtRn
FrRaAcThPaUNpPuAmCmBkCfEsFmMdNoLrRfDbSgBhHsMtDsRgCnNhFlMcLvTsOg
AlkalimetalleErdalkalimetalleLanthanoideActinoideÜbergangsmetalleMetalleHalbmetalleNichtmetalleHalogeneEdelgaseChemie unbekannt
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