Stephen Bantu Biko war das dritte der vier Kinder von Mathew Mzingaye Biko und Alice Nokuzola Biko. Sein Geburtsort ist Tarkastad oder Tylden; beide Orte liegen in der heutigen ProvinzOstkap (Eastern Cape). Die Familie zog bald darauf nachGinsberg Location beiKing William’s Town. Sein Vater starb, als Biko vier Jahre alt war. Steve Biko besuchte etwa ab 1952 dieCharles Morgan Higher Primary School in Ginsberg Location, wo er mehrere Klassen übersprang.[1] 1960 wurde er Schüler derForbes Grant. Er zeigte sich bereits in seiner Schulzeit als vehementer Gegner derApartheid-Politik. 1962 kam er an dasLovedale Missionary Institute, wo bereits sein Bruder Khaya ausgebildet wurde. Khaya Biko, der demPan Africanist Congress nahestand, wurde von der Polizei verdächtigt, dessen UntergrundorganisationPoqo anzugehören, und zu einer Haftstrafe verurteilt. Auch Steve Biko musste daraufhin die Schule verlassen.[1] Nach seiner Freilassung erreichte Khaya Biko, dass sein Bruder ab Juni 1964 seine Schulausbildung im vonkatholischen Missionarinnen geleitetenSt. Francis College in Mariannhill in der Nähe vonDurban beenden konnte.[4]
1966 begann er in Durban an derMedical School derUniversity of Natal Non European section ein Studium der Medizin,[5] wo er seinen späteren Freund und Mentor Joshua Mboya Dada kennenlernte. Er gehörte anfangs der StudentenbewegungUnited Christian Movement an. Sein wachsendes politisches Engagement, ab 1968 in der von ihm begründetenSouth African Students’ Organisation (SASO), führte jedoch zu nachlassender Studientätigkeit. So wurde er 1973 erneut zwangsexmatrikuliert. Als Student begründete Biko außerdem dieBlack-Consciousness-Bewegung mit dem Ziel, das urbane schwarze Bevölkerungsspektrum zu stärken und zu mobilisieren.[3]
Biko beteiligte sich 1972 an der Gründung derGraswurzelbewegungBlack Community Programmes (BCP), eines überregionalen Netzwerks gemeindebasierter Organisationen, und trat bei großen öffentlichen Versammlungen auf. 1973 verhängte die Apartheid-Regierung einenBann über ihn, der mit scharfen Auflagen verbunden war: Er wurde überwacht, durfte seine Heimatstadt nicht verlassen und nicht mit mehr als einer Person gleichzeitig sprechen. Aufgrund dieser Auflagen konnte Biko, der sich zunehmend für Rechtsfragen interessierte, nur ein Fernstudium derRechtswissenschaften aufnehmen.
Während dieser Zeit beteiligte sich Biko an spezifischen politischen Aktivitäten. So war er beispielsweise an der Gründung desZimele Trust Fund führend beteiligt, einer gemeinwesenorientierten Institution mit Unterstützung südafrikanischer Kirchen, die mittels individueller Fördermaßnahmen zur Schaffung von Erwerbsgrundlagen für Familien politischer Häftlinge oder für diese selbst nach ihrer Haftentlassung beitrug.[6]
Bikos Grab in King William’s Town, Ginsberg Location
Zugleich verstärkte Biko seine Aktivitäten in den BCP. Diese riefen erneut den Staatsapparat auf den Plan, was zur Folge hatte, dass er sich ab 1975 überhaupt nicht mehr politisch betätigen durfte. In der Folgezeit wurde Biko mehrmals verhaftet, zuletzt am 18. August 1977 außerhalb von King William’s Town, als die Sicherheitspolizei ihn aufgriff und wegen Verletzung seiner Auflagen verhaftete.[3] Man internierte ihn in einem Gefängnis in der nahegelegenen StadtPort Elizabeth. Während der anschließenden tagelangen Verhöre im „Police-Room 6-1-9“ wurden ihm durchFolter schwere Kopfverletzungen zugefügt.[3]
Am 11. September wurde Biko nackt und bewusstlos in einem Polizeiwagen mehr als 1000 Kilometer nach Pretoria transportiert. Dort starb er in der folgenden Nacht im Gefängniskrankenhaus an seinen Verletzungen. Am 13. September 1977 wurde sein Tod bekannt gegeben. Der südafrikanische JustizministerJames Kruger behauptete zunächst, der Tod sei als Folge einesHungerstreiks eingetreten. Nach einer gerichtlich angeordneten Untersuchung verneinte ein Gericht am 2. Dezember 1977, dass Biko an den Folgen der Verletzungen gestorben sei, die ihm in Port Elizabeth zugefügt worden waren.[7] DieAutopsie wurde vom damaligen staatlichenChefpathologen Südafrikas,Johan Loubser, geleitet. Jonathan Gluckman, ebenfalls Pathologe, war als Arzt der Familie hierbei anwesend.[8] Der RechtsanwaltSydney Kentridge, der für seine hartenKreuzverhöre bekannt war, vertrat Bikos Familie in rechtlichen Fragen. Er erreichte, dass es den zahlreichen, auch ausländischen Journalisten ermöglicht wurde, sich ein genaues Bild von Bikos Tod zu machen. Zuvor hatte ein Bericht der JournalistinHelen Zille in der TageszeitungRand Daily Mail die Öffentlichkeit über die wahren Umstände von Bikos Tod aufgeklärt.[9] Zu einer Anklage wegen Mordes oder Totschlags kam es gleichwohl nicht. Auch Jahrzehnte später wurde niemand strafrechtlich verfolgt.[3]
Am12. September2025 (dem 48. Jahrestag seines Todes) begann am High Court inGqeberha eine neue gerichtliche Untersuchung (Inquest) zu den Umständen von Bikos Tod. Sein SohnNkosinathi Biko erklärte gegenüber der BBC, die Familie sei zuversichtlich, dass das Verfahren zu Anklagen gegen die fünf mutmaßlich beteiligten Polizisten führen werde; zwei mit dem Fall in Verbindung gebrachte Personen seien noch am Leben und inzwischen über 80 Jahre alt. Die Verhandlung wurde bis zum12. November2025 vertagt und steht auch im Zusammenhang mit einer von PräsidentCyril Ramaphosa angekündigten richterlichen Untersuchung zu mutmaßlicher politischer Einflussnahme bei der Strafverfolgung von Apartheid-Verbrechen.[3]
Bikos Begräbnis fand am 25. September 1977 in King William’s Town statt und wurde zu einem Großereignis. Es reiste eine große Zahl von Trauergästen an, die zu dieser Zeremonie im SportstadionVictoria Ground[14] am Rande der Stadt zusammentrafen. Unter den Gästen befanden sich ausländische Diplomaten und inländische Repräsentanten des politischen Lebens, darunterHelen Suzman,Alex Boraine undZach de Beer von derProgressive Federal Party.[15]
Die gewaltsame Tötung Bikos führte zu einem internationalen Eklat.[3] Biko wurde zu einem Symbol der Widerstandsbewegung gegen das Apartheid-Regime. Die südafrikanische Regierung belegte infolge der Ereignisse eine Reihe von Personen und Organisationen mit einem Bann, darunter alle Organisationen desBlack Consciousness Movements sowie den JournalistenDonald Woods, der die Umstände von Bikos Tod zusammen mit Helen Zille aufgedeckt hatte. DerUN-Sicherheitsrat reagierte mit einemWaffenembargo gegen Südafrika.
Steve Biko heiratete 1970 Nontsikelelo (Ntsiki) Mashalaba ausUmtata, mit der er zwei Kinder hatte.[16] Zwei weitere Kinder hatte er mit der AktivistinMamphela Ramphele, darunter den 1978 geborenenHlumelo Biko, der heute ein bekannter Unternehmer ist. Ein fünftes Kind wurde 1977 aus einer weiteren außerehelichen Beziehung geboren.
Peter Gabriel schrieb das vielbeachtete LiedBiko,[17] das auf seinem dritten StudioalbumPeter Gabriel (Melt) 1980 erschien.[18] Es wurde verschiedentlich von anderen Künstlern interpretiert, etwa vonJoan Baez,Robert Wyatt,Simple Minds,Ray Wilson,Manu Dibango,Paul Simon undBAP.[19] Auch auf der in deutscher Sprache unter dem NamenEin deutsches Album[20] erschienenen Version dieses dritten Studioalbums findet sich eine Version vonBiko in einer Übersetzung vonHorst Königstein.[21] Das Lied von Gabriel ist mit Aufnahmen von Liedern eingerahmt, die bei BikosBeerdigung gesungen wurden: Die Albumversion beginnt mitNgomhla sibuyayo (=Am Tag unserer Ankunft) und endet mitSenzeni Na? (=Was haben wir getan?), während die Singleversionen und die deutschsprachige Version mitNkosi Sikelel’ iAfrika enden und letztere auch beginnt.
Christy Moore behandelt das Thema 1987 in seinem SongBiko Drum. Die englische Roots-Reggae-BandSteel Pulse erinnerte schon 1979 mit dem SongBiko’s Kindred Lament an den ungerechten Tod des Bürgerrechtlers. Auf ihrem AlbumHebron Gate ehrte ihn die kalifornische Reggae-BandGroundation in dem SongSilver Tongue Show in einer Reihe mitMarcus Garvey undMohandas Gandhi.
1985 schuf die MalerinHelga Ginevra das BildBiko, oh Biko als Hommage an Steve Biko. 2000 erschien der FilmThe Color of Friendship nach der KurzgeschichteSimunye vonPiper Dellums, in der die Apartheid und der Tod Steve Bikos eine Schlüsselrolle spielen.
Darüber hinaus widmete ihm die BandA Tribe Called Quest im Jahr 1993 auf ihrem AlbumMidnight Marauders den SongSteve Biko (Stir It Up).
↑Johannes Woywodt:Schwarzes Bewusstsein. Das Leben des Steven Biko. Vergangenheitsverlag, Berlin 2012,S.11.; South African Democracy Education Trust (Hrsg.):The Road to Democracy in South Africa.Band2 (1970–1980). University of South Africa 2006,S.121.