Die Stadt ist auch alsThe Gateway City bekannt, angelehnt an ihre Bedeutung als Tor in den Westen während der Urbarmachung und Entwicklung desamerikanischen Westens. Gegründet von französischen Händlern im Jahre 1764, welche die neue Siedlung nachKönig Ludwig IX. benannten, wuchs St. Louis schnell zu einem der wichtigsten Handelsplätze am Mississippi heran und war hinterNew Orleans die zweitgrößte Stadt imLouisiana-Territorium. Als dieses 1804 von den Vereinigten Staaten erworben wurde, wurden diese größtenteils noch völlig unbekannten Gebiete von St. Louis aus erkundet (Lewis-und-Clark-Expedition).
Fast die gesamte weitere Erschließung des Westens wurde von hier aus organisiert, wodurch sich St. Louis im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Boomtown entwickelte. Besonders die Eisenbahn spielte dabei eine große Rolle. Durch das große Wachstum der von der Industrie geprägten Stadt war St. Louis von den 1860er bis in die 1920er Jahre hinein die viertgrößte Stadt der USA. 1904 wurde sie die erste Stadt außerhalb Europas, die dieOlympischen Sommerspiele austrug.
Seit demZweiten Weltkrieg geht die Einwohnerzahl stetig zurück und der einstige Ruhm der Stadt verblasste mit der Zeit. 2006 führte St. Louis die Liste der gefährlichsten Städte der Vereinigten Staaten an, weil man nur die Zahlen für die Innenstadt und nicht auch die Zahlen für die gesamteMetro Area berücksichtigt hatte.[4] Von 2014 bis 2016[5] führte St. Louis erneut die Liste der Städte mit den meisten Tötungsdelikten in den USA an. Im weltweiten Vergleich liegt St. Louis damit auf Platz 15 (2015). In der Statistik waren nochBaltimore,Detroit und New Orleans als gefährlichste Städte der Vereinigten Staaten angegeben.[6]
In derMetropolregionGreater St. Louis leben heute insgesamt 2,8 Millionen Einwohner. Die Region ist damit die größte Missouris und der achtzehntgrößte Ballungsraum derVereinigten Staaten (Stand 2010). Das Stadtgebiet gehört jedoch nicht zumSt. Louis County, in dem 998.954 Menschen wohnen und der die meisten Vorstädte umfasst. St. Louis selbst ist seit ihrer Gründung eineIndependent City, also eine kreisfreie Stadt.
Etwa zehn Kilometer östlich der heutigen Innenstadt lag, am damaligen Lauf des Mississippi, die größte Stadt desvorkolumbischenNordamerikas: die wohl im 7. Jahrhundert gegründete StadtCahokia, ein Zentrum derMississippi-Kultur, erreichte im 12. Jahrhundert eine Einwohnerzahl, für die die Schätzungen von etwa 8000 bis hin zu 40.000 reichen. Damit war Cahokia die größte jemals errichtete Stadt nördlich des heutigenMexikos, erst um 1800 erreichtePhiladelphia eine solche Einwohnerzahl. Die Stadt war berühmt für ihre Erdpyramiden(Mounds), ähnlich denen der mittelamerikanischen Hochkulturen; die größte erhaltene,Monks Mound, hat größere Seitenlängen als diePyramiden von Gizeh. Die Stadt wurde um 1400 aus unbekannten Gründen von ihren Bewohnern aufgegeben. Als die ersten Europäer das Gebiet im 17. Jahrhundert erreichten, fanden sie den Siedlungsplatz verlassen vor. Das Gelände von Cahokia gehört seit 1982 zumUNESCO-Welterbe.
Die Vereinigten Staaten erwarben die Stadt im Jahre 1803 unter PräsidentThomas Jefferson im Rahmen desLouisiana Purchase. Später wurde Saint Louis der Ausgangspunkt vieler Expeditionen in den Westen wie derLewis-und-Clark-Expedition sowie für Felljäger. Auch viele Siedler starteten von St. Louis gen Westen.
ImSezessionskrieg wurde der Ort 1861 zum Schauplatz desCamp-Jackson-Massakers. Zu dieser Zeit hatte sich St. Louis mit einer Einwohnerzahl von 310.000 nachNew York City,Brooklyn (damals noch selbstständig) und Philadelphia an die vierte Stelle der US-Städte gesetzt. Chicago konnte allerdings nachweisen, dass St. Louis 90.000 Einwohner hinzugerechnet hatte, die nicht im engeren Stadtgebiet wohnten. Noch um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde derGateway City aufgrund ihrer günstigen Lage als Tor zum Westen eine glänzende Zukunft vorausgesagt.
Im 19. Jahrhundert hatte ein starker Zuzug deutscher Einwanderer nach Saint Louis eingesetzt. Derdeutsche Anteil an der Bevölkerung von St. Louis betrug 1860 ca. 60.000 von etwa 170.000 Einwohnern. Die GroßbrauereiAnheuser-Busch wurde 1870 vonEberhard Anheuser ausBad Kreuznach und seinem SchwiegersohnAdolphus Busch ausMainz-Kastel gegründet. Für die deutsche katholische Gemeinde wurde zwischen 1895 und 1908 die Kirche St. Frances de Sales nach Entwürfen des Berliner ArchitektenEngelbert Seibertz errichtet.
Der St. Louis Place Park wurde am 13. November 1898 nach vorhergehenden dreitägigen Festivitäten mit einer Kopie der von Ernst Rau 1876 geschaffenenSchillerstatue ausMarbach am Neckar geschmückt. Diese Stiftung erfolgte durch den Braumeister Col. Charles Stifel. Die Schillerstatue wurde später an die Memorial Plaza nahe dem Rathaus gebracht, wo sie noch heute steht.[8]
20. Jahrhundert: Blütezeit bis 1950, dann Niedergang
Die größte Bevölkerungszahl erreichte St. Louis in der Volkszählung von 1950 mit 856.796. Seitdem nimmt die Bevölkerung kontinuierlich ab. Der Fortzug aus der Innenstadt in das Umland macht sich besonders in dem Gebiet um St. Louis Place Park und um die ehemals mondäne St. Louis Avenue, auf der 1875 schon Pferdebahnen liefen, bemerkbar. Vollständige historische Häuserblocks wurden dort seit den 1950er Jahren abgebrochen oder zeugen, größtenteils als verwahrloste Ruinen, von der einstigen schmucken Pracht dieses seit den 1880er Jahren aufstrebenden Viertels, das besonders bei den deutschen Zuwanderern beliebt war. Hier gab es deutsche Gemeinden aller Konfessionen und Schulen, in denen aufDeutsch unterrichtet wurde.
Auch 2010 hatte St. Louis mit 319.294 Einwohnern noch nicht seinen Bevölkerungstiefpunkt erreicht; die Bevölkerung schrumpft weiterhin. Jeder fünfte Einwohner lebt in Armut.[9] Die St. Louis Metropolitan Police Department hat die höchste Rate an Tötungen durch die Polizei pro Kopf der 100 größten Polizeidienststellen im Bundesgebiet.[10] Das Stadtgebiet ist, verglichen mit sich gut entwickelnden Vorstadtgemeinden, wenig einladend für Wohnzwecke.
Im Osten am Mississippiufer zieht sich über rund 15 Kilometer die Industrie- und Gewerbezone hin, nur unterbrochen durch den Jefferson Memorial Park mit dem Gateway Arch. Das zum großen Teil heruntergewirtschaftete Gebiet verschließt Bürgern den Zugang zum Flussufer. Die Innenstadt ist mittig durchzogen von Eisenbahnen und Hochstraßen und besetzt mit Sportstätten, Einkaufszentren und riesigen Parkplätzen. In innenstadtnahen Wohngebieten im Norden und Süden wurden verlassene Hausgrundstücke zum Teil abgeräumt und zu kleinen Grünflächen umgewandelt, so dass sich die Stadt heute rühmen kann, über 1000 Parks vorzuweisen.
Die Flagge von St. Louis wurde von Theodore Sizer (Yale University) entwickelt und 1964 offiziell eingeführt. Sie symbolisiert den Zusammenfluss der FlüsseMississippi undMissouri in der Nähe von St. Louis. Der Schnittpunkt der blauen Linien fällt unter eine französische Lilie (fleur-de-lis), die dasfranzösische Erbe der Stadt symbolisiert. In einer im Jahr 2004 durchgeführten Umfrage auf der Website derNorth American Vexillological Association belegte die Flagge den fünften Platz unter den amerikanischen Stadtflaggen.[11]
Die Bevölkerung bestand laut dem Zensus von 2010 zu 42,2 Prozent aus Weißen und zu 47,1 Prozent aus Afroamerikanern; 2,9 Prozent waren asiatischer Herkunft. 3,5 Prozent der Bevölkerung warenHispanics. St. Louis zählt somit zu den amerikanischen Städten, in denen Afroamerikaner die größte Bevölkerungsgruppe bilden. DerMedian des Einkommens je Haushalt lag 2015 bei 35.599US-Dollar. 25,5 Prozent der Bevölkerung lebten unterhalb der Armutsgrenze.[12]
Die Einwohnerzahl von St. Louis geht seit den 1950er Jahren zurück, da kontinuierlich Menschen in die Vorstädte ziehen. In derMetropolregionGreater St. Louis wurden insgesamt 2.845.298 Einwohner gezählt. In Missouri ist die Bevölkerungszahl von 3.954.653 im Jahr 1950 bis auf 5.988.927 im Jahr 2010 gestiegen. Die Bevölkerungszahl von St. Louis ist weiterhin rückläufig. Für 2011 wurde sie auf 318.069 Einwohner geschätzt.[13] Daher kommt der Metropolregion die weitaus größere Bedeutung zu, dort ist auch weiterhin ein leichtes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen.[14]
Die Metropolregion von St. Louis erbrachte 2016 ein Bruttoinlandsprodukt von 159,9 Milliarden US-Dollar und belegte damit Platz 22 unter den Großräumen der USA.[17] Die Arbeitslosenrate in St. Louis betrug 3,3 Prozent und lag damit unter dem nationalen Durchschnitt von 3,8 Prozent (Stand: März 2018).[18]
In einer Rangliste der Städte nach ihrer Lebensqualität belegte St. Louis im Jahre 2018 den 70. Platz unter 231 untersuchten Städten weltweit. In den USA hatte nurDetroit eine schlechtere Platzierung.[19]
St. Louis hat zwei Flughäfen, den internationalen FlughafenLambert-Saint Louis International Airport, neben dem sich die Werke der früheren FirmaMcDonnell Douglas befanden, sowie den kleineren RegionalflughafenMidAmerica St. Louis Airport. Der Lambert International Airport war Sitz und Drehkreuz der FluggesellschaftTrans World Airlines (TWA). Der MidAmerica Airport wurde ursprünglich gebaut, um den Hauptflughafen zu entlasten. TWA wurde jedoch nach ihrer Insolvenz im April 2001 von American Airlines aufgekauft und bald darauf die Funktion des Drehkreuzes nach Chicago verlegt. Infolgedessen gingen die Passagierzahlen dort jedoch deutlich zurück, so dass es für einen weiteren Flughafen wenig Bedarf gab. Der MidAmerican Airport erreichte lange Zeit nur wenige zehntausend Passagiere pro Jahr.[20] Zuletzt stiegen die Passagierzahlen jedoch auf 157.000 im Jahr 2016 an. Einzige dort agierende Fluggesellschaft istAllegiant Air.
Die Stadt wird auch vonAmtrak angefahren, mit mehreren Zugverbindungen täglich nachChicago undKansas City, sowie täglich nachDallas undSan Antonio in Texas. Drei Mal wöchentlich werden Kurswagen weiter bisLos Angeles geführt.
St. Louis liegt an der Strecke der früher sehr wichtigenRoute 66 von Chicago nach Los Angeles. Diese Straße wird auch in demBlues-Titel(Get Your Kicks On) Route 66 besungen.
Heute wird die Stadt von den AutobahnenI-44,I-55,I-64 undI-70 bedient.
American Football: Von 1960 bis 1987 spielten dieSt. Louis Cardinals in St. Louis. Nachdem diese 1987 nachPhoenix weitergezogen waren, spielten sieben Jahre lang keine Mannschaften der NFL in der Stadt. 1995 zogen die damaligen Los Angeles Rams in die Stadt und spielten von dort an alsSt. Louis Rams imEdward Jones Dome. Zur Saison 2016 zogen die Rams wieder nachLos Angeles um.
Basketball: St. Louis hat kein Team in der Basketball-LigaNBA. Von 1955 bis 1968 spielten dieSt. Louis Hawks in der Stadt, bevor sie an ihren heutigen Standort nachAtlanta weiterzogen. In den Jahren 1974 bis 1976 trugen dieSpirits of St. Louis aus der NBA-KonkurrenzligaAmerican Basketball Association (ABA) ihre Heimspiele in St. Louis aus. Mit der Fusion der ABA mit der NBA wurde das Team aufgelöst.
Saint Louis ist Heimat des 1880 gegründetenSaint Louis Symphony Orchesters, das im Laufe seiner Geschichte mit sechs Grammy-Awards ausgezeichnet und insgesamt 56 Mal für diesen nominiert wurde. DasOpera Theatre of Saint Louis wird seit 1976 veranstaltet.
Der Rock-’n’-Roll-PionierChuck Berry kommt aus Saint Louis. 1958 begann dort die Gesangskarriere vonTina Turner in der BandKings of Rhythm des in East St. Louis ansässigenIke Turner.[23]
In den 1990er Jahren wurden Country-Sänger bekannt wie Uncle Tupelo und The Bottle Rockets. Damals machte der Aufstieg des RappersNelly (2000), der Saint Lunatics, Murphy Lees, Chingys, J-Kwons und Ebony Eyezs Saint Louis zu einem der Weltzentren vonRap undHip-Hop. Die Stadt wird deshalb oft im Zusammenhang mitNew York City,Atlanta,Los Angeles undDetroit erwähnt.
Aus St. Louis stammt der in Kanada lebende weiße Schauspieler und MusikerJim Byrnes, der durch seine Rolle als Joe Dawson in der FernsehserieHighlander und seine durch Gospel und Blues geprägte Musik (House of Refuge, 2007) bekannt geworden ist, ebenso die Musiker der Prog-Metal-BandAnacrusis sowieDylan Brady, Ravenna Golden und Lewis Grant, die experimentellen Hip-Hop machen.
Patricia Cleary:The World, the Flesh, and the Devil: A History of Colonial St. Louis. University of Missouri Press, Columbia 2011,ISBN 978-0-8262-1913-8.
Jonathan Franzens RomanThe Twenty-Seventh City (1988) behandelt den Niedergang der Stadt St. Louis im 20. Jahrhundert. Sein BestsellerThe Corrections (2001) hat auch teilweise St. Louis (im Roman „St Jude“ genannt) zum Schauplatz.