MitSpickzettel (auch:Spicker,Schwindel-,Pfusch- oderSchummelzettel) wurden und werden nicht zuletzt von Schülern Zettel bezeichnet, die bei Prüfungen, Klausuren, Abfragen oder Tests in verbotener Weise zu deren möglichst korrekter Beantwortung genutzt werden.[1]
Daneben werden mit Spickzettel umgangssprachlich auch von Erwachsenen jene Zettel bezeichnet, wie sie u. a.(Fernseh-)Moderatoren ganz offen als Gedächtnisstützen verwenden.[1]
Die sehr unterschiedlichen Gestaltungsweisen der Spickzettel hängen nicht zuletzt von deren Einsatz ab:
Dienen die Spickzettel einer unerlaubten Absicherung bei Prüfungen, werden meist möglichst kleine Zettel genutzt, die hilfreiche Informationen in entsprechend gerade noch lesbarer, kleiner Schrift bzw. bei Ausdrucken in kleinerTypografie enthalten. Die geringe Größe der Zettel und deren dadurch vielfältig möglichen Verstecke (siehe z. B. nebenstehende Abb.) sollen vor deren Entdeckung durch die Prüfenden schützen. (Eine umfangreiche Sammlung von Spickzetteln, die der seinerzeit im Berufskolleg St. Michael, Ahlen (Westfalen) tätige Schulseelsorger Diakon Johannes Gröger zusammengetragen hatte, wurde 2009 für einige Monate an der Schule unter dem TitelVertrauensBlicke ausgestellt.)[2]
Dienen Spickzettel wie z. B. bei Reden hingegen einer erlaubten oder sogar gewünschten Nutzung, werden meist mehrere Zettel mit – je nach Sehkraft der Nutzer – gut lesbarer Schrift gefertigt, die ganz offen genutzt und nach Gebrauch abgelegt werden.
Die Nutzung von Spickzetteln oder vergleichbaren Hilfsmitteln (Smartphone, Funkohrhöhrer) erfüllt im deutschen Schul- und Prüfungsrecht den Tatbestand des (veraltet ausgedrückt) „Unterschleifs“[3] und führt bei Entdeckung während oder nach einer Prüfung zur Aberkennung der kompletten erbrachten Prüfungsleistung oder/und ihrer schlechtestmöglichenBenotung.
An Universitäten/Hochschulen gibt es zuweilen die Erlaubnis, einen Zettel mit selbst gewähltem Inhalt mit in eine Klausur zu nehmen. Dabei kann es sich um untergeordnetes Wissen wie z. B. grundlegende, aber schwer zu merkende Formeln oder Skizzen handeln, die zur Lösung komplizierterer Aufgaben nötig sind. Da die Zettel durch das Papierformat beschränkt sind und oft nur handschriftlich angefertigt werden dürfen, zwingt das die Studenten bei deren Zusammenstellung zu einer erneuten Auseinandersetzung mit dem Stoff.
Bei Reden, Vorträgen oderWorkshops o. ä. werden Spickzettel genutzt, die nur grob deren Ablauf bzw. Struktur mit Überschriften und Unterpunkten gliedern, um nichts Wesentliches zu vergessen. (In Abgrenzung dazu stünde das Ablesen eines vorgegebenen Textes.)
Im Alltag können Spickzettel als Erinnerungshilfen eingesetzt werden, unter anderem in Form von Einkaufslisten,Kochrezepten,To-do-Listen sowie für die Darstellung von Arbeitsabläufen in Einzelschritten. AlsMindmap illustrieren und protokollieren sie Gesprächsverläufe und Sitzungen, dienen als Mitschrift einer Vorlesung oder zur Planung eines Projektes und vielem mehr.
Bis 1969 hattenKanontafeln in dertridentinischen Messe der Katholischen Kirche jahrhundertelang die Funktion von Spickzetteln bzw. einer Gedächtnisstütze für feststehende Texte während derLiturgie.
Ein Spickzettel des ehemaligen FußballnationaltorwartsJens Lehmann erreichte internationale Aufmerksamkeit. Am 30. Juni 2006 beim Viertelfinalspiel derFußball-Weltmeisterschaft 2006 steckte TorwarttrainerAndreas Köpke Lehmann einen handgeschriebenen Spickzettel mit Informationen über die Schützen der argentinischen Mannschaft zu.[4] Lehmann hielt zwei Elfmeter gegen Argentinien und wurde als Matchwinner gefeiert. Er stellte den Zettel später der AktionEin Herz für Kinder zur Verfügung. Bei einer Versteigerung erwarb das UnternehmenEnBW den Zettel für eine Million Euro und überließ ihn demHaus der Geschichte in Bonn.[5]
Günter F. Hessenauer:Erwischt! Alles über Spickzettel & Co. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 2009,ISBN 978-3-499-62506-0.
Hermann Schiefer, Kurt Halbritter:Wer abschreibt, kriegt 'ne 5! Ein Schmunzelbuch zum Schummeln in der Schule Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 1975,ISBN 978-3-499-11526-4.
Thomas Brockmann:Das große Buch vom Schummeln. Eichborn-Verlag, Frankfurt/Main 1990,ISBN 3-8218-3008-5.