Die Namensgebung Spektrallinie geht historisch darauf zurück, dass in üblichenSpektrometern einEingangsspalt vorhanden ist, dessen Form sich auf dem Schirm oder im Auge des Betrachters abbildet. Der Name wurde später auch auf diePeaks (d. h. Maxima) in einem als Intensitätskurve aufgezeichneten Spektrum übertragen.
Spektrum einer Niederdruck-Cadmiumdampflampe, obere Aufnahme mit einem 256-Pixel-Zeilensensor, untere Aufnahme mit einer Kamera
Eine Spektrallinie ist dasLicht einer genau definiertenFrequenz, das von einem Atom oder Molekül aufgrund eines Übergangs aus einemEnergieniveau auf ein anderes abgegeben (emittiert) oder aufgenommen (absorbiert) wird. Die Frequenz wird durch dieEnergie des emittierten oder absorbiertenPhotons bestimmt; diese ist gleich dem Unterschied zwischen den Energien der beidenquantenmechanischen Zustände. Die Frequenz ist charakteristisch für diesen bestimmten Übergang in der gegebenen Atomsorte. Daher kann man durch Beobachtung von Spektrallinien Atomsorten unterscheiden.
EineEmissionslinie zeigt sich im Spektrum als helle Linie. Sie entsteht beim Übergang von einem höheren auf ein tieferesEnergieniveau, beispielsweise wenn ein Elektron von einemangeregten Zustand in denGrundzustand übergeht. Hierbei wird ein Photon ausgesendet. Dies kann entweder spontan geschehen (spontane Emission) oder, wie z. B. beimLaser, durch Licht passender Frequenz angeregt werden (stimulierte Emission).
AbsorptionslinienResonanzabsorption von H2O-Gas bei 1519 nm
Bei Einstrahlung von Licht mit einem kontinuierlichen Spektrum (also einem Frequenzgemisch) ergibt sich durchResonanzabsorption von Photonen passender Frequenz eineAbsorptionslinie, indem ein Übergang von einem niedrigeren in ein höheres Energieniveau induziert wird – beispielsweise, wenn ein Elektron durch das Photon aus demValenzband in dasLeitungsband „gehoben“ wird (vgl.photoelektrischer Effekt).
Beim Rückfall in das niedrigere Energieniveau werden Photonenisotrop, d. h. in beliebige Richtungen, emittiert.
Beides führt dazu, dass das Licht vom durchstrahlten Stoff bei dieser Frequenz diffusgestreut wird. Sofern ausreichend viele absorbierende Atome vorhanden sind, kommt es dadurch zu
einer dunklen Linie im kontinuierlichen Spektrum des durchscheinenden Lichts (Fraunhoferlinie); dies ist meistens mit dem Begriff Absorptionslinie gemeint
einer hellen Linie vor dunklem Hintergrund, wenn das vom Gas seitlich austretende gestreute Licht analysiert wird; diese Art von heller Linie nennt man aufgrund historisch entstandenerTerminologienicht Emissionslinie; als solche werden Linien nämlich nur dann bezeichnet, wenn die Anregungnicht durch Licht der gleichen Frequenz erfolgte.
Das Licht einer Spektrallinie enthält nicht eine einzelne, scharf bestimmte Frequenz, sondern umfasst einen (schmalen) Frequenzbereich. DieHalbwertsbreite dieses Bereiches nennt manLinienbreite.Die Linienbreite einer Emissionslinie setzt sich aus mehreren Beiträgen zusammen:
Aufgrund der thermischen Bewegung der Atome entsteht einDoppler-Effekt, der das Licht eines einzelnen Atoms oder Moleküls je nach Bewegungsrichtung rot- oder blauverschiebt. Aufgrund der statistischen Bewegung ergibt sich insgesamt eine breitere Frequenzverteilung. Diesen Effekt nennt manDoppler-Verbreiterung. Sie hat die Form einerGauß-Kurve und ist abhängig von derTemperatur. Meist dominiert die Dopplerbreite deutlich über die natürliche Linienbreite. Der Mechanismus ist auch unter dem BegriffinhomogeneLinienverbreiterung bekannt.
Voigt-Profil
Eine Lorentz-Kurve endlicher Breite erscheint bei einer Messung gegenüber ihrer bekannten Form verändert, wenn dieApparatefunktion der Messanordnung eine Halbwertsbreite in der Größenordnung der betrachteten Lorentz-Kurve aufweist. Die Linienform lässt sich dann durch dieFaltung aus Lorentz-Kurve und Apparatefunktion beschreiben. Ist die Apparatefunktion eine Gauß-Kurve, spricht man bei dem Ergebnis der Faltung von einemVoigt-Profil.
Die Spektrallinien trugen neben anderen Effekten zur Entwicklung derQuantenmechanik bei. Ein in einem Atom gebundenesElektron könnte nach der klassischen Elektrodynamik elektromagnetische Wellen beliebiger Frequenzen abstrahlen; die Existenz von diskreten Linien war klassisch nicht erklärbar. Die Entdeckung, dass die Frequenzen der Spektrallinien desWasserstoffatoms proportional zu einem Ausdruck der Form mit ganzen Zahlen und sind, führte zum Konzept derQuantenzahl und brachteNiels Bohr schließlich auf seinBohrsches Atommodell, das erste – heute überholte – quantenmechanische Atommodell.Die moderne Quantenmechanik kann die Spektrallinien der Atome mit sehr hoher Genauigkeit vorhersagen.