Nordseekrabbe (Lebensmittel)


AlsNordseekrabben, meist kurzKrabben sowie auchPorren oderGranat, werden im allgemeinen Sprachgebrauch und insbesondere in der Küchensprache die aus derNord- undOstsee stammendenNordseegarnelen (lateinischCrangon crangon) bezeichnet,[1] deren Fleisch als Delikatesse und als SpezialitätNorddeutschlands gilt. Teils werden sie zudem als „Sand-“ oder „Strandgarnelen“, „Krevetten“ (vonfranzösisch „crevette“ − dort auch allgemein fürGarnelen), „Knat“ oder „Graue Krabben“ bezeichnet.
Bedeutung alsLebensmittel haben nur Nordseegarnelen mit einer bestimmten Mindestgröße, die sogenanntenSpeisekrabben. Das nussig schmeckendeNordseekrabbenfleisch von Speisekrabben dient sowohl als Hauptzutat oder geschmacksprägende Zutat bei einer Reihe von norddeutschenGerichten als auch alsBeilage oderGarnierung zu verschiedenen Speisen.
Allgemeines
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Nordseegarnelen werden in Norddeutschland „fälschlicherweise, aber ganz offiziell […] Nordseekrabbe[n] genannt, obwohl ‚Krabben‘“ – im zoologischen Sinn – „ausschließlichKurzschwanzkrebse sind“. Die „Nordseekrabbe“ gehört jedoch zu denLangschwanzkrebsen und zählt damit zu den Garnelen. Es hat sich eine Reihe von weiteren Bezeichnungen für die „Delikatesse aus der Nordsee“ eingebürgert.[1] So werden die volkstümlich vor allem im norddeutschenBinnenland alsKrabben bezeichneten Nordseegarnelen inNordfriesland oftPorren, inOstfrieslandGranat genannt.[2]

Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vomWeißen Meer bis zurAtlantikküsteMarokkos. Sie ist die am weitesten verbreitete Garnelenart der sandigen und schlickigen Küsten des Ostatlantiks und die einzige marine Garnele mitfischereiwirtschaftlicher Bedeutung fürDeutschland. Weitere kleine Vorkommen bestehen in derOstsee, imMittelmeer und imSchwarzen Meer. Sie leben vor allem über sandigem Grund. Gefangen werden Nordseegarnelen hauptsächlich in seichteren Gewässern bis etwa 40 Meter Wassertiefe in Buchten vonFrankreich undEngland bis nachDänemark mit Schwerpunkt imWattenmeer und in derDeutschen Bucht. Nordseegarnelen sind typische Garnelen, lang und schmal mit fast rundem Querschnitt und mit langen Antennen. Sie haben eine leicht gräuliche bis bräunliche Färbung; daher werden sie im Französischen „crevette grise“ und imEnglischen „brown shrimp“ genannt. Im gekochten Zustand sind sie rötlich-braun und weisen eine „Tropfenform“ auf, da sich der Körper auf der Unterseite von der Schwanzspitze bis zum Kopf gekrümmt hat.[3]
Krebsfleisch gilt als Delikatesse, und deshalb werden die Nordseegarnelen als ein „wertvolles und hochpreisiges Fischereiprodukt“ eingestuft. Sie stellen für die deutscheKüstenfischerei eine ökonomisch sehr wichtige Art dar, überdies oft nach ihrem jährlichenAnlandewert die wertvollste. Neben derkulinarischen Bedeutung vonNordseekrabben für die norddeutsche beziehungsweisenordwestdeutsche Küche haben zudem die Fischereifahrzeuge derKrabbenfischerei heute für denTourismus an der Küste erhebliche Bedeutung.[3]
Spätestens seit dem 17. Jahrhundert wurden die Nordseegarnelen mit Netzen im Wattenmeer gefangen; seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird vonKrabbenkuttern aus mitGrundschleppnetzen gefischt. Die europäische Gesamtfangmenge in der Nordsee betrug 2016/17 rund 31.400 Tonnen. Damit steht die Krabbenfischerei in ihrer Bedeutung unter den Nordseefischereien an dritter Stelle. Der Verbrauch von Nordseegarnelen in Deutschland lag 2014 bei 652 Tonnen. Sie werden weitgehend nach dem Fang bereits an Bord gekocht und sind nur in geringem Umfang alsungeschälte Speisekrabben an der Küste oder bei gut sortiertenFischhändlern erhältlich. Der Großteil wird, nach meist längerem Transport zu und vom Ort des „Pulens“, alsgeschältes Krabbenfleisch lose oder abgepackt über denFisch- beziehungsweiseLebensmittelhandel vermarktet. Die Krabbenschälung, die über viele Jahrzehnte sowohl an der norddeutschen Küste als auch in anderen Nordsee-Anrainerstaaten inHeimarbeit praktiziert wurde, hat sich heute im Zuge der Globalisierung zu fast 95 % ins weiter entfernte Ausland wieMarokko,Polen undBelarus verlagert.[3][4]
Krabben werden traditionell nach dem Sieben fangfrisch an Bord in Seewasser gekocht[5], und nach dem Anlanden ungepult nachLitern direkt verkauft.[6][7][8][9] Ein Liter Krabben entspricht etwa 500Gramm. Bis 1961 wurden die gefangenen Krabben mitBorsäure undHexamethylentetramin konserviert.[10]
Besonders beliebt sind Nordseegarnelen inBelgien, Norddeutschland und England, zudem stehen sie in anderen Nordsee-Anrainerstaaten wie Frankreich,Niederlande oder Dänemark teils auf dem Speisezettel.[11] Die heutige kulinarische Bedeutung vonNordseekrabben wird unter anderem vom norddeutschen FernsehkochTarik Rose in einerKochsendung desNDR Fernsehens wie folgt charakterisiert: „Das ehemalige Arme-Leute-Essen hat sich zu einer Delikatesse entwickelt – Krabben sind heute echter Luxus“.[12] Und dasHamburger Abendblatt urteilt: „… noch immer sind Krabben das kulinarische Symbol derNordseeküste“.[13]
Typische Speisen mit Nordseekrabben
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Krabbenbrötchen
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Krabbenbrötchen gehören zu denFischbrötchen und werden meistens an Imbissständen und in Schnellrestaurants verkauft, die aufFisch ausgerichtet sind. Zudem gehören sie oft zum Angebot von Fischgeschäften. Für „Original-Krabbenbrötchen“ wird als Belag Nordseegarnele verwendet. In Norddeutschland gelten sie, wie andere Fischbrötchen, als Teil derLebenskultur. Aufgrund des hohen Preisniveaus von Nordseekrabbenfleisch sind sie relativ hochpreisig. Sie bestehen aus einem aufgeschnittenenBrötchen, das meist mitButter oderMargarine bestrichen und mit Nordseekrabbenfleisch belegt wird. Typische Zutaten sindRemoulade undSalatblätter.[14] In den Fischrestaurants und -läden derSylter UnternehmensgruppeGosch gehören Krabbenbrötchen zum typischen Angebot; anstelle von Remoulade werden sie mit einer speziellenSalatsauce in Form einer firmeneigenen „Hummersauce“ zubereitet.
Allgemein werden heute als Belag teils andere – und preiswertere – Garnelen wie zum Beispiel „Shrimps“, „Eismeershrimps“ beziehungsweise -garnelen oder „Grönlandkrabben“ verwendet, die jedoch geschmacklich nicht mit Nordseekrabben zu vergleichen sind.
Krabbensalat
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Krabbensalat gilt als norddeutsche Delikatesse. Basiszutaten desSalats sind nach traditionellem Rezept Nordseekrabbenfleisch,Salatmayonnaise,Salatgurke,Zitronensaft,Salz undPfeffer sowie fein geschnittenes frischesDillkraut. Damit der gehaltvolle Salat etwas frischer und leichter schmeckt, kannJoghurt hinzugefügt werden. In verfeinerten Rezepten wird dieSalatcreme aus Joghurt,Saurer Sahne,Tafelmeerrettich, Zitronensaft, fein geschnittenenLauchzwiebeln und Kräutern wie Dill oderRauke angerührt und mit dem Krabbenfleisch vermengt. Abgeschmeckt wird mit Salz und Pfeffer und etwasZucker. Es gibt zahlreiche Variationen; so kann zum Beispiel fein geschnittenerStaudensellerie oder gewürfeltes Fruchtfleisch vonApfel oderAvocado hinzugegeben werden.[15]
AlsBüsumer Krabbensalat ist eine Variante verbreitet, für die fein geschnittene Salatgurke,Radieschen,Zwiebeln und Dill in einerEssig-Öl-Vinaigrette oder einem Zitronen-Öl-Dressing mariniert und mit Salz und Pfeffer gewürzt wird. Vor dem Anrichten wird das Krabbenfleisch darunter gehoben; garniert wird mit einigen Dillzweigen, Zitronenscheiben oderKresse. Namensgebend für die Salatvariante ist der direkt an der Nordsee liegende schleswig-holsteinische Hafen- und FremdenverkehrsortBüsum, das historische Zentrum desKrabbenfangs.[16]
Krabbencocktail
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Krabbencocktails gehören zu denVorspeisen-Cocktails, die international in den 1960er und 1970er Jahren in Mode kamen. Sie bestehen hauptsächlich ausEisbergsalat, Garnelen undCocktailsauce. Mittlerweile wurden hunderte verschiedene Versionen entwickelt.[17]
Insbesondere in Norddeutschland sowie in anderen Nordsee-Anrainerstaaten wirdKrabbencocktail oft mit Nordseekrabbenfleisch zubereitet. Typisch ist dabei eine Sauce aus Mayonnaise, Sahne (Schlagsahne,Schmand oder Saure Sahne),Tomatenketchup,Cognac oderPortwein, Salz, Zucker und je nach RezeptOrangen- oder Zitronensaft, geriebener Meerrettich, Pfeffer,Tabasco undWorcestersauce. Oft werden noch weitere Zutaten wie kleineChampignons, Scheiben von hartgekochtenEiern, gegarteErbsen oderMandarinenscheiben hinzugefügt. Die pikant abgeschmeckte Krabbenfleischmischung wird meist auf feinen Streifen vonKopfsalat sowie in Gläsern oder Schalen dekorativ angerichtet und mit Dill oder Zitronenscheiben garniert.[18][19]
Krabbensuppe
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Krabbensuppe hat sich vom früheren „Arme-Leute-Essen“ zu einer beliebten Vorspeise nach Art einerBisque entwickelt, die heute meist heiß in einerSuppentasse und mit einem Sahnehäubchen serviert wird.[20] In überlieferten Rezepten, wie zum Beispiel von den nordfriesischen Inseln undHalligen, wird sie mit „Krabbensud“ zubereitet. Dafür werden frische Nordseekrabben geschält, die Schalen gewaschen, in Wasser ausgekocht und der entstandene Suddurchgeseiht. Die Suppe wird mit einerMehlschwitze ausMehl undFett gebunden, die mit herbemWeißwein abgelöscht wird. Anschließend wird sie mit dem Sud aufgefüllt und mit Salz, Pfeffer undTomatenmark abgeschmeckt. In einigen Rezepten wird noch mundgerecht geschnittenesSuppengemüse hinzugegeben und in der Suppe gegart, teils werden auchSpargelabschnitte (früher meist als Konservenware) hinzugefügt. Kurz vor dem Servieren werden geschlagene Sahne und ein „Schnapsglas“ Cognac unter die heiße Suppe gezogen. Traditionell werden am Tisch je einige Löffel Krabbenfleisch in die Suppenteller oder -tassen gegeben, mit der heißen Suppe übergossen und zusammen mit etwas frisch gehackterPetersilie verzehrt.[21]
Es gibt eine Vielzahl von Variationen, deren Zubereitungsarten sich hauptsächlich in kleinen Zutaten unterscheiden, die je nach Geschmack variieren und ausgetauscht werden können. Nahezu jeder Krabbenfischerort an der deutschen Nordseeküste kennt seine „eigene Krabbensuppe“, hinzu kommen regionale Versionen. In modernen Rezepten wird Krabbensuppe, wenn keine ungeschälten Nordseekrabben beziehungsweise Krabbenschalen verfügbar sind, meist auf Basis vonGemüsesuppe,Kartoffel-Gemüsesuppe,Hühner- oderGemüsebrühe zubereitet. Teils wird diese mit einem handelsüblichenKrebsbutter-Fertigprodukt oder mitHummerfond, ersatzweiseFischfond, aromatisiert.[22][23]
Krabben mit Rührei
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Krabben mit Rührei gilt als Spezialität Norddeutschlands. Das einfach und schnell zuzubereitende und zugleich nahrhafte Gericht besteht lediglich aus zwei Hauptzutaten, „fangfrische“ Nordseekrabben und frische Eier. Für dasRührei werden die rohen Eier aufgeschlagen und verquirlt, oft zusammen mit etwasMilch,Joghurt,Mineralwasser oderWasser, und in der Pfanne bei milder Hitze in Butter oderPflanzenöl gestockt. Gewürzt wird mit Salz und nach Geschmack mit Pfeffer, teils werden noch fein geschnittene frische Kräuter wie Dill, Petersilie oderSchnittlauch darübergegeben. Als moderne Variation wird zudem mitRadieschenscheiben garniert. Traditionell werden die Krabben während des Stockens der Eier mit in die Pfanne gegeben und kurz erhitzt. Alternativ werden die Krabben in einer zweiten Pfanne kurz in heißer Butter geschwenkt, mit Salz, Pfeffer und einem Spritzer Zitronensaft gewürzt und zusammen mit dem fertigen Rührei serviert. Als Variante werden die kalt belassenen Krabben über das angerichtete Rührei gestreut oder daneben gegeben. Garniert wird oft mit Zitrone und Kräutern. Klassisch wird zuKrabben mit Rührei gebuttertesSchwarzbrot gereicht.[24]
Krabben mit Rührei werden traditionell sowohl als „herzhaftesFrühstück“ oderAbendessen als auch alsHauptgericht verzehrt, teils zusammen mitBratkartoffeln undBlattsalat. Als Abwandlungen sind die Speisen „Krabbenbrot“, „Halligbrot“ und „Krabbentoast“ bekannt, die zum Teil zudem mitSpiegelei zubereitet werden.
Krabbenbrot
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Krabbenbrot ist ein norddeutscher Klassiker und besteht traditionell aus einem gebuttertenSchwarzbrot, das mit frisch gekochten und gepulten Nordseekrabben belegt und mit Rührei oder Spiegelei ergänzt wird. Es gilt als klassisches und einfaches Krabbengericht und ist in Norddeutschland unter zum Teil verschiedenen regionalen Bezeichnungen bekannt. So wird es insbesondere in Ostfriesland und im Hamburger Raum oft alsGranatschnitte (norddeutsch für eine ScheibeButterbrot mitGranat) bezeichnet, während es vor allem in Nordfriesland alsHalligbrot bekannt ist.[13][25]
Gebräuchlich für die Speise sind zudem die beschreibenden BezeichnungenKrabbenbrot mit Rührei,Krabbenbrot mit Spiegelei oder kurzKrabbenbrot,[13] indes werden das schwedischeRäksmörgås und asiatischeKrabbenchips ebenfalls „Krabbenbrot“ genannt.
Nach üblichen Rezepten wirdVollkornbrot (Schwarzbrot oder dunklesGraubrot) mit Butter bestrichen und mit Rührei belegt. Dafür werden aufgeschlagene Eier mit Sahne verrührt, mit Salz und Pfeffer gewürzt und in der Pfanne zusammen mit zuvor in Butter glasig gedünstetenSchalottenwürfeln zum Stocken gebracht. Danach wird Krabbenfleisch – das möglichst frisch sein sollte – mit etwas Pfeffer gewürzt, mit fein geschnittenem Dill vermengt und reichlich über das Rühreibrot geschichtet. Alternativ wird das Brot mit Krabben belegt und mit einem oder zwei Spiegeleiern ergänzt. Garniert wird meist mit Scheiben oder Achteln von Zitrone und teils vonTomate und Gurke, zudem teils mit Salatblättern oderGurkenfächern.[13]
Der besonders in Nordfriesland verbreitete BegriffHalligbrot spielt auf die Halligwelt an, welche die Region prägt und findet sich beispielsweise schon in den 1970er Jahren im Standardangebot von verschiedenenLandgasthöfen an der Küste Nordfrieslands.[26] Mittlerweile weisen vieleGastronomiebetriebe aus der Region „Halligbrot“ als Spezialität aus, nicht zuletzt im Zuge des zunehmendenTourismusmarketings von kulinarischen Besonderheiten der Nordseeküste wie hier Krabben.[13] Halligbrot wird meistens mit Spiegelei serviert, zudem ist es als Variation mit Rührei anzutreffen. Speisen, die andere Garnelenarten als die Nordseegarnele verwenden, gelten nicht als Halligbrot.[20]
Krabbentoast
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Krabbentoast gehört zu den „Schnellen Gerichten“, die alsImbiss und Partysnack auf Basis vonToastbrot nach dessen Einführung inWestdeutschland in den 1960er Jahren aufkamen. Die Zubereitung ist zum Teil ähnlich wie beimKrabbenbrot, wobei Krabbentoast teils noch nach Aufbringen des Belags im Ofen überbacken wird.Roland Gööck beschrieb eine frühe Version in seinem 1965 imBertelsmann Lesering erschienenen KochbuchSchnell gekocht – im kleinen Haushalt: Geröstetes Toastbrot wird gebuttert, mitChester-Käse und einer Mischung aus Krabbenfleisch, gehackter Petersilie und Reibkäse sowie einigen Butterflocken belegt und im heißen Ofen überbacken; nach Belieben wird Mayonnaise dazu gereicht.[27]
Mittlerweile gibt es zahlreiche Variationen, die sich meist bei den zum Krabbenfleisch hinzukommenden Zutaten für den Belag des Toasts sowie teils bei den Gewürzen unterscheiden. Entsprechende Bestandteile in modernen Rezepten sind zum Beispiel Kräuterrahm, Rührei,Sherry,Sauce hollandaise mit Dill, oderSchnittkäse, Tomatenscheiben,Mangostreifen und Dill.[28] Der FernsehkochBjörn Freitag beschrieb in seinem KochbuchVerführerische Zaubereien von 2009 eine Version, bei der die mitOlivenöl, Salz und Pfeffer marinierten und mit blanchierten Zwiebelwürfeln undSchnittlauch angemachten Nordseekrabben auf geröstetem Toast angerichtet und mit einerSafran-Curry-Aioli ergänzt werden.[29]
Porren in Suur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Porren in Suur (plattdeutsch: „Krabben in Sauer“) ist ein traditionellesAspik-Gericht der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Dafür wird Nordseekrabbenfleisch inWeingelee mit Zwiebelringen,Lorbeerblatt und ganzen Pfefferkörnern eingelegt. Der Sud wird aus gleichen TeilenWeinessig und Wasser angesetzt und mit weißer und roterGelatine unter Zugabe von wenig Zucker zumGelieren gebracht.[30]
Porrenpann
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Porrenpann (plattdeutsch: „Krabbenpfanne“) ist eine norddeutsche Spezialität ausKartoffeln,Béchamelsauce und Nordseekrabben. Das Gericht stammt ursprünglich von den nordfriesischen Inseln und Halligen und wurde früher traditionell „mit den ersten Frühkartoffeln“ alsPellkartoffeln sowie mit frisch geschälten Krabben zubereitet. Nach überlieferten Rezepten wird die Sauce alsEinbrenne hergestellt, indem Butter erhitzt und mit Mehl zu einer festen Masse verrührt wird, danach mit Milch glattgerührt und aufgekocht sowie der Vorgang solange wiederholt wird, bis die Soße dünn genug ist. Während die Esser ihre Kartoffeln selbst pellen, wird der Topf vom Feuer genommen, das Krabbenfleisch und gehackte Petersilie in die Soße gegeben und kurz ziehengelassen. Abgeschmeckt wird nur mit Salz.[31]
Anstelle der Béchamelsauce aus Mehlschwitze wird heute oft Sahne verwendet, mit der das Krabbenfleisch kurz angedickt wird. Abgeschmeckt wird mit Salz und Pfeffer. Zudem werden dazuSalzkartoffeln und gehackte Petersilie gereicht.[32]
Schollenfilets mit Krabben
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Schollenfilets ersparen dem Gast das übungsbedürftige Entgräten desPlattfisches und sind deshalb besonders in der Gastronomie beliebt. Sie bestehen aus entgrätetenSchollenfilets – meist ohne Haut –, diemehliert oderpaniert und in der Pfanne gebraten sowie oft mit angeschwitzten oder in Soße zubereiteten Krabben ergänzt werden. Dazu werden Kartoffeln als Pell- oder Salzkartoffeln,Kartoffelsalat oderPommes frites gereicht; teils werden sie zudem mit zubereitetem Gemüse oder einem angemachten Salat serviert.[33]
Scholle Finkenwerder Art
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Scholle Finkenwerder Art, auchFinkenwerder Scholle oderFinkenwerder Speckscholle oderFinkenwerder Kutterscholle genannt, gilt als norddeutsche Spezialität und ist eine traditionelle Zubereitung für Scholle. Namensgebend für das Gericht war derHamburger OrtsteilFinkenwerder. Nach überlieferten Rezepten wird der Fisch mit einerStippe aus fettemSpeck, Zwiebeln und Nordseekrabbenfleisch gefüllt. Anschließend wird der Fisch im Ofen gebacken. Eine bekannte und heute überwiegend anzutreffende Variante, die indes meistensohne Krabben auskommt, ist die Zubereitung in der Pfanne. Dafür werden die Schollen mehliert oder teils auch paniert und zusammen mit magerem Speck oder Schinkenspeck gebraten.[34][35]
Scholle Büsumer Art
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Scholle Büsumer Art ist eine bekannte Variante der Scholle nachFinkenwerder Art, die jedoch ohne Speck und stets zusammen mit Nordseekrabbenfleisch zubereitet wird. Nach traditionellen Rezepten werden ganze Schollen, bevorzugt sogenannteMaischollen, in der Haut gebraten. Dafür werden die küchenfertig vorbereiteten Fische mit Zitronensaft beträufelt, mit Salz und Pfeffer gewürzt, mehliert und mitButterschmalz in der Pfanne goldgelb gebraten. Anschließend wird das Krabbenfleisch zusammen mit etwas gehackter Petersilie in der Butter geschwenkt und als Belag auf den Schollen verteilt. Dazu werden meistPetersilienkartoffeln und Blattsalat gereicht. Garniert wird mit einer Zitronenscheibe.[36]
Weitere Verwendungen als Zutat, Beilage oder Garnierung
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Nordseekrabben gehören zu den beliebtestenMeeresfrüchten und sind daher, vor allem in Norddeutschland, noch bei einer Reihe von weiteren Gerichten anzutreffen, bei denen sie als Zutat, Beilage oder Garnierung dienen. „DieFriesen essen [… Nordseekrabben] inSuppen undRagouts, in Salaten oder alsFrikadelle und besonders gerne aufBrot und mit Ei, schlicht und nahrhaft“, konstatiert dasHamburger Abendblatt.[13]
Zu den überlieferten Gerichten und Beilagen mit Krabbenfleisch gehören zum BeispielEierpfannkuchen mit Krabben,Krabbenfrikadellen,[37]Krabbensoufflé[38] oderKrabbensoße süßsauer.[39] Heute befassen sich vieleSpitzenköche regelmäßig mit „Nordseekrabben als Thema“ und stellen neue Kreationen und Variationen vor, zum Beispiel:
- zeigte der FernsehkochTarik Rose in einer Kochsendung des NDR Fernsehens die Zubereitung vonFrischkäse-Törtchen mit Krabben undRäucherlachs sowie einesnorddeutschenSurf and Turf-Gerichtes als Kombination vonRindersteak mit Nordseekrabben,[12]
- beschrieb der SpitzenkochAlfons Schuhbeck in seinem StandardwerkDeutschland – das Kochbuch unter anderem ein Rezept fürKartoffelsuppe mit Nordseekrabben,[40]
- beschrieb die FernsehköchinCornelia Poletto in ihrem KochbuchKoch dich glücklich mit Cornelia Poletto ein Rezept fürKrabbenomelett mit Vollkornchips als modernisierte Version des KlassikersKrabben mit Rührei.[41]
Krabben in der Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Ein literarisches Denkmal wurde den „Nordseekrabben“ durch den SchriftstellerBertolt Brecht gesetzt. In seinerKurzgeschichteNordseekrabben oder Die moderne Bauhaus-Wohnung, die erstmals 1927 herauskam, erhalten sie eine symbolhafte Bedeutung: Eine – vom Protagonisten der Geschichte als Gastgeschenk mitgebrachte – Dose Nordseekrabben wird „gleichsam zum Symbol von natürlicher, echter Erfahrung in der künstlich-kulturellen“ und „kosmopolitischen“ Welt einer imBauhaus-Stil eingerichteten Wohnung eines ehemaligen Kriegskameraden, der durch Heirat zu einigem Wohlstand gelangt ist und der vom Ich-Erzähler zusammen mit dem Protagonisten besucht wird.[42]
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Marion Kiesewetter:Auf Krabbenfang. Die besten Krabbenrezepte. Boyens, Heide 2006,ISBN 3-8042-1188-7.
- Lenka Hansen-Mörck,Jens Mecklenburg:Kochen à la Schleswig-Holstein. Gestern – Heute – Morgen. Schlütersche, Hannover 2008.ISBN 978-3-89993-739-8, S. 12–18, 26–27, 68–69.
- Tom Dieck:Pottkieker. 50 klassische norddeutsche Gerichte mit Geschichte. Koehler, Hamburg 2013,ISBN 978-3-7822-1079-9,S. 38–39.
- Birte Münster-Peters:Echt norddeutsch! 80 Familienrezepte aus dem hohen Norden. Christian, München 2015,ISBN 978-3-86244-665-0.
- Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Fachbereich Fischerei (Hrsg.):Machbarkeitsstudie für eine nachhaltige und regionale Krabbenvermarktungin der Wattenmeer-Region in Niedersachsen. Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Oldenburg 2015 (Digitalisat als PDF, 5,1 MB) (Bemerkung: Die Studie enthält umfangreiche allgemeine Informationen zur Krabbenfischerei, Krabbenverarbeitung und -vermarktung).
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑abErzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer:„Krabbe“, „Granat“ oder „Garnele“ – wie heißt es denn nun? In: ezdk.de. Abgerufen am 21. März 2018.
- ↑Annerose Kaufmann, Peter Wirbitzki (Hrsg.):Bedeutungen einiger (norddeutscher) Begriffe >> Krabben. In:„Nordlandlexikon“ auf wirbi.de. Stand: 2016 (PDF; 745 kB; abgerufen am 22. März 2018).
- ↑abcThünen-Institut für Ostseefischerei:Fischartdatenblatt Nordseegarnele. In: fischbestaende.thuenen.de. Stand: 2016. Abgerufen am 21. März 2018.
- ↑Vgl.:Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Fachbereich Fischerei (Hrsg.):Machbarkeitsstudie für eine nachhaltige und regionale Krabbenvermarktungin der Wattenmeer-Region in Niedersachsen. Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Oldenburg 2015 (Digitalisat als PDF, 5,1 MB).
- ↑Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte: Krabbenfang (Memento vom 22. Mai 2017 imInternet Archive)
- ↑Klaus Perschke: Seefahrt 1956–1958 – Asienreisen vor dem Mast – Nautischer Wachoffizier: Band 42 in der maritimen gelben Buchreihe bei Jürgen Ruszkowski
- ↑Dangast : Krabben frisch vom Kutter
- ↑Nordsee Schleswig-Holstein: Krabben (Photo)
- ↑Oliver Franke: Krabbenverkauf in Husum (Foto) (Memento vom 12. Juli 2018 imInternet Archive)
- ↑K. Stüven: Umstellungsmaßnahmen in der Krabbenfischerei. (PDF) Institut für Fischverarbeitung, Hamburg, abgerufen am 6. August 2024.
- ↑Waverley Root:Das Mundbuch. Eine Enzyklopädie alles Eßbaren. Eichborn, Frankfurt am Main 1994,ISBN 3-8218-4445-0, S. 177–179.
- ↑abIss besser! – Tariks wilde Küche. Krabben aus Cuxhaven. Textbeitrag aufNDR.de zu einer Folge der KochsendungIss besser! desNDR Fernsehens mitTarik Rose, Erstausstrahlung am 17. September 2017 (mitVideo-Stream, Länge: 28:36 Minuten). Abgerufen am 21. März 2018.
- ↑abcdefDieses Krabbenbrot ist eine Granate. In: Abendblatt.de.Hamburger Abendblatt. 29. Juli 2010; abgerufen am 21. März 2018.
- ↑Norddeutsche Krabbenbrötchen. In: ichkoche.at. Abgerufen am 21. März 2018.
- ↑Krabbensalat: Rezept für die Zubereitung des Klassikers. In:t-online.de. 24. März 2015; abgerufen am 21. März 2018.
- ↑Christiane Leesker:Norddeutsche Heimwehküche. Die besten Rezepte von Ostfriesland bis Rügen. Dorling Kindersley, München 2017,ISBN 978-3-8310-3120-7, S. 78 ff.
- ↑Courtney Roulston:Die besten Salate im Glas zum Mitnehmen. Bassermann, München 2017,ISBN 978-3-8094-3657-7, S. 49(Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑Landfrauen-VereinPellworm (Hrsg.):Insel-Rezepte. 1. Auflage. Selbstverlag, Pellworm 1984, S. 309–311 (Vertrieb: Quedens Verlag, Wittdün auf Amrum).
- ↑Anita Rehder, Jutta Kürtz:Der Mensch lebt nicht vom Boot allein! Das Kochbuch für Kombüse und Pantry. 6., aktualisierte und ergänzte Auflage. Hölker, Münster 1998,ISBN 3-88117-497-4, S. 92.
- ↑abAndreas Bormann, Arnd M. Schuppius:Nordseeküste Schleswig-Holstein. 10., aktualisierte Auflage. MairDumont, Ostfildern 2014,ISBN 978-3-8297-2558-3, S. 24–25 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑Landfrauen-Verein Pellworm (Hrsg.):Insel-Rezepte. 1984, S. 224–226, 276.
- ↑Matthias F. Mangold:Deutsche Küche neu entdeckt! Gräfe und Unzer, München 2015,ISBN 978-3-8338-4473-7, S. 55 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑Alfons Schuhbeck:Deutschland – das Kochbuch. 2. Auflage. Zabert Sandmann, München 2017,ISBN 978-3-89883-697-5, S. 134 ff. (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑Herbert Rhein, Annegret Weilandt:Sonntags auf dem Land. Herzhaft kochen und genießen in ländlicher Tradition . Bassermann, München 2014,ISBN 978-3-8094-3315-6, S. 80–81 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑Lothar Bendel:Deutsche Regionalküche von A–Z. Mit Grundrezepten zum Nachkochen . Anaconda, Köln 2013,ISBN 978-3-86647-961-6 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑Vgl. zum Beispiel:Halligbrot (im Auszug aus der Speisekarte von März 1980) des damaligenLandgasthofes Thamsen inBongsiel, enthalten in einem Bericht in derAllgemeinen Fischwirtschaftszeitung, Nr. 33, 1981, S. 811 (Auszug in der Google-Buchsuche).
- ↑Roland Gööck:Schnell gekocht – im kleinen Haushalt. 490 Rezepte für 1 und 2 Personen. Bertelsmann Lesering, Gütersloh 1965, S. 110.
- ↑Anita Rehder, Jutta Kürtz:Der Mensch lebt nicht vom Boot allein! Das Kochbuch für Kombüse und Pantry. Hölker, Münster 1998,ISBN 3-88117-497-4, S. 104.
- ↑Björn Freitag:Kleine Zaubereien. Verführerische Snacks des Sternekochs. Südwest, München 2009,ISBN 978-3-517-08587-6, S. 66–67 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑Landfrauen-Verein Pellworm (Hrsg.):Insel-Rezepte. 1984, S. 269.
- ↑Landfrauen-Verein Pellworm (Hrsg.):Insel-Rezepte. 1984, S. 270.
- ↑Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen:Jahreslauf auf den Halligen (Bastelbogen). Herausgegeben vom Nationalparkamt, Tönning (Online als PDF; abgerufen am 21. März 2018).
- ↑Matthias F. Mangold:Deutsche Küche neu entdeckt! Gräfe und Unzer, München 2015,ISBN 978-3-8338-4473-7, S. 155.
- ↑Erhard Gorys:Das neue Küchenlexikon. 7. Auflage. Dtv, München 2001,ISBN 978-3-423-36245-0, S. 514.
- ↑Hamburger Spezialität: Finkenwerder Scholle. In:NDR.de. Abgerufen am 21. März 2018.
- ↑Spezialitäten der Büsumer Küche. In: buesum-travel.com. Abgerufen am 21. März 2018.
- ↑Landfrauen-Verein Pellworm (Hrsg.):Insel-Rezepte. 1984, S. 268.
- ↑Friesische Küche. Über 100 köstliche Spezialitäten. Lizenzausgabe. Nikol, Hamburg 1994,ISBN 3-930656-04-3, S. 40.
- ↑Landfrauen-Verein Pellworm (Hrsg.):Insel-Rezepte. 1984, S. 307.
- ↑Alfons Schuhbeck:Deutschland – das Kochbuch. 2. Auflage. Zabert Sandmann, München 2017,ISBN 978-3-89883-697-5, S. 80 ff. (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑Cornelia Poletto:Koch dich glücklich mit Cornelia Poletto. Frisch kochen – entspannt genießen. Gräfe und Unzer, München 2013,ISBN 978-3-8338-5437-8 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
- ↑Magdalena Gerwien, Peter Schulz:Risse im Traum. Neue Barbaren in Brechts „Nordseekrabben“. In: Arbeitsgruppe Kunst und Politik beim Bildungskollektiv BiKo e. V. (Hrsg.):Kunst, Spektakel, Revolution. Katzenberg-Verlag, Hamburg, Nr. 3 vom März 2013,ISBN 978-3-942222-02-0 (Digitalisat in spektakel.blogsport.de; Beitrag zur VeranstaltungsreiheKunst, Spektakel & Revolution in der ACC-Galerie in Weimar; abgerufen am 21. März 2018).