Spanien befindet sich, ebenso wiePortugal (im Westen) und das zumVereinigten Königreich gehörendeGibraltar (im Süden), auf derIberischen Halbinsel zwischen 36° und 43,5° nördlicher Breite und 9° westlicher und 3° östlicher Länge (ohne Balearen, Kanaren, Ceuta und Melilla). Spanien nimmt knapp sechs Siebtel der Iberischen Halbinsel ein. Im Nordosten, entlang des Gebirgszuges derPyrenäen, grenzt Spanien anFrankreich und den KleinstaatAndorra.
Das Staatsgebiet weist mit einer mittleren Höhe von ca.660 msnm einen der höchsten Werte Europas auf. Die räumliche Gliederung der Halbinsel wird wesentlich durch sechs große Gebirgssysteme bestimmt.
Von den sechs großenGebirgssystemen verlaufen fünf in West-Ost-Richtung.
Im Norden sind es diePyrenäen (bis 3404 Meter), welche die Begrenzung zum restlichen festländischen Europa bilden.
Westlich an die Pyrenäen schließt sich das parallel zur Nordküste verlaufendeKantabrische Gebirge an, mit den höchsten Erhebungen in denPicos de Europa bei 2600 Metern. Es fächert sich an seinem Westende in Galicien und im nördlichen Portugal in eine Vielzahl niederer Mittelgebirgszüge auf.
Ebenfalls in West-Ost-Richtung verläuft etwa in der Mitte der Halbinsel dasKastilische Scheidegebirge, das sich in verschiedene Blöcke gliedert und Höhen bis 2600 Metern aufweist. In Portugal setzt es sich mit derSerra da Estrela fort.
Weiter südlich trennt die niedrigere (bis 1300 Meter), ebenfalls von West nach Ost verlaufendeSierra Morena das zentrale Hochland von der Senke desGuadalquivir.
Im äußersten Süden schließlich verläuft dieBetische Kordillere entlang der Mittelmeerküste von Gibraltar bis südlich vonValencia. Die Balearen sind geologisch ihre nordöstliche Fortsetzung. Auf der Betischen Kordillere befindet sich mit demMulhacén (3479 Meter) in derSierra Nevada der höchste Punkt auf Spaniens Festland und der Iberischen Halbinsel. Derhöchste Berg auf spanischem Staatsgebiet ist allerdings mit 3715 Metern Höhe derPico del Teide auf der Kanaren-InselTeneriffa.
DasIberische Randgebirge mit Höhen bis zu 2300 Metern verläuft hingegen von Nordwesten nach Südosten etwa östlich einer Linie Burgos–Valencia.
Zwischen den Gebirgsketten verlaufen die fünf großen Flusssysteme, von denen vier eine Ost-West-Orientierung aufweisen, in den Atlantik münden und ihren Ursprung im Iberischen Randgebirge, der großenWasserscheide der Halbinsel, haben. Das Becken zwischen dem Kantabrischen Gebirge und dem Kastilischen Scheidegebirge wird durch denDuero entwässert. Weiter südlich verlaufen derTajo und derGuadiana ebenfalls von Osten nach Westen. Das Gleiche gilt für denGuadalquivir südlich der Sierra Morena.
Die Senke zwischen dem Iberischen Randgebirge und den Pyrenäen hingegen wird durch denEbro zum Mittelmeer entwässert. Dieser Strom entspringt im Kantabrischen Gebirge und verläuft von Nordwesten nach Südosten.
Zentrale Hochfläche
Im Zentrum der Iberischen Halbinsel befindet sich ein weitläufiges Hochplateau, das, je nach Quelle,Iberische Meseta oderHochland von Kastilien, oft jedoch schlichtMeseta genannt wird. Es wird im Norden und Nordwesten vom Kantabrischen Gebirge und dessen Ausläufern, im Osten vom Iberischen Randgebirge und im Süden von der Sierra Morena umgrenzt. Im Südwesten geht sie in die etwas tiefer gelegene, aber nicht so ebeneExtremadura über. Durch das Kastilische Scheidegebirge wird sie in zwei Hälften (die Nord- und die Südmeseta) geteilt, wobei die nördliche im Mittel etwas höher liegt als die südliche. Die großen Städte der Nordmeseta (Valladolid,León,Burgos,Salamanca) liegen auf einer Höhe von 700 bis 900 Metern, die der Südmeseta (Madrid,Toledo,Ciudad Real) auf 500 bis 700 Metern.
Küstenebenen und Senken
Wesentlich tiefer liegen die Senken, die vom Guadalquivir und vom Ebro durchflossen werden. Da die Gebirge fast überall bis nahe ans Meer herantreten, finden sich kaum ausgedehntere Küstenebenen.
Kontinentales Mittelmeerklima inAragón,Katalonien,Valencia (Hinterland),Murcia, Kastilien-La Mancha und Andalusien. Niederschläge vor allem in Frühling und Herbst. Heiße Sommer und kalte Winter; die täglichen Temperaturschwankungen können 25 °C betragen.
Mittelmeerklima in Katalonien, auf denBalearen, inValencia,Murcia und Andalusien. Niederschläge fallen vor allem im Frühjahr und Herbst, zum Teil wolkenbruchartig (erste Septemberwoche). Durch die von Norden nach Süden abnehmende Niederschlagsmenge (Barcelona 640 mm,Tortosa 524 mm,Valencia 454 mm,Alicante 336 mm,Almería 196 mm) kann das Mittelmeerklima in ein feuchtes und trockenes unterschieden werden. Die Temperaturen sind im Winter mild, im Sommer ist es heiß, teilweise heiß-feucht.
Subtropisches Klima auf denKanaren. Milde Temperaturen (18 bis 24 °C) fast über das ganze Jahr, einen Winter gibt es so gut wie nicht (Durchschnittstemperaturen inSanta Cruz de Tenerife: 17,9 °C im Januar und 25,1 °C im August). Die Niederschläge auf den Kanaren variieren sehr stark in den einzelnen Regionen der Inseln.
Der in neuerer Zeit beschleunigteKlimawandel hat die bestehenden Umweltprobleme im gesamten Mittelmeerraum verschärft, so in Spanien.[7] Für fünf weit gefasste und miteinander verbundene Wirkungsbereiche (Wasser, Ökosysteme, Ernährung, Gesundheit und Sicherheit) weisen aktuelle Veränderungen und Zukunftsszenarien konsequent auf substanzielle und zunehmende Risiken in den kommenden Jahrzehnten hin.[7] Dies zeigt sich in Spanien in besonderem Maße. So fasst der britische KlimaökonomNicholas Stern die Lage für Spanien im Rahmen derKlimakrise wie folgt zusammen: „Wenn die Temperatur über die Grenzen steigt, die wir imPariser Abkommen festgelegt haben, dann gibt es ein klares Risiko, dass sich Spanien in Sahara-Wüste verwandeln wird.“[8] Modellrechnungen aus dem Jahr 2019 zeigen auf, dass das Klima in Madrid bereits im Jahr 2050 dem aktuellen Klima im marokkanischenMarrakesch ähnlicher sein wird als dem heutigen in Madrid.[9] Bedroht ist aufgrund desAnstieg des Meeresspiegels auch der Tourismus; so wird der etwa 6000 km lange Küstenstreifen aufgrund von Erosionen schmaler und Strände könnten dadurch auf Dauer überschwemmt werden.[8]
Flora
Olivenhaine in den Bergen Andalusiens
DieVegetation der Iberischen Halbinsel teilt sich in drei große Bereiche auf:
Die spanische Tierwelt ist äußerst reich an Arten. Aufgrund der verhältnismäßig dünnen Besiedelung konnten in Spanien Tierarten überleben, die im restlichen Westeuropa ausgerottet wurden. Zudem bildeten sich aufgrund der Abgrenzung der Iberischen Halbinsel durch diePyrenäen einige endemische Arten.
In Nordwest- und Zentralspanien sowie vereinzelt in derSierra Morena leben insgesamt rund 2500Wölfe. DerIberische Wolf (Canis lupus signatus) bildet damit die größte und stabilste Population Westeuropas. Etwa 200Braunbären leben imKantabrischen Gebirge sowie den Pyrenäen. Während die Population anKantabrischen Bären als stabil gilt, sind die in den Pyrenäen beheimateten akut vom Aussterben bedroht. DerPardelluchs ist eine nur in Spanien undPortugal beheimateteLuchsart, mit etwa 550 Wildtieren ist sie in der Gegenwart, trotz erfolgreicher Schutzmaßnahmen, immer noch stark gefährdet.[10] Im Norden Spaniens befinden sich einige der letzten westeuropäischen Populationen desEuropäischen Nerzes. Weitere charakteristische Säuger Spaniens sind die sonst nur inAfrika und Vorderasien beheimateteKleinfleck-Ginsterkatze, derIchneumon, derPyrenäen-Desman, derIberiensteinbock oder diePyrenäen-Gämse. Gleich drei Arten von Hasen sind in Spanien heimisch, derFeldhase sowie die endemischenIberischen Hasen undCastroviejo-Hasen. Häufig sind Hirsche, Rehe, Eichhörnchen,Kaninchen, Wildschweine, Marder, Dachse und Füchse.Mufflons undMurmeltiere sind in Gebirgslagen anzutreffen,Wildkatzen in größeren Wäldern undFischotter in Flussgebieten.
Zur Reptilienfauna Spaniens gehören zahlreiche Eidechsen, Geckos, Skinke, Schleichen, Schlangen, Land- und Meeresschildkröten, wie dieUnechte Karettschildkröte. Charakteristische Echsenarten sind beispielsweise dieKanareneidechsen, insbesondere dieEl-Hierro-Rieseneidechse (Gallotia simonyi), die eine Körperlänge von bis zu 75 cm erreichen kann sowie diePerleidechse, die größte Eidechsenart Europas.
Bevölkerungsentwicklung in Millionen Einwohnern[11]
Bevölkerungspyramide Spaniens 2016
Bevölkerungsdichte in Spanien 2018
Spanien hatte zum Jahresende 2025 49,5 Millionen Einwohner. Davon waren zehn Millionen im Ausland geboren. 7,2 Millionen haben nicht die spanische Staatsbuergerschaft.[12] Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,2 %. Trotz eines Sterbeüberschusses (Geburtenziffer: 6,9 pro 1000 Einwohner[13] vs. Sterbeziffer: 9,7 pro 1000 Einwohner[14]) wuchs die Bevölkerung durch Migration. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,2, die der Europäischen Union betrug 1,5.[15] DieLebenserwartung der Einwohner Spaniens ab der Geburt lag 2022 bei 83,1 Jahren[16]. DerMedian des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 43,9 Jahren.[17] Im Jahr 2023 waren 13,5 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,[18] während der Anteil der über 64-Jährigen 20,7 Prozent der Bevölkerung betrug.[19]
Zwischen 1999 und 2009 stieg die Bevölkerung Spaniens sehr stark an, sowohl verglichen mit anderen europäischen Staaten als auch im Vergleich zu den Jahrzehnten davor. So stieg in den 1990er Jahren die Bevölkerung Spaniens um 1,1 Millionen und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts um 7 Millionen. Ein Großteil des Bevölkerungswachstums ging auf Zuwanderung zurück. So stieg die ausländische Bevölkerung von 0,74 Millionen im Jahr 1999 auf 5,73 Millionen 2011. Hierbei ist noch zu beachten, dass es Einbürgerungen gab. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2020 statistisch bei 1,2.[20] DerMedian des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2020 bei 44,9 Jahren und damit über dem europäischen Wert von 42,5.[21]
Daneben existieren einige Sprachen, welche nur noch von einer geringen Anzahl von Menschen gesprochen werden und nicht den Status einer Amtssprache haben. Zu diesen zählenAsturleonesisch undAragonesisch. Im Jálama-Tal (Provinz Cáceres) nahe der portugiesischen Grenze wirdA Fala, ein Dialekt dergalicisch-portugiesischen Sprache, gesprochen. In Melilla spricht die masirische Minderheit zudemTamazight.
Während der Urlaubssaison arbeiten in den Tourismusregionen auch Saisonarbeiter aus Deutschland und Polen, vielfach aber Südamerikaner. In einigen Tourismusregionen wie derCosta Blanca oder derCosta del Sol sind vergleichsweise viele Deutsche und Engländer dauerhaft ansässig.
Als Fremdsprachen werden meistEnglisch undFranzösisch gesprochen. Jüngere Spanier sprechen als Fremdsprache zumeist Englisch, Ältere eher Französisch. In der breiten Bevölkerung sind anwendbare Fremdsprachenkenntnisse aber nach wie vor nicht die Regel. Laut einer vonEurostat 2011 durchgeführten Erhebung beherrschen 49 Prozent der erwachsenen Spanier (im Alter von 25 bis 64 Jahren) laut Selbsteinschätzung keine Fremdsprache. Im Gegensatz dazu lag im Jahr 2011 der Anteil der Schüler derPrimarstufe, die eine Fremdsprache erlernten, für gewöhnlich Englisch, bereits bei 99 % und in derSekundarstufe II bei 97 %, wobei 22 % zusätzlich eine zweite Fremdsprache erlernen, aufgrund der geografischen Nähe zu Frankreich überwiegend Französisch.[24] In von Touristen gerne besuchten Gebieten, insbesondere am Mittelmeer und auf den Balearen, sind zum Teil Englisch undDeutsch gebräuchlich.
InKatalonien wird an den Schulen und Universitäten größtenteils aufKatalanisch gelehrt,Spanisch darf dort jedoch von allen Studierenden in Unterricht und Klausuren benutzt werden.
Minderheiten
Zu den Minderheiten des Landes zählen vor allem die „Gitanos“ (spanischeRoma), die etwa seit dem 16. Jahrhundert nach Spanien einwanderten. Heute leben in Spanien etwa 600.000 bis 800.000 Gitanos. Die spanischen Roma sind vor allem in Großstädten wie Madrid, Barcelona,Valencia oderSevilla beheimatet. Sie brachten einige weltbekannte Stars hervor, etwa den SängerCamarón de la Isla oder den FußballspielerJosé Antonio Reyes. Vor allem in der spanischen Musikszene, speziell demFlamenco, sind viele Roma zu finden.
Einwanderer
Größte Migrantengruppenohne spanische Staatsangehörigkeit (über 100.000 Pers.)[25]
Spanien wies lange Zeit nur geringe Zuwanderungszahlen auf. Erst Ende der 1980er Jahre wurde Spanien zum Hauptziel der lateinamerikanischen Emigration. Dies hat eine stark ansteigende Immigration zu einem Bevölkerungsanstieg von über fünf Millionen Einwohnern geführt. Im Jahr 2007 befanden sich knapp 1,8 Millionen Menschen mit lateinamerikanischem Migrationshintergrund in Spanien.[26] Die Zahl der in Spanien lebenden Ausländer liegt bei rund fünf Millionen (Januar 2019), was zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht; davon sind gut zwei Millionen Staatsbürger anderer EU-Länder.[27] Im Vergleich mit dem Rest der EU liegt Spanien in absoluten Zahlen auf Rang zwei hinter Deutschland (7,1 Millionen). Betrachtet man den Anteil an Staatsbürgern anderer Länder, so liegt Spanien hinter Luxemburg (43,0 %), Lettland (17,4 %), Zypern und Estland (je 15,9 %) auf dem fünften Platz. Unter den Mitgliedsstaaten mit mehr als drei Millionen Einwohnern ist Spaniens Ausländerquote von 12,3 % die höchste, gefolgt von Österreich (10,5 %), Belgien (9,7 %) und Deutschland (8,7 %).[28] Die meisten Einwanderer stammen aus Rumänien, den Staaten desMaghreb oderLateinamerika sowie aus dem Vereinigten Königreich und Deutschland, für die Spanien ein beliebter Altersruhesitz ist. Im Zeitraum von 2003 bis 2017 erwarben insgesamt 1.446.315 Personen die spanische Staatsangehörigkeit.[29][30] 840.000 Personen halten sich illegal in Spanien auf, davon sind 760.000 aus Lateinamerika. Zwischen 1986 und 2005 bekamen schon neunmal alle eine Aufenthaltserlaubnis. Unter der Regierung Aznar wurden 524.621 Einwanderern der Aufenthalt genehmigt. Unter Zapatero (2005) waren es nochmal 576.506.[31]
Spanier im Ausland
Spanier im Ausland(Nur Länder mit über 50.000 Pers.)[32]
Die Zahl der im Ausland lebenden spanischen Staatsbürger liegt bei rund 2,6 Millionen (Januar 2020), 1.576.350 davon inAmerika und 945.027 inEuropa. Während nur 20,6 Prozent der in Amerika lebenden Spanier in Spanien geboren wurden, liegt dieser Prozentsatz bei den in einem anderen europäischen Land Residierenden bei 49,7 Prozent.[33]Dies liegt unter anderem daran, dass die größeren Auswanderungswellen von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zumSpanischen Bürgerkrieg zumeist Süd- und Mittelamerika zum Ziel hatten, insbesondere Argentinien, Venezuela, Mexiko, Uruguay und Kuba, während mit demPlan de Estabilización (1959) eine bis 1972 andauernde Emigrationswelle in europäische Länder wie Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Belgien und das Vereinigte Königreich stattfand. Darüber hinaus verließen viele Immigranten aus südamerikanischen Staaten, die inzwischen die spanische Staatsangehörigkeit erworben hatten, im Zuge derEurokrise Spanien und kehrten in ihre Heimatländer zurück.[34]
Zwar gehörten 92 Prozent der Bevölkerung (Stand 2000) offiziell derrömisch-katholischen Kirche an, jedoch sinkt die Anzahl derer, die aktiv am religiösen Leben teilnehmen.[35] Im Rahmen einer Studie des staatlichen MeinungsforschungsinstitutesCentro de Investigaciones Sociológicas im Jahr 2015 gaben noch 68 Prozent der Befragten an, Katholiken zu sein.[36]Finanziert wird die katholische Kirche vom spanischen Staat auf Grundlage eines Vertrages mit demHeiligen Stuhl und nicht aus direkt entrichteten Kirchensteuern ihrer Mitglieder, weshalb ein Kirchenaustritt keine finanziellen Vorteile bringt. Seit 2007 müssen allerdings die Steuerzahler selbst entscheiden, ob 0,7 % der Lohn- beziehungsweise Einkommensteuer kirchlichen oder anderen sozialen oder kulturellen Zwecken zufließen sollen. Treffen sie keine Entscheidung, wird dieser obligatorische Steuerbetrag direkt den anderen Zwecken zugeleitet. Die seit 1979 existierende direkte staatliche Finanzierung wurde vollständig abgeschafft.[37] Schon zwischen 1988 und 2007 konnten die Steuerzahler entscheiden, ob 0,5 % der Lohn- beziehungsweise Einkommensteuern kirchlichen oder anderen Zwecken zufließen sollen. Wurde damals allerdings ein Mindestbetrag unterschritten, kam der Staat dafür auf. Im Jahr 2008 wurden in 7.195.155 (34,31 %) Steuererklärungen diese 0,7 % der katholischen Kirche zukommen gelassen. Zwei Jahre zuvor waren es noch rund 711.975 weniger gewesen. Die Einnahmen aus Steuern stiegen somit seit der Neuregelung des Jahres 2007 von 173,8 Millionen Euro auf 252,7 Millionen Euro.[38][39]
Es ist für Spaniens Katholiken nicht ohne weiteres möglich, sich von der Kirche offiziell loszusagen, da das spanische Recht den Akt des Kirchenaustritts nicht kennt und Spaniens katholische Kirche höchstrichterlich von der Pflicht entbunden wurde, die Daten ihrer Mitglieder auf deren Wunsch aus den Kirchenbüchern zu löschen. Zu dieser Entscheidung des obersten Gerichtshofes in Spanien kam es unter anderem, da sich „das als besonders konservativ geltende Erzbistum von Valencia weigerte, Tilgungen jeder Form vorzunehmen“. Das Erzbistum hatte sich auch nicht von Weisungen derspanischen Datenschutzbehörde (AEPD)[40] beeindrucken lassen und strengte zahlreiche Rechtsverfahren an, wobei es vor der Entscheidung des obersten Gerichtshofes in 171 Fällen unterlag.[41]
Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission im Rahmen desEurobarometers ergab 2020, dass für 29 Prozent der Menschen in Spanien Religion wichtig ist, für 37 Prozent ist sie weder wichtig noch unwichtig und für 33 Prozent ist sie unwichtig.[43]
Im Jahr 2023 lebten 82 Prozent der Einwohner Spaniens in Städten.[44] Es gibt zweiMillionenstädte, Madrid und Barcelona. Das starke Wachstum der Städte in den letzten Jahren hat jedoch dazu geführt, dassMetropolregionen entstanden sind, die teils weit über die politisch-administrativen Grenzen der Stadtgemeinden hinausgehen. In denGroßräumen Madrid undBarcelona leben so über sechs bzw. vier Millionen Menschen, in den Metropolregionen Valencia, Sevilla und Bilbao jeweils über eine Million.
In vor- und frühgeschichtlicher Zeit siedeltenIberer,Kelten undBasken auf der nach ersteren benannten Iberischen Halbinsel.
Im 11. Jahrhundert v. Chr. siedelten sich diePhönizier an der Südküste an; die berühmteste ihrer Kolonien war Cádiz (Gades). Der NameSpanien leitet sich von der römischen BezeichnungHispania ab (von phönizischishapan „Land der Klippschliefer“; was die Phönizier fürKlippschliefer hielten, waren in Wirklichkeit Kaninchen). ImZweiten Punischen Krieg gelangten erstmals römische Truppen auf die Halbinsel, die relativ schnell den Westen und Süden besetzten. Bis der Norden unter der Kontrolle der Römer war, vergingen 200 Jahre. In der Spätphase des Weströmischen Reiches zogen die Westgoten nachGallien und gründeten dort dasWestgotenreich, das weite Teile Iberiens umfasste. Nach einer schweren Niederlage gegen dieFranken räumten die Westgoten Gallien weitgehend und verlagerten den Schwerpunkt ihres Reichs auf die Iberische Halbinsel. Diese zweite und letzte Phase des Westgotenreichs wird nach der neuen HauptstadtToledo alsToledanisches Reich bezeichnet.
Im frühen 8. Jahrhundert vernichteten dieMauren das Westgotenreich und eroberten die gesamte Iberische Halbinsel. Ihre jahrhundertelange Herrschaft prägte das Land. Das arabische Erbe schlug sich sowohl in der Architektur als auch in der Sprache nieder. Allerdings gelang es den Mauren nicht, sich in den nördlichen Randgebirgen der Halbinsel dauerhaft festzusetzen. Von dort aus nahm die „Rückeroberung“(Reconquista) ihren Ausgang. In diesem sich über mehrere Jahrhunderte (722–1492) hinziehenden und nicht kontinuierlich verlaufenden Prozess wurde der maurische Herrschaftsbereich von den christlichen Reichen nach und nach zurückgedrängt, bis mit dem Fall Granadas 1492 das letzte maurische Staatsgebilde auf der Halbinsel verschwand. Auf das Ende der Reconquista folgte eine Verfolgung religiöser Minderheiten. Die „Katholischen Könige“Isabella I. von Kastilien undFerdinand II. von Aragón wollten keine Nichtchristen mehr in ihrem Machtbereich dulden. Moslems und Juden wurden genötigt, sich taufen zu lassen. 1478 wurde dieSpanische Inquisition eingerichtet, um nur äußerlich konvertierte „Ungläubige“, die insgeheim ihren früheren Glauben praktizierten, aufzuspüren und zu bestrafen.Am 31. März 1492 erließen Isabella I. und Ferdinand II. dasAlhambra-Edikt, wonach alle nichttaufwilligen der 300.000Juden[46] dasKönigreich Kastilien und die Reiche derKrone von Aragonien zu verlassen hatten (Sephardim). 1609 ließPhilipp III. sogar dieMoriscos vertreiben, Nachfahren von zum Christentum übergetretenen Mauren.
Im 16. Jahrhundert wurden die Herrschaftsgebiete vonKastilien undAragonien unter einem Herrscher vereinigt. Aragonien war zu dieser Zeit schon lange eine wichtige Seemacht im Mittelmeer, Kastilien stand in Konkurrenz mitPortugal um die Vorherrschaft auf demAtlantischen Ozean. Mit derEntdeckungAmerikas desgenuesischen SeefahrersChristoph Kolumbus im Jahr 1492 stieg Spanien vorübergehend zu einer christlichen Weltmacht auf.
Mit dem 1519 zumKaiser gewähltenKarl V. (als spanischer König:Carlos I), einem Enkel der Katholischen Könige, kamen 1516 dieHabsburger auf den spanischen Thron. Bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1700 stammten die spanischen Könige aus der spanischen Linie dieser Dynastie. Wegen der Frage der Nachfolge des letzten spanischen Habsburger-KönigsKarl II. entbrannte derSpanische Erbfolgekrieg, in den die führenden europäischen Mächte verwickelt waren. Als dessen Ergebnis gelangte mitPhilipp V. ein Zweig derBourbonen auf den spanischen Thron.
Dasspanische Kolonialreich erstreckte sich um 1600 über weite Teile Süd- und Mittelamerikas, den südlichen Teil der heutigenVereinigten Staaten und diePhilippinen. Als Engländer und Franzosen ebenfalls ihre Bemühungen um Kolonien verstärkten, verlor Spanien allmählich seine Vormachtstellung. Die Befreiungskriege der amerikanischen Staaten, insbesondere derMexikanische und dieSüdamerikanischen Unabhängigkeitskriege Anfang des 19. Jahrhunderts, brachten den meisten Kolonien die Unabhängigkeit. 1898 gingen imSpanisch-Amerikanischen Krieg die letzten größeren Besitztümer an die Vereinigten Staaten verloren, was das Ende des Kolonialreiches bedeutete. Die später hinzugekommenen afrikanischen Kolonien (Spanisch-Marokko,Spanisch-Sahara undÄquatorialguinea) erlangten schließlich im 20. Jahrhundert ihre Unabhängigkeit.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Spanien größtenteils ein rückständiges Agrarland, geprägt vonfeudalen Eigentumsverhältnissen, die wenige vorhandene Industrie konzentrierte sich im Wesentlichen auf Katalonien und dasBaskenland. Im Jahr 1923 übernahm GeneralMiguel Primo de Rivera die Macht und installierte eineMilitärdiktatur, diese konnte sich aber wegen der drängenden gesellschaftlichen Probleme nicht lange halten, und 1931 wurde Spanien ein zweites Mal zur Republik. Die ererbten politischen und sozialen Konflikte belasteten dieZweite Republik von Beginn an, bereits 1932 kam es zum ersten Putschversuch rechter Militärs unter Führung von GeneralJosé Sanjurjo. Im Jahr 1934 ereignete sich eine Reihe von linken undanarchistischen Aufständen, die zum Teil sehr blutig niedergeschlagen wurden. Die politische Instabilität, die vor allem von den extremen Vertretern linker und rechter Positionen und ihrenparamilitärischen Verbänden, aber auch von Mitgliedern regulärer Sicherheitskräfte geschürt wurde, verschärfte sich nach dem Sieg derVolksfront aus linksliberalen, sozialistischen und kommunistischen Parteien bei den Parlamentswahlen vom 17. Februar 1936.
Im Juli 1936 putschten Teile des Militärs unter Führung von GeneralissimusFrancisco Franco gegen die Regierung, der Putsch war nur in einigen Landesteilen erfolgreich und scheiterte in den wichtigen politischen und industriellen Zentren des Landes (u. a. Madrid, Katalonien, Baskenland). Es folgte derSpanische Bürgerkrieg, in dessen Verlauf die Putschisten wichtige Hilfe durch dasfaschistische Italien und dasnationalsozialistische Deutschland erhielten, während die liberalen Demokratien Frankreich und Großbritannien eine Nichteinmischungspolitik praktizierten und damit den Sieg Francos begünstigten.
1939 endete der Krieg. Die Epoche derfranquistischen Diktatur begann mit einer mehrjährigen Phase gewaltsamer Säuberungen und führte das Land in eine langanhaltende politische und gesellschaftliche Lethargie. Obwohl Franco im Bürgerkrieg Unterstützung von Deutschland und Italien erhalten hatte, unterstützte Spanien die Achsenmächte imZweiten Weltkrieg nicht militärisch. Menschen, die ausNS-Deutschland geflohen waren, wurden allerdings zu einem Großteil inspanischen, bereits vor dem Weltkrieg eingerichteten Konzentrationslagern interniert.
Wie in anderen europäischen Ländern kam es auch in Spanien nach dem Zweiten Weltkrieg, aus dem Franco das Land heraushalten konnte, zu einem langen wirtschaftlichenNachkriegsboom.[47] 1947 restaurierte Franco dieMonarchie und ernannteJuan Carlos I. 1969 als Staatsoberhaupt zu seinem Nachfolger. Dieser leitete nach dem Tod des Diktators am 20. November 1975 einen Demokratisierungsprozess (sieheTransition in Spanien, span.:Transición) ein. Durch die Verabschiedung einer Verfassung wurde Spanien 1978 zu einerparlamentarischen Monarchie. In der Endphase der Diktatur Francos und besonders während der Transición kam es zu massiven Terroraktionen derETA und anderer linker wie rechter Terrorgruppen. Im Jahr 1981 erfolgte noch einmal ein Putschversuch („23-F“) von rechten Militärs und Teilen der paramilitärischenGuardia Civil gegen die demokratische Regierung, der allerdings missglückte.
Die Transición endete 1982 mit der Regierungsübernahme durch die sozialdemokratische Partei vonFelipe González (PSOE). Während der 1980er Jahre wurde Spanien Mitglied der NATO und derEuropäischen Gemeinschaft und erlebte einen erneuten wirtschaftlichen Aufschwung. Gleichzeitig wurde im Kampf gegen die ETA einestaatsterroristische Gruppe (GAL) aufgestellt, die mit Folter und Mord den baskischen Separatismus bekämpfte, diese Epoche ist in Spanien als „schmutziger Krieg“ (span.guerra sucia) bekannt.[48] Der Skandal um die GAL-Verwicklungen hoher Regierungsmitglieder führte 1996 zu einer Wahlniederlage von PSOE. In der Folge wurdeJosé María Aznar (Partido Popular, PP) neuer Ministerpräsident. Nach zwei Legislaturperioden, die von zahlreichen Skandalen und innenpolitischen Konflikten (Irakkrieg) geprägt waren, verlor PP, unter dem Eindruck derMadrider Zuganschläge vom 11. März 2004, die Parlamentswahlen (14. März 2004). Danach führte José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE) in Madrid eine Minderheitsregierung. Mit denWahlen im Dezember 2011 gelangte wieder die PP unterMariano Rajoy an die Regierung, was damit nach 1982, 1996 und 2004 den insgesamt vierten Machtwechsel zwischen Konservativen und Sozialdemokraten seit dem Übergang zur Demokratie bedeutete.
DieParlamentswahlen vom 20. Dezember 2015 führten zu deutlichen Stimmverlusten der beiden großen Parteien und einem Erstarken kleinerer Parteien wiePodemos undCiudadanos. Aufgrund der komplizierten Mehrheitsverhältnisse gelang keine Regierungsbildung, und es folgten am 26. Juni 2016Neuwahlen. Nachdem sich die Sitzverteilung nur wenig verändert hatte, fiel die Regierungsbildung erneut schwer. Schließlich wurde Mariano Rajoy am 29. Oktober 2016 als Ministerpräsident wiedergewählt und führte eine Minderheitsregierung, bis er am 1. Juni 2018 sein Amt durch einMisstrauensvotum im Parlament verlor.
Bei derFlutkatastrophe in Spanien 2024 kamen mehr als 200 Menschen ums Leben, was die Überschwemmungen zur tödlichsten Flutkatastrophe in der modernen Geschichte Spaniens machte.[49]
Staatlicher Aufbau
Verfassung und politisches System
KönigFelipe VI. von Spanien (2024)Politisches System Spaniens
Die Rolle der spanischen Krone wird in der Verfassung im Wesentlichen auf repräsentative Funktionen beschränkt. Darüber hinausgehende Funktionen des Königs sind die Bestätigung von Gesetzen und die Ernennung und Entlassung des Regierungschefs.
Das oberste Gesetzgebungsorgan in Spanien ist das Parlament, dieCortes Generales. DieCortes unterteilen sich in zwei Kammern, das Abgeordnetenhaus(Congreso de los Diputados) und den Senat(Senado). Die 300 bis 400 Mitglieder des Abgeordnetenhauses werden per Direktwahl für vier Jahre gewählt. Der Senat hat 259 Mitglieder. Davon werden 208 Mitglieder direkt vom Volk gewählt und die restlichen 51 von den Parlamenten der Autonomen Gemeinschaften bestimmt. Senatoren werden für eine Amtszeit von vier Jahren ernannt.
Das allgemeine Wahlrecht für Männer war bereits 1868 eingeführt worden[50], Priester, Angehörige des Öffentlichen Dienstes und Frauen waren jedoch bis zu einem Gesetzesbeschluss vom 8. Mai 1931 vom passiven Wahlrecht für das nationale Parlament ausgeschlossen.[51] Bei denParlamentswahlen am 28. Juni 1931 wurden zum ersten Mal drei Frauen insSpanische Parlament gewählt;Margarita Nelken,Victoria Kent undClara Campoamor.Ironischerweise wurde Frauen jedoch immer noch das aktive Wahlrecht verweigert.[51] Am 9. Dezember 1931 trat eine neue Verfassung in Kraft, deren Artikel 36 das allgemeine Stimmrecht für Frauen enthielt.[51][52] Am19. November 1933 fanden die ersten Wahlen unter der neuen Verfassung statt, an der erstmals Frauen aktiv teilnehmen konnten.[53] Unter demFranco-Regime wurde das allgemeine Wahlrecht unterdrückt.[51] Frauen wurden nach und nach einige politische Rechte zugestanden[51]: 1942 wurde eine Art Parlament ins Leben gerufen, in dem neben Abgeordneten derFalange-Partei und verschiedener staatlicher Organisationen auch hundert Familienrepräsentanten vorgesehen waren, die von Familienoberhäuptern und verheirateten Frauen gewählt werden sollten.[53] Ab 1957 konnten dann verheiratete Frauen und solche, die Familienoberhäupter waren, sich an den Wahlen dieser hundert Abgeordneten beteiligen.[51] Die ersten derartigen Wahlen wurden allerdings erst 1967 durchgeführt.[53] Erst mit der Wiederherstellung der Demokratie Mitte der 1970er Jahre wurde das allgemeine Wahlrecht, und damit dasFrauenwahlrecht, in vollem Umfang wiederhergestellt.[51] BeimReferendum von 1976 und denParlamentswahlen von 1977 stimmten Frauen mit ab, und das uneingeschränkte allgemeine Wahlrecht für Erwachsene wurde in der neuen Verfassung von 1978 garantiert.[51]
Der Ministerpräsident (Presidente del Gobierno, wörtlich übersetzt „Regierungspräsident“) wird vom Abgeordnetenhaus gewählt. Die Minister werden auf Vorschlag des Ministerpräsidenten vom König ernannt. Amtssitz ist derPalacio de la Moncloa in Madrid.
Spanien ist seit Januar 1986 Mitglied der Europäischen Union.
In Spanien gibt es vier imAbgeordnetenhaus vertretene Parteien beziehungsweise Parteienbündnisse, die in ganz Spanien aktiv sind: Der rechts-konservativePartido Popular (PP), der sozialdemokratischePSOE, die linke SammlungsbewegungIzquierda Unida (IU) und seit 2008 die antiregional-liberaleUnión Progreso y Democracia (UPyD). Die im März 2014 gegründete ProtestparteiPodemos erhielt bei denParlamentswahlen im Dezember 2015 20,7 % der Stimmen und wurde drittstärkste Fraktion im Abgeordnetenhaus. Bei denvorgezogenen Wahlen im November 2019 erhielt sie 12,9 % der Stimmen. Sie einigte sich mit der PSOE auf eine Regierungskoalition und stellte ab Januar 2020 zwei Minister imKabinett Sánchez II.
Regionale Parteien spielen, vor allem wegen der verschiedenen Nationalitäten in Spanien, eine entscheidende Rolle. Die wichtigsten im Kongress vertretenen Parteien sind das katalanische bürgerlich-nationalistische ParteienbündnisConvergència i Unió (CiU), die katalanischen LinksnationalistenEsquerra Republicana de Catalunya (ERC) und die baskisch-bürgerlichen NationalistenPartido Nacionalista Vasco (PNV). Die meisten der regional organisierten Parteien treten für eine stärkere Autonomie ihrer Regionen ein, diese Forderungen gehen besonders bei denBasken und Katalanen bis hin zur staatlichen Unabhängigkeit, für dieses Ziel wird seit dem Ende des Franquismus wieder sehr massiv agiert (vgl.Plan Ibarretxe). Als größte Regionalpartei agiert die sozialdemokratischePartit dels Socialistes de Catalunya (PSC), die allerdings die fest verbundene Schwesterpartei von PSOE in Katalonien ist und somit nur formal eine Regionalpartei darstellt.
Neben der politischen Ausrichtung einer Partei ist auch die nationale Ausrichtung ein entscheidendes politisches Kriterium in Spanien. DiePartido Popular, die an einem gesamtspanischen Nationalismus (Staatsdoktrin im Franquismus) festhält und die Einheit und Unteilbarkeit der spanischen Nation betont, schneidet daher in Katalonien und im Baskenland schwach ab.
Spanien gliedert sich in 17 Autonome Gemeinschaften oder Regionen(Comunidades Autónomas). Diese verfügen nicht über Eigenstaatlichkeit (Spanien ist also keinBundesstaat), aber dennoch über einen Kompetenzumfang, der dem derdeutschen Länder vergleichbar ist. Von diesen bestehen sieben (Asturien, Kantabrien, Navarra, La Rioja, Madrid, Murcia, Balearen) nur aus einer Provinz, die übrigen aus mehreren Provinzen.Insgesamt gibt es 50 Provinzen. In den uniprovinzialen Autonomen Gemeinschaften nehmen diese gleichzeitig die der Provinz übertragenen Aufgaben wahr. Daneben existieren noch die zwei Autonomen StädteCeuta undMelilla, die weder einer Autonomen Gemeinschaft noch einer Provinz zugeordnet sind. Gleiches gilt für diePlazas de soberanía vor der KüsteMarokkos, die zwar unter spanischer Souveränität stehen, jedoch in keine Verwaltungsstrukturen eingebunden sind.[59]
Die niedrigste Verwaltungsstufe sind die Gemeinden(municipios). In verschiedenen Autonomen Gemeinschaften existiert zwischen den Provinzen und den Gemeinden noch verschiedene Zwischenebenen. Diese Einheiten tragen verschiedene Bezeichnungen(comarcas, subcomarcas, veguerías, mancomunidades).
Seit langem gibt es ungelöste Konflikte um den Autonomiestatus desBaskenlandes undKataloniens. Im Baskenland kämpfte dieETA von 1959 bis 2011 mit Gewalt und Terror für die Unabhängigkeit.[60] Die explizit baskischen beziehungsweise katalanischen Parteien setzten sich dagegen auf rein politischem Weg für eine stark erweiterte Autonomie, „freie Angliederung an Spanien“ beziehungsweise Unabhängigkeit ihrer Regionen ein. In Katalonien versuchten katalanisch-nationalistische Politiker im sogenanntenprocés (2014 bis 2017) mit illegalen Referenden und Parlamentsbeschlüssen die Unabhängigkeit von Spanien zu erklären. Man beruft sich auf dasSelbstbestimmungsrecht der Völker und will Volksabstimmungen durchführen, in denen die Bevölkerung der entsprechenden Region frei über den Status entscheiden kann. Vorbilder dafür sind unter anderem die Volksabstimmungen inQuébec (1980, 1995) undMontenegro (2006). Die zentralspanischen Parteien PP, PSOE und VOX stehen diesen Plänen ablehnend gegenüber.
Staatshaushalt
DerStaatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von 512 Milliarden US-Dollar dem standen Einnahmen von 461 Milliarden US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 51 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 4,1 Prozent desBruttoinlandsprodukts (BIP).[61] DieStaatsverschuldung betrug 2014 99,3 Prozent des BIP.[61]Durch verschiedene Sparprogramme konnte das Haushaltsdefizit von 11,0 Prozent im Jahre 2009 auf 4,1 im Jahr 2016 gesenkt werden. Von der BewertungsagenturStandard & Poor’s werden die Staatsanleihen des Landes mit der Note A− bewertet (Stand 2018). Durch das zurückgehende Haushaltsdefizit und die verbesserte Wirtschaftslage konnte der spanische Staat seine Kreditwürdigkeit verbessern.[62]
Die Staatsverschuldung beträgt nunmeht (2026) 103,2 % des BIP, immer noch sehr viel trotz einer Reduzierung um 20 Punkte seit 2021, 1995 lag die Staatsverschuldung noch bei 61,6 % des BIP's.[63]
Im Jahre 2025 gab es eine Reform der Justizbehörden (Ley de Eficiencia genannt, genauer Ley Orgánica 1/2025, vom 2/1/2025). An Stelle der 3900 Amtsgerichte mit einem Einzelrichter traten 431 erstinstanzliche Gerichte mit einem zentralen Sekretariat. Die Gemeinden bekamen Gerichtsabteilungen (Oficincas de Justcia).[65]
Höchstes Gericht ist das Tribunal constitucional (TC). Es ist für ganz Spanien zuständig (vergleichbar mit dem deutschen Bundesverfassungsgericht). Entscheidet über die a) Vereinbarkeit mit der Verfassung von Gesetzen b) Verletzung von in der Verfassung verankerten Grundrechten c) Kompetenzkonflikten zwischen dem Staat und den Autonomias d) Fälle die der dem TC übertragenen Zuständigkeit unterliegen e) Anfechtung von Entscheidungen und Anordnungen der autonomen Regionen.
Das Tribunal Supremo (TS) hat seinen Sitz in Madrid. Es ist für ganz Spanien im Zivil-, Straf-, Verwaltungs- und Sozialrecht zuständig. Ausgenommen davon sind Angelegenheiten, welche die Verfassung des Landes betreffen. Es gibt fünf Spruchkammern für Zivil-, Straf-, Verwaltungs-, Sozial- und Disziplinarrecht (Militär)
Daneben gibt es noch die Audiencia Nacional. Sie hat ihren Sitz in Madrid und ist in dafür bestimmten Angelegenheiten (etwa Terrorismus) für ganz Spanien zuständig (Strafrecht, Sozialrecht, Verwaltungsrecht). Sie hat vier Spruchkammern: eine für Berufungssverfahren, andere für Strafrecht, Verwaltungs- und Sozialrecht.
Jede Autonomia hat ein Tribunal Superior de Justicia (TSJ). Innerhalb eines TSJ gibt es mehrere Kammern, beispielsweise für Zivilrecht oder Strafrecht. Es handelt sich um ein Revisionsgericht das auch über Befangenheitsanträge entscheidet. Das TSJ entscheidet über Berufungen der unteren Instanzen, d h der Tribunales des Instancia, der erstinstanzlichen Gerichte.
Der „Consejo General del Poder Judicial“ ist eine Körperschaft, welche die Unabhängigkeit der Richter gewährleisten soll. Er ist für die Ernennung der Richter zuständig. Seine Mitglieder sind Juristen.
DasCentro Nacional de Inteligencia (CNI; deutsch Nationales Nachrichtendienstzentrum) ist der spanische Geheimdienst, der im November 2002 offiziell per Gesetz gegründet wurde. Er geht auf mehrere geheime staatliche Organisationen der Franco-Zeit zurück, die offiziell nicht bekannt waren und keinen Namen trugen.
Weitere unabhängige Einheiten sind die Königliche Garde (Guardia Real) und die direkt dem Oberkommando unterstellteSpanische Legion.
Spanien hat mit Stand 2014 etwa 123.000 Soldaten und 16.000 Reservisten. Das Rückgrat der Landstreitkräfte bilden 327 Kampfpanzer. Die spanische Marine verfügt über 46 Schiffe, darunter einen Flugzeugträger und die Luftwaffe besitzt über 500 Fluggeräte (inklusive 216 Kampfflugzeuge).[66]
Oberbefehlshaber der Spanischen Streitkräfte ist derSpanische König, derzeitFelipe VI. Das Militärbudget Spaniens beträgt 12,8 Milliarden Euro (1,2 % des BIP). Seit 2000 ist es möglich, dass Männer und Frauen, dieSpanisch als Muttersprache sprechen aber keine spanischen Staatsbürger sind, in die Spanischen Streitkräfte eintreten können. Die Wehrpflicht wurde 2001 abgeschafft.
Sozialversicherung
Die Anfänge der Sozialversicherung gehen auf das Gesetz vom 27. Februar 1908 zurück durch welches das Instituto Nacional de Previsión gegründet wurde. Zunächst war die Mitgliedschaft freiwillig, ab 1919 wurde sie zur Pflichtversicherung und in Seguro de Retiro de Obrero Obligatorio umbenannt. 1929 folgte ein Gesetz zum Mutterschutz und 1932 ein Gesetz zu Arbeitsunfällen. 1936 war noch ein Gesetz zu Berufskrankheiten in Planung, das allerdings genauso wie ein Krankenversicherungsgesetz nicht mehr umgesetzt werden konnte. Gegen Ende des Bürgerkriegs begründete Franco mit dem Erlass des Fuero del Trabajo 1938 eine Sozialversicherung mit den obligatorischen Versicherungszweigen Krankenversicherung, Berufsunfähgikeitsversicherung, Mutterschutz, Arbeitsunfallsversicherung und Berufskrankheiten. Es gab spezielle Versicherungszweige für Hausangestellte und Landarbeiter, freiwillig war die Zugehörigkeit zur Rentenversicherung und der Ausfallsversichrung für Ratenzahlungen ... Diese Sozialversicherungen bildeten das Gerüst, bis sie in der Verfassung des demokratischen Spaniens verankert wurden.[67]In der Verfassung vom 27. Dezember 1978 wird die Grundlage der Sozialversicherung bestimmt:Art 39 verpflichtet die öffentlichen Einrichtungen den Familien sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Schutz zu gewähren. Art 41 erwähnt ausdrücklich den öffentlichen Charakter der Sozialversicherung, sie ist für alle Bürger und garantiert Hilfe und ausreichende Sozialleistungen insbesondere bei Arbeitslosigkeit. Der Staat legt allerdings nur die Grundzüge der Sozialversicherung fest (Art. 149 17º).Die Einzelheiten dazu regelt das Real Decreto Legislativo 8/2015 vom 30. Oktober 2015 das die Richtlinien für die Allgemeinen und die Besonderen Sozialversicherungswerk (etwa der Selbständigen) festlegt (Art. 9). Zum besonderen Sozialversicherungswerk zählen die in der Fischerei tätigen Arbeitnehmer, Beamten, Soldaten und Studenten. Laut Art. 15 handelt es sich um eine Pflichtversicherung, Art 18 bestimmt, dass es sich um Pflichtbeiträge handelt. Hier gibt es die zwei Versicherungsarten der beitragsgebundenen und der nicht beitragsgebundenen Sozialversicherungsleistungen (Art 2). Art. 19 verweist hinsichtlich der Finanzierung auf das Haushaltsgesetz, welches das staatliche Budget festlegt.[68]
Rentenversicherung
Es gibt 4,9 Millionen Bezieher von Rente.[69] Gemessen am PIB gibt Spanien mehr Geld fuer Renten aus als Deutschland. Im Durchschnitt bekommen sie 80 Prozent dessen was sie vorher netto verdient haben. Damit ist Spanien unter den OECD Ländern an erster Stelle. Allerdings bekommt die Hälfte der Rentenempfänger weniger als 1050 Euros und zwei Drittel bekommen brutto weniger als 1400 Euro.[70]
Krankenversicherung
Die autonomen Regionen verwalten die Gesundheitsversorgung in ihrem Bereich. Der Krankenversicherte findet in seinem Bezirk ein CAP (Zentrum für ambulante Behandlung mit Aerzten und Pflegepersonal) das mit einem Krankenhaus zusammenarbeitet.Seit dem Jahr 2013 wandern spanische Pflegekräfte verstärkt ins Ausland ab. Ein Trend, der sich fortsetzen dürfte, wenn die Sparmaßnahmen des spanischen Staates anhalten. SATSE, die spanische Gewerkschaft der Krankenpfleger, befürchtet, dass in weniger als fünf Jahren jeder dritte spanische Krankenpfleger erwerbslos sei. Spanien, so die Analyse, sei schon jetzt das Schlusslicht innerhalb der Europäischen Union, was die Dichte von Krankenpflegern pro 1000 Einwohner anbelangt. Im Jahr 2013 habe die Erwerbslosigkeit mit fast 20.000 Krankenpflegern ohne Beschäftigung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht; damit sei sie in den letzten Jahren um 400 % gestiegen. Für die nächsten fünf Jahre prognostiziert die Gewerkschaft eine weitere Steigerung von nahezu 30 %, was im Jahr 2018 bis zu 75.000 Pflegekräfte betreffen dürfte. Jährlich verlassen mehr als 11.000 Absolventen der Pflegewissenschaften die Universitäten.Spanien gibt pro Einwohner 2.995 Euro fuer die Gesundheitsversorgung aus, das entspricht etwa 8,5 % des BIP (2023), von den 27 Laendern in der EU uebertreffen nur neun Laender diese Gesundheitsausgaben.[71]
Sozialhilfe
Um Einkommensschwache zu unterstützen wird seit dem Jahr 2020 Sozialhilfe gewährt (ingreso mínimo vital (IMV)). Diese Hilfe bekommen 798312 Haushalte, im Schnitt sind es 546,8 Euro Beihilfe im Monat.[72]
Steuerverwaltung
In den "Autonomias", etwa den deutschen Bundesländern vergleichbar (siehe Abschnitt "staatliche Gliederung) ist das staatliche Finanzamt, die "Agencia Tributaria", für Einkommens- und Unternehmenssteuern verantwortlich. Daneben gibt es noch Gemeindesteuern, etwa die IBI, welche der Grundsteuer entspricht. Oder die Erbschaftssteuer die von den "Autonomias" festgesetzt wird. 1994 kamen nur 15 % der Einkommenssteuer den Autonomias zugute. 2001 stieg der Anteil auf 33 % bei der Einkommenssteuer, 30 % der Mehrwertssteuer und 40 % der sonstigen Steuern. Der Anteil von der Einkommenssteuer und der Mehrwertsteuer wurde auf 2009 auf 50 % erhöht. Die "Autonomias" bekommen davon nicht gleichermassen Finanzmittel. Der Ertrag von Einkommens- und Unternehmenssteuern wird nach einem vom Parlament beschlossenen Gesetz (Ley organica de Fiananciacion de las Comunidades Autonomas) and die einzelnen "Autonomias" weiterverteilt. Es gibt einen Verteilungsschlüssel, dessen Änderung seit 2014 diskutiert wird.[73] Siehe auchAutonome Gemeinschaften Spaniens
Zur Steuerpflicht bedarf es einer Ansässigkeitsbescheinigung („certificado de residencia fiscal“). Besteuert wird wer mehr als 183 Tage in Spanien lebt oder hier seinen Lebensmittelpunkt hat.[74]
Ausländische Staatsbürger können in den Genuss des Gesetzes „ley Beckham“ kommen, nach dem neu Zugewanderte nur einen festen Steuersatz von 24 % für die ersten 600.000 Euros Einkommen während der ersten sechs Jahre ihres Aufenthalts in Spanien zahlen.[75]
Ab einer bestimmten Einkommensgrenze ist eine Steuererklärung abzugeben. Sie kann über Internet oder mit Hilfe der Agencia Tributaria eingereicht werden. Im Jahre 2024 wurden 52.000 Steuererklärungen eingereicht. Aufgrund dessen wurden 13.000 Millionen Euros an Steuern an 15.600.000 Steuerzahler zurückerstattet.[76]
Der Betrag der nicht an die Steuerbehörden gemeldeten Einkünfte beläuft sich jährlich auf 112.000 Millionen Euro.[77]
Außen- und Europapolitik
Standorte der diplomatischen Vertretungen Spaniens
Die außenpolitischen Schwerpunkte Spaniens liegen auf der EU-Integration, den Beziehungen zu Lateinamerika, Nordafrika und Nahost, der Mittelmeerpolitik sowie den transatlantischen Beziehungen. Spanien ist seit 1955 Mitglied derVereinten Nationen und war 2015–2016 nichtständiges Mitglied imSicherheitsrat.
Zu den Vereinigten Staaten unterhält Spanienenge Beziehungen und ist bestrebt, diese weiter auszubauen. Besonders enge kulturelle und gesellschaftliche Bindungen, und darauf aufbauend ein dichter politischer und wirtschaftlicher Austausch, bestehen zu Lateinamerika und der Karibik. Die seit 1991 stattfindenden Gipfeltreffen der iberoamerikanischen Staats- und Regierungschefs sind hierfür eine wichtige multilaterale Plattform. Zuletzt fand das Treffen am 28. und 29. Oktober 2016 inCartagena de Indias (Kolumbien) statt. Der Schwerpunkt der spanischen Außenpolitik liegt auf Lateinamerika und Afrika.[78]
Plenarsaal des Europäischen Parlaments in Brüssel. Spanien ist einer von 27 Mitgliedsstaaten derEuropäischen Union.
Spanien ist Mitglied derEuropäischen Union (EU) seit dem 1. Januar 1986 sowie derEurozone.[79] Spanien gehört kontinentalen Organisationen wie derOrganisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und derEuropäischen Verteidigungsagentur (EVA) an. Spanien zieht eine außerordentlich positive Bilanz seiner über 30-jährigen EU-Mitgliedschaft. Ein Großteil der Spanier verbindet die EU mit der Demokratisierung, Modernisierung und dem wirtschaftlichen Wachstum des Landes.
Spanien hatte fünfmal den Vorsitz derEU-Ratspräsidentschaft inne: in der ersten Hälfte des Jahres 1989,[80] als die Verabschiedung des „Delors-Berichts“ genehmigt wurde; in der zweiten Hälfte des Jahres 1995, als der Name der künftigen europäischen Währung (desEuro) angenommen wurde; in der ersten Hälfte des Jahres 2002,[81] als die ersten Euro-Münzen in Umlauf gebracht wurden; in der ersten Hälfte des Jahres 2010,[82] als derVertrag von Lissabon und dieTriopräsidentschaft eingeführt wurden; und zuletzt in der zweiten Hälfte des Jahres 2023,[83] als der Rat der Europäischen Union für Beitrittsverhandlungen mit derRepublik Moldau und derUkraine votierte.
Spanien hat mit seiner tendenziell proeuropäischen Einstellung eine Schlüsselrolle in bestimmten Initiativen gespielt. Von allen sind besonders zu erwähnen: die Entwicklung einessozialen Europas;[84] dasEuropa der Bürger[85] und die Einführung derEuropäischen Bürgerinitiative; die Bekämpfung der internationalen organisierten Kriminalität; die Schaffung einer gemeinsamen Einwanderungspolitik[86][87] und die Stärkung der Außengrenzen; der Ausbau der Zusammenarbeit mit den Ländern des Mittelmeerraums und Nordafrikas; die Förderung des Dialogs für den Frieden im Nahen Osten; eine gemeinsame Agrar- oder Fischereipolitik;[88] und das eindeutige Bekenntnis zu wirksamen Strategien gegen geschlechtsspezifische Gewalt bzw. bei Organtransplantationen.
Seit dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Union haben viele Spanier verantwortungsvolle Positionen und eine wichtige Aktivität in den Institutionen eingenommen.[89]
Mit demPlan de Estabilización 1959, demdemokratischen Wandel in der Zeit nach 1975, dem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft im Jahr 1986 und der Teilnahme an der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion hat Spanien die Grundlage für einen langanhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung gelegt. Die Industrie des Landes wurde sukzessive liberalisiert und modernisiert. Hieraus sind einige international erfolgreich agierende Unternehmen hervorgegangen, zum BeispielIberia,Seat,Telefónica,Zara oderEndesa. Die Öffnung Spaniens für den internationalen Wettbewerb zog umfangreiche ausländische Direktinvestitionen nach sich.
Die Endmontage desAirbus A400M findet inSevilla, Spanien statt.Ein Modell desSeat Leon.Seat ist ein wichtiger industrieller Arbeitgeber in Spanien.
Der Preis dafür waren allerdings starke Schrumpfungsprozesse in traditionellen Branchen, z. B. im Baskenland. Die durchschnittliche Beschäftigtenzahl der spanischen Unternehmen lag im Jahr 2011 mit 10 Mitarbeitern weit unter dem EU-Durchschnitt von 17 (zum Vergleich: Griechenland 5, Deutschland 35). 80 % der Unternehmen des produzierenden Gewerbes haben weniger als 10 Mitarbeiter, was auf geringe Konkurrenzfähigkeit der im Durchschnitt wenig innovativen Industrie hindeutet. Die Reindustrialisierung nach der Krise 2009–2013, die zu einem starken Einbruch der Industrieproduktion führte, schreitet nur langsam voran, obwohl gerade der damit verbundene Beschäftigungsabbau die Produktivität erhöhte. 2014 wurde zum ersten Mal ein Zuwachs der industriellen Produktion von 1,1 % verzeichnet.[90]
Spanien war, laut einer Studie der BankCredit Suisse aus dem Jahre 2017, das Land mit dem zwölftgrößtennationalen Gesamtvermögen weltweit. Der Gesamtbesitz der Spanier an Immobilien, Aktien und Bargeld belief sich auf insgesamt 4.845 Milliarden US-Dollar. Das Vermögen pro erwachsene Person beträgt 129.578 Dollar im Durchschnitt und 63.369 Dollar imMedian (Deutschland: 203.946 bzw. 47.091 Dollar). DerGini-Koeffizient bei der Vermögensverteilung lag 2016 bei 68,0 was auf eine mittlere Vermögensungleichheit hindeutet.[91]2018 gab es in Spanien 25 Milliardäre. Reichste Person des Landes istAmancio Ortega, der mit einem Vermögen von ca. 70 Milliarden US-Dollar zu den zehn reichsten Menschen der Welt gehört. Ortega ist Gründer des TextilunternehmensInditex.[92]
Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte betrug im Jahre 2010 9,24 % des Bruttosozialproduktes. Damit wurde der von der Europäischen Union vorgegebene Grenzwert von 9,3 % geringfügig unterschritten.[94]
Blick aufs nächtlicheBenidorm. Tourismus spielt eine wesentliche Rolle in Spaniens Wirtschaft.
Das Wachstum der vergangenen Jahre wurde wesentlich durch einen Immobilienboom getragen, mit dem die durchschnittliche Verschuldung pro Person schon 2005 auf 125 Prozent des Jahreseinkommens anstieg, das war dreimal mehr als vor einer Dekade.[95]
Die Immobilienblase platzte im Verlauf derFinanzkrise ab 2007. Da die spanischen Banken fast nur Darlehen mit variablem Zins vergaben, so das Zinsrisiko auf die Kreditnehmer abwälzten und die Banken durch strikte Regulierung kaum in den Verfall der forderungsbesicherten Wertpapiere verstrickt waren, galten die spanischen Banken lange als relativ gesund.
Da aber der Immobiliensektor fast ein Drittel des BIP erwirtschaftete, wirkte sich der Crash deutlich auf die Wirtschaft aus. Da gleichzeitig die Immobilienpreise stark gefallen sind, im ersten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,8 %,[96] sind sehr viele Haushalte überschuldet. So stiegen die Kreditausfälle um das Vierfache an, die Ausfallrate liegt nach offiziellen Angaben bei 5 %. In Spanien kostet eine Immobilie das 7,2fache des durchschnittlichen Jahreseinkommens eines Haushalts. In Großbritannien kosteten sie nur das 4,6fache und in den Vereinigten Staaten lediglich das Dreifache. Der spanische Markt gilt somit weiterhin als deutlich überteuert, so dass ein andauernder Preisverfall zu erwarten ist.
Im März 2009 musste die regionale Sparkasse Caja Castilla la Mancha mit einem Milliardenkredit von der Zentralbank gestützt werden. Das Institut soll bis zu neun Milliarden Euro an Liquiditätshilfen erhalten, für welche die Regierung eine Garantie abgibt.[97]
Am 25. Juni 2012 beantragte Wirtschaftsminister Luis de Guindos bei der Europäischen Union im Namen der spanischen Regierung finanzielle Hilfe für die Rekapitalisierung der spanischen Kreditinstitute. Pauschal hatten die Euro-Partner Spanien bereits 100 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.[98] Nach einer Entspannung der Lage im spanischen Finanzsektor verließ das Land im Januar 2014 denEuro-Rettungsschirm. Während der 18-monatigen Laufzeit der Hilfsmaßnahmen erhielt Spanien insgesamt 41,4 Milliarden Euro zur Unterstützung der Kreditinstitute.[99]
Spanien erhielt über das Konjunkturbelebungsprogramm NextGenEU 80.000 Millionen Euros und zusätzlich 82.000 Millionen Vorzugskredite (von denen 60.000 Millionen nicht in Anspruch genommen wurden).[100]
DieArbeitslosenquote lag im vierten Quartal 2025 bei 9,93 % (2,6 Millionen Arbeitslose). Siehe
Spanien ist Teil desEuropäischen Binnenmarkts. Zusammen mit 20 weiteren EU-Mitgliedstaaten (blau) bildet es eine Währungsunion, dieEurozone.
DieWährung in Spanien ist seit dem 1. Januar 1999 derEuro, der wie in allen Ländern der Eurozone ab 2002 die bisherige landeseigene Währung (Peseta) auch als offizielles Zahlungsmittel ersetzte. DerWechselkurs zur vorigen Währung,pesetas (Pts) odersingular (Pta), betrug: 1 € = 166,386 Pts beziehungsweise 1 Pts = 0,6010 €-Cent. Nach wie vor werden noch Preise in Peseten angegeben, gerade bei teuren Gütern, die nicht allzu häufig gekauft werden, wie Autos oder Wohnungen. Als großzügig abkürzende Größenordnung werden hierbei gerne Millionen Pts,Million Pesetas verwendet: so kostet eine Wohnung in der Umgangssprache 25 Millionen Pts oder ein Auto 2 Millionen Pts.
In Gesprächen wird gelegentlich noch die WährungseinheitDuro benutzt. EinDuro entspricht 5 Peseten, also ungefähr 3 Cent. Um von Euro aufDuro umzurechnen, reicht es, den Eurobetrag durch 3 zu dividieren und anschließend zwei Nullen anzuhängen (oder mit 100 multiplizieren). Während der Umstellungsphase auf den Euro wurden die Spanier mit der eingängigen DeviseVom Duro zum Euro auf die neue Währung eingestimmt.
Wirtschaftsstruktur
Spanische Provinzen nach BIP pro Kopf (2021)
Die Struktur der spanischen Wirtschaft weist eine für Industrienationen typische Verteilung auf:
68 % Dienstleistungen,
20 % verarbeitende Industrie,
9 % Bauwirtschaft,
3 % Landwirtschaft.
Wichtigste Wirtschaftszweige der spanischen Wirtschaft sind der Tourismus, das Bauwesen, die Kommunikations- und Informationstechnik, metallverarbeitende Industrie, Maschinenbau, Landwirtschaft und Petrochemie.
Spanien ist geprägt von großen wirtschaftlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Autonomen Gemeinschaften. In stark industrialisierten Regionen wie demBaskenland,Madrid,Navarra oderKatalonien, lag das BIP pro Kopf ausgedrückt inKaufkraftstandards im Jahr 2014 zwischen 8 und 25 Prozent über dem Schnitt derEuropäischen Union, während die eher landwirtschaftlich geprägten Regionen wieExtremadura,Kastilien-La Mancha oderAndalusien nur zwischen 63 und 72 Prozent des EU-Durchschnitts erreichten.[103]
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nach Autonomer Gemeinschaft[104]
Karte Spaniens mit namentlicher Aufteilung der KüsteBadetourismus am Strand beiVillajoyosaDieSierra Nevada:Pico del Veleta
Spanien wurde 2025 von insgesamt 96,8 Millionen Touristen besucht, die meisten kamen aus Großbritannien (19 Millionen), gefolgt von Frankreich (12,7 Millionen) und Deutschland (12 Millionen). Hauptreiseziel war Katalonien (20 Millionen Touristen) gefolgt von den Baleareischen und den Kanarischen Inseln mit jeweils 15,7 Millionen Besuchern´.[105]
Landwirtschaft
Oliven-Anbaugebiet bei Arenas del Rey inAndalusien
54 % der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt,Bewässerungsfeldbau wird auf etwa 20,1 % der Anbaufläche betrieben. 144.000 Quadratkilometer der Landesfläche sind bewaldet.In Spanien werden folgende Agrarprodukte produziert: Getreide (vor allem Weizen und Mais), Gemüse, Oliven, Weintrauben, Zuckerrüben, Zitrusfrüchte wie Orangen und Zitronen, Fleisch (u. a. Schafe, Ziegen, Kaninchen und Geflügel), Milchprodukte (z. B.Manchego-Käse), Seefisch und Meeresfrüchte. Spanien ist zudem seit 2004 das einzige europäische Land mit einer signifikantentransgenen Anbaufläche (vor allem genveränderter Mais). DerSpanische Weinbau ist bedeutend, jedoch durch dieFolgen der globalen Erwärmung stark gefährdet.[106] Unter anderem von derWasserknappheit ist indes die gesamte Landwirtschaft betroffen. 2023 hatKataloniens Regierung den Wasserfuhr-Notstand ausgerufen.[107] Besonders betroffen ist dort die Region umBarcelona.[108] Bereits seit einigen Jahren werden in Spanien vermehrtMeerwasserentsalzungsanlagen in Betrieb genommen, um neben dem Bedarf der Landwirtschaft auch jene des Tourismus decken zu können.[109] Inzwischen werden in Spanien, mit Stand 2024, bereits rund 80 % der Agrarflächen künstlich bewässert.[108]
Immobilienmarkt
Nach Zahlen derBanco de España gab es Ende 2005 in Spanien rund 23,7 MillionenWohnungen (spanischPiso) und 15,39 MillionenHaushalte. Damit kommen auf einen spanischen Haushalt 1,54 Wohnungen, die höchste Rate der Welt. 85 % der spanischen Wohnungen werden von ihren Eigentümern bewohnt, 15 % vermietet.
Zwischen 12 % und 13 % der Arbeitnehmer sind Mitglied einer Gewerkschaft. Für 80 % von ihnen gelten Tarifverträge.[112]Die beiden größten Gewerkschaftsorganisationen
Die Zahl der Mitglieder in den zur UGT gehörenden Einzelgewerkschaften wird mit 880.000 Mitgliedern angegeben (Stand: November 2017).[115] 2022 hatte die CCOO 1 411 312 Mitglieder und stellte 22 930 Arbeitnehmervertreter in den Unternehmen Spaniens.[116]
Infrastruktur
Spaniens Infrastruktur ist aufgrund des jahrelangen Baubooms hervorragend ausgebaut. Auch der ansteigende Tourismus machte den Aufbau eines modernen Schienen-, Straßen und Luftverkehrsnetzes nötig. Allerdings konnten nach dem Platzen der Blase viele Bauprojekte nicht vollendet werden; sie stehen immer noch unvollendet in der Gegend.[117]
Straßennetz
Spanische Autobahn
Im Jahr 2019 gab es in Spanien 519 Kraftfahrzeuge pro 1000 Einwohner.[118] Dieser Wert lag im Jahr 2000 bei 429, 2008 bei 479 und 2014 bei 475.[118]78 Prozent der Bevölkerung leben in Städten. In Ballungsräumen wie Madrid oder Barcelona sind die Straßennetze im Berufsverkehr überlastet. Zum Teil gibt esVerkehrsleitsysteme wie inValencia.
Spanien verfügt über ein gut ausgebautes Straßen- und Autobahnnetz von 663.795 Kilometern Länge. Die Straßen sind zum allergrößten Teil befestigt. Das Fernstraßennetz umfasst Nationalstraßen,carreteras nacionales, und Autobahnen, die sogenanntenautovías (gebührenfrei) undautopistas (teilweise mautpflichtig,de peaje). An den Zahlstellen der gebührenpflichtigenautopistas kann mit Bargeld oder Kreditkarte bezahlt werden. Außerdem kann mit der sogenannten Telepeaje bezahlt werden. Dabei führt man einen Sensor im Auto mit, der automatisch registriert, wenn an einer Mautstelle vorbeigefahren wird. Die Mautschranke öffnet sich anschließend automatisch.
Teilweise verlaufen gebührenpflichtige Autobahnabschnitte parallel zu gebührenfreien. Rund um Ballungszentren gibt es meist gebührenfreieautovías, einzige Fernverbindungen sind gebührenpflichtig.
Die Höchstgeschwindigkeit beträgt innerhalb geschlossener Ortschaften 50 km/h, auf Landstraßen 90 km/h, falls ein Randstreifen von mindestens 1,5 m Breite oder eine zusätzliche Fahrspur vorhanden ist 100 km/h sowie auf Autobahnen 120 km/h. In geschlossenen Ortschaften muss nachts immer mit Abblendlicht gefahren werden.
Die Verwarnungsgelder sind in Spanien im Vergleich zu Deutschland wesentlich höher. Bezahlt man einen Strafzettel innerhalb von in der Regel 14 Tagen, hat dies einen 50-prozentigen Nachlass zur Folge. Auf Bürgersteigen dürfen weder Motorräder noch Autos abgestellt werden. Ein (wenn auch nur teilweises) Abstellen auf dem Gehweg hat ein sofortiges Abschleppen zur Folge. Das Parken vor Fußgängerüberwegen wird weniger streng geahndet als in Deutschland. Vielerorts herrscht eine akute Parkplatznot. Eine durchgezogene gelbe Linie am Fahrbahnrand weist auf ein Parkverbot hin. Die lokale Polizei besitzt oftmals eigene Abschleppwagen. Die Parkgebühren in Ballungsräumen liegen auf demselben Niveau wie in Metropolen im deutschsprachigen Raum.
Sehr hohe Geschwindigkeitsüberschreitungen, gefährliches Rowdytum im Straßenverkehr oder Fahren unter erheblichem Alkoholeinfluss kann als Straftat gewertet werden und Haftstrafen nach sich ziehen.
Seit Juli 2004 sind in SpanienWarnwesten gesetzlich vorgeschrieben. Diese müssen bei Unfällen und Pannen getragen werden. Reservelampen für die Fahrzeugbeleuchtung und zwei rote Warndreiecke müssen ebenso im Kraftfahrzeug mitgeführt werden. Grüne Versicherungskarten sind nicht Pflicht.
Der Straßenverkehr des Landes gilt als sehr sicher. 2013 kamen in Spanien insgesamt 3,7 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner (In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote). Es kamen 1730 Personen im Straßenverkehr ums Leben. Das Land hat eine im weltweiten Vergleich hohe Motorisierungsrate: 2016 kamen 611 Kraftfahrzeuge auf 1.000 Einwohner (in Deutschland waren es 610 Fahrzeuge).[119]
Als Verkehrsmittel wird dasFahrrad erst in jüngerer Zeit häufiger genutzt, wenn auch die spanische Fahrrad-Kultur der mitteleuropäischer Städte noch nachsteht. Radwege waren lange Zeit nur in touristischen Regionen bekannt. In den meisten größeren Städten Spaniens ist das Netz der Fahrradwegen gewachsen. Das Angebot und die Nutzung von städtischenFahrradverleihsystemen ist verbreitet. Es verfügen Barcelona (seit März 2007), Madrid (seit 2014),Girona,Alicante,Saragossa,Sevilla,Valencia,Burgos,Pamplona,Albacete,Salamanca über Radverleihsysteme. Weitere Städte sollen folgen.
Der Individualfahrradverkehr (neben den Fahrradverleihsystemen) nimmt zu. In den großen Städten mit dichtem Kfz-Verkehr und überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Fahrrad eine schnelle und kostengünstige Alternative. Die Infrastruktur ist stellenweise sehr gut ausgebaut. Etwa in Barcelona wurden bis 2013 mehr als 182 km Fahrradwege gebaut.[120]
Die Radwege sind mit Ampeln und auf stark befahrenen Hauptstraßen mit Trennlinien und verankerten Trennsteine aus Gummi bzw. Kunststoff vom übrigen Verkehr getrennt.
Die bestehenden Netze werden in der Regel gut angenommen und erweitert.Im Großraum Madrid haben Autobahnen teilweise eine eigene Fahrradspur.
In Spanien ist das Nebeneinanderfahren von zwei Radfahrern erlaubt.
Fernbusnetz
Aufgrund der geringen Eisenbahndichte verfügt Spanien über ein sehr gut ausgebautes Busnetz. In kleinen und großen Städten gibt es spezielle Busbahnhöfe. Das Busnetz verbindet insbesondere kleinere Städte und Dörfer, aber es gibt auch überregionale Linien und internationale Verbindungen. Busfahren ist in Spanien vergleichsweise günstig.
Schifffahrt
Die größten Seehäfen sind inAlgeciras,Barcelona,Valencia, Bilbao, Gijón undSanta Cruz de Tenerife. Zwischen der Iberischen Halbinsel und den Balearen sowie den Kanaren gibt es eine Reihe von Fährverbindungen.
Für dieBinnenschifffahrt wurden im 18. und 19. Jahrhundert derCanal Imperial de Aragón und derCanal de Castilla gebaut. Inzwischen dienen diese jedoch nur noch dem Transport von Trinkwasser. Zum Zwecke der Wasser- und Energieversorgung wurden im 20. Jahrhundert in allen großen Flussläufen zahlreicheTalsperren errichtet, so dass die Flüsse des Landes nicht mehrschiffbar sind. Die einzige Ausnahme ist derGuadalquivir zwischenSevilla und dem Atlantik. Dieser Abschnitt ist für Hochseeschiffe befahrbar. Die zahlreichen Stauseen im Landesinneren werden aber für denWassersport genutzt. Im Rahmen derExpo 2008 wurde im Stadtgebiet vonSaragossa ein Personenschiffsverkehr auf demEbro eingerichtet.[121]
Das Netz inIberischer Breitspur (1668 mm) der staatlichen EisenbahngesellschaftRed Nacional de los Ferrocarriles Españoles (RENFE) wird durch ein normalspuriges Hochgeschwindigkeitsnetz mit dem NamenAlta Velocidad Española (AVE) ergänzt, das 2013 eine Länge von 2276 Kilometern hatte.[122]Das Niveau der anfänglichen Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit ist in diesem Netz nach Unfällen und anderen Problemen im Jahr 2024 nicht mehr anzutreffen.[123]
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Die spanischen Fernverkehrszüge derGrandes Líneas werden in Tag- und Nachtzüge unterschieden. Tagzüge sind derAlaris,Altaria,Arco,Euromed,Talgo,Intercity undDiurno. Nachtzüge sind derTrenhotel undEstrella. Diese Zugtypen unterscheiden sich in ihrer Bauart und fahren auf festgelegten Strecken. Eine Klassifizierung nach der Zug-Geschwindigkeit und Haltepunktdichte wie im deutschen Sprachraum gibt es in Spanien nicht. Fahrkarten werden nicht für eine Strecke, sondern für ein Produkt verkauft.
Der spanischeSchienengüterverkehr hat eineTransportleistung von jährlich 8,9 Milliarden Tonnenkilometern und hat damit einen der niedrigsten Anteile amModal Split in der EU. Nur in den Inselstaaten und dem inselreichen Griechenland ist der Bahnanteil am Güterverkehr niedriger.[124]
Etwa 40 spanische Städte verfügen über einenFlughafen für Verkehrsmaschinen. Die Flughäfen vonMadrid undBarcelona befinden sich – bezogen auf die Passagierzahlen – unter den zehn größten europäischen Flughäfen. Die Luftbrücke zwischen den Flughäfen Madrid und Barcelona hat mittlerweile wegen der Verbindung mit den Hochgeschwindigkeitszügen (AVE) an Bedeutung verloren.
Die größten spanischen Fluggesellschaften sindIberia,Air Europa undVueling. Am meisten Passagiere werden jedoch von RyanAir transportiert.
In Spanien tätige Luftfahrtgesellschaften (2025)[125]
Was die Anzahl der Kunden betrifft, so ist Iberdrola mit 10 Millionen Kunden der wichtigste Energieversorger, gefolgt vonEndesa (Teil des italienischen Enel Konzerns) mit 9 Millionen Kunden, daneben gibt es noch Naturgy und Repsol. Enagas und Redeia verwalten die Zugaenge und Knoten zum Versorgungsnetz.[126] Die zuständige Aufsichtsbehoerde für die Netzbetreiber ist Red Electrica (REE), von ihr hängt die Holding Redeia ab. Die wichtigsten Netzbetreiber heißen Iberdrola, Endesa, Naturgy und EDP.[127]
Der Primärenergieverbrauch Spaniens erreichte 2007 sein Maximum, sank nach dem Platzen derImmobilienblase bis 2009 deutlich ab und war dann bis 2018 ungefähr gleichbleibend.[128]
Spanien bezog bis Ende 2021 rund 40 Prozent den benötigten Erdgases ausAlgerien. Aus diplomatischen Gründen (Spanien versöhnte sich mit Marokko; dies löste eine schwere Krise mit Algerien aus, der Schutzmacht der Polisario-Befreiungsfront, die für die Unabhängigkeit der ehemaligen spanischen Kolonie kämpft) erhöhte Spanien dann seine Gasimporte aus den Vereinigten Staaten.[129]
Das Energieversorgungsunternehmen mit den meisten Kunden ist Iberdrola (10 Millionen) gefolgt von Endesa, Filiale des italienischen Enel Konzerns, mit 9 Millionen Kunden.[130] Wichtigste Netzbetreiber sind Iberdrola, Endesa, Naturgy und EDP[131]
Primärenergieverbrauch nach Energieträgern
Die wichtigste Energiequelle Spaniens ist das Erdöl, welches 2018 44,3 % der Primärenergie lieferte.[128] Insgesamt machen fossile Brennstoffe (Erdöl 44,3 %, Erdgas mit 20,9 % und Kohle mit 8,9 %) 74,1 % der verbrauchten Primärenergie aus.[128] Im Jahr 2010 mussten 73,9 % der Primärenergiequellen importiert werden.[132]
In Kraftwerken des TypsGas-und-Dampf-Kombikraftwerk wird hauptsächlich Gas verwendet. Unter die restlichen Energiearten fallen weitere erneuerbare Energien (2 %) und sonstige Energieformen „energias cogenerativas“.[133]
In Spanien sind derzeit sechs Kernkraftwerke mit acht Reaktorblöcken und einer installierten Bruttoleistung von insgesamt 7716 MW am Netz.
1983 wurde ein Moratorium verabschiedet, das denAtomausstieg einleiten sollte. Nach 1983 wurden noch mehrere Reaktorblöcke fertiggestellt, jedoch wurden Neubaupläne verschoben und im Jahr 1994 endgültig verworfen. In dieser Legislaturperiode hat die Regierungspartei (sozialistische Partei) eine Kehrtwende vollzogen. Am 15. Februar 2011 hatte das spanische Parlament eine Gesetzesänderung beschlossen, nach der die auf 40 Jahre festgesetzte Höchstbetriebsdauer der Kernkraftwerke aufgehoben wurde.[136]
In Spanien gibt es Gesetze, die den weiteren Ausbau der Kernenergie untersagen.[137]
Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen stieg vom Jahr 2010 mit 35,4 % über 2020 mit 43,6 %[138] auf 46,7 % im Jahr 2021.[139]Mit einer installiertenWindenergiekapazität von 23.170 MW lag Spanien 2014 hinterChina, den Vereinigten Staaten,Deutschland undIndien an fünfter Stelle weltweit.[140] Bis Ende 2023 war die installierte Windkraftwerksleistung auf 30.569 MW gestiegen.[141] Ebenfalls einen Aufschwung erlebt dieSolarenergie, so lag die installierte Kapazität ausPhotovoltaikanlagen zum Stand Ende 2023 bei 30.613 MW[142] (2007: ca. 900 MW, 2010: 3643 MW, 2015: ca. 4500 MW, 2022: 23311 MW[142]). Ebenso befinden sich mitAndasol 1, 2 und 3 (je 50 MW) die derzeit (2012) größtenSonnenwärmekraftwerke Europas in Spanien. Im Februar 2022 war eine Kapazität von 2.304 MW an Sonnenwärmekraftwerken installiert (2010: 682 MW[133]).
Informationstechnik und Telekommunikation
Im Jahr 2023 nutzten 95,4 Prozent der Einwohner Spaniens das Internet.[143]
Der spanischeStierkampf ist nach Meinung seiner Anhänger als eine Kunst anzusehen, in der Eleganz und Ästhetik eine wichtige Rolle spielen. Für viele Kritiker stellt er eine archaische und brutale Tradition dar, die es aufgrund der mit ihr verbundenen Tierquälerei nicht wert sei, in ihrer heutigen Form fortgeführt zu werden. Sowohl auf den Kanarischen Inseln, als auch in Katalonien ist der Stierkampf mittlerweile verboten.
Die meisten überregionalen Tageszeitungen erscheinen in der Hauptstadt Madrid:El País (durchschnittliche Auflage im Jahr 2003 rund 561.000 Exemplare, gehört zur MediengruppePRISA),El Mundo (379.000),ABC (346.000) undLa Razón (205.000). In Barcelona erscheinenLa Vanguardia (240.000) und die wichtige regionale katalanische ZeitungEl Periódic (221.000; auch spanischsprachig alsEl Periódico). Von Bedeutung sind täglich erscheinende Sport-Medien wieMarca (549.000) undAs (303.000). Die meisten Spanier lesen Regionalzeitungen, fast jede größere Stadt im Land hat hier ein Angebot, beispielsweiseDiario de Sevilla oderDiario de Mallorca.
Radiotelevisión Española (RTVE) ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Spaniens. Dazu gehört der FernsehsenderTelevisión Española (TVE). Dieser betreibt die ProgrammeLa 1,La 2 und den AuslandsdienstTVE Internacional und einige weitere Spartensender. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (Fernsehen und Radio) wird staatlich subventioniert.[146] Private Fernsehprogramme sindAntena 3,Telecinco sowie seit dem 7. November 2005Cuatro und seit dem 27. März desselben JahresLaSexta. Das Fernsehprogrammangebot wird durch regionale Fernsehsender abgerundet.Im Bereich desdigitalen Fernsehens gibt es die AngeboteDigital+ undAuna. Der ehemals teilweise frei empfangbare SenderCanal+, der durchCuatro ersetzt wurde, ist in dasDigital+-Angebot eingegangen.
Für die Versorgung der zahlreichen deutschsprachigen Menschen, die sich langfristig (Residenten) oder kurzfristig (Touristen) in Spanien aufhalten, ist mittlerweile eine beachtliche eigenständige Medienszene entstanden. Zu den Publikationen gehören mehrere Wochenzeitungen mit Auflagen von über 20.000 Exemplaren sowie Gemeindebriefe, Germanistikfachzeitschriften oder Wirtschaftsmagazine. Namhafte Blätter sind beispielsweise dasMallorca-Magazin oder dieMallorca-Zeitung. Auf Mallorca, wo eine neue Minderheit mit dauerhaft ansässigen deutschstämmigen Menschen entsteht, gibt es mitInselradio Mallorca auch das bekannteste deutschsprachige Vollzeithörfunkprogramm. Spanien zählt neben Italien, den Vereinigten Staaten, Polen, Rumänien und Belgien zu den Staaten mit den meisten deutschsprachigen Medien außerhalb des geschlossenen deutschen Sprachraums.
Sport
Organisierte Leibesübungen werden in Spanien seit der römischen Zeit praktiziert. Dabei handelte es sich vor allem in der Franco-Ära umSpitzensport im Sinne vonBrot und Spiele.[147] Nach Francos Tod breitete sich der Breiten- und Freizeitsport aus.[148]
Neben dem Profisport hat der Amateursport in Spanien einen sehr hohen Stellenwert. Fast die Hälfte der Bevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren betreibt aktiv eine Sportart. Dabei ist Fitnesstraining, wie Jogging, vor Fußball und Schwimmen die beliebteste Sportart. Aber auch Radfahren und Walking werden in Spanien immer beliebter.[150]
In Spanien werden für jedes Jahr 14 Feiertage definiert. Einige hiervon sind staatlich, einige werden von derAutonomen Gemeinschaft bestimmt, je ein Feiertag von derProvinz (in der Regel der Schutzpatron der Provinz) und ein Feiertag von der Gemeinde beziehungsweise vom Ort (in der Regel der Schutzpatron der Gemeinde). Die Feiertage werden jährlich für das Folgejahr von jeder Autonomen Gemeinschaft veröffentlicht und können variieren. Fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, ist der darauf folgende Montag je nach Branche arbeitsfrei.
Folgende Tage sind in der Regel Feiertage, können aber je nach Jahr oder Autonomer Gemeinschaft ausfallen oder ersetzt werden:
24. Juni –St.-Johannes-Tag(Revetlla de Sant Joan), Feiertag nur inKatalonien, in ganz Spanien werden amJohannistag allerdings die Johannisfeuer entfacht
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