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Einsoziales Netzwerk ist einOnlinedienst, der die Möglichkeit zu Informationsaustausch und Beziehungsaufbau bietet. Eine dadurch entstehendeOnline-Community bietetcomputervermittelte Kommunikation und digitalesoziale Interaktion entsprechend den Möglichkeiten der jeweiligenSocial Software (Plattform). Auf der technischen Grundlage einessozialen Mediums(Social Media), das als Plattform zum wechselseitigen Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Informationen eingesetzt wird, ergibt sich ein abgrenzbares soziales Netzwerk von Nutzern mit von ihnen erzeugten Inhalten(User-generated content).
In anderen Sprachen wie Englisch oder Koreanisch ist die Bezeichnungsocial networking service (소셜 네트워크 서비스) üblich. Daher begegnet man manchmal der AbkürzungSNS. Weltweit, auch im Deutschen, umgangssprachlich am weitesten verbreitet ist allerdings die synonyme Verwendung von „Social Media“. Deutsche Begriffe wie „Gemeinschaftsportal“ oder „Online-Kontaktnetzwerk“ sind hingegen kaum gebräuchlich.
Grundlegende Funktionen so gut wie aller sozialen Netzwerke sind:
Profilseite: eigenhändig erstellte Seite einer Person oder Organisation, mit diversen Einstellungen zur Sichtbarkeit für Mitglieder der Netzgemeinschaft oder generell der Öffentlichkeit des Netzes. Ein Profil kann z. B. einAvatar-Bild und persönliche Daten über Alter, Geschlecht, Wohnort und Interessen und Hobbys enthalten. Ein weiteres Profilelement ist das Festlegen vonStatus-Meldungen, die Auskunft über die Lage oder Haltung einer Person geben sollen.
Abonnieren bzw.Folgen/Followen:Abonnement („Abo“ bzw.Follow) anderer Profile (macht einen zumFollower dieser Person). Hohe Followerzahlen können (für Nichtprivatpersonen illegal) gegen Bezahlung erworben werden.[1]
jemandentaggen: Verlinken des Profils eines anderen Benutzers in einem Beitrag („Nametagging“), häufig mit vorangestelltem@
Kommentieren/Antworten: einen Beitrag zu einem bestimmten Beitrag verfassen
Hierbei geht es darum, eigene Aspekte der eigenen Person zugänglich zu machen. Mögliche Funktionen könnten Ausfüllen einer Profilseite, Erstellen eines eigenen Podcasts etc. sein. Dadurch entsteht eine Selbstauseinandersetzung, welche sich in der Frage „Wer bin ich?“ als Entwicklungsaufgabe ausdrücken lässt.
Hierbei geht es um die Pflege bestehender Kontakte und das Knüpfen neuer Kontakte. Beispielhafte Funktionen wären ein Kommentar zum Status-Update eines Kontaktes oder das Verlinken von Weblog-Einträgen. Dadurch entsteht eine Sozialauseinandersetzung, welche sich in der Frage „Wo ist mein Platz in der Gesellschaft?“ als Entwicklungsaufgabe ausdrücken lässt.
Hierbei geht es um das Selektieren, Filtern, Bewerten und Verwalten von Informationen. Mögliche Funktionen wären das Taggen einer Website oder das Bewerten eines Videos durch Punktevergabe. Dadurch entsteht eine Sachauseinandersetzung, welche sich in der Frage „Wie orientiere ich mich in der Welt?“ als Entwicklungsaufgabe ausdrücken lässt.
Soziale Netzwerke beinhalten nicht nur eine der folgenden Funktionen, sondern können mehrere oder sogar alle dieser beinhalten. Eine der Funktionen ist dabei doch meistens vorherrschend.
Das am meisten genutzte soziale Netzwerk der Welt war im Jahr 2022Facebook. Auch in Deutschland befindet es sich auf Platz eins: 35 % benutzen es mindestens einmal in der Woche, bei jüngeren Menschen liegt es allerdings nur auf Platz drei hinterInstagram undTikTok.[4]
Das US-amerikanische UnternehmenMeta hatte zunächst Probleme, mit seiner PlattformFacebook auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Es konnte diese Probleme später überwinden und ist seit 2009 das meistgenutzte soziale Netzwerk in Deutschland.[5] Im Dezember 2011 meldeten sich insgesamt 798,9 Millionen Mitglieder mindestens einmal mit einem eigenenBenutzerkonto bei Facebook an. Dies entsprach einem Wachstum von 214,6 Millionen (+36,7 %) gegenüber Dezember 2010. Asien wies Ende 2011 mit 214,7 Mio. Personen die höchste Mitgliederanzahl auf, gefolgt von Europa (193 Mio.), Nordamerika (174,5 Mio.), Süd- und Mittelamerika (148,5 Mio.) sowie Afrika (55,2 Mio.) und Ozeanien (13,0 Mio.).[6]
Im Dezember 2010 hatteInstagram eine Million registrierte Benutzer, im Juni 2011 waren es fünf Millionen.[7] Bis Juni wuchs die Mitgliederzahl 2016 auf über 500 Millionen an.[8]
Nutzer können auch Unternehmen sein. Diese präsentieren sich dort mit einemUnternehmensprofil. Sie werden dabei von eigenen Dienstleistern (z. B.PR- oderWerbeagenturen) beraten und unterstützt oder tragen diese Aktivitäten (z. B. im Rahmen derUnternehmenskommunikation) selbst.
Unternehmen nutzen die sozialen Netzwerke unter anderem, um sich als Marke gegenüber (potenziellen) Arbeitnehmern zu positionieren (Employer Branding). Gleichzeitig dienen sie häufig auch derÖffentlichkeitsarbeit oder Vertriebszwecken (Social Commerce) und sind damit immer häufiger Bestandteil vonMarketingstrategien. Möglichkeiten, auf Unternehmensprofile in sozialen Netzwerken aufmerksam zu machen, sind die Schaltung vonAnzeigen oder die Integration der jeweiligenURL inklassische Werbemittel, amPOS (z. B. überQR-Codes) oder inUnternehmenspublikationen. Zum Dialog mit anderen Nutzern wird häufigCommunity Management eingesetzt. Nehmen auf einem Unternehmensprofil negative Kommentare und Äußerungen seitens der Nutzer zu, spricht man auch von einemShitstorm.
Bereits in den 1980er Jahren wurde der Grundstein für soziale Netzwerke mit denBulletin-Board-Systemen (BBS) gelegt. Diese Systeme erlaubten den Austausch von Daten und Nachrichten zwischen mehreren Benutzern auf einer Plattform. Ebenfalls in dieser Zeit entstand dasUsenet, eine Plattform für Diskussionen und Nachrichtenaustausch über das Internet.
Als Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre die AnwendungenCompuserve, Prodigy undAOL erschienen, waren die Grundfunktionen, die heute ein soziales Netzwerk ausmachen, gelegt: Im Gegensatz zu Bulletin-Board-Systemen konnten persönliche Profile erstellt, Veranstaltungen publik gemacht, gechattet und öffentliche und private Nachrichten versendet werden. Diese Anwendungen waren in der Regel nur für Kunden der genannten Netzwerke zugänglich.
Im öffentlich zugänglichenWorld Wide Web existieren soziale Netzwerke, deren Funktionen über die von reinenInternetforen undChats hinausgehen, seit Mitte der 1990er Jahre. Eines der ersten Beispiele ist die 1995 gegründete US-amerikanische Schulfreunde-GemeinschaftClassmates.com. Die 1997 gegründete Online-CommunitySixDegrees.com vereinigte laut einer Untersuchung von Danah Boyd und Nicole Ellison als erstes soziales Netzwerk die heute üblichen Funktionen von durchsuchbaren Freundeslisten, Profilen und einem Nachrichtensystem auf einer Website.[9]
Einen großen Beliebtheitssprung erlebten soziale Netzwerke wenige Jahre nach der Jahrtausendwende, als immer größere Teile der Bevölkerung eineInternetverbindung zur Verfügung hatten und sich ein großer Teil der privaten Kommunikation ins Web verlagerte. Im Jahr 2003 wurdeLinkedIn gegründet, im Juli 2003Myspace, im Januar 2004 folgteOrkut. Das geschäftliche NetzwerkXing (damalsOpenBC) setzte darauf auf. Im Februar 2004 gingFacebook an den Start, zuerst nur für Studenten der Harvard-Universität. Nach und nach wurde das Netzwerk für Studenten anderer US-Universitäten, Highschoolschüler und schließlich für beliebige Nutzer auch außerhalb der Vereinigten Staaten freigegeben. Zu Beginn der 2010er Jahre erlangten soziale Netzwerke erneut einen großen Zulauf, da sich Smartphones, Tablets und andere Geräte, welche primär der mobilen Internetnutzung dienen, ab diesem Zeitpunkt durchsetzten. Zudem funktioniert die mobile Kommunikation heute weniger durch Telefonieren oder das Schreiben von SMS, sondern mehr durch soziale Netzwerke wie Facebook undTwitter.
Im Juli 2005 wurde Myspace für 580 Millionen US-Dollar von derNews Corporation gekauft. Am 9. August 2006 meldete Myspace 100 Millionen Nutzer, womit soziale Netzwerke erstmals einer breiten Schicht bekannt waren.
Im November 2005 wurde in Deutschland das StudentenverzeichnisstudiVZ gegründet. Anfang 2007 wurde studiVZ von derVerlagsgruppe Georg von Holtzbrinck übernommen, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Jedoch scheiterte derAxel-Springer-Verlag kurz zuvor mit einem Gebot von 120 Millionen Euro. Aufgrund des großen Erfolges in den deutschsprachigen Ländern und des immer größeren Zuwachses an Nicht-Studenten wurden mitschülerVZ undmeinVZ fast identische Projekte mit einer anderen Zielgruppe gestartet und zudem Plattformen für Spanien, Italien, Frankreich und Polen aus der Taufe gehoben, welche mangels Erfolgs mittlerweile aber wieder eingestellt wurden. Nachdem schülerVZ bereits im April 2013 geschlossen worden war, folgte am 31. März 2022 die Schließung von studiVZ und meinVZ.
Im Oktober 2007 kündigteGoogle dieOpenSocial-Initiative an. Dadurch wurde es möglich, Inhalte verschiedener sozialer Netzwerke durch eine einheitliche Methode zusammenzuführen.Microsoft kaufte am 25. Oktober 2007 einen Anteil von 1,6 Prozent an Facebook und bezahlte dafür 240 Millionen US-Dollar. Durch diese Transaktion wurde Facebook auf dem Papier 15 Milliarden US-Dollar wert. Vorher wurde ein ähnliches Angebot seitens Google abgelehnt und ein Betrag von einer Milliarde US-Dollar, denYahoo bezahlen wollte, um Facebook zu übernehmen, nicht angenommen.
Im März 2008 hat AOL, die Internettochter des amerikanischen MedienkonzernsTime Warner, das 2005 gegründete soziale NetzwerkBebo für 850 Millionen US-Dollar (ca. 545 Millionen Euro) gekauft. Bebo hatte zur Zeit der Übernahme nach eigener Aussage etwa 40 Millionen Nutzer und ist vor allem inGroßbritannien populär.
Im August 2008 meldete Facebook 100 Millionen Nutzer.[10]
Im Februar 2010 meldete Facebook 400 Millionen Nutzer,[11] am 21. Juli 2010 eine halbe Milliarde Nutzer.[12] Im Oktober 2012 wurden von Facebook erstmals eine Milliarde Nutzer gemeldet.[13][14]
Im November 2010 wurde die ersteAlpha-Version vonDiaspora, einem dezentralen sozialen Netzwerk, veröffentlicht.[15] Ein anderes dezentrales soziales Netzwerk, das ebenfalls seit 2010[16] entwickelt wird, istFriendica (vormals Friendika). Breiter rezipiert wurde Friendica ab 2012.[17]
Am 28. Juni 2011 startete das NetzwerkGoogle+ derGoogle Inc. als direkter Konkurrent zu Facebook.
Im Frühjahr 2012 startete Microsoft ein soziales Netzwerk namensSo.cl, das allerdings nur als Technologiestudie konzipiert war und eine Anmeldung bei Facebook voraussetzte.[18] Seit Mitte 2012 kann auchWindows Live für den Login genutzt werden.
Ende 2014 startete mitwhispeer das ersteEnde-zu-Ende verschlüsselte soziale Netzwerk.[19] Da keine Klarnamen, Telefonnummern oder E-Mail Adressen für die Registrierung erforderlich sind, ist es möglich, anonym zu bleiben. Der Client von whispeer istOpen Source.[20]
Ende 2015 ging das soziale Netzwerknebenan.de online, eine Plattform zur Förderung der lokalen Nachbarschaftshilfe und -Vernetzung mit über einer Million Mitglieder in Deutschland.[21][22]
Im April 2019 wurdeGoogle+ eingestellt, nachdem das Netzwerk Facebook nie Konkurrenz machen konnte.[23]
2020 startete mitClubhouse ein soziales Netzwerk, das Live-Audiogespräche ermöglicht. Die App war im Januar 2021 zeitweise die meist-heruntergeladeneiOS-Anwendung in Deutschland.[24]
Einige soziale Netzwerke fungieren auch als Plattform für neue Programmfunktionen.Softwareentwickler können die Portalseiten um eigene Programmanwendungen ergänzen, d. h. ihreBenutzerschnittstellen werden in das Portal eingebettet.Die dazu nötigenProgrammierschnittstellen und Entwicklungsumgebungen werden von den Entwicklern zur Verfügung gestellt.
Beispiele sind:
Facebook Social Graph, eine Programmierschnittstelle für Facebook[25]
Google+ API, Programmierschnittstelle zu Googles Social Layer zum Abrufen öffentlicher Informationen sowie deren Integration in Anwendungen, Apps und Websites[27]
Plattformübergreifend ist dieFöderation durchB2B-APIs zu nennen.
Es zeigt sich, dass soziale Netzwerke von ihrer Struktur oftKleine-Welt-Netzwerke bilden, in denen die maximaleDistanz zwischen einzelnen Einheiten überraschend gering ist („six degrees of separation“).
Soziale Netzwerke finanzieren sich durchMitgliedsbeiträge sowie über verschiedene Formen vonWerbung undSponsoring, bei geschäftlichen Netzwerken auch durch Angebote fürPersonaldienstleister. Da die Zahlungsbereitschaft der Nutzer zumeist gering ist, setzen die meisten Betreiber auf Erlöse ausOnline-Werbung. Netzwerke hingegen, die auf Werbung, Sponsoring und Nutzung der Kundendaten vollständig verzichten, konnten sich bisher kaum etablieren.
Da die Dienstbetreiber Zugriff auf densozialen Graphen der beherbergten Netzgemeinschaft haben, also wissen, welches Mitglied mit welchen anderen Mitgliedern in Verbindung steht, verfügen diese über eine kommerziell interessante Informationsbasis, etwa für zielgruppengerichtete Werbung.
In den letzten Jahren hat sich die Zahl jener Nutzer erhöht, die aus sozialen Netzwerk-Seiten aussteigen. Welche Kritikpunkte für diese Nutzer im Vordergrund stehen, hat eine Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2013 am Beispiel von Facebook untersucht. Der meistgenannte Grund waren Sorgen um die Privatsphäre (48 %), gefolgt von einem generellen Missfallen gegenüber der sozialen Netzwerk-Seite (14 %), negativen Erfahrungen mit Freunden auf der sozialen Netzwerk-Seite (13 %) und dem Gefühl, süchtig nach der sozialen Netzwerk-Seite zu werden (6 %).[28]
Mit Stichtag 10. Dezember 2025 verbotAustralien als weltweit erster Staat alle sozialen Netzwerke und weiterenOnlinedienste für Jugendliche unter 16 Jahren. Bei Verstößen können sich dabei weder Kinder noch deren Eltern strafbar machen, lediglich die Eigentümer der Plattformen.[29]
Kommerzialisierung, Macht und politische Einflussnahme
Die meisten der größten sozialen Netzwerke sind heute unter der Kontrolle von einigen dergrößten Unternehmen der Welt, genannt „Big Tech“. Diese handeln nicht primär gemeinwohlorientiert, sondernselbsterhaltungs- undprofitorientiert und unterliegen deshalb bspw.Überwachungskapitalismus undPlattformkapitalismus. Das heißt, für ihren Machterhalt müssen sieNutzerverhalten intensiv verfolgen und manipulieren (bspw. von ihren „Diensten“ abhängig machen). Die Manipulation erfolgt vor allem durch gezielte Anzeige bzw. Nicht-Anzeige bestimmter Beiträge im individuellenFeed durch eigens dafür trainierteAlgorithmen. Das bestehendeOligopol der Internetgiganten ist kaum angreifbar, was unter anderem amNetzwerkeffekt liegt, ihrem Vorsprung an gesammelten Daten sowie der deutlich größeren, fürs Algorithmentraining benötigtenRechenkraft („Künstliche Intelligenz“). Regierungen versuchen seit Kurzem, die derzeitige Situation wieder zu verbessern und die davon ausgehenden Gefahren einzuschränken, bspw. die EU mit den seit 2022 geltenden GesetzenDSA undDMA. Abgesehen davon kommen allmählich auch nichtkommerzielleOpen-Source-Alternativen auf, bspw. dasFediverse mitMastodon und anderen sozialen Netzwerken.
Soziale Netzwerke erweisen sich neben den klassischen Medien auch als wirkungsvolle Instrumente fürPropaganda oderDesinformation durch Staaten oder andere politische Akteure und begleiten andere Variantenhybrider Kriegsführung.[30] Bspw. ist die diktatorische Regierung von China dafür bekannt, überTikTok pro-chinesische Propaganda zu fördern und unliebsame Positionen zuzensieren. Darüber hinaus wird vermutet, dass sie TikTok auch dafür einsetzt, die westliche Bevölkerung durch eigens auf sie zugeschnittene Algorithmen gegeneinander aufzuhetzen, psychisch zu destabilisieren oder gar zu verdummen. Aber auch in den anderen Netzwerken werden vielkritisierte Methoden eingesetzt. Bei derPräsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 sowie bei dem Volksentscheid in Großbritannien über den Austritt aus der Europäischen Union im selben Jahr („Brexit“) bspw. hatten die überraschenden Gewinner jeweils das UnternehmenCambridge Analytica engagiert, das sich mit der Erhebung, Auswertung, Anwendung und Zuordnung sowie mit dem Verkauf hauptsächlich im Internet gewonnener persönlicher Daten beschäftigt und Methoden der Psychometrik anwendet, einem Ableger der Psychologie(siehePsychografie).[31][32]
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die psychischen Risiken, denen die Nutzer von sozialen Netzwerken ausgesetzt sind. Die oft einseitige, positive Selbstdarstellung der Nutzer und ihrer Erlebnisse auf Seiten wie Facebook und Instagram führt zu einer ständigen Exposition gegenüber Nutzern, denen es scheinbar besser geht als einem selbst. Aufwärtsvergleiche mit physisch attraktiveren und erfolgreicheren Menschen führen dazu, dass Nutzer sowohl ihr eigenes Wohlbefinden als auch ihren eigenen Körper schlechter bewerten. Dieser Effekt ist bei allen Menschen zu beobachten, allerdings bei Frauen deutlich stärker.[33][34] Eine Studie aus den USA zeigte, dass sich junge Erwachsene mit hoher Nutzung sozialer Netzwerke sozial isolierter fühlen als Personen mit niedrigerer Nutzung sozialer Netzwerke. Dies kann zu Krankheiten führen, wieDepressionen,Schlafstörungen undkardiovaskulären Erkrankungen.[35] Allerdings gibt es widersprüchliche Befunde zu dem Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Netzwerke und Depressionen.[36][37]
Weiterhin wird in letzter Zeit vermehrt darüber diskutiert, welche Auswirkungen die Nutzung sozialer Netzwerke auf die Psyche von Nutzern hat. Forschungserkenntnisse deuten darauf hin, dass die Nutzung bei einigen Nutzern zu einer kurzfristigen Erhöhung des Selbstbewusstseins und zu einer Verminderung der Selbstkontrolle führen kann.[38] Ergebnisse vonLangzeitstudien hingegen liegen bis dato noch nicht vor.
Außerdem wurden schlechtere Leistungen bei Studierenden beobachtet. Eine deskriptive, explorative Forschungsstudie zeigte einen negativen Einfluss von sozialen Netzwerken auf die Effizienz und die Noten.[39]
Kinder und Jugendliche investieren ihre Zeit eher in soziale Medien, wodurch weniger Zeit für andere entwicklungsförderliche Aktivitäten investiert wird. Genannt als entwicklungsförderliche Aktivitäten werden bspw. Lesen, Sport oder direkte Face-to-face-Interaktion.[40] Außerdem ist im extremsten Fall eine entstehendeSucht negativ mit psychischer Gesundheit und akademischen Leistungen assoziiert.[41]
Um dem schädlichen Einfluss (Sucht, Stress, Depression etc.) entgegenzuwirken, den soziale Medien auf die psychische Gesundheit ausüben können, wird an einem neuen sozialen Netzwerk gearbeitet, das eine „gesündere Alternative“ zu den bisher verfügbaren sozialen Medien bieten soll. Die Plattform namensMaven – der Name leitet sich ab vomhebräischen Wort Mavin (מבין), das „verstehen“ bedeutet[42] – „verzichtet auf Likes und Follower und überlässt es dem Zufall, was in den Feeds der Nutzer erscheint“[43]. Dadurch sollen unter anderem tiefergehende Diskussionen ermöglicht werden. Die Plattform basiert auf der Arbeit eines Wissenschaftlers im Bereich der künstlichen Intelligenz. Finanziell unterstützt wird das neue Forum von HauptinvestorEvan Williams, Twitter-Mitbegründer, sowieSam Altman, CEO von OpenAI.[44]
Betrachtet man die sozialen Netzwerke in ihrer Rolle als Anwendungsplattform, so stand hier bisher die Entwicklung von Funktionalität im Vordergrund. Inzwischen beginnt man, sich auch mit Sicherheitsaspekten der Anwendungen dort zu beschäftigen.[45]
Die Erhebung, Speicherung und Weitergabe von personenbezogenen Daten bedarf immer einer Rechtsgrundlage (so§ 4BDSG, beispielsweise§ 28 BDSG) oder einer Einwilligung nach§ 4a BDSG.[46]
EineEinwilligung nach § 4a BDSG kann nach den Datenschutzgesetzen nur dann wirksam erteilt werden, wenn sie auf der freien Entscheidung eines informierten Nutzers beruht. Das Problem bei sozialen Netzwerken besteht aber vorwiegend darin, dass die Nutzer formal eingewilligt haben und sich zumeist keine Gedanken über die Gefahren machen und den Netzwerken ein blindes Vertrauen entgegenbringen.
Für eine zulässige Datenverarbeitung nach § 28 BDSG gilt Folgendes: Die datenschutzrechtliche Bewertung und Einordnung steht erst am Anfang. Da die sozialen Netzwerke und Internetgemeinschaften am ehesten mit Vereinen zu vergleichen sind und häufig von Mitgliedern gesprochen wird, stufen Bergmann/Möhrle/Herb[47] das Rechtsverhältnis zwischen einem Betroffenen und der jeweils verantwortlichen Stelle als vertragsähnliches Vertrauensverhältnis im Sinne von§ 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BDSG ein. Entsprechend dem Phasenmodell der Datenverarbeitung müsste bereits bei der Erhebung und Speicherung untersucht werden, ob die Daten über den Betroffenen dem vertragsähnlichen Vertrauensverhältnis dienen. Hierbei ist ein strenger Maßstab an die Frage der Erforderlichkeit anzulegen. Aufgrund der Zweckbindung ist eine Übermittlung regelmäßig problematisch, denn ein Netzwerk, welches z. B. für Freizeitzwecke genutzt wird, darf nicht für berufliche Zwecke (Suchanfragen von Arbeitgebern bei Bewerbungen) missbraucht werden. Generell wird man auch die Nutzung durchSuchmaschinen als nicht vom Vertragszweck umfasst ansehen müssen.
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