DerSopran (seit dem 18. Jahrhundert aus italienischsoprano, als ‚Oberstimme‘ im 16. Jahrhundert entstanden[1] ausitalienischsopra ‚(dar)über‘;Pluraldie Soprane, in der Schweiz auchdie Sopräne) ist die höchste menschlicheStimmlage und wird in der großen Mehrzahl der Fälle von Frauen gesungen. Sie kann aber auch von Jungen vor demStimmbruch (Knabensopran) oder von Männern imFalsett gesungen werden. Daneben wurde die Sopranstimme in vergangenen Jahrhunderten auch vonKastraten besetzt. Nur vereinzelt gibt es „natürliche Kastraten“. In derRenaissance und derBarockzeit wurde die Sopranlage im vokalen und instrumentalen Bereich auch alsCantus oderDiskant bezeichnet.
Eine Sängerin oder ein Sänger dieser Stimmlage wirdSopranistin oderSopranist oder einfachSopran genannt.
DerTonumfang der Sopranstimme reicht normalerweise von c’ bis a’’, bei Berufssängerinnen sind aber viel höhere Töne möglich.
Einige spezialisierte Gesangsfächer für den Sopran, die sich seit dem 19. Jahrhundert herausbildeten, sind:
Tonhöhen der verschiedenen Stimmlagen
Als Knabensopran wird die Stimmlage bezeichnet, die dem Sopran entspricht, jedoch von einem Knaben vor demStimmbruch gesungen wird. (Eine tiefere Knabenstimme ist derKnabenalt.) Knabenstimmen singen traditionell die hohen Stimmlagen inKnabenchören.
Typische Rollen für Knabensopran sind zum Beispiel:
Bedeutende Knabensoprane waren:
Einige Jahrhunderte lang wurde versucht, die Knabenstimme guter Sänger durchKastration zu erhalten. Die so entstandenenKastraten konnten ihre Stimmen noch weiter trainieren und hatten gegenüber Knaben ein größeres Lungenvolumen. Diese Methode wird aber heute nicht mehr praktiziert.
Heute gibt es vereinzelt „natürliche Kastraten“. Dies kann hormonelle Ursachen haben wie beispielsweise beim SopranistenRadu Marian. BeiJimmy Scott liegt der hormonellen Ursache ein genetischer Defekt zugrunde. Noch seltener sind Umstände wie beiMichael Maniaci. Auch er kam nie in den Stimmbruch, es entwickelten sich aber aus unbekannten Gründen nur derKehlkopf und dieStimmbänder nicht wie üblich.[2] Gegenüber anderen Sängern sind sie in den tiefen Tonlagen beschränkt. Durch die verwendete normale Bruststimme können sie gegenüber Countertenören auch leise Partien gut singen.[3]
Männer, die nach dem Stimmbruch in der Lage sind, Sopran zu singen, werden meist alsCountertenor bezeichnet, manchmal auch als Sopranisten oder männliche Soprane. Sie arbeiten meist durch die Benutzung vonKopfstimme oderFalsett-Technik, was aber einen anderen Klang erzeugt als eine Knabenstimme. Sänger wieAngelo Manzotti haben eine eigene Technik ohne Falsett entwickelt, was zu einer klareren Stimme führt. Diese Arten von Sänger haben einen recht großen Stimmumfang. BeiArno Raunig sind es über dreieinhalb Oktaven, beiEdson Cordeiro gar vier Oktaven. Letzterer erreicht einen Ton, der eine Stufe über MozartsKönigin der Nacht in der OperDie Zauberflöte angesetzt ist.
- Carl Dahlhaus,Hans Heinrich Eggebrecht (Hrsg.):Sopran. In:Brockhaus Riemann. Musiklexikon in vier Bänden und einem Ergänzungsband. 4. BandR–Z. Schott, Mainz,ISBN 3-7957-8304-6 / Piper, München,ISBN 3-492-18304-2 (Piper), S. 174.
- Horst Seeger:Sopran. In:Opern Lexikon K–Z. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1982,ISBN 3-499-16287-3, S. 819/820.
- Klaus Kalchschmid:Auf Höhenflug. In:Opernwelt, Juni 2007, S. 34 ff. (Bestandsaufnahme zum Thema Countertenöre)
- Kai Wessel,Arnold Jacobshagen/Corinna Heer (Hrsg.):Der Countertenor: Die männliche Falsettstimme vom Mittelalter zur Gegenwart. Schott Campus. Schott Music, Mainz 2013,ISBN 978-3-7957-0793-4.
- Arno Raunig:Von Kastraten und Countertenören. Raunig, Austria 2008,ISBN 978-3-9503781-0-8.