DieSkorpione (Scorpiones) bilden eineOrdnung derSpinnentiere (Arachnida). Weltweit sind, je nach Zuordnung, zwischen 1750 und 2500 Arten bekannt,[1][2][3] wovon nur etwa 25 als für Menschen potentiell tödlich gelten.[1] Skorpione erreichen Körpergrößen zwischen 9 Millimetern bei der ArtTyphlochactas mitchelli und 21 Zentimetern beimKaiserskorpion (Pandinus imperator) undHadogenes troglodytes. Sie leben vorwiegend in sandigen oder steinigen Böden oder in Bodennähe derTropen undSubtropen,Wüsten undHalbwüsten. Wenige Arten sind kletternde Baumbewohner, Wanderer oderHöhlenbewohner und halten sich alsKulturfolger in der Nähe menschlicher Behausungen auf.
Bau der Skorpione
Euscorpius carpathicus unter normalem und unter UV-Licht
Äußere Anatomie
Der Körper der Skorpione ist undeutlich in einen Vorderkörper (Prosoma) und einen deutlich zweigeteilten Hinterleib (Opisthosoma) gegliedert. Das Opisthosoma besteht aus einem breiten Teil, dem Mesosoma, sowie einem schwanzartig verlängerten Metasoma.
Der Vorderkörper besteht aus sechs Segmenten und trägt die Extremitäten. Zu ihnen gehören die relativ kleinen, dreigliedrigen Kieferklauen (Chelicere), denen die auffallend großenPedipalpen folgen. Diese sind zu großen Fangarmen ausgebildet, die am Ende in einer Schere enden. Skorpione sind in der Lage, mit ihren kräftigen Scheren Erdgänge und Höhlen zu graben. Außerdem dienen die Scheren zum Fang und Festhalten der Beute, meist andereGliederfüßer oder kleinereWirbeltiere. Die Cheliceren dienen zur Nahrungszerkleinerung und arbeiten gegen die Basen der Pedipalpen und der nachfolgenden beiden Laufbeinpaare, welche zusammen die untere Begrenzung des Mundraumes bilden (Gnathobasis).
Den scherenbesetzten Pedipalpen folgen vier Laufbeinpaare. Das zweite Hinterleibssegment der Skorpione trägt die Genitalplatten und im hinteren Bereich auffällige kammartige Strukturen, die alsKammorgan (Pecten) bezeichnet werden. Im Hinterleib sitzt, wie bei denWebspinnen, dieFächerlunge. DerAnus liegt im fünften Hinterleibssegment.
Der Hinterleib, das Opisthosoma, besteht ausChitinringen, die untereinander beweglich verbunden sind. Dadurch sind sie formfest und erhalten zugleich eine extreme Beweglichkeit. Bei der Fortbewegung wird dieser Teil aufrecht über dem Körper der Skorpione getragen. Das Opisthosoma weist 13 Segmente auf, von denen die letzten 5 Segmente wie bei denSeeskorpionen (Eurypteriden) zu schmalen Ringen verengt sind und das Metasoma bilden. Dieses Metasoma trägt das Telson (Endstachel und Giftblase). Größere Beutetiere werden mit einem Stich durch denStachel getötet.
Ihre Beute nehmen die Skorpione im Wesentlichen durch ihreSpaltsinnesorgane wahr. Ein Skorpion erkennt eine grabende Schabe an den Vibrationen aus 50 Zentimetern Entfernung. DieAugen der Skorpione eignen sich nur zum groben Orientieren (Sonnenstand, Mondschein etc.). Diese nervöse Leistung wird durch eine Kette vonGanglien, der Bauchganglienkette, erbracht, die bei Webspinnen bereits zum Bauchganglion verschmolzen ist. Der Vorderkörper ist außerdem mit einem großen medialen Augenpaar und bis zu fünf kleinerenPunktaugenpaaren ausgestattet.
DieCuticula der Skorpionefluoresziert bei Bestrahlung mitUltraviolettstrahlung. Dabei werden eingelagerteβ-Carboline und 7-Hydroxy-4-methylcoumarin angeregt. Mit Hilfe entsprechender Lampen können die Tiere daher bei Dunkelheit leicht entdeckt werden. Auch nach dem Ableben der Tiere bleibt dieser Effekt erhalten.
Innere Anatomie
Wie bei allen Gliederfüßern setzen dieMuskeln der Skorpione an den Innenflächen sowie an Spangen desChitinskeletts an. Sie sind innerviert durchNerven, die von einem zentralenBauchmark mit sieben Nervenknoten (Ganglien) ausstrahlen. Neben dem Bauchmark gibt es außerdem einGehirn aus zwei großen Ganglien, welche im Kopfbereich liegen und denSchlundbereich umspannen.
Das Verdauungssystem beginnt mit einem Mundbereich, welcher mit einem muskulösen Schlund ausgestattet ist. Dieser funktioniert wie eine Pumpe, der die vorverdaute Nahrung in den Mund saugt, von wo sie dann in den Vorder- und Mitteldarm geleitet wird. Die Verdauung erfolgt im Mitteldarm, in den mehrere Drüsen münden, die die erforderlichenEnzyme wieAmylasen,Proteasen undLipasen produzieren. Als Speicherorgan dient ein großesHepatopankreas (entspricht einer Kombination ausLeber undBauchspeicheldrüse), das bis zu 20 Prozent des Körpergewichts der Tiere ausmachen kann. Die Speicherung der Nährstoffe erfolgt alsGlykogen. DieMetabolismusrate der Tiere ist sehr gering, und die Nahrung kann sehr effektiv verwertet werden, außerdem können Skorpione mit einer Nahrungsaufnahme bis zu einem Drittel ihres eigenen Körpergewichts aufnehmen. Durch diese Anpassungen können Skorpione bis zu 12 Monate hungern.
DieExkretion erfolgt, wie bei anderen Gliederfüßern auch, überMalpighische Gefäße, die in den Darm im Bereich des Übergangs zwischen Mitteldarm und Enddarm enden und dieStickstoffverbindungen in diesen abgeben. Diese Exkretion erfolgt mit nur sehr geringem Wasserverlust, die Stoffe werden alsHarnsäure mit demKot abgegeben.
DasBlutgefäßsystem ist mit Ausnahme des dorsalen Herzschlauchs offen, das Blut (Hämolymphe) flottiert entsprechend frei im Körper und in denBlutsinus im Gewebe der Tiere. DieAtmung erfolgt überBuchlungen, die an der Unterseite der Skorpione als Einfaltung der Cuticula vorhanden sind. In diesen wird der Sauerstoff in die Hämolymphe abgegeben.
DieGonaden sind bei beiden Geschlechtern paarig als ein Netzwerk von Schläuchen angelegt, welches sich auf den ersten Blick nicht unterscheiden lässt. Die Männchen produzieren in ihrenHodenschläuchenSpermien, die in besonderen Organen (Paraxialorgan) zuSpermatophoren verpackt werden. Die Weibchen produzieren Eier, die artspezifisch mit oder ohneDottervorrat angelegt werden. Bei den apoikogenischen Eiern existiert ein Dotter, der von denEmbryonen als Nahrung genutzt wird, die Jungskorpione aus katoikogenischen Eiern greifen stattdessen mit ihren Cheliceren nach speziellen Futterdivertikeln im weiblichen Uterus und werden auf diese Weise ernährt.
Verbreitung und Lebensraum
Skorpione finden sich weltweit auf allen Kontinenten mit Ausnahme derAntarktis. In Amerika reicht ihr Verbreitungsgebiet vonSüdkanada bis ins südliche Südamerika. In Europa findet man sie mit einer nördlichen Verbreitung bis in den Süden und Osten Österreichs und der Schweiz sowie bis in den Süden Tschechiens. In Österreich handelt es sich hierbei um die ArtenAlpiscorpius germanus (Deutscher Skorpion),Alpiscorpius ypsilon,Alpiscorpius gamma (Gammaskorpion),Euscorpius tergestinus (Triestiner Skorpion)[4][5] und in der Schweiz um die ArtenAlpiscorpius alpha,Alpiscorpius beta,Alpiscorpius germanus undPolytrichobothrius italicus (Italienischer Skorpion). Aus Tschechien istEuscorpius tergestinus bekannt.
InGroßbritannien undNeuseeland wurden Skorpione alsNeozoen eingeschleppt. Der Schwerpunkt liegt aber in tropischen und subtropischen Regionen. Die größte Artenvielfalt findet sich in denmexikanischen Wüstengebieten.Die Tiere finden sich in den meisten Lebensräumen wieWüsten und Halbwüsten, in der grasbewachsenen Savanne, in tropischen Wäldern, an Küsten in der Gezeitenzone, vereinzelt auch in Höhlen. Viele graben sich in den Untergrund ein, während manche Arten in Bäumen leben.Alacran tartarus ist einHöhlenbewohner und kann bis zu 800 Metern unter der Oberfläche gefunden werden.
Die meisten Arten sind aber bodenlebend und werden nach McDaniels 1968 in vier Grundtypen aufgeteilt:
Psammophile Skorpione sind an sandige Habitate angepasst. Sie sind auf diesemUntergrund sehr schnelle Läufer und gut gegen Austrocknung geschützt.
Lithophile Skorpione leben bevorzugt in Felslebensräumen und sind meist flach gebaut, damit sie sich gut zwischen Steinen bewegen können.
Grabende Skorpione leben vor allem unterirdisch in selbst gegrabenen Höhlen. Sie verlassen diese nur zur Jagd und zur Fortpflanzung.
Wandernde Skorpione wechseln ihren Lebensraum und sind entsprechend wenig an bestimmte Verhältnisse angepasst.
Skorpione gelten traditionell als in trockenen Lebensräumen gedeihende Tiere, doch sind viele Arten auf eine hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen.
Skorpione ernähren sich von diversen wirbellosen Tieren wieInsekten (Insecta) oderSpinnentieren (Arachnida), seltener auch vonSchnecken oder kleinenWirbeltieren wieNagern,Schlangen undEidechsen. Die Nahrungswahl ist dabei artspezifisch mehr oder weniger ausgeprägt, nur die ArtIsometroides vescus gilt als Nahrungsspezialist und ernährt sich ausschließlich von wenigen grabenden Spinnenarten.
Skorpione sind überwiegend nachtaktiv. Die meisten Artenlauern ihrer Beute in der Nähe ihrer Höhle oder anderer Unterschlupfmöglichkeiten auf. Einige Arten sind in der Lage, auch fliegende Insekten zu fangen. Auch aktive Jäger gibt es unter den Skorpionen, dabei handelt es sich meist um schlanke Tiere mit sehr starkenSkorpiongiften. Beim Beutefang werden die beiden Pedipalpen als Greifzangen eingesetzt; falls sich das Opfer nicht schon dadurch wehrunfähig machen lässt, kommt der Stachel zum Einsatz, der in weniger als einer Sekunde über den Kopf hinweg geführt wird und Gift in das Beutetier injiziert. Mit den Kieferklauen wird es nun zerkleinert, während gleichzeitig Enzyme die Nahrung vorverdauen. Der flüssige Nahrungsbrei wird dann durch den Schlund in den Darm gesaugt. Der Fressvorgang kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Viele Skorpione sind in der Lage, für längere Zeit (manche Arten sogar ein bis zwei Jahre) ohne Nahrung auszukommen, da ihr Ruhestoffwechsel kaum Energie verbraucht.
Skorpione sind eine beliebte Beute für verschiedeneVögel (vor allemEulen), Eidechsen, Schlangen, große Frösche und Säugetiere. Außerdem jagen viele Skorpione selbst andere Skorpione, sowohl der eigenen Art als auch andere Arten, und auch unter größerenGliederfüßern haben sie Feinde wieHundertfüßer,Walzenspinnen undWebspinnen.
Skorpion in Drohhaltung
Um sich gegen Fressfeinde zur Wehr zu setzen, besitzen Skorpione mehrere Abwehrmechanismen. Die auffälligste Verteidigung ist die Ausstattung mit einem Giftstachel und einem hochpotentenGift, welches in derGiftdrüse im letzten Körpersegment produziert wird und bei den meisten Skorpionen aus zwei Komponenten besteht: Einer zum Töten von Gliederfüßern als Nahrung und einer gegen Wirbeltiere zur Verteidigung. Je nach Art wirkt das Gift entweder neuromuskulär (unter anderem beiCentruroides spp. undParabuthus spp.) oder kardiovaskulär (unter anderem beiButhus spp., Mesobuthus spp. undAndroctonus spp.).[1] Für das Vergiftungsgeschehen selbst sind besonders dieneurotoxischen Bestandteile relevant.[1][6]
Das Gift der meisten Skorpione ist in der Regel für große Wirbeltiere nur wenig gefährlich. Wie einführend benannt besitzen allerdings einige wenige Arten Gifte, die auch bei Menschen zu potentiell tödlichenkardialen undzentralnervösen Symptomen führen können.[7] Dies betrifft etwa 10 Prozent aller Stichunfälle,[1] wobei insbesondere Ältere, (Klein-)Kinder sowie Kranke besonders gefährdet sind.[1][7] Regionen, in denen es gehäuft zu (tödlichen) Stichunfällen kommt, sind etwa Mexiko[7] oder auch der Iran.[8] Besonders starke Gifte finden sich bei Vertretern der Buthidae (LD50-Wert zwischen 0,25 ppm (Millionstel Teilen) und 4,25 ppm bei der Maus). Jährlich sterben weltweit je nach Quelle etwa 1000 bis 5000 Menschen durch Skorpionstiche.
EinigeTierarten haben sich auf Skorpione soweit spezialisiert, dass sie gegen die Gifte immun sind oder Verhaltensweisen besitzen, die es ihnen ermöglichen, dem Stich zu entgehen. Ihre nächtliche Lebensweise und ihr Verhalten, sich fast immer in Verstecken aufzuhalten, vermeidet außerdem den Kontakt mit potenziellen Feinden.
Sozialverhalten
Die meisten Skorpione sind Einzelgänger, die mit anderen Skorpionen nur in der Zeit nach der Geburt, als Jäger oder Gejagte sowie zur Paarungszeit zusammentreffen.
Einige Arten zeigen jedoch ein ausgeprägtes Sozialverhalten. So gibt es Arten, die gemeinsam im gleichen Unterschlupf überwintern und dazuAggregationen bilden. Bei einigen Arten, etwa demKaiserskorpion (Pandinus imperator), bleibt auch die Bindung zwischen den Jungskorpionen eines Wurfes bestehen, und sie bilden Familiengruppen, die sogar gemeinsam jagen.
Fortpflanzung und Entwicklung
Zu den wichtigsten Voraussetzungen für die Besiedlung des extrem trockenen Lebensraumes gehört die Gewährleistung der Fortpflanzung und somit der Schutz der Eier und Spermien vorAustrocknung.
Paarung und Paarungstanz
Die Männchen der Skorpione legen die Spermien in einen dafür gebildeten Behälter, dieSpermatophore, ab. Diese bietet den Spermien einen Schutz vor äußeren Einflüssen. Da die meisten Arten jedoch in sehr trockenen Gegenden leben, ist auch dieser Schutz allein nicht ausreichend, wenn die Spermatophore nicht innerhalb kürzester Zeit vom Weibchen aufgenommen wird. Der „Hochzeitstanz“ der Skorpione dient dieser Funktion. Ein solcher wurde auch in demWalt-Disney-FilmDie Wüste lebt gezeigt.
Zur Paarungszeit verströmen die Weibchen Sexuallockstoffe (Pheromone), die die Männchen zu ihnen führen. Haben die Männchen eines gefunden, versuchen sie durch Zuckbewegungen (juddering), dieses in Paarungsstimmung zu versetzen. Hat das Männchen seine Partnerin „überredet“, greifen sie sich an den Scheren, und der manchmal Stunden andauernde Paarungstanz beginnt. Zu Beginn des Paarungstanzes halten sich die Männchen vieler Skorpionarten nicht nur mit den Scheren am Weibchen fest. Sie stechen ihren Giftstachel in die dünne Haut am Scherenarm des Weibchens. Vermutet wird eine Stimulation des Weibchens; es ist jedoch nicht geklärt, ob das Männchen dem Weibchen auch Gift einspritzt.
Beim Paarungstanz führt das Männchen das Weibchen manchmal über viele Meter und versucht mit den Kammorganen (Pectines) auf der Bauchseite einen geeigneten Ablageplatz für seine Spermatophore zu finden. Hat es ihn ertastet, verharrt es kurz und setzt die Spermatophore ab. Dann zieht es das Weibchen darüber hinweg, so dass das Sperma direkt in dessen Genitalporus eindringen kann. Damit ist der Tanz beendet, und die Partner trennen sich schnell – manchmal endet er allerdings auch mit dem Verzehr des Gatten (Kannibalismus). Beide Geschlechter können sich in ihrem Leben mehrmals verpaaren, wobei Weibchen der Buthidae auch bei Paarungen beobachtet wurden, während sie die Brut der letzten Paarung noch auf dem Rücken trugen.
Entwicklung
Compsobuthus werneri, Weibchen mit Jungen
Nach einigen (bis zu zwölf) Monaten gebiert das Weibchen lebende Junge (Viviparie), die Eier werden also bereits imUterus „ausgebrütet“. Die Anzahl der jungen Skorpione kann artspezifisch zwischen 2 und über 100 betragen. Die Jungskorpione sind bei der Geburt weiß, und jedes ist einzeln von einer Embryohaut, demChorion, umschlossen. Nachdem sich die Jungskorpione aus dieser befreit haben, steigen sie auf den Rücken der Mutter, die sie bis zur ersten Häutung herumträgt. Die erste Häutung erfolgt je nach Art und äußeren Bedingungen nach 1 bis 51 Tagen. In dieser Zeit sind die Weibchen besonders aggressiv. Die Ernährung der Jungskorpione erfolgt in dieser Zeit durch körpereigene Reserven, Flüssigkeit bekommen sie durch die Rückenhaut der Mutter.[9]
Nach der ersten Häutung verlassen die Jungen ihre Mutter und sind auf sich selbst gestellt. Die weitere Entwicklung läuft über mehrere, meist fünf bis acht, weitere Häutungen. Danach sind die Tiere geschlechtsreif. Nach dem Erreichen dieser Geschlechtsreife finden keine weiteren Häutungen mehr statt.[10]
Als Landbewohner mit einer relativ dünnenChitinschicht hinterlassen Skorpione nur sehr selten Fossilreste, entsprechend wenig ist bekannt über die Evolution der Tiere. Die meisten Erkenntnisse stammen aus derphylogenetischen Forschung. So kann aufgrund der Position der Skorpione an der Basis der Spinnentiere davon ausgegangen werden, dass die Skorpione von marinen Formen abstammen, die zugleich die Stammarten der an den Meeresküsten lebendenPfeilschwanzkrebse (Xiphosura) und der ausgestorbenenSeeskorpione (Eurypterida) gewesen sein dürften. Alle meereslebenden Arten benutzten noch Kiemen zur Atmung, die bei den Pfeilschwanzkrebsen an der hinteren Innenseite von Extremitäten angelegt waren. Die Fächerlungen der Skorpione sind aus denKiemen ihrer Vorfahren hervorgegangen.
ErsteFossilien eindeutig landlebender Skorpione fanden sich aus dem spätenSilur vor etwa 430 bis 390 Millionen Jahren. Diese frühen Arten waren wahrscheinlich amphibisch lebende Formen, die mitKiemen ausgestattet und an das Leben an den Meeresküsten und imTidenbereich angepasst waren.
Eine Aufsplitterung der Formen begann ebenfalls zu dieser Zeit und war imDevon bzw. spätestens imKarbon vor etwa 325 Millionen Jahren bereits abgeschlossen. Aus dieser Zeit sind Fossilien beinahe aller heute lebenden Skorpionstaxa bekannt, von denen die größten mehr als 85 Zentimeter lang wurden.
Die Skorpione stellen die ursprünglichste Gruppe innerhalb der Spinnentiere dar und werden entsprechend als Schwestergruppe aller anderen Spinnentiere angesehen.
Die systematische Einteilung der Skorpione erfolgt auf der Basis von morphologischen Eigenschaften wie der Anzahl und Verteilung derTrichobothrien, der Form desSternums, der Mundstrukturen, der Bezahnung der Cheliceren, der Gestaltung der Beine, desTelson und vielen weiteren Merkmalen. Daneben spielen Besonderheiten derEmbryologie sowie der inneren Anatomie eine Rolle.
Aktuell werden die heutelebenden Skorpione meist in 13Familien und jeweils mehrereGattungen aufgeteilt (nach Fet et al. 2000):
DieButhidae sind die größteFamilie der Skorpione (Scorpiones) mit 1.352 Arten in 99Gattungen (Stand: 28. März 2023).[16] Zu dieser Familie gehören auch die meisten gefährlich giftigen Arten.[17] Eine weitere Familie, die nur durchAkrav israchanani bekanntenAkravidae, ist vermutlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgestorben,[18] ebenso die GattungElectrochaerilus der FamilieChaerilidae.[19]
Mensch und Skorpione
Volksmedizin
Als Bild sollten Skorpione denbösen Blick abwenden, weshalb man ihr Bildnis auf Lampen und anderen Gegenständen finden kann. AlsTalisman soll ein Skorpion die StadtEmesa inVorderasien vor echten Skorpionen undSchlangen beschützt haben.
Als giftiges Tier fand der Skorpion unterschiedlichste Verwendungen in der Volksmedizin. Nach Megenberg konnten Skorpionsasche, in Wein getrunken, und Skorpionsöl, mit dem man die Stichstellen einreiben musste, gegen das Gift der Tiere helfen. Das „Skorpenöl“ wurde gewonnen, indem man lebende Skorpione in Olivenöl tauchte und dieses dann erhitzte. Mit diesem Öl sollten sich verschiedenste Beschwerden heilen lassen, darunterWunden,Koliken,Gicht und Ohrenschmerzen. InTirol verwendete man das Öl sogar gegen Harnwegsbeschwerden und diePest sowie gegenBienen- und Wespenstiche. DieGalle der Skorpione wurde gegen Augenleiden und zur Hautverschönerung eingesetzt.
ImAberglauben und derVolksmedizin spielt der Skorpion vor allem aufgrund seines Giftes in einigen Völkern eine große Rolle.Konrad von Megenberg beschrieb die Tiere in seinemBuch der Natur als
„eine Schlangenart, welche ein gar zartes Gesicht hat, dem Antlitz einer keuschen Jungfrau zu vergleichen. Wer vom Skorpion vergiftet wird, hat noch drei Tage Zeit, ehe er sterben muß.“
Er führt seine Beschreibung weiter, indem er von zweistachligen Skorpionen berichtet, von denenAristoteles berichtet hat. Unter denSchweinen soll das Gift nur schwarze Schweine sicher töten; die Giftwirkung werde noch beschleunigt, wenn diese ins Wasser gingen. Beim Menschen greife der Skorpion zudem nur behaarte Körperstellen an und steche niemals in die hohle Hand. Ein weiteres Kuriosum weiß Konrad von Megenberg zu berichten:
„Wenn man einen Skorpion in Öl ertränkt und bei Sonnenlicht Essig auf ihn gießt, wird er sofort wieder lebendig. Das Öl verstopft nämlich die kleinen Öffnungen an seinem Leibe, die beim Menschen Schweißlöcher und lateinisch Pori heißen. Der Essig dagegen öffnet beim Skorpion die Poren wieder.“
Weitere interessante Geschichten waren über die Entstehung der Skorpione verbreitet. Im Altertum gab es nachOtto KellersAntike Tierwelt die Vorstellung, Skorpione erwüchsen aus gestorbenen Krokodilen oder (nachPlinius) aus begrabenen Seekrebsen, wenn die Sonne dasSternbild desKrebses durchwandert. NachParacelsus entstanden Skorpione aus verfaulenden Artgenossen, die sie dadurch töteten. Ähnlich ist die Vorstellung, dass sich die Jungskorpione aus dem Bauch der Mutter herausfressen.
Im deutschen Aberglauben soll der Skorpion nachts fliegen und alles, was er berührt, vertrocknen lassen. AlsSternbild Skorpion taucht das Tier bereits in Kalenderzeichnungen derBabylonier auf. In derWahrsagerei bedeutete der Skorpion einen frühen Tod.
Skorpione spielen in der Kulturgeschichte seit Jahrtausenden eine Rolle. Sie werden in Sagen und Mythen meist als gefährliche, todbringende Wesen dargestellt.Skorpion I. ist der früheste namentlich bekannte König Altägyptens, womit sozusagen zu Beginn der Menschheitsgeschichte ein Skorpion steht.
Bereits dassumerischeGilgamesch-Epos erzählt von Skorpionmenschen, deren Oberkörper Menschengestalt und Unterkörper Skorpionsgestalt hat. Als der Held Gilgamesch den Berg Mâschu betritt, stellen sich ihm ein solcher Skorpionmann und eine Skorpionfrau in den Weg, deren „Furchtbarkeit ungeheuer ist, deren Anblick Tod ist“. Sie bewachen dort den Aus- und Einzug der Sonne. Noch nie hat es ein Mensch gewagt, diesen Weg zu gehen, doch Gilgamesch gelingt es, die Skorpione zu überzeugen, ihn vorbeizulassen.
Dieägyptische Mythologie kennt die GöttinSelket, welche stets mit einem Skorpion auf dem Kopf dargestellt wird. Sie verfügt über magische Heilkräfte und bewahrt vor Skorpionsstichen, weshalb sie in entsprechenden Schutzzaubern angerufen wird. Als die GöttinIsis vonSeth bedroht wird, sendet sie sieben Skorpione aus, um sie vor ihm zu schützen.Hededet hat den Unterkörper eines Skorpions. Auch der punische HeilgottSchadrapa wurde mit Schlange oder Skorpion dargestellt.
In dergriechischen Mythologie bringt die wütende GöttinArtemis einen Skorpion hervor, der den JägerOrion mit einem Stich tötet. Beide werden daraufhin zusammen alsSternenbilder an den Himmel versetzt. Ihre Feindschaft lebt dort weiter, denn man sieht die zwei Sternbilder nie zur gleichen Zeit.
Auch in derbiblischenOffenbarung des Johannes treten Skorpione während derApokalypse auf. Die fünfte Posaune ruft Heuschrecken hervor, die eine Kraft erhalten, „wie sie Skorpione auf der Erde haben.“ (Offb 9,3 EU). Der von ihnen verursachte Schmerz wird mit dem eines stechenden Skorpions (Offb 9,5 EU) verglichen, denn sie besitzen Schwänze mit Stacheln wie die Skorpione und setzen diese ein, um den Menschen fünf Monate lang zu schaden (Offb 9,10 EU).
Das nordrhein-westfälischeGifttiergesetz reglementiert seit dem 1. Januar 2021 die Haltung von allen Arten der Gattungen Androctonus, Apistobuthus, Buthacus, Buthus, Centruroides, Hottentotta (Buthotus), Leiurus, Mesobuthus, Odonthobuthus, Parabuthus und Tityus sowie die Arten der Gattungen Bothriurus, Hemiscorpius und Nebo einschließlich ihrer Unterarten und Kreuzungen.[20]
Quellen
Einzelnachweise
↑abcdefZafar Shamoon, Ryan J. Peterfy, Sami Hammoud, Babak Khazaeni: Scorpion Toxicity. StatPearls Publishing LLC, 31. Juli 2019, abgerufen am 15. Juni 2020 (englisch).
↑Wilson R. Lourenço:The evolution and distribution of noxious species of scorpions (Arachnida: Scorpiones). In:Journal of Venomous Animals and Toxins including Tropical Diseases.Band24,Nr.1, Dezember 2018,ISSN1678-9199,S.1,doi:10.1186/s40409-017-0138-3,PMID 29308066,PMC 5753573 (freier Volltext) – (biomedcentral.com [abgerufen am 15. Juni 2020]).
↑Skorpiongifte. In: Spektrum.de. Spektrum Akademischer Verlag, abgerufen am 15. Juni 2020.
↑abcJohann J. Kleber, Ph. Philipp Wagner, Norbert Felgenhauer, Marc Kunze, Thomas Zilker:Vergiftung durch Skorpionstiche. Hrsg.: Deutsches Ärzteblatt.Band96,Nr.25,S.1710–1715.
↑Rouhullah Dehghani, Fatemeh Kamiabi, Malihe Mohammadi:Scorpionism by Hemiscorpius spp. in Iran: a review. In:Journal of Venomous Animals and Toxins including Tropical Diseases.Band24,Nr.1, Dezember 2018,ISSN1678-9199,S.8,doi:10.1186/s40409-018-0145-z,PMID 29507581,PMC 5833132 (freier Volltext) – (biomedcentral.com [abgerufen am 15. Juni 2020]).
↑R. Stockmann & E. Ythier:Scorpions of the World. N. A. P. Editions 2010,ISBN 978-2-913688-11-7: S. 137–141
↑R. Stockmann & E. Ythier:Scorpions of the World. N. A. P. Editions 2010,ISBN 978-2-913688-11-7: S. 141–144
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