Siphonariidae

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet vonSiphonarioidea)
Zur Navigation springenZur Suche springen
Siphonariidae

Siphonaria zelandica

Systematik
Stamm:Weichtiere (Mollusca)
Klasse:Schnecken (Gastropoda)
Ordnung:Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung:Wasserlungenschnecken (Basommatophora)
Familie:Siphonariidae
Wissenschaftlicher Name
Siphonariidae
Gray, 1840

DieSiphonariidae sind eine Familie küstenbesiedelnder marinerSchnecken aus der Ordnung derLungenschnecken (Pulmonata). Auf Englisch werden sie „false limpets“ (falsche Napfschnecken) genannt; im Deutschen gibt es keinen populären Namen. Es sind kleine bis mittelgroße Schnecken, die über die als Lunge dienende Mantelhöhle Luftsauerstoff aufnehmen.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Die leeren Schalen lassen sich leicht durch Betrachten der Innenseiten von den echtenNapfschnecken, mit denen sie nicht verwandt sind, unterscheiden. Hier findet sich bei den Siphonariidae eine gut erkennbare seitliche Furche auf der rechten Schalenseite sowie eine entsprechende Unterbrechung der ringförmigen Muskelansatzaufwölbung. An dieser Stelle liegt beim lebenden Tier das Atemloch (Pneumostom), d. h. die Ein- und Austrittsöffnung der Lunge.

Lebensweise

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

So weit untersucht, ernähren sich die Tiere von den lose auf den Felsen wachsendenKleinalgen, die sie mit ihrer feinzähnigenRadula abraspeln können. Fest im Gestein inkrustierte Algen können nicht aufgenommen werden.[1]

Die Tiere können, wie bei der hawaiischen ArtSiphonaria alternata gezeigt wurde, ein sogenanntes Homing-Verhalten zeigen, d. h., sie kehren jeweils zu ihrem Ausgangspunkt zurück.[2]

Verbreitung und Artenzahl

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Die Siphonariidae sind weltweit in tropischen bis gemäßigt-kühlen Regionen verbreitet. Verbreitungsschwerpunkt sind dieLitoralgebiete auf der Südhalbkugel der Erde. Sie können auch in brackischem Wasser vorkommen. In Europa kommt nur die GattungSiphonaria vor (z. B.Siphonaria pectinata an der Küste Gibraltars). Es sind derzeit etwa 75 bis 78 Arten beschrieben.

Paläontologie

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Die Familie ist fossil seit dem OberenJura (Oxfordium, vor rund 160 Millionen Jahren) bekannt.[3]

Systematik

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Äußere Systematik: Die Familie wird hier provisorisch zurparaphyletischen Gruppe derWasserlungenschnecken i. w. S. ("Basommatophora") gerechnet. Ihre genaue Stellung im taxonomischen System ist noch nicht endgültig geklärt. Vielfach wird sie zusammen mit der nur fossil beschriebenen Familie derAcroreiidae in eine eigene ÜberfamilieSiphonarioidea gestellt[4]. Die Acroreiidae finden sich in denStufen desConiacium (vor ca. 87 Millionen Jahren) bis einschließlichYpresium (vor ca. 50 Millionen Jahren). Die jüngeren Funde stammen aus brackischen Ablagerungen im Pariser Becken. Aufgrund ihrer Merkmalsarmut bleibt aber die eindeutige Klassifizierung und Zuordnung der Acroreiidae und damit auch der Überfamilie Siphonarioidea unsicher.

Innere Systematik: Man unterscheidet die folgenden fünf Gattungen:

  • Benhamina Finlay, 1927, nur 1 Art bekannt (Benhamina obliquata Sowerby)[5], Neuseeland
  • Kerguelenella A.W. Baden Powell, 1946; 1 bis 3 Arten; Patagonien, Neuseeland, subantarktische Inseln
  • Pugillaria Iredale, 1924; wahrsch. nur 1 Art (Pugillaria stowae, Südaustralien und Tasmanien)
  • Siphonaria G. B. Sowerby I, 1823; ca. 67 Arten, weltweit
  • Williamia di Monterosato, 1884; 5 bis 6 Arten, u. a. Nordamerika[6]

Weblinks

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
Commons: Siphonariidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
  1. T. Ocaña, D.A. Fa:Microalgal availability and consumption bySiphonaria pectinata (L., 1758) on a rocky shore. In:Bol. Inst. Esp. Oceanogr. Band 19, 2003, S. 65–73
  2. S. Blackford Cook:A study of homing behavior in the limpetSiphonaria alternata. In:Biol. Bull. Band 141, 1971, S. 449–457
  3. M. J. Benton (Hrsg.):The Fossil Record 2. Chapman & Hall, London 1993.
  4. Philippe Bouchet, Jean-Pierre Rocroi:Part 2. Working classification of the Gastropoda. In:Malacologia. Band 47, Ann Arbor 2005,ISSN 0076-2997, S. 239–283
  5. Constance Borland:Ecological Study of Benhamina obliquata (Sowerby), A Basommatophorous Pulmonate in Otago Harbour. In:Transactions and Proceedings of the Royal Society of New Zealand. Band 78, 1950, S. 385–393
  6. Bernhard Ruthensteiner:Redescription and 3D morphology ofWilliamia gussonii (Gastropoda: Siphonariidae). In:Journal of Molluscan Studies. Band 72, 2006, S. 327–336,doi:10.1093/mollus/eyl019
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Siphonariidae&oldid=232824462
Kategorien: