
Fernmelde- und Elektronische Aufklärung (Fm/EloAufkl;englischsignals intelligence –SIGINT), auchsignalerfassende Aufklärung genannt,[1][2][3] ist die Gewinnung von Erkenntnissen auselektromagnetischen Ausstrahlungen mit Kommunikationsinhalt (Fernmeldeaufklärung – FmAufkl;englischcommunication intelligence – COMINT) und ohne Kommunikationsinhalt (Elektronische Aufklärung – EloAufkl;englischelectronic intelligence – ELINT).[4] Unter den Begriff der elektronischen Aufklärung fällt auch dieForeign Instrumentation Signals Intelligence (FISINT) und dieMeasurement and Signature Intelligence (MASINT).

Fernmelde- und Elektronische Aufklärung betreiben meistmilitärische oder zivileNachrichtendienste, wie beispielsweise inDeutschland zurmilitärischen Aufklärung und zur Gewinnung von Erkenntnissen über das Ausland, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung sind, derBundesnachrichtendienst (BND) und dieBundeswehr, operativ durchgeführt von derElektronischen Kampfführung (EloKa).Echelon ist ebenfalls ein Systemverbund zur Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung.
Nach dem 1999 erschienenen Artikel des Experten für NachrichtendiensteErich Schmidt-EenboomEmpfänglich für Geheimes – Die (west)deutschen Nachrichtendienste im Äther erstellteChristiane Schulzki-Haddouti geographisch skaliertes, allerdings mittlerweile veraltetes Kartenmaterial über die Standorte der Abhöranlagen in der Bundesrepublik Deutschland. Betreiber derAbhöranlagen sind unter anderem der BND,Bundespolizei, die Bundeswehr sowie die Streitkräfte andererNATO-Mitgliedsstaaten.
Fernmelde- und Elektronische Aufklärung wird vom Boden aus, auf See und auch aus der Luft betrieben. Lange Zeit setzte die Bundeswehr zu diesem Zweck Flugzeuge des TypsBreguet 1150 M Atlantic ein, die durch unbemannteEuro-Hawk-Drohnen ersetzt werden sollten; das Programm wurde jedoch im Mai 2013 nach derEuro-Hawk-Affäre eingestellt. Ferner betreibt die Bundeswehr neben den Standorten fürFernmeldeaufklärung undelektronische Aufklärung noch zwei derHorchposten-Türme an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu Ausbildungszwecken.
Fernmelde- und Elektronische Aufklärung ist ein eigenes Aufklärungsgebiet, aber auch besonders imAufklärungsverbund mit abbildender Aufklärung wertvoll. Während ein Bild (Foto, Radar, Video) überwiegend die geographische Lage darstellt, können mithilfe von Fernmelde- und Elektronischer Aufklärung weitere Rückschlüsse gezogen werden. Durch z. B. Abhören der Funksprüche und Befehlscodes, sowie Feststellen der Betriebsmodi derRadare kann auf den Einsatzbefehl der im Bild dargestellten Einheiten, Fahrzeuge und Systeme geschlossen werden.
Eine wichtige Nebenaufgabe der Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung ist auch das Feststellen eigener Kompromittierung, z. B. das Ermitteln der Abstrahlungen eines eigenen Gefechtsstandes oder Waffensystems bzw.Funksenders im Felde zur elektronischen Emissionsminimierung (Elektronische Schutzmaßnahmen – EloSM).
In Anlehnung an die Abkürzung des englischen Begriffes für Fernmelde- und Elektronischen Aufklärung,signals intelligence, wurde vomChaos Computer Club die gleichnamige SIGINT-Konferenz begründet. Sie beschäftigte sich neben Entwicklungen zuVerschlüsselungen und klassischemHacking vorrangig um die sozialen und ökonomischen Aspekte derDigitalisierung und wurde zuletzt 2013 imKölnerMediapark ausgetragen.[6]
Aufgrund von Vereinbarungen nach derDeutschen Wiedervereinigung entfiel die offizielle Begründung für ein Weiterbestehen der alliierten Abhöranlagen. Sie waren vorwiegend an der Grenze zu denWarschauer-Pakt-Staatenstrategisch disloziert und wurden schrittweise abgebaut, beispielsweise durch die Sprengung des französischen Horchturms auf dem Berg „Stöberhai“ im Westharz 2005.
Zuvor wurde als erstes die sowjetischeElektronik-Zentralstation auf demBrocken abgetragen, die laut dem Ostsprachgebrauch dem „funkelektronischen Kampf“ diente. Danach demontierte man denUS-amerikanischen stiftförmigen „Lauscher“ auf demWurmberg. MehrereAufklärungstürme der Bundeswehr, unter anderem am Osthang des hessischenHohen Meißners, auf demGroßen Arber, inBarwedel undThurau, folgten danach. Als einer der letzten sollte der massive britischeFunkpeiler im Nordharz fallen.