
Mom RajawongseSeni Pramoj (thailändischหม่อมราชวงศ์เสนีย์ ปราโมช,RTGSMom Ratchawong Seni Pramot [sěːniː praːmôːt]; * 20. Mai1905 inBangkok; †28. Juli1997 ebenda) war einthailändischerJurist,Diplomat undPolitiker. Als thailändischerBotschafter in denVereinigten Staaten war er während desZweiten Weltkriegs Kopf derSeri-Thai-Bewegung, die gegen die Kollaboration Thailands mitJapan kämpfte. Seni war dreimal kurzzeitigPremierminister von Thailand: von September 1945 bis Januar 1946, von Februar bis März 1975 sowie von April bis Oktober 1976. Von 1968 bis 1979 war er Vorsitzender derDemokratischen Partei Thailands.
Seni Pramoj war Sohn von Prinz Kamrob, seine Mutter warMom DaengBunnag.Kukrit Pramoj war sein Bruder. Er war ein Urenkel von KönigRama II.(Phra Phuttaloetla). Sein TitelMom Rajawongse trägt der Abstammung aus der königlichen Familie Rechnung.
Er heiratete 1931 Usana Salikupt.[1] Die beiden hatten zwei Söhne – Seri (1933–1994; Politiker) und Usni (1934–2017: Militärjurist, Manager des Kronvermögens, Mitglied des Kronrats, Violinist und Komponist) sowie eine Tochter, Niyana (* 1941).
Seine Ausbildung erhielt Seni an der Rajini-Schule, demAssumption-College, derDebsirin-Schule sowie derSuankularb-Wittayalai-Schule. Er ging dann nachGroßbritannien, wo er seine Studien am Trent College inNottingham und von 1925 bis 1928 amWorcester College derUniversität von Oxford fortsetzte. Hier machte er seinenBachelor-Abschluss inRechtswissenschaft. Anschließend bereitete er sich ein Jahr auf die Rechtsanwaltsprüfung (Barrister) an der Londoner AnwaltskammerGray’s Inn vor, die er mit der Bestnote(first-class honours) bestand und für die er einen Preis von 300Guinee erhielt.[2]
Nachdem er nach Thailand zurückgekehrt war, durchlief er die Schule der thailändischen Rechtsanwaltskammer. Nach einer Ausbildungszeit von sechs Monaten am Obersten Gerichtshof des Landes wurde er Zivilrichter. Später wurde er als Richter an den Obersten Gerichtshof und an dasBerufungsgericht berufen.
Später wurde Seni in dasAußenministerium berufen und im Juni 1940 alsBotschafter in dieUSA entsandt. Er hatte dort während desZweiten Weltkriegs die autoritäre RegierungPlaek Phibunsongkhrams zu repräsentieren, die mit denAchsenmächten sympathisierte, jedoch zunächst offiziell neutral blieb. Als Japan im Dezember 1941 mit einer Invasion Thailands drohte, sah sich die thailändische Regierung jedoch gezwungen, den USA und Großbritannien den Krieg zu erklären. Seni weigerte sich allerdings, die Kriegserklärung an die USA zu überbringen, da er sie aufgrund der fehlenden UnterschriftPridi Phanomyongs für ungültig erachtete. Pridi war damals einer der drei Regentschaftsräte, die den noch minderjährigen KönigAnanda Mahidol als Staatsoberhaupt vertraten.
Seni baute von Washington aus dieSeri-Thai-Bewegung („Freies Thailand“) auf, die gegen die faktische japanische Besetzung Thailands kämpfte und die Alliierten unterstützte. Mitglieder der Seri-Thai-Bewegung arbeiteten für den amerikanischen AuslandsgeheimdienstOSS (Vorläufer der CIA). Einige ließen sich auch mit dem Fallschirm über Thailand abwerfen, um dort zugunsten der Alliierten zu spionieren, sabotieren und gegen die Japaner zu kämpfen.
Nach Kriegsende kehrte Seni nach Thailand zurück und wurde am 17. September 1945 zum Ministerpräsidenten ernannt. Mit 40 Jahren war er der bislang jüngste Premier in der thailändischen Geschichte. Seine kurze Regierungszeit war vom Bemühen geprägt, Thailands Unabhängigkeit zu wahren. Zwar stellten sich die USA auf den Standpunkt, Thailand sei kein Kriegsgegner gewesen (da Seni die Kriegserklärung formal nicht überbracht hatte und seine Seri-Thai-Bewegung aufseiten der Alliierten gekämpft hatte). Großbritannien sah das aber anders, forderte hohe Reparationen und drohte, Thailand zu einemProtektorat zu machen. Seni setzte sich für die Verabschiedung eines Gesetzes gegen Kriegsverbrechen ein. Auf dieser Grundlage konnten mutmaßliche thailändische Kriegsverbrecher – allen voran der ehemalige Diktator Plaek Phibunsongkhram – im eigenen Land vor Gericht gestellt werden, statt sie an die Alliierten auszuliefern. Das Kriegsverbrecher-Gesetz wurde jedoch vom Obersten Gerichtshof für verfassungswidrig erklärt, weil es gegen dasRückwirkungsverbot verstieß.
Am 31. Januar 1946 lösteKhuang Aphaiwong Seni als Regierungschef ab. Seni und Khuang beteiligten sich im April 1946 maßgeblich an der Gründung der konservativ-royalistischenDemokratischen Partei. Khuang wurde erster Vorsitzender und Seni Generalsekretär der Partei.
In den 1950er-Jahren spielte Seni Bass und später Posaune in der Jazzband des jungen KönigsBhumibol Adulyadej, der Saxophon und Klarinette spielte.[3] Er schrieb die Texte zu Songs, die der König komponierte, und arrangierte die Kompositionen für Band oder Orchester.[4]
Seni vertrat die thailändische Regierung im Verfahren zur Beilegung desGrenzstreits mit Kambodscha vor demInternationalen Gerichtshof in Den Haag (1958–1962). Thailand unterlag jedoch und der Gerichtshof sprach den Tempel Kambodscha zu.[5]
Als durch die Verfassung von 1968 politische Parteien wieder zugelassen wurden, übernahm Seni als Nachfolger Khuang Aphaiwongs den Vorsitz derDemokratischen Partei. Diese war in jener Zeit wichtigste Gegenspielerin der Militärjunta vonThanom Kittikachorn undPraphas Charusathien. Nach dem Wahlsieg der Demokraten im Januar 1975, wurde Seni Ministerpräsident. Seine Viel-Parteien-Koalition zerbrach jedoch bereits im März und das Parlament sprach ihm das Misstrauen aus. Anschließend bildete sein Bruder Kukrit, der dieSoziale Aktionspartei führte, eine Koalitionsregierung, die bis April 1976 hielt.
Nachdem die Demokratische Partei bei Neuwahlen erneut stärkste Kraft wurde, übernahm Seni Pramoj wieder die Regierungsführung. Während seiner letzten Regierungszeit lösten Studenten derThammasat-Universität Unruhen aus, nachdem der 1973 entmachtete und exilierte MilitärdiktatorThanom Kittikachorn nach Thailand zurückgekehrt war. Die Unruhen wurden am 6. Oktober 1976 blutig niedergeschlagen (Massaker an der Thammasat-Universität). Am selben Abend unternahm das Militär unter der Führung von AdmiralSangad Chaloryu einenStaatsstreich. Nach seinem Rückzug aus dem Amt gab Seni 1979 auch den Vorsitz der Demokratischen Partei ab und zog sich ins Privatleben zurück.
Seni Pramoj starb am 28. Juli 1997 im Bangkoker General Hospital.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Seni Pramoj |
| ALTERNATIVNAMEN | Seni Pramoja |
| KURZBESCHREIBUNG | thailändischer Jurist, Diplomat und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 20. Mai 1905 |
| GEBURTSORT | Bangkok |
| STERBEDATUM | 28. Juli 1997 |
| STERBEORT | Bangkok |