In der Schweiz wohnen 9'104'063 Menschen[10] auf 41'291 Quadratkilometern[4] (30. September 2025). Mit einem Anteil von 27,6 Prozent an Einwohnern ohneSchweizer Bürgerrecht[11] gehört die Schweiz zu den Ländern Europas mit dem höchsten Anteil. Der Staat zählt mit 220 Einwohnern pro Quadratkilometer zu dendichter besiedelten Staaten Europas, wobei sich die Bevölkerung imMittelland, der Beckenzone zwischenJura undAlpen, sowie im südlichenTessin konzentriert. Die achtgrössten Städte respektive Wirtschaftszentren sindZürich,Genf,Basel,Lausanne,Bern,Winterthur,Luzern undSt. Gallen.
Der Staat hat Anteil an vier Sprachräumen:[12] demdeutschen in derDeutschschweiz, demfranzösischen in derRomandie, demitalienischen in deritalienischen Schweiz und demrätoromanischen in der rätoromanischen Schweiz (in Teilen desKantons Graubünden). Deutsch, Französisch und Italienisch sind dieAmtssprachen des Bundes; nur im Verkehr mit rätoromanisch sprechenden Personen ist auch Rätoromanisch Amtssprache des Bundes.[2] Alle vier Sprachen sindLandessprachen auf Bundesebene. Im deutschen und italienischen Sprachgebiet werden im Alltag Dialekte gesprochen; in der französischen und in der rätoromanischen Sprachregion dominieren dieStandardsprachen. Um keine der Landessprachen zu bevorzugen, lautet dasLandeskennzeichen «CH», die Abkürzung der lateinischen BezeichnungConfoederatio Helvetica.
Der höchste Punkt in der Schweiz ist die4634 m ü. M. hoheDufourspitze an der Grenze zu Italien, der tiefste Punkt ist das Ufer desLago Maggiore auf193 m ü. M., ebenfalls an der italienischen Grenze. Die höchstgelegene SiedlungJuf im Kanton Graubünden liegt auf2126 m ü. M.; die tiefstgelegenen Siedlungen liegen am Lago Maggiore im Kanton Tessin auf196 m ü. M. Der geographische Mittelpunkt der Schweiz ist im Kanton Obwalden auf derÄlggi-Alp.
Die Schweiz lässt sich in drei landschaftlicheGrossräume einteilen, die grosse Unterschiede aufweisen: denJura,[18] das dichtbesiedelteMittelland[19] sowie dieAlpen[20] mit denVoralpen.[21] Rund 48 Prozent der Landesfläche gehören zu den Alpen im engeren Sinne, 12 Prozent zu den Voralpen. 30 Prozent werden zum Mittelland gerechnet, und der Jura nimmt die restlichen 10 Prozent der Landesfläche ein.
DasSchweizer Mittelland wird im Nordwesten und Norden geographisch wie auch geologisch durch die langgestrecktenHöhenzüge des Juras abgegrenzt. Im Süden gegen die Alpen hin wird meist der an einigen Orten relativ abrupte Anstieg zu Höhen über1500 m ü. M. als Kriterium für die Abgrenzung verwendet. Die südwestliche Grenze des Schweizer Mittellandes bildet derGenfersee, die nordöstliche derBodensee zusammen mit dem Rhein.Die Bevölkerungsdichte der Schweiz wird von den Ballungszentren bestimmt, die alle im Mittelland liegen, mit den beiden in der Grösse bescheidenen und dennoch wichtigenWeltstädten Zürich und Genf.
AlsVoralpen werden in der Schweiz jene Gebiete bezeichnet, die den Übergang vom leicht hügeligen Schweizer Mittelland zum Gebirgsraum der Alpen markieren und sich durch ihre Erhebungen als Naherholungszone speziell während Zeiten desHochnebels auszeichnen. Mit den Alpen beschreiben sie einen Bogen zwischen Südwesten und Nordosten der Schweiz.
DieAlpen bilden im «Herzen Europas» eine wichtige Klima- undWasserscheide mit zusätzlichen alpinen und inneralpinen Wettereffekten, aufgrund derer in der Schweiz trotz ihrer geringen Grösse meist mehrere Wetterlagen herrschen. Im Schweizer Alpenbogen liegen bekannte Feriendestinationen für Sommer- und Wintertourismus sowie der einzigeSchweizer Nationalpark. Das auch in den Alpen vorhandene Netz des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz bekam mit derAlbulalinie einWelterbe derUNESCO, als Naturerbe gelten die GebirgslandschaftenTektonikarena Sardona undSchweizer Alpen Jungfrau-Aletsch.
Der SchweizerJura kann grob im Osten und Südosten durch das Schweizer Mittelland, im Norden durch denHochrhein, im Nordwesten durch dieBurgundische Pforte eingegrenzt werden. Der Jura ist ein geologisch jungesFaltengebirge mit einer Längenausdehnung von etwa 300 Kilometern und beschreibt einen grossen halbmondförmigen, nach Südosten offenen Bogen. Auf der LinieBesançon–Yverdon beträgt die grösste Breite des Gebirges rund 70 Kilometer. BeiBiel/Bienne ändern die Ketten ihre Richtung immer mehr nach Osten, das Gebirgssystem wird schmaler, und die Zahl der nebeneinanderliegenden Ketten nimmt ab. Die östlichste Jurakette, dieLägernkette, verläuft exakt in West-Ost-Richtung und endet beiDielsdorf, wo die gebirgsbildenden Schichten unter die Molasse des Schweizer Mittellandes abtauchen.
Die geologische Struktur der Schweiz ist im Wesentlichen das Ergebnis einerPlattenkollisionAfrikas undEuropas während der letzten Jahrmillionen. Dieses Phänomen ist bei derGlarner Hauptüberschiebung, einem Weltnaturerbe der UNESCO, besonders deutlich sichtbar.
Die Topographie der heutigen Schweiz wurde während der letzten zwei Millionen Jahre massgebend durch die riesigen Eismassen geprägt und gestaltet, die während der verschiedenenEiszeiten bis weit ins Mittelland vorstiessen.[23]
Die Schweiz weist im europäischen Vergleich eine mittlereErdbebengefährdung auf, wobei regionale Unterschiede bestehen: Im Wallis, in Basel, im St. Galler Rheintal, in Mittelbünden, im Engadin und in der Zentralschweiz treten Erdbeben häufiger auf als in anderen Gebieten. Mit einem Erdbeben derMagnitude 6 oder grösser ist alle 60 bis 100 Jahre zu rechnen. Ein Erdbeben dieser Stärke ereignete sich letztmals im Jahr 1946 beiSiders im Wallis. Das Erdbeben, das sich am18. Oktober 1356 bei Basel ereignete, ist das stärkste, das in historischer Zeit in Zentraleuropa dokumentiert wurde.[24] DerSchweizerische Erdbebendienst SED[25] an derETH Zürich überwacht die Erdbebenaktivität in der Schweiz sowie im grenznahen Ausland.[26]
In der Schweiz gibt es mehr als 3350 Gipfel über 2000 Meter Höhe. Die sechzehn höchsten Gipfel der Schweiz liegen alle in denWalliser Alpen. Der höchste Gipfel ist die4634 m ü. M. hoheDufourspitze imMonte-Rosa-Massiv, dem mächtigsten Bergmassiv der Alpen. Die Dufourspitze ist damit der höchste Punkt der Schweiz. Der höchste vollständig auf Schweizer Territorium liegende Berg ist derDom. Er gehört zurMischabelgruppe und ist4546 m ü. M. hoch.
In den Voralpen sind die Erhebungen niedriger, jedoch sind die Berge aufgrund ihrerDominanz und Schartenhöhe nicht weniger imposant. Bekannte Berge sind der Luzerner HausbergPilatus (2132 m ü. M.), derMythen (1898 m ü. M.), dieRigi (1797 m ü. M.) im Kanton Schwyz oder derSäntis (2502 m ü. M.) imAlpstein in der Ostschweiz.
Das Schweizer Hochgebirge wird massgeblich durch die vielenGletscher geprägt. Der grösste und längste Alpen-Gletscher ist derGrosse Aletschgletscher, danach folgt derGornergletscher (nach Fläche).[27] Den letzten Höchststand erreichten die Schweizer Gletscher während derKleinen Eiszeit, die von Anfang des 15. bis Mitte des 19. Jahrhunderts dauerte. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist auch in der Schweiz, wie nahezu weltweit, ein deutlicher Rückgang der Gletscher zu beobachten.[28] DieserGletscherschwund hat sich in den letzten Jahrzehnten noch verstärkt.[29] Zwischen 1973 und 2010 nahm die Fläche aller Gletscher der Schweizer Alpen um 28 Prozent auf ca. 940 Quadratkilometer ab.[30] ImHitzesommer 2015 verloren die Gletscher im Vergleich zu den Vorjahren ein Vielfaches an Masse.[31] Noch extremer wurde der Gletscherschwund in den Jahren 2022 und 2023, als die Masse der Gletscher in nur zwei Jahren um rund 10 Prozent zurückging.[32]
DasHölloch im Kanton Schwyz ist das zweitlängste Höhlensystem Europas, und derLac Souterrain de Saint-Léonard im Kanton Wallis ist der grösste natürliche unterirdische See in Europa.[33]
In der wasserreichen Schweiz entspringen imGotthardmassiv mit demRhein und derRhone zwei der längsten Flüsse Europas. Durch die Schweiz verlaufen mehrereeuropäische Hauptwasserscheiden: Sie trennen die Einzugsgebiete von Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer. So fliesst der Rhein mit seinen Zuflüssen in die Nordsee, die Rhone und derTicino ins Mittelmeer, während das Wasser desInn über dieDonau ins Schwarze Meer gelangt. Eine dreifache Hauptwasserscheide findet sich auf demLunghinpass.
Innerhalb der Schweiz hat der Rhein mit 375 Kilometern den längsten Lauf, vor dem Rhein-ZuflussAare mit 295 Kilometern. Die Rhone fliesst 264 Kilometer innerhalb der Schweiz, während dieReuss als viertgrösster Fluss der Schweiz 158 Kilometer Länge erreicht. Weitere prägende Flüsse sind dieSaane im Westen, der Ticino im Süden, dieBirs und derDoubs im Nordwesten, dieLinth/Limmat und dieThur im Nordosten und der Inn im Südosten. BeiSchaffhausen bildet der Rhein den grössten Wasserfall Mitteleuropas (Rheinfall). Zeitweise bestand eine Idee, mittels einestranshelvetischen Kanals zwischen Rhein und Rhone die Nordsee und das Mittelmeer mit einerWasserstrasse zu verbinden; dieses Projekt wurde nie realisiert.
Die Schweiz hat aufgrund ihrer topographischen Struktur und vor allem aufgrund der Vergletscherung während der Eiszeiten rund 1500 Seen,[34] ein Grossteil davon sind kleinere Bergseen. Insgesamt sind ungefähr vier Prozent der Oberfläche der Schweiz von Seen bedeckt. Diese Summe wird hauptsächlich von den grössten Seen der Schweiz bestimmt: Der grösste See der Schweiz ist derGenfersee (580,03 Quadratkilometer) an der französischen Grenze. Er liegt zu knapp 60 Prozent auf Schweizer Boden. Der an Deutschland und Österreich grenzendeBodensee ist mit 536,00 Quadratkilometern etwas kleiner (23,73 Prozent der Uferlänge auf Schweizer Boden). DerLago Maggiore an der italienischen Grenze (19,28 Prozent auf Schweizer Territorium) bildet mit193 m ü. M. den tiefsten Punkt der Schweiz. Die grössten vollständig in der Schweiz liegenden Seen sind derNeuenburgersee (215,20 Quadratkilometer), derVierwaldstättersee (113,72 Quadratkilometer) und derZürichsee (88,17 Quadratkilometer).[35][36]
In den Schweizer Seen und Flüssen liegen zahlreiche grössere und kleinere Inseln. Zu den bekanntesten zählen dieIsole di Brissago, dieSt. Petersinsel und dieUfenau.
Nördlich der Alpen herrscht gemässigtes, meistens vonatlantischen Winden geprägtes,subozeanisches Klima (nach Troll & Paffen), südlich der Alpen ist es ehermediterran. Das Klima ist regional jedoch sehr unterschiedlich, bedingt durch die geographischen Elemente.
Grundsätzlich herrscht vom Jurabogen über das Mittelland und die Voralpen im Tageslauf ein ähnliches Wetter, inneralpin und in derSüdschweiz oft ein anderes. In der Zentralschweiz, in den Alpen und im Tessin beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge rund 2000 Millimeter im Jahr. Niederschlagsreichster Ort ist derSäntis (2502 m ü. M.) mit durchschnittlich 2840 mm, trockenster Ort istAckersand imVispertal mit durchschnittlich 543 Millimetern im Jahr (beide Werte Normperiode 1991 bis 2020).[37] In der Normperiode 1961 bis 1990 lag der Wert für Ackersand noch bei 521 Millimetern.[38] Im Mittelland beträgt die Menge etwa 1000 bis 1500 Millimeter pro Jahr. Als einzige Region der Schweiz verzeichnet das Mittelland seit dem Jahr 1864 eine statistisch signifikante Zunahme der jährlichen Niederschlagsmengen, vor allem aufgrund der Zunahme in den Wintermonaten.[39] Die Niederschlagsmenge in der Schweiz ist im Sommer ungefähr doppelt so hoch wie im Winter. Primär abhängig von der Höhenlage fällt im Winter viel Niederschlag als Schnee, sodass in den Alpen und den Voralpen monatelang eine geschlossene Schneedecke liegt. Vergleichsweise selten schneit es in den Regionen Genf und Basel sowie im Südtessin; hier kann es auch Winter ohne Schneedecke geben. Die grösste Schneehöhe in der Schweiz wurde mit 816 Zentimetern im April 1999 auf dem Säntis gemessen.[37]
Die Temperaturen in der Schweiz sind primär abhängig von der Höhenlage. Zudem sind sie in der Tendenz im Westen statistisch etwas höher als im Osten (ca. 1 °C). Generell liegt in den Niederungen die Durchschnittstemperatur im Januar bei rund −1 bis +1 °C. Im wärmsten Monat, dem Juli, liegt sie bei 16 bis 19 °C. DieJahresmitteltemperaturen betragen ungefähr 7 bis 9 °C. Der durchschnittlich wärmste Ort mit verfügbarer Messreihe istLugano mit einem Jahresmittel von 13 °C (Normperiode 1991–2020).[37] Wie an fast allen Messstationen zeigt sich auch hier der Klimawandel:[40] In der Normperiode 1961 bis 1990 lag der Durchschnittswert noch bei 11,6 °C.[41] Der durchschnittlich kälteste Ort ist dasJungfraujoch mit −6,7 °C (Normperiode 1991 bis 2020). Auch hier hat die Durchschnittstemperatur seit der Normperiode 1961 bis 1990 um 0,7 °C zugenommen. Absolute Rekorde wurden inGrono mit 41,5 °C am 11. August 2003 gemessen, respektive inLa Brévine mit −41,8 °C am 12. Januar 1987.[37] Verglichen mit Orten auf gleicher Höhe im Mittelland sind die Temperaturen imRhonetal, imRheintal und in der Region Basel durchschnittlich ein bis zwei Grad Celsius wärmer, in der Magadinoebene im Tessin zwei bis drei Grad. Obwohl dasEngadin klimatisch zur Südschweiz zählt, sind die Temperaturen dort um durchschnittlich zehn Grad Celsius kälter. Dies liegt daran, dass das Engadin ein alpines Hochtal ist. Ähnliches gilt für die Seitentäler und dasGoms im Wallis.[42]
Als Brennpunkte fürHagelniederschlag gelten dieNapfregion, das Tessin und der Jura, wo jeweils zwei bis vier Hageltage pro Sommerhalbjahr erwartet werden.[42]
Nebel ist im ganzenMittelland zu beobachten, die Alpengebiete sind seltener betroffen. Besonders häufig ist der Nebel entlang der Aare und der nördlichenReuss sowie im Thurgau, wo er vor allem im Herbst, im Winter und im Frühfrühling über mehrere Wochen auftreten kann. Mit Ausnahme von Hochnebel ist Nebel im Jurabogen und in der Region Basel ein vergleichsweise seltenes Phänomen. Die Nebelhäufigkeit im Schweizer Mittelland ist seit den 1970er-Jahren deutlich zurückgegangen. Die Wetterstation Zürich-Kloten zum Beispiel registrierte früher regelmässig Jahre mit 50 bis 60 Nebeltagen. Heute sind es um die 40. Ursachen für den Nebelrückgang dürften in einer Umstellung der vorherrschenden Wetterlagen und in der Verbesserung der Luftreinhaltung zu finden sein.[43]
Häufig auftretende Winde in der Schweiz sind der mildeFöhn beidseits des Alpenkamms und die kalteBise, von der die Südschweiz oft verschont wird. Die höchste je gemessene Windgeschwindigkeit ist 285 Kilometer pro Stunde (Jungfraujoch, 27. Februar 1990).
Dieglobale Erwärmung hat das Klima in der Schweiz verändert[44][45] und die Wetterextreme, unter anderemHitzewellen undStarkregenereignisse, wurden häufiger. Die landesweite Mitteltemperatur ist seit der vorindustriellen Periode 1871 bis 1900 mit 3,0 °C mehr als doppelt so stark angestiegen wie im weltweiten Durchschnitt.[46] Seit 1971 nahm die Erwärmung jedes Jahrzehnt kontinuierlich zu.[47] Die landesweit gemittelte Jahrestemperatur 2022 erreichte mit 7,4 °C (1,6 °C über der Norm 1991 bis 2020) den bis anhin höchsten Wert seit Messbeginn 1864.[48] Die neun wärmsten Jahre in der Schweiz wurden alle nach dem Jahr 2010 registriert, wobei 2022 das heisseste Jahr war, gefolgt von 2023, 2024 und 2025.[46]
Natur
In der Schweiz sind etwa 56'000Arten von Pflanzen, Tieren und Pilzen bekannt.[49] Darunter befinden sich ca. 45'000 Tierarten,[50] wovon wiederum ca. 30'000 Insektenarten[51] und ca. 99 Säugetierarten[52][53] sind. Etwa 40 Prozent der Tierarten sind gefährdet, besonders Amphibien und Reptilien.
Das Schweizer Gewässernetz umfasst rund 65'000 Kilometer Fluss- und Bachläufe.[54] DasJedermannszutrittsrecht gestattet in der Schweiz allen Menschen, sich unter bestimmten Einschränkungen frei in der Natur zu bewegen. Auch das Sammeln vonBeeren undPilzen ist mit Einschränkungen gestattet. In einigen Kantonen darf an bestimmten Gewässern im Rahmen des Freiangelrechts unter gewissen Voraussetzungen ohne Bewilligung gefischt werden, ansonsten ist einPatent nötig. DieJagd ist in den nördlichen Kantonen alsRevierjagd organisiert, in den meisten übrigen Kantonen alsPatentjagd; siehe auchJagdrecht (Schweiz).
Ein Drittel der Landoberfläche der Schweiz ist bewaldet.[55] In den Alpen dominierenNadelhölzer (Tannen,Fichten,Lärchen undArven).[56] Die Wälder in den Alpen haben wichtige Funktionen als Lawinen-Bannwald und Hochwasserschutz (der Wald fängt die Regenmenge auf und gibt sie nur langsam wieder ab). Im Mittelland, im Jura und auf der Alpensüdseite unterhalb von 1000 Metern wachsen Laubmischwälder undLaubwälder. Besonders bekannte Waldgebiete in der Schweiz sind derAletschwald, derSihlwald und derPfynwald sowie die alpinenUrwälderBödmerenwald (unberührter Kernbereich ca. 150Hektaren), der Tannenurwald vonLac de Derborence (22 Hektaren), der Fichtenwald Scatlè[57][58] beiBrigels im Kanton Graubünden (9 Hektaren)[59] sowie dasWaldreservat Val Cama – Val Leggia imMisox. DerTamangur im Unterengadin ist der höchstgelegene Arvenwald Europas. ImTessin und im Misox gibt es als regionale Besonderheit ausgedehnteKastanienwälder, die in früheren Zeiten eine Hauptrolle in der Ernährung der Bevölkerung spielten. Die drei grössten zusammenhängenden Wälder der Schweiz liegen in derSüdschweiz sowie auf denJurahöhen. Es sind dies Waldflächen westlich derMaggia (169 Quadratkilometer), zwischen demMonte Tamaro undRoveredo (162 Quadratkilometer) sowie beimCol du Mollendruz bis zur Landesgrenze beimLa Dôle (117 Quadratkilometer).[60] Über 700 Pflanzenarten in der Schweiz gelten als vom Aussterben bedroht.[61]
DieFauna[66] in der Schweiz beinhaltet circa 99Säugetierarten[67] in freier Wildbahn, davon ist der grösste Teil denFledermäusen und anderenKleinsäugern zuzuordnen. Die aus den asiatischen Steppengebieten stammendeWanderratte erreichte die Schweiz erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts und verbreitete sie sich innerhalb weniger Jahrzehnte entlang der Flussläufe über das ganze Mittelland bis in die Westschweiz.[68] Alle grossenRaubtiere sind in den letzten hundert Jahren aus der Schweiz verschwunden. Die Wichtigkeit von Räubern in einem gesunden Ökosystem wurde erkannt, und Luchs, Wolf und Bär wurden unter Schutz gestellt.[69][70] DerLuchs wurde ab 1971 wieder angesiedelt.[71][72] DerWolf[73] ist selbständig von Italien und Frankreich her eingewandert. Ein Rudel lebt zum Beispiel in der Region desPiz Beverin. Im Südosten Graubündens sind seit 2005 zudem vereinzelt von Italien herkommendeBraunbären, die seit 1910 durch die Jagd verschwunden waren,[74] auf Schweizer Territorium anzutreffen, ohne dass sich jedoch bis anhin eine Population bilden konnte. Am häufigsten zu beobachten ist derRotfuchs. Er fühlt sich auch in den Schweizer Städten wohl.Dachse bewohnen oft mit Füchsen zusammen dieselbe Wohnhöhle, weshalb sie stark unter der Verfolgung des Fuchses litten. Als weitere Baubewohner gibt es in einigen AlpenregionenMurmeltiere. Neben dem Luchs gibt es in der Schweiz vereinzelte Populationen vonWildkatzen im Jura. 1952 wurde der nach dem Fischereigesetz von 1888 zurAusrottung bestimmteFischotter unter Schutz gestellt. Dennoch ist er bis 1990 aus der Schweiz verschwunden, letzte Spuren fanden sich 1989 am Neuenburgersee. Hauptgrund für das Aussterben war wohl der Zustand der Gewässer und die dadurch reduzierten Fischbestände. Seit 2009 wurde er wieder vereinzelt gesichtet.[75] Oft in Siedlungen anzutreffen ist derSteinmarder. Sein Verwandter, derBaummarder, ist eher selten und hält Abstand zu Menschen. Der ersteGoldschakal wurde 2011 gesichtet.[76][77]
Bei den Huftieren sind ebenfalls verschiedene Arten aus der Schweiz verschwunden, so zum Beispiel derWisent und derElch. Einige ausgerottete Arten wie derAlpensteinbock[78] wurden mittlerweile wieder angesiedelt; er bevölkert das Hochgebirge der Alpen. Im Unterwallis gibt es zwei Kolonien vonEuropäischen Mufflons, die aus Frankreich eingewandert sind. DieGämse ist in den höher gelegenen Regionen der Alpen sowie des Juras sehr häufig. Grösste Hirschart ist momentan derRothirsch, der um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert wieder einwanderte.[66] Kleinste einheimische Hirschart ist dasReh, welches in den 1920er-Jahren durch Hegemassnahmen stark gefördert wurde und schon vor 1940 wichtigstesSchalenwild war.[66] Das Reh ist auch die häufigste Hirschart und besiedelt Mittelland und Jura. Im zürcherisch-schaffhausischen Grenzgebiet beim Rafzerfeld kommt derSikahirsch vor. In den Wirren des Zweiten Weltkrieges entkamen einige Tiere aussüddeutschen Gehegen und besiedelten von dort aus die Schweiz. Ebenfalls recht häufig in einigen Gebieten der Nordschweiz ist dasWildschwein. Von den Nagetieren wurde derBiber (1956) wieder eingeführt. Im September 2023 wurde imNaturpark Thal im Kanton Solothurn eineTestherde von Wisenten in betreuter Halbfreiheit ausgesetzt.
Von denRaufusshühnern besiedelnHaselhuhn,Alpenschneehuhn,Birkhuhn undAuerhuhn die Schweizer Alpen sowie zum Teil denJurabogen. Die Bestände des Auerhuhns sind jedoch aufgrund des Alpentourismus sowie der Intensivierung derForstwirtschaft stark gefährdet. So ist das Auerhuhn bereits aus vielen Gebieten der Voralpen und des nördlichen Juras verschwunden. Naturschutzorganisationen bemühen sich jedoch intensiv um die Erhaltung der Art. DasSteinhuhn besiedelt die Gebiete im Bereich der Waldgrenze. Stark vom Aussterben bedroht sind dasRebhuhn, derWachtelkönig sowie derGrosse Brachvogel.
In der Schweiz lebenEulenarten wie derWaldkauz, dieWaldohreule, derUhu, derSperlingskauz sowieRaufusskauz undSchleiereule. In den alten Bergwäldern leben vieleSpechtarten.Singvögel sind in der Schweiz zahlreich vertreten. Durch die Ausdehnung des Siedlungsraumes, die Intensivierung der Landwirtschaft auch in immer höheren Bergregionen sowie den Wintertourismus sind viele Vogelarten in der Schweiz gefährdet. Insgesamt stehen knapp 40 Prozent der Vogelarten in der Schweiz auf derRoten Liste der gefährdeten Arten.[81] Bei Uhus undWeissstörchen ist der Stromschlag, laut Daniela Heynen von derVogelwarte Sempach, eine der häufigsten bekannten Todesursachen (vgl.Vogelschlag).[82]
Die Zerstörung von rund 80 Prozent der Feuchtgebiete führte zu einem massiven Rückgang derAmphibien.[66] Häufig sind etwa derGrasfrosch, dieErdkröte und derBergmolch. Deutlich seltener sind hingegen derLaubfrosch, dieGeburtshelferkröte und derAlpen-Kammmolch. Das typischste Wirbeltier der Schweiz ist derAlpensalamander – dessen grösste Populationen und das Zentrum seiner Verbreitung sind die Schweizer Alpen.[84]
In den Schweizer Gewässern sind etwa 65 einheimischeFischarten und Unterarten bekannt,[85][86] davon eine einmalige Vielfalt anFelchen.[87][88] Zusätzlich kommen etwa 20 eingeführte Fischarten hinzu.[89] Weitere Arten könnten entdeckt oder bestimmt werden.[88] Zudem gibt es vier einheimische Krebsarten (Edelkrebs,Italienischer Dohlenkrebs,Dohlenkrebs,Steinkrebs) und vier eingeführte Krebsarten.[89] Seit dem 19. Jahrhundert werden die Fischbestände auch durchBesatzmassnahmen künstlich erneuert, insbesondere seit den 1980er-Jahren.[90][91] Pro Jahr werden mehrere Hundert Millionen Jungfische ausgesetzt.[92][93] DerAtlantische Lachs ist wegen zahlreichen Verbauungen durch Kraftwerke, die Kanalisation von Gewässer, der Verschmutzung und teilweise auch durch Überfischung in den 1950er-Jahren in der Schweiz ausgestorben.[94] Viele Fischarten in der Schweiz sind bedroht oder ausgestorben.[88]
Den grössten Teil aller Tierarten machen mit etwa einem Viertel dieInsekten aus.[66]
Wie bei den Pflanzen nimmt diebiologische Invasion auch bei Tieren zu. Zu den invasiven gebietsfremden Arten zählen unter anderem:[95][96]
Ziel desNaturschutzes[97] in der Schweiz ist es, «das heimatliche Landschafts- und Ortsbild, die geschichtlichen Stätten sowie die Natur- und Kulturdenkmäler des Landes zu schonen, zu schützen sowie ihre Erhaltung und Pflege zu fördern».[98] Der Naturschutz ist rechtlich imBundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz NHG geregelt. Teilregelungen existieren zudem in der Wald- und Landwirtschaftsgesetzgebung von Bund und Kantonen. Schweizweit sind etwa 300Ranger im Einsatz.[99]
Auch private Organisationen kümmern sich um den einheimischen Naturschutz, so etwaPro Natura, die vertraglich 827 Naturschutzgebiete in der Schweiz mit einer Gesamtfläche von 25'900 Hektaren sichert, rund 6900 Hektaren davon sind im Eigentum von Pro Natura.[104] oder derSchweizer Vogelschutz.[105]
Bis 2020 wurden nicht genügend Flächen für dasSmaragd-Netzwerk angemeldet. Bisher existieren erst 37 Smaragd-Gebiete.[110][111] Die Schweiz hat von allen europäischen Ländern den niedrigsten Anteil an Schutzgebieten im Verhältnis zur Landesfläche.[112] Unter anderem trägt der Tourismus, die Ausdehnung der Siedlungsfläche, die Intensivierung der Landwirtschaft, die Umweltverschmutzung und die Übernutzung von Ressourcen zum Biodiversitätsverlust bei.[113] 2020 kamBirdLife Schweiz zum Schluss, dass die Schweiz viel zu wenig für ihre reichhaltigeBiodiversität unternommen hat.[114] Auch dieOECD und dieEuropäische Umweltagentur weisen darauf hin, dass die bisherigen Massnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt längst nicht ausreichend seien.[115]
Mit 220 Einwohnern pro Quadratkilometer weist die Schweiz eine beinahe so hohe Bevölkerungsdichte wie das benachbarte Deutschland (234 Einwohner je Quadratkilometer) auf und ist doppelt so dicht besiedelt wie das benachbarte Österreich (110 Einwohner pro Quadratkilometer). Dies ist um so bemerkenswerter, weil die Schweiz aufgrund der Geographie nur über relativ wenig besiedelbares Land verfügt.
Die kleinste politische Einheit bilden die Gemeinden. So zählen auch Städte als Gemeinden.[117] Per 1. Januar 2026 existierten 2'110 politische Gemeinden.[118] Die Anzahl der Gemeinden nimmt aufgrund vonGemeindefusionen laufend ab.
Per 31. Dezember 2024 istZürich ZH mit 436'551 Einwohnern die bevölkerungsreichste Gemeinde der Schweiz, die bevölkerungsärmsten sindKammersrohr SO mit 32 undRebévelier BE mit ebenfalls 32 Einwohnern. Weitere Grossstädte mit mindestens 100'000 Einwohnern sindGenf GE mit 209'061,Basel BS mit 177'571,Lausanne VD mit 144'873, die BundesstadtBern BE mit 137'995 sowieWinterthur ZH mit 120'376 Einwohnern. Die bevölkerungsreichsten Städte mit 50'000 bis 100'000 Einwohnern sindLuzern LU mit 86'234,St. Gallen SG mit 78'863,Lugano TI mit 63'629 undBiel/Bienne BE mit 56'896 Einwohnern.
In derAgglomeration Zürich leben rund 1'369'000 Menschen, in der Agglomeration Genf 592'100, in der Agglomeration Basel 547'800, in der Agglomeration Lausanne 420'800 und in der Agglomeration Bern 418'200 Menschen (31. Dezember 2017).[119] Insgesamt leben fast drei Viertel der Bevölkerung in einer der 52 Schweizer Agglomerationen. In statistischen Städten wohnten 2022 49 % der Bevölkerung, in der Agglomeration – im Raum, der weder zum Land noch zur Zentrumsstadt gehört – 47 % oder 4,1 Millionen Menschen. Lediglich 14 % der Schweizer Bevölkerung leben im ländlichen respektive dörflichen Raum, der 57 % der Landesfläche ausmacht.[120][121][122]
Die flächengrösste politische Gemeinde ist seit dem 1. Januar 2015 die durch Fusion entstandene GemeindeScuol GR mit 438,61 Quadratkilometern; zuvor war die flächenmässig grösste Gemeinde die ebenfalls durch Fusion entstandene GemeindeGlarus Süd GL mit 430,03 Quadratkilometern.[123] Die flächenkleinsten Gemeinden sindGottlieben TG mit 0,31 undRivaz VD mit ebenfalls 0,31 Quadratkilometern.[124]
Schweizer Bürgerrecht ist die gebräuchliche Bezeichnung für dieStaatsbürgerschaft der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Es kann gemässArt. 37 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft nicht ohne gleichzeitigen Erwerb des Bürgerrechts einerGemeindeund des Bürgerrechts desKantons erworben werden. Gemeinde-und Kantonsbürgerrecht vermitteln das Schweizer Bürgerrecht.
Die Gemeinde, deren (Gemeinde-)Bürgerrecht ein Schweizer besitzt, wirdBürgerort (auchHeimatort) genannt.[125]
DerSchweizer Pass und dieIdentitätskarte dienen dem Nachweis der Staatsbürgerschaft der Schweizerischen Eidgenossenschaft.[126] Schweizer Bürger geniessen Zugang im Bezug auf ihreReisefreiheit in 186 Staaten und Territorien gemässHenley Passport Index 2026, womit der Schweizer Pass auf dem dritten Platz der Reisepässe mit den meisten Zugängen zu Ländern rangiert (nachSingapur,Japan undSüdkorea).[127]
Das Staatsangehörigkeitsrecht der Schweiz ist im internationalen Vergleich restriktiv, und in den Kantonen bestehen jeweils unterschiedliche Regelungen. In der Schweiz geborene Kinder von im Land lebenden Ausländern erhalten aufgrund desBlutrechts nicht automatisch die Staatsbürgerschaft.[128][129]
Schweizer, die im Ausland leben, werdenAuslandschweizer und darüber hinaus alsFünfte Schweiz bezeichnet.[130] Dieser Ausdruck erklärt sich aus denvier Sprachregionen der Schweiz. Ende 2024 wohnten 826'700 Schweizer Staatsangehörige im Ausland.[131]
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Einwohnerzahl von 3,3 Millionen (1900) auf 8,962 Millionen (2023) angestiegen.[134] Das Bevölkerungswachstum stieg 2023 auf 1,7 Prozent, gegenüber 0,9 Prozent 2022, vor allem wegen der Schutzsuchenden aus der Ukraine.[135] Die Bevölkerungszunahme erreichte ihren Höhepunkt zwischen 1950 und 1970. Zu Bevölkerungsrückgängen kam es einzig 1918 als Folge derSpanischen Grippe und in den wirtschaftlichen Rezessionsjahren 1975–1977.[136] Während 2023 insgesamt 263'081 Menschen in die Schweiz einwanderten, verliessen 123'963 das Land.[137]
Das Wachstum der Bevölkerung mit Schweizer Bürgerrecht ist seit 1981 langsamer und konstanter als jenes der Gesamtbevölkerung verlaufen. Die Entwicklung der ausländischen Wohnbevölkerung erfolgte etwas rascher und über die Jahre unregelmässiger – mit relativ hohen jährlichen Zuwachsraten zwischen 1988 und 1993 von jeweils ungefähr 3 Prozent.
Während dieallgemeine Geburtenziffer 1963 noch bei 2,67 lag, nahm sie danach stetig bis auf einen Wert von 1,38 im Jahre 2001 ab. Danach gab es wieder eine moderate Zunahme auf 1,46 im Jahr 2007. Damit ergab sich auch erstmals seit zehn Jahren wieder ein Geburtenüberschuss vonSchweizer Staatsangehörigen (+400).[138] 2018 lag die Geburtenziffer bei 1,52 Kindern pro Frau,[139] 2023 bei 1,33 Kindern pro Frau.[140] Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau erreichte im Jahr 2024 mit 1,29 ihren niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen.[141]
DieLebenserwartung betrug im Jahr 2023 gemäss dem Bundesamt für Statistik BFS 85,8 Jahre für Frauen und 82,2 Jahre für Männer.[142] Laut den Vereinten Nationen war die Schweiz im Zeitraum von 2015 bis 2020 das Land mit der zweithöchsten Lebenserwartung weltweit.[143]
DieBevölkerungsdichte ist im flachenMittelland mit ca. 450 Personen pro Quadratkilometer auf 30 Prozent des Staatsgebiets – für Schweizer Verhältnisse – sehr hoch,[144] imAlpenland und imJura naturgemäss dünn. Im Kanton Graubünden, im Alpengebiet gelegen, beträgt die Einwohnerdichte nur einen Bruchteil davon (ca. 27 Personen pro Quadratkilometer). Ausserdem sind das Mittelland und der Kanton Tessin starkzersiedelt.[145]
2023 waren 20,0 % der ständigen Wohnbevölkerung 0 bis 19 Jahre alt, 60,7 % 20 bis 64 Jahre, 13,7 % 65 bis 79 Jahre und 5,6 % 80 Jahre und älter.[146]
Ausländer
Ständige ausländische Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit 2024 gemäss dem Bundesamt für Statistik BFS[147]
Land
Anzahl
Prozent
Italien
≈ 342'400
13,8 %
Deutschland
≈ 329'900
13,3 %
Portugal
≈ 257'300
10,4 %
Frankreich
≈ 171'100
6,9 %
Kosovo
≈ 116'400
4,7 %
Spanien
≈ 99'000
4,0 %
Türkei
≈ 78'300
3,2 %
Nordmazedonien
≈ 70'500
2,8 %
Ukraine
≈ 68'300
2,8 %
Ständige und nichtständige ausländische Bevölkerung 2024 nachAnwesenheitsbewilligung gemäss dem Bundesamt für Statistik BFS[147]
Status
Prozent
«Niedergelassene»
54,5 %
«Aufenthalter»
35,7 %
«Kurzaufenthalter»
2,8 %
«Schutzbedürftige»
2,6 %
«Personen im Asylprozess»
2,4 %
«internationale Funktionäre und Diplomaten»
1,3 %
«nicht zugeteilt»
0,7 %
Ausländer sind Personen ohneSchweizer Bürgerrecht (offizielle Bezeichnung für die Staatsangehörigkeit der Schweizerischen Eidgenossenschaft). Sowohl dasStaatssekretariat für Migration SEM als auch das Bundesamt für Statistik BFS führen eigene Statistiken über die ausländische Wohnbevölkerung, die sich unterscheiden.[148] Per 30. September 2025 verfügten 27,6 Prozent der registrierten Einwohner in der Schweiz nicht über das Schweizer Bürgerrecht.[149]
Jeder Ausländer erhält einenAusländerausweis. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts war der Ausländeranteil an der schweizerischen Gesamtbevölkerung höher als in anderen europäischen Ländern. Gründe dafür sind unter anderem die vielen Grenzregionen, die zentrale Lage in Europa und die geringe Grösse des Landes.[150] Andere sehen den Grund hierfür eher in der restriktiven Gesetzgebung, die schnellere Einbürgerungen verhindert.[151] «Der überwiegende Teil der ausländischen Staatsangehörigen lebt seit Langem in der Schweiz: Fast ein Fünftel ist hier geboren und gehört somit zur zweiten oder sogar dritten Generation.»[152]
Die Gemeinden in der Schweiz verzeichneten im Jahr 2023 laut Bundesamt für Statistik BFS Ausländeranteile zwischen 0,0 und 62,1 Prozent.[153] 74 Gemeinden verzeichneten 2023 Ausländeranteile von mindestens 40 Prozent. Zu den Gemeinden mit den höchsten Ausländeranteilen mit mindestens 50 Prozent gehörtenTäsch VS (62,1),Paradiso TI (61,5),Kreuzlingen TG (56,8),Chavannes-près-Renens VD (55,5),St. Margrethen SG (52,2),Rorschach SG (52,1),Neuenhof AG (52,0),Spreitenbach AG (51,7),Pregny-Chambésy GE (51,5),Leysin VD (50,3) und Genf GE (50,1). Zu den Gemeinden mit den tiefsten Ausländeranteilen zähltenTeuffenthal BE undRebévelier BE mit jeweils 0,0 Prozent,Oberlangenegg BE mit 1,0,Unterschächen UR mit 1,1,Rumendingen BE mit 1,2 undChampoz BE mit 1,3 Prozent.
Auf Bundesebene haben Ausländer kein Stimm- und Wahlrecht. In 605 Gemeinden (Stand 2019) dürfen Bewohner ohne Schweizer Bürgerrecht an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen. Die meisten dieser Gemeinden liegen in der Romandie, in den Kantonen Neuenburg (seit 1984), Waadt (seit 2002), Genf (seit 2005) und Freiburg (seit 2006). In den Kantonen Graubünden, Appenzell Ausserrhoden und Basel-Stadt ist es den Gemeinden freigestellt, das Ausländerstimmrecht einzuführen. Von diesem Recht machen wenige Gemeinden Gebrauch.[154]
Karte der Ausländeranteile je Gemeinde (2019)
Beispiel einesAusländerausweises: «B» für «Aufenthaltsbewilligung» mit fünfjährigem Aufenthalt
Bevölkerung mit Migrationshintergrund
Zur Bevölkerung mitMigrationshintergrund zählen Personen, die in die Schweizeingewandert sind und deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Weiter zählen dazu die unmittelbaren (direkten) Nachkommen dieser Personen (sogenannteSecondos, Angehörige der zweiten Generation), die in der Schweiz geboren wurden.
Eine Person mit Migrationshintergrund kann sowohl die Schweizer als auch eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen.
Keine Personen mit Migrationshintergrund sind folglich die Ausländer der dritten Generation und gebürtige Schweizer, bei denen mindestens ein Elternteil in der Schweiz geboren wurde. Das Bundesamt für Statistik BFS hat bei der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren in der Schweiz per Ende 2024 einen Anteil an Personen mit Migrationshintergrund von 41 Prozent (3'086'000 Einwohner) ermittelt.[155]
Asyl
Die Schweiz richtet sich nach denvölkerrechtlichen Verpflichtungen gemäss derGenfer Flüchtlingskonvention. Rechtsgrundlage ist dasAsylgesetz AsylG. Zuständige Bundesbehörde ist dasStaatssekretariat für Migration SEM. Asylbewerber und Flüchtlinge erhalten, wie alle anderen Ausländer, einenAusländerausweis: Den Ausweis «N» erhalten Asylsuchende, «F» vorläufig aufgenommene Ausländer und «S» Schutzbedürftige. Der Schutzstatus «S» wurde vom Bundesrat am 11. März 2022 zum ersten Mal aktiviert für Menschen aus der Ukraine nach demAngriff Russlands.[156]
Zwischen Januar und November 2025 beantragten 23'767 Menschen in der SchweizAsyl.[157] Davon wurden 2'247 Asylgesuche im November 2025 gestellt. Die Herkunftsländer der Personen, die die meisten Asylgesuche im November 2025 gestellt hatten, waren Afghanistan mit 484 Gesuchen, Eritrea mit 291, Somalia mit 225, Algerien mit 214 und die Türkei mit 165 Anträgen auf Asyl.
Sans-Papiers
Menschen, die ohne gültigeAufenthaltsbewilligung in der Schweiz leben, werdenSans-Papiers (französisch, wörtlich «[Menschen] ohne Papiere») genannt. Ihre Zahl ist naturgemäss unbekannt. Schätzungen variieren zwischen 80'000 und 300'000 Personen, das Bundesamt für Statistik BFS beziffert die Anzahl in einer Studie von 2015 auf rund 76'000.[158] Die meisten Sans-Papiers gehen einer Beschäftigung für «niedrig Qualifizierte» nach. Sans-Papiers arbeiten in Branchen, deren Personalbedarf durch Schweizer oder EU-Staatsangehörige nicht vollständig abgedeckt wird. Sie putzen in privaten Haushalten, betreuen Kinder und Betagte, arbeiten auf Baustellen oder in der Landwirtschaft.[159][160]
Auswanderung
Für junge Männer war der Eintritt alsSöldner in fremde Kriegsdienste bis in das erste Drittel des 19. Jahrhunderts die häufigste Form der Auswanderung. Ab dem 14. Jahrhundert standen die sogenanntenReisläufer im Dienst des Kaisers, der französischen Könige und von italienischen Städten wie zum BeispielMailand (→ Schweizer Truppen in fremden Diensten).[161]
Hunger und Armut nach demDreissigjährigen Krieg führten zu Ausreisewellen nach Ostpreussen und Russland.[162] Zu Beginn des 19. Jahrhunderts führte die kriegsbedingte (→ Napoleonische Kriege) allgemeine Verarmung zu Auswanderungen nach Russland, während in den Hungerjahren 1816 bis 1817 (→ Jahr ohne Sommer) besonders Lateinamerika das Ziel war. Die Landwirtschaftskrisen der 1840er, 1870er- und 1880er-Jahre sowie Umstrukturierungsprobleme während der Industrialisierung führten zu Massenauswanderungen in noch nie gekannten Dimensionen nach Übersee, besonders nach Nordamerika[163] und Südamerika. Am Ende des 19. Jahrhunderts war Nordamerika für fast 90 Prozent der Emigranten das Ziel. Zwischen 1851 und 1860 wanderten rund 50'000 Personen nach Übersee aus, in den 1860er- und 1870er-Jahren je 35'000 und zwischen 1881 und 1890 über 90'000. Bis 1930 stabilisierte sich die Zahl der Auswanderer pro Jahrzehnt zwischen 40'000 und 50'000. In einigen Kantonen wurden Arme von den Behörden im grossen Stil zur Auswanderung gedrängt.[164][165]
Gemässempirischen Daten war die Wanderungsbilanz für das Gebiet der heutigen Schweiz von der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stets negativ.[168]
Wanderungsbilanz der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung 2005 bis 2023 gemäss dem Bundesamt für Statistik BFS[169]
Jahr
Einwan- derung
Auswan- derung
Saldo
2005
99'091
54'435
44'656
2006
107'177
57'739
49'438
2007
143'855
60'688
83'167
2008
161'629
58'266
103'363
2009
138'269
59'236
79'033
2010
139'495
70'528
68'967
2011
140'508
66'738
73'770
2012
151'002
73'855
77'147
2013
167'248
77'707
89'541
2014
161'149
82'607
78'542
2015
162'563
86'528
76'035
2016
167'407
90'088
77'319
2017
147'142
93'157
53'985
2018
146'183
98'431
47'752
2019
145'608
94'859
50'749
2020
137'685
83'602
54'083
2021
143'506
88'053
55'453
2022
169'055
90'861
78'194
2023
241'040
93'289
147'751
Heute ist die Schweiz – wie fast alle wohlhabenden westlichen Staaten der Welt – einEinwanderungsland.[170] Zur Zeit der Industrialisierung gab es eine grosse Binnenwanderung[171] vor allem aus den Alpen. Seit dem grossen Wirtschaftswachstum in den 1960er-Jahren wurdenGastarbeiter (→ Saisonnierstatut) gezielt angeworben, später erreichten die Schweiz immer wieder Flüchtlingsströme, etwa aus dem ehemaligen Jugoslawien während derJugoslawienkriege. Aus der Türkei kamen viele Gastarbeiter nach Westeuropa und damit auch in die Schweiz. Per 1. Juni 2002 trat dasPersonenfreizügigkeitsabkommen mit den EU- und EFTA-Staaten in Kraft.[172]
Der absolute Anstieg der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung, einschliesslich Geburten, abzüglich Todesfälle und Einbürgerungen, schwankte in dieser Zeit zwischen 12'615 (2006) und 67'622 (2008) sowie ausserordentlichen 121'265 im Jahr 2023. In diesem Jahr zählten gemäss Definition des BFS neu 59'500 Menschen aus der Ukraine mit Schutzstatus «S», die sich länger als zwölf Monate in der Schweiz aufhielten, zur ständigen Wohnbevölkerung.[173]
Nachdem im Jahr 1992 8'544 Menschen (davon 4'876 Deutsche) aus Deutschland in die Schweiz zogen, waren es 14'792 (11'225) im Jahr 2003 und 35'061 (29'139) im Jahr 2008. Danach ermässigten sich die Zuzüge aus Deutschland bis auf 25'881 (19'930 Deutsche) im Jahr 2014.[174] 2023 wanderten 130'483 Personen aus der EU/EFTA ein, darunter 26'211 Deutsche, sowie 51'070 Personen aus Drittstaaten.[175] Wenige Tausend Menschen aus Drittländern erhalten jährlich eine Arbeitsmarktzulassung.[176][177]
2023 wurden 41'299 Menschen eingebürgert, vor allem aus Deutschland, Frankreich, Italien, Kosovo und Portugal. Die Anzahl der Einbürgerungen schwankte zwischen 2014 und 2023 zwischen 33'325 (2014) und 44'515 (2017).[178]
In der ersten eingebürgerten Generation bleibt die Wahrscheinlichkeit der Teilnahme an Wahlen rund zehn bis zwölf Prozent tiefer als bei mehrere Generationen ansässigen Wählern, sagte 2021 die Politologin Anita Manatschal, welche zur sogenannten Beteiligungslücke (englischParticipation Gap) forscht, die zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in der Demokratie liegt.[179]
Karte derSprachgebiete – Mehrheitsverhältnis[12] nach der Erhebung des Bundesamts für Statistik BFS 2021; Karte mit einem Gemeindebestand per 1. Januar 2026
«DieAmtssprachen des Bundes sind Deutsch, Französisch und Italienisch. Im Verkehr mit Personen rätoromanischer Sprache ist auch das Rätoromanische Amtssprache des Bundes.»[180]
Alemannisches Dialektgebiet im 19. und 20. Jahrhundert
Französisch wird von 23 Prozent[12] der Gesamtbevölkerung als Hauptsprache gesprochen (→ Schweizer Französisch). Der überwiegend frankophone Landesteil (violett) wird alsRomandie,Suisse romande,Westschweiz oder – seltener – alsWelschland bezeichnet. Neben dem heute vorherrschenden Standard-Französisch wird nur noch von einer kleinen MinderheitPatois (Dialekt) gesprochen.[185] Französisch ist die alleinige Amts- undStandardsprache in der Romandie; als Verwaltungssprache wird Schweizer Französisch verwendet.
Italienisch wird im Kanton Tessin und in vier Südtälern (Misox,Calancatal,Bergell,Puschlav) sowie der GemeindeBivio des Kantons Graubünden(Grigioni italiano) (grün) gesprochen. Italienisch ist für 8 Prozent[12] der Gesamtbevölkerung der Schweiz die Hauptsprache (→ Schweizer Italienisch). Ein grosser, allerdings schwindender Teil der italienischsprachigen Bevölkerung spricht lokale Dialekte, die zumLombardischen gehören («Ticinées»).[186] Italienisch ist die alleinige Amts- und Standardsprache in der italienischen Schweiz; als Verwaltungssprache wird Schweizer Italienisch verwendet.
Dialektzonen der Westschweiz und der benachbarten französischen Gebiete:Langues d’oïl (blau),Frankoprovenzalisch (grün) undLangues d’oc (rosa). Die Westschweiz gehört zu den beiden erstgenannten.
Die vierte Landessprache, Rätoromanisch (gelb), hat einen Anteil von 0,5 Prozent[12] an der Gesamtbevölkerung und wird in Graubünden gesprochen; praktisch alle Rätoromanischsprachigen beherrschen auch die deutsche Sprache. Der Bestand des Rätoromanischen ist seit dem 19. Jahrhundert gefährdet, es wird trotz Fördermassnahmen allmählich vom Deutschen verdrängt. Seit 1860 sind 51 Bündner Gemeinden vom romanischen ins deutsche Sprachgebiet gewechselt. 1938 nahm das Volk eine Verfassungsänderung an, die das Rätoromanische zur vierten Landessprache der Schweiz erhob; seit 1996 ist Rätoromanisch neben Deutsch, Französisch und Italienisch eine Amtssprache der Schweiz.[187] Seit 2001 ist die SchriftspracheRumantsch Grischun im Kanton Graubünden offizielle Amtsschriftsprache und wird auch auf Bundesebene für den Verkehr mit der rätoromanischsprachigen Bevölkerung verwendet. In den rätoromanischen Gemeinden dient indes eine der fünfregionalen Varietäten als jeweilige Amtssprache.[188]
Italienisches Sprachgebiet, dunkelblau: Mehrheitssprache (mit Kanton Tessin und Teilen Graubündens), hellblau: Minderheitensprache
Die Bundesverfassung legt die Sprachgebiete der Schweiz nicht fest.Art. 70 Abs. 2 BV weist den Kantonen die Kompetenz zu, ihre Amtssprachen zu bestimmen. Dabei müssen sie jedoch sprachliche Minderheiten und die herkömmliche Zusammensetzung der Sprachgebiete beachten. Wer aus einem anderssprachigen Landesteil zuzieht, hat kein Recht darauf, in seiner angestammten Sprache mit den neuen Kantons- und Gemeindebehörden zu verkehren (Territorialitätsprinzip).
Unter den zweisprachigen Kantonen haben nur Bern und Wallis die Sprachgebiete räumlich festgelegt; der zweisprachige Kanton Freiburg weist die Regelung der Amtssprache den Gemeinden zu.
Offiziell perKantonsverfassung zweisprachig sind die GemeindenBiel/Bienne,Evilard/Leubringen undFreiburg/Fribourg an der französisch-deutschen Sprachgrenze, dem sogenannten «Röstigraben». Auch einige weitere Gemeinden, so im SchulkreisMurten/Morat sowie in der Umgebung von Biel, bieten zweisprachige Dienstleistungen und Schulen an, um der französischsprachigen Minderheit entgegenzukommen.[189]
Im Kanton Graubünden gelten gemäss Art. 16 des Bündner Sprachengesetzes aus dem Jahr 2006 Gemeinden als amtlich einsprachig rätoromanisch, wenn mindestens 40 Prozent der Einwohner diese Sprache sprechen, und als zweisprachig, wenn mindestens 20 Prozent sie sprechen.[190] In der Praxis kann das bedeuten, dass Rätoromanisch die Verwaltungs- und Schulsprache, jedoch Schweizerdeutsch die allgemeineVerkehrssprache ist.
Der Kanton Tessin definiert sich als ganz zum italienischen Sprachgebiet und der Kanton Jura als ganz zum französischen Sprachgebiet zugehörig, obwohl je eine Gemeinde (Jura:Ederswiler, Tessin:Bosco/Gurin) eine deutschsprachige Mehrheit aufweist.
Die Sprachgebiete der französischen, italienischen und rätoromanischen Schweiz – die Deutschschweiz ist damit nicht eingeschlossen – werden aufgrund ihrer sprachlichen Verwandtschaft (sieheromanische Sprachen) unter der BezeichnungLateinische Schweiz zusammengefasst.
Die Zahl der Fahrenden, unter denen dieJenischen neben einer geringeren Anzahl vonSinti und Roma die weit überwiegende Mehrheit bilden, wird bei Volkszählungen nicht erhoben. In offiziellen Schätzungen wird die Anzahl auf 20'000 bis 35'000 angesetzt. Das entspräche einem Anteil von annähernd 0,5 Prozent. Jenische leben in der ganzen Schweiz verstreut und sprechen neben ihrer internen Gruppensprache Jenisch meist eine der Landessprachen.Jiddisch (Westjiddisch) hat in der Schweiz eine alte Tradition in den Surbtaler DörfernEndingen undLengnau aufgrund der dortigen, heute nur noch marginalen jüdischen Gemeinden (sieheSurbtaler Jiddisch). Eine jüngere Tradition hat Jiddisch (Ostjiddisch) in der Stadt Zürich, wo es teilweise in ultraorthodoxen Kreisen gesprochen wird. Die Sprecher desJenischen und des Jiddischen werden seit 1997 von der Schweiz im Rahmen derEuropäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen als nationale nicht territoriale «Minderheitsgemeinschaften» betrachtet, ihre Sprachen damit jedoch nicht als nationale Minderheitssprachen anerkannt.[191]
Als Fremdsprachen lernen die Schüler der öffentlichen Schulen mindestens eine zweite Landessprache undEnglisch. Es gibt Diskussionen darüber, ob Englisch gleichzeitig mit oder vor der zweiten Landessprache unterrichtet werden soll. Aufgrund von Protesten aus der jeweils anderen Sprachregion und Grundsatzüberlegungen zum Zusammenhalt der Schweiz hat sich ein rein englischer Fremdsprachenunterricht bisher nirgendwo durchsetzen können.
In den vergangenen 50 Jahren hat der Anteil der Bevölkerung ohne Religionszugehörigkeit in der Schweiz kontinuierlich zugenommen. Diese Gruppe, bereits seit letztem Jahr die grösste, konnte 2023 nochmals wachsen und erreichte einen Anteil von 36 % (2022: 34 %). Die Katholikinnen und Katholiken hatten im selben Zeitraum einen Rückgang von 32 % auf 31 % zu verzeichnen, die Evangelisch-Reformierten von 21 % auf 19 %. Dem Islam gehörten insgesamt 445'000 Personen an (6 %). Menschen jüdischen Glaubens zählt man 0,2 %; anderen Glaubensgemeinschaften gehörten 1,3 % an.[192][193]
DieReligionsfreiheit in der Schweiz ist als verfassungsmässiges Grundrecht verankert. Es ist den Kantonen überlassen, ob sie ausgewählten Religionsgemeinschaften einen besonderen Status als öffentlich-rechtliche Körperschaft[194] und damit alsLandeskirche verleihen wollen. In den meisten Kantonen haben die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-reformierte Kirche, in vielen Kantonen zusätzlich diechristkatholische Kirche und in einigen die jüdischen Gemeinden diesen Status inne. Im Jahr 1973 wurde im Kanton Basel-Stadt dieIsraelitische Gemeinde Basel (IGB) als erste jüdische Gemeinschaft der Schweiz vom Kanton öffentlich-rechtlich anerkannt, wobei nunmehr die Kantone Bern, Freiburg, St. Gallen, Waadt und Zürich dasselbe Recht kennen.[195] Die christkatholische Kirche ist nur in Teilen derNordwestschweiz von Bedeutung. In den Westschweizer KantonenGenf undNeuenburg gibt es keine Landeskirchen, weil dortKirche und Staat vollständig getrennt sind; sie sind dennoch als «Organisationen von öffentlichem Interesse» anerkannt. In Basel besteht die sogenannte «hinkende Trennung» von Kirche und Staat.
Mit 0,33 Prozent ist derBuddhismus in der Schweiz stärker vertreten als in anderen Ländern Europas.Synagogen (→ Liste von Synagogen in der Schweiz),Moscheen (→ Liste von Moscheen in der Schweiz) undbuddhistische Tempel existieren in mehreren Orten in der Schweiz.Historisch gesehen waren die Einwohner der Kantone Zürich, Bern, Basel-Stadt, Basel-Landschaft (ausser Bezirk Arlesheim), Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden und Waadt noch um 1850 praktisch ausschliesslich reformiert, diejenigen der Kantone Freiburg (ausser Bezirk Murten), Wallis, Jura, Solothurn (ausser Bezirk Bucheggberg), Luzern, Ob- und Nidwalden, Uri, Schwyz, Zug, Appenzell Innerrhoden und Tessin fast nur katholischen Glaubens. Konfessionell gemischt waren hingegen die Kantone Glarus, Aargau, St. Gallen, Graubünden und Genf. Die Verteilung der Konfessionen war das Resultat der Anwendung des Territorialprinzips bei der Wahl der Konfession nach den Religionskriegen des 16. Jahrhunderts; die konfessionell gemischten Kantone wiesen entweder junge Kantonsgrenzen auf (Aargau, St. Gallen, Genf) oder kannten eine althergebrachte gemeindeweise Festlegung (Glarus, Graubünden).Parität, das heisst gleichzeitiges Vorhandensein beider Konfessionen am selben Ort, war die Ausnahme; sie galt etwa im Toggenburg, in Teilen der vormaligen Untertanengebiete der Eidgenossenschaft (Thurgau,Echallens) und in einigen Gemeinden Graubündens und von Glarus.
EineVolksabstimmung 1919 in Vorarlberg zu Verhandlungen mit der Schweiz über einen Beitritt zur Schweizerischen Eidgenossenschaft ergab zwar eine Zustimmung von gut 80 Prozent, weitere Verhandlungen scheiterten an den Reformierten in der Schweiz, die durch einen zusätzlichen Kanton mit Katholiken ihre damalige Mehrheit verloren hätten.[196]
Die Episode umPolyphem aus derOdyssee, die inmündlicher Überlieferung als die «Blendung desOgers» in der Folklore vieler ethnischer Gruppen weltweit vorkommt,[201][202] kommt in der schweizerischen Überlieferung für das Gebiet des heutigen Kanton Wallis einer prähistorischen Ursprungsversion am nächsten.[203]
Frühgeschichte
Vor der Eroberung durch die Römer lebten laut Aufzeichnungen des römischen Feldherrn und PolitikersJulius Caesar in seiner Rechtfertigungsschrift für denGallischen Krieg (→ De bello Gallico) auf dem Gebiet der heutigen Schweiz verschiedenekeltische Stämme und Völker: dieHelvetier (Mittelland), dieLepontier (Tessin), dieSeduner (Wallis, Genfersee) und dieRaetier (Ostschweiz). Im Zuge der Ausdehnung desRömischen Reiches (→ Die Schweiz in römischer Zeit)[204] über die Alpen wurde das Gebiet der heutigen Schweiz bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. ins Römische Reich integriert und die Bevölkerung romanisiert. Die wichtigsten römischen Städte der Schweiz warenAventicum (Avenches),Augusta Raurica,Vindonissa (Windisch),Colonia Iulia Equestris (Nyon) undForum Claudii Vallensium (Martigny). In derSpätantike wurde die Schweiz, ausgehend von den städtischen Zentren, christianisiert. Frühe Bischofssitze waren Genf, Augusta Raurica/Basel, Martigny/Sitten, Avenches/Lausanne und Chur.
Die Adelsherrschaften in der heutigen Schweiz im Mittelalter um 1200
Nach demUntergang des Römischen Reiches besiedelten die germanischen Stämme derBurgunder undAlamannen[205] von Norden her kommend das Mittelland und vermischten sich mit der romanisierten Bevölkerung. In den zur Römerzeit stärker besiedelten Gebieten der Westschweiz sowie in den Alpentälern hielten sich romanische Sprachen (später Französisch, Rätoromanisch und Italienisch) und das Christentum, während sich in der Nordschweiz das germanische Alemannisch verbreitete. Bis 746 unterwarfen dieFranken die Burgunder und Alemannen, womit die Schweiz Teil desFränkischen Reiches[206] wurde. Bei der Teilung dieses Reiches kam das Gebiet der Schweiz zumOstfrankenreich, dem späterenHeiligen Römischen Reich. Ihr Gebiet gehörte dabei grösstenteils zum StammesherzogtumSchwaben.[207] und zumKönigreich Burgund[208] Bis ins 9. Jahrhundert wurden auch die Alamannen ausgehend von wichtigen klösterlichen Zentren wieSt. Gallen undReichenau christianisiert.
In der frühen Geschichte des römisch-deutschen Reichs spielten Adelsgeschlechter aus der Schweiz wie dieHabsburger,Kyburger,Lenzburger undRudolfinger eine wichtige Rolle. Ausserdem waren die Alpenpässe für die deutsche Herrschaft über Italien von grösster Wichtigkeit. So lässt sich erklären, weshalb die deutschen Herrscher stets ein besonderes Augenmerk auf die Talschaften in den Alpen legten und sich bemühten, diese direkt zu beherrschen. Die Bewohner der Talschaften der Innerschweiz sahen diese «Reichsunmittelbarkeit» als Privileg.
Ab Ende des 12. bis ins 14. Jahrhundert erfolgte eine Wanderbewegung von Bewohnern desOberwallis in weitere Alpengebiete in der Schweiz, nachNordwestitalien,Liechtenstein undWestösterreich, vereinzelt auch nachSavoyen undBayern. Die Aussiedler wurden später alsWalser bezeichnet. Auf einer Länge von rund 300 Kilometern im Alpenbogen bestehen noch heute rund 150 von den Walsern gegründete Dörfer.
Bundesbrief von 1291Die territoriale Entwicklung derAlten Eidgenossenschaft bis 1797Die Struktur der Alten Eidgenossenschaft im 18. Jahrhundert. In hellen Farben die Untertanengebiete der Stadt- und Länderorte, der Zugewandten Orte sowie die Gemeinen Herrschaften.Darstellung derEidgenossenschaft auf dem Frontispiz derTopographia Helvetiae vonMatthäus Merian (1654)
Die dreiUrkantone oderWaldstätte (Orte) Uri, Schwyz und (bei allerdings unsicherer Lesart)Unterwalden schlossen 1291 nach dem Tod des deutschen KönigsRudolf 000001I. vonHabsburg einen Bund zum Schutz ihrer «alten Freiheiten».[209] Eine diesbezügliche Urkunde, der sogenannteBundesbrief, ist datiert auf Anfang August 1291. Der Legende nach geschah dieBeschwörung dieses Bundes auf demRütli. Im 19. Jahrhundert wurde der 1. August 1291 als Datum für die «Gründung» derAlten Eidgenossenschaft und damit der 1. August als SchweizerNationalfeiertag festgelegt.
Das schlechte Verhältnis zwischen den Eidgenossen und dem Herrscherhaus der Habsburger rührt von derdeutschen Königswahl vom 25. November 1314 her, als derWittelsbacherLudwig der Bayer und der HabsburgerFriedrich der Schöne gleichzeitig zumdeutschen König gewählt wurden. Die Eidgenossen hielten zu Ludwig dem Bayern. Dies und ein Überfall auf dasKloster Einsiedeln bewogenLeopold 000001I. von Österreich 1315 zu einem Kriegszug gegen die Eidgenossen, der in derSchlacht am Morgarten unglücklich für ihn endete. Um ihre Selbständigkeit gegenüber Habsburg zu wahren, schlossen sich die ReichsstädteLuzern,Zürich,Glarus,Zug undBern im 14. Jahrhundert dem Bund der Waldstätte an. Das resultierende Gebilde wird alsdie Acht Alten Orte bezeichnet. Erst als die Städte Zürich, Bern und Luzern durch ihren Beitritt die Eidgenossenschaft zum Instrument ihrer Kooperation machten, erlangte der eidgenössische Bund eine stabile politische Bedeutung, die auch durch die europäischen höfischen Zentren in Wien, Paris und Mailand geduldet wurde.[210]
Die Schlacht am Morgarten ist heute unter Historikern umstritten.[211] Es folgten weitere Auseinandersetzungen mit dem Haus Habsburg: 1386 beiSempach (die Lombardei, die ihre wirtschaftlichen Interessen durch die Habsburger gefährdet sah, hatte die eidgenössische Bewaffnung finanziert) und 1388 beiNäfels gelang es den Eidgenossen, habsburgische Ritterheere zu schlagen. 1415 eroberten sie (auf Betreiben vonKaiser Sigismund) die habsburgischen Stammlande imAargau. Zwischen der Stadt Zürich und den übrigen Eidgenossen kam es wegen der Erbschaft derGrafen von Toggenburg zumAlten Zürichkrieg (1436–1450), in dessen Verlauf sich Zürich mit Habsburg verbündete. Zürich war schliesslich zur Rückkehr in die Eidgenossenschaft gezwungen. Ein weiterer Krieg brachte Habsburg 1460 um denThurgau, sodass sich HerzogSigismund von Tirol am 11. Juni 1474 in der «Ewigen Richtung» angesichts der Bedrohung durch HerzogKarl den Kühnen von Burgund gezwungen sah, die Alte Eidgenossenschaft als eigenständiges Staatswesen anzuerkennen. 1474 zogen die Eidgenossen auf Wunsch Kaiser Friedrichs 000003III. gegen Karl den Kühnen und zerstörten in denBurgunderkriegen im Verbund mit Lothringen und Habsburg dessen Reich. Bern und Freiburg expandierten in dieser Zeit ins vormalssavoyisch und burgundisch kontrollierteWaadtland, das sie bis 1536 ganz eroberten.Freiburg undSolothurn hatten sich 1481 der Eidgenossenschaft angeschlossen.
Der militärische Sieg über die Burgunder bestärkte die Eidgenossenschaft in ihrem Willen nach Selbständigkeit. Aus diesem Grund widersetzte sie sich der Reichsreform des deutschen Königs und späteren KaisersMaximilian 000001I. Der Versuch Maximilians, die Eidgenossen imSchwabenkrieg gefügig zu machen, endete 1499 imFrieden zu Basel.[212] Als konkrete Folge schlossen sich 1501 Basel und Schaffhausen dem Eidgenössischen Bund an, der sich mit dem Beitritt vonAppenzell 1513 zu denDreizehn Alten Orten weiterentwickelte. Dazu kamen weitere Verbündete, die sogenanntenZugewandten Orte, insbesondere das Wallis und dieDrei Bünde sowie Monarchien wie dieFürstabtei St. Gallen oder dieGrafschaft Neuenburg. AlsGemeine Herrschaften wurden bis 1798 Gebiete bezeichnet, die von mehreren derDreizehn Alten Orte gemeinsam erobert und alsVogteien auch gemeinsam verwaltet wurden. Dazu zählten unter anderem Gebiete in den heutigen Kantonen Thurgau und Tessin. Ausserdem besassen die meisten Orte politisch unselbständigeUntertanengebiete.
Die Siege in den Burgunderkriegen und im Schwabenkrieg und ihre moderne Infanterietaktik begründeten den Ruf der eidgenössischen Kämpfer und gaben demSöldnerwesen enormen Auftrieb. Bis ins 19. Jahrhundert blieb dieses in den ländlichen Regionen der Innerschweiz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Die Expansion der Eidgenossenschaft in Richtung Oberitalien erfolgte zur Sicherung der Alpenpässe. Dadurch wurde die Eidgenossenschaft in die kompliziertenitalienischen Kriege zwischen Habsburg,Frankreich,Venedig, demPapst,Spanien und den verschiedenen italienischen Potentaten verwickelt. Aus jener Zeit stammt auch dieSchweizergarde, die der PapstJulius 000002II. 1506 gründete. Bis 1513 gelang den Eidgenossen die Eroberung des heutigen Tessins und schliesslich vonMailand, über das sie die Schutzherrschaft ausübten. Nach der Niederlage gegen Frankreich in derSchlacht bei Marignano 1515 endete die militärische Dominanz über Oberitalien. Derpolitische Mythos der Unbesiegbarkeit der Schweizer war widerlegt, und es offenbarte sich die politische Zerstrittenheit der Orte untereinander. Dadurch wurde ab 1515 eine wirksameAussenpolitik verhindert, und es begann die Phase des «Stillsitzens» (heuteNeutralitätspolitik). Die Dreizehn Orte schlossen 1516 denEwigen Frieden und 1521 ein Soldbündnis mit demKönigreich Frankreich ab und erhielten dafür Pensionen, Zoll- und Handelsvergünstigungen und politischen Beistand bei inneren und äusseren Konflikten. Ausserdem wurde ein Grossteil derennetbirgischen Gebiete endgültig den Eidgenossen zugesprochen.
Angesichts der Wirren und Verwüstungen desDreissigjährigen Krieges beschloss die Eidgenossenschaft 1647 imDefensionale von Wil die «immerwährende bewaffnete Neutralität» und verhielt sich in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts weitgehend neutral. Im Oktober 1648 erreichten die Schweizer Kantone imWestfälischen Frieden in Deutschland die Anerkennung ihrer Ausgliederung aus demHeiligen Römischen Reich und wurden somitunabhängig. Die Auslegung des betreffenden Art. 000006VIIPO respektive § 61IPM war umstritten, wurde dann jedoch überwiegend als Anerkennung dervölkerrechtlichenSouveränität interpretiert. Im Inneren verhinderte die religiöse Spaltung eine Reform des anachronistischen eidgenössischen Bündnisgeflechts. Besonders die städtischen Kantone konsolidierten im 17. und 18. Jahrhundert ihre Herrschaft im Inneren im absolutistischen Sinn und entwickelten sich wirtschaftlich teilweise so stark, dass von einerProto-Industrialisierung gesprochen werden kann. Trotzdem blieb die Eidgenossenschaft als Ganzes hinter den Entwicklungen zurück und wurde in der zeitgenössischen Literatur als rückständig, ungeordnet und überkommen wahrgenommen. Damit kontrastiert die in der Aufklärung in Literatur und Malerei vorherrschende Darstellung der Schweiz als Alpenidyll,Arkadien oder als Ort urtümlicher Demokratie (Rousseau).
Helvetische Revolution undFranzoseneinfall 1797/98Die Helvetische Republik bis zum Anschluss Graubündens im April 1799Folgen desWiener Kongresses für die Schweiz
Am 5. Mai 1798 wurde die Alte Eidgenossenschaft nach kurzer Gegenwehr von Frankreich besetzt und unter der BezeichnungHelvetische Republik als Tochterrepublik seinem Einflussgebiet einverleibt. Die Helvetische Republik war das erste moderne Staatswesen auf Schweizer Gebiet und im Gegensatz zur Tradition als Einheitsstaat stark zentralistisch organisiert. Die bisherigen Unterschiede zwischen Untertanenlande und herrschenden Städten und Orten wurden aufgehoben. Rechtsgleichheit, Schaffung eines einheitlichen Wirtschafts- und Währungsraumes, Glaubens- und Gewissensfreiheit waren nur einige der fortschrittlichen Neuerungen, die damit Eingang in die Schweiz fanden. Als französischer Satellitenstaat wurde die Helvetische Republik jedoch in die Kriegsereignisse derKoalitionskriege hineingezogen und mehrfach Kriegsschauplatz. Nach mehreren Staatsstreichen und der Niederschlagung eines bewaffneten Aufstands verordneteNapoleon Bonaparte 1803 in derMediationsakte der Schweiz wieder eine föderalistische Verfassung mit autonomen Kantonen. Als Staatsname wurde die Bezeichnung «Schweizerische Eidgenossenschaft» festgelegt. Die ehemaligen Untertanengebiete und die Zugewandten Orte wurden in die neuen KantoneSt. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin und die Waadt umgewandelt.
1815 wurden die inneren und äusseren Grenzen der Schweiz imWiener Kongress international anerkannt.[213] Zu den 19 Kantonen der Mediationszeit kamenNeuenburg, Wallis und Genf hinzu, der Kanton Bern erhielt das Gebiet desFürstbistums Basel. ImZweiten Pariser Frieden vom 20. November 1815 verordneten die Grossmächte der Schweiz die «immerwährende bewaffnete Neutralität», um ihr Gebiet dem Einfluss Frankreichs zu entziehen. Die Schweiz wurde durch den «Bundesvertrag» wieder zu einem Staatenbund, sodass während der folgenden Epoche derRestauration die Eigenständigkeit der Kantone gegenüber der napoleonischen Zeit wieder grösser war. DerKanton Jura entstand erst 1979 durch die Abspaltung eines Teils des 1815 zum Kanton Bern geschlagenen Gebiets.
Streitigkeiten zwischen den liberal-progressiven und denkonservativ-katholischen Kantonen Luzern, Schwyz, Uri, Zug, Ob- und Nidwalden, Freiburg und Wallis (Sonderbund) führten 1847 zumSonderbundskrieg.[214] DerBürgerkrieg dauerte vom 3. November bis zum 29. November 1847, als sich das Wallis als letzter der konservativ-katholischen Kantone dem Gegner ergab. Nach offiziellen Angaben hatte der Sonderbundskrieg 150 Menschen das Leben gekostet und rund 400 Verletzte gefordert. Er war die bislang letzte militärische Auseinandersetzung auf Schweizer Boden.
Gründung und Konsolidierung des neuen Schweizer Bundesstaates
In den ersten 25 Jahren seines Bestehens musste der noch junge Bundesstaat wegen kriegerischer Bedrohungen viermal einenGeneral wählen. Dem erfahrenen und im Sonderbundskrieg umsichtig agierenden GeneralGuillaume Henri Dufour[217] wurde in den Jahren 1849 (Büsinger-Handel),[218][219] 1856 (Neuenburgerhandel) und 1859 (Savoyerhandel) von der Bundesversammlung erneut der Oberbefehl über das Schweizer Heer übertragen. GeneralHans Herzog war während desDeutsch-Französischen Kriegs (1870/71) (→ Schweiz im Deutsch-Französischen Krieg) für den Schutz der Landesgrenzen verantwortlich. Im Februar 1871 überquerten unter den Augen der Schweizer Armee etwa 87'000 Mann der geschlagenen französischen «Bourbaki-Armee» in den Kantonen Neuenburg und Waadt die Grenze und wurdeninterniert. Die Aufnahme und Pflege der entkräfteten Soldaten ist die grösste humanitäre Aktion, welche die Schweiz je durchgeführt hat.[220][221][222][223] (→ Schweiz im Deutsch-Französischen Krieg)
Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Schweiz von einer starken Welle der Industrialisierung[225] erfasst. Man kann den Umgang mit der Natur am besten als Versuch einer systematischen Naturbeherrschung durch technische Netzwerke beschreiben.[226] Drei technischeNetzwerke waren besonders wichtig in dieser Entwicklung:Topographische Karten (ca. 1848 durchGuillaume-Henri Dufour) hatten die Landschaften der Schweiz in einen systematischen Zusammenhang gebracht,Telegraphenlinien (ca. 1852) hatten Informationsflüsse in ihrem Leitungsnetz kanalisiert,Eisenbahnlinien (ca. 1851 speziell durchAlfred Escher) hatten die Erreichbarkeit von Ortschaften grundlegend verändert. Diese neuen Netze gaben die Planungs- und Verwaltungsgrundlagen über die natürlichen Räume der Schweiz und veränderten die Wahrnehmung und Beziehung der Menschen zur Natur.[227] Wie kein anderer nahm der Politiker, Wirtschaftsführer und Eisenbahnunternehmer Alfred Escher Einfluss auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz in jener Zeit. Nebst seinen politischen Ämtern war er massgeblich beteiligt bei den Gründungen derSchweizerischen Nordostbahn, desEidgenössischen Polytechnikums, derSchweizerischen Kreditanstalt, derSchweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt, derSchweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft sowie derGotthardbahn.
Zunehmend deutlicher zeigten sich die Schattenseiten der Industrialisierung, zum Beispiel in derKinderarbeit. Als erste Kantone erliessenGlarus und Zürich Fabrikgesetze zum Schutze der Arbeiter. 1877 übernahm der Bundesstaat die entsprechende Gesetzgebungskompetenz, um die schlimmsten Missstände landesweit zu bekämpfen.
Auf religiösem und kulturellem Gebiet fand die Konfrontation zwischen dem Liberalismus und dem Konservatismus ihre Fortsetzung imKulturkampf. Die Integration der Katholisch-Konservativen in den neuen Bundesstaat erfolgte 1891 durch die Wahl vonJosef Zemp in denBundesrat. Er war der erste Katholik in der Landesregierung. Zuvor war das Gremium seit Gründung des Bundesstaates ausschliesslich mit Vertretern derLiberalen besetzt gewesen. Seither traten diebürgerlichen Parteien mehr oder weniger geschlossen gegen dieArbeiterbewegung in der Schweiz an (seit dem Ersten Weltkrieg im «Bürgerblock»).
ImLandesstreik von 1918 kam es zur bisher schärfsten Konfrontation zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum in der Schweiz. Die Arbeiterbewegung konnte sich politisch auf nationaler Ebene erst nach der Einführung desProporzwahlverfahrens 1919 etablieren.
Die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein unterzeichneten 1923 den heute noch gültigenZollvertrag.
Das Friedensabkommen in der Metall- und Uhrenindustrie zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen läutete 1937 das Zeitalter desArbeitsfriedens und derGesamtarbeitsverträge ein. Seitdem sindStreiks in der Schweiz äusserst selten. Aus den Nationalratswahlen 1943 ging dieSozialdemokratische Partei der Schweiz als stärksteFraktion hervor. In der Folge wurde mitErnst Nobs erstmals ein Sozialdemokrat in den Bundesrat gewählt. Mit der Einführung derAlters- und Hinterbliebenenversicherung AHV 1948 ging eine weitere Forderung aus dem Generalstreik in Erfüllung.
Nach dem Ausbruch desZweiten Weltkriegs (→ Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg) berief sich die Schweiz erneut auf die bewaffnete Neutralität und ordnete die allgemeineMobilmachung der Armee unter dem Oberbefehlshaber GeneralHenri Guisan an. Die Schweizer Armee zog sich mit demAktivdienst insRéduit zurück, um einem deutschen Angriff möglichst harten Widerstand in Gebirgsstellungen entgegenzuhalten. Der Bevölkerung der Schweiz wurde durch die behördlich geförderte Bewegung der «Geistigen Landesverteidigung» ein starker Behauptungswillen gegen denNationalsozialismus vermittelt. Die Schweiz nahm während der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland zeitweise Flüchtlinge auf. Nach einiger Zeit wies sie gezielt Juden und vor allem als «politisch Verfolgte» eingestufte Flüchtende zurück. Als Reaktion trat der jüdische NationalratDavid Farbstein 1938 zurück. Am 31. August 1938 drohte die Schweiz an, das deutsch-schweizerischeSichtvermerksabkommen aufzukündigen, mit dem 1926 ein visafreier Grenzübertritt vereinbart worden war und das nach demAnschluss Österreichs ohne formellen Vertrag auch dort Anwendung fand. Um die Visafreiheit für «deutschblütige» Staatsangehörige zu erhalten, erklärte sich die deutsche Seite nach mehrtägigen Verhandlungen am 29. September 1938 bereit, die Reisepässe von Juden besonders zu kennzeichnen.[228] Pässe mit einemJudenstempel berechtigten den Inhaber zum Grenzübertritt nur dann, wenn vorher ein Visum zur Durchreise oder zum Aufenthalt erteilt worden war. Viele Flüchtlinge wurden an den Grenzen zurückgeschickt, manche wurden festgenommen und an deutsche Behörden ausgeliefert.[229] Die ins Land gelassenen Flüchtlinge wurden spätestens nach Kriegsbeginn in Lager interniert. Sie durften sich in keiner Weise politisch äussern. In den Konzentrationslagern der Nazis litten zwischen 1933 und 1945 auch rund 1000 Schweizer Bürger, mindestens 200 davon starben. Keine gewalttätige Auseinandersetzung hat in den letzten 200 Jahren mehr Schweizer Todesopfer gefordert. (→ Schweizer in Nazi-Konzentrationslagern)[230][231][232]
Die Schweiz war nach dem Sieg der Alliierten zunächst aussenpolitisch isoliert. Die Siegermächte betrachteten die Schweizer als «Kriegsgewinnler», die mit den Nazis kooperiert hatten. Mit demAbkommen von Washington willigte die Schweiz 1946 ein, für den Wiederaufbau Europas 250 Millionen Franken zu zahlen, dafür wurden Schweizer Konten entsperrt und die «Schwarze Liste» gelöscht, auf der Schweizer Unternehmen standen, die mit den Nazis kooperiert hatten.[233]
DieJurafrage beschäftigte die Schweiz während Jahrzehnten. Schliesslich wurde 1979 durch die Abspaltung der französischsprachigenAmtsbezirkeDelsberg,Ajoie undFreiberge vom Kanton Bern der neue Kanton Jura gegründet. Mit dem 2026 vollzogenen Kantonswechsel der GemeindeMoutier von Bern zum Jura wurde ein weiterer Aspekt der Jurafrage abgeschlossen.
Die Armee konnte in der Schweiz bis in die 1990er-Jahre eine bedeutende gesellschaftliche Stellung behaupten, da durch ihren Aufbau alsMilizarmee eine starke Verflechtung von zivilen und militärischen Führungskadern gegeben war. Bereits in den 1970er-Jahren und verstärkt anlässlich derGSoA-Armeeabschaffungsinitiative 1989 kam es zu Spannungen zwischen Traditionalisten und Kritikern um die Rolle der Armee in der Gesellschaft. Seit dem Ende des Kalten Krieges nahm der Einfluss der Schweizer Armee auf die Zivilgesellschaft stark ab.
Von 2014 bis 2021 fanden Verhandlungen für einRahmenabkommen EU-Schweiz statt. Als Ergebnis wurde im November 2018 ein Vertragsentwurf vorgelegt,[238][239] der jedoch nicht umgesetzt wurde. Im Mai 2021 wurden die Verhandlungen von der Schweiz ergebnislos abgebrochen.
Wegen derCovid-19-Pandemie erklärte der Bundesrat die «besondere Lage» nachEpidemiengesetz mit Wirkung ab 28. Februar 2020. Sie wurde ab 16. März 2020 durch die «ausserordentliche Lage» abgelöst, die bis am 19. Juni 2020 galt.[240] Die ausserordentliche Lage gab dem Bundesrat die Befugnis, mitNotrecht zu regieren. Es war das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass der Bundesrat längere Zeit von dieser Möglichkeit Gebrauch machte. Die Bundesversammlung beschloss mit demCovid-19-Gesetz vom 25. September 2020 die notwendige gesetzliche Grundlage für die Notverordnungen des Bundesrates und beendete damit die Anwendung des Notrechts.
DieUNO-Generalversammlung wählte am 9. Juni 2022 die Schweiz mit 187 von 190 gültigen Stimmen als eines von zehn nichtständigen Mitgliedern in denUNO-Sicherheitsrat. Das zweijährige Mandat dauert vom 1. Januar 2023 bis zum 31. Dezember 2024. Alle grossen Parteien befürworteten die Kandidatur, mit Ausnahme derSVP. Sie äusserte Bedenken wegen derNeutralität.[241][242]
Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse der Schweizer Geschichte
Reihenfolge des Eintritts der Kantone in die Eidgenossenschaft
Der Landesname «Schweiz» ist sprachgeschichtlich identisch mit dem Orts- und Kantonsnamen «Schwyz» (vgl.dort). In den Kriegen der alten Eidgenossen gegen die Habsburger spielten die Schwyzer Truppen eine wichtige Rolle. Die Schwyzer hatten zudem eine grosse Bedeutung für das europäische Söldnergeschäft. Nach derSchlacht bei Sempach von 1386 wurde der Name «Swiz» oder «Sweiz» legendär: Die deutschen Chronisten bezeichneten nun alle Eidgenossen so. Das erste schriftliche Zeugnis dafür stellt ein Rechtsdokument des KönigsSigismund aus dem Jahr 1415 dar, in dem von «Schweizern» die Rede ist.[243]
Die Mitglieder der Eidgenossenschaft benutzten diesen Sammelnamen ab demSchwabenkrieg von 1499, als die als «Schweizer» beschimpften Eidgenossen in trotzigem Stolz anfingen, sich selbst so zu bezeichnen. Offiziell benutzten sie weiterhin den – sachlich zutreffenderen – Begriff «Eidgenossen». Erst im 18. Jahrhundert begann der ChronistJohannes von Müller damit, die Eidgenossen als «schweizerische Eidgenossen» zu bezeichnen. 1803 wurde dieser Begriff in derMediationsverfassung erstmals amtlich gebraucht.
Der lateinische Name der Schweiz,Confoederatio Helvetica, nimmt Bezug auf den antiken keltischen Stamm derHelvetier, der im Schweizer Mittelland und in Teilen Süddeutschlands siedelte.
Nach dem Ende derAlten Eidgenossenschaft 1798 wurde das neue Schweizer Staatswesen gemäss der gängigen Praxis bei der Namensgebung für französische Tochterrepubliken «Helvetische Republik» genannt. Bei der Neukonstituierung der Schweiz als Staatenbund 1803 wich man jedoch auf die Bezeichnung «Schweizerische Eidgenossenschaft» aus, um sich von der politisch instabilen und zentralistischen Helvetischen Republik abzugrenzen. Der AusdruckConfoederatio Helvetica wurde nach der Schaffung des Bundesstaates 1848 eingeführt. Er findet sich seit 1879 auf Münzen sowie seit 1948 auf dem Siegel der Eidgenossenschaft[244] und liegt dem Landeskürzel «CH» zugrunde.
Inirischer(an Eilvéis),griechischer (Ελβετία,translit. Elvetia) undrumänischer Sprache(Elveţia) wird der Ausdruck «Helvetia» ebenfalls verwendet, imItalienischen ist als Adjektivelvetico (fürschweizerisch) gebräuchlich. In derBundesverfassung von 1848 wurde der Landesname offiziell mitSchweizerische Eidgenossenschaft festgelegt.
Der Apfelschuss, Fresko vonErnst Stückelberg in der TellskapelleKonrad Grob:Der Heldentod Arnold von Winkelrieds bei der Schlacht von Sempach
DieNationalmythen der Schweiz sind eine Reihe vonpolitischen Mythen undLegenden, die das schweizerischeNationalbewusstsein prägten und durch ihre Identifikationsfunktion entscheidend zum nationalen Zusammenhalt, insbesondere nach der Gründung des Bundesstaates 1848, beitrugen. Zu den Nationalmythen zählen unter anderem die nachfolgenden Personen und Ereignisse:[245]
Rütlischwur: Der Legende nach schlossen Vertreter von Uri (Walter Fürst), Schwyz (Werner Stauffacher) undUnterwalden (Arnold von Melchtal) auf demRütli, einer Wiese amVierwaldstättersee, per Eid einen gegen dieHabsburger «bösen Vögte» gerichteten Bund. Diese Geschichte einer ersten Verschwörung vermischte sich ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit der Vorstellung, der Bund sei schriftlich gefasst und besiegelt gewesen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine auf Anfang August 1291 datierte Urkunde vomBundesrat als «Bundesbrief von 1291» in den Rang eines «Gründungsdokuments» der Eidgenossenschaft erhoben.
Helvetia: Seit dem 17. Jahrhundert versinnbildlicht Helvetia, eineallegorische Frauenfigur, die Schweiz. Sie gilt als die Identifikationsfigur der Eidgenossenschaft. Noch heute befindet sich das Bildnis der Helvetia auf den Münzen zu½,1 und2Franken.[247]
Arnold Winkelried: Am 9. Juli 1386 soll der Legende nach Arnold Winkelried bei derSchlacht von Sempach ein Bündel Lanzen derhabsburgischen Ritter gepackt und, sich selbst aufspiessend, den Eidgenossen eine Bresche geöffnet haben. Diese aufopferungsvolle Tat soll der Schlüssel zum eidgenössischen Sieg gegen die Habsburger gewesen sein. Zuvor soll er noch die Worte «Sorget für mein Weib und Kind» gesagt haben. Die erste Erwähnung eines derartigen Helden, allerdings noch ohne Namen, erfolgte erst 1476 in derZürcher Chronik.[248]
Stauffacherin: Gertrud Stauffacher, in Friedrich SchillersWilhelm Tell die Ehefrau des LandammannsWerner Stauffacher, Symbolfigur der kühnen und energischen Schweizerin.[249]
Kappeler Milchsuppe: ImErsten Kappelerkrieg Ende Juni 1529 marschierten die Zürcher Truppen gegen dieInnerschweizerKantone. Dank der Vermittlung durch die neutralen Orte konnte ein Bruderkrieg unter den Eidgenossen verhindert werden. Während der Verhandlungen kam es der Legende nach zwischen den beiden Heeren zuFraternisierungserscheinungen. Die Soldaten kochten und assen, genau auf der Grenze zwischen den beiden Kantonen, gemeinsam eineMilchsuppe. Das gemeinsame Mahl hat für die Identitätsfindung der Schweiz einen grossen Symbolwert.[250]
Die Politik der Schweiz ist durch das Selbstverständnis alsWillensnation geprägt – dienationale Identität basiert nicht auf einer gemeinsamen Sprache und Kultur, sondern unter anderem auf der gemeinsamen Geschichte, gemeinsamenMythen, derfreiheitlichen,basisdemokratischen undföderalistischen Tradition sowie zum Teil auf dem Gefühl, als neutraler und mehrsprachiger, auf sich selbst gestellter «Kleinstaat» in Europa einen «Sonderfall» zu bilden. Es liegt einDirektorialsystem vor.
Diese Voraussetzungen haben sich in einem in seiner Gesamtheit einzigartigen politischen System niedergeschlagen, in dem der Föderalismus, erweitertepolitische Volksrechte respektive Elemente derdirekten Demokratie, die aussenpolitischeNeutralität und innenpolitischerKonsens im Vordergrund stehen.
Die Schweiz ist ein republikanisch verfassterBundesstaat. Sie unterscheidet sich von anderen Republiken durch
Elemente derdirekten Demokratie: Das Volk kann überInitiativen undReferenden direkten Einfluss auf die Regierungstätigkeit nehmen. In zwei Kantonen, Appenzell Innerrhoden und Glarus, besteht eine Urform der Schweizer Basisdemokratie: dieLandsgemeinde.
den ausgeprägtenFöderalismus: Die Kantone sind neben dem Volk der Verfassungsgeber des Bundes und behalten alle Aufgaben, die in der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft nicht explizit dem Bund zugeordnet werden. Ausserdem starke Beteiligung der Kantone in allen Phasen der politischen Willensbildung (Vernehmlassung,Ständerat,Ständemehr)
DieLegislative (Bundesversammlung) besteht aus zwei Kammern, demNationalrat mit 200 Mitgliedern als Vertreter des Volks sowie demStänderat mit 46 Mitgliedern als Vertreter der Kantone. Das Schweizer Parlament ist ein sogenanntesMilizparlament: Die National- und Ständeräte üben ihr Mandat (wenigstens nominell) nebenberuflich aus. Die Erneuerungswahlen finden alle vier Jahre statt (→ Schweizer Parlamentswahlen 2023).[251]
DieExekutive ist derBundesrat mit der Verwaltung. Er besteht aus sieben gleichberechtigten Mitgliedern (Kollegialitätsprinzip), den sogenannten «Bundesräten» (Ministern), die je einemDepartement (Ministerium) derBundesverwaltung vorstehen. Die Bundesräte werden vomParlament gewählt. Für jeweils ein Jahr wird ein Mitglied des Bundesrates von der Bundesversammlung zumBundespräsidenten gewählt. Er leitet die Sitzungen des Bundesrates und nimmt repräsentative Aufgaben im In- und Ausland wahr. Der Bundespräsident hat keine Vorrechte gegenüber dem Restbundesrat. Für gewöhnlich rotiert der Vorsitz auf Grundlage des Amtsalters, die eigentliche Wahl gilt allgemein als Formsache zu dessen Bestätigung; eine Ablehnung durch das Parlament ist dabei allerdings theoretisch möglich. Der Bundespräsident wird während dieses Jahres in der Öffentlichkeit in der Regel alsHerr Bundespräsident respektiveFrau Bundespräsidentin angesprochen, nicht mehr alsHerr Bundesrat respektiveFrau Bundesrätin. Während des Präsidialjahres nimmt ein Bundesrat seine üblichen Regierungsaufgaben voll wahr.
Die Reihenfolge der einzelnen Bundesräte ergibt sich wie folgt: Der Bundespräsident oder die Bundespräsidentin steht zuoberst der Rangliste, danach folgt der Vizepräsident oder die Vizepräsidentin. Danach folgen die Bundesräte in der Reihenfolge des Amtsalters zur Wiederwahl gemässAnciennitätsprinzip.[253]
Im Rahmen derBundesratswahl 2023 hat dieVereinigte Bundesversammlung am 13. Dezember 2023 die sieben Bundesräte und den Bundeskanzler gewählt. Dabei wurden sechs der bisherigen Bundesräte wiedergewählt und einer neugewählt,Beat Jans wurde fürAlain Berset gewählt. Am 1. April 2025 wurdeViola Amherd durchMartin Pfister ersetzt. Die Zusammensetzung des Bundesrates mit Parteizugehörigkeit und Verteilung der Departemente lautet seit 1. April 2025 wie folgt:
Öffentliche Haushalte insgesamt (Bund, Kantone und Gemeinden)
Dieöffentlichen Haushalte zusammengenommen umfassten 2019 Ausgaben von 224,876 Milliarden Franken, 2021, mit ausserordentlichen Ausgaben für die Covid-19-Pandemie, 249,530 Milliarden Franken; dem standen 2019 Einnahmen von 232,389 Milliarden Franken gegenüber, 2021 242,820 Milliarden Franken. Daraus ergibt sich für 2019 einHaushaltsüberschuss in Höhe von 1,3 Prozent desBruttoinlandprodukts, 2021 ein Defizit von −0,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts.DieStaatsverschuldung betrug 2019 nachMaastricht-Kriterien 25,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts, 2021 27,6 Prozent.
2020 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des Bruttoinlandprodukts) im Bereichsoziale Sicherheit 16,1 Prozent, im BereichBildung 5,3 Prozent, im BereichGesundheit 2,6 Prozent und im BereichVerteidigung 0,9 Prozent.[262]
Bund
Zinsen zehnjähriger Staatsanleihen
2022 verzeichnete der Bund Einnahmen (Erträge) von rund 77 Milliarden Franken. Die wichtigste Einnahmequelle war diedirekte Bundessteuer mit 34 Prozent, danach folgen dieMehrwertsteuer (drei verschiedene Sätze) mit 32 Prozent, dieMineralölsteuer (6 Prozent), dieVerrechnungssteuer (5 Prozent), dieTabaksteuer (3 Prozent), dieStempelabgaben (3 Prozent), weitere Fiskaleinnahmen (9 Prozent) und nichtfiskalische Einnahmen (5 Prozent), sowie ausserordentliche Einnahmen (2 Prozent).[12]
Der Bund tätigte im Jahr 2022 Ausgaben (Aufwendungen) in Höhe von rund 81 Milliarden Franken für folgende Sektoren: sozialeWohlfahrt (33 Prozent), Finanzen und Steuern (14 Prozent), Verkehr (13 Prozent), Bildung und Forschung (10 Prozent), Sicherheit (8 Prozent), Landwirtschaft und Ernährung (5 Prozent), Beziehungen zum Ausland (5 Prozent), Wirtschaft (3 Prozent), sowie sonstige Ausgaben (10 Prozent).[12]
Für das Jahr 2026 sieht der Bund imVoranschlag des Haushalts Einnahmen von 90 Milliarden Franken vor.[263] Die mit Abstand zwei grössten Posten nehmen hierbei die Bereiche «Direkte Bundessteuer und Ergänzungssteuer» mit 34,3 Milliarden Franken (38,1 Prozent) und «Mehrwertsteuer» mit 28,1 Milliarden Franken (31,2 Prozent) ein. Demgegenüber sind im Voranschlag für 2026 Ausgaben von 90,8 Milliarden Franken vorgesehen.[264] Mit 31,7 Milliarden Franken (34,9 Prozent) ist der Bereich «soziale Wohlfahrt» der mit Abstand grösste Ausgabeposten.
Durch die seit 2003[12] in der Verfassung verankerteSchuldenbremse soll der Bund verpflichtet werden, Einnahmen und Ausgaben über denKonjunkturzyklus hinweg im Gleichgewicht zu halten.
Von der Bewertungsagentur für KreditwürdigkeitStandard & Poor’s werden dieStaatsanleihen der Schweiz bereits seit dem Jahre 1989 unverändert mit der Bestnote «AAA» bewertet (Stand 2018).[265] Die langfristigen Zinsen für Schweizer Staatsanleihen sind im internationalen Vergleich sehr gering (siehe Grafik).
Die Schweiz hat viele nationale, regionale und lokale politische Parteien.[266] Die Organisation und Finanzierung der Parteien ist gesetzlich weitgehend nicht geregelt.
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Karte der wählerstärksten Parteien je Gemeinde (Parlamentswahl 2019)
Karte der wählerstärksten Parteien je Kanton (Parlamentswahl 2023)
Laut einer Meinungsumfrage derGesellschaft für Konsumforschung GfK aus dem Jahr 2016 haben 19 Prozent der Schweizer Vertrauen in ihre Politiker. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen ist das zwar ein geringer Wert, doch das Vertrauen ist wesentlich höher als im westeuropäischen Durchschnitt mit 13 Prozent.[267]
Die unten stehende Tabelle führt die 26 Kantone mit ihren Eckdaten auf. Dabei sind die Kantone in der Reihenfolge, wie sie in derBundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft aufgeführt werden, sortiert. Die Einwohnerzahlen datieren auf den 30. September 2025, die Ausländeranteile auf den 30. September 2025 und die Arbeitslosenquoten auf den 31. Januar 2026.
Herisau ist Sitz der Regierung und des Parlaments desKantons Appenzell Ausserrhoden, der Sitz der kantonalen Gerichte istTrogen. Die frühereLandsgemeinde wurde abwechslungsweise in Trogen undHundwil abgehalten. Appenzell Ausserrhoden hat daher keinen offiziell festgelegten Hauptort.
DieKantonsregierungen werden – je nach Kanton – alsRegierungsrat, Regierung, Staatsrat, Standeskommission, Conseil exécutif, Conseil d’État (beide französisch),Consiglio di Stato (italienisch) oderRegenza Governo (rätoromanisch) bezeichnet. DieKantonsparlamente sind alsEinkammernparlamente organisiert und heissenKantonsrat, Grosser Rat, Landrat, Grand Conseil (französisch),Gran Consiglio (italienisch) oderCussegl grond (rätoromanisch).
Die administrative Ebene zwischen Kanton undGemeinde wird – soweit überhaupt vorkommend – in den meisten Kantonen alsBezirk bezeichnet, in manchen Kantonen alsVerwaltungsregion, Verwaltungskreis, Wahlkreis, Amtei, Amt, im französischsprachigen Landesteildistrict, im italienischen Landesteildistretto, im rätoromanischen Landesteildistricts.[271]
Büsingen am Hochrhein undCampione d’Italia sindEnklaven in der Schweiz. Die deutsche Gemeinde Büsingen ist nördlich des Rheins vom Kanton Schaffhausen umgeben, südlich davon grenzt sie an die Kantone Zürich und Thurgau. Das italienische Campione, bekannt für sein Spielcasino, liegt amLuganersee innerhalb des Kantons Tessin. Zollrechtlich sind beide Enklaven seit dem 1. Januar 2020 unterschiedlich zu behandeln. Während Büsingen Teil desSchweizer Zollgebiets ist, ist Campione dies seit dem 1. Januar 2020 nicht mehr. Stattdessen gehört die Gemeinde seitdem zumZollgebiet der Union.[272]
Lange Zeitfunktionale Enklave war das italienischeLivigno. Seit der Errichtung einer Passstrasse ist Livigno auch von Italien aus zu erreichen. Um das Leben in der dennoch abgeschiedenen Lage attraktiver zu machen, ist die Gemeinde heute ein italienischesZollausschlussgebiet, nachdem sie zuvor dem Schweizer Zollgebiet angehörte.
Die GemeindeSamnaun war lange Zeit einefunktionale Exklave, da die einzige Zufahrtsstrasse bis 1912 über österreichisches Hoheitsgebiet führte. Heute ist die Gemeinde ein Schweizer Zollausschlussgebiet.
Die Schweiz versteht sich als aussenpolitisch neutral, d. h. sie beteiligt sich nicht an Kriegen zwischen Staaten. Die Neutralität der Schweiz wurde 1815 amWiener Kongress anerkannt. Sie ist dauernd und bewaffnet und auch heute noch international ausdrücklich anerkannt.
Das Verhältnis zwischen der Schweiz und demFürstentum Liechtenstein wird seit 1923 durch einen Zollvertrag (amtlich: «Vertrag zwischen der Schweiz und Liechtenstein über den Anschluss des Fürstentums Liechtenstein an das schweizerische Zollgebiet») geregelt.[276]
Nachdem Österreich denErsten Weltkrieg verloren hatte und die österreichische Monarchie zusammengebrochen war, lösteFürst Johann 000002II. 1919 den Zollvertrag von 1852 mit Österreich auf und suchte die Nähe zur Schweiz. Seit der Unterzeichnung des Zollvertrags mit der Schweiz im Jahre 1923 gehört das Fürstentum zumSchweizer Zollgebiet, und die Landeswährung ist derSchweizer Franken. Einen offiziellen Währungsvertrag mit der Schweiz schloss Liechtenstein jedoch erst am 19. Juni 1980 ab.[277] Der Zollvertrag garantiert weiterhindie vollen souveränen Hoheitsrechte Seiner Durchlaucht des Fürsten von Liechtenstein. Durch den Vertrag herrscht bis heute eine enge Partnerschaft zwischen den beiden Staaten.[278]
Die Guten Dienste der Schweiz
In der Schweizer Aussenpolitik haben dieGuten Dienste[279] eine lange Tradition. Sie spielen neben denSchutzmachtmandaten eine zentrale Rolle in der schweizerischen Friedenspolitik. Die Guten Dienste der Schweiz beschränken sich heute nicht nur darauf, dass die Schweiz Konfliktparteien ihr Territorium als Verhandlungsort zur Verfügung stellt («Hotelier-Funktion»), sondern sie bietet sich auch als Vermittlerin an (Konfliktmediation).[280]
Die Wahrung fremder Interessen alsSchutzmacht ist ein klassisches Element der Guten Dienste und historisch gesehen für die Schweiz von grosser Bedeutung.
Die Anfänge der schweizerischen Schutzmachttradition reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die Eidgenossenschaft vertrat imDeutsch-Französischen Krieg von 1870 und 1871 die Interessen desKönigreichs Bayern und desGrossherzogtums Baden inFrankreich. Den Grundstein ihrer Reputation als die bedeutendste und wichtigste Schutzmacht der Welt legte die Schweiz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So übernahm die Schweiz während desErsten Weltkriegs 36 Mandate zur Interessenvertretung. Die Schutzmachttätigkeit der Schweiz erreichte imZweiten Weltkrieg 1943/44 mit 219 Mandaten für 35 Staaten ihren Höhepunkt. Nach Beendigung der Kriegshandlungen ging die Zahl der Mandate rasch wieder zurück. Während desKalten Krieges nutzten mehrere Länder wieder die Interessenvertretung durch die Schweiz. Die Schweiz ist vor Schweden und Österreich das bedeutendste Land für Schutzmachtmandate und verfügte zwischen 1966 und 1974 meist über mehr als 20 Mandate.[281] Die wichtigsten Gründe dafür sind die grosse Erfahrung, die neutrale Haltung sowie das ausgedehnte diplomatische Vertretungsnetz.
Die Schweiz nimmt zurzeit (Stand März 2025) acht diplomatische Mandate wahr:[282]
Vereinigte Staaten im Iran (seit 1980): Umfassendes Mandat, das auf dieGeiselnahme von Teheran in den Jahren 1979 bis 1981 und den daraus resultierenden Abbruch der diplomatischen Beziehungen zurückgeht.
Iran in Ägypten (seit 1979)
Iran in Kanada (seit 2019)
Russland in Georgien (seit 13. Dezember 2008)
Georgien in Russland (seit 12. Januar 2009)
Mexiko in Ecuador (seit Juni 2024), nach der Stürmung der mexikanischen Botschaft.[283]
Ecuador in Mexiko (seit Juni 2024)
Ecuador in Venezuela (seit Dezember 2024)
Nur die Interessenvertretung der Vereinigten Staaten im Iran ist ein umfassendes Mandat. Die übrigen Mandate sind eher formeller Natur.[284]
NachdemKuba und dieVereinigten Staaten 2015 wieder direkte diplomatische Beziehungen aufgenommen hatten, erlosch im Juli 2015 nach 54 Jahren das Schutzmachtmandat der Schweiz für die Vereinigten Staaten inHavanna.[285]
Sicherheit
Gemäss demWeltfriedens-Index belegte die Schweiz 2025 auf der Rangliste der sichersten Länder der Welt den vierten von 163 Plätzen (nach Island, Irland, Neuseeland und Österreich).[286]
DieSchweizer Armee[287] ist die bewaffneteStreitmacht der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Sie besteht aus den TeilstreitkräftenHeer undLuftwaffe. Das jährliche Budget beträgt für 2025 rund 6,3 Milliarden Franken, bis 2028 soll es auf 7,4 Milliarden Franken wachsen. Bis 2032 ist eine Steigerung auf 1 % des BIP beabsichtigt.[288]
Die Besonderheit der Schweizer Streitkräfte ist ihrMilizsystem. Berufs- undZeitmilitär machen nur etwa 5 Prozent der Armeeangehörigen aus; alle übrigen sindwehrpflichtige Bürger im Alter zwischen 20 und 34 (in speziellen Fällen bis 50) Jahren. Schweizer Bürgern ist es verboten, in einer fremden Armee zu dienen. Davon ausgenommen ist dieSchweizergarde desVatikans, da sie von der Schweiz lediglich als Sicherheitsdienst angesehen wird.
Im Rahmen des Milizsystems bewahren die Angehörigen der Armee ihre persönliche Ausrüstung inklusive persönlicher Waffe (bis 2008 inklusiveTaschenmunition) zu Hause auf. Im Zusammenhang mit den Eigenheiten des Milizsystems entstand die früher übliche Redewendung «Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee». Militärdienstpflichtig sind alle männlichen Schweizer Bürger. Frauen können sich freiwillig für den Militärdienst melden, und für sie gelten seit 2007 dieselben körperlichen Anforderungen wie für Männer.[289] Jährlich werden ca. 20'000 Personen inRekrutenschulen von 18 oder 21 Wochen Dauer zu Soldaten ausgebildet. DieMilitärdienstuntauglichen leisten Dienst imZivilschutz und zahlen überdies eine jährlicheMilitärpflichtersatzsteuer.Militärdienstverweigerer haben die Möglichkeit,Zivildienst[290] (→ Zivildienst in der Schweiz) zu leisten, sofern sieGewissensgründe geltend machen und bereit sind, alsTatbeweis anderthalb so viele Diensttage wie Soldaten zu absolvieren. Dienstverweigerung aus anderen (etwa politischen oder persönlichen) Gründen führt zwingend zu einemmilitärgerichtlichen Verfahren.
Mit der Reform «Armee 000021XXI» – per Volksabstimmung im Jahre 2003 angenommen – wird die im vorangehenden Leitbild «Armee 95» vorgesehene Mannschaftsstärke von 400'000 auf ca. 200'000 reduziert. Davon sind 120'000 in aktive Verbände und 80'000 in Reserveeinheiten eingeteilt.
Insgesamt fanden dreiGeneralmobilmachungen (GMob; auch Kriegsmobilmachung, KMob) zum Schutze der Integrität und der Neutralität der Schweiz statt. Die erste GMob fand anlässlich desDeutsch-Französischen Krieges von 1870/71 statt. Als Reaktion auf den Ausbruch desErsten Weltkriegs und um einen deutschen oder französischen Durchmarsch durch die Schweiz zu verhindern, wurde auf den 3. August 1914 die erneute GMob der Armee beschlossen. Die dritte GMob der Armee fand am 1. September 1939 als Reaktion auf den deutschen Überfall auf Polen statt.Henri Guisan wurde zumGeneral gewählt und entwickelte sich in den Kriegsjahren zur Hauptintegrationsfigur der von denAchsenmächten eingeschlossenen Eidgenossenschaft.
Da sich die militärische Bedrohungslage im heutigen Europa für die Schweiz geändert hat, wird die Armee wiederholt in Frage gestellt. Besonders dieGruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) setzt sich seit Jahren für eine Abschaffung ein – bislang jedoch erfolglos: zwei Abstimmungen zur Abschaffung der Armee wurden vom Volk deutlich verworfen. Auch die Frage, ob friedenserhaltende Armeeeinsätze im Ausland mit der Neutralität vereinbar sind, ist umstritten.
Der 1934 gegründete Zivilschutz[293] untersteht demEidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Er kümmert sich im Katastrophenfall als Einsatzmittel der zweiten Staffel (nach Feuerwehr, Polizei und Gesundheitswesen/Rettungsdienst, vor Armeeangehörigen) um den Schutz, die Betreuung und Unterstützung der zivilen Bevölkerung. Ausserdem kümmert sich der Zivilschutz um den Schutz von Kulturgütern, unterstützt die Führungsorgane auf kommunaler und regionaler Ebene und setzt Infrastrukturen wieder instand.
Der seit dem 1. Januar 2010 existierende Schweizer Nachrichtendienst NDB[294] ging aus der Zusammenführung des Dienstes für Analyse und Prävention DAP und des Strategischen Nachrichtendienstes SND hervor. Der NDB ist direkt dem Chef desDepartements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS unterstellt.Der Nachrichtendienst beschafft Informationen mit nachrichten- respektive geheimdienstlichen Mitteln und analysiert und wertet diese mit dem Ziel aus, eine führungsrelevante Nachrichtenlage für Entscheidungsträger aller Stufen zu erstellen. Mit seinen operativen und präventiven Leistungen trägt der NDB direkt zum Schutz der Schweiz bei.[295]
Die Schweiz beteiligt sich am französischenSpionagesystemComposante Spatiale Optique, da sie keine eigenen Satelliten unterhält. Der Rahmenvertrag wurde 2023 unterzeichnet, die Nutzung ist ab Ende 2025 vorgesehen.[296]
Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG wurde am 1. Januar 2021 durch Zusammenführung und Reorganisation vonGrenzwachtkorps undEidgenössischer Zollverwaltung EZV gebildet. Es ist für Zollfragen und Grenzsicherheit zuständig.
Die Polizeihoheit[297] liegt in der Schweiz bei den Kantonen. Für die Durchsetzung der polizeilichen Gewalt hat jeder Kanton seine eigeneKantonspolizei. In einigen Kantonen wird die polizeiliche Grundversorgung durchStadt-/Gemeindepolizeien erbracht, so zum Beispiel durch dieStadtpolizei Zürich. Die jeweilige Kantonspolizei ist auch für die Sicherheit auf den auf ihrem Kantonsgebiet befindlichen Flughäfen verantwortlich. DasBundesamt für Polizei fedpol ist für die Koordination zwischen den Kantonspolizeien wie auch für die ausländischen Polizeistellen zuständig.
Die allgemeingültige Notrufnummer der Polizei lautet in der Schweiz117. Beim Wählen derEuropäischen Notrufnummer112 wird automatisch die Verbindung zur Einsatzzentrale der zuständigen Kantonspolizei hergestellt.
In den meisten Kantonen besteht für erwachsene Männer und teilweise auch Frauen eineFeuerwehrpflicht. Eine Feuerwehr[298] zu organisieren, ist in erster Linie Aufgabe der Gemeinden. Allerdings werden Ortsfeuerwehren zunehmend regional fusioniert. Die Feuerwehr in der Schweiz ist über die Notrufnummer118 erreichbar.
Im Jahr 2019 waren in derFeuerwehr 1'185Berufs- und rund 80'110freiwillige Feuerwehrleute organisiert, die in 1'272 Feuerwachen undFeuerwehrhäusern tätig sind.[299] Der Frauenanteil beträgt neun Prozent.[300] Die schweizerischen Feuerwehren wurden im selben Jahr zu 70'939 Einsätzen alarmiert, dabei waren 12'935Brände zu löschen.[301] Der Schweizerische Feuerwehrverband repräsentiert die Feuerwehren der Schweiz im WeltfeuerwehrverbandCTIF.[302]
DieSchweizerische Rettungsflugwacht (Rega) ist eine selbständige und gemeinnützige privateStiftung und in der Schweiz für dieLuftrettung zuständig. Sie arbeitet eng mit den Blaulichtorganisationen Polizei, Feuerwehr und Sanität zusammen. Für alpine Rettungs- und Bergungseinsätze ist die Rega enge Partnerin desSchweizerischen Alpen-Clubs SAC. Im Kanton Wallis ist nicht die Rega, sondern sindAir-Glaciers undAir Zermatt für die Luftrettung zuständig. Die Rega ist in der Schweiz über die Notrufnummer1414 erreichbar.
Die Schweiz ist ein gut ausgebauter Sozialstaat.[303] Es existieren mehrere Sozialversicherungen.[304] Diese sindZwangsversicherungen, das heisst, für die Bewohner besteht eine Versicherungspflicht. Die wichtigsten Sozialversicherungen sind:
Die staatliche Rentenversicherung AHV, die berufliche Vorsorge (Pensionskasse) wie auch die private Vorsorge werden zusammen alsDrei-Säulen-System bezeichnet. Für Erwerbstätige ist eine berufliche Vorsorge, diePensionskasse, obligatorisch. Diese wird privatwirtschaftlich geregelt und ist Sache des Arbeitgebers. Freiwillig ist dagegen dieprivate Vorsorge in Form von zum BeispielLebensversicherungen. Diese werden bis zu einer bestimmten Grenze steuerlich gefördert.
Daneben gibt es dieErwerbsersatzordnung, sodass Militärdienstpflichtige während der Ausübung militärischer Pflichten ein Taggeld bekommen. Obligatorisch ist auch dieArbeitslosenversicherung.
Entwicklung der Lebenserwartung gemäss den Vereinten Nationen[305]
Zeitraum
Jahre
Zeitraum
Jahre
1950–1955
69,3
1985–1990
77,2
1955–1960
70,7
1990–1995
77,9
1960–1965
71,6
1995–2000
79,2
1965–1970
72,6
2000–2005
80,5
1970–1975
73,7
2005–2010
81,8
1975–1980
75,2
2010–2015
82,7
1980–1985
76,1
2015–2020
83,6
In der Schweiz istjeder Einwohner – unabhängig von der Staatsangehörigkeit – aufgrund desKrankenversicherungsgesetzes verpflichtet, sich bei einer Krankenkasse seiner Wahl für die Behandlungskosten bei Krankheit zu versichern («Grundversicherung», «obligatorische Krankenpflegeversicherung»). Die Krankenkassen sind in der Schweiz ausschliesslich privatwirtschaftliche Unternehmen. Sie sind gesetzlich verpflichtet, jeden in die Grundversicherung aufzunehmen, der einen entsprechenden Antrag stellt, sofern er im Tätigkeitsgebiet der Kasse seinen Wohnsitz hat. Die Zahlung der Prämie (Mitgliederbeitrag) ist Sache des Versicherten. Es handelt sich dabei um eine Kopfprämie, d. h., die Prämie ist einkommensunabhängig, variiert jedoch von Krankenkasse zu Krankenkasse und von Kanton zu Kanton. Einkommensschwachen Personen werden von staatlicher Seite individuelle Prämienverbilligungen gewährt. Die Finanzierung der staatlichen Krankenhäuser erfolgt einerseits durch Einnahmen aus Behandlungen, andererseits durch Zuschüsse der Kantone oder Gemeinden. Die Finanzierung der Privatkrankenhäuser erfolgt dagegen in der Regel nur aus den Behandlungstaxen, die deshalb markant höher sind als bei den staatlichen Krankenhäusern. Die gesetzliche Grundversicherung deckt deswegen die Behandlung in Privatkliniken nicht.Ambulante Behandlungen dagegen werden von der Grundversicherung in der ganzen Schweiz und bei jedem zugelassenen Leistungserbringer gedeckt. Zahnarztbehandlungen werden von den Krankenkassen nicht getragen, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Mit denMitgliedstaaten der Europäischen Union bestehen Verträge, welche die gegenseitige Übernahme der Behandlung bei Notfällen regeln (Formular E111).
Für Behandlungskosten bei Unfällen ist jeder Angestellte durch dasUnfallversicherungsgesetz UVG obligatorisch versichert. Auch gegen Lohnausfall sind die meisten Angestellten versichert, Ausnahme sind Nichtberufsunfälle für geringfügig Angestellte, mit einem Arbeitspensum von unter acht Stunden bei einem Arbeitgeber. Es gibt einerseits eine selbständige Unfallversicherung des öffentlichen Rechts (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt, kurz SUVA), andererseits bieten auch die meisten privaten Versicherungskonzerne Unfallversicherungen nach UVG an. Die Zuständigkeit, ob SUVA oder Privatversicherung, hängt von dem Wirtschaftszweig des Arbeitgebers ab und wird vom Bundesrat in einer Verordnung geregelt. Unfallträchtigere Wirtschaftszweige wie Bau und Forstwirtschaft sind beispielsweise bei der SUVA versichert. Es ist Sache des Arbeitgebers, alle Angestellten – auch bei Freizeitunfällen – zu versichern. Wer nicht angestellt ist, muss sich bei seiner Krankenkasse für Behandlungskosten bei Unfällen versichern.[306]
Schulsystem
Das Schweizer Bildungssystem (vereinfachte Darstellung)
Das Schulwesen ist überwiegend Sache der Kantone.[307] Die Verantwortung für die obligatorische Schule obliegt den Kantonen. Sie sind allerdings durch die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft verpflichtet, wichtige Ziele und Strukturen landesweit zu harmonisieren (Art. 61a undArt. 62 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft). In den weiterführenden Schulen hat der Bund etwas grössere Kompetenzen. Die Kantone sind jedoch weiterhin für die Ausführung zuständig, und ihnen obliegt die Verantwortung.
Die Volksschule wurde in den vergangenen Jahrzehnten schweizweit weitgehend harmonisiert.[308]
Die Schulpflicht dauert elf Jahre. Bei Beginn der Schulpflicht sind die Kinder in der Regel vier Jahre alt.
Die Primarstufe umfasst einschliesslich zwei Jahre Kindergarten oder der ersten beiden Jahre einer Eingangsstufe (Grundstufe) acht Jahre. Im Kanton Tessin dauert die Primarstufe sieben Jahre (fünf statt sechs JahreScuola elementare), zusätzlich wird zu den zwei obligatorischen Kindergartenjahren ein fakultatives Jahr für Kinder ab drei Jahren angeboten.
Die Sekundarstufe 000001I umfasst drei Jahre, ausser im Kanton Tessin, wo sie vier Jahre dauert(Scuola media). Auf der Sekundarstufe 000001I werden die Schülerinnen und Schüler in allen Fächern oder in einem Teil der Fächer in Leistungsgruppen unterrichtet.
Nach dem Schulobligatorium hat man die Wahl zwischen einer weiterführenden Schule, die zurMatura führt, oder dem Beginn einer Berufsausbildung, einerLehre. Die Lehre wird begleitet von einem regelmässigen Besuch einerBerufsschule (→ Berufsfachschule in der Schweiz). Freiwillig ist der parallele Besuch einerBerufsmittelschule BMS, die mit derBerufsmaturität abgeschlossen wird. Die meisten Schweizer Schüler wählen den Weg einer Lehre. Über die BMS ist der Zugang für ein Studium an einer Fachhochschule möglich. Mit der neuen sogenannten «Passerelle» wird ausserdem, nach Erwerb des Berufsmaturitätszeugnisses (BM-Zeugnis), durch ein zusätzliches Schuljahr und eine Zusatzprüfung der prüfungsfreie Zugang an eine universitäre Hochschule ermöglicht.
In der Schweiz betrug die mittlere Schulbesuchsdauer der über 25-jährigen Bevölkerung 2023 insgesamt 13,9 Jahre und war damit die zweitlängste weltweit, nach Deutschland mit 14,3 Jahren.[309][310]
Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen leben vorwiegend in Städten wie Zürich, Bern, Basel oder rund um den Genfersee. In der Schweiz hat etwa ein Drittel der Bevölkerung einen höheren Schulabschluss. In Zürich sind es 64 Prozent.Die Statistik zeigt, dass Menschen mit höherer Bildung seltener an stark befahrenen Strassen leben, dafür öfter in der Stadt.An grossen Strassen oder an Bahngleisen leben oft mehr Menschen mit tieferem Bildungsniveau.Die StadtLa Chaux-de-Fonds ist besonders auffällig. Früher war sie für ihre Uhren bekannt. Heute ist sie eine der ärmeren Städte der Schweiz, das zeigt sich auch an den Bildungsabschlüssen der Einwohner.[311]
In der Schweiz gibt es eine nationale Menschenrechtsinstitution und eine nationale Kommission zur Verhütung von Folter. Die Kommission besucht Orte des Freiheitsentzugs. In einer Volksabstimmung wurde eine Verfassungsänderung beschlossen, nach der ausländische Staatsangehörige, die wegen bestimmter Straftaten verurteilt werden, unmittelbar in ihre Heimatländer ausgewiesen werden müssen (sieheEidgenössische Volksinitiative «Für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)»). Das Strafrecht enthielt auch weiterhin keine nach internationalem Recht anerkannte Definition von Folter.[313][314]
Amnesty International übte wiederholt Kritik an derAsylpolitik der Schweiz. DerUN-Ausschuss gegen Folter äusserte 2010 seine Besorgnis darüber, dass dasSchweizer Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer gegen dasPrinzip des Non-Refoulement (Abschiebungsverbot) verstossen könne. Das Gesetz erlaubt dieautomatische Ausweisung ausländischer Staatsangehöriger, die als Sicherheitsbedrohung gelten, ohne dass die Betroffenen Rechtsmittel einlegen können. Im gleichen Jahr drückte derUN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte seine Besorgnis darüber aus, dass angesichts unzureichender Einrichtungen für die Aufnahme vonAsylsuchenden Menschen für unbestimmte Zeit in unterirdischen Zivilschutzanlagen untergebracht werden.
Ab Februar 2010 setzte dasBundesverwaltungsgericht die Überstellung von mehreren Asylsuchenden nachGriechenland im Rahmen derDublin-000002II-Verordnung aus, um ein Grundsatzurteil zur Frage der Zulässigkeit dieser Überstellungen nach Griechenland abzuwarten. DasBundesamt für Migration BFM schob dessen ungeachtet im Jahresverlauf 2010 insgesamt 50 Asylsuchende nach Griechenland ab.
Orden und Ehrenzeichen
Die Schweiz und ihre Kantone gelten als eines der wenigen Staatswesen, die keineOrden verleihen.
Verkehr
Die Schweiz hat ein sehr gut ausgebautesVerkehrssystem, sowohl in Bezug auf die Strasse wie auf die Schiene. 2023 betrug dieVerkehrsleistung im Personenverkehr 128,9 MilliardenPersonenkilometer, +26 % gegenüber dem Jahr 2000; der Anteil des öffentlichen Verkehrs lag bei 21 %, 5 Prozentpunkte höher als 2000. DieTransportleistung im Güterverkehr betrug 26,1 MilliardenTonnenkilometer, +11 % seit dem Jahr 2000, mit einem Anteil der Schiene von 38 %, minus 4 Prozentpunkte seit 2000. Die Gesamtkosten des Verkehrs beliefen sich 2022 auf 112,3 Milliarden Franken. 41 % der CO2-Emissionen waren 2022 auf den Verkehrssektor in der Schweiz zurückzuführen, 5 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2000.[315] Der motorisierte Verkehr trägt am meisten zur hohen Belastung durch Ozon bei.[316] Der grösste Teil desPersonenverkehrs in der Schweiz fällt auf den Freizeitverkehr. Das gut ausgebaute öffentliche Verkehrsnetz macht sich dadurch bemerkbar, dass rund ein Fünftel[317] aller Haushalte in der Schweiz nicht über einen eigenenPersonenwagen verfügt. Dieser Anteil steigt in den Städten auf bis zu 57 Prozent,[318] zusätzlich durch den Umstand unterstützt, dass in der SchweizGemeinschaftsautos weit verbreitet sind.
Karte des Bahnnetzes der Schweiz (2017)Lokremise inErstfeld URABe 8/12 «Allegra» der Rhätischen Bahn auf der Berninastrecke auf der Alp da Buond Sur (2140 m ü. M.)
5'317 Kilometer mass das Eisenbahnnetz im Jahr 2020.[321] Die Schweiz hat mit etwa 122 Metern pro Quadratkilometer dasdichtesteEisenbahnnetz der Welt (ausgenommen Kleinststaaten wieVatikanstadt oderMonaco), obwohl zwei Drittel des Landes in sehr gebirgigem Gelände liegen und keinerlei Beitrag zu diesem Rekord leisten. Das Schweizer normalspurige Eisenbahnnetz beträgt 3778 Kilometer und ist komplett elektrifiziert. Die Schmal-, Meter- und Breitspurbahnen haben zusammen eine Länge von 1766 Kilometern, wovon 30 Kilometer (1,7 Prozent) nicht elektrifiziert sind. Die Elektrifizierung erfolgte zu 80 Prozent mit AC (Wechsel- undDrehstrom) und zu 20 Prozent mit DC (Gleichstrom).
Mit einer Strecke von 3265 Kilometern[322] betreiben dieSchweizerischen Bundesbahnen SBB die meisten Eisenbahnlinien. Die SBB befördern jährlich über 300 Millionen Passagiere. Das zweitlängste Streckennetz mit 424 Kilometern[323] betreibt dieBLS AG, worauf gleich die meterspurigeRhätische Bahn mit rund 385 Kilometern[324] folgt, deren Linien ausschliesslich im Kanton Graubünden liegen. Daneben gibt es in der Schweiz weitere 47Privateisenbahngesellschaften. Als Privatbahnen werden in der Schweiz jene Eisenbahnunternehmen bezeichnet, die privatrechtlich organisiert sind, also in der Regel alsAktiengesellschaften nachObligationenrecht. In den meisten Fällen ist der Hauptaktionär die öffentliche Hand. Die öffentliche Hand spielt auch eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des Schienenverkehrs. Bund, Kantone und Gemeinden haben im Jahr 2022 rund 5,6 Milliarden Franken (41 Prozent) der Gesamtkosten von 13,5 Milliarden Franken übernommen; die Bahnnutzenden übernahmen 42 Prozent.[325]
2019 unternahm jeder Schweizer durchschnittlich 74 Bahnfahrten und legte dabei eine Distanz von 2505 Kilometern zurück; damit ist die Schweiz die weltweit führende Bahnfahrernation.[326][327]
Im Rahmen derNeuen Eisenbahn-Alpentransversale NEAT wurden dieGotthard- undLötschberg-Basistunnel erstellt, die der verfassungsmässig vorgeschriebenenVerkehrsumlagerung des Transitverkehrs dienen. Der Lötschberg-Basistunnel wurde mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 für den regulären Personen- und Güterverkehr in Betrieb genommen; der Gotthard-Basistunnel, mit 57 Kilometern längster Tunnel der Welt, folgte am 11. Dezember 2016.[328]
Seit 1990 sind mehrereS-Bahnen (→ S-Bahnen in der Schweiz) entstanden, die mittlerweile einen Grossteil des Schienennahverkehrs bewältigen. Um die Fahrpreise möglichst einfach zu gestalten, wurden flächendeckendeTarifverbünde gegründet.[329]
Der internationaleSchienenpersonenfernverkehr soll verstärkt gefördert werden. Dazu haben dieVerkehrsminister Deutschlands, Frankreichs, Österreichs und der Schweiz im Dezember 2020 einenGrundsatzentscheid gefällt und die vier Staatsbahnen SBB,DB,ÖBB undSNCF eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.[330]
Als Ergänzung zum sehr dichten Schienennetz übernehmen Busse, Trams und Stadtbahnen die Feinerschliessung im öffentlichen Nahverkehr.
Mit Biogas betriebener Gelenkbus in der Berner Altstadt
Bus: Mehrere Dutzend regionale Verkehrsbetriebe befördern Passagiere in den Städten und auf dem Land. Es gibt kaum einen Ort, der nicht an denöffentlichen Verkehr angeschlossen ist; selbst der OrtJuf (Kanton Graubünden), höchstgelegene Siedlung Europas, wird täglich vom öffentlichen Verkehr erschlossen. In den grösseren Städten werden auch elektrisch angetriebeneTrolleybusse eingesetzt. Das gelbePostauto bildet in vielen ländlichen- und Berggebieten das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs.
Tram: Bis in die 1960er-Jahre verkehrten in vielen Städten und Agglomerationen Trams (Strassenbahnen). Der wachsende Strassenverkehr brauchte mehr Platz, und so wurden vielerorts die Trams durch Busse ersetzt. In den fünf Städten Basel, Bern, Genf, Neuenburg und Zürich bestehen noch heute viele Tramlinien. DieStrassenbahn Lausanne soll 2026 mit einer neu gebauten Linie wieder in Betrieb genommen werden.[331]
Stadtbahn: Als Ergänzung zu den S-Bahnen, Bus und Trams wurden in den letzten Jahren mehrereStadtbahnen gebaut oder sind noch in Planung. Die jüngste Stadtbahn ist dieLimmattalbahn bei Zürich.
In der Schweiz verkehrten die ersten Personenautomobile ausgangs des 19. Jahrhunderts, nachdem anlässlich derLandesausstellung 1896 in Genf das Automobil in der Schweiz erstmals vorgeführt worden war.[332] Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte dieMassenmotorisierung ein.[319] Der Grossteil der Bevölkerung im dicht besiedelten Mittelland wohnt inzwischen weniger als 10 Kilometer von der nächstenAutobahn oder Autostrasse entfernt. Eine grosse Fläche der Schweiz mit einem relativ geringen Bevölkerungsanteil ist demgegenüber durchHauptstrassen erschlossen, und schliesslich gibt es im Gebirge verschiedene, im Winter meist gesperrte Verbindungen über Passstrassen (→ Liste der Pässe in der Schweiz) und durch Tunnels (→ Liste der Schweizer Tunnel). Im Jahr 2024 betrug die Gesamtlänge aller Strassen 85'009 Kilometer, wovon 1'549 Kilometer Autobahnen waren[321] und derMotorisierungsgrad (Personenwagen pro 1'000 Einwohner) lag bei 535.[333]
Die Gesamtkosten des motorisierten Strassenverkehrs betrugen 2022 90,0 Milliarden Franken. Daran hatte der private Personenverkehr einen Anteil von 68 %, der öffentliche Personenverkehr 5 %, und der Güterverkehr 26 %. 57 % der Kosten entfielen auf die Anschaffung und den Betrieb der Fahrzeuge. Die Kosten wurden zu 74 % durch die Verkehrsnutzer getragen.[334] Im Jahr 2022 verursachte dermotorisierte Individualverkehr auf der Strasse 17,3 Milliarden Franken anexternen Kosten, was 71 Prozent der gesamten externen Kosten des Personenverkehrs in der Schweiz von 24,4 Milliarden Franken entspricht.[335][336] Im Jahr 2024 wurden auf Schweizer Strassen 17'432 Unfälle mit Personenschaden registriert, woraus 16'721 Leichtverletzte, 3'792 Schwerverletzte und 250Verkehrstote resultierten.[337] Zudem waren im Jahr 2020 mehr als eine Million Menschen von übermässigemStrassenverkehrslärm betroffen.[338][339] Für 2021 wurde eine Zahl von 740'000 Personen genannt, die von massivem Strassenlärm betroffen war.[340] Der Strassenlärm führt jährlich zu externen Kosten von zwei Milliarden Franken.[341] Da die Anzahl an Personenwagen und deren Grösse kontinuierlich zunimmt, nimmt dieEnergieeffizienz desStrassenverkehrs kontinuierlich ab.[342] Im Jahr 2022 wurden 36 Prozent des gesamten Schweizer Energieverbrauchs im Strassenverkehr verbraucht.[343] Seit 2020 ist die Anzahl der neu zugelassenen Personenwagen zurückgegangen, 2024 betrug sie 245'552, davon 46'581 Personenwagen mit ausschliesslich elektrischem Antrieb.[344] Zwischen 2011 und 2019 lagen die Neuzulassungen jeweils über 300'000, mit einem Maximum von 334'045 im Jahr 2012.[345] Dennoch hat sich der Strassenfahrzeugbestand weiter vergrössert: 2024 betrug er 6'503'711, davon 4'796'090 Personenwagen. 2025 waren knapp 252'000 Personenwagen mit ausschliesslich elektrischem Antrieb zugelassen, was einem Anteil von 5,2 % entsprach.[346] Für denArbeitsweg können Pendler einen Steuerabzug geltend machen.[347]
Die Benützung des Schweizer Strassennetzes ist für Personenwagen grundsätzlich unentgeltlich. Für die Benützung der Autobahnen mit weiss-grüner Beschilderung besteht in der Schweiz jedochVignettenpflicht (Klebe- oder E-Vignette) für Personenwagen und Anhänger, die einmalig für ein Jahr zu entrichtendeNationalstrassenabgabe (40 Franken). Gebühren auf einer der Öffentlichkeit zugänglichen Privatstrasse sind eine Ausnahme (bekanntestes Beispiel: der nach Italien führendeTunnel am Grossen St. Bernhard). Für Lastkraftwagen gilt seit dem 1. Januar 2001 dieLeistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe LSVA, die elektronisch erhoben wird und deren Höhe nicht vom Typ der befahrenen Strasse, sondern von der gefahrenen Strecke und von der Emissionskategorie des Fahrzeuges abhängt.[348] Am 28. Februar 2016 wurde in einerVolksabstimmung der Bau einer zweiten Röhre desGotthard-Strassentunnels mit einem Ja-Anteil von 57 Prozent genehmigt. Die neue Tunnelröhre wird wegen der Sanierung des alten Gotthard-Strassentunnels benötigt (→ Eidgenössische Abstimmung über die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels). Ein weiterer Ausbau der Strassen findet nach wie vor statt, unter anderem mit der Erweiterung der AutobahnstreckeLuterbach–Härkingen auf der A1 von vier auf sechs Spuren. Der koordinierte Dachverband der in ihren Interessen homogenen Automobilorganisationen ist seit 1944 der Schweizerische Strassenverkehrsverband (FRS, französischFédération routière suisse), dessen Präsidium vomTouring-Club der Schweiz (TCS) und vomAutomobil-Club der Schweiz (ACS) im Turnus besetzt wird.[349]
Der folgenschwerste Flugunfall in der Schweiz ereignete sich 1973 bei Basel mit demInvicta-International-Airlines-Flug 435, bei dem es zu 108 Todesopfern kam.
Einzige Inlandflugverbindung ist die von Swiss angebotene Strecke Zürich–Genf.
Skyguide, eine privatrechtliche Aktiengesellschaft, kümmert sich im Auftrag desBundesamts für Zivilluftfahrt BAZL, um dieFlugsicherung im SchweizerLuftraum sowie des angrenzenden Luftraumes in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. Im Schweizer Luftraum umfasst dies sowohl die zivile als auch die militärische Flugsicherung.
DerLufttransportdienst des Bundes, der unter anderem auch für die beiden Jets des Bundesrats[357] verantwortlich ist, ist auf dem Flughafen Bern-Belp stationiert.
Die Gesamtkosten des Flugverkehrs betrugen 2022 8,8 Milliarden Franken, das waren 11 % weniger als 2019. 48 % der Kosten betrafen die Verkehrsmittel (Kauf und Betrieb der Flugzeuge). 58 % der Kosten wurden von den Verkehrsnutzenden bezahlt. Die Umwelt- und Gesundheitskosten betrugen 3,7 Milliarden Franken und wurden fast ganz von der Allgemeinheit bezahlt.[358] DasBundesamt für Raumentwicklung ARE beziffert die externen Kosten des Luftverkehrs (Personen- und Frachtverkehr) 2022 auf rund 3,9 Milliarden Franken, was 13 % der externen Kosten des gesamten Verkehrs von etwa 30 Milliarden Franken entspricht.[336]LautGreenpeace wurde der Flugverkehr in der Schweiz 2017 mit 1,7 Milliarden Franken subventioniert, da bei Fluggesellschaften auf dieMineralölsteuer (siehe auchKerosinsteuer) verzichtet wird. Zudem sind Flugtickets von der Mehrwertsteuer befreit.[359]
Im Jahr 2024 wurden imLinien- undBedarfsverkehr 57,8 Millionen Passagiere gezählt, das sind 68 % mehr als im Jahr 2000 und nur noch 1 % weniger als im bisherigen Rekordjahr 2019 mit 58,6 Millionen Passagieren, nach einem Einbruch wegen der Covid-19-Pandemie auf 16,5 Millionen im Jahr 2020. 79 % reisten innerhalb Europas.[360] Mit der übrigen Luftfahrt (Privat- und Sportflugzeuge etc.), die in der Statistik unter der englischen BezeichnungGeneral Aviation (deutschAllgemeine Luftfahrt) geführt wird, kamen 2024 etwa eine halbe Million Passagiere hinzu. Bei den Flugbewegungen (Starts undLandungen) ist jedoch der Anteil der Allgemeinen Luftfahrt doppelt so hoch wie der Anteil des Linien- und Bedarfsverkehrs: rund 919'000 zu 439'000.[361] Statistisch legt jeder Einwohner der Schweiz pro Jahr im Durchschnitt etwa 9000 Kilometer per Flugzeug zurück.[362]
514 Kilometer beträgt die Betriebslänge der öffentlichen Personenschifffahrt einschliesslich Autofähren im Jahr 2020.[321] Die einzigen internationalen Häfen mit Meeresanbindung sind dieSchweizerischen Rheinhäfen, die in und bei Basel amRhein liegen.
Zwei Reedereien betrieben per 1. April 2025 insgesamt elf Hochseeschiffe unter Schweizer Flagge (→ Schweizer Hochseeschifffahrt).[363] Die Schweiz gilt im April 2022 als viertgrösster Reedereistandort Europas,[364] die weltweit grösste ContainerreedereiMediterranean Shipping Company (MSC) hat ihren Sitz in Genf.
Dazu kommen die Häfen der Binnenseen, die neben den Fährbetrieben über denZürichsee, denBodensee und denVierwaldstättersee sowie die Erschliessung der GemeindeQuinten amWalensee einen hohen touristischen Anteil haben.
Einziger Güterverkehr auf den Seen sind normalerweise Kiestransporte mitLedischiffen. Auf den meisten grösseren Seen und Flüssen verkehren, teilweise nur im Sommerhalbjahr, Ausflugsschiffe. Besonders beliebt bei den Fahrgästen sind die restaurierten und unter Denkmalschutz stehendenRaddampfer.
Bedingt durch die Topographie existieren in der Schweiz vieleBerg-,Standseil- undLuftseilbahnen, die hauptsächlich der touristischen Erschliessung dienen und zudem als öffentlicher Verkehr zur Erschliessung von Siedlungen genutzt werden. Die Bahnstation auf demJungfraujoch ist der höchstgelegene Bahnhof Europas, und die Luftseilbahn auf dasKleine Matterhorn ist die höchstgelegene Bahnstation Europas.[365]
Einige Orte im Schweizer Berggebiet sind aufgrund ihrer Lage nicht oder nur teilweise mit einer Strasse erschlossen. Zu den nur per Eisenbahn oder Seilbahn erreichbaren Orten und Feriensiedlungen gehören in der SchweizBelalp,Bettmeralp,Braunwald,Fiescheralp,Gimmelwald,Gspon,Landarenca,Lauchernalp,Mürren,Niederrickenbach,Rasa,Riederalp,Schatzalp,Stoos,Wengen,Wirzweli undZermatt. Für mit dem Personenwagen Anreisende stehen an der jeweils letzten mit dem Personenwagen erreichbaren Bahnstation respektive an der Talstation Parkplätze oder Parkhäuser zur Verfügung, beispielsweise für Mürren und Wengen inLauterbrunnen, für Zermatt inTäsch.
Im Jahr 2015 entfielen in derVerkehrsmittelwahl 37 Prozent aller Wege respektive 6 Prozent aller Personenkilometer in der Schweiz auf denLangsamverkehr.[366] Per Ende 2011 wurde dieVelovignette abgeschafft.[367] Per 1. Januar 2023 trat dasVeloweggesetz in Kraft, welches Bund und Kantone verpflichtet bis Ende 2042 auf ihren Strassen einVelowegnetz zu planen und bauen.[368]
SchweizMobil ist das nationale Netzwerk für den Langsamverkehr, insbesondere für Freizeit und Tourismus. Langsamverkehr ist in der Schweiz der offizielle Oberbegriff für das Wandern, Velofahren, Mountainbiken, Skaten und Kanufahren. Das Projekt wurde 1998 lanciert und besteht aus mehreren Teilen. Die StiftungVeloland Schweiz fördert das Freizeitfahrradfahren in der Schweiz und schuf bis 1998 neunnationale Routen. Weitere Themen sindMountainbikeland Schweiz,Skatingland Schweiz undKanuland Schweiz.[369]
Unter dem NamenWanderland Schweiz sind auch dieWanderwege Teil des Projekts SchweizMobil. Die Schweiz verfügt über ein Netz von Wanderwegen, die insgesamt eine Länge von rund 65'000 Kilometern umfassen.[370] Es werden dabei drei Arten von Wanderwegen unterschieden mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad: gelb markierteWanderwege, weiss-rot-weiss markierteBergwege sowie die weiss-blau-weiss markiertenalpinen Routen. 2017 wurde SchweizMobil ergänzt durch ein einheitlich signalisiertes Winterangebot für Winterwandern, Schneeschuhlaufen, Langlaufen und Schlitteln.[371]
Die Schweiz gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. DasBruttoinlandprodukt in der Schweiz betrug 2024 insgesamt 825,8 Milliarden Franken[372] respektive 865,62 Milliarden Euro.[373] BeimBruttoinlandprodukt pro Kopf nahm das Land 2024 mit 104'681 US-Dollar den vierten Platz ein (hinter Liechtenstein, Luxemburg und Irland).[374] Die Schweiz hatte 2023 laut derZürcher Handelskammer ZHK mit 709'612 US-Dollar pro Erwachsenem das weltweit höchsteDurchschnittsvermögen. Gemäss dem Bundesamt für Statistik BFS betrug 2022 dasReinvermögen aller unbeschränkt Steuerpflichtigen Einwohner in der Schweiz rund 2,29 Billionen Franken.[375]
2020 gingen 5,0 Millionen Menschen in der Schweiz einer Beschäftigung nach. 2,8 Prozent arbeiteten in der Landwirtschaft (Primärsektor), 20,8 Prozent in der Industrie und im Gewerbe (Sekundärsektor) und 76,4 Prozent im Dienstleistungssektor (Tertiärsektor).[376] Per 31. Januar 2026 betrug dieArbeitslosenquote 3,2 Prozent.[270] Das allgemeine Preisniveau ist hoch. Die Lebenshaltungskosten sind die höchsten in Europa und lagen 2015 um 63,3 Prozent über dem Durchschnitt der Europäischen Union.[377] Zürich und Genf galten 2016 als die teuersten Städte der Welt.[378]
Die vier umsatzstärksten Schweizer Firmen waren im Jahr 2022 jene, die mit ausländischem Rohstoffen auf demWeltmarkt handeln. Dieser dienstleistungsbezogeneRohstoffhandel trug vor denSanktionen, die im Zuge desKrieges in der Ukraine gegen Russland im Jahr 2022 eingeführt wurden, deutlich mehr zur Schweizer Wirtschaftsleistung bei, als der Tourismus.[383]
Der Schweizer Franken (kurzFr.,SFr. undCHF) ist die offizielle Währung der Schweiz (und Liechtensteins). Nach dem US-Dollar, Euro, Pfund und Yen gehört der Schweizer Franken zu den wichtigsten kleineren Währungen der Welt.[384][385][386]
DieSchweizerische Nationalbank SNB führt als unabhängigeZentralbank dieGeld- undWährungspolitik der Schweizerischen Eidgenossenschaft und hielt 2013Währungsreserven von 477,4 Milliarden Franken und einen Goldbestand von 35,6 Milliarden Franken. Der Notenumlauf belief sich auf 65,8 Milliarden Franken.[387] Bis Februar 2018 stiegen die Devisenreserven auf 826 Milliarden US-Dollar (779 Milliarden Franken), womit das Land die dritthöchsten Währungsreserven hinter der Volksrepublik China und Japan besitzt.[388]
Karte der Landwirtschaftsflächen je Gemeinde (2016)
Die kleingliedrigen Strukturen, das zum Teil ungünstige Gelände, das hohe Lohnniveau und die strengen Vorschriften (Tierhaltung, Landschaftsschutz) wirken sich negativ auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit aus. Mit zunehmender Öffnung des Agrarmarktes gerät die Schweizer Landwirtschaft unter Druck. DerStrukturwandel von vielen Kleinbetrieben in Berg- und Voralpenregionen hin zu wenigen Grossbetrieben im flachen Mittelland hält seit Jahrzehnten an. Zwischen 2000 und 2011 ging die Zahl der Vollzeitbeschäftigten in der Landwirtschaft um 23'280 zurück und betrug im Jahr 2011 nur noch 72'715 (−24 Prozent). Die Zahl der Betriebe sank ebenfalls um 1,8 Prozent, während die Nutzfläche kaum abnahm. Die Landwirtschaft wird vom Bund mit beträchtlichen Mitteln unterstützt (Subventionen respektive an Auflagen gebundeneDirektzahlungen).[389][390][391][392] Auf etwa 60 Prozent der Ackerfläche werdenFuttermittel angebaut. Insbesondere Geflügel, Schweine (Schweinefleischproduktion in der Schweiz) und Milchkühe sind auf Kraftfutter angewiesen.[393] DerBrutto-Selbstversorgungsgrad lag in den letzten Jahren relativ konstant bei 60 Prozent, rund 40 Prozent der Lebensmittel wurden importiert.[394] Aufgrund von schlechter Witterungmit unterdurchschnittlich tiefen Temperaturen sowieSommernässe und Hagel, sank der Brutto-Selbstversorgungsgrad im Jahr 2021 auf 52 Prozent, derNetto-Selbstversorgungsgrad – unter Einberechnung importierter Futtermittel – auf 45 Prozent.[395]
DerEnergieverbrauch in der Schweiz basiert zum grössten Teil auf dem Import vonfossilen Energieträgern. DieMotorisierungswelle ab den 1950er-Jahren sorgte für eine rasche Verbreitung desErdöls, wessen Anteil am Verbrauch zwischen 1910 und 1939 von einem Prozent auf elf anstieg und zwischen 1990 und 2008 von 64 auf 55 Prozent sank, bevor 2014 ein Wert von 51,5 erreicht wurde.[396][397] 1966 wurde dieRaffinerie Cressier eröffnet, welche direkt an dieSüdeuropäische Pipeline angeschlossen wurde. Dort werden rund ein Viertel der in der Schweiz benötigten Treibstoffe (Benzin und Diesel) hergestellt, der Rest wird von denTankstellenbetreibern importiert.[398] Die 1963 in Betrieb genommeneRaffinerie Collombey hat den Betrieb 2015 eingestellt.
Erdgas
Die Schweizer Erdgashandels- und TransportgesellschaftSwissgas beschafft und transportiertErdgas im Auftrag der vier schweizerischen regionalen Gasverteilgesellschaften. Zwölf Einspeisestellen sind an das europäische Gaspipelinenetz angeschlossen. Die wichtigste Zufuhrleitung ist dieTrans-Europa-Naturgas-Pipeline, die von den Niederlanden nach Italien führt. 2003 waren 781 Gemeinden an das Gasnetz angeschlossen.[399] 2012 stammten 41 Prozent des in der Schweiz verbrauchten Erdgases aus der Europäischen Union, 24 Prozent aus Norwegen und 21 Prozent aus Russland. Die restlichen 12 Prozent stammten aus übrigen Ländern.[400] Im Jahr 2021 stammte 43 Prozent des Gases aus Russland.[401] 2015 lag der Gasanteil am gesamtenEndenergieverbrauch bei 13,5 Prozent.[402] Auch die Regionalgesellschaften importieren eine erhebliche Menge des Gases. 1985 bis 1994 wurde inFinsterwald Erdgas gefördert.[399] Inzwischen werden vermehrtBiogasanlagen gebaut, welche das aufbereitete Gas auch ins Netz einspeisen.
Die Stromerzeugung in der Schweiz basiert aktuell zum Grossteil auf Wasserkraft, gefolgt von Atomenergie
Zur Sicherstellung derBandenergie trägt dieKernenergie im Zehnjahresdurchschnitt 39 Prozent an die inländische Stromproduktion bei, im Winter bis zu 45 Prozent. Die schweizerischen Kernkraftwerke, mit vier Reaktorblöcken an drei Standorten, haben eine Gesamtleistung von 3,095Gigawatt; ihre jährliche Verfügbarkeit liegt bei rund 90 Prozent.[403] Am 21. Mai 2017 stimmte die Schweizer Bevölkerung derEnergiestrategie 2050 mit 58,2 Prozent Ja-Stimmen zu.[404] Dies hat zur Folge, dass der Bau neuer Atomkraftwerke verboten ist. Des Weiteren sollenerneuerbare Energien (unter anderem mit derkostendeckenden Einspeisevergütung) und die effizientere Nutzung von Energie gefördert werden.
29Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA)[410] liefern rund 2 Prozent der Gesamtenergie der Schweiz. Wegen desBiomasseanteils im Kehricht gilt 50 Prozent dieser Energie als erneuerbar.[411] Aufgrund des Konsumverhaltens und des Bevölkerungswachstums können die Betreiber mit überdurchschnittlich hohen Abfallmengen rechnen.[412][413] 2017 fiel gemässEurostat 703 Kilogramm Siedlungsabfall pro Kopf an, wovon 336 Kilogramm verbrannt wurden.[414] Ein flächendeckendes Recycling vonGetränkekartons für die Gewinnung von Sekundärrohstoffen wurde wieder eingestellt, da sich nicht der gesamte Handel an der Sammlung beteiligen wollte.[415][416] Viele dieser KVA gehören zu den grössten CO2-Emittenten in der Schweiz.[417] DasEidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK und der Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen VBSA haben im März 2022 eine Vereinbarung unterzeichnet,[410] wonach alle KVA bis 2050 eineCO2-Abscheidung und -Speicherung umsetzen müssen.[418][419]
Jährlich werden in der Schweiz rund fünf Millionen TonnenZement verbraucht, der 2019 zu 86 Prozent durch die sechs schweizerischen Zementwerke und zu 14 Prozent durch Importe gedeckt wurde.[422] Dieser hohe Selbstversorgungsgrad kann nur beibehalten werden, wenn neue Abbaubewilligungen für die nötigen Zementrohstoffe erteilt werden oder deutlich weniger Zement gebraucht wird.
In der Schweiz wurden zwischen 2018 und 2022 pro Jahr zwischen 4,6 und 5,2 Millionen KubikmeterHolz geerntet,[427] was ca. zwei Dritteln des im Schweizer Wald jährlich nachwachsenden nutzbaren Holzes entspricht. Die Schweiz importiert mehr Holz und Holzprodukte als sie exportiert. Pro Jahr werden rund sechs Millionen Kubikmeter Holz energetisch verwendet, als Karton oder Papier verbraucht, zu Möbeln verarbeitet oder auf dem Bau verwendet.[428]
Sonstiges
Die ökologischen Ressourcen in der Schweiz sind knapp. DieBiokapazität respektive das biologischeNaturkapital pro Kopf ist 40 Prozent kleiner als der Weltdurchschnitt: Im Jahr 2016 hatte die Schweiz 1,0 globale Hektar Biokapazität pro Person, verglichen mit dem Weltdurchschnitt von 1,6 globalen Hektar pro Person. Die Nutzung von Biokapazität und damit der konsumbedingteökologische Fussabdruck der Schweiz betrug hingegen 4,6 Hektar pro Kopf. Mit rund 4,6-mal so viel beanspruchter Biokapazität, wie die Schweiz enthält, weist das dichtbevölkerte Land ein substantielles Biokapazitätsdefizit auf.[429] Der in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsene Verbrauch fossiler Energie macht fast drei Viertel des ökologischen Fussabdrucks der Schweiz aus.[430] Im Jahr 2022 fiel der Energieunabhängigkeitstag auf den 12. April.
Gewerbe und Industrie
DerRoche-Turm in Basel. Das PharmaunternehmenHoffmann-La Roche ist eines der bedeutendsten der Welt.Das Taschenmesser ist ein typisches Schweizer Produkt
Die Schweiz liegt bei der Industrieproduktion pro Kopf der Bevölkerung weltweit an der Spitze mit rund 12'400 US-Dollar, vor Japan mit 8600 US-Dollar und Deutschland mit 7700 US-Dollar.[431] In absoluten Zahlen ist die Industrieproduktion der Schweiz mit rund 100 Milliarden US-Dollar deutlich grösser als diejenige Belgiens, Norwegens oder Schwedens und liegt etwa auf gleicher Höhe mit derjenigen von Taiwan und den Niederlanden. 2008 zog die Schweiz mit ihrem Industrieanteil an der Wertschöpfung mit Deutschland gleich und überholte Japan. Dies liegt vor allem daran, dass die Industrie sehr hochwertige Güter produziert wieMedizinaltechnikprodukte,Pharmazeutika,Präzisionsinstrumente oder Luxusuhren.
Der Anteil der Wertschöpfung im Industriesektor[432] am gesamten Bruttoinlandprodukt ging seit 1970 von rund 30 Prozent auf heute noch rund 22 Prozent zurück. Der grösste Rückgang entfiel dabei in die Jahre zwischen 1973 und 1979, in denen der Anteil um rund 6 Prozentpunkte auf unter 24 Prozent sank. Die früher dominante Textilindustrie ist weitgehend verschwunden (→ Textilindustrie in der Ostschweiz). Von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre bot dieMaschinenindustrie in der Schweiz im zweiten Sektor die höchste Anzahl an Arbeitsplätzen, noch vor dem Baugewerbe.[433]
Denkleinen und mittleren Unternehmen (kurz «KMU»; Unternehmen bis 249 Mitarbeiter) kommt in der Schweizer Wirtschaft eine entscheidende Bedeutung zu. Mehr als 99 Prozent aller Unternehmen zählen zu den KMU.[434] Sie stellen zwei Drittel aller Arbeitsplätze.[435]
Ein Teil der bundeseigenen Rüstungsbetriebe wurde 1998 in derRUAG zusammengefasst.
Von den 1'035'000 Beschäftigten in der Industrie und im Gewerbe arbeiteten 2013 31,7 % im Baugewerbe, 10,4 % in der Uhren- und Präzisionsinstrumentenindustrie, 9,6 % in der Metallverarbeitung, 9,5 % im Maschinen- und Fahrzeugbau, 6,8 % in der Chemie, 6,4 % im Bereich Nahrung, Getränke und Tabakwaren,[437] 1,4 % in der Textilindustrie sowie 24,2 % in der übrigen Industrie.[387]
Der tertiäre Sektor[438] zählt bei weitem die meisten Erwerbstätigen (72 Prozent). Dominant sind der Handel, das Gesundheits- und Bildungswesen sowie das Banken- (→ Schweizer Bankwesen) und dasVersicherungswesen mit unter anderemUBS,Zurich,Swiss Life undSwiss Re sowie dieAnwaltschaft, wobei Anwälte vielfach auch alsFinanzintermediäre tätig sind. In den Jahren nach 2000 siedelten sich Unternehmen aus dem Bereich desRohstoffhandels an:Vitol,Glencore,Xstrata,Mercuria Energy Group. Laut Schätzung derKOF Konjunkturforschungsstelle erwirtschaftete derTransithandel[439] mit Rohstoffen 65,8 Milliarden Franken im Jahr 2022.[440] Die Schweiz ist für 1,8 % der weltweiten Dienstleistungsexporte verantwortlich, die vor allem auf Tourismus, Finanzdienstleistungen, Informatikdiensten, juristischen Dienstleistungen, Revisionsdiensten sowie Forschung und Entwicklung zurückzuführen sind.[441]
Seit etwa 150 Jahren ist derTourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Schweiz. Er wurde begünstigt durch die Alpen, die vielen Seen, die zentrale Lage in Europa, eine stabile Politik, eine sichere Gesellschaft und eine starke Wirtschaft. Zu den beliebtesten Destinationen und meistbesuchten Regionen zählen Zürich, Luzern, Graubünden,Berner Oberland, Wallis, Genf, Waadt, Basel, Tessin,Ostschweiz und Bern. In der Schweiz gab es 2013 insgesamt 5'129 Hotels und Kurbetriebe mit 249'666 Betten und über 25'000 klassierte Ferienwohnungen und Gästezimmer. Weiter gibt es 755 Gruppenunterkünfte; 52 Jugendherbergen; 412 Campingplätze; über 1000 Betriebe, diePrivatzimmer mit Frühstück anbieten; sowie 29'000 Haltestellen und 2500 Seilbahnen. 210'000 der Schweizer Arbeitnehmer (4 Prozent) in 167'590 Vollzeitstellen arbeiteten im Tourismus.[442] 2024 wurde mit 42,8 Millionen Hotelübernachtungen ein neuer Höchststand verzeichnet.[443] Der Tourismus (nur ausländische Gäste) stand 2012 mit 16 Milliarden Franken (4,6 Prozent) an vierter Stelle der Exporteinnahmen.[444][445] Besonders in den wirtschaftlich schwächeren Bergregionen ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. In den Bergkantonen Graubünden und Wallis beträgt der Anteil am Bruttoinlandprodukt bis zu 30 Prozent, schweizweit sind es 2,6 Prozent.[446]
DerDetailhandel in der Schweiz wird durchMigros undCoop dominiert. Zu den grössten Detailhändlern in der Schweiz gehören neben den vorgenanntenDenner (Discounter der Migros-Gruppe),Volg undLandi (beideFenaco-Gruppe) sowie die DiscounterAldi undLidl.[447] Zu den weiteren namhaften Detailhändlern gehörenDigitec Galaxus (beide zur Migros-Gruppe gehörig),Jumbo (Coop-Gruppe),Ikea (eigenständig) sowieInterdiscount undSwiss Household Services (beide Coop-Gruppe).[448] Insgesamt besteht das Filialnetz des Schweizer Detailhandels aus rund 49'000 Filialen.[449] Das grösste Einkaufszentrum des Landes ist dasGlattzentrum inWallisellen.
Aussenhandel
Die folgende Tabelle zeigt die zehn wichtigsten Handelspartner der Schweiz jeweils für die Ausfuhr (Export) und für die Einfuhr (Import) von Waren an (Stand 2021). An den Ausfuhren hat die Pharma- und Chemieindustrie den grössten Anteil, 2016 betrug er 44,9 Prozent.[450] DieSchweizer Rüstungsexporte haben hingegen einen Anteil von unter einem Prozent.[451]
Überregionale Zeitungen sind die international geachteteNeue Zürcher Zeitung NZZ und die durch ihre Redaktion verbundenen ZeitungenTages-Anzeiger,Basler Zeitung undDer Bund. Die am meisten gelesene Tageszeitung ist die kostenlose Pendlerzeitung20 Minuten (französisch20 minutes), vor der BoulevardzeitungBlick und demTages-Anzeiger. Andere Zeitungen sind regional ausgerichtet. In der Romandie (französischsprachige Schweiz) istLe Temps eine überregionale Tageszeitung. Eine regionale Tageszeitung in der Romandie ist24 heures.
Ein «Medienqualitätsranking» von Medienwissenschaftlern der Universitäten Zürich und Freiburg erwähnte 2018 dieNeue Zürcher Zeitung,Le Temps und denBund an führender Stelle.[458]
Nebst zahlreichen privaten Anbietern ist dieSchweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR die mit Abstand wichtigste und grösste Anbieterin von Radio- und Fernsehprogrammen in der Schweiz.
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR ist ein privater Verein mit öffentlichem Auftrag[459] mit Sitz in Bern und Trägerin des grössten Unternehmens für elektronische Medien des Landes. Die Tätigkeit der SRG SSR stützt sich auf die schweizerische Bundesverfassung, das Radio- und Fernsehgesetz,[460] die Radio- und Fernsehverordnung sowie dieKonzession des Bundes,[461] die ihr umfangreiche Aufgaben im Dienste der allgemeinen Öffentlichkeit(Service public) übertragen. Die SRG SSR ist publizistisch als auch organisatorisch unabhängig. Durch ihre UnternehmenseinheitenSchweizer Radio und Fernsehen SRF,Radio Télévision Suisse RTS,Radiotelevisione Svizzera RSI undRadiotelevisiun Svizra Rumantscha RTR ist die SRG SSR mit ihren Radio- und Fernsehprogrammen in allen vier Sprachregionen präsent.
Seit 1983 werden in allen Regionen private, kommerzielle Radiosender betrieben. Hinzu kommt eine grosse Gruppe von nichtkommerziellen Regionalsendern, die komplementäre Programme abseits des Einheitsbreis produzieren. Sie haben sich in der GruppeUnion nicht-kommerzorientierter Lokalradios (UNIKOM) zusammengeschlossen.
Blick auf den Baukomplex des Schweizer Radio und Fernsehens SRF in Zürich
Das öffentliche Fernsehangebot der SRG SSR umfasst sechs Kanäle mit Vollprogramm, je zwei für die drei grossen Sprachregionen (DeutschschweizSRF 1 undSRF zwei, WestschweizRTS Un undRTS Deux, italienischsprachige SchweizRSI LA 1 undRSI LA 2). SRF produziert ausserdem den Nachrichten- und WiederholungskanalSRF info, der unverschlüsselt über Satellit in ganz Europa empfangen werden kann. Alle sieben Fernsehkanäle werden inHDTV-Qualität (720p) produziert und können über den Satelliten Hotbird empfangen werden. Das französischsprachigeRTS Info kann alsLivestream in der ganzen Welt empfangen werden.
Zur Förderung der rätoromanischen Sprache werden auf SRF 1 täglich kurze Sendungen mit deutschen Untertiteln derTelevisiun Rumantscha ausgestrahlt.
Die Fernsehprogramme der SRG SSR werden durch Rundfunkgebühren und Werbung finanziert.[464]
Private Sender mit nationalem Sendegebiet sind unter anderem3+,4+,5+,Star TV,Puls 8,S1,TV24 undTV25. Daneben existieren viele Lokalsender. Viele deutsche Sender wieRTL,RTL Zwei,VOX,Sat.1,Kabel Eins oderProSieben senden ihre Programme in der deutschsprachigen Schweiz mit speziellen Werbefenstern und einigen wenigen speziell für die Schweiz produzierten Sendungen. Mit Ausnahme von lokalen Programmen können in der Schweiz fast alle deutschen und österreichischen Kanäle sowie französische und italienische Sender empfangen werden.[465]
Die drei NetzanbieterSwisscom,Sunrise undSalt Mobile betreiben je ein eigenes landesweit flächendeckendesMobilfunknetz. Der damalige staatliche TelefonmonopolistPTT (Vorgängerin von Swisscom undDie Post) nahm 1978 dasanalogeNatel-A-Netz in Betrieb. 1983 folgte das Natel-B-Netz und 1987 das Natel-C-Netz. Da die transferierten Datenmengen ständig zunehmen, wurde das Mobilfunknetz inzwischen bereits mehrfach ausgebaut, aktuell auf5G.[467] 1998 fiel das staatliche Monopol. Das Wort Natel ist eine Abkürzung für «NationalesAutotelefon» und wird in der Schweiz noch heute als Synonym für Mobilfunk verwendet. Der Bund hält 51,22 Prozent per Ende 2013 an der Swisscom AG.[468]
2016 nutzten 87,2 % der Bevölkerung das Internet.[469]
Die Kultur ist von den Nachbarländern beeinflusst. Über die Jahre hat sich eine eigenständige, schweizerische Kultur entwickelt. Die Aufteilung der Schweiz in mehrereSprach- und auch Kulturregionen macht es schwierig, von einer einheitlichen Schweizer Kultur zu sprechen. Die drei grösseren Sprachregionen werden von den jeweiligen Nachbarländern sowie von den angelsächsischen Ländern stark beeinflusst, während dierätoromanische Kultur keinen «grossen Bruder» hat.
Bräuche
Brauchtümer sind Teil der kulturellen Vielfalt und des immateriellen Erbes der Schweiz. Sie sind Teil der Volkskultur und stets von lokalem respektive regionalem Charakter. In einigen Fällen (Fasnacht, Osterbräuche, Weihnachtsbräuche) können sie auch überregional sein. Zu den Bräuchen gehören verschiedene tradierte Ausdrucksformen inMusik,Tanz, Volksdichtung, zum Beispiel an derBasler Fasnacht sowie im traditionellen Handwerk. Ausserdem zählen dazu verschiedene Riten und religiöse Feste.
In der Schweiz ist auf Bundesebene einzig der 1. August als Feiertag für das gesamte Land festgelegt (siehe auchSchweizer Bundesfeiertag). Die Regelung aller anderen Feiertage ist allein Sache der Kantone, die bis zu acht weitere Tage als gesetzliche Ruhetage festlegen können. Aufgrund dieser Tatsache gibt es ausser der Bundesfeier lediglich drei weitere Tage, die ebenfalls in der gesamten Schweiz anerkannt sind:Neujahr,Auffahrt und der ersteWeihnachtsfeiertag. In weiten Teilen des Landes werden weiterhinKarfreitag,Ostermontag,Pfingstmontag und derStephanstag (zweiter Weihnachtsfeiertag) begangen. Die Mehrheit der Feiertage hat einen christlichen Hintergrund. So werdenFronleichnam,Mariä Himmelfahrt,Allerheiligen undMariä Empfängnis nur in den katholischen Kantonen gefeiert, umgekehrt ist derBerchtoldstag (zweiter Neujahrstag) weitgehend auf die protestantischen Kantone beschränkt. Ohne religiösen Bezug ist derTag der Arbeit, der oft auch alsKampftag der Arbeiterbewegung bezeichnet wird. Daneben gibt es eine Vielzahl lokaler Feiertage wie etwa dasKnabenschiessen in Zürich oder denSchmutzigen Donnerstag.[472]
Die Schweizer Küche verbindet Einflüsse aus derdeutschen,französischen unditalienischen Küche. Sie ist regional sehr unterschiedlich,[473] wobei dieSprachregionen eine Art Grobaufteilung bieten. Viele Gerichte haben die örtlichen Grenzen überschritten und sind in der ganzen Schweiz beliebt.[474]
Typische Schweizer Gerichte sindKäsefondue,Raclette,Älplermagronen undRösti. Diese hat auch denRöstigraben, die Grenze zwischen deutsch- und französischsprachiger Schweiz, definiert. Östlich dieser Grenze gehört Rösti zu den populärsten Nationalgerichten, westlich davon nicht. Das heute weltweit bekannteBirchermüesli wurde um 1900 von einem Schweizer Arzt,Maximilian Bircher-Benner, in Zürich entwickelt. Die Honig-Mandel-Nougat-SchokoladeToblerone wird seit über 100 Jahren nur in Bern hergestellt und von dort aus in über 120 Länder verkauft. DerCervelat ist die wohl beliebteste Wurst der Schweiz.[475]
In der Schweiz sehr beliebt ist das SüssgetränkRivella. Das im Aargau produzierte Getränk konnte sich international einzig in denNiederlanden durchsetzen. Auch dieOvomaltine ist eines der beliebtesten Schweizer Getränke. Im Gegensatz zu Rivella hat sich Ovomaltine weltweit verbreitet, mehrheitlich unter dem NamenOvaltine.[476][477]
Die neutrale Schweiz wurde – mit Ausnahme der Stadt Schaffhausen (→ Bombardierung Schaffhausens im Zweiten Weltkrieg) – beinahe vollständig von den grossen zerstörerischen Kriegen der Neuzeit verschont. Deshalb blieb im ganzen Land bis heute viel historische Bausubstanz erhalten.
In den aufstrebenden Städten des 11. und 12. Jahrhunderts wurde intensiv gebaut. Neue Kirchen entstanden in Städten, Dörfern und Klöstern. Alle fünf Bischofskirchen der damaligen Zeit auf dem Gebiet der heutigen Schweiz (Basel, Chur, Genf, Lausanne, Sitten) wurden in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts neu erbaut. Neben dem voll entfalteten Formenrepertoire derRomanik wurde bereits deren Ablösung durch dieGotik sichtbar. Der Stil der Romanik findet sich in der Schweiz unter anderem imBasler Münster, in derKathedrale Unsere Lieben Frau inSitten, in derKathedrale St. Maria Himmelfahrt inChur und in derKathedrale St. Peter in Genf. DasMünster zu Allerheiligen inSchaffhausen gilt heute als der grösste romanische Sakralbau der Schweiz.[479]
Im Gebiet der heutigen Schweiz manifestierte sich die Gotik ausserordentlich früh. Die ab 1190 erbauteKathedrale Notre-Dame in Lausanne gilt heute als eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke in der Schweiz.[480]
Die ältesten Holzhäuser in Europa stehen im Kanton Schwyz. Die Häuser Nideröst (1176) und Bethlehem (1287) wurden alsBlockhaus aus qualitativ bestemFichten-Kernholz noch vor der Gründung der Alten Eidgenossenschaft erbaut. In der Gegend zwischenArth und demMuotatal stehen nachweislich über ein Dutzend der uralten Holzhäuser. Gemäss neuen Forschungsergebnissen war es den Hausbesitzern damals möglich, bei einem Umzug in ein Nachbardorf die Häuser in ihre einzelnen Balken zu zerlegen und mitzunehmen. Fachleute sprechen von der mit Abstand ältesten Holzhausgruppe in ganz Europa.[482][483]
Schloss Tarasp
Für die Entstehung monumentaler Renaissance-, Barock- und Rokokoschlösser fehlten in der Schweiz die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Einige der wenigen Ausnahmen waren diefürstbischöfliche Residenz in Chur, die bischöfliche Residenz inPruntrut sowie dieFürstabtei St. Gallen. Die Schlösser in der Schweiz gehen meist auf mittelalterlicheBurgen zurück. In der Zeit zwischen dem 10. und dem 15. Jahrhundert sind im Gebiet der heutigen Schweiz ca. 2000 Burgen meist durch edelfreie oder gräfische Familiengruppen, durch den Kleinadel oder Rittersleute erbaut worden. Die eidgenössischen Orte übten bei der Umgestaltung ihrer als Landvogteien genutzten Schlösser sparsame Zurückhaltung aus. Dadurch blieb wertvolle mittelalterliche Bausubstanz erhalten. Im Gegensatz dazu entfaltete die ländliche und vor allem die städtische Oberschicht, die sogenanntenPatrizier, eine rege private Bautätigkeit bei der Errichtung repräsentativer Landsitze. Zu den bekanntesten Schlössern des Landes zählen heuteSchloss Chillon,Schloss Thun, dasWasserschloss Bottmingen, dieHabsburg,Schloss Tarasp,Schloss Grandson undSchloss Sargans. Die dreiBurgen von Bellinzona gehören zum Welterbe der UNESCO.[484]
Moderne Waffentechniken machten die mittelalterlichen städtischen Befestigungsanlagen im 18. Jahrhundert nutzlos. Das Schleifen der Stadtbefestigungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging mit Stadterweiterungen im Zuge der beginnenden Industrialisierung einher. Strassen- und besonders der Eisenbahnbau sprengten die Stadtmauern und verdrängten die turmbesetzten Verteidigungsringe und Schanzenanlagen. Einige Orte konnten ihre mittelalterlichen Befestigungsanlagen bewahren, so zum Beispiel das StädtchenMurten. In anderen Städten blieben nur einzelne wenige Teile der Befestigungen erhalten wie derZytglogge-Turm in Bern, dasSpalentor in Basel oder derMunot in Schaffhausen.[485] In dieser Zeit wurde in Zürich auch dieBahnhofstrasse durch Zuschütten desFröschengrabens angelegt.
Im jungen Bundesstaat des ausgehenden 19. Jahrhunderts war die Rückbesinnung auf die eigene Geschichte von grosser Bedeutung. Diese Rückbesinnung führte in der Architektur zur Verwendung historischer Stilelemente und ihre Verschmelzung zu einem neuen Ganzen. Für einige Jahrzehnte hat sich in der Schweiz derHistorismus als neuer Baustil durchgesetzt. Zu den bekanntesten Gebäuden dieser Zeit gehört dasBundeshaus in Bern (1852–1902), dieElisabethenkirche in Basel (1857–1864), dasStadthaus in Winterthur (1865–1869), derHauptbahnhof Zürich (1870–1871), dasHistorische Museum Bern (1892–1894) sowie dasSchweizerische Landesmuseum in Zürich (1897).[486]
Die bäuerliche Baukultur hat eine reiche Zahl verschiedener Baustile hervorgebracht, jeweils bestens angepasst an die verschiedenen Landschaften und klimatischen Bedingungen. Die Dörfer derOstschweiz sind geprägt durch die typischenRiegelbauten, im Wallis dominieren die von der Sonne dunkel gebrannten Blockhäuser (zum Beispiel inGrimentz), im Berner Mittelland sind die Bauernhäuser mit den weit ausladenden Dächern, den typischenRünden, überall anzutreffen, und die reich mitSgraffiti geschmückten Häuser gehören unverkennbar in jedesEngadiner Dorf (zum Beispiel inArdez). Einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Bauernhaustypen der Schweiz bietet dasFreilichtmuseum Ballenberg mit seinen mehr als 100 Originalexponaten.[487]
2013 kürte derSchweizer Heimatschutz SHS 50 herausragende Bauobjekte aus der Zeit zwischen 1960 und 1975 als Zeugen der jüngeren Baukultur, so zum Beispiel die beiden GrossüberbauungenTelli inAarau und dieCité du Lignon inVernier. Objekte aus dieser Zeit prägen viele Gemeinden der Schweiz, gelten jedoch häufig alsBausünden oder «Energieschleudern». Eine Auseinandersetzung mit der Baukultur dieser Epoche hat kaum stattgefunden.[488]
DerWakkerpreis ist ein seit 1972 durch den Schweizer Heimatschutz verliehener Preis, mit dempolitische Gemeinden für beispielhaften Ortsbildschutz ausgezeichnet werden. Die erste Auszeichnung erhielt das StädtchenStein am Rhein für sein auf mittelalterlichem Grundriss gewachsenes und hervorragend erhalten gebliebenes Stadtbild.[489]
Im 16. Jahrhundert hat derProtestantismus die Bildkunst der Schweiz stark beeinflusst. Seither konnten sich einige Schweizer Künstler international durchsetzen.Johann Heinrich Füssli erlangte im 18. Jahrhundert in England unter dem Namen Henry Fuseli beachtlichen Ruhm mit seinen grotesk-fantastischen Bildern. Aus dem 19. Jahrhundert sind unter anderemArnold Böcklin,Albert Anker undFerdinand Hodler zu nennen.Alberto Giacometti undHR Giger wurden im 20. Jahrhundert international bekannt.Jean Tinguely hat Menschen mit komplexen bewegenden Skulpturen aus Altmetall fasziniert.Paul Klee wird manchmal als der bedeutendste Maler der Schweiz gefeiert. Die Farbenlehre vonJohannes Itten gilt als herausragendes Standardwerk.Sophie Taeuber-Arp gehört als Vertreterin der konkreten, rhythmisch-geometrischen Kunst zu den herausragenden abstrakten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.[490]
Das 1891 eröffneteOpernhaus Zürich ist ebenfalls Ort vieler Erst- und Uraufführungen. So sind internationale Opernstars regelmässig Gast auf der Zürcher Opernbühne. Anfänglich wurden auchSprech- undMusiktheater aufgeführt. Nach der Eröffnung des Schauspielhauses beschränkte sich das Opernhaus jedoch aufOper,Operette undBallett.
Die Geschichte der Musik in der Schweiz wurde durch zwei Faktoren geprägt: Durch das Fehlen von Fürstenhöfen und Grossstädten gab es in früheren Jahrhunderten keine stilprägenden Zentren. Ausserdem wurde in der mehrsprachigen Schweiz die Musik durch die umliegenden Kulturkreise massgeblich beeinflusst. Deshalb entstand nie ein eigenständiger Schweizer Musikstil.[492]
Im 20. Jahrhundert brachte das Land eine Anzahl von bekannten Komponisten der klassischen Moderne hervor.Arthur Honegger,Othmar Schoeck undFrank Martin haben es alle zu internationalem Ruhm gebracht.
Einen festen Platz im kulturellen Leben der Schweiz nimmt die Jazzmusik ein. Die beiden über die Jazzszene hinaus bekannten Schweizer Jazzpersönlichkeiten warenGeorge Gruntz undClaude Nobs. Die Jazz-Festivals vonMontreux,Willisau undLugano gehören international zu den bekanntesten Anlässen ihrer Art.
Volksmusik
Ländlermusikformation
Die traditionelle Schweizer Volksmusik, die zuralpenländischen Volksmusik gehört, geniesst im Land einen hohen Stellenwert. Sie wird auch alsLändlermusik bezeichnet. Typisch schweizerische Instrumente sind dasAlphorn und dasSchwyzerörgeli; auchGeige,Bassgeige undKlarinette sind häufig. Im Gegensatz zum übrigen deutschsprachigen Raum bezeichnet Ländler in der Schweiz nicht nur dreivierteltaktige Ländlermelodien, sondern eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Volksmusik des 19. Jahrhunderts hervorgegangene Tanz- und Unterhaltungsmusik. Instrumentale Schweizer Volksmusik wird in zahlreichen lokalen Gruppen gespielt, die meisten Spieler haben Amateurstatus, einige sind auch schweizweit bekannt, beispielsweise dieStreichmusik Alder,Carlo Brunner oder dieSwiss Ländler Gamblers. Die Musik ist überwiegend Tanzmusik wieLändler oderSchottisch, wird jedoch oft auch ohne Tanzgelegenheit gespielt. Blasmusikformationen sind im ganzen Land sehr verbreitet. Auch der traditionelleJodelgesang wird in vielen Vereinen gepflegt. Um den Schweizer Jodel besser vom damals populären Tiroler Jodel abgrenzen zu können und um das beinahe verschwundene Alphorn wieder populär zu machen, wurde 1910 der heutigeEidgenössische Jodlerverband gegründet.[493] In regelmässigen Abständen findenEidgenössische Feste in verschiedenen Musikrichtungen statt, wie dasEidgenössische Musikfest, das als grösstes Blasmusikfestival der Welt gilt.[494] Das Jodeln in der Schweiz wurde 2025 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.[495]
Festivals
Die Schweiz ist eine Hochburg von Musikfestivals aller Musikrichtungen. In Luzern findet jährlich das internationale Musikfestival statt, dasLucerne Festival. Auch in anderen Orten werden ähnliche Veranstaltungen ausgetragen. Zudem finden jeden Sommer zahlreicheFreiluftveranstaltungen statt wie dasGurtenfestival, dasPaléo Festival oder dasOpen Air St. Gallen. Die jährlich stattfindende ZürcherStreet Parade ist die weltweit grösste Techno-Veranstaltung.[496]
Die Schweiz hat eine der jüngsten Filmgeschichten in Europa. Erst in den 1930er-Jahren und nur durch die Einwanderung von ambitionierten Künstlern und Unternehmern konnte eine Schweizer Filmszene überhaupt erst entstehen. Am bedeutsamsten waren in der frühen Tonfilmära bis etwa 1950 die aus Österreich stammendenLazar Wechsler, der diePraesens-Film gründete, die damals einzige bedeutende Filmproduktionsgesellschaft, undLeopold Lindtberg, der produktivster und erfolgreichster Regisseur der Praesens-Film war, die insgesamt vier Oscars und Auszeichnungen an allen international bedeutsamen Festivals gewann.
Wie in allen europäischen Ländern ist auch in der Schweiz das Filmschaffen heute auf staatlicheFilmförderung angewiesen. Die Fördermittel reichen jedoch nur für einen geringen jährlichen Filmausstoss. In der jüngeren Geschichte schafften es daher nur wenige Schweizer Filme zu internationaler Bekanntheit. Mangels konkurrenzfähiger Alternativen sind in allen Sprachgebieten der Schweiz US-amerikanische Filme und Fernsehserien stark verbreitet. Im Kino überwiegen die US-amerikanischen Produktionen. Die Eintrittspreise zählen zu den höchsten Europas.
Der erfolgreichste Schweizer im internationalen Filmgeschäft war der im Jahre 2025 verstorbene ProduzentArthur Cohn, der viermal für einen Oscar nominiert war und dabei drei Oscars in der KategorieBester Dokumentarfilm gewonnen hat.
DasKunstmuseum Basel gilt als erste öffentliche Kunstsammlung Europas (1661)
Gemäss der Museumsstatistik des Bundesamts für Statistik BFS verzeichneten die 1'104 Schweizer Museen, die im Jahr 2023 geöffnet waren, über 14,95 Millionen Eintritte.[501]
Bekannt für moderne und Gegenwartskunst ist dieFondation Beyeler in Riehen bei Basel. Es ist das meistbesuchte Kunstmuseum der Schweiz.
DasZentrum Paul Klee in Bern, nach Plänen vonRenzo Piano gebaut, wurde 2005 eröffnet. Es besitzt die bedeutendste Sammlung von Werken seines NamensgebersPaul Klee.
DasSchweizerische Nationalmuseum hat seinen Hauptsitz imLandesmuseum Zürich und beherbergt die grösste kulturgeschichtliche Sammlung der Schweiz. Sie umfasst sämtliche Epochen von derUrgeschichte bis zum 21. Jahrhundert.Seit dem Jahr 1998 befindet sich inPrangins im Kanton Waadt imSchloss Prangins der Westschweizer Sitz des Schweizerischen Nationalmuseums. Es legt seinen Schwerpunkt auf die kulturelle, soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz im 18. und 19. Jahrhundert.
Das zweitgrösste historische Museum der Schweiz ist dasHistorische Museum Bern mit 250'000 Objekten verschiedenster Herkunft. Erwähnenswert sind insbesondere die Burgunderteppiche, die während derBurgunderkriege dem burgundischen HerzogKarl dem Kühnen abgenommen wurden.
Ein weiteres Museum von Bedeutung ist dasAnatomische Museum Basel. Dieses zeigt Originalpräparate und Wachsmodelle von menschlichen Körperbereichen und Organen. Darunter befindet sich das älteste anatomische Präparat der Welt, ein 1543 präpariertes Skelett.
Das meistbesuchte Museum der Schweiz ist dasVerkehrshaus in Luzern mit seiner grossen Sammlung an Lokomotiven, Autos, Schiffen und Flugzeugen.
DasTechnorama in Winterthur ist das grössteScience Center (Technikmuseum) der Schweiz. Es führt zahlreiche Experimente vor, die den Besuchern technische und naturwissenschaftliche Zusammenhänge näherbringen.
DasJüdische Museum der Schweiz in Basel ist das nationale Museum für jüdische Religions- und Alltagsgeschichte. Mit seiner Gründung im Jahr 1966 in Basel ist es das erste Museum seiner Art im deutschsprachigen Raum nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der Wunsch nach nationalen Festen kam bereits 1799 während der Zeit derHelvetischen Republik auf. DieUnspunnenfeste von 1805 und 1808 gelten als Vorläufer der eidgenössischen Feste. Das erste eidgenössische Fest war 1824 dasEidgenössische Schützenfest. Im 19. Jahrhundert spielten die aufkommenden,föderalistisch durch Vereine und Verbände organisierten eidgenössischen Feste eine wichtige Rolle beim Aufbau derWillensnation und des Bundesstaates. Die gemeinsamen Feste drücken die Verbundenheit aller Teilnehmer aus, obgleich diese verschiedenen sprachlichen, kulturellen Gruppen oder Konfessionen angehörten.
Heute sind die in regelmässigen Abständen stattfindenden eidgenössischen Feste ein beliebter Treffpunkt für Sportler und Musiker aus allen Landesteilen und bilden für viele Vereine den Höhepunkt in ihrem Vereinsleben.[504]
Die durch die Eidgenossenschaft finanzierte StiftungPro Helvetia ist für die kulturelle Darstellung der Schweiz im Ausland sowie für den kulturellen Dialog zwischen den verschiedenen Landesteilen zuständig.
Der seit 1974 jährlich vergebenePrix Walo ist die wichtigste Auszeichnung im Schweizer Showbusiness. Er gilt als «SchweizerOscar». Den Preis haben viele bekannte Schweizer Schauspieler, Kabarettisten und Sänger gewonnen.
Kuhkämpfe, meist mitEringer-Kühen, finden jeden Frühling und Sommer im frankophonen Teil des Wallis statt.
Internationale Organisationen mit Sitz in der Schweiz
Das Hauptquartier des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf
Wegen ihrer Neutralität, der politischen Stabilität sowie ihrer humanitären Tradition ist die Schweiz der Sitz vieler internationaler Organisationen, Verbände undNichtregierungsorganisationen aus Politik, Sport, Wissenschaft und Kultur. Besonders viele von ihnen haben ihren Sitz in Genf, der diplomatisch wohl am besten vernetzten Stadt des Landes.
In Genf[506] befindet sich mit demBüro der Vereinten Nationen UNOG nebenNew York,Wien undNairobi einer der vier permanenten Sitze derVereinten Nationen UNO. Genf ist ausserdem der Hauptsitz mehrererSonderorganisationen undNebenorgane der UNO.[506] Mit mehr als 2700 Konferenzen und Sitzungen pro Jahr, an denen rund 200'000 Delegierte aus der ganzen Welt teilnehmen, ist Genf das weltweit aktivste Zentrum der multilateralen Diplomatie. Ausserdem beherbergt Genf rund 250Nichtregierungsorganisationen mit beratendem Status bei den Vereinten Nationen.[507] Genf war bereits in der Zwischenkriegszeit Hauptsitz der Vorgängerorganisation der UNO, desVölkerbunds.[508]
ETH Zürich auf demHönggerbergUniversität Basel, erste Hochschule der Schweiz und eine der Geburtsstätten des europäischen HumanismusLinearbeschleuniger imCERN beiMeyrin GE
Die erste Universität in der Schweiz wurde 1460 inBasel gegründet.Hervorzuheben ist das Wirken des Arztes und MystikersParacelsus (Theophrastus Bombastus von Hohenheim). Auf ihn geht die lange Tradition der chemischen und medizinischen Forschung in der Schweiz zurück. Auf der anderen Seite machteErasmus von Rotterdam mit seinem Wirken ab dem Jahr 1515 an derUniversität Basel die Hochschule und zugleich die Stadt zu einem der wichtigsten Zentren des Wissens während der Renaissance nördlich der Alpen.[509] Weitere Forschungsschwerpunkte für die Zukunft liegen insbesondere in den BereichenNanotechnologie,Informatik,Weltraumforschung undKlimaforschung. Die Wichtigkeit der Wissenschaft für die Schweiz ergibt sich besonders daraus, dass die Schweiz ein rohstoffarmes Land ist.
In der Schweiz existieren diverse Einrichtungen und Stiftungen zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Insbesondere zu erwähnen ist dabei derSchweizerische Nationalfonds SNF.
Die gebirgige Topographie des Staats hat das Freizeitverhalten seiner Einwohner nachhaltig beeinflusst. So war Ende des 19. respektive Anfang des 20. JahrhundertsSkifahren eine der beliebtesten Sportarten. Mit dem Wachstum von Touristenresorts in den Bergen hat sich die Bevölkerung schliesslich zu einer eigentlichen Wintersportnation entwickelt. Skifahren,Langlauf und in neuerer ZeitSnowboarden stehen hoch im Kurs. Durch die veränderteDemographie und insbesondere durch dieMigration hat sich das Freizeitverhalten der Bevölkerung in den letzten Jahren stark verändert. Der Anteil der Bevölkerung, die Skisportarten betreibt, ist rückläufig.[511] Ebenfalls von den Bergen geprägt wurden die im Sommer praktizierten SportartenWandern undBergsteigen.
In organisierter Form den grössten Zulauf haben in der Schweiz die zahlreichenTurnvereine, von denen in der Regel in jedem Dorf mindestens einer existiert.
Zu den sogenannten «typisch schweizerischen» Sportarten zählen dasSchwingen und dasHornussen. Dabei erfreut sich das Schwingen einer anhaltenden Beliebtheit, währenddessen das früher sehr verbreitete Hornussen nur noch eine Randsportart darstellt. Ebenfalls rückläufig ist das früher von der Armee geförderteSchiessen.
Im Jahr 2006 fanden 230'000 Sportveranstaltungen in der Schweiz statt mit einem direkten Gesamtumsatz von 1,2 Milliarden Schweizer Franken, davon waren 68 Grosssportveranstaltungen mit einem Umsatz von 355 Millionen Franken.[512][513] Zu den bedeutendsten regelmässigen Sportveranstaltungen gehören die LeichtathletikmeetingsWeltklasse Zürich undAthletissima in Lausanne, die TennisturniereATP Basel,ATP Gstaad,ATP Genf undWTA Zürich, das SpringturnierCSIO Schweiz in St. Gallen, das EishockeyturnierSpengler Cup in Davos, die RadrundfahrtTour de Suisse sowie die Skiweltcuprennen in Adelboden (Chuenisbärgli), St. Moritz, Lenzerheide und Wengen (Lauberhornrennen).[514]
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Schweizer Brevier 2009/2010: Die Schweiz in ihrer Vielfalt. Natur, Bevölkerung, Staat, Wirtschaft, Kultur. Hallwag Kümmerly & Frey, Urtenen-Schönbühl 2009,ISBN 978-3-259-05531-1.
↑Dieser Wahlspruch wirdde facto als solcher bezeichnet, da er in der Kuppel desBundeshauses erwähnt wird. Auf rechtlicher Grundlage existiert kein Wahlspruch. SiehePapier des Bundesgerichtes (Memento vom 27. März 2006 imInternet Archive):La devise traditionnelle «Un pour tous, tous pour un» ne repose sur aucun fondement constitutionnel ou légal.
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↑Die Schweiz hat kein eindeutig bestimmtes Regierungs- oder Staatsoberhaupt. Grundsätzlich ist dieBundesversammlung – unter dem Vorbehalt der Rechte von Volk undStänden – die oberste Macht im schweizerischen Staat (Art. 148 BV). DerNationalratspräsident gilt demzufolge im Volksmund als der «höchste Schweizer». Aufgaben eines Staatsoberhauptes (zum Beispiel bei Empfängen für ausländische Staatsoberhäupter) nimmt derBundespräsident alsprimus inter pares wahr, der zwar gemäss derprotokollarischen Rangordnung das höchste Amt der Schweiz ausübt, jedoch kein Staatsoberhaupt ist. Der Gesamtbundesrat als Kollektiv erscheint zudem aufgrund seiner Stellungde facto auch als Staatsoberhaupt.
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↑Benjamin Steffen: Das letzte Reduit. In: Neue Zürcher Zeitung. 15. Januar 2016, abgerufen am 27. Januar 2026 (Bezahlschranke).
↑Sport und Wirtschaft Schweiz. (PDF; 1,1 MB) Wirtschaftliche Bedeutung der Sportveranstaltungen. In: baspo.admin.ch.Bundesamt für Sport BASPO, 24. Oktober 2024, S. 4, abgerufen am 28. Januar 2026 (Erscheinungsjahr: 2008).