Schweflinghausen
Schweflinghausen war bis 1923 eine selbstständige Landgemeinde imAmt Ennepe. Der Ortsteil Rüggeberg der StadtEnnepetal imEnnepe-Ruhr-Kreis (Nordrhein-Westfalen) umfasst heute das ehemalige Gemeindegebiet.
Lage und Beschreibung
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Schweflinghausen lag im Süden von Ennepetal zwischen den Tälern derHeilenbecke und derEnnepe. Ein Teilbereich lag auch westlich der Heilenbecke. Im Norden grenzt es auf der Rüggeberger Hochfläche an die ehemalige LandgemeindeMühlinghausen und im Süden an die StadtBreckerfeld. Die ehemalige Gemeinde Schweflinghausen wurde nach dem gleichnamigen HofSchweflinghausen benannt. Die Höhe über NN beträgt 370 m.
Geschichte
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Der Ursprung Schweflinghausen lag in der mittelalterlichenBauerschaft Schweflinghausen im Gericht Schwelm desmärkischenAmts Wetter.[1] Nach der Eroberung durchNapoleon Bonaparte wurde die Grafschaft Mark von dessen SchwagerJoachim Murat am 24. April 1806 zusammen mit dem bereits zuvor annektierten linksrheinischenHerzogtum Kleve, dem rechtsrheinischenHerzogtum Berg, den GrafschaftenDortmund undLimburg sowie dem nördlichen Teil desFürstentums Münster und weiteren Territorien zumGroßherzogtum Berg vereint.
Bald nach der Übernahme begann die französische Verwaltung im Großherzogtum neue und moderne Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild einzuführen. Bis zum 3. August 1806 ersetzte und vereinheitlichte diese Kommunalreform die alten märkischen Ämter und Herrschaften. Sie sah die Schaffung vonDépartements,Arrondissements, Kantone undMunizipalitäten (ab Ende 1808 Mairies genannt) vor und brach mit den alten Adelsvorrechten in der Kommunalverwaltung. Am 14. November 1808 war dieser Prozess nach einer Neuordnung der ersten Strukturierung von 1806 abgeschlossen, die altenBauerschaften blieben dabei häufig erhalten und wurden als Landgemeinden den jeweiligen Mairies oder Kantonen zugeordnet. Die Bauerschaft Schweflinghausen wurde hierbei als Landgemeinde der Mairie Ennepe imKanton Schwelm desArrondissement Hagen zugeordnet.[2]
1813 zogen die Franzosen nach der Niederlage in derVölkerschlacht bei Leipzig aus dem Großherzogtum ab und es fiel ab Ende 1813 unter die provisorische Verwaltung durch Preußen im sogenanntenGeneralgouvernement zwischen Weser und Rhein, die es 1815 durch die Beschlüsse desWiener Kongreß endgültig zugesprochen bekamen. Mit Bildung der preußischenProvinz Westfalen 1815 wurden die vorhandenen Verwaltungsstrukturen im Großen und Ganzen zunächst beibehalten und unter Beibehaltung der französischen Grenzziehungen in preußischeLandkreise,Bürgermeistereien undGemeinden umgewandelt. Schweflinghausen wurde nun zu einer Landgemeinde in derBürgermeisterei Ennepe desLandkreises Hagen.
1839 war Schweflinghausen in die zwei SchulbezirkeRüggeberg (östlicher Teil) undStucken (westlicher Teil) aufgeteilt. Zu den Orten und Wohnplätze Schweflinghausen zählten zu dieser Zeit (originale Schreibweise):
- Schulbezirk Rüggeberg:Alenbecke,am Bäukenberg,auf dem Bruche,zur Burg,im Erloh,Rüggeberg,Hinter-Rüggenberg,Mittel-Hesterberg,Nieder-Hesterberg,Ober-Hesterberg,Möllenberg,an Neuenhause,Nutteloh (Notloh),die Peddenöde,die Rutenbecke,Schweflinghausen,Herminghausen,Severinghausen,in der Kaltekirche,in der Wellenbecke undam Wittenstein.
- Schulbezirk Stuken:in den Bäuken,auf`m Brasel,Ebbinghausen,an der Landwehr,am Nocken,Ravenschlag,große Saalberg,kleine Saalberg,Obern-Vorwerk,Niedern-Vorwerk undWigger.
1818 lebten zusammen 534 Einwohner in der Gemeinde Schweflinghausen. Laut derOrtschafts- und Entfernungs-Tabelle des Regierungs-Bezirks Arnsberg besaß die Gemeinde 1838 eine Einwohnerzahl von gesamt 813, die sich in zwölf katholische und 801 evangelische Gemeindemitglieder aufteilte. Die Wohnplätze der Bürgermeisterei umfassten zusammen eine Kirche, drei Schulen, 98 Wohnhäuser, 15 Fabriken und Mühlen und 66 landwirtschaftliche Gebäude.[1]
Mit Inkrafttreten derpreußischen Landgemeindeordnung für dieProvinz Westfalen wurde 1843 die übergeordnete Bürgermeisterei Ennepe in das Amt Ennepe umgewandelt, Schweflinghausen verblieb dabei im Gemeindeverband. Am 1. April 1887 wurde derKreis Schwelm aus dem westlichen Teil des Landkreises Hagen neu gegründet. Das Amt Ennepe mit Schweflinghausen gehörte nun den neuen Kreis an.[3]
DasGemeindelexikon für die Provinz Westfalen von 1887 gibt für die Gemeinde Schweflinghausen eine Einwohnerzahl von 1.015 an (992 evangelischen und 23 katholischen Glaubens), die in 34Wohnplätzen mit zusammen 139 Wohnhäuser und 192 Haushaltungen lebten. Die Fläche der Gemeinde (1.311ha) unterteilte sich in 433 ha Ackerland, 93 ha Wiesen und 693 ha Wald.[4]
Zusätzlich zu den oben genannten werde folgende Wohnplätze aufgeführt:Schlagbaum,Altenhaus,Höltchen,Lienkämper undSingerhof. In der Ausgabe für 1895 kamenThalsperre undVorhaus hinzu.[5] In der Ausgabe für 1905 werden erstmalsGrünthal undSchönthal genannt.[6]
Am 1. April 1923 wurde die Gemeinde Schweflinghausen aufgelöst und zusammen mit den ebenfalls aufgelösten GemeindenOelkinghausen undMühlinghausen zur GemeindeMilspe zusammengeschlossen.[3] Das übergeordnete Amt Ennepe wurde zugleich in dasAmt Milspe umbenannt, das nun nur aus der Gemeinde Milspe bestand. Am 1. Juni 1937 wurden die Gemeinden Milspe undVoerde zumAmt Milspe-Vörde zusammengeschlossen, das wiederum am 1. April 1949 in die Stadt Ennepetal umgewandelt wurde.[7][8]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Söhne und Töchter des Ortes
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Dietrich Dresel (1785–1855), deutscher Weinhändler und Abgeordneter
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Regional bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich 401 Schweflinghausen (Ennepetal) bei LWL-GeodatenKultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑abJohann Georg von Viebahn: Ortschafts- und Entfernungs-Tabelle des Regierungs-Bezirks Arnsberg, nach der bestehenden Landeseintheilung geordnet, mit Angabe der früheren Gebiete und Aemter, der Pfarr- und Schulsprengel und topographischen Nachrichten. Ritter, Arnsberg 1841.
- ↑Décret, über die Eintheilung des Großherzogthums Berg, Gesetz-Bülletin, vom 14. November 1808, S. 136 ff (Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
- ↑abStephanie Reekers:Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977,ISBN 3-402-05875-8,S. 281.
- ↑Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band X), Berlin 1887.
- ↑Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1895 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band X), Berlin 1897.
- ↑Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen, Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und andere amtlicher Quellen, (Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band X), Berlin 1909.
- ↑Amtsblatt für den Regierungsbezirk Arnsberg. 1937, S. 1, abgerufen am 8. August 2022.
- ↑Amtsblatt für den Regierungsbezirk Arnsberg. 1949, S. 58, abgerufen am 8. August 2022.