EinSchutzpatron (vonlateinischpatronus „Schutzherr, Anwalt“) ist nachrömisch-katholischem undorthodoxem Verständnis einHeiliger, der in besonderer Weise um seineFürsprache für einen bestimmten Ort, eine Region, einen Beruf oder einen Zustand angerufen wird. Dieses besondere Schutzverhältnis wird bei Kirchen alsPatrozinium bezeichnet. Bei weiblichen Schutzheiligen verwendet man den BegriffSchutzpatronin, seltener auch den lateinischen AusdruckPatrona.
Patrone Europas. Oben von links nach rechts die hll. Methodius, Katharina von Siena, Cyrill. Unten die hll. Birgitta von Schweden, Benedikt von Nursia und Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein).
Der Patron wird verstanden als Vermittler, Fürsprecher oder Rechtsbeistand bei Gott (intercessor seu advocatus apud Deum).[1] Aus diesem Verständnis heraus vertrauen sich einzelne Länder, Diözesen, Regionen, Orte, Lebens- und Berufsstände bestimmten Heiligen als ihrem Schutzpatron an, dem sie sich in besonderer Weise verbunden fühlen: Zimmerleute etwa dem hl.Josef, Fährleute dem hl.Christophorus, Schutzpatron der Soldaten der russischenAtomstreitkräfte ist der hl.Seraphim von Sarow.[2] DerErzengel Michael gilt als Schutzpatron Deutschlands,Leopold soll Österreich undNiklaus von Flüe die Schweiz durch ihre Fürsprache beschützen. Soweit ein Heiliger besonders an einem Ort verehrt wird, spricht man von einem Ortspatron. Diese Beziehung kann von demPatrozinium der örtlichenKirche abgeleitet sein. Zuweilen gibt es mehrere Orts- oder Kirchenpatrone.
Eine besondere Form des Gebets um den Schutz der Gottesmutter Maria ist dieMarienweihe.[4] Papst Pius XII. weihte imZweiten Weltkrieg 1942 die ganze Menschheit demUnbefleckten Herzen Mariens; Papst Franziskus wiederholte dies 2013. Am 25. März 2022 weihte Franziskus während desRussisch-Ukrainischen Krieges im Rahmen einer Bußfeier Russland und die Ukraine der Maria und vertraute ihr als „Königin des Friedens“ die Zukunft der Menschheit an. Die Marienweihe wurde gleichzeitig weltweit in zahlreichen Diözesen und Pfarrgemeinden mitvollzogen.[5] Eines der ältesten Gebete um den Schutz Mariens istSub tuum praesidium (Unter deinen Schutz und Schirm), das auf das dritte Jahrhundert zurückgehen soll.
Daneben wurde als Schutzpatron zuweilen auch einRitter bezeichnet, der Kirchengebäude undKlöster vor weltlichen Übergriffen zu schützen hatte. Reguläre weltliche Schutzpatrone von Klöstern undStiftern hießenVögte.
↑Andreas E. Graßmann:Das Patrozinium. Eine kirchenrechtliche Darstellung mit besonderer Berücksichtigung des titulus ecclesiae gemäß c. 1218 CIC/83. Frankfurt a. M. u. a. 2017, S. 25f.