DerSchnellkochtopf,Druckkochtopf,Drucktopf,Dampfdrucktopf,Dampfkochtopf ist einKochtopf, in demLebensmittel bei höheren Temperaturen als derNormalsiedetemperatur (bei Wasser 100 °C bei Normaldruck)gegart werden können, wodurch sich die Kochzeit verkürzt. Die Erhöhung desSiedepunkts wird dadurch ermöglicht, dass sich im druckfest verschlossenen Topf ein erhöhter Druck aufbauen kann.
Einige Markennamen entwickelten sich zu einer bis heute üblichen Bezeichnung für den Schnellkochtopf, besondersSicomatic in Deutschland,Kelomat in Österreich undDuromatic in der Schweiz.
Papin’scher Topf für den Hausgebrauch (imOttoneum, Kassel)
1679 erfandDenis Papin denPapin’schen Topf, mit dem durch Erzeugung unterschiedlicher Drücke die Siedetemperatur von Wasser beeinflusst werden konnte. Dieser wurde auch in naturwissenschaftlichen Laboratorien eingesetzt.[1][2]
In der Schweiz wurde der Schnellkochtopf der MarkeFlexsil der FirmaSigg in Frauenfeld populär. DessenÜberdruckventil arbeitete mit einem Gewichtsstein, nicht mit einer Feder. Der flexible (und unter Vorspannung stehend gekrümmte) Deckel wurde ohne Gummidichtung in den nach innen überstehenden Rand des Topfes eingespannt, wobei der Deckelgriff als Hebel diente, und nicht wie heute üblich mit einem Bajonettverschluss geschlossen. Am 18. Mai 1946 reichte der Zürcher Max Keller beimSchweizerischen Institut für Geistiges Eigentum ein Patentgesuch für „Mit einer Signalvorrichtung und einem Überdruckventil versehener Einsatzkörper für Druckgefässe, insbesondere für Druckkocher“ ein.[3][4] 1949 kam in der SchweizDuromatic vonKuhn Rikon auf den Markt. In den 1950er-Jahren wurde in Österreich derKelomat entwickelt.
Der Schnellkochtopf ist ein dickwandiger Kochtopf, dessen Öffnung einen nach außen gebogenen Rand mit Aussparungen zur druckfesten Aufnahme des Deckels besitzt. Der Deckel hat eine Gummiringdichtung und üblicherweise sowohl ein Regelventil als auch einSicherheitsventil zur Begrenzung desDrucks. Moderne Schnellkochtöpfe haben fest in den Deckel integrierte Ventile, bei älteren waren sie eingeschraubt. Das Regelventil besitzt meistens einen druckabhängig aufsteigenden Stift mit Ringmarkierungen zur Druckanzeige. Das Ventil ist heutzutage mit der Deckelverriegelung gekoppelt, so dass der Topf zur Unfallvermeidung nur drucklos geöffnet werden kann.
Für die Drucktöpfe gibt es gelochte und ungelochte Einsätze zum Garen von Gerichten, die dadurch nicht mit dem noch flüssigen Kochwasser in Berührung kommen, sondern ausschließlich im Dampf gegart werden.
Beim Schnellkochtopf ist das eigentliche Kochgefäß in der Regel über einen Verschlussmechanismus (Bajonettverschluss) mit dem Deckel und einer Dichtung luft- und wasserdicht verschlossen. Durch den daraus folgendenWasserdampfdruck ist es möglich, eine höhere Temperatur als normal zumKochen zu erreichen und dadurch die Garzeiten zu verkürzen. Üblicherweise herrscht bei Betrieb im Topf etwa 1,8 bar Absolut-Druck, d. h. 0,8 barÜberdruck, wodurch die Siedetemperatur des Kochwassers auf etwa 117 °C erhöht wird.[5]
DieRGT-Regel besagt als Faustregel, dass dieReaktionsgeschwindigkeit bei einer Temperaturerhöhung von 10 Grad auf das 2- bis 3-fache ansteigt (die Garung ist insgesamt ein Zusammenspiel verschiedener chemischer Reaktionen). Mit dem Schnellkochtopf können auch in Höhenlagen, in denen Wasser aufgrund des geringeren Luftdrucks bereits bei einer Temperatur siedet, die für das Kochen eines Lebensmittels nicht reicht, solche Lebensmittel trotzdem gekocht werden.
Ein Schnellkochtopf ist ein Druckgefäß, das einerBaumusterprüfung unterzogen werden muss, bevor es in den Handel gebracht werden darf, da er in den Geltungsbereich derRichtlinie 2014/68/EU über Druckgeräte fällt. Als zusätzliche Sicherheit gegen die bestehende Berstgefahr des Topfes (z. B. bei verklebtem Regelventil) hat ein Schnellkochtopf immer auch einSicherheitsventil, das eventuellen Überdruck sicher abbauen kann.
Eine Druckanzeige ist vom Prinzip her nicht zwingend notwendig, da aber die notwendige Druckregelung mit einfachsten Mitteln eine Anzeige ermöglicht, ist sie mit eingebaut. Meistens ist diese ein Stäbchen, das je nach Druck mehr oder weniger weit aus dem Deckel heraussteht. So ist die minimal notwendige Wärmezufuhr zum Druckerhalt leicht einzustellen.
Dampfdruckkocher aus den 1860ern. FabrikatGeorg Gutbrod, Stuttgart
Bild 2: Schnellkochtopf, Ansicht von obenBild 3: Deckel, InnenansichtBild 4: Einzelteile des RegelventilsBild 5: Regelventil: Bei ausreichend hohem Druck liegt die Öffnung über der Deckeloberfläche, so dass Dampf zum Druckabbau entweichen kann
Bild 2: Deckel von außen
Deckelgriff mit Schieber zur Entriegelung des Deckels und zur Herbeiführung derDruckentlastung. Das Sicherheits- und Entlastungsventil befindet sich bei dieser Konstruktion aus Sicherheitsgründen unterhalb des Griffüberhangs.
Äußere Kappe des Regelventils. Durch ihre Verdrehung kann derGardruck (und damit die Gartemperatur) reguliert werden
Druckanzeige, steigt mit der Druckerhöhung auf
Bild 3: Deckel von innen
Einraster (Entriegelungsnase), wird durch den Schieber am Deckelgriff betätigt
Regelventil
Sicherheits- und Entlastungsventil, wird durch den Schieber geöffnet. In diesem Fall ein federbelastetes Kugelventil.
Dichtungsring. Die Aussparung im Deckel, die als weiteres Sicherheitsventil dient, wird im Bild vom Dichtungsring verdeckt.
Um den Deckel öffnen (drehen) zu können, muss zuerst mit dem Schieber am Deckelgriff der Einraster eingezogen (der Deckel entriegelt) werden. Dabei wird gleichzeitig das Sicherheitsventil, jetzt in seiner Funktion als Druckentlastungsventil, zwangsweise geöffnet.
Bild 4: Einzelteile des Regelventils
Kappe des Regelventils, wird mit dem zusammengebauten Ventil auf die Ventildurchführungsbuchse von außen geschraubt (die Feder 5 des Regelventils wird dadurch gespannt) und kann nach dem Zusammenbau am Ende des Gewindes um höchstens 180° verdreht werden, wodurch der Anpressdruck der Feder 5 verändert wird.
Ventildurchführungsbuchse mit dichtendemO-Ring und vier Bohrungen für den Dampfablass
Innere (Befestigungs-)Mutter der Ventildurchführung
Buchse des Regelventils und der Druckanzeige, wird in die äußere Kappe von oben eingeführt
Feder des Regelventils – reguliert den Innendruck
Feder der Druckanzeige
Messstab der Druckanzeige
Schraubverschluss der Druckanzeige, Dichtkegel des Regelventils
Gummikappe, wird über den Schraubverschluss 8 gestülpt, bewegt die Druckanzeige und dichtet gegen den Dichtungssitz innerhalb der Durchführungsbuchse Pos. 2 den Innendruck ab. Durch ihre Anhebung wird der Dampf abgeblasen und gelangt unterhalb der äußeren Kappe nach außen.
Zusätzlich zum Kochgut (Braten, Pellkartoffeln, Früchte zum Entsaften usw.) wird eine bestimmte Mindestmenge an Wasser in den Topf gegeben und der Deckel gasdicht verschlossen. Beim Erhitzen verdampft ein Teil des Wassers und der Druck im Topf steigt.
Für die optimale Energieeinsparung wird nach dem Erreichen des erwünschten Dampfdrucks (sichtbar am Messstab) auf die niedrigste Herdstufe zurückgestellt, die diesen Druck und damit die Temperatur erhält. Es entweicht dann nur noch wenig oder gar kein Dampf mehr durch das Ventil. Da ein unter Druck stehender Schnellkochtopf sehr viel Energie enthält, kann auch einige Zeit (ca. 15 Min) vor dem geplanten Kochende die Energiezufuhr abgestellt werden.
Vor dem Öffnen eines Drucktopfes muss zuerst der Druck abgebaut werden: entweder über das Ventil (Schnellentlüftung) oder durch Erkalten. Die Schnellentlüftung eignet sich nur für feste Speisen: flüssige würden verspritzen, Kartoffeln platzen.
Die ordnungsgemäße Funktion der Ventile, die beispielsweise durch Verschmutzung beeinträchtigt werden kann, muss sichergestellt sein. Bei zu hohem Druck kann Dampf an der Dichtung entweichen oder das schlagartige Verdampfen des Wassers beim Öffnen unter Druck zu Verbrühungen führen. Nur bei mangelnder Wartung kann es im schlimmsten Fall zu einem Bersten des Kessels („Kesselzerknall“) kommen.[6] Ein solcher kann selbst bei verhältnismäßig geringem Überdruck eines Dampfkochtopfes schwere Verletzungen oder Verbrühungen verursachen.
Die Druckanzeige besitzt meist zwei Stufen. Die zweite (höhere) Stufe ist die normale, mit der die Zubereitungszeiten um etwa 50–70 % gesenkt werden (bei oben genannten höheren Druck- und Temperaturwerten). Für empfindliche Lebensmittel ist die erste Stufe geeignet, bei der der Garvorgang etwas länger dauert, aber immer noch weniger lang als in einem üblichen Topf. Blumenkohlröschen auf ‚normal‘ (3–3,5 Min) sind kaumà point zu bekommen; auf Stufe eins ist der richtige Garzeitpunkt einfacher erreichbar.
↑Hervé This-Benckhard:Rätsel der Kochkunst: Naturwissenschaftlich erklärt. Berlin, 1996, S. 10.
↑Thomas Müller:Über die Anfänge der klinischen Chemie an der Berliner Universität (1810–1813):Georg Carl Ludwig Sigwart (1784–1864) als Pionier einer neuen Wissenschaftsdisziplin. Dissertation, Humboldt-Universität, Berlin 1992.
↑Patent CH252507A: Mit einer Signalvorrichtung und einem Überdruckventil versehener Einsatzkörper für Druckgefässe, insbesondere für Druckkocher.. Angemeldet am 18. Mai 1946, veröffentlicht am 15. Januar 1948, Erfinder: Max Keller.