Schloss Sonnenburg | ||
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![]() Ansicht der Ostseite | ||
Alternativname(n) | Kloster Sonnenburg, Castel Badia | |
Staat | Italien | |
Ort | St. Lorenzen (Südtirol) | |
Entstehungszeit | 11. Jahrhundert | |
Burgentyp | Höhenburg | |
Geographische Lage | 46° 47′ N,11° 53′ O46.7856411.890447810Koordinaten:46° 47′ 8,3″ N,11° 53′ 25,6″ O | |
Höhenlage | 810 m s.l.m. | |
Schloss Sonnenburg ist eineBurg und ein ehemaliges Kloster derBenediktinerinnen im OrtsteilSonnenburg der GemeindeSt. Lorenzen inSüdtirol (Italien). Vom alten Baubestand ist wenig erhalten, jedoch verweisen einigeromanische Fenster sowie Freskenfragmente derKrypta auf das hohe Alter der Anlage.[1]
Ursprünglich gehörte die Burg den Gaugrafen vonLurn undPustertal. Im Jahr 1022 erhielt Graf Volkhold, nach dem Tod seines SchwestermannesAribo, die Burg „Suanapurc“ (suana = Sühne, Gericht) und übertrug sie mitsamt dazugehörigem Grundbesitz demBenediktinerorden zur Errichtung einesDamenstifts. Dieses wurde in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts errichtet, soweit aus der verworrenen und zum Großteil gefälschten Gründungsüberlieferung hervorgeht.[2] ErsteÄbtissin wurde demnach – noch vor 1139 –Wichburg, Tochter Aribos und dessen GemahlinWichburg von Sonnenburg. Für 1090 ist eine Weihe des Stifts durch BischofAltwin von Brixen belegt.[3] Fast achthundert Jahre lang waren die Benediktinerinnen von Sonnenburg die Grundherren desGadertaler Gebietes. Sie übten inEnneberg die Gerichtsbarkeit aus.
Um die Mitte des 12. Jahrhunderts weihte BischofHartmann von Brixen die Sonnenburger St.-Gotthard-Kapelle („cappellen des heylign pischoff Sand Gothartz“), einen ursprünglich außerhalb des engeren Stiftsbereichs gelegenen Sakralbau, der mit dem 1977 ergrabenen Gebäude auf der Westspitze des Sonnenburger Hügels zu identifizieren ist.[4]
Aus dem Jahr 1296 datiert ein SonnenburgerUrbar,[5] das den weitgestreuten Güterbesitz des Klosters dokumentiert. Die Besitzverwaltung war organisiert in den einzelnen Ämtern Gadertal,Mühlwald,Eisacktal undEtschtal mit einem Außenposten am Nordufer des Gardasees. Weiterhin gilt, spätestens 1846,[6] ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes, auf Anordnung der ÄbtissinDietmuth gefertigtes, weiteresUrbar, wie eine Abschrift belegt.
Im 15. Jahrhundert kam es zum Konflikt zwischenNikolaus von Kues (Nikolaus Cusanus), Bischof vonBrixen, der den Konvent reformieren wollte, und der dies ablehnenden ÄbtissinVerena von Stuben, die vom Tiroler LandesfürstenHerzog Siegmund unterstützt wurde. Im Zuge der Auseinandersetzungen wurden in Enneberg Bauern, die gegenüber Sonnenburg abgabenbereit waren, von den Gegnern Sonnenburgs getötet.
Der MinnesängerFriedrich von Sonnenburg stammt vermutlich von hier.
In der Spätzeit des Stiftes kurz vor der Aufhebung spielt der Roman „Die Nonne von Sonnenburg“ vonJosef Weingartner.
Nach fast achthundert Jahren wurde 1785 durch KaiserJoseph II. im Zuge des nach ihm benanntenJosephinismus (Säkularisation) das Kloster aufgehoben. Dabei wurden auch die Bibliotheks- und Archivbestände verstreut, deren Überreste sich heute an verschiedenen Standorten (Innsbruck, München, Bozen, Nürnberg) befinden.[7]
Während derTiroler Freiheitskämpfe (1797–1813) diente das Schloss als Militärhospital, später als Armenwohnheim. Die Bewohner des „Versorgungshauses Kloster Sonnenburg“, in dem auch alte, kranke und pflegebedürftige Menschen untergebracht waren, wurden 1940 im Rahmen derOption meist ohne ihr Zutun in entsprechende Einrichtungen in dasDeutsche Reich „umgesiedelt“. Dort erwartete sie im Zuge dernationalsozialistischen Rassenhygiene ein ungewisses Schicksal.[8]
1965 erwarb der Starnberger Kulturreferent Karl Knötig die Anlage. Er ließ die Überreste der Abtei absichern und renovieren.[9] Heute befindet sich in der Anlage ein gleichnamiges Hotel.
Für den Ausbau der Pustertaler Staatsstraße wurde ein Tunnel unter dem Schloss gegraben. Die Arbeiten waren 2009 vorübergehend eingestellt worden, da durch die Sprengungen unter anderem in derKrypta Schäden an einem romanischen Fresko entstanden sind. Der Tunnel wurde daraufhin ohne Sprengungen[10] weitergebaut und Anfang Dezember 2010 eröffnet.