| Burgsteinfurt | ||
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Schloss Burgsteinfurt im Luftbild | ||
| Staat | Deutschland | |
| Ort | Steinfurt | |
| Entstehungszeit | 12. Jahrhundert | |
| Burgentyp | Niederungsburg | |
| Erhaltungszustand | Sehr gut | |
| Ständische Stellung | Adel | |
| Geographische Lage | 52° 9′ N,7° 21′ O52.1457917.341775Koordinaten:52° 8′ 44,8″ N,7° 20′ 30,4″ O | |

DasSchloss Burgsteinfurt, auchSchloss Steinfurt genannt, ist einWasserschloss am Rande der Altstadt von Burgsteinfurt, einem Stadtteil dermünsterländischen StadtSteinfurt. Es ist die älteste WasserburganlageWestfalens und steht auf einer nahezu kreisrunden Insel, die von derSteinfurter Aa umflossen wird. Heutzutage bestehend aus drei Gebäudekomplexen, derOberburg, derUnterburg und derSchlossmühle, wurde die Anlage im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte immer wieder umgebaut und erweitert.
Das Schloss war Stammsitz derEdelherren von Steinfurt und ist seit deren Aussterben 1421 Stammsitz desFürstenhauses zuBentheim-Steinfurt.

Als Erbauer der Anlage gilt Rudolf II. von Stenvorde, Edelherr von Steinfurt. In Urkunden wird sein sächsischer Haupthof erstmals 1129 erwähnt. Zu jener Zeit bestand dieser aus einem quadratischenWohnturm mit zwei Meter dicken Mauern und stand auf einem Hügel, den man in einer flachen Niederung der Aa aufgeworfen hatte. Den Fluss staute man durch ein Wehr auf und leitete ihn alsGräfte um den Hügel herum. Wenig später errichteten die Herren von Steinfurt dann auf einer weiteren künstlichen Insel einen mächtigen Festungsturm, denBuddenturm. Diese beiden Gebäude bildeten den Kern der heutigenOberburg.
1164 wurde die damaligeBurg in einerFehde mit den Herren derBurg Ascheberg zerstört. Mit Unterstützung des Kölner ErzbischofsRainald von Dassel ließen die Besitzer die Burg jedoch wieder aufbauen.
Ende des 12. Jahrhunderts wurde eine Burgkapelle an die bereits teilweise vorhandeneRingmauer angebaut. Sie besteht aus zwei übereinander liegenden, sakralen Räumen im Erd- sowie im Obergeschoss des Gebäudes. Das obere Stockwerk diente als Schlosskirche, während das untere dem Totenkult vorbehalten war.

Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgte der Umbau des Wohnturms zu einemRittersaal, wovon seine frühgotischenSpitzbogenfenster und dergotischeTreppengiebel künden. Zeitgleich wurden die beiden Einzelinseln zu einer einzigen vereint und mit einer gemeinsamenWehrmauer umgeben.
Ebenfalls in das 13. Jahrhundert ist die Entstehung derVorburg zu datieren. Die so genannteUnterburg bestand nicht nur aus Wirtschaftsgebäuden wie Scheunen, Ställen und Speichern, sondern beheimatete auch zwei Burgmannenhäuser, deren Bewohner für die Sicherheit der gesamten Burganlage zu sorgen hatten.
Als die Edelherren von Steinfurt 1421 im Mannesstamm erlosch, kamen Burg undHerrlichkeit über deren Erbtochter – die ihm keinen männlichen Nachkommen schenkte – an ihren Mann Everwin vonGötterswick, der im gleichen Jahr auch dieGrafschaft Bentheim erbte. Seine Familie, die er mit seiner zweiten Frau gründete, nannte sich daraufhin „Grafen von Bentheim und Steinfurt“. Da diese aber auf einer der zahlreichen anderen Besitzungen wohnte, wurde die Burg in Steinfurt fortan nicht mehr als Wohnsitz genutzt und verfiel allmählich.
Zum Schutze gegen die Begehrlichkeiten desMünsteraner Fürstbistums wurde Steinfurt im April 1495 dem Reich zuLehen aufgetragen und zurReichsgrafschaft erhoben. Die damit verbundeneReichsunmittelbarkeit erzürnte denFürstbischof von Münster, in dessen Machtbereich Steinfurt lag, und führte in der Folgezeit immer wieder zu Auseinandersetzungen mit ihm.
Erst Gräfin Walburg vonBrederode wohnte wieder dauerhaft auf der Anlage und ließ sie ab 1558 deshalb gemeinsam mit ihrem Sohn Arnold instand setzen, erweitern und zu einemSchloss umbauen. Einen Erker für das Schloss schuf der BildhauerJohann Brabender aus Münster (Westfalen).
Während desDreißigjährigen Krieges wechselte das Schloss mehrfach die Besitzer und wurde dabei stark beschädigt. So wurden 1634 Schloss und Stadt von Truppen des Fürstbischofs von Münster,Ferdinand I. von Bayern, besetzt. Ihnen folgten erst hessische 1647 dannkaiserliche Mannen. Zwar wurden bereits 1661 erste Instandsetzungsarbeiten vorgenommen, doch erst zwischen 1706 und 1715 erfolgte der vollständige Wiederaufbau. Weitere Neubauten folgten zwischen 1723 und 1729 im schlichten Stil desBarocks.
Der mächtigeBuddenturm mit seinen fünf Meter dicken Mauern hatte aufgrund der Entwicklung der Waffentechnik gegen Ende des 18. Jahrhunderts seine militärische Bedeutung alsWehrturm verloren, und so wurde er zwischen 1773 und 1779 abgetragen. Seine Steine wurden zur Errichtung nahezu aller Bauwerke desSteinfurter Bagnos verwendet. Auch die Ringmauer wurde zu dieser Zeit niedergelegt.
Von 1877 bis 1898 erfolgte eine Restaurierung der Anlage durch den Münsteraner Architekten Franz Anton Nordhoff. Unter seiner Federführung wurden zahlreiche alte Bauteile durch modernere Elemente ersetzt. So stammt zum Beispiel die steinerne Verbindungsbrücke zwischen Haupt- und Vorburginsel aus dem Jahre 1888 von ihm.
Seit dem 18. Jahrhundert war auf dem Schloss dieFürst zu Bentheimsche Musikaliensammlung Burgsteinfurt untergebracht. Seit 1964 ist die wertvolle Sammlung alsLeihgabe in derUniversitäts- und Landesbibliothek Münster.
Das Schloss befindet sich heute noch im Besitz der Familie derFürsten zuBentheim und Steinfurt und wird als Wohnsitz genutzt. Ab 2009 wurde das Schloss nur noch privat genutzt. Eine Innenbesichtigung, wie auch die Besichtigung des Unter- und Oberhofes waren nicht mehr möglich.
Seit 2019 findet nach Anmeldung am ersten Freitag eines Monats um 10:00 Uhr eine Führung über das Schlossgelände statt. Die Führung dauert ca. 1,5 Stunden und ist für geschlossene Gruppen ab 10 Personen möglich.[1]
Das Schloss liegt auf zwei von der Aa umflossenen, künstlich aufgeschütteten Inseln, die Vorburg westlich der Hauptburg. Nördlich der Straße befindet sich die Schlossmühle mit den zugehörigen Stauanlagen.
Die Hauptburg ist ein Rundbau mit Teilen aus allen Stilepochen ab dem 12. Jahrhundert. Zu den ältesten Teilen gehören Reste derRingmauer, derTorturm und die romanischeDoppelkapelle. An diese schließt sich das „Neue Steinhaus“ mit dem Rittersaal an. Unter den anderen Gebäuden ist vor allem das westlich der Kapelle gelegene Haus der Gräfin Walburg aus dem Jahre 1559 mit einer prachtvollen, zweigeschossigenAuslucht erwähnenswert. Diese ist mit reichen Ornamenten der Frührenaissance verziert und gilt als ein bedeutendes Werk des Münsteraner Bildhauers Johann Brabender. Auf demRheinisch-westfälischen Urkataster von 1834 ist zwischen den Außenwänden der Gebäude und dem Wassergraben eine Ringmauer mit kleinenBastionen verzeichnet. Die Vorburg besitzt ebenfalls eine Ringmauer. Von ursprünglich zwei Burgmannshöfen ist noch der Rheinische Hof von 1617 erhalten. An der Stelle des anderen stehen zwei Wirtschaftsgebäude.
ReichsgrafKarl Paul Ernst von Bentheim-Steinfurt veranlasste ab 1765 die Anlage einesfranzösischen Gartens im Hochwald südöstlich des Residenzschlosses. 1780 übernahmGraf Ludwig von Bentheim-Steinfurt die Regierung und führte die modernen Ideen derenglischen Gärten ein.1787 verzeichnet der erste Grundrissplan des Bagnos, vom französischenKupferstecherGeorges Louis Le Rouge inParis herausgebracht, 105 verschiedene Bauwerke, Wasserspiele, Brücken, Spielstätten, Statuen, Inseln, Gärten und Wege, die auf dem relativ kleinen Gelände von 125Hektar verteilt waren.
Das Bagno entwickelte sich zur bedeutendsten Parkanlage Westfalens, weil der Landesherr den Park für jedermann geöffnet hatte. Seit 2006 ist der Bagnopark Mitglied imEuropean Garden Heritage Network.[2]
Der genaue Zeitpunkt des Baubeginns der Konzerthalle ist nicht überliefert, die Fertigstellung war vermutlich im Jahr 1774.Seit der umfassenden Renovierung, die 1997 abgeschlossen wurde, wird die historische Konzerthalle unter dem NamenBagno Konzertgalerie Steinfurt wieder für eine Fülle an Konzerten mit teilweise weltbekannten Künstlern genutzt.