Das Land zwischen den MeerenNord- undOstsee ist nach demSaarland das zweitkleinste deutscheFlächenland. Schleswig-Holstein nimmt mit einer Fläche von rund 15.800 Quadratkilometern denzwölften Platz unter den16 deutschen Ländern ein und steht bei der Einwohnerzahl mit knapp 3 Millionen Menschen auf demneunten Platz.
Zur östlichen Jungmoränenlandschaft zählt mit ihrenFörden- undBuchtenküste, den kuppigenGrundmoränengebieten sowie der seenreichenHolsteinischen Schweiz, auch dasSchleswig-Holsteinische Hügelland bzw. Östliches Hügelland.[12][13] Westlich schließt sich die Niedere Geest an, die ausweichselzeitlichen Schmelzwasserablagerungen besteht. Das zugehörige Schmelzwasser floss nach Westen zur trockenliegenden Senke derNordsee und in das darin eingetiefteUrstromtal der Paläo-Elbe ab. Dabei umflossen sie hochliegende Grundmoränenplatten undEndmoränenzüge derSaale-Eiszeit, die heute die Landschaftselemente der Hohen Geest bilden und zur Altmoränenlandschaft gehören. Im Westen wurden die Schmelzwassersande dann bei der nacheiszeitlichenMeerestransgression vonholozänen Marschsedimenten der Nordsee überlagert.[12]
Die Westküste ist durch dasWattenmeer geprägt, wobei im Nordteil (Nordfriesland) neben denNordfriesischen Inseln zahlreicheHalligen vorgelagert sind. Die HalbinselEiderstedt ragt weiter ins Meer hinein. Die Landschaftsnamen derWiedingharde und derBökingharde waren zuletzt (bis 2007) nur noch als Bezeichnung zweierÄmter erhalten geblieben. Südlich davon, und schon teilweise im Bereich der Geest liegend, befindet sich zwischen den FlussläufenSoholmer Au undArlau dieNordergoesharde, sowie zwischen letztgenannter undHusumer Mühlenau dieSüdergoesharde. Letztere ist größtenteils (bis auf dieHattstedtermarsch) eine Geestlandschaft. Die weiter westlich in derDeutschen Bucht als Teil der Nordsee vorgelagerte InselHelgoland gehört ebenfalls zu Schleswig-Holstein.
Südlich von Nordfriesland liegt zwischen Eider- und Elbmündung die LandschaftDithmarschen, die sich aus den Gebieten Norderdithmarschen und Süderdithmarschen zusammensetzt. Daran schließen dann dieElbmarschen mit derWilstermarsch und derKremper Marsch an. Größter Fluss des Landes ist dieEider, höchste Erhebung derBungsberg (168 m).
Die Geest selbst konnte aufgrund der für den Ackerbau wenig geeigneten Böden erst spät erschlossen werden – selbst die Versuche der Heide- und Moorkolonisation im 18. Jahrhundert können noch als gescheitert angesehen werden. Entsprechend dünn gesät sind hier die traditionellen Landschaften. Dabei sind besonders dieSchleswigsche Geest auf der schon früh für den Verkehr wichtigen Landenge zwischen Schlei und der Eider mit der bereits genannten Südergoesharde und der LandschaftStapelholm zu nennen. BeiNeumünster liegt derNaturpark Aukrug und östlich von Hamburg die Landschaft Stormarn, deren östlicher Teil heute denKreis Stormarn bildet. Im Verhältnis zu den anderen Flächenländern ist Schleswig-Holstein waldarm, die Wälder bedecken nur rund elf Prozent der Landesfläche.[14]
Lübeck spielte immer eine Sonderrolle in Schleswig-Holstein. Das eigentliche Hinterland war Mecklenburg. Dennoch wird dasHolstentor von vielen als ein Wahrzeichen des Landes empfunden.Ein Wahrzeichen der Westküste:Leuchtturm Westerheversand
Eine Besonderheit ist dieHaseldorfer Graureiherkolonie, ein Artenschutzgebiet in Haseldorf, Kreis Pinneberg. Sie ist die größte und eine der bedeutendsten Brutkolonien des Graureihers in Schleswig-Holstein.
Schleswig-Holstein liegt in derWestwindzone. Das Klima wird von Tiefdruckgebieten vom Nordatlantik geprägt, die das ganze Jahr für unbeständige Bedingungen sorgen.[16] Das Klima in Schleswig-Holstein entspricht derKlimazone Cfb (Ozeanklima nach Köppen-Geiger), mit relativ ausgeglichenen Durchschnittstemperaturen und relativ ausgeglichenenNiederschlägen im Tages- sowie Jahresverlauf, sowie einer relativ hohenrelativen Luftfeuchte. Durch die relative Küstennähe jedes Punktes im Bundesland ist das Klima starkmaritim geprägt mit relativ hohenWindgeschwindigkeiten im Durchschnitt, einer relativ hohenSturmintensität sowie relativ vielenSturmtagen im Jahr.[17][18] Das Klima variiert je nach Parameter stark oder leicht zwischen unterschiedlichen Orten, jedoch gibt es einenGradient in der Kontinentalität, der ungefähr entlang einer Achse Nordwest-Südost verläuft und Richtung Südosten zunimmt.[19][20] Während weiter östlich und vor allem südöstlich also das Klima tendenziell etwaskontinentaler sowie auch stärker von der Ostsee beeinflusst ist – und damit im Schnitt etwas kühler und regenärmer – ist es Richtung Westküste etwas maritimer – und damit etwas milder und teilweise deutlich regenreicher.[18] Die gezeigten Klimatabellen zuKiel undItzehoe zeigen die tendenziellen Unterschiede auf: Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt für Kiel (Ostsee) ca. 0,3 °C unter der von Itzehoe (nahe Nordsee bzw.Unterelbe), während der akkumulierte Jahresniederschlag mit 750 mm in Kiel erheblich niedriger ist als in Itzehoe (856 mm). Die durchschnittlichen Sonnenstunden beider Orte sind etwa identisch, während die Sonnenstunden in Itzehoe leicht ausgeglichener sind über das Jahr verteilt. Die Unterschiede im Niederschlag können also in Schleswig-Holstein räumlich stark variieren und sich speziell im Beispiel Kiel-Itzehoe selbst auf der Achse Nordost–Südwest stark unterscheiden, auch wenn der Gradient der Kontinentalität eher grob entlang der Achse Nordwest–Südost verläuft.[21] Neben dem Niederschlag variiert vor allem das Windklima räumlich relativ stark. Im nördlichen Schleswig-Holstein sowie an den Küsten ist die Windgeschwindigkeit im Schnitt höher als im südlichen Schleswig-Holstein.[22] Die Abnahme der Windgeschwindigkeit im Binnenland folgt in der Richtung und Intensität ähnlich dem des Gradienten der Kontinentalität.
In Schleswig-Holstein wie in Hamburg ist das sogenannteSchmuddelwetter (niederdeutsch:Schietwedder) bekannt, eine Wetterlage, die zu jeder Jahreszeit auftreten kann und durch eine tief hängende Wolkendecke geprägt ist und Niesel- oder Sprühregen bringt.[23] Aufgrund desmaritimen Klimas ist es nicht selten, dass Schleswig-Holstein im Sommer das kühlste Bundesland ist und im Winter zu den milderen Regionen in Deutschland gehört.[24][25][26]
Als einziges Bundesland grenzt Schleswig-Holstein sowohl an die Nordsee als auch an die Ostsee und ist daher besonders anfällig für die Bedrohungen durch den Anstieg des Meeresspiegels, da fast 25 % der Landesfläche nur knapp über dem Meeresspiegel liegen. Diese Gebiete sind vor allem im Marschland an der Nordseeküste sowie in einigen Teilen der Ostseeküste zu finden.[28]
Die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) und die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) haben 2025 einen gemeinsamen Klima-Aufruf veröffentlicht. Die beiden Organisationen, die zusammen rund 55.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vertreten, fordern den Rückzug aus tiefer liegenden Küstenregionen an Nord- und Ostsee zu diskutieren.[29][30]
Bevölkerungspyramide für Schleswig-Holstein (Datenquelle: Zensus 2011[32])
Schleswig-Holstein hat knapp 3 Millionen Einwohner; die Bevölkerungsdichte von 183 Einwohnern/km² lag 2019 rund ein Fünftel unter dem Bundesdurchschnitt (Stand: Dezember 2019).[33] Altersaufbau undGeschlechterverteilung entsprechen weitgehend den bundesweiten Verhältnissen.
Von den Frauen sind 45,7 % verheiratet, 12,9 % verwitwet und 6,4 % geschieden. Bei den Männern sind es 47,7 %, 2,6 % und 5,4 %. Die Bevölkerung ist geografisch ungleichmäßig verteilt. Neben den kreisfreien Städten ist das Hamburger Umland, insbesondere die KreisePinneberg undStormarn, dicht besiedelt, derLandesteil Schleswig und derKreis Dithmarschen dagegen vergleichsweise dünn.
Hinsichtlich Fläche und Bevölkerung besitzt Schleswig-Holstein einige Superlative. So ist das Land in derListe der flächenkleinsten Gemeinden in Deutschland neunmal vertreten, z. B. mit der zweitkleinsten GemeindeArnis. In derListe der kleinsten Gemeinden in Deutschland nach Einwohnerzahl 25-mal, z. B. mit der kleinsten GemeindeGröde und der GemeindeWiedenborstel, die die niedrigste Bevölkerungsdichte aller deutschen Gemeinden aufweist. Schleswig-Holstein ist durch eine Vielzahl kleiner Gemeinden geprägt. Die nach Fläche größte Gemeinde Schleswig-Holsteins ist die HansestadtLübeck, die lange Jahre einefreie Reichsstadt war. Dagegen ist Arnis die kleinste Stadt Deutschlands, sowohl nach Einwohnerzahl als auch nach Fläche. In derListe der flächenkleinsten Städte in Deutschland ist Schleswig-Holstein 17-mal vertreten, obwohl Schleswig-Holstein nur 63 Städte beherbergt. Allein die vier flächenkleinsten Städte in Deutschland liegen in Schleswig-Holstein und fünf weitere bis Platz 16.
Die durchschnittlicheLebenserwartung lag im Zeitraum 2015/17 bei 78,1 Jahren für Männer und bei 82,8 Jahren für Frauen. Die Männer belegen damit unter den deutschen Bundesländern Rang 6, während Frauen Rang 11 belegen.[34] Die Einwohner Schleswig-Holsteins belegten im deutschlandweitenGlücksatlas 2022 den ersten Rang unter den 16 Bundesländern.[35]
Die historisch angestammte Bevölkerung ist(nieder-)sächsischen,anglischen,jütischen,friesischen undslawischen Ursprungs. Bis zurVölkerwanderung war das nördliche Schleswig-Holstein noch von denAngeln besiedelt. Hiervon zeugt noch heute die LandschaftsbezeichnungAngeln. Die aus Angeln nach Großbritannien ausgewanderten Angeln gaben dessen LandesteilEngland seinen Namen. In derWikingerzeit siedelten im mittleren und östlichen SchleswigDänen, im westlichen SchleswigFriesen, im mittleren und südwestlichen HolsteinSachsen und im Osten Holsteins und Lauenburgs die slawischen Stämme derWagrier undPolaben.[36]
In Schleswig-Holstein lebt einedänische (angestammt im LandesteilSchleswig, inzwischen auch inHolstein[37]), einefriesische (an der nordfriesischen Küste und auf den Inseln) und eine traditionelle Minderheit derSinti und Roma (vor allem in den Großstädten Kiel und Lübeck sowie im Hamburger Umland). Diese Minderheiten stehen unter besonderem Schutz der schleswig-holsteinischen Landesverfassung nach Art. 6; ihre Minderheitensprachen stehen wie das Plattdeutsche unter dem Schutz nach derEuropäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen.
Bezogen auf die eigene Einwohnerzahl nahm Schleswig-Holstein von allen westdeutschen Ländern während und nach dem Zweiten Weltkrieg am meistenFlüchtlinge bzw. Vertriebene auf. Diese stammten überwiegend ausHinterpommern undOstpreußen. So wuchs die Bevölkerung zwischen 1944 und 1949 um 1,1 Millionen. Die Integration der Flüchtlinge war vor allem in ländlichen Regionen von Konflikten geprägt.
Wegen der geografisch abgeschiedenen Lage und der eher schwachen Wirtschaftsentwicklung hat Schleswig-Holstein unter den westdeutschen Ländern den niedrigsten Anteil vonAusländern (1999: 5,1 %). Von den 140.000 hier lebenden Ausländern kommen gut drei Viertel aus Europa, davon 22 % der gesamten Ausländer aus den alten Ländern derEuropäischen Union. Die größte Gruppe aller Ausländer stammte 2012 mit 30.000 Personen aus derTürkei, die zweitgrößte mit 15.400 ausPolen.[38]
Nach dem Wortlaut des § 82a I desLandesverwaltungsgesetzes Schleswig-Holstein[39] von 1992 (LVwG SH), zuletzt geändert am 30. Juni 2016, ist „Deutsch“ Amtssprache im nördlichsten Bundesland, wobei juristisch unklar ist, ob damit nur diehochdeutsche Sprache gemeint ist oder auch dasNiederdeutsch.[40]
Partiell (räumlich und/oder sachlich) besitzen in Schleswig-Holstein neben Hochdeutsch die Regional- und Minderheitensprachen Niederdeutsch, Dänisch und Nordfriesisch den Rang von zugelassenen Amtssprachen: über die inzwischen klarstellende Regelung des§ 82 b LVwG SH sind diese Sprachen ausdrücklich auch als Amtssprachen neben dem Hochdeutschen zugelassen, eine ähnliche Regelung besteht für das Nordfriesische in § 1 desFriesisch-Gesetzes. Für das Niederdeutsche ist der Geltungsbereich landesweit schon nach bisheriger Rechtsauffassung im Land und jetzt auch gemäß § 82 b LVwG SH, für das Dänische gilt der Status nach dieser Norm inFlensburg und den KreisenNordfriesland,Schleswig-Flensburg undRendsburg-Eckernförde und seit 2018 auch inKiel, für das Friesische imKreis Nordfriesland und aufHelgoland.
In grenznahen Gemeinden zwischen Niebüll und Flensburg wird daneben nochSüdjütisch (Plattdänisch) gesprochen, das allgemein als Dialekt der dänischen Sprache angesehen wird, darüber hinaus im Flensburger RaumPetuh, teilweise auchMissingsch. Damit ist Schleswig-Holstein das an traditionell gesprochenen Sprachen reichste Land. Als ausgestorben gelten hingegen die einst inFriedrichstadt und aufEiderstedt gesprocheneniederländische Sprache und das in einzelnen Städten bis zurZeit des Nationalsozialismus teilweise gesprocheneJiddisch; wie hoch der Anteil der Jiddischsprecher unter den heute wieder knapp 2000 Bewohnern jüdischen Glaubens ist, ist unbekannt.[41]
Anteile der Sprachen: Deutsch ca. 2,7 Millionen Einwohner, Niederdeutsch ca. 1,3 Millionen, Dänisch (Standarddänisch,Sydslesvigdansk undSønderjysk) ca. 65.000[42], Nordfriesisch ca. 10.000, Romani ca. 5000.[5]
Im Kreis Nordfriesland finden sich auch zweisprachige Ortsschilder Hochdeutsch/Nordfriesisch; zum Beispiel wird dem Besucher vonNiebüll die Stadt auch alsNaibel angekündigt. In anderen Gemeinden des Landes gibt es zweisprachige Ortseingangsschilder in der Kombination Hochdeutsch/Niederdeutsch, zum Beispiel Eckernförde/Eckernföör.
Der Südosten des Landes war bis ins 12. Jahrhundert vonslawischen Völkern besiedelt, was sich heute noch an einigen slawischstämmigen Ortsnamen erkennen lässt (zum BeispielLübeck,Laboe,Eutin,Preetz,Ratzeburg).
Laut demZensus 2011 waren 51,5 % der Einwohnerevangelisch, 6,0 %römisch-katholisch und 42,5 % warenkonfessionslos, gehörten einer anderenGlaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.[43] Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung sinkt seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt, 2018 gehört letztmalig eine Bevölkerungsmehrheit diesen zwei größtenKonfessionsgemeinschaften an (44,6 % der Bevölkerung war damals Mitglied der evangelischen Kirchen und 6,1 % war Mitglied der katholischen Kirche).[44][45][46] Ende 2024 waren 36,5 % evangelisch, 5,2 % katholisch und 58,3 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.[47][48]
Detaillierte Zahlen zu weiteren Religionsgemeinschaften in Schleswig-Holstein (neben der evangelischen und römisch-katholischen Kirche) wurden letztmals beimZensus von 2011 erhoben. Damals waren 0,9 % Mitglieder einerevangelischen Freikirche, 0,7 % bekannten sich zu einerchristlich-orthodoxen Konfession, weniger als 0,1 % warenjüdischen Glaubens und weitere 1,8 % gehörten sonstigen in Schleswig-Holstein anerkannten öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften[49] an (darunter fallen mehrheitlichchristliche Sondergemeinschaften wie dieZeugen Jehovas). Zahlen zum Anteil der Bevölkerung mitmuslimischem Glauben liegen vom Zensus 2011 keine vor.[50] Eine Studie desBIM derHumboldt-Universität zu Berlin aus dem Jahr 2016 schätzt den Anteil derMuslime an der Bevölkerung in Schleswig-Holstein auf rund 3 %.[51]
Die evangelisch-lutherischeLandeskirche ist seit dem 27. Mai 2012 dieEvangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, kurz „Nordkirche“. Sie ist aus derNordelbischen Kirche, derEvangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und derPommerschen Evangelischen Kirche hervorgegangen, nachdem es einen längeren Fusionsprozess gegeben hatte,[52] der in einem am 5. Februar 2009 unterzeichneten Fusionsvertrag mündete. Im Gebiet Schleswig-Holsteins gibt es zwei Sprengel: Schleswig und Holstein sowie Hamburg und Lübeck, an deren Spitze jeweils ein Bischof beziehungsweise eine Bischöfin steht. Auch die Nordelbische Kirche war bereits ein 1977 gegründeter Zusammenschluss, in dem die bis dahin drei evangelisch-lutherischen Landeskirchen in Schleswig-Holstein aufgegangen waren.
DieEvangelisch-reformierte Kirche ist mit einer Gemeinde in Lübeck vertreten, während die Hamburger Gemeinde auch Mitglieder in Schleswig-Holstein hat. DieRemonstranten sind mit einer Gemeinde in Friedrichstadt vertreten.
Katholische Kirchen
Die Gemeinden derRömisch-Katholischen Kirche in Schleswig-Holstein unterstehen demErzbistum Hamburg. Neben der Römisch-Katholischen Kirche gibt es auf der nordfriesischen Halbinsel Nordstrand zudem einealtkatholische Gemeinde.[56] Auch die römisch-katholische Kirche verliert Mitglieder, 6,1 % der Bevölkerung waren 2018 römisch-katholisch, 5,3 % waren Ende 2023 römisch-katholisch.[57][58]
Laut Zensus 2011 hatten die evangelischenFreikirchen damals etwa 25.000 Mitglieder.[60]
Neuapostolische Kirche
In der Neuapostolischen Kirche zählt Schleswig-Holstein mit zum Apostelbereich Hamburg und umfasst auf schleswig-holsteinischem Territorium fünf Bezirke mit rund 10.000 Mitgliedern (Stand 2017).[61]
„Nur drei Menschen haben die schleswig-holsteinische Geschichte begriffen –Prinzgemahl Albert, der ist tot; ein deutscher Professor, der ist wahnsinnig geworden; und ich, nur habe ich alles darüber vergessen.“
MegalithanlagenSiedlungsgebiete zwischen 800 und 1100 im heutigen Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein wurde nach der letzten Eiszeit von Jägern und Sammlern besiedelt. Ab etwa 4000 v. Chr. kamen Ackerbauern ins Land, die zwischen 3500 und 2800Megalithanlagen errichteten, von denen nur noch über 100 erhalten sind. Vermutlich bereits seit derBronzezeit führte derOchsenweg durch das Land, der in historischen Zeiten dem Handel der nordjütischen Viehbestände diente.
In der Zeit derVölkerwanderungen verließen zahlreiche der zu denGermanen zählenden Volksgruppen das Land, so wanderten zwischen dem 3. und dem 5. Jahrhundert dieAngeln aus demgleichnamigen Gebiet nördlich der Schlei nachBritannien aus, wo sie sich mit anderen Völkern zu denAngelsachsen vereinigten und namensgebend für das spätereEngland wurden. Schleswig-Holstein war zu der Zeit sehr gering besiedelt.
Bis zumfrühen Mittelalter entwickelten sich im heutigen Schleswig-Holstein vier Völker- und Sprachgruppen: Im nördlichen Teil bis zu einer LinieEider –Treene –Eckernförde germanischeJüten[65] und nordgermanischeDänen, im nordwestlichen Teil seit dem 7. Jahrhundert westgermanischeFriesen, im östlichen Teil slawischeAbodriten, im südwestlichen Teil bis zur Eider und zur LinieKiel –Geesthacht westgermanischeSachsen, deren Stamm derHolsten später namensgebend für den südlichen LandesteilHolstein wurden.
Nach der Auswanderungswelle der Angeln drangendänische undjütische Siedler nordöstlich ins Land vor. Sie gründeten um 770 mitHaithabu einen der bedeutendsten Handelsplätze des frühen Mittelalters und errichteten mit demDanewerk einen Schutzwall gegen dieSachsen. Im Zuge derSachsenkriege kam der südliche Teil des Landes unter den Einfluss desFrankenreichs. Zwischen 768 und 811 kam es immer wieder zu Konfrontationen zwischen dem König des Frankenreiches und späteren christlichen KaiserKarl dem Großen und den heidnischen Nordgermanen, in deren Zuge auch das Danewerk ausgebaut wurde. 811 wurde in einem Friedensvertrag die Eider als Grenze zwischen demKarolinger- und demDänenreich festgeschrieben.
Mit der zunehmenden Besiedlung im 12. und 13. Jahrhundert verlor die Eidergrenze ihre tatsächliche Bedeutung als Trennungslinie, sie blieb aber bis zum Ende desHeiligen Römischen Reiches 1806 bzw. bis 1864 als Grenze zwischenSchleswig undHolstein bestehen. Bis zur Einführung desBürgerlichen Gesetzbuchs 1900 war sie zudem eine juristische Grenze, da in Schleswig bis zu diesem Zeitpunkt noch dasJütische Recht Dänemarks galt. Ab 1111 wuchs beiderseits der Eider die Eigenständigkeit, aus der die Herzogtümer Schleswig und Holstein (damals noch als Grafschaft) hervorgingen. Zugleich wurden zwischen den beiden Gebieten immer engere politische und wirtschaftliche Verbindungen geknüpft.
Im frühen 13. Jahrhundert versuchte derdänische König, auch Holstein in sein Reich zu integrieren. Er scheiterte nach anfänglichen Erfolgen jedoch 1227 in derSchlacht von Bornhöved am Widerstand norddeutscher Fürsten. Fortan markierte wieder dieEider die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland sowie zwischen Schleswig und Holstein. Ab 1250 entwickelte sich dieHanse zu einem bedeutenden Macht- und Wirtschaftsfaktor undLübeck wurde zu einer der bedeutendsten Städte Nordeuropas.
Durch zahlreiche Erbteilungen und Heimfälle ist die Territorialgeschichte Schleswigs und Holsteins sehr verwickelt. DerDynastie derSchauenburger gelang es jedoch, eine schleswig-holsteinische Herrschaft zu errichten, so dass imSpätmittelalter von Schleswig-Holstein als einem faktisch zusammenhängenden Territorium gesprochen werden kann. Das slawisch besiedelteWagrien wurde nun fest in die Grafschaft Holstein integriert, während sichDithmarschen zunächst eine weitgehende Autonomie bewahren konnte.
Siegel des Grafen Gerhard VI. von Schauenburg aus der Zeit um 1392
Nach dem Aussterben des Schleswiger Herzogsgeschlechts 1386 erzwangen die Schauenburger in Nyborg ihre erblicheBelehnung mit dem Herzogtum Schleswig durch dasdänische Königshaus, und der holsteinischeAdel begann verstärkt, Besitz in Schleswig zu erwerben. Insbesondere im Südosten Schleswigs entstanden großeGüter. Der bis dahin als deutsch-dänischer Grenzwald fungierende Dänische Wohld (dänisch:Jernved) nördlich der Eider wurde bereits seit 1260 an holsteinische Adlige verpachtet und in der Folge vor allem von Deutschen besiedelt.[66] Die Schauenburger bemühten sich systematisch darum, Schleswig eng an ihr Stammland Holstein zu binden. Ab 1386 zeigten sich Schleswig und Holstein erstmals vereint im Wappen.[67]
Die dänische Krone strebte seit 1396 ihrerseits danach, erneut Zugriff auf das Herzogtum zu erlangen. Als der SchauenburgerGerhard VI. 1404 inDithmarschen umkam, wollte die tatkräftige KöniginMargarethe I. versuchen, Schleswig wieder zum integralen Bestandteil Dänemarks zu machen. 1412 starb die Königin, 1426 griff dieHanse auf Seiten der Schauenburger in den Konflikt ein, und 1435 wurde schließlich derFrieden von Vordingborg geschlossen, der den Herzögen fast ganz Schleswig zusprach. Die innere Schwächung und Ablenkung Dänemarks führten dazu, dass die Schauenburger das Herzogtum 1440 erneut als erbliches, „freies und unbelastetes“ Lehen erhielten: Schleswig blieb also formal an die dänische Krone gebunden, konnte aber nach Belieben von den Herzögen verwaltet und vererbt werden, die den Königen weder zu Abgaben noch zur Heerfolge verpflichtet waren; die dänische Krone hatte damit vorerst faktisch keinen Zugriff mehr auf das Herzogtum Schleswig.
1474 wurde aus der Grafschaft Holstein das gleichnamigeHerzogtum.
Schleswig-Holstein 1559Schleswig-Holstein um 1650; die Herzogtümer sind einem Flickenteppich gleich in zahlreiche Hoheitsgebiete aufgeteilt, von denen dieköniglichen und dieherzoglichen Anteile sowie die gemeinschaftlich regierten Güterbezirke die größte Fläche einnehmen
1460 wählte dieSchleswig-Holsteinische Ritterschaft nach dem Aussterben der Schauenburger in direkter Linie den dänischen KönigChristian I. aus demHaus Oldenburg zum Landesherrn, er war ein Neffe des letzten Schauenburgers Adolf VIII. Die imVertrag von Ripen beschlossene Regelung bestimmte für die Herzogtümer, „dat se bliven ewich tosamende ungedelt“ (dass sie ewig ungeteilt zusammenbleiben), eine Satzung, die schon bald gebrochen wurde. Der dänische König regierte Schleswig und Holstein nicht in seiner Eigenschaft als König, sondern alsHerzog der beiden Gebiete, wobei dasHerzogtum Schleswig ein königlich-dänisches Lehen blieb, während dasHerzogtum Holstein zumHeiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte und damit einReichslehen war. Christian I. und seine Nachfolger auf dem Thron waren demnach dänische Könige und deutscheReichsfürsten inPersonalunion. Die dänische Vorherrschaft bestand bis 1864.
Christian III. führte 1542 mit der Kirchenordnung vonJohannes Bugenhagen dieReformation ein. Schon 1544 brach der König den Vertrag von Ripen und übergab Teile der schleswig-holsteinischen Herzogtümer an seine jüngeren HalbbrüderJohann undAdolf I., wodurch die TeilherzogtümerSchleswig-Holstein-Gottorf undSchleswig-Holstein-Hadersleben entstanden. 1564 übergab sein Sohn, KönigFriedrich II., ebenfalls Teile seines Besitzes in den Herzogtümern an seinen BruderJohann, womit ein weiteres Teilherzogtum in Schleswig-Holstein entstand, das HerzogtumSchleswig-Holstein-Sonderburg. Dieses Mal verweigerten dieStände ihre Zustimmung zum erneuten Bruch des Vertrags von Ripen und versagten ihm die Huldigung, so dass der Herzog von Sonderburg zum ersten derAbgeteilten Herren ohne Regierungsrechte wurde. Der Sonderburger Anteil zerfiel im Folgenden in zahlreiche abgeteilteDuodezherzogtümer. Das Haderslebener Herzogtum wurde aufgrund fehlender männlicher Erben schon 1580 wieder aufgelöst, das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf jedoch entwickelte sich zu einem bedeutenden politischen und kulturellen Machtfaktor. Unter den Gottorfer Herzögen wurden unter anderem die Schlösser vonHusum,Reinbek undTönning errichtet, die Schlösser vonKiel undGottorf erneuert und vergrößert und außerdem dieUniversität Kiel gegründet. Weiter stellte die Familie dieFürstbischöfe von Lübeck.
Der Gegensatz zwischen königlichem Anteil und herzoglichem – also gottorfschem – Anteil prägte die Politik der Herzogtümer der nächsten zwei Jahrhunderte. Die Verwaltungsgebiete der einzelnen Herrschaftsbereiche, die sogenanntenÄmter,Harden undLandschaften, wurden unter anderem nach der Höhe der Steuerkraft aufgeteilt, so dass weder der königliche noch der herzogliche Anteil über vollständig zusammenhängende Gebiete verfügte und Schleswig-Holstein sich in einen Flickenteppich kleinerer Einheiten gliederte. Während der herzogliche Anteil direkt durch die Gottorfer Linie aus dem namensgebendenSchloss Gottorf regiert wurde, setzte das dänische Königshaus stellvertretend für die Verwaltung seines Anteils die sogenanntenStatthalter ein. Einen Ausnahmestatus hatten dieGüterbezirke inne, weitgehend selbständige Bereiche, die sich zumeist im Besitz deruradeligen Familien befanden und die abwechselnd unter königlicher und herzoglicher Oberhoheit standen. Die Güter standen in hoher wirtschaftlicher Blüte, und der Landadel erlebte in dieser Epoche Schleswig-Holsteins sein „Goldenes Zeitalter“.[68] Weitere Sonderrollen im schleswig-holsteinischen Staatsgefüge hatten dasHochstift Lübeck, dieGrafschaft Holstein-Pinneberg und die hieraus hervorgehendeGrafschaft Rantzau, das erst 1559 eroberteDithmarschen sowie das damals noch nicht zu Holstein zählendeHerzogtum Sachsen-Lauenburg.
Während im Süden des Reiches 1618 derDreißigjährige Krieg ausbrach, blieben Schleswig und Holstein vorerst von Kampfhandlungen verschont und erlebten, bedingt durch die ertragreiche Agrarwirtschaft, eine Hochphase. 1625 griff Dänemark in die Kriegshandlungen ein, wodurch sich die Kampfhandlungen ab 1627 auch in die Herzogtümer verlagerten. Besonders die Festungen in Holstein, wieKrempe,Glückstadt undBreitenburg, waren Ziel der Angriffe. Der Dreißigjährige Krieg in Schleswig und Holstein endete 1629 vorerst mit demFrieden von Lübeck. Die Herzogtümer, die bisher weniger schwer verwüstet waren als andere Landstriche des Deutschen Reiches, erholten sich in der Folge, bis sie ab 1643 durch denTorstenssonkrieg erneut in die Kampfhandlungen einbezogen und verwüstet wurden.[69]
Im Laufe des 17. Jahrhunderts führte der Gegensatz zwischen herzoglichem und königlichem Anteil zu zunehmenden Konflikten zwischen beiden Parteien. Das Gottorfer Herzogtum forderte größere Souveränität und wandte sich von Dänemark ab und stattdessen dem KönigreichSchweden zu. Dies gipfelte zum Ende des Jahrhunderts in einer mehrfachen Besetzung des herzoglichen Anteils durch Dänemark. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts brach derGroße Nordische Krieg aus. Gottorf stand auf der Seite Schwedens, was nach der Niederlage des Königreichs 1713 zu einer vollständigen Annektierung des herzoglichen Anteils in Schleswig durch Dänemark führte. Das einstige Gottorfer Herzogtum verfügte im Folgenden nur noch über die Besitzungen in Holstein, dieAnnexion wurde 1720 imFrieden von Frederiksborg als rechtmäßig erklärt.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts bemühte sich Dänemark, sein Herrschaftsgebiet zu einen und den sogenanntenGesamtstaat zu vollenden. Die zahlreichen Teilherzogtümer Schleswig-Holsteins, die aus dem Sonderburger Anteil hervorgegangen waren, wurden im Falle eines ausbleibenden Erben bereits nicht mehr als neues Lehen vergeben, sondern dem dänischen Königreich zugeführt. Nachdem der Gottorfer Anteil in Holstein durch Erbgänge inPersonalunion mit dem russischen Zarentitel vereinigt wurde, wurde 1773 derVertrag von Zarskoje Selo ausgehandelt, durch den Schleswig und Holstein fast ganz unter die Herrschaft des dänischen Königs gerieten. 1779 wurde mitSchleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (ältere Linie) das letzte abgeteilte Herzogtum aufgelöst. Eine gewisse Eigenständigkeit blieb jedoch erhalten, als die Verwaltung der Herzogtümer in einer gesondertenDeutschen Kanzlei in Kopenhagen konzentriert war und 1789 eine eigene Währung eingeführt wurde (sieheSchilling Schleswig-Holsteinisch Courant,Schleswig-Holsteinische Speciesbank).
Im Jahr 1800 befand sich ganz Schleswig-Holstein – mit Ausnahme desFürstentums Lübeck und desHerzogtums Sachsen-Lauenburg – unter dänischer Verwaltung. Die StadtAltona, heute ein BezirkHamburgs, galt als zweitgrößte Stadt des Königreichs nach Kopenhagen. Zum Ende derNapoleonischen Kriege fand sich Dänemark mit zerrütteten Finanzen auf der Seite der Verlierer. In Bruch gegebener Versprechungen wurde die eigene Währung Opfer desdänischen Staatsbankrotts 1813; eine neue, in den Herzogtümern rigoros eingetriebene Zwangssteuer brachte zusätzlichen Unmut.
Der sowohl in Dänemark als auch in Deutschland aufkommendeNationalismus führte zu einem Gegensatz hinsichtlich der Zugehörigkeit der sogenanntenElbherzogtümer, der in zwei Kriege mündete. Umstritten war dabei nicht das ausschließlich deutsch besiedelte Holstein, das seit dem frühen Mittelalter zumHeiligen Römischen Reich und nach 1815 auch zumDeutschen Bund gehörte und lediglich vom dänischen König regiert wurde, sondern dasHerzogtum Schleswig, das ein Lehen Dänemarks gewesen war, jedoch sprachlich-kulturell (nieder)deutsch, dänisch und friesisch geprägt war. Sowohl in Deutschland als auch in Dänemark wurde das Land von den national gesinnten Liberalen zur Gänze beansprucht, obwohl es in einen überwiegend dänischsprachigen und dänischgesinnten Norden und einen überwiegend (nieder)deutschsprachigen und deutschgesinnten Süden geteilt war.
In demSylter NordfriesenUwe Jens Lornsen fand der deutschsprachige und deutschgesinnte Süden Schleswigs 1830 einen ersten wortgewaltigen Fürsprecher; er und seine Mitstreiter schrieben oft „Schleswigholstein“, um die Zusammengehörigkeit der beiden Gebiete auch in der Schreibweise auszudrücken. Ab 1840 versuchten sowohl deutsche als auch dänische Nationalliberale verstärkt in Schleswig Einfluss zu gewinnen, so dass sich ein Konflikt abzeichnete. Dieser brach im Zusammenhang mit derMärzrevolution 1848 offen aus: In Kiel wurde eine deutsch-orientierteprovisorische Regierung ausgerufen. Kurz zuvor hatte sich bereits in Kopenhagen im Zuge derdänischen Märzrevolution dasMärzministerium gebildet. Beide Regierungen waren von einem Dualismus von (national-)liberalen und konservativen Kräften geprägt. Während konservative Kräfte in Kopenhagen für einen Fortbestand des deutsch-dänischen Gesamtstaates eintraten, fordertenDe Nationalliberale im Programm derEiderdänen die Aufgabe Holsteins und die verfassungsmäßige Aufnahme Schleswigs in das Königreich. Dem stand die deutsch geprägte schleswig-holsteinische Bewegung entgegen, die die Aufnahme eines vereinten Schleswig-Holsteins in den Deutschen Bund verlangte.
Die Unvereinbarkeit beider Forderungen führte zurSchleswig-Holsteinischen Erhebung, in der die Deutschgesinnten vergeblich versuchten, die dänische Oberhoheit zu beenden. Nach dem Willen der deutschen Nationalliberalen sollte auch Schleswig Mitglied des Deutschen Bundes werden und vereint mit Holstein ein souveräner Staat unter Regierung desAugustenburger HerzogsChristian August sein. Nach deutscher Auffassung galt dassalische Recht auch in Schleswig, womit der Augustenburger Herzog legitimer Erbe in beiden Herzogtümern gewesen wäre, nachdem der dänische König und HerzogFriedrich VII. keine Nachkommen hatte. Nach dänischer Auffassung konnte der Herzog von Augustenburg als Thronerbe in Holstein gelten, jedoch nicht in Schleswig, wo nach dänischem Recht auch die Erbfolge durch die weibliche Linie bestand.
Zunächst wurde die schleswig-holsteinische Erhebung vom Deutschen Bund bzw. dementstehenden Deutschen Reich unterstützt, ebenso von Preußen. DieSchleswig-Holsteinische Erhebung wurde zum einzigenBundeskrieg im Deutschen Bund. Auf Druck der europäischen Großmächte zogen sich die preußische Armee und die Bundestruppen jedoch zurück, so dass dieSchleswig-Holsteinische Armee auf sich allein gestellt war. Der dänische Sieg beiIdstedt 1850 beendete vorerst die deutschen Hoffnungen auf ein deutsches „Schleswigholstein“. Stattdessen wurde derstatus quo ante wiederhergestellt. Am 2. Juli 1850 wurde derFrieden von Berlin zwischen demDeutschen Bund und Dänemark geschlossen. Das unter Mitwirkung der Alliierten zustandegekommeneLondoner Protokoll von 1852 garantierte den Fortbestand des Gesamtstaates und bestimmte, dass Schleswig nicht näher als Holstein an das Königreich gebunden werden sollte. Eine nationalstaatliche Lösung der sogenanntenSchleswig-Holstein-Frage (und vor allem der Frage der nationalen Zugehörigkeit Schleswigs) konnte somit noch nicht gefunden werden.
Mit demLondoner Protokoll (1852) wurde der Gesamtstaat wiederhergestellt. Jedoch bestand im eigentlichen Königreich Dänemark seit der Einführung desdänischen Grundgesetzes 1849 einekonstitutionelle Monarchie mit einer parlamentarisch gewählten Regierung, während die Herzogtümer weiterhin absolutistisch mit nachZensuswahlrecht zusammengesetzten beratendenStändeversammlungen regiert wurden – eine Konstruktion, die die Gesetzgebung nicht unerheblich erschwerte.
Als gemeinsame Klammer zwischen Königreich und den Herzogtümern wurde 1855 dieGesamtstaatsverfassung beschlossen, die einen gemeinsamenReichsrat vorsah, jedoch auf deutscher und dänischer Seite auf Kritik stieß und entsprechend von derHolsteinischen Ständeversammlung abgelehnt wurde. 1858 verwarf auch der Deutsche Bund die Verfassung für die beiden Bundesstaaten Holstein und Lauenburg, womit die Gesamtstaatsverfassung (entgegen ihrer Intention und den Bestimmungen des Londoner Protokolls) nur noch für Dänemark und Schleswig Gültigkeit besaß. Somit kamen Holstein und Lauenburg derBundesakte des Deutschen Bundes, der für jeden Bundesstaat eine Verfassung festschrieb, nicht mehr nach.
1863 beschloss die dänische Regierung schließlich die sogenannteNovemberverfassung, die Schleswig näher an Dänemark binden und den innenpolitischen Einfluss der Holsteinischen Ständeversammlung mindern sollte. Die deutsche Seite sah mit der neuen Verfassung jedoch das Londoner Protokoll gebrochen. Entsprechend erwirkte der Deutsche Bund noch im selben Jahr eineBundesexekution gegen die Bundesglieder Holstein und Lauenburg, die im Dezember 1863 mit der Besetzung Holsteins durch Bundestruppen umgesetzt wurde.
Im Februar 1864 überschritten schließlich – unter Protest des Deutschen Bundes – preußische und österreichische Truppen dieEider und besetzten imDeutsch-Dänischen Krieg das Herzogtum Schleswig und weite Teile des übrigen Jütlands. Die während einer Waffenruhe unter Vermittlung der Großmächte stattfindendenVerhandlungen über eine nationale Teilung Schleswigs führten zu keinen Ergebnissen, Dänemark musste schließlich am 30. Oktober denFrieden von Wien unterzeichnen, demzufolge die Rechte an den deutscherseits „Elbherzogtümern“ genannten Herzogtümern Österreich und Preußen gemeinsam in einemKondominium übertragen wurden. Nur kleine Teile im Norden Schleswigs blieben dänisch: die InselÆrø, siebenKirchspiele südlich vonKolding und ein Streifen umRibe; im Gegenzug gab Dänemark seine Ansprüche auf dieköniglichen Enklaven an der schleswigschen Westküste auf.
Die Herzogtümer Schleswig und Holstein bildeten anschließend einösterreichisch-preußisches Kondominium. Dieses wurde mit derGasteiner Konvention vom August 1865 so ausgestaltet, dass Schleswig unter preußische und Holstein unter österreichische Verwaltung kam; die Doppelherrschaft an sich blieb bestehen. Ebenfalls laut Konvention wurde der preußische König Wilhelm der Herzog Lauenburgs, wofür Österreich eine Ausgleichszahlung erhielt. Preußen trachtete aber danach, ganz Schleswig-Holstein zu annektieren. Die Ansprüche des AugustenburgersFriedrich VII. auf Schleswig-Holstein übergingen die Siegermächte, wenngleich Österreich dieaugustenburgische Bewegung agieren ließ.
Nach demDeutschen Krieg im Sommer 1866 akzeptierte Österreich im Prager Frieden, dass die Herzogtümer an Preußen gingen. Im Jahr 1867 machte Preußen aus ihnen dieProvinz Schleswig-Holstein. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Forderungen der meisten deutschen Schleswig-Holsteiner – Loslösung von Dänemark und Mitgliedschaft als eigenständiges Staatsgebilde innerhalb des Deutschen Bundes – erreichten die Herzogtümer also nur die Loslösung vom dänischen Gesamtstaat. Als Provinz Preußens lagen sie 1867 imNorddeutschen Bund und 1871 im Deutschen Kaiserreich. (Lauenburg wurde erst 1876 Teil jener Provinz.)
Notmünzen-Wappenseite (1923): UP EWIG UNGEDEELTWertseite der 10-Pfennig-Notmünze
Abgeschlossen wurde dievölkerrechtliche Auseinandersetzung mitDänemark jedoch erst 1920. ImPrager Frieden 1866 war zwischenPreußen undÖsterreich auf InterventionNapoleons III. in Artikel 5 eine Volksabstimmung inNordschleswig vorgesehen gewesen, der zufolge es den Nordschleswigern frei gestanden hätte, sich für Dänemark oder Preußen / Österreich zu entscheiden. Diese Klausel wurde 1879 von den beiden Vertragsparteien einvernehmlich annulliert. Das musste Dänemark widerstrebend zur Kenntnis nehmen.[70] Schon vorher hatte Preußen sich die Herzogtümer als Provinz einverleibt. Dänemark war damit nicht einverstanden gewesen. Die ursprünglich vorgeseheneVolksabstimmung wurde dann nach demErsten Weltkrieg auf Druck und unter Aufsicht der Siegermächte desErsten Weltkriegs in Nordschleswig nachträglich vollzogen. Es wurde eine internationale Kommission mit je einem britischen, französischen, schwedischen und norwegischen Vertreter gebildet, die die Verwaltung in den Abstimmungsgebieten ausübte. Sie saß in Flensburg, besaß eine neu gebildetePolizei und hatte britische und französische Truppen zu ihrer Unterstützung. Bei der Abstimmung ergab sich eine dänische Mehrheit im nördlichen Landesteil und eine deutsche im südlichen Teil. Der mittlere Stimmbezirk (mitFlensburg) war besonders hart umstritten, entschied sich dann aber deutlich für die Zugehörigkeit zumDeutschen Reich. Daher wurde am 6. Juli 1920 inParis ein Übertragungsvertrag geschlossen, der das nördliche Schleswig Dänemark und den südlichen Teil Deutschland zusprach.[71]
Schleswig-Holstein war eine frühe Hochburg desNationalsozialismus. Hohe Wahlergebnisse erzielte dieNSDAP schon 1928 inDithmarschen. Die von den Nationalsozialisten sogenannteBlutnacht von Wöhrden 1929 und derAltonaer Blutsonntag 1932 – Altona gehörte damals noch zu Schleswig-Holstein/Preußen, nicht zu Hamburg – wurden von derNS-Propaganda überregional ausgeschlachtet. Bekannte schleswig-holsteinische Autoren zählten zu den geistigen Wegbereitern des Nationalsozialismus: der aus Nordschleswig stammendeJulius Langbehn sowie die DithmarscherAdolf Bartels und – eingeschränkt –Gustav Frenssen.
Kriegsgefangene musstenZwangsarbeit in Schleswig-Holstein leisten. Die sowjetischen Kriegsgefangenen kamen in einem erbärmlichen Zustand an, da sie nur unzureichend ernährt wurden. In Heidkaten beiKaltenkirchen (Herbst 1941 bis April 1944) undGudendorf (April 1944 bis Kriegsende) wurden Lager eingerichtet, dieGerhard Hoch als „Sterbelager“ bezeichnete. In Gudendorf starben 1944 und 1945 3000 sowjetische Kriegsgefangene. Die Zahl der Todesopfer in Heidkaten ist unklar, aber es wird ebenfalls eine vierstellige Zahl angenommen.[74][75] Auch im medizinischen Bereich kam es in dieser Zeit zu Gräueltaten. In derKinderfachabteilung Schleswig wurden zwischen 1939 und 1945 mindestens 216 Kinder ermordet.[76]
HerrenhausAltenhof: Residenz des Britischen Regional/Land CommissionersTabellarische Übersicht über die Gutachten zur Länderreform, die im Zonenbeirat zur Abstimmung stand.Polizeieinsatz gegen die Demonstration am Baugelände desKernkraftwerks Brokdorf, Februar 1981
Durch den Verzicht auf dieMeldepflicht seitens der britischen Besatzungsmacht und die Anziehungskraft desSonderbereichs Mürwik entwickelte sich Schleswig-Holstein zum „sicheren Hafen“ für zahlloseNS-Kriegsverbrecher, die über dieRattenlinie Nord dort untertauchten und teils jahrzehntelang unbehelligt blieben.[78]
Dieser 'braune Sumpf' setzte sich nahtlos im Parlament und derLandesregierung von Schleswig-Holstein seit 1946 fort. Ende der 1950er Jahre lag der Anteil ehemaliger NSDAP-Mitglieder im Kieler Landtag mehr als doppelt so hoch wie in Bremen und etwa 60 % höher als in Niedersachsen. In der Provinz Schleswig-Holstein, in der 1932/33 in einigen Regionen 70 % und mehr NSDAP gewählt hatten, galt lange nach dem Krieg eine NS-Mitgliedschaft nicht als anrüchig. Nach dem Wahlerfolg des bürgerlichen Lagers von 1950 hatten über zwei Jahrzehnte jeweils mindestens zwei von drei Regierungsmitgliedern vor 1945 der NSDAP angehört. Unter den Staatssekretären war die frühere NSDAP-Mitgliedschaft sogar die Norm.[79]
Zur Jahreswende 1945/1946 ernannte dieMilitärregierung derBritischen Besatzungszone beratende deutscheEntnazifizierungsausschüsse. Im Massenverfahren wurden 406.500 Menschen entnazifiziert: In die Kategorie I derHauptschuldigen und die Kategorie II derSchuldigen wurde in Schleswig-Holstein aber niemand eingestuft. 2217 stufte man in die Kategorie III derBelasteten ein; dazu gehörte auch der ehemalige GauleiterHinrich Lohse. 66.500 kamen in die Kategorie IV alsMitläufer und 206.000 in die Kategorie V alsEntlastete.[80]
Nach Kriegsende war Schleswig-Holstein formell noch einepreußische Provinz. Der ChristdemokratTheodor Steltzer, der dem militärischenWiderstand gegen das NS-Regime nahegestanden hatte, wurde im November alsOberpräsident an die Spitze der Verwaltung berufen, später zum ersten Ministerpräsidenten ernannt. Am 26. Februar 1946 trat der ersteLandtag zusammen, der noch nicht gewählt, sondern von der Militärregierung ernannt worden war, die sich, zunächst vertreten durch ihren „Regional Commissioner for Schleswig-Holstein“, den Luftmarschall im RuhestandHugh Vivian Champion de Crespigny, letzte Entscheidungen vorbehielt. Mit derVerordnung Nr. 46 derbritischen Militärregierung vom 23. August 1946 „Betreffend die Auflösung der Provinzen des ehemaligen LandesPreußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbständige Länder“ erhielt das Land Schleswig-Holstein seine rechtlichen Grundlagen.[7] Als Hauptstadt setzte sich Kiel gegenSchleswig durch; Dienstsitz des britischen „Regional“, später „Land Commissioners“ war das sogenannte Somerset-House in Kiel, Residenz das HerrenhausAltenhof. Bei derLandtagswahl vom 20. April 1947 wurde erstmals einLandtag gewählt. EinBundesland wurde Schleswig-Holstein mit der 1949 vom Landtag verabschiedetenLandessatzung, die am 12. Januar 1950 in Kraft trat. Erst durch die am 30. Mai 1990 vom Kieler Landtag verabschiedete Verfassungsreform trug diese auch den Namen Landesverfassung.
Am 29. März 1955 wurden dieBonn-Kopenhagener Erklärungen unterzeichnet, in der die Bundesrepublik und Dänemark jeweils für die jeweiligeMinderheit der anderen Nationalität auf ihrem Gebiet Schutzrechte vereinbarten und zugleich das freie Bekenntnis jedes Bürgers zu einer Volksgruppe als von Amts wegen nicht bestreitbar und nicht überprüfbar festschrieb. Dieses Abkommen gilt bis heute als Modell für die einvernehmliche Lösung von Volksgruppenfragen.
ImKalten Krieg wurde Schleswig-Holstein aufgrund seinerstrategischen Bedeutung für dieNATO zu einem Stationierungsschwerpunkt der 1955 gegründetenBundeswehr. Dem eigens eingerichteten KommandobereichLANDJUT war mit der6. Panzergrenadierdivision die personalstärkste NATO-Division unterstellt, die im nördlichsten Land disloziert war, dazu kamen die Ostseestützpunkte derBundesmarine.
Einige der heftigsten Proteste gegenKernkraftwerke in Deutschland fand von 1976 bis Anfang der 1980er Jahre um die Baustelle desKernkraftwerks Brokdorf statt. Einschneidendstes Naturereignis in der Landesgeschichte dürfte dieSchneekatastrophe am Jahreswechsel 1978/1979 gewesen sein, bei der nach starken Schneefällen und großenSchneeverwehungen über mehrere Tage viele Ortschaften nicht versorgt werden konnten.
Mit Entscheidung vom 29. August 2010 erklärte jedoch das Landesverfassungsgericht Schleswig-Holsteins das der Landtagswahl zugrundeliegende Landeswahlgesetz für verfassungswidrig. Dem Landtag wurde auferlegt, bis zum Mai 2011 ein neues Gesetz zu beschließen. Ferner wurden Neuwahlen bis spätestens September 2012 angeordnet.[81]
Schleswig-Holstein ist ein ländlich und protestantisch geprägtes Land. In derNachkriegszeit gab es in ganz Deutschland 12 bis 14 MillionenHeimatvertriebene aus dem Osten. Viele kamen in das relativ wenig zerstörte Schleswig-Holstein.DerBund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) erhielt bei derLandtagswahl in Schleswig-Holstein 1950 23,4 % der Wählerstimmen. 1954 waren es 14,0 % und 1958 nur noch 6,9 %. Auch in anderen Bundesländern glitt der BHE in die Bedeutungslosigkeit; die meistenHeimatvertriebenen integrierten sich in die westdeutsche Gesellschaft.Bei der Landtagswahl 1967 erhielt dieNPD 5,8 % der Stimmen sowie vier der 73 Sitze und zog in den Landtag ein. 1971 (1,3 %), 1975 (0,5 %) und 1979 (0,2 %) scheiterte sie an der Fünf-Prozent-Hürde, danach trat sie nicht mehr an.
Bei der Landtagswahl 1992 erhielt dierechtsextremeDVU 6,3 % und sechs Sitze; bei der Wahl 1996 aber nur 4,3 %. Danach trat sie nicht mehr an.
In Schleswig-Holstein waren die Stimmenanteile derFDP und derGrünen bisher meist geringer als in den anderen westdeutschen Ländern. Die Stimmenverteilung innerhalb des Landes ist regional sehr verschieden. Tendenziell ist der Stimmenanteil derSPD in den kreisfreien Städten und im UmlandHamburgs höher, der Stimmenanteil derCDU ist tendenziell höher in den KreisenNordfriesland undDithmarschen sowie in den ländlichen Gemeinden der KreiseSteinburg,Rendsburg-Eckernförde undSegeberg.Bei der Europawahl 2019 wurden die Grünen die landesweit stärkste Partei.[82]
Eine Besonderheit in der Parteienlandschaft Schleswig-Holsteins ist derSüdschleswigsche Wählerverband. Er vertritt die Interessen derdänischen und dernordfriesischenMinderheit und ist durch die verfassungsrechtliche Anerkennung als Minderheitenpartei von derFünf-Prozent-Hürde nach dem Wahlgesetz für den Landtag von Schleswig-Holstein ausgenommen.[83]
Schleswig-Holstein ist laut Artikel 1 seinerVerfassung vom 12. Januar 1950 einGliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. In der Folge derBarschel-Affäre 1987 wurden vomUntersuchungsausschuss strukturelle Änderungen angeregt. Eine eingesetzteEnquete-Kommission erstellte Vorschläge zu einer Verfassungs- und Parlamentsreform und legte 1989 ihren Schlussbericht vor. Daraufhin wurde die Verfassung geändert und auch vonLandessatzung inLandesverfassung umbenannt. Sie wurde am 30. Mai 1990 vom Landtag verabschiedet. Die Verfassung enthält seitdem auchStaatszielbestimmungen, z. B. denMinderheitenschutz derfriesischen und derdänischen Volksgruppe im Land (Art. 5), die Förderung derGleichstellung von Mann und Frau (Art. 6), den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (Art. 7) oder Schutz und Förderung derKultur einschließlich derplattdeutschen Sprache (Art. 9).
Im Vergleich zu anderen deutschen Landesverfassungen hat die Verfassung weitreichende Elemente derdirekten Demokratie. Wie in allen anderen deutschen Ländern geht die Staatsgewalt vom Volke aus, das heißt, das Volk bekundet seinen Willen in Wahlen und Abstimmungen im Lande, in denGemeinden und den Gemeindeverbänden.
Die Landesflagge besteht aus drei horizontalen Streifen. Der obere Streifen ist blau, der mittlere weiß und der untere rot. Die Farben sind aus dem Landeswappen genommen und sind 1840 zum ersten Mal von den deutschen Schleswig-Holsteinern im sich abzeichnenden deutsch-dänischen Konflikt umSchleswig verwendet worden. Im Jahr 1949 wurde die Flagge offiziell von den Briten anerkannt. Die Dienstflagge enthält im Gegensatz zur Landesflagge das Landeswappen. Bei offizieller Beflaggung wird die Dienstflagge gehisst. Die Dienstflagge darf nur von den entsprechenden Behörden benutzt werden, die Landesflagge dagegen kann von jedermann frei benutzt werden, wovon großzügig Gebrauch gemacht wird – etwa in Form von Flaggen im Vorgarten. Schiffe führen eine Erkennungsflagge in den Farben der Landesflagge. Landeswappen, Landesfarben und -flagge wurden erst 1957 durch das Gesetz über die Hoheitszeichen des Landes Schleswig-Holstein vom 18. Januar 1957 festgelegt.
Das Wappen umfasst heraldisch (also vom Wappen aus gesehen) links einen silbernen/weißen Schild mit roter Borte – das Wappen der Schauenburger Territorialherren –, das seit den Oldenburgern als holsteinischesNesselblatt bezeichnet wird und heraldisch rechts dieSchleswigschen Löwen. Seit 2009 gibt es als Bürgerwappen ein unten abgerundetes Landeswappen.
Der Landtag Schleswig-Holstein ist das vom Landesvolk gewählte oberste Organ der politischen Willensbildung und führt somit dielegislative Gewalt aus. Der Landtag wählt die Ministerpräsidentin oder den Ministerpräsidenten. Der Landtag besteht in der Regel (ohneÜberhangmandate) aus 69 Abgeordneten (siehe Tabelle). Sie werden nach einem Verfahren gewählt, das diePersönlichkeitswahl mit den Grundsätzen derVerhältniswahl verbindet.
Der Ministerpräsident wird vom Landtag ohne Aussprache gewählt. Er beruft und entlässt die Landesminister und bestellt aus diesem Kreis für sich einen Vertreter. Zum Ministerpräsidenten ist gewählt, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Landtages auf sich vereinigt (absolute Mehrheit). Erhält im ersten Wahlgang niemand diese Mehrheit, so findet ein neuer Wahlgang statt. Kommt die Wahl auch im zweiten Wahlgang nicht zustande, so ist gewählt, wer in einem weiteren Wahlgang die meisten Stimmen erhält.
Henning Schwarz führte nach dem Rücktritt und dem kurz darauf folgenden Tod Uwe Barschels die Amtsgeschäfte des Ministerpräsidenten kommissarisch weiter bis zur Wahl Björn Engholms zum Ministerpräsidenten.
Dierechtsprechende Gewalt ist den Richtern anvertraut; sie wird im Namen des Volkes ausgeübt. Die Richter sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen.
Als kleines Land verfügt Schleswig-Holstein lediglich über ein einzigesOberlandesgericht mit Sitz in Schleswig. Unterhalb des Oberlandesgerichts gibt es in Schleswig-HolsteinLandgerichte in Kiel, Lübeck, Flensburg und Itzehoe und unterhalb der Landgerichte insgesamt 22Amtsgerichte.
Schleswig-Holstein verfügt als letztes Land erst seit dem 1. Mai 2008 über ein eigenes Landesverfassungsgericht.[84] Zuvor war dieVerfassungsgerichtsbarkeit gemäß Artikel 44 der Landesverfassung und gemäß Artikel 99 desGrundgesetzes die Entscheidung von Verfassungsstreitigkeiten innerhalb des Landes demBundesverfassungsgericht übertragen.
Die Gesetzentwürfe werden von der Landesregierung oder von einzelnen oder mehreren Abgeordneten des Landtages oder durch Initiativen aus dem Volk eingebracht. Die Gesetze werden durch den Landtag oder durch Volksentscheid beschlossen.Gesetze, die die Verfassung ändern, bedürfen der Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des Landtages sowie der Zustimmung des Volkes. Außerdem müssen sie den Wortlaut des ändernden Verfassungstextes ausdrücklich ändern und ergänzen.
AlleBürger haben das Recht, denLandtag im Rahmen seiner Entscheidungszuständigkeit mit bestimmten Gegenständen der politischen Willensbildung zu befassen. Einer Initiative kann ein mit Gründen versehener Gesetzentwurf zugrunde liegen; er darf den Grundsätzen des demokratischen und sozialenRechtsstaates nicht widersprechen. Die Initiativen müssen von mindestens 20.000 Stimmberechtigten unterzeichnet sein. Ihre Vertreter haben das Recht auf Anhörung. Initiativen über den Haushalt des Landes, über Dienst- und Versorgungsbezüge sowie über öffentliche Abgaben sind jedoch unzulässig.
Stimmt der Landtag demGesetzentwurf oder der Vorlage innerhalb einer Frist von vier Monaten nicht zu, so sind die Vertreter derVolksinitiative berechtigt, die Durchführung eines Volksbegehrens zu beantragen. Der Landtag entscheidet nun, ob das beantragte Volksbegehren zulässig ist. Ein Volksbegehren ist dann zustande gekommen, wenn mindestens 5 % der Stimmberechtigten innerhalb eines halben Jahres dem Volksbegehren zugestimmt haben.
Ist einVolksbegehren zustande gekommen, so muss innerhalb von neun Monaten über den Gesetzentwurf oder die andere Vorlage einVolksentscheid herbeigeführt werden. Der Landtag kann einen eigenen Gesetzentwurf oder eine andere Vorlage zur gleichzeitigen Abstimmung stellen. Ein Volksentscheid findet nicht statt, wenn der Landtag das Gesetz schon verabschiedet hat, sodass ein Volksentscheid überflüssig geworden ist, oder wenn dasBundesverfassungsgericht – bzw. seit Bestehen des Landesverfassungsgerichts dieses – auf Antrag des Landtages oder der Landesregierung das Volksbegehren als verfassungswidrig eingestuft hat.
Der Gesetzentwurf oder die andere Vorlage ist durch Volksentscheid angenommen, wenn die Mehrheit derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens ein Viertel der Stimmberechtigten, zugestimmt hat. Eine Verfassungsänderung durch Volksentscheid bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln derjenigen, die ihre Stimme abgegeben haben, jedoch mindestens die Hälfte der Stimmberechtigten. In der Abstimmung zählen nur die gültigen Ja- und Nein-Stimmen.
Schleswig-Holstein besteht heute (Stand: 1. Juni 2023) aus insgesamt vier kreisfreien Städten, elf Kreisen, 83 Ämtern und 1104 Gemeinden.[85] Von diesen Gemeinden haben etwa 900 weniger als 2000 Einwohner und werden von einem ehrenamtlichenBürgermeister verwaltet. 63 Gemeinden besitzen dasStadtrecht. Stadtrecht kann eine Gemeinde erhalten, die mindestens 10.000 Einwohner besitzt; Städte, die dieses aus alter Zeit haben, verlieren es aber nicht. In den Städten leben 1,6 Millionen der etwa 2,9 Millionen Einwohner des Landes (Stand Dezember 2018). DerKreis Pinneberg ist mit 325.223 Einwohnern der bevölkerungsreichste und auch kleinste des Landes, derKreis Rendsburg-Eckernförde mit 2190 km² der flächenmäßig größte und damit fast so groß wie dasSaarland.
Einen Sonderstatus nehmen die StädteNorderstedt (seit dem 1. Januar 2005) undElmshorn (seit dem 1. Januar 2021) als „Große kreisangehörige Städte“ gemäß § 60a der Gemeindeordnung Schleswig-Holstein ein, da sie die beiden einzigen nicht kreisfreien Städte mit mindestens 50.000 Einwohnern sind.[86]
Schleswig-Holstein zeichnet sich durch eine große Zahl von Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern aus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern änderte daran auch die durchgeführte Gebietsreform nichts. 1020 kleinere Städte und Gemeinden sind in 83 Ämtern zusammengefasst, um die Verwaltungsaufgaben effektiver zu gestalten (Stand 1. Juni 2023).
Arnis ist mit seinen 251 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands.Gröde (7) undWiedenborstel (10) gehören zu den kleinsten eigenständigen Gemeinden Deutschlands.
Am 1. November 2016 schlug derSüdschleswigsche Wählerverband vor, dass die Anzahl der Gemeinden bis 2022 von derzeit 1100 auf 170 sinken solle. Die Amtsebene mit 88 Ämtern solle entfallen und dafür Großgemeinden entstehen, die mindestens 8000, besser bis zu 20.000 Einwohner haben. Hintergrund ist die Annahme, dass die kleinteilige Gemeindestruktur Demokratiedefizite besitze. Zur Kommunalwahl 2013 hatte es in knapp jeder dritten Gemeinde nur noch eine einzige Wählerliste gegeben.[88]
Darüber hinaus betreibt das Land seit 1995Schleswig-Holstein-Büros im Ostseeraum zur Stärkung der traditionell engen Beziehung zwischen den Ländern des Ostseeraums. Schleswig-Holstein-Büros befinden sich in Danzig, Kaliningrad, St. Petersburg, Vilnius, Riga und Tallinn.[90] Als einziger Nachbarstaat, mit dem S-H eine Landesgrenze hat, ist die Zusammenarbeit mitDänemark, bzw. Regionen (z. B.Midtjylland undNordjylland) und Kommunen in Dänemark, umfassend. Mit Regionen in Norwegen und Schweden wird zusammengearbeitet.
In ökonomischer Hinsicht lassen sich drei Großräume unterscheiden: die prosperierendeMetropolregion Hamburg, auch „Speckgürtel“ genannt (mit Maschinenbau und Dienstleistungen), die strukturschwache Westküste, an der Landwirtschaft, Tourismus undWindkraftanlagen dominieren, und die Hafenstädte an der Ostküste (insbesondere Lübeck, Kiel und Flensburg) mit Handel, Verkehr, Schiffbau, Tourismus und Windenergie.[91]
In den letzten Jahren gewinnt derSeehandel mit anderen Ostseestaaten wieder an Bedeutung. Eine besondere Rolle spielen dabei dieJütlandlinie und dieVogelfluglinie wie derLübecker Hafen als Wege nachSkandinavien,Finnland,Russland und dasBaltikum. DerLübecker Hafen ist – mit 23,3 Millionen Tonnen umgeschlagenen Gütern im Jahr 2014 – der umschlagstärkste schleswig-holsteinische Hafen, die ebenfalls an der Ostsee liegenden Rostocker Häfen lagen mit 24,16 Millionen Tonnen nur leicht darüber. In allen schleswig-holsteinischen Seehäfen, sowohl an Nord- und Ostsee als auch an der Elbe und am Nord-Ostsee-Kanal, wurden im Jahr 2014 51,3 Millionen Tonnen Güter im Seeverkehr umgeschlagen.[92] Im Corona-Jahr 2020 waren es 50,2 Mio. t.[93] In Kiel hatten die Kreuzfahrtanläufe und Passagierzahlen in den 2010er Jahren Rekordhöhen erreicht.
In Schleswig-Holstein sind gut zwei Drittel der gesamten deutschenFischereiflotte stationiert. Rund ein Viertel der deutschenReedereien sind im Land angesiedelt; etwa 20 % des deutschen Umsatzes imSchiffbau werden hier erwirtschaftet.
DerTourismus in Schleswig-Holstein hat eine weit größere Bedeutung als in den meisten anderen Ländern. Im Jahr 2018 erwirtschafteten etwa 151.000 Beschäftigte einen Umsatz von 7,9 Milliarden Euro.[94] Der Beitrag des Tourismus zumVolkseinkommen betrug damit 5,9 %. Umgelegt auf das durchschnittliche Volkseinkommen pro Kopf und Jahr, ergibt sich ein Äquivalent von über 168.000 Personen, die ihren Lebensunterhalt durch die touristische Nachfrage bestreiten können.[95]
Auch derGrenzhandel spielt eine Rolle in der schleswig-holsteinischen Wirtschaft. So kauften 2011 laut einer Umfrage fast 60 Prozent der dänischen HaushalteBier oderLimonade in deutschen Grenzmärkten. Insgesamt werden im Grenzhandel jährlich rund 800 Millionen Euro umgesetzt. InEinkaufsparks wie demScandinavian Park inHandewitt und demGrenzmarkt Zur Krone inHarrislee machen Käufe von Skandinaviern laut derIndustrie- und Handelskammer Flensburg bis zu 25 Prozent des Umsatzes aus.[96]
2017 hatte Schleswig-Holstein erstmals seit 1989 einen Exportüberschuss: Waren im Wert von 22,6 Milliarden Euro wurden exportiert, im Wert von 20,8 Milliarden Euro importiert. Wichtigster Handelspartner war Dänemark mit Waren im Wert von 1,8 Milliarden Euro (7,9 % Anteil im Export). Der Export-Anteil derEU lag bei 56,3 %, wobei insbesondere die EU-StaatenNiederlande,Vereinigtes Königreich,Frankreich,Polen,Belgien undItalien beteiligt waren.[97]
Im Vergleich mit demBIP derEU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Schleswig-Holstein einen Index von 104,0 (EU-28:100) (2014).[98]
2010 betrug die Wirtschaftsleistung in Schleswig-Holstein gemessen am BIP rund 75,6 Milliarden Euro. Der Schuldenstand belief sich Ende 2010 auf rund 26 Milliarden Euro.
Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze pro 1000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter 65 Jahren; Zahlen zum 31. Dezember 2018 gemäß Fortschreibung des Bevölkerungsstandes[100] nachBevölkerungsstatistikgesetz auf Basis des Zensus 2011.[101]
In der Branche dererneuerbaren Energien arbeiten derzeit mehr als 15.000 Menschen. Insbesondere in ländlichen Räumen ist neue Wertschöpfung entstanden.
Eine zunehmend wichtige Rolle spielt hingegen die im Rahmen derEnergiewende vorangetriebene NutzungErneuerbarer Energiequellen. Im Jahr 2017 erzeugten diese Energieträger 69,3 % des im Land erzeugten Stroms. Speziell dieWindenergie ist in diesem Land stark – allein sie trugen mit 55,9 % zur Gesamterzeugung bei.[103] Die Windenergie erfuhr in Schleswig-Holstein als einem der deutschen Pionierländer seit den 1990er Jahren einen enormen Bedeutungszuwachs, nachdem bereits in den 1980er Jahren erste Testanlagen wie derGrowian errichtet wurden. Neben Anlagen an Land, die weiterhin die größte Bedeutung haben, wird seit den 2010er Jahren auch der Ausbau vonOffshore-Windparks in der deutschenAusschließlichen Wirtschaftszone in der Nordsee forciert. Mitte 2016 standen 3498Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 6149 MW in dem Land.[104] Die Ende 2014 installierten Windkraftanlagen konnten rechnerisch etwa 70 % des schleswig-holsteinischen Strombedarfs decken.[105] Ende 2022 waren 7.450 MW installiert, im ersten Halbjahr 2023 kamen weitere 582,5 MW hinzu.[106]
2017 wurden 8,3 % des erzeugten Stromes mit Biogas erzeugt und 3,8 % mitPhotovoltaik. Erneuerbare-Energien-Anlagen, die Strom aus Wasserkraft, Biomasse, Klärgasen/Deponiegasen sowie biogenen Abfällen gewinnen, spielten kaum eine Rolle.[103]
Im Bereich fossiler Energieträger sank der Anteil desKohlestroms 2017 auf 8,0 %, Strom ausErdgas-Verfeuerung 3,4 %, Strom ausÖl-Verfeuerung 0,8 %. Auch nicht-biogene Abfälle (0,8 %) und sonstige Energieträger (0,1 %) spielten kaum eine Rolle in der Stromerzeugung.[103]
Die Regierung sprach sich 2013 dafür aus, bis 2020 den Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch auf 300 bis 400 Prozent zu steigern und somit zunehmend auch andere Länder zu versorgen.[107] 2017 betrug der Anteil aller Energien am Stromverbrauch rund 150 %.[108]
Das Flächenland Schleswig-Holstein verbindetDeutschland mit Dänemark und damit mitSkandinavien. Die Hauptverkehrsströme laufen dabei entlang derJütlandlinie (Hamburg–Flensburg–Fredericia–Kopenhagen), derVogelfluglinie (Hamburg–Lübeck–Puttgarden–Rödby–Kopenhagen), über die Westküstenachse (Hamburg–Itzehoe–Heide–Husum–Sylt/Esbjerg) und in Ost-West-Richtung über denNord-Ostsee-Kanal (NOK), dieElbe und die Landwege Hamburg–Berlin. Wichtige Knoten stellen dieHäfen Kiel und Lübeck sowie im LandverkehrNeumünster dar. Während der landgebundene Verkehr (Straße und Schiene) vor allem in Nord-Süd-Richtung auf Hamburg hin konzentriert verläuft, ist die Hauptachse des Schiffsverkehrs der ostwestlich verlaufende Nord-Ostsee-Kanal. Die Häfen mit dem stärksten Umschlag liegen in Lübeck in Richtung Ostsee undin Brunsbüttel in Richtung Nordsee. AmFlughafen Lübeck-Blankensee gibt es seit 2020 wieder Linienflüge. AmFlugplatz Kiel-Holtenau gibt es schon seit 2006 keine Linienflüge mehr, Ausbaupläne wurden verworfen. Das Ergebnis eines Bürgerentscheids im Mai 2018 hat das Fortbestehen des Flugplatzes Kiel-Holtenau bekräftigt. Pläne, auf dem Flugplatzgelände in Kiel Wohnungen zu errichten, wurden von der Mehrheit der Abstimmenden abgelehnt. Der von Urlaubern frequentierteFlughafen Sylt verzeichnete 2018 125.000 Passagiere.
Schifffahrt: 13,2 Millionen Passagiere (2019), 53 Millionen Tonnen Güterumschlag in schleswig-holsteinischen Häfen (2019[111]; 2015 waren es 39,5 Mio. t)
DieEisenbahn hat in Schleswig-Holstein eine relativ große Bedeutung für den Tourismus und für Berufspendler zu den Zentren Hamburg, Lübeck und Kiel.
Die Hauptstrecken der Eisenbahn sind auf Hamburg ausgerichtet. Von dort führen sie nachKiel/Flensburg und nachLübeck. Auch die Züge derMarschbahn beginnen inHamburg und enden inWesterland aufSylt. Von Bedeutung war ab den 1960er Jahren dieEisenbahnfähre vonFehmarn nachLolland im Verlauf derVogelfluglinie. Seit der Eröffnung derBrücke über den Großen Belt in Dänemark ist der Güterverkehr über die Vogelfluglinie zum Erliegen gekommen.Im Zuge der im Bau befindlichenfesten Fehmarnbeltquerung ist zwischen Lübeck und Fehmarn eine neutrassierte, leistungsfähigere Strecke in Planung.
Im nördlichen und mittleren Teil Schleswig-Holsteins gibt es seit der Stilllegung derBahnstrecke Flensburg-Weiche–Lindholm in den 1980er Jahren nur noch drei reine Ost-West-Verbindungen:
Außerdem verkehren auf einigen zusätzlichen Strecken Güterzüge, etwa nachBrunsbüttel. Auf weiteren Strecken findet zurzeit nur Saison- und Museumsverkehr statt:
DerRegionalverkehr im Land ist vertaktet, sodass auf jeder Strecke mindestens alle zwei Stunden Züge verkehren. Auf den meisten Strecken gibt es einenStundentakt, teilweise sogar einen Halbstundentakt. Eine Ausnahme bildet die Strecke Niebüll–Dagebüll, die aufgrund des Fährfahrplans nicht vertaktet ist.
Der unvertakteteFernverkehr ist mit einigenInterCity-Zugpaaren auf der Marschbahn am dichtesten.ICE-Züge erreichen Lübeck und Kiel jeweils über Hamburg und nach Kiel über Neumünster. Ab 2007 gab es auchDiesel-ICE bis Århus über Neumünster, Rendsburg und Flensburg, bis 2019 fuhren diese bis Kopenhagen über Lübeck,Oldenburg in Holstein undPuttgarden. Mehrere Fernzüge auf derBahnstrecke Berlin–Hamburg halten in Büchen mit Umstiegsmöglichkeiten von und nach Lübeck und Lüneburg.
29 Prozent der Strecken sindelektrifiziert, weniger als in vergleichbaren Bundesländern.
Das Land hat insgesamt 46 öffentliche Häfen und Anlegestellen. Vier von ihnen haben überregionale Transitfunktionen: Kiel,Lübeck-Travemünde undPuttgarden an derOstsee,Brunsbüttel an der Nordsee. Kiel und Lübeck sind ebenso für den Güterverkehr nachSkandinavien sowie nach Osteuropa wichtig. Lübeck-Travemünde und Kiel sind zudem wichtige Fähr- bzw. Kreuzfahrthäfen (2013: 153 Kreuzfahrtschiffe, 397.000 Passagiere begannen oder beendeten ihre Kreuzfahrt in einem schleswig-holsteinischen Hafen). Puttgarden ist der deutsche Hafen der Vogelfluglinie nach Dänemark.Brunsbüttel ist ein wichtiger Hafen für Massengüter und dient außerdem als Basis für dieOffshore-Windenergieindustrie.
Gemessen am Güterumschlag waren 2017 die größten Häfen:
Lübeck (einschließlich Lübeck-Travemünde): 25 Mio. t (2017)
DerNord-Ostsee-Kanal ist mit über 41.000 Schiffsbewegungen jährlich die meistgenutzte künstliche Wasserstraße der Welt. Der Schiffsverkehr auf dem Kanal hat sich zwischen 1998 und 2006 fast verdreifacht.
Karte der Flughäfen und Landeplätze in Schleswig-Holstein und Hamburg
Die beiden größeren zivilen Flughäfen des Landes sind derFlugplatz Kiel-Holtenau und derFlughafen Lübeck-Blankensee. In den 1980er Jahren verhinderten Bürgerinitiativen die Verlängerung der Landebahn des Kieler „Flughafens“ fürMittelstreckenflugzeuge. Während der Kieler Flugplatz derzeit keine Linienflüge anbietet, war der Flughafen Lübeck-Blankensee mit 697.559 Passagieren im Jahr 2009 auch für den Ferntourismus von Bedeutung, da er regelmäßig von sogenanntenBilligfluggesellschaften angeflogen wurde – seitdem wurde der Betrieb jedoch stark eingeschränkt. Den insolventen Lübecker Flughafen kaufte im Juni 2016 ein Lübecker Labormediziner.[116]
Der weitaus wichtigste Verkehrsflughafen für das Land ist jedoch derFlughafen Hamburg, nur wenige Kilometer südlich der Landesgrenze gelegen; die Startbahn 2 reicht in Norderstedt auf schleswig-holsteinisches Gebiet.
Schleswig-Holstein verfügt über den höchsten Anteil an Radwegen entlang von Straßen unter den deutschen Bundesländern. Im Jahr 2019 verfügten 56 % aller Straßen im Land über einen Radweg.[117]
Insgesamt 13 Radfernwege führen durch das nördlichste Bundesland:[118]
Die 4,2 km langeVeloroute 10 in Kiel gilt als Schleswig-Holsteins erster Fahrradschnellweg. Sie wurde auf einem ehemaligen Gütergleis gebaut und verbindet den StadtteilHassee mit demHolstein-Stadion.
Im Schuljahr 2024/2025 besuchten 290.300 Kinder und Jugendliche die 759 öffentlichen allgemeinbildenden Schulen mit 20.247 Lehrer-Stellen, davon 1.543 im Vorbereitungsdienst (8 %),[121] weitere 82.000 Schüler (davon waren 12 % im ersten Halbjahr mehr als 10 Tage abwesend, jeder 124. sogar mehr als 40 Tage) besuchen die 35 berufsbildenden Schulen mit 3.981 Lehrer-Planstellen (1:21), davon 209 im Vorbereitungsdienst (5 %).[121] An den 394 Grundschulen werden 110.500 Schüler (davon waren 8 % im ersten Halbjahr mehr als 10 Tage abwesend, jeder 731. mehr als 40) von Lehrern auf 5.713 Panstellen (1:19) unterrichtet, an den 136 Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe (einschließlich DaZ-Basisstufe im Sekundarbereich) und den 44 Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe werden 96.000 Schüler (18 % mehr als 10 Tage abwesend, jeder 72. mehr als 40 Tage) von Lehrern auf 7.000 Planstellen (1:13) unterrichtet, 78.000 Schüler (11 %, jeder 297. mehr als 40 Tage) an 100 Gymnasien auf 4.880 Planstellen (1:16), an 85 Förderzentren werden 6.000 Schüler (30 % mehr als 10 Tage abwesend, jeder 48. mehr als 40 Tage) von Lehrern auf 2.655 Planstellen (1:2,25) unterrichtet.[121]
Von den Schülern an den allgemeinbildenden Schulen fehlten 28.383 (ca. 10 %) 11 bis 20 Tage, 6.650 (ca. 2 %) 21 bis 40 Tage und 1.618 (etwa jeder 180. Schüler) mehr als 40 Tage, an den berufsbildenden Schulen 6.613 (8 %), 2.196 (3 %), 659 (jeder 124. Schüler),[122] 77 % waren glaubwürdig entschuldigt, die Daten liegen differenziert nach Schulart und Kreis bzw. kreisfreier Stadt vor, bzgl. entschuldigter Fehlzeiten wird nach fragwürdig/glaubwürdig differenziert.[122]
Schleswig-Holstein hat im Vergleich der Bundesländer (Stand 2013) mit ungefähr 16,5:1 das deutschlandweit höchste Schüler-zu-Lehrkräfteverhältnis (Bundesdurchschnitt: 15,2:1).[123] Im bundesweiten Vergleich ist Schleswig-Holstein seit 2011 jedes Jahr unter den drei Bundesländern, die je Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen am wenigsten für Bildung ausgeben.[124]
Im Schuljahr 2007/08 besuchten 36 % der 335.473 Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine Grundschule, 25 % ein Gymnasium, 18 % eine Realschule, 11 % eine Hauptschule, 6 % eine Gesamtschule und 3 % eine Sonderschule. Weiterhin gibt es freie Waldorfschulen (1 % der Schüler) und Abendgymnasien (0,1 %).[125]
Eine Besonderheit an der schleswig-holsteinischen Bildungslandschaft sind die insgesamt 48 dänischen Schulen im Landesteil Schleswig, die vomDänischen Schulverein für Südschleswig getragen werden. Die hier erworbenen zweisprachigen Schulabschlüsse werden ohne Weiteres sowohl in Deutschland als auch in Dänemark anerkannt.
Beim Bildungsmonitor 2017 wurden die Bildungssysteme der Bundesländer miteinander verglichen auf Basis von zwölf verschiedenen Indikatoren, wieBildungsarmut oderFörderinfrastruktur. Schleswig-Holstein belegte den 13. Platz,[126] im Jahr 2018 den 10.[127]
Die Universitäten des Landes bilden mit der Wissenserzeugung und -vermittlung ein starkes Rückgrat des Forschungssystems in Schleswig-Holstein, das durch zahlreiche außeruniversitäre Forschungsinstitute ergänzt wird. Forschung auf anerkannt hohem und internationalem Niveau wird in Schleswig-Holstein in Bereichen wie Meeresforschung, Biomedizin und Medizintechnik sowie in den Natur- und Ingenieurwissenschaften betrieben.
Schleswig-Holstein hat mit 6100 Euro je Studierenden im Bundesländervergleich die fünftniedrigsten laufenden Ausgaben (Grundmittel ausschließlich medizinische Einrichtungen) für Lehre und Forschung an öffentlichen Hochschulen (Bundesdurchschnitt: 6300 Euro).[123]
Die Kultur Schleswig-Holsteins ist – bedingt nicht zuletzt durch die dänischen und friesischen Einflüsse – recht vielfältig. Sie ist geprägt von historisch-geografischen Faktoren wie der Lage zwischen Nordsee und Ostsee sowie der früheren bäuerlichen Kultur. Besonders im Norden des Landes ist der skandinavische Einfluss in der Architektur undWohnkultur erkennbar. Es entstand eine Bautypologie, die von rotem oder gelbem Backstein als Baumaterial geprägt ist sowie von einer kompakten, auf die Witterung angepassten Bauweise.[128]
In musikalischer Hinsicht beheimatet das Land mit dem 1986 vonJustus Frantz gegründetenSchleswig-Holstein Musik Festival eines der größten Klassikfestivals Europas. Es präsentiert alljährlich im Juli und August rund 130 Konzerte vor über 100.000 Besuchern, verteilt auf 30–50 Spielstätten im ganzen Land. Daneben fanden im Rahmen der Orchesterakademie bis 2011 imLandeskulturzentrum Salzau sowie heute noch die Meisterkurse an derMusikhochschule Lübeck sowie der Chorakademie eine international renommierte Nachwuchsförderung von Hochbegabten aus aller Welt statt.
DieEutiner Festspiele wurden 1951 aus Anlass des 125. Todestages des inEutin geborenen KomponistenCarl Maria von Weber gegründet.[129] Ausgehend von den damaligen Aufführungen der Weber-Oper „Der Freischütz“ ziehen die Festspiele mit jeweils einer jährlichen Musical- und Opernproduktion sowie verschiedenen Konzerten heutzutage über 65.000 Gäste nachOstholstein, auch dank der spektakulären, 2024 eröffneten Freilichtbühne direkt amGroßen Eutiner See.[130]
International bekannt ist das alljährlicheWacken Open Air, das weltgrößteMetal-Festival.
Seit 1989 findet um Pfingsten dasBluesfest Eutin mit bis zu 15.000 Besuchern statt.
In Schleswig-Holstein gibt es eine Vielzahl von Denkmalen. Etwa ein Drittel der Baudenkmale des Landes befinden sich in Lübeck. Teile der Lübecker Altstadt und der wikingerzeitliche HandelsplatzHaithabu und das GrenzbauwerkDanewerk sind alsUNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.
Das Spektrum der rund 250 schleswig-holsteinischen Museen ist breit gefächert: Es reicht von den zentralen Landesmuseen der StiftungSchloss Gottorf über die historischen Schlösser und großen Häuser in den Städten bis hin zu einer Vielzahl sehenswerter Heimatmuseen, die Vergangenheit und Eigenheit von Land und Leuten vermitteln, etwa dasCarl-Haeberlin-Friesenmuseum inWyk auf Föhr. Im Museum derNolde Stiftung Seebüll inSeebüll sind Werke desexpressionistischen MalersEmil Nolde in dessen ehemaligem Wohnhaus zu sehen. DasSchleswig-Holsteinische Freilichtmuseum in Molfsee zeigt historische Gebäude aus dem ganzen Land.
DieGrenz-Dokumentationsstätte Lübeck-Schlutup befand sich bis Ende 2024 in Trägerschaft eines Vereins. Seit Anfang 2025 ist die Trägerschaft auf die Hansestadt Lübeck übergegangen und soll später auf eine Stiftung übertragen werden. Sie zeigt die Geschichte derinnerdeutschen Grenze im Abschnitt zwischen Schleswig-Holstein und derDeutsche Demokratische Republik. Lübeck war die einzige westdeutsche Großstadt, die direkt an der innerdeutschen Grenze lag.
Die Windjammerparade in derKieler Woche ist eine der weltweit größten Segelveranstaltungen.
Durch die langen Küsten ist derWassersport ebenso populär wie dasAngeln, vor allem aber ist Kiel eine der Weltmetropolen desSegelns, anerkannt durch die Segelwettbewerbe derOlympischen Sommerspiele 1936 undOlympischen Sommerspiele 1972. Mit derKieler Woche und derTravemünder Woche ist das Land Ausrichter von zwei der größten und traditionsreichsten Segelwettbewerbe der Welt. Auf derFlensburger Förde tragen die Segler traditionell während der herbstlichenFörde-Woche die letzten Segelwettkämpfe des Jahres aus. Die älteste Regatta des Landes dürfte dieAalregatta sein, die lange Zeit als Eröffnungsregatta in dieKieler Woche integriert war. Insgesamt sind im Land in 230 Vereinen etwa 32.000 Segler organisiert.
Sylt undFehmarn gelten alsMekka vielerWindsurfer. DasRudern hat inRatzeburg ein Bundesleistungszentrum und einen Olympiastützpunkt. Unter anderem wurden die erfolgreichenDeutschland-Achter von 1960 und 1968 in Ratzeburg gebildet. Seit etwa 2000 hat sich dasKitesurfen an der Ost- und der Westküste etabliert. InSt. Peter-Ording finden zahlreiche Wettbewerbe in dieser Sportart statt.
Schleswig-Holstein beheimatet zweiHandballvereine, die regelmäßig an der Spitze derBundesliga, des europäischen und des Welthandballs spielen: denTHW Kiel und dieSG Flensburg-Handewitt. Diesen Anspruch konnten sie in den Jahren 2007 und 2014 mit einem rein schleswig-holsteinischen Champions-League-Finale untermauern, das die Kieler „Zebras“ 2007 gegen den Rivalen von der dänischen Grenze für sich entscheiden konnten, während die SG Flensburg-Handewitt 2014 als Sieger aus dem Finalspiel gegen den THW Kiel hervorging. Bundesligisten im Handball waren zeitweise auch derVfL Bad Schwartau (seit 2017 firmierend alsVfL Lübeck-Schwartau),TSB Flensburg, dieSG Weiche-Handewitt und derTSV Altenholz; der Handewitter SV aus der ehemaligen Spielgemeinschaft Weiche-Handewitt bildet jetzt zusammen mit dem TSB Flensburg die SG Flensburg-Handewitt.
Schleswig-Holstein war mit Holstein Kiel in derSaison 2024/25 erstmals in derFußball-Bundesliga vertreten. Vor Gründung der 1. Liga 1963 spielten Holstein Kiel (1947–1963) und der VfB Lübeck (1947–1950, 1952–1954, 1957/58, 1959–1961 und 1962/63) in derOberliga Nord, der damals höchsten Spielklasse. Neben den beiden spielten außerdem derItzehoer SV (1950/51), derHeider SV (1956/57 und 1960/61), derVfR Neumünster (1955–1963) und der1. FC Phönix Lübeck (1957–1960) in der Oberliga und zuvor waren zwischen 1933 und 1944 insgesamt 14 Clubs in derGauliga Nordmark undGauliga Schleswig-Holstein erstklassig. DerTSV Uetersen wurde 1950 Meister der drittklassigen Hamburger Germania-Staffel und stieg in die Hamburger Amateurliga auf, deren Meistertitel 1956/57 errungen wurde. Der VfB Lübeck stieg jeweils 1995 und 2002 für kurze Zeit in die Zweite Bundesliga auf und erreichte 2004 das Halbfinale desDFB-Pokals.
Mit denKiel Baltic Hurricanes desASC Kiel hat Schleswig-Holstein einen Erstligisten imAmerican Football. Die Mannschaft spielt in derGFL, der höchsten nationalen Liga. Am 9. Oktober 2010 standen die Hurricanes gegen dieBerlin Adler im Endspiel (German Bowl), welches sie mit 17:10 gewannen. Ein Jahr später verloren sie das Endspiel gegen dieSchwäbisch Hall Unicorns mit 44:48. Im Folgejahr gelang wiederum der Einzug ins Endspiel, das wieder gegen Schwäbisch Hall verloren wurde. Seitdem war meistens im Halbfinale Endstation, jedoch gelang auch 2013, 2014, 2015 und 2025 die Qualifikation für die Playoffs. Seit Einführung derBig6 European Football League als Ersatz für den alten Eurobowl hat Kiel an den beiden Ausgaben desEFL Bowl teilgenommen und beide Ausgaben gewonnen.
BeimVfB Lübeck wird neben Fuß- und Handball auchTischtennis gespielt; sowohl Damen als auch Herren waren lange Zeit in der Bundesliga vertreten, die Herren gewannen einmal den Europapokal (ETTU-Cup). Unter dem Dach des VfB Lübeck wird ebenfalls erfolgreichBadminton gespielt, dort befindet sich ein Bundesnachwuchsstützpunkt.Lübeck,Kiel undFlensburg sind traditionsreiche Stätten desBoxsports.
Jährlich finden inBrokstedt und auf dem Dithmarschen-Ring inAlbersdorf (Holstein)Speedwayrennen statt. InJübek wurden auf dem Egon-Müller-Ring mehrere WM-Finalläufe und Langbahn-WM-Grand-Prix-Rennen ausgetragen. Weitere Sportarten wie dasReiten sind ebenfalls populär und haben viele Spitzensportler hervorgebracht.
Als erstes deutsches Bundesland hat Schleswig-Holstein im Jahr 2019 eine von politischer Seite ausgelobte Förderung für denE-Sport bereitgestellt.[131] Mit dem zur Verfügung gestellten Geld wurde das erste deutsche Landeszentrum für E-Sport (LEZ) gegründet.[132][133]
Sieben Personen sind bisherEhrenbürger von Schleswig-Holstein geworden:
Helmut Schmidt (1918–2015), 1998, früherer deutscher Bundeskanzler, Mitglied des Deutschen Bundestages
Uwe Ronneburger (1920–2007), 2000, früherer stellvertretender Bundesvorsitzender und schleswig-holsteinischer Landesvorsitzender der Freien Demokratische Partei (FDP), Mitglied des Deutschen Bundestages
Gerhard Stoltenberg (1928–2001), postum 2002, früherer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und früherer Bundesminister der Verteidigung und der Finanzen, Mitglied des Deutschen Bundestages
Siegfried Lenz (1926–2014), 2004, bekannter deutscher Autor (viele seiner Geschichten spielen in Schleswig-Holstein), der einen Teil des Jahres inTetenhusen bei Rendsburg lebte.
Armin Mueller-Stahl (* 1930), 2010, Schauspieler, der in Schleswig-Holstein lebt und sich für die Musikhochschule Lübeck und verschiedene Schleswig-Holsteiner Museen engagiert.[134]
Otto Brandt, Wilhelm Klüver:Geschichte Schleswig-Holsteins. 8. Auflage. Mühlau, Kiel 1981.
Johann Friedrich Camerer:Vermischte historisch-politische Nachrichten in Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzogthümer Schleßwig und Hollstein, ihrer natürlichen Geschichte und andern seltenen Alterthümern. Flensburg/Leipzig 1758–1762.(Inseln, Westküste, Nordmarsch, Uetersen mit Kloster, Eiderstedt, Stapelholm, nordische Geschichte, Sylt, Tondern sowie Grafschaft Rantzau, Rellingen, Seestermühe, Ulzburg, Leezen, Oldesloe und Helgoland)
Johann Friedrich Camerer:Sechs Schreiben von einigen Merkwürdigkeiten der Holsteinischen Gegenden. Meissner, Leipzig 1756.Vor- und Frühgeschichte Sylt, Schleswig, Rendsburg, Husum und Umgebung, Belagerung der Festung Rendsburg, Grabhügel bei Ostenfeld
Uwe Carstens:Parteiendemokratie in Schleswig-Holstein. In: Göttrik Wewer (Hrsg.):Demokratie in Schleswig-Holstein. Historische Aspekte und aktuelle Fragen. Opladen 1998,ISBN 3-8100-2028-1.
Uwe Carstens:Das Flüchtlingsproblem in Schleswig-Holstein. Veröffentlichung des Schleswig-Holsteinischen Landesarchivs, Schleswig 1997,ISBN 3-931292-51-7.
Uwe Danker und Sebastian Lehmann-Himmel:Landespolitik mit Vergangenheit. Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive nach 1945. Durchgeführt im Auftrag desSchleswig-Holsteinischen Landtags, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2017,ISBN 978-3-89876-857-3.
Uwe Danker, Astrid Schwabe:Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus. Neumünster 2005,ISBN 3-529-02810-X.
Uwe Danker, Astrid Schwabe:Die Volksgemeinschaft in der Region. Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus. Husum Druck und Verlagsgesellschaft, Husum 2022,ISBN 978-3-96717-007-8.
Potenziale und Grenzen am Beispiel des Falls Schleswig-Holstein. Zeitschrift Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 2017, vol. 65 (1), 76–103,doi:10.1515/vfzg-2017-0004
Urs J. Diederichs Hrsg.:Schleswig-Holstein unter dem Hakenkreuz. Im Auftr. d. Evang. Akad. Nordelbien. Bad Segeberg/Hamburg 1984.
Bartholomäus Figatowski (Hrsg.):Wenn die Biiken brennen. Phantastische Geschichten aus Schleswig-Holstein. Verlag 71, Plön 2009,ISBN 978-3-928905-76-3.
Bettina Goldberg:Abseits der Metropolen. Die jüdische Minderheit in Schleswig-Holstein. Wachholtz, Neumünster 2011,ISBN 978-3-529-06111-0.
Rezension: Rainer Hering, inTransversal. Zeitschrift für jüdische Studien. Hg. Centrum für jüd. Studien an derUniversität Graz. Heft 1, 13. Jg. 2012,ISSN1607-629X S. 104–107.
Volker Griese:Schleswig-Holstein. Denkwürdigkeiten der Geschichte. Historische Miniaturen. Books on Demand, Norderstedt 2012,ISBN 978-3-8448-1283-1.
Gregor Gumpert, Ewald Tucai (Hrsg.):Över’t Land in Schleswig-Holstein. Plattdeutsche Texte mit Bildern von Klaus Fußmann. Mit Hörbuch, gelesen von Sabine Kaack. 2. Auflage. Wachholtz, Neumünster 2012,ISBN 978-3-529-06112-7.
Gregor Gumpert, Ewald Tucai (Hrsg.):Schleswig-Holstein. Ein literarisches Porträt. Wachholtz, Neumünster 2010,ISBN 978-3-529-06122-6.
Hippolyt Haas,Hermann Krumm, Fritz Stoltenberg:Schleswig-Holstein meerumschlungen in Wort und Bild. Kiel 1896.
Hanswilhelm Haefs:Ortsnamen und Ortsgeschichten in Schleswig-Holstein. Norderstedt 2004,ISBN 3-8334-0509-0.
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Jürgen H. Ibs, Eckart Dege, Henning Unverhau (Hrsg.):Historischer Atlas Schleswig-Holstein. Band I–III, Wachholtz, Neumünster.
Manfred Jessen-Klingenberg:Standpunkte zur neueren Geschichte Schleswig-Holsteins. Hrsg. v.Reimer Hansen undJörn-Peter Leppien. Schleswig-Holsteinischer Geschichtsverlag, Malente 1998,ISBN 3-933862-25-4 (Veröffentlichungen des Beirats für Geschichte / Gesellschaft für Politik und Bildung Schleswig-Holstein e. V., Band 20).
Wilhelm Knelangen, Friedhelm Boyken (Hrsg.):Politik und Regieren in Schleswig-Holstein. Grundlagen – politisches System – Politikfelder und Probleme. Wiesbaden 2019,ISBN 978-3-658-25747-7.
Mareike Krügel/Jan Christophersen:Gebrauchsanweisung für Schleswig-Holstein. Piper, München 2022,ISBN 978-3-492-27757-0.
Jutta Kürtz:Land am Wasser. Schleswig-Holstein. Über 200 Geschichten für Einheimische und Urlauber. Wachholtz, Neumünster und Hamburg 2014,ISBN 978-3-529-05397-9.
Deert Lafrenz:Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein (Band I und II). Michael Imhof Verlag, Petersberg 2023,ISBN 978-3-7319-1089-3.
Ulrich Lange (Hrsg.):Geschichte Schleswig-Holsteins. Wachholtz, Neumünster 2003,ISBN 3-529-02440-6.
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Eckardt Opitz (Hrsg.):Schleswig-Holstein. Das Land und seine Geschichte – in Bildern, Texten und Dokumenten. Ellert & Richter, Hamburg 2002,ISBN 978-3-8319-0084-8.
Thomas Riis:Up ewig ungedeelt. Ein Schlagwort und sein Hintergrund. In:Thomas Stamm-Kuhlmann (Hrsg.):Geschichtsbilder. Festschrift für Michael Salewski zum 65. Geburtstag. Reihe: Historische Mitteilungen, Beiheft 47. Steiner, Stuttgart 2003,ISBN 3-515-08252-2, S. 158–167.
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Kathrin Sinner:Schleswig-Holstein – das nördliche Bundesland. Räumliche Verortung als kulturelles Identitätskonstrukt (= Kieler Studien zur Volkskunde und Kulturgeschichte, Bd. 8). Waxmann, Münster u. a. 2011,ISBN 3-8309-2541-7.
Jann M. Witt, Heiko Vosgerau (Hrsg.):Schleswig-Holstein von den Ursprüngen bis zur Gegenwart. Eine Landesgeschichte. Convent-Verlag, Hamburg 2002,ISBN 3-934613-39-X.
↑Lönj Slaswik-Holstiinj ist die Bezeichnung im nordfriesischen DialektBökingharder Friesisch (Mooring); aufSölring heißt das LandLön Sleeswig-Holstiin, aufÖömrang undFeringLun Schleswig-Holstian.
↑Historisches Schlagwort unter Bezugnahme auf denVertrag von Ripen (1460), symbolisiert die Verbindung von Schleswig und Holstein
↑Dänische Minderheit: ca. 50.000, dänische Staatsbürger: ca. 7.000, Deutsche, die nicht zur dänischen Minderheit zählen (grenznahe Orte; Sprache erlernt in Schulen, Volkshochschulen, Hochschulen): mehrere Tausend. Nach einer Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2015 könnte die Anzahl der Sprecher sogar um rund 30.000 höher liegen. Die Anzahl der Angehörigen der Minderheit liegt nach dieser Studie bei etwa 79.000 im nördlichstenLand –kn-online.de@1@2Vorlage:Toter Link/www.kn-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2023.Suche in Webarchiven)
↑abDies sind die offiziell anerkannten Sprachen, daneben traditionell auchJiddisch,Petuh,Missingsch sowie die Sprachen derneuen Minderheiten wie vor allemTürkisch (rund 40.000, davon rund 13.000 mit deutscher Staatsangehörigkeit); Belege für die Zahlenangaben unterSprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein
↑abcMargot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl:Deutschlands Norden: vom Erdaltertum zur Gegenwart. Springer, Berlin, Germany [Heidelberg] 2018,ISBN 978-3-662-55372-5,S.94–95.
↑Die Einteilung in Landschaften beruht auf: Bundesrepublik Deutschland, 1:1.000.000, Landschaften – Namen und Abgrenzungen, bearbeitet und herausgegeben vom Institut für angewandte Geodäsie 1985, 2. Auflage. 1994, im Internet wiedergegeben imGenealogienetz
↑Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (Hrsg.):Historischer Atlas Schleswig-Holstein. Vom Mittelalter bis 1867. Wachholtz, Neumünster 2004,ISBN 3-529-02447-3,S.24.
↑In acht jüdischen Gemeinden; Informationen zur politischen Bildung, Heft 307: Jüdisches Leben in Deutschland, 2/2010, S. 69.
↑Dänische Minderheit: ca. 50.000, dänische Staatsbürger: ca. 7000, Deutsche, die nicht zur dänischen Minderheit zählen (grenznahe Orte; Sprache erlernt in Schulen, Volkshochschulen, Hochschulen): mehrere Tausend.
↑Kurt Jürgensen:Die preußische Lösung der Schleswig-Holstein-Frage 1863–1867. Hrsg.:Johannes Kunisch (= Forschungen zur Brandenburgischen und Preussischen Geschichte. Beiheft 1:Bismarck und seine Zeit). Duncker & Humblot, Berlin 1992,ISBN 3-428-07314-2,S.57.
↑Meyers Neues Lexikon (Mannheim 1979) und Meyers Enzyklopädisches Lexikon (Mannheim 1975) definieren die Jüten als nordgermanisch, während der Atlas zur Universalgeschichte von Oldenbourg/Westermann die Jüten als westgermanisch beschreibt; Brockhaus (Mannheim 2006), die Encyclopædia Britannica (Chicago 2005), das Duden-Lexikon (1980) und das dtv-Lexikon (München 1971) beschreiben die Jüten allgemeiner als germanischen Stamm in Jütland
↑Hanswilhelm Haefs:Ortsnamen und Ortsgeschichten in Schleswig-Holstein, Norderstedt 2004.
↑Danker, Uwe (2017): Parlamentarische Kontinuitätsstudien zur NS-Zeit. Methodische Potenziale und Grenzen am Beispiel des Falls Schleswig-Holstein.Zeitschrift Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, vol. 65 (1), 76–103,doi:10.1515/vfzg-2017-0004
↑Uwe Danker, Astrid Schwabe:Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus. Neumünster 2005, S. 175–178.
↑Positive Umschlagentwicklung in deutschen Seehäfen. In:Schiff & Hafen, Heft 4/2015, S. 50–52.
↑Eckhard-Herbert Arndt:Hafen-Platz 3 mit Erfolg verteidigt · Hafenstandort Schleswig-Holstein präsentiert Umschlagbilanz für 2020. In:Täglicher Hafenbericht vom 10. März 2021, S. 1
↑Wolfhart Fabarius:Digitalisierung „Riesenchance für alle“ · Hamburg und Schleswig-Holstein beschließen gemeinsame Projekte · Wirtschaftszahlen 2017 vorgelegt. In:Täglicher Hafenbericht, 30. Mai 2018, S. 2.
↑Einzelheftsuche - Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Gemeindedaten sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Wohn- und Arbeitsort - Deutschland, Länder, Kreise und Gemeinden (Jahreszahlen). 15. Januar 2022, abgerufen am 20. Dezember 2022.
↑Timo Jann:Umschlagplus in Schleswig-Holsteins Häfen. In:Täglicher Hafenbericht vom 14. Februar 2020, S. 3
↑Frank Binder:Weniger Umschlag in den Nordhäfen · Gütermenge in Hamburg um 5,3 Prozent gesunken · Volumen in Schleswig-Holstein um 3,6 Prozent verringert. In:Täglicher Hafenbericht, 12. April 2016, S. 3.
↑Schleswig-Holstein in den 50er Jahren (= Kleine Schleswig-Holstein-Bücher). Boyens, Heide 2006,ISBN 3-8042-1196-8 (dnb.de [abgerufen am 29. Mai 2020]).
↑Deutscher Bundestag (Hrsg.):Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Torsten Herbst, Frank Sitta, Dr. Christian Jung, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP – Drucksache 19/19475 – Verlässlichkeit des Schienenverkehrs an Knotenbahnhöfen.Band19,Nr.20455, 29. Juni 2020,ISSN0722-8333,S.9 (BT-Drs. 19/20455).
↑Frank Binder:Rekordergebnis: der Kieler Hafen boomt · Wachstumsschub durch SCA-Forstproduktenterminal · Fährbetrieb und Hinterlandverkehr legen kräftig zu. In:Täglicher Hafenbericht, 16. Januar 2018, S. 1+3
↑Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.):INSM-Bildungsmonitor 2018: Teilhabe, Wohlstand und Digitalisierung. Köln 2018 (insm-bildungsmonitor.de [PDF]).
↑Dieter-J. Mehlhorn:Architekturführer Schleswig-Holstein. Berlin 2020,ISBN 978-3-86922-658-3.