


EinSchilfboot ist einBoot, das hauptsächlich ausSchilf besteht. Es gibt sie mit und ohneSegel.
Die sehr poröse Struktur der verwendetenGräser gibt dem Material einen guten Auftrieb. Mit der Zeit zieht das Gras allerdings auch Wasser, daher stellen die Fischer ihre Boote zum Trocknen auf.
Zum Bau eines Bootes aus Gräsern werden jeweils mehrere Stängel zu einem Bündel zusammengeschnürt. Mindestens zwei oder drei Bündel werden dann zum eigentlichen Boot zusammengeformt.
DerTiticaca-See wird noch heute mit speziellen Schilfbooten ausTotora befahren. Dort beherrschen einige Familien derAymara-Indianer nach wie vor die Kunst, auch größere Schilfboote herzustellen, die für Fernreisen tauglich sind. Totora-Boote findet man auch an der peruanischen Pazifik-Küste, wo diese, 'Caballitos de Totora' genannten Boote im Gebiet der StädteHuanchaco undPuno noch immer zum Fischen genutzt werden.[1]
Auch inEuropa hat sich aufSardinien in Form der 'Fassoni' eine uralte Tradition der Herstellung und Nutzung von Schilfbooten bis in die Gegenwart hinein erhalten. Ihre kleinen aus Sumpfgras gefertigten Boote dienten ebenfalls dem Fischfang, werden heute aber ausfolkloristischen undtouristischen Gründen auch für Wettfahrten vor Publikum verwendet. Die antike Abbildung eines großen sardischen Schilfbootes mit Mastkonstruktion ist imIpogeo di San Salvatore erhalten geblieben.[1][2]
Thor Heyerdahl konstruierte zwei Schiffe ausPapyrus, eines ausBerdi nach alten Vorbildern.DieProjektgruppe frühgeschichtliche Seefahrt konstruierte ebenfalls einige Schilfschiffe. Neben seinen berühmten SchilfbootenRa I, Ra II und derTigris gab es in den vergangenen Jahrzehnten auch weitere, weniger bekannt gewordene Schilfboot-Bauten und -Expeditionen, hauptsächlich zur experimentellen Erforschung der Möglichkeit frühgeschichtlicher transozeanischer Kontakte.
So segelteGene Savoy 1969 mit dem Binsenfloß „Feather serpent“ (Gefiederte Schlange, d. i.Quetzalcoatl) von Peru nachPanama.Kitín Muñoz reiste 1988 mit seinem Schilfschiff „Uru“ sowie 1999 mit der 30 m langen „Mata Rangi II“ von Manta (Ecuador) nach denMarquesas.Phil Buck fuhr 2000 und 2003 mit der „Viracocha I“ und „Viracocha II“ von Nord-Chile zurOsterinsel. Alexej Vranich baute im Jahr 2002 ein Schilfboot auf dem Titicacasee und transportierte damit einen 9 Tonnen schweren Steinblock längs über den See, und John Blashford-Snell war ab 1999 mit der „Kota Mama II“ wiederholt imAmazonas-Gebiet unterwegs.[3]
Mit Hilfe der Projektgruppe „Experimentelle Archäologie“ unterDominique Görlitz und Cornelia Lorenz wurden in jüngerer Zeit dieABORA I- und die ABORA II-Expeditionen im Mittelmeer, die ABORA III-Expedition vonNew York ostwärts über denAtlantik (Expedition wurde auf hoher See abgebrochen) und schließlich ABORA IV vomSchwarzen Meer insMittelmeer durchgeführt. Ziel der Expeditionen war der Nachweis, dass mit Schilfbooten auch komplexe Segelmanöver durchführbar sind und somit gezielte Handelsfahrten möglich waren.