Schiffe sind größereWasserfahrzeuge oder andere schwimmfähige Objekte mit bestimmten, nicht einheitlich festgelegten Eigenschaften. Die Abgrenzung von Schiffen gegenüberBooten oder anderen Schwimmobjekten ist dabei nicht eindeutig (siehe AbschnittAbgrenzung).
DerSchiffbau findet aufWerften statt. Nach Fertigstellung desRumpfes wird das Schiff mithilfe einesStapellaufs, Stapelhubs oder durch Aufschwimmen imBaudock zu Wasser gelassen, erst dann wird es endgültig ausgerüstet. Die erste Fahrt eines Schiffes wird alsJungfernfahrt bezeichnet. Schiffe werden in der Regel inDocks repariert.
Schuten, weil sie sich nicht alleine fortbewegen können;
kleinere bis mittelgroßeYachten, die nicht groß genug sind, um als Schiff zu gelten,
größereLuftkissenboote, weil sie keinen Auftriebskörper haben.
Es existiert auch keine Legaldefinition des Begriffs „Schiff“, obwohl er in Gesetzen und Verordnungen verwendet wird. In der deutschen Rechtsprechung hat sich eine Definition in Anlehnung an eine Festlegung des OLG Bremen von 1951 etabliert, die ein Schiff definiert als „schwimmfähigen Hohlkörper von nicht unbedeutender Größe, der fähig und bestimmt ist, auf oder unter Wasser fortbewegt zu werden und Sachen und Personen zu tragen“.[1][2]
Spätestens mit der Notwendigkeit für Menschengruppen, im Rahmen derNahrungssuche oder auf der Suche nachLebensraum,Wasser über längere Wege überqueren zu müssen, suchte der Mensch nach entsprechendenTransportmitteln. Es wird angenommen, dass bereits vor über 50.000 Jahren entsprechende Fahrzeuge bekannt waren, das erste nachweisbare Fahrzeug muss jedoch auf ca. 6500 v. Chr. datiert werden. Zunächst waren diese Fahrzeuge einfach behauene Baumstämme, später wurden sie immer weiter fortentwickelt. Eine Grenze hinsichtlich der Größe war wegen der Eigenschaften des BaumaterialsHolz zunächst mit denKlippern erreicht. Erst mit der Nutzung von Stahl konnten größere Schiffe gebaut werden – mit einer Länge, die wie bei den heutigen Schiffen derUASC A18-Klasse bis zu 400 m betragen kann.
Erste Darstellungen von Schiffen sind bereits aus weit vorchristlicher Zeit zum Beispiel aus demalten Ägypten überliefert.Schiffsbilder auf Runen- und Bildsteinen dokumentieren zum Beispiel die künstlerische Aufnahme von Schiffen während derWikingerzeit in Nordeuropa. Im 17. Jahrhundert entstand in Europa das Genre derMarinemalerei als Teil derLandschaftsmalerei. In Deutschland erlebte sie im Rahmen der Flottenbegeisterung des ausgehenden 19. Jahrhunderts ihre Blüte.[4] Auch in der internationalen Literatur haben sich namhafte Autoren desSujets Schiff in ihren Werken angenommen.[5]
Benennung
Schiffsnamen sind in Nordeuropa und Nordamerika unabhängig vom eigentlichenGenus des Namens im Allgemeinen weiblich, insbesondere wenn es Schiffe sind, die nach Personen oder geografischen Begriffen benannt sind (die „Eisenhower“, die „Hamburg“). Schiffe, die nach einem Ausdruck benannt sind, der gewöhnlich mit Artikelwort gebraucht wird (zum Beispiel Tiere, astronomische Begriffe), behalten dessen Genus meist bei (der „Widder“, das „Frettchen“), es kann jedoch auch die weibliche Form verwandt werden (der/die „Pfeil“). In romanischen und slawischen Sprachen wird das Genus des Namens beibehalten. Die österreichische Seemannssprache (bis 1918) lehnt(e) sich daran an – es gab also den „Szent Istvan“, die „Kaiserin Elisabeth“, den „Sankt Georg“ und die „Wien“ (von: die Stadt).
Schiffsnamen wird zum Beispiel in der Literatur häufig einPräfix wie MS oder SV vorangestellt, das eine grobe Kategorisierung des bezeichneten Schiffs ermöglicht (MS: motor ship, SV: sailing vessel). Beginnt die Bezeichnung eines Schiffsnamens mit einem solchen Präfix, wird der Artikel meist vermieden.[6]
DasOberdeck ist dasDeck, das den Rumpf nach oben abschließt.
DieAufbauten bezeichnen alle Aufbauten oberhalb des Oberdecks.
Schiffe werden in verschiedene Typen oder Klassen unterteilt, ohne dass es allerdings eineeinheitliche Herangehensweise gibt. So kann nach Einsatzgebiet, Verwendungszweck, Antrieb, Material oder Rumpfbau typisiert werden.
Eine genauere Beschreibung entsteht durch die Angabe der Schiffsmaße. Hierunter werden Begriffe wie die Verdrängung, die Tragfähigkeit, Raumgehalt, Brutto- und Nettoraumzahl (BRZ, NRZ), Tiefgang, die verschiedenen Längenangaben oder besondere Formkoeffizienten subsumiert.
Die Geschwindigkeit von Schiffen wird gemeinhin inKnoten (kn) angegeben. Ein Knoten entspricht einerSeemeile (sm) pro Stunde. Die Geschwindigkeit wurde ursprünglich mit einemLog (Messgerät) gemessen, das an einer Logleine überBord geworfen wurde. Die Leine hatte in festen Abständen (üblicherweise alle ca. 7 m) Knoten. Der Messende zählte die Knoten, während sie ihm durch die Hand glitten. Die Zahl der gezählten Knoten je Zeitspanne (Messdauer waren ca. 14 s) ergab dann die Geschwindigkeit in Seemeilen pro Stunde. Daher rührt auch der Begriff „Knoten“ als Maßeinheit für die Schiffsgeschwindigkeit. Modernere Bauformen des Logs messen die Geschwindigkeit über die Umdrehungsgeschwindigkeit eines nachgeschlepptenPropellers (Patentlog), eines am Schiffsboden befestigtenImpellers oder mittels einesStaurohrs (Staudrucklog,Rohrlog).
Diemaximale Geschwindigkeit eines Schiffes wird wesentlich von derRumpfgeschwindigkeit bestimmt. Diese ist nichts anderes als die Ausbreitungsgeschwindigkeit des vom Schiff selbst erzeugten aus Bug- und Heckwelle bestehenden Wellensystems. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit einer Welle in Wasser steigt mit ihrer Wellenlänge. Das Schiff ist also zwischen seiner Bug- und Heckwelle „gefangen“. Bei Schiffen mit normalem Verdrängerrumpf lässt sich die Geschwindigkeit auch mit erhöhterMotorleistung nicht über die Rumpfgeschwindigkeit steigern. Diese wird bestimmt durch die Länge, mit der das Schiff im Wasser liegt. Höhere Geschwindigkeiten lassen sich bei Schiffen mitGleiter-Rumpf erzielen. Dabei wird durch die Motorleistung der Widerstand der Bugwelle überwunden, der Bug des Schiffes steigt dabei an. Auch moderne Verdrängerschiffe erreichen beiraumem Wind unter Segel Geschwindigkeiten, die geringfügig über der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit liegen können. Grund hierfür sind die modernen, glatten, lang gestreckten Rümpfe, die teilweise kaum noch Bugwellen erzeugen.
Da die Geschwindigkeit außerdem noch erheblich vonWind und Strömung sowie der variierenden Beladung (durch Treibstoffverbrauch) abhängt, wird die Schiffsgeschwindigkeit häufig in größeren Einheiten als der Stundengeschwindigkeit angegeben. EinEtmal ist die von einem Schiff an einem Tag von 12:00 Uhr bis zum nächsten Tag um 12:00 Uhr zurückgelegte Wegstrecke. Das Etmal wird gemeinhin in Seemeilen (sm) angegeben.
In den Zeiten, als die Passagierschifffahrt das alleinige Übersee-Massenverkehrsmittel war, wurde dem schnellstenPassagierdampfer jeweils das symbolischeBlaue Band, später ein Pokal, zuerkannt. Maßstab war die Durchschnittsgeschwindigkeit während einer kompletten Atlantiküberquerung von einem europäischen zu einem nordamerikanischen Hafen.
Exemplarische Geschwindigkeiten einiger Schiffe und Boote:
Herkömmliche Frachtschiffe werden aus wirtschaftlichen Gründen meist nicht wesentlich älter als etwa 30 Jahre.[7] Übersteigen die nötigen Investitionen in den Erhalt der Schiffssubstanz und der eingebauten Technik den eingefahrenen Ertrag, werden sie imSchiffsrecycling aufAbwrackwerften abgebrochen.
Bei entsprechender Bauweise und Pflege können Schiffe eine sehr hohe Lebensdauer erreichen. Ein Beispiel ist das 1914 gebaute seegehende FahrgastschiffDoulos, das bis 2010 in Fahrt blieb. Noch älter sind die am 2. August 1856 in Betrieb genommeneSkibladner auf dem norwegischenMjösa und die auf schwedischen Binnengewässern aktiveJuno aus dem Jahr 1874. Die meisten der heute als „alt“ bezeichneten Schiffe sind aus Holz. Eines der höchsten bekannten Lebensalter erreichte die holsteinischeJagtDe fire Brødre. Sie wurde 1794 gebaut und transportierte über 150 Jahre lang Lasten. Das englische SchiffBesty Canes existierte bereits 1688 alsJacht von KönigWilhelm III. und erlitt 1827 Schiffbruch. Sie wurde nachweislich 139 Jahre alt. 113 Jahre erreichte die englischeRoyal William, die am 16. März 1700 auslief und 1813 demontiert wurde. Im November 2004 ist dieCutty Sark 135 Jahre alt geworden. Sie ist der einzige verbliebeneKlipper und befindet sich imTrockendock zuGreenwich,London,England. 28 Jahre älter ist dieCharles W. Morgan von 1841. Sie ist das einzig erhalteneWalfang-Segelschiff, benannt nach Charles Waln Morgan, ihrem Haupteigner. Ursprünglich alsVollschiff inNew Bedford,Massachusetts, aus Holz erbaut, wurde sie 1867 zurBark umgeriggt und stand 80 Jahre in Dienst. Heute ist sie alsMuseumsschiff inMystic,Connecticut, Vereinigte Staaten zu besichtigen. Rekordhalter ist die britischeVictory (Stapellauf 1765),AdmiralLord NelsonsFlaggschiff mit 260 Jahren, gefolgt von der US-amerikanischen FregatteConstitution inBoston von 1797 mit 228 Jahren. Da dieVictory inPortsmouth im Trockendock liegt, ist dieConstitution das älteste noch seetüchtige Schiff der Welt.
Auszeichnungen für Schiffe
Sowohl in einigen Kriegsmarinen als auch in der Handelsschifffahrt ist es üblich, Schiffe und ihre Besatzungen in ihrer Gesamtheit auszuzeichnen.
In Deutschland wurden derartige Auszeichnungen nur bis zum Ende des Ersten Weltkriegs in kleiner Zahl vergeben. KaiserWilhelm II. verlieh dem KanonenbootIltis wegen seines Einsatzes während desBoxeraufstands den „Pour le Mérite“ (1900).[8] Das „Eiserne Kreuz“ erhieltenSMSEmden[9] und das U-BootU 9.[10] Überdies wurde den Besatzungsangehörigen derEmden das Recht verliehen, zu ihrem Hausnamen/Familiennamen den Namen „Emden“ als Zusatz zu führen.[11] Beispiel: Der Matrose Meyer hieß jetzt Meyer-Emden. Spätere Schiffe mit denselben Namen durften die Auszeichnung als äußeres Zeichen führen.
In der United States Navy gibt es mehrere Schiffsauszeichnungen, unter anderem dasBattle Effectiveness Award (früherBattle Efficiency Award) und verschiedeneCommand Excellence Awards, die am Schiff sichtbar gezeigt werden.[12]
In der zivilen Schifffahrt verleihen verschiedene Organisationen Preise, die einzelne Schiffe auszeichnen. So vergab dieOffshore Support Journal Conference im Februar 2018 eine AuszeichnungShip of the Year an dasVersorgungsschiffMærsk Master derMærsk-Reederei.[13]
↑Hans H. Hildebrand:Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford.
↑R. K. Lochner:Die Kaperfahrten des Kleinen Kreuzers Emden. Wilhelm Heyne Verlag, 1979,ISBN 3-453-00951-7.