
EineSchallplattenhülle (auchPlattencover oder einfachCover) ist eine bedruckte Papphülle zum Verpacken vonSchallplatten. Die Gestaltung der Schallplattenhülle hatte von der Mitte der 1950er bis zum Ende der 1980er Jahre, als Schallplatten das Hauptformat fürMusikaufnahmen waren, große Bedeutung für Marketing und Vertrieb der Platten.
Der englische AusdruckCover bezeichnet heute oftmals auch die Titelseiten derBooklets vonCDs (siehe auchCD- und DVD-Verpackungen), die wie die Vorderseite einer Schallplattenhülle zur Identifikation desTonträgers dienen. Ausführungen zu den Aufnahmen, zur musikalischen Besetzung sowie Kommentare zur Musik oder andere Angaben auf der Rückseite (oder bei aufklappbaren Hüllen auch auf den Innenseiten) werdenCovertext oderLiner Notes genannt.
1940 hatte der junge GrafikerAlex Steinweiss, der am Hauptsitz vonColumbia Records inBridgeport (Connecticut) tätig war, die Idee zur individuellen und farbigen Gestaltung der Hülle vonSchellackplatten, die sich bislang in uniformen Verpackungen befunden hatten: Seit dem Beginn der industriellen Produktion wurden Platten meist in einfachen Papp- oder Papierhüllen verkauft, die allenfalls mit Werbung für andere Platten des Herstellers bedruckt waren.
Die erste Schellackplatte, für die ein Entwurf von Steinweiss verwendet wurde, war eine Einspielung der SongwriterRichard Rodgers undLorenz Hart unter dem TitelSmash Song Hits by Rodgers & Hart, veröffentlicht im Februar 1940. Steinweiss fuhr für das Foto zum New YorkerImperial Theatre an der 45. Straße und überredete den Besitzer, die Leuchttafel eine Stunde so einzustellen, dass sein Team den SchriftzugRodgers und Hart fotografieren konnte. Durch die künstlerische Gestaltung seiner Platten konnte das Label Columbia deren Verkauf um ein Vielfaches steigern.[1]
Eine Schallplattenhülle hat mehrere Funktionen:
Der formalen Gestaltung von Schallplattenhüllen sind hinsichtlich Größe, Gewicht und Material aus praktischen Gründen enge Grenzen gesetzt. Zu unterscheiden ist zwischen einer Hülle fürSingles undLangspielplatten. Bei ersterenquadratischen im Format 18,5 cm × 18,5 cm wird unterschieden zwischen dem so genanntenLochcover (die in der Mitte der Hülle angebrachte kreisförmige offene Stelle war in der Größe des Labelaufdrucks und ließ so den Blick auf die Labelbeschriftung zu) und dem so genanntenBildcover, das oft mit Fotos der Interpreten bedruckt war. Das Standardmaß einer LP-Schallplattenhülle beläuft sich auf etwa 31,5 cm × 31,5 cm, das Gewicht einer einfachen Hülle beträgt rund 60 bis 80 Gramm. Während CDs inJewelcases und in Papphüllen verpackt werden, kamen Schallplatten in Hüllen aus Karton auf den Markt.
Einfache Alben sind sowohl in nicht klappbaren als auch in so genannten Gatefold-Cover anzutreffen. Diese lassen sich wie ein Buch öffnen. (Ein „gatefold“ ist eigentlich eine ausfaltbare Beilage, zum Beispiel in einer Zeitschrift.) Der Innenteil kann dazu benutzt werden, Beilagen zwischen den Deckeln einzuheften. BeiDoppel- undDreifachalben dienen die zusätzlichen Klappen zur Unterbringung weiterer Langspielplatten. Zusammengeklappt haben Gatefold-Cover die gleichen Außenmaße wie die Standardcover. In Beschreibungen vor allem antiquarischer Langspielplatten werden diese Hüllen auch alsFOC (Fold out Cover) bezeichnet.
Umfangreichere Ausgaben als Dreifachalben kamen in der Regel in einer Kartonbox auf den Markt. Beispiele aus dem Bereich derpopulären Musik sind dafür etwa die „Boxed“-Sammlung vonMike Oldfield (1976) oder das Live-Album „Chicago at Carnegie Hall“ der BandChicago (1971), das neben vier Alben auch ein 20-seitiges Beiheft mit Fotos sowie ein großes Poster der Band enthielt. Häufiger fanden sich solche Boxausgaben im Bereich derKlassischen Musik, wo immer wieder Gesamtaufnahmen von Opern oder andere Gesamtausgaben in dieser Form angeboten wurden.
Langspielplatten werden nicht direkt in die Papphüllen gesteckt, sondern sind zusätzlich in eine weitere Hülle (engl.(inner) sleeve; im Deutschen auchInlay) aus weißem Papier, dünnem Karton oder aus einer durchsichtigen Kunststofffolie, oft auch in einer Kombination aus Papier und innenseitiger Folie verpackt. Unbedruckte Papierhüllen besitzen oftmals auf einer oder auf beiden Seiten in der Mitte ein kreisrundes Loch in der Größe des auf der Schallplatte befindlichen Etiketts.
Lochfreie Hüllen sind sehr häufig bedruckt anzutreffen, wobei sie auch für Werbezwecke verwendet werden, indem auf ihnen ein Ausschnitt aus dem Angebot des jeweiligenMusiklabels zu sehen ist. Hüllen aus Karton sind meistens bedruckt und gestalterisch als Einheit mit dem eigentlichen Plattencover zu sehen. Auf sie werden oft auch, gleich wie auf Papierhüllen, dieLiedtexte des Albums gedruckt. Das erste Album, das die Texte der Lieder mitlieferte, warSgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band von denBeatles aus dem Jahr 1967.[2]
Die bildnerische Gestaltung der Plattenhülle kann auf die äußere Form Einfluss nehmen, und der künstlerische Anspruch kann sich mit originellen Ideen zur Vermarktung vermengen. So waren etwa – um aus der Menge des Angebotes schon rein optisch herauszustechen – Hüllen aus geriffeltem Karton (z. B.Aqualung vonJethro Tull (1971)) zu finden. Eine andere Gestaltungsform stellte beispielsweise das Cover des DoppelalbumsBabylon by Bus vonBob Marley &The Wailers (1978) dar, das passend zur Abbildung zwei große Löcher in Form einer doppelten Windschutzscheibe eines Busses aufwies.
Auch konnten zusätzliche Elemente auf der Hülle angebracht werden. Beispiele dafür sind etwa die Plattenhülle derRolling-Stone-LPSticky Fingers (1971), auf der eine Hose abgebildet und mit einem tatsächlichen Reißverschluss versehen war, oder das Cover vonLed Zeppelin III (1970), das eineVolvelle enthielt. Jethro Tulls AlbumThick as a Brick (1972) wurde mit einer Hülle ausgeliefert, die die Form einer zehnseitigen Zeitung hatte. Solch aufwändig gestaltete Cover wurden bei späteren Auflagen der Alben meist durch einfache Hüllen ersetzt und gelten heute als Sammelobjekte.
Eine außergewöhnliche künstlerische Gestaltung hat in der Regel einen großen Wiedererkennungswert und sorgt für hohen, teils lang anhaltenden Bekanntheitsgrad des Albums, so etwa im Falle der LPsSgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band von denBeatles (1967),Ogdens’ Nut Gone Flake derSmall Faces (erstmalige Rundform; Mai 1968),The Dark Side of the Moon vonPink Floyd (1973) oder des vonAndy Warhol gestalteten Covers desDebütalbums vonVelvet Underground (1967).
Neben künstlerischer Ambition und optischer Reichhaltigkeit konnte anfänglich auch bewusst eingesetzte Schlichtheit auffallen: So waren beispielsweise sowohlThe Beatles (Weißes Album genannt) (1968) als auchWelcome vonSantana (1973) ursprünglich nur in Weiß gehalten, und die Titelaufschriften waren jeweils lediglich als erhöhte Prägung ohne farbliche Unterscheidung zu erkennen. Spätere Auflagen setzten die Plattentitel in Farbe.
Einige Plattenfirmen nutzten und nutzen die Gestaltung ihrer Hüllen als Bestandteil derCorporate Identity. Das Jazz-LabelBlue Note Records etwa ließ die Cover der meisten Platten von dem GrafikerReid Miles in der gleichen prägnanten Formensprache gestalten. Diese gelten heute als Klassiker des Grafik-Designs. Andere Labels wie zum BeispielVerve zeigen passende zeitgenössische Malerei (etwa auf Alben von Getz/Gilberto). Im Bereich des (Progressive) Rock nutzten beispielsweiseVertigo Records das Coverdesign, um vielen Veröffentlichungen eine typische Gestaltung zu geben. Häufig wurde hierfür der KünstlerRoger Dean beauftragt.
In derElectronica-Szene gelten die Designs der britischen AgenturThe Designers Republic für das LabelWarp Records oder die Cover der deutschen IDM-GruppeFunkstörung als wegweisend. Das Erscheinungsbild der Kölner Plattenlabel Profan oderKompakt wurde maßgeblich durch die minimalistischen Coverdesigns der GrafikerinBianca Strauch geprägt. Neue Veröffentlichungen werden in der Techno-Szene hin und wieder ohne ein grafisch gestaltetes Cover vorab als Promos getestet. Solche Platten werden alsWhitelabel bezeichnet.
Es gibt Covergestaltungen, die ganze Musikrichtungen bestimmen können. So sind zum Beispiel Schrift-Collagen kennzeichnend für einen Großteil vonPunk-Covern, nennenswert etwa das Cover-Design derSex-Pistols-Platten von Jamie Reid. Das Corporate-Identity-Konzept wird aber auch insofern in Anspruch genommen, als die Namen von Künstlern in unverwechselbarer Form gestaltet werden und quasi alsLogo fungieren. Beispiele hierfür sind die BandsAC/DC,Chicago,Iron Maiden undKiss.
Der Covertext ist der beschreibende Text zum Inhalt einer Schallplatte, früher häufig mehrspaltig auf die Rückseite der Plattenhülle aufgedruckt. Dabei wurde oft ein dem jeweiligen Künstler nahestehender Musikkritiker beauftragt, Hintergründe und Beschreibungen zu den vorliegenden Aufnahmen zu verfassen. Insbesondere wurden hierbei die instrumentale Begleitung (Sessionmusiker,Sideman), diskografische Hinweise zur Entstehungsgeschichte, Texte der enthaltenen Musikstücke und auch persönliche Informationen über die Interpreten aufgeführt. Bei den heutigen CD-Formaten sind die Liner Notes als Begleitheft(CD-Booklet) beigefügt.
Insbesondere imJazz existieren häufig sehr ausführliche Begleittexte, die in der Regel von Fachleuten geschrieben werden. Dabei handelt es sich meist um Produzenten, Journalisten oder Autoren. Zu den bekanntesten Verfassern von Liner Notes gehören unter anderemIra Gitler,Leonard Feather undOrrin Keepnews. Bei anderen Aufnahmen, wie zum BeispielMiles Davis’Kind of Blue, stammen die Liner Notes auch von beteiligten Musikern (im vorgenannten FallBill Evans). Einige der ersten Linernotes stammen vonGeorge Avakian 1939(Chicago Jazz).
Die Autoren beginnen oft damit über musikalische Zusammenhänge aufzuklären.[3] (Taktanzahl, Tonart und -geschlecht, Rhythmus, Expressivität, Form eines Stückes, oft für jedes einzelne Stück). Das Marketing wird manchmal ironisch genommen und ist häufig nicht von der eigentlichen Jazzbegeisterung des Autors zu unterscheiden.
Im Gegensatz zumKlappentext bei Büchern sind Anmerkungen oder Interviews mit dem Musiker eher selten. Die Qualität der Liner Notes im Jazz wird manchmal im Rock- und Popgenre zum Maßstab genommen. BeiWiederveröffentlichungen sind meist auch der Erfolg und Einfluss der Originalausgabe Gegenstand der Liner Notes. Seit 1964 wird für Begleittexte derGrammy Award for Best Album Notes verliehen.

Im Bereich derklassischen Musik sind ausführliche Begleittexte von Fachleuten ebenfalls gang und gäbe. Es finden sich oft detaillierte musikgeschichtliche bzw.musikwissenschaftliche Ausführungen zu den jeweiligen Werken, zum Komponisten und teils auch zu den Interpreten. Je nach Vertriebsgebiet der Schallplatte sind die Texte oft gleichzeitig mit Übersetzungen in andere Sprachen vorhanden.