Der TitelSchachweltmeister ist die höchste Auszeichnung imSchachspiel, die – in der Regel – nach vorausgehenden Qualifikationsturnieren und schließlich durch einen Zweikampf um dieSchachweltmeisterschaft vergeben wird. Als erster offizieller Schachweltmeister gilt der ÖsterreicherWilhelm Steinitz nach seinem Wettkampfsieg gegenJohannes Hermann Zukertort im Jahr 1886. Amtierender Weltmeister ist seit 2024 der InderD. Gukesh, der den Titel bei derSchachweltmeisterschaft 2024 errang.
Die Wettbewerbe zur Erlangung des Titels „Schachweltmeister“ wurden in Abgrenzung zur separatenSchachweltmeisterschaft der Frauen historisch auch als „Schachweltmeisterschaft der Männer“ bezeichnet. Seit einer entsprechenden Klärung in den späten 1980er Jahren steht der Titel aber generell Männern und Frauen offen. Beschränkt für Altersstufen gibt es dieJuniorenweltmeisterschaft (U20), dieJugendweltmeisterschaften in den Altersklassen U8–U18 und dieSeniorenweltmeisterschaft – alle ebenfalls offen für beide Geschlechter, aber auch mit eigenen Wettbewerben für Spielerinnen. Dazu gibt es Weltmeisterschaften imBlitzschach,Schnellschach,Fischerschach undFernschach.
Weltmeisterschaften werden als Zweikampf über mehrere Partien zwischen dem Weltmeister und einem Herausforderer ausgetragen. In den Jahren 1948 und 2007 ermittelte man den Weltmeister dagegen durch einRundenturnier mit mehreren Teilnehmern. Der Herausforderer muss sich üblicherweise durch den Gewinn desKandidatenturniers für den WM-Zweikampf qualifizieren.
Eine zwischenzeitliche Trennung des Weltmeistertitels vom WeltverbandFIDE seit 1993 wurde durch dieSchachweltmeisterschaft 2006 wieder rückgängig gemacht. Während dieser Zeit führte die FIDEWeltmeisterschaften durch, deren Sieger jedoch nicht als allgemein anerkannte Weltmeister galten.

Das moderne Schach entstand etwa um 1475 vermutlich im spanischenValencia durch die Änderung der Gangart desLäufers und derDame. An diesem Prozess wesentlich beteiligt waren die LiteratenFrancesc de Castellví i de Vic,Narcís Vinyoles,Bernat Fenollar undFrancesc Vicent. Dies dürften auch die besten Spieler ihrer Zeit gewesen sein. Ein Zeugnis dieser frühesten Entwicklungsphase ist das katalanische SchachgedichtScachs d’amor.[1] In der Folge erschienen gedruckte Schachabhandlungen von Francesc Vicent (1495),Luis Ramírez Lucena (1497) undPedro Damiano (1512), welche an diese Tradition anknüpften.[2]Um die Mitte des 16. Jahrhunderts galt der SpanierRuy López de Segura als bester Spieler der Welt. Er wurde im Jahre 1575 im ersten internationalen Schachturnier der Geschichte am Hofe des spanischen KönigsPhilipp II. in Madrid vom SizilianerGiovanni Leonardo da Cutri mit 2:3 geschlagen.Im Anschluss besiegte Leonardo da Cutri auch den besten portugiesischen SpielerEl Morro „in vielen Spielen“[3] und, zurück in Madrid, seinen italienischen LandsmannPaolo Boi mit 2:1.[4]
Zu den besten Schachspielern ihrer Zeit gehörte auchGiulio Cesare Polerio. Diese Persönlichkeiten begründeten das Goldene Zeitalter des italienischen Schachs. Diese Tradition wurde um 1600 durchAlessandro Salvio und von etwa 1620 bis 1634 vonGioacchino Greco fortgesetzt.
Um 1700 galt der SchotteAlexander Cunningham als bester Spieler Europas.[5]
Ab etwa 1730 blühten die Italiener mit ihren TheoretikernDomenico Lorenzo Ponziani,Ercole del Rio undGiambattista Lolli nochmals auf. Gleichzeitig entwickelte sich imCafé de la Régence inParis eine rege Schachszene, welche die italienische Vormachtstellung im europäischen Schach allmählich überflügelte und ablöste. Die FranzosenFrançois Antoine Legall de Kermeur (1730–1745),François-André Danican Philidor (1745–1795),Verdoni (1795–1804),Alexandre Deschapelles (1804–1820) undLouis-Charles Mahé de La Bourdonnais (1820–1840) lösten einander als weltbeste Spieler ab. Berühmtheit erlangte La Bourdonnais durch sechs aufeinander folgende Wettkämpfe (insgesamt 85 Partien) gegen den IrenAlexander MacDonnell inLondon 1834, die der Franzose gewann.

Nach dem Wettkampfsieg desEngländersHoward Staunton über den FranzosenPierre Saint-Amant inParis 1843 galt nun England als führende Schachnation. Staunton war es auch, der sich maßgeblich für die Durchführung eines der ersten internationalen Schachturniere einsetzte.Dieses Turnier fand anlässlich derWeltausstellung 1851 in London statt. Überraschend gewann nicht der englische Vorkämpfer, sondern es siegte der bis dahin gänzlich unbekannte DeutscheAdolf Anderssen ausBreslau, der dabei im Halbfinale auch den direkten Vergleich gegen Staunton mit 4:1 für sich entschied.[6]
Anderssens Sieg ließ ihn nun in der Schachwelt als weltbesten Spieler gelten. 1858 spielte Anderssen in Paris einen Wettkampf gegen denUS-AmerikanerPaul Morphy. Morphy errang einen glänzenden Sieg, der Amerikaner beendete allerdings bald danach seine Schachkarriere, sodass Anderssen nun wieder als führender Meister der Welt galt.
Nachdem der ÖsterreicherWilhelm Steinitz 1866 Anderssen in einem in London gespielten Wettkampf bezwungen hatte, galt er als unbestritten bester Spieler der Welt.
Nach seinem überwältigenden Sieg beim großenInternationalen Turnier in London 1883 (vor Steinitz) betrachtete sichJohannes Hermann Zukertort alsChampion of the World und forderte Steinitz’ Führungsanspruch heraus. Die Schachwelt erwartete einen Zweikampf dieser Rivalen und bekam ihn: Durch seinen 12,5:7,5-Sieg (+10 =5 −5) über Zukertort imWettkampf vom 11. Januar bis zum 29. März 1886 giltWilhelm Steinitz allgemein als der 1. Schachweltmeister.
Nach Steinitz’ Wettkampfsieg fanden sich etliche Herausforderer, die mit ihm um die Weltmeisterschaft spielen wollten. Bis 1948 entschied allein der Weltmeister, wessen Herausforderung er annahm und wem er einen Weltmeisterschaftskampf verweigerte. Der Titelhalter bestimmte die Bedingungen und das Preisgeld fast nach Belieben.
Insbesondere während der ZeitEmanuel Laskers auf dem Weltmeisterthron wurde dies oft kritisiert, da würdige Gegner nicht oder erst nach langjährigen Verhandlungen zum Zuge kamen.
José Raúl Capablanca versuchte 1922 klare Regeln einzuführen, die von seinen potentiellen Herausforderern (Alexander Aljechin,Efim Bogoljubow,Géza Maróczy,Richard Réti,Akiba Rubinstein,Savielly Tartakower undMilan Vidmar) akzeptiert wurden. Sie bestanden aus 21 Paragraphen, die im Dezember 1923 imAmerican Chess Bulletin abgedruckt wurden. Die Hauptpunkte waren:
Der Nachfolger Capablancas als Weltmeister, Alexander Aljechin, hielt sich zwar formal an diese Regeln, einem Rückkampf mit Capablanca ging er aber dadurch aus dem Weg, dass er die Herausforderungen anderer Spieler stets bevorzugt berücksichtigte.
Von 1948 bis 1993 wurde die Weltmeisterschaft vom WeltschachbundFIDE ausgerichtet. Der jeweilige Herausforderer des Weltmeisters wurde durch ein mehrstufiges Qualifikationssystem (regionaleZonenturniere,Interzonenturnier undKandidatenturnier) ermittelt.
Weil Kasparow 1993 nicht mehr bereit war, seinen Titel unter der Ägide der FIDE zu verteidigen, stellte sich der vor 1948 übliche Zustand wieder ein. Kasparow verteidigte seinen Titel nach seinen eigenen Bedingungen. 2000 verlor er ihn anWladimir Kramnik. Parallel hierzu veranstaltete die FIDE „offizielle“ Weltmeisterschaften, deren Gewinner aber nicht allgemein als weltbeste Spieler anerkannt wurden. 2006 kam es zu einemVereinigungswettkampf, der die Spaltung des WM-Titels beendete.
| Nr. | Name | Land | unumstritten Weltmeister | umstritten |
|---|---|---|---|---|
| 01. | Wilhelm Steinitz * 1836 † 1900 | Osterreich-Ungarn Vereinigte Staaten 45 | 1886–1894 | |
| 02. | Emanuel Lasker * 1868 † 1941 | Deutsches Reich | 1894–1921 | |
| 03. | José Raúl Capablanca * 1888 † 1942 | Kuba | 1921–1927 | |
| 04. | Alexander Aljechin * 1892 † 1946 | Sowjetunion 1923 Dritte Französische Republik | 1927–1935 1937–1946 | |
| 05. | Max Euwe * 1901 † 1981 | Niederlande | 1935–1937 | |
| 06. | Michail Botwinnik * 1911 † 1995 | Sowjetunion 1955 | 1948–1957 1958–1960 1961–1963 | |
| 07. | Wassili Smyslow * 1921 † 2010 | Sowjetunion 1955 | 1957–1958 | |
| 08. | Michail Tal * 1936 † 1992 | Sowjetunion 1955 | 1960–1961 | |
| 09. | Tigran Petrosjan * 1929 † 1984 | Sowjetunion 1955 | 1963–1969 | |
| 10. | Boris Spasski * 1937 † 2025 | Sowjetunion 1955 | 1969–1972 | |
| 11. | Bobby Fischer * 1943 † 2008 | Vereinigte Staaten | 1972–1975 | |
| 12. | Anatoli Karpow * 1951 | Sowjetunion 1955 Russland | 1975–1985 | FIDE: 1993–1999 |
| 13. | Garri Kasparow * 1963 | Sowjetunion Russland | 1985–1993 | klassisch: 1993–2000 |
| Alexander Chalifman * 1966 | Russland | FIDE: 1999–2000 | ||
| Ruslan Ponomarjow * 1983 | Ukraine | FIDE: 2002–2004 | ||
| Rustam Kasimjanov * 1979 | Usbekistan | FIDE: 2004–2005 | ||
| Wesselin Topalow * 1975 | Bulgarien | FIDE: 2005–2006 | ||
| 14. | Wladimir Kramnik * 1975 | Russland | 2006–2007 | klassisch: 2000–2006 |
| 15. | Viswanathan Anand * 1969 | Indien | 2007–2013 | FIDE: 2000–2002 |
| 16. | Magnus Carlsen * 1990 | Norwegen | 2013–2023 | |
| 17. | Ding Liren * 1992 | China Volksrepublik | 2023–2024 | |
| 18. | D. Gukesh * 2006 | Indien | seit 2024 |
Steinitz war eine Kämpfernatur und scheute keine Auseinandersetzung. Wie schon vor dem Wettkampf mit Zukertort wählte er sich erneut den erfolgreichsten und seine Stellung in der Schachwelt am ehesten bedrohenden Spieler zum Kampf um den Weltmeistertitel. So verteidigte er seinen Titel in Wettkämpfen1889 (gegen Tschigorin),1890 (gegen Gunsberg) und1892 (wiederum gegen Tschigorin).1894 musste sich Steinitz dem jungen deutschen TalentEmanuel Lasker geschlagen geben. Den Verlust seines Titels erkannte er aber erst an, nachdem er 1896 einenRevanchekampf gegen Lasker ebenfalls verloren hatte.
Lasker war insgesamt 27 Jahre von 1894 bis 1921 Weltmeister. Seine überragende Stellung in der Schachwelt jener Zeit ist unbestritten. Allerdings war seine Weltmeisterschaft auch dadurch geprägt, dass er Zweikämpfen ungewissen Ausganges durch das Aufstellen nur schwer zu erfüllender Bedingungen aus dem Weg zu gehen wusste. So kam es nicht zu einem von der Schachwelt gewünschten Wettkampf mit dem polnischen MeisterAkiba Rubinstein. Das Kräftemessen mitJosé Raúl Capablanca fand erst 1921 statt.
Im Einzelnen spielte Lasker nach seinem Sieg über Steinitz 1894 noch folgende Weltmeisterschaftskämpfe:1896 Revanchekampf gegen Steinitz,1907 gegen den US-AmerikanerFrank Marshall,1908 gegen seinen deutschen RivalenSiegbert Tarrasch,1910 gegenCarl Schlechter und ebenfalls1910 gegenDawid Janowski.1921 unterlag Lasker dem kubanischen MeisterJosé Raúl Capablanca inHavanna.
Capablanca dominierte die Schachturniere in den 1920er Jahren und war vor allem für sein tiefespositionelles Verständnis berühmt. Auf Initiative Capablancas wurden 1922 am Rande des Londoner Turniers erstmals Regeln („The London Rules“) für künftige Weltmeisterschaftskämpfe aufgestellt, die von den anwesenden führenden Meistern akzeptiert wurden. Die Klauseln erlegten dem Herausforderer die Mühe auf, das Preisgeld einzuwerben. Ein WM-Match sollte ferner auf sechs Gewinnpartien angesetzt sein.[7] Den Herausforderer Capablancas ermittelte 1927 ein – gemäß den Londoner Regeln ursprünglich nicht vorgesehenes –Kandidatenturnier in New York, an dem Capablanca selbst teilnahm. Hinter dem Weltmeister belegteAlexander Aljechin den zweiten Platz. Nachdem Aljechin inArgentinien Sponsoren für den Wettkampf gefunden hatte, kam es vom 16. September bis zum 29. November 1927 inBuenos Aires schließlich zum langerwartetenWettkampf um die Weltmeisterschaft. Capablanca verlor gegen Aljechin mit 3:6 bei 25 Remispartien. Er versuchte in der Folgezeit vergebens, seinen Nachfolger zu einem Revanchekampf zu bewegen. Die Londoner Regeln kamen später nicht wieder zur Anwendung.
Durch seinen spektakulären Sieg über Capablanca bestieg Aljechin 1927 den Schachthron. Obwohl er seinem Vorgänger einen Revanchewettkampf versprochen hatte, wich Aljechin in den nächsten Jahren Capablanca aus und ein Rückkampf kam nicht zustande. Stattdessen spielte er1929 und1934 gegenEfim Bogoljubow.
1935 verlor er seinen Titel im bis dahin längsten WM-Kampf an den NiederländerMax Euwe, holte ihn jedoch in einemRevanchekampf 1937 zurück.Zu weiteren Wettkämpfen kam es während desZweiten Weltkrieges nicht. 1946 starb Aljechin, derKollaboration mit den Deutschen und desAntisemitismus bezichtigt, inPortugal.
Der Niederländer Machgielis (Max) Euwe konnte durch seinen Sieg über Aljechin zwei Jahre lang den Weltmeistertitel für sich beanspruchen. Er war der einzige Amateur, der den Titel Schachweltmeister innehatte.
Durch den Tod Alexander Aljechins wurde der Weg frei für die Ausrichtung der Weltmeisterschaftskämpfe durch den Weltschachverband (FIDE). Der von der FIDE gekürte und als solcher auch allgemein anerkannte Weltmeister (die FIDE ernannte bereits 1928Efim Bogoljubow zum offiziellenChampion der FIDE) wurde imWeltmeisterschaftsturnier 1948 ermittelt, dasMichail Botwinnik für sich entscheiden konnte.
An dem Turnier, veranstaltet vom 1. März bis zum 18. Mai 1948 inDen Haag und Moskau, nahmen neben Michail BotwinnikPaul Keres,Wassili Smyslow,Samuel Reshevsky und Ex-Weltmeister Max Euwe teil. Der ursprünglich gleichfalls als Teilnehmer vorgesehene US-amerikanische GroßmeisterReuben Fine verzichtete. Die fünf Teilnehmer spielten jeder gegen jeden fünf Partien. Botwinnik siegte mit 14 Punkten aus 20 Partien deutlich vor Smyslow (11), Keres und Reshewsky (je 10½) und Euwe (4).
Von diesem Jahr an übernahm die FIDE die Organisation der Wettkämpfe. Das neue Weltmeisterschaftsreglement sah vor, dass der Weltmeister den Titel alle drei Jahre verteidigen musste. Der jeweilige Herausforderer wurde durch Zonen-, Interzonen- und Kandidatenturniere ermittelt.
Botwinnik verteidigte seinen Titel bei derWM 1951 gegenDavid Bronstein und derWM 1954 gegen Wassili Smyslow jeweils mit einem 12:12, was nach Reglement zur Titelverteidigung ausreichte. Im Jahr 1956 beschloss die FIDE, unmittelbar nach dem erneuten Sieg Smyslows im Kandidatenturnier, als zusätzliches Privileg des Weltmeisters das Recht auf einen Rückkampf im Falle einer Niederlage.[8]
Bei derSchachweltmeisterschaft 1957 verlor Botwinnik gegen Smyslow, er konnte aber imRevanchekampf 1958 den Titel zurückholen. Bei derWM 1960 unterlag er gegenMichail Tal, konnte aber1961 wiederum sein Revancherecht nutzen, um den Titel wiederzuerlangen. Danach hob die FIDE das Recht auf einen Rückkampf auf. Bei derWM 1963 verlor Botwinnik seinen Titel endgültig an den armenischen GroßmeisterTigran Petrosjan.
Der Zweitplatzierte des Weltmeisterschaftsturniers von 1948 konnte Botwinnik 1957 im Weltmeisterschaftskampf bezwingen, unterlag dem alten Weltmeister jedoch ein Jahr später bei dem von den Statuten vorgesehenen Revanchekampf.
Der jungeMichail Tal galt als „Feuerkopf“ unter denSchachmeistern seiner Zeit. 1960 setzte er sich gegen Weltmeister Botwinnik durch. Zur allgemeinen Überraschung gelang dem weitaus älteren Botwinnik aber dank seiner präzisen Wettkampfvorbereitung erneut die Revanche.
Im Jahre 1963 gelang esTigran Petrosjan, einem der besten Positions- und Defensivspieler derSchachgeschichte, Botwinnik zu schlagen. Bei derWM 1966 verteidigte er seinen Titel siegreich gegenBoris Spasski (+4 =17 −3). Es war das erste Mal seit 1934, dass ein amtierender Schachweltmeister seinen Herausforderer echt besiegte. Bei derWM 1969 verlor er den Titel an einen diesmal weit besser vorbereiteten Spasski.
Spasskis Weltmeisterschaft dauerte drei Jahre bis zu dem vielbeachteten Wettkampf mit dem US-amerikanischen SchachgenieRobert James „Bobby“ Fischer. Vom 11. Juli bis zum 31. August 1972 fand inReykjavík der durch die Massenmedien zumKampf der Systeme undMatch des Jahrhunderts hochstilisierte Weltmeisterschaftskampf zwischen dem Sowjetbürger Spasski und dem US-Amerikaner Fischer statt: Fischer gewann den Wettkampf mit dem Endergebnis 12,5:8,5 (+7 =11 −3), wobei Fischer die 2. Partie wegen Nichterscheinens kampflos verlor.
Die Weltmeisterschaft Fischers wurde im Westen stark bejubelt. Zu der Faszination, die das Schachgenie Fischer ausstrahlte, gesellte sich die Genugtuung darüber, dass es einem US-Amerikaner gelungen war, in die Domäne derSowjetischen Schachschule einzudringen.
Fischers Eroberung des Schachthrons erwies sich sehr überraschend zugleich als das Ende seiner Karriere: Der US-Amerikaner zog sich vom Schach zurück und verteidigte den Titel im Jahr 1975 nicht gegen den von der FIDE ermittelten HerausfordererAnatoli Karpow. Dem Verzicht Fischers gingen lange Verhandlungen über die Modalitäten im Wettkampfreglement voraus. Die FIDE war nicht bereit, zu Fischers Bedingungen (Spiel auf 10 Gewinne, Remis zählen nicht, beim Stand von 9:9 wird das Match als Unentschieden abgebrochen) den Wettkampf auszurichten.
Nachdem Fischer zum Weltmeisterschaftskampf 1975 nicht angetreten war, wurde der Herausforderer Karpow von FIDE-Präsident Euwe zum Weltmeister proklamiert. Bei derWM 1978 und derWM 1981 verteidigte Karpow seinen Titel jeweils gegen den 20 Jahre älterenViktor Kortschnoi. Kortschnoi war schon 1974 sein Finalgegner um die Herausforderung Fischers gewesen.
Die FIDE hatte mittlerweile das Reglement geändert – nicht mehr 24 Partien wurden gespielt, sondern ein Match auf sechs Siege, Remis zählten nicht.
Ein 1984 begonnenerWeltmeisterschaftskampf Karpows gegen HerausfordererGarri Kasparow wurde nach 48 Partien abgebrochen. Man spielte, wie 1978 und 1981, auf sechs Siege. Der Zwischenstand zum Zeitpunkt des Abbruchs lautete 5:3 (+5 =40 −3) für Karpow. Der Wettkampf hatte am 10. September 1984 begonnen und wurde am 15. Februar 1985 vom FIDE-PräsidentenFlorencio Campomanes abgebrochen, obwohl das FIDE-Reglement dies nicht vorsah. Zum Zeitpunkt des Abbruchs lag Karpow zwar in Führung, war aber sichtlich angeschlagen, sodass der Abbruch allgemein als eine Begünstigung des Weltmeisters gegenüber seinem jüngeren Herausforderer angesehen wurde. Campomanes argumentierte, dass eine solche Situation mit Dutzenden Remispartien in der Satzung einfach nicht behandelt würde und dass mit mittlerweile 48 Partien die doppelte Anzahl der nach altem Reglement vorgesehenen Partien gespielt worden sei. Auch könne nicht einfach weitergespielt werden, bis ein Spieler körperlich Schaden nehme. Dies sei nicht das Wesen des Schachs.
Im Herbst1985 wurde der Wettkampf mit geänderten Regeln (Begrenzung auf 24 Partien) wiederholt. Karpow musste sich Kasparow geschlagen geben (+3 =16 −5).
Da die FIDE mit der Regeländerung auch das Revancherecht wieder eingeführt hatte, musste Kasparow seinen Titel in einemWM-Kampf 1986 gegen Karpow verteidigen, was ihm auch gelang. Auch in den folgendenWM 1987 undWM 1990 konnte Kasparow seinen Titel erneut gegen Karpow verteidigen.
1993 kam es zum Bruch zwischen Kasparow und der Weltschachorganisation FIDE. Kasparow weigerte sich, unter den finanziellen Bedingungen der FIDE erneut um die Weltmeisterschaft zu spielen, und wurde daraufhin gemeinsam mitNigel Short, seinem Herausforderer für 1993, von der FIDE disqualifiziert. Die beiden Spieler waren in der Folge maßgeblich an der Gründung eines eigenen Schachverbandes, derProfessional Chess Association (PCA), beteiligt. Hiernach wurden in beiden Verbänden rivalisierende Weltmeister ermittelt.
Kasparow verteidigte 1993 seinen Titel in einem von der PCA veranstaltetenWettkampf gegen Nigel Short. Der nächste von der PCA ausgerichtete Titelkampf war dieWM 1995: Kasparow bezwang den InderViswanathan Anand. Erst im Jahre 2000 verteidigte Kasparow seinen Titel erneut. Der Niedergang der PCA brachte mit sich, dass kein Herausforderer für den Weltmeister ermittelt wurde. Kasparows GegnerWladimir Kramnik war seit Aljechins Tagen der erste Herausforderer, den der Weltmeister sichaussuchte. Dass und wie – nämlich ohne einen einzigen Sieg zu erreichen – Kasparow seinen Titel an Kramnik verlor, wurde allgemein als sensationell angesehen. Man spielte vom 8. Oktober bis zum 2. November in London. Endergebnis: 6,5:8,5 (+0 =13 −2).
Dem SchachcomputerDeep Blue gelang es 1996 als erstem Computer, den damals amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow in einer Partie mit regulären Zeitkontrollen zu schlagen.
| Name | Zeitraum | Land |
|---|---|---|
| Anatoli Karpow | 1993–1999 | Russland |
| Alexander Chalifman | 1999–2000 | Russland |
| Viswanathan Anand | 2000–2002 | Indien |
| Ruslan Ponomarjow | 2002–2004 | Ukraine |
| Rustam Kasimjanov | 2004–2005 | Usbekistan |
| Wesselin Topalow | 2005–2006 | Bulgarien |
Nachdem die FIDE den amtierenden Weltmeister Kasparow und seinen ermittelten Herausforderer Short disqualifiziert hatte, wurde parallel zum PCA-Weltmeisterschaftskampf eine FIDE-Weltmeisterschaft durchgeführt. Dies war der Beginn einer bis 2006 dauernden Spaltung des Weltmeistertitels. Die FIDE veranstaltete in den Jahren 1996, 1997–1998, 1999, 2000, 2001–2002,2004 und 2005 weitere Turniere mit dem Titel Weltmeisterschaft. Der 1998 eingeführteKnockout-Modus stieß bei vielen Spielern und in der Schachwelt nicht auf ungeteilte Zustimmung und kam 2004 das letzte Mal zur Anwendung.
Ein Versuch, die beiden Weltmeistertitel wieder zu vereinigen, war die von dem US-amerikanischen Großmeister Yasser Seirawan initiierte und mit dem Titel „A fresh start“[9] angestoßene Prager Abmachung,[10] welche am 6. Mai 2002 von Garri Kasparow, Wladimir Kramnik undKirsan Iljumschinow, dem Präsidenten der FIDE, unterzeichnet wurde. Diese scheiterte jedoch, da geplante Qualifikationswettkämpfe nicht zustande kamen. Erst nach Kasparows überraschendem Rücktritt vom Turnierschach führten die Bestrebungen, die konkurrierenden Titel zu vereinigen, 2006 zum Erfolg.
2004 verteidigte Kramnik seinen Titel gegen den imDortmunder Kandidatenturnier 2002 ermittelten UngarnPéter Lékó durch ein 7:7-Unentschieden (+2 =10 −2).
Die Spaltung der Schachweltmeisterschaft wurde 2006 mit demWettkampf zwischen dem „klassischen“ Weltmeister Kramnik und dem FIDE-WeltmeisterWesselin Topalow beendet. Zum ersten Mal entschied bei einer klassischen Schachweltmeisterschaft derTie-Break über den Sieger. Kramnik gewann und war nun alleiniger Weltmeister.
Kramnik musste – so schrieben es die FIDE-Regularien vor – in einem Rundenturnier mit acht Teilnehmern den nun alleinigen WM-Titel verteidigen. Siegerin diesem Turnier wurde 2007 Viswanathan Anand, der ungeschlagen und mit einem Punkt Vorsprung auf Kramnik neuer Weltmeister wurde.
Anand verteidigte seinen WM-Titel 2008 in einemWettkampf gegen Kramnik. Kramnik war vor der WM 2007 zugesichert worden, im Falle des Verlusts seines WM-Titels im Jahr darauf die Chance auf ein Revanchematch zu erhalten.2010 verteidigte Anand seinen Weltmeistertitel gegenWesselin Topalow,2012 gewann er gegenBoris Gelfand im Tie-Break. Bei derSchachweltmeisterschaft 2013 verlor er seinen Titel anMagnus Carlsen.
Bei derSchachweltmeisterschaft 2014 gab es eine Neuauflage des Duells Carlsen–Anand, bei dem Carlsen erneut siegte. Bei derWM 2016 verteidigte Carlsen im Tie-Break seinen Titel gegenSergei Karjakin und auch bei derWM 2018 gegenFabiano Caruana war er nach hartem Kampf im Tie-Break erfolgreich. Als Titelverteidiger gewann er auch dieSchachweltmeisterschaft 2021 gegenJan Nepomnjaschtschi, bei der er nach 11 von höchstens 14 Partien klassischer Bedenkzeit vorzeitig als Sieger feststand.
Nach demKandidatenturnier 2022 gab Carlsen bekannt, dass er seinen Weltmeistertitel nicht mehr verteidigen wolle. Daher wurde sein Nachfolger bei derSchachweltmeisterschaft 2023 zwischen den beiden Erstplatzierten des Kandidatenturniers,Ding Liren und Jan Nepomnjaschtschi, ermittelt. Bis dahin behielt Carlsen seinen Weltmeistertitel.
Ding Liren gelang die Qualifikation für die Weltmeisterschafts-Teilnahme nur auf Umwegen. Als Nachrücker für den disqualifizierten Karjakin schaffte er die Teilnahme am Kandidatenturnier nur knapp, indem er erst kurz vor dem Stichtag die geforderte Anzahl von Turnierpartien erreichte. Das Kandidatenturnier wurde dann über weite Strecken von Jan Nepomnjaschtschi dominiert. Erst kurz vor Ende sicherte sich Ding den zweiten Platz, der nur wegen des Rücktritts von Magnus Carlsen für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft ausreichte. DieSchachweltmeisterschaft 2023 entschied Ding gegen Nepomnjaschtschi im Tie-Break für sich.
BeimKandidatenturnier im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2024 konnte sich überraschend der InderD. Gukesh durchsetzen. Im Weltmeisterschaftskampf gegen Ding Liren galt Gukesh dennoch als Favorit, nachdem er auf Platz 5 der Weltrangliste aufstieg, während Ding nur noch auf Platz 23 stand. Im Duell setzte sich Gukesh knapp durch und ist dadurch derjüngste Schachweltmeister aller Zeiten, sofern man die FIDE-Weltmeisterschaft Ponomarjows – er war seinerzeit drei Monate jünger – außen vor lässt.
Auch abseits der Spaltung des Titels von 1993 bis 2006 gab es Fälle, bei denen umstritten war, wer als Weltmeister zu gelten habe. Diese sind aber heute nicht mehr relevant: