







Sattelauflieger (oder kurzAuflieger sowie englischSemitrailer oder nurTrailer genannt) sindAnhänger, die einen Teil ihres Gewichtes auf die Achsen einerSattelzugmaschine verlagern, mit der sie über eineSattelplatte samtKönigszapfen verbunden werden.[1] Sattelauflieger sind meistens mehrachsig (2 bis 3 Achsen) und unterscheiden sich dadurch vomEinachsanhänger.
Ihren Ursprung haben Sattelauflieger in den USA, obwohl bereits 1903 der SchmiedEmil Jagenberg in Deutschland den ersten Anhänger für den Einsatz an motorisierten Nutzfahrzeugen erfand.[2] Im Jahre 1911 meldete Charles H. Martin ein Patent auf ein Fahrzeug mit Sattelauflieger an.[3] 1914 konstruierte in den USA der KutschenbauerAugust Fruehauf den ersten Sattelauflieger, der primär für den Transport von Baumstämmen gedacht war. Bereits 1918 baute er seine Produktpalette für den Transport weiterer Spezialgüter aus, wodurch er den Grundstein für das UnternehmenFruehauf legte.[4][5] In der Folge kamen verschiedene, von unterschiedlichen Erfindern entwickelte Komponenten hinzu, die die Grundlage für die heute eingesetzten Sattelauflieger bilden.[6]
1958 fertigteKögel den „längsten Sattelzug der Welt“ mit einem Auflieger von geschätzt 30 Metern Länge aus zwei schmal nebeneinander liegenden Stahlträgern, mit Seil-Unterzug und lenkbarem zweiachsigemDolly nahe dem hinteren Ende, zum Transport weniger langer Baumstämme.[7]
Sattelauflieger gelten alsunmotorisierte Nutzfahrzeuge und müssen im Straßenverkehr mit eigenemKennzeichen geführt werden. Neben dem Einsatz imGüterkraftverkehr werden sie auch zunehmend in derLandwirtschaft genutzt. Sattelauflieger mit deutscher Zulassung haben standardmäßig Innenmaße von Länge × Breite × Höhe = 13,625 m × 2,48 m × 2,70 m sowie maximale Außenmaße von 13,68 m × 2,55 m × 4,00 m.[8] Damit bieten sie weniger Ladelängensumme alsHängerzüge, deren kombinierte Laderaumlänge über 15 m betragen kann. In Nordamerika sind Maße bis zu L × B = 16,15 m (53 Fuß) × 2,60 m (8 Fuß 6 Zoll) möglich.[9] Die Vorteile eines Sattelaufliegers gegenüber einem Hängerzug liegen jedoch in der durchgehenden sowie nicht auf zwei Fahrzeuge aufgeteilten Ladefläche und dem einfacheren Fahr- sowie Rangierbetrieb. Aufgrund des niedrigeren Eigengewichts liegt dieNutzlast eines Sattelzugs üblicherweise über der des Hängerzugs.
Es gibt verschiedene Varianten von Sattelaufliegern:
Teilweise werden Sattelauflieger mit zwei oder drei Achsen auch Tandem- sowie Tridemanhänger genannt, obwohl diese Bezeichnung eigentlich für Anhänger mit mittiger Achsaufhängung undZugmaul gedacht ist.
Sattelauflieger werden auch im unbegleitetenkombinierten Verkehr eingesetzt. Dazu sind kranbare Sattelauflieger mit genormten Anhebepunkten nötig, die mit Hilfe vonPortalkränen oderReachstackern aufTaschenwagen verladen werden können. DerUnterfahrschutz, der beiAuffahrunfällen verhindern soll, dass niedrigere Fahrzeuge unter den Auflieger geraten, ist bei Sattelaufliegern für den kombinierten Verkehr einklappbar.
Ein Vorteil eines Sattelaufliegers besteht im viel einfacheren Rückwärtsfahren als mit einem Hängerzug mit drehbarer Hängerdeichsel, der ja zwei Gelenke hat.
Die Schleppkurve eines Sattelzugs ist eher breiter (= im Kurveninneren enger) als die eines Hängerzugs. Ein Sattelzug wird eher mit starkem Knick gefahren als ein Hängerzug, sodass die Fahrbahn durch die Tandemachsen stark auf Schub belastet werden. Eine Solo-Achse kommt sehr selten, nur bei Möbeltransportern mit geringererNutzlast vor. Hat der Auflieger eine dritte Achse, ist diese oft als Hub- oder Lenkachse ausgeführt.
Der Sattelauflieger hat oft größere Reifendurchmesser als die Sattelzugmaschine. Mitunter werden Sattelauflieger leicht schräg, also vorne etwas höher als hinten gefahren.
Sattelauflieger mit einem eingebautenelektrischenAntriebsstrang, die den Primärantrieb der Sattelzugmaschine unterstützen und so den Dieselverbrauch reduzieren oder dieReichweite einerbatterieelektrischen Sattelzugmaschinen erhöhen, können sind in der Entwicklung.[10] Auch wird erforscht ob Sattelauflieger mit elektrischen Antriebsstrang ohne Zugmaschine auf Werksgeländen selbstständig fahren können und ob die Fahrsicherheit schwerer Sattelzüge verbessert werden kann.[11]
Sattelauflieger werden meist vonmittelständischen Unternehmen hergestellt. Neben der Serienproduktion können so auch individuelle Konstruktionen umgesetzt werden. In den vergangenen Jahren hat sich der ursprünglich stark regionalisierte Anbietermarkt jedoch parallel zur Entwicklung des Güterkraftverkehrs durch rapide Wachstumszahlen, Internationalität und Markenzukäufe stark gewandelt.
Zu den drei größten Herstellern von Sattelaufliegern in Europa zählenSchmitz Cargobull undKrone ausDeutschland sowieWielton ausPolen, die zusammen jährlich auf rund 120.000 fertiggestellte Einheiten kommen.[12] Als größte Hersteller von Sattelaufliegern weltweit zählen darüber hinausCIMC ausChina sowieWabash National undGreat Dane aus denUSA mit zusammen rund 210.000 fertiggestellten Einheiten.[13] Weitere europäische Anbieter sind unter anderemBerger Fahrzeugtechnik,[14]Benalu,Chèreau,Faymonville,Feber,Fliegl,Gniotpol,Kässbohrer,Kögel,Legras,Schwarzmüller,SDC,Stas,Tirsan,Van Hool oderZasław.
Laut Erhebungen desGlobal Trailer Magazines[15] sind die größten Hersteller von Sattelaufliegern (Stand 2016):
| Hersteller | Herkunftsland | Jahresvolumen |
|---|---|---|
| CIMC | China Volksrepublik | 100.300 |
| Wabash National | Vereinigte Staaten | 63.450 |
| Great Dane | Vereinigte Staaten | 60.850 |
| Schmitz Cargobull | Deutschland | 50.000 |
| Hyundai Translead | Vereinigte Staaten | 49.750 |
| UTM | Vereinigte Staaten | 49.200 |
| Krone | Deutschland | 49.000 |
| Wielton | Polen | 16.500 |
| Stoughton | Vereinigte Staaten | 16.000 |
| Kögel | Deutschland | 13.000 |
| Huajun | China Volksrepublik | 10.750 |
| Randon | Brasilien | 10.100 |
| SDC | Vereinigtes Konigreich | 9.500 |
| Tirsan | Turkei | 9.300 |
| Schwarzmüller | Osterreich | 7.800 |
Durch unterschiedliche Marktanforderungen sowie gesetzliche Bestimmungen ist die Branche in weiten Teilen immer noch stark regionalisiert. Von den oben genannten und zur Top 15 zählenden Herstellern spielen in Europa grenzübergreifend nurSchmitz Cargobull,Krone,Wielton undSchwarzmüller eine Rolle, während sich andere europäische Hersteller in der Regel auf ihre Heimatmärkte konzentrieren. Mit Ausnahme vonCIMC sind Hersteller aus Übersee in Europa in keiner Weise präsent, obwohl sie zahlenmäßig ein höheres Jahresvolumen aufweisen.[16]
Es werden auch Sattelauflieger alsFahrradanhänger fürLastenfahrräder gebaut, auch hier verfügt das Zugfahrzeug über eine Sattelplatte und trägt einen Teil der angehängten Nutzlast. Da dieses Gespann gemäßStraßenverkehrsordnung als Fahrrad gilt, sind weder Führerschein noch Kennzeichen erforderlich[17].
Fachpresse zu Themen rund um Sattelauflieger: