Sally Perel

Sally Perel (geboren21. April1925 inPeine; gestorben2. Februar2023 inTel Aviv,Israel[1], eigentlichSalomon Perel, auch bekannt unter den NamenShlomo Perel oderSolomon Perel, während derNS-DiktaturJosef Perjell) war ein israelischer Autor deutscher Herkunft. Als Mitglied derHitlerjugend gelang es ihm, seinejüdische Identität zu verbergen und denNationalsozialismus zu überleben. SeineAutobiografieIch war Hitlerjunge Salomon wurde 1990 unter dem TitelHitlerjunge Salomon verfilmt. Bis zu seinem Tod besuchte Perel Schulen, um über sein Leben zu berichten.
Leben
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Leben während des Nationalsozialismus
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Mit derMachtergreifung an dieNSDAP verschärfte sich die Diskriminierung derJuden in Deutschland entscheidend. Nachdem ihr Schuhgeschäft inPeine von den Nationalsozialisten verwüstet worden war, zog die Familie Perel 1935 oder 1936 nachŁódź in Polen.
Nach dem deutschenÜberfall auf Polen im Jahre 1939 und der darauffolgenden Aufteilung Polens zwischen demDeutschen Reich und derSowjetunion floh Sally Perel in den nunsowjetischen Teil Polens.
Bei der Trennung von seinen Eltern gab seine Mutter ihm die Worte mit auf den Weg:
„Du sollst leben!“
Er selbst interpretierte diese Worte als Befehl, sein Leben zu leben. Dieser Gedanke half ihm in der späteren Zeit, Entscheidungen zu treffen und zum Beispiel seine jüdische Herkunft zu verleugnen, etwa indem er einen anderen Namen (Josef) angab.
Während desVernichtungskrieges gegen die Sowjetunion wurde Perel von derWehrmacht gefangen genommen. Er konnte sich alsVolksdeutscher ausgeben und seine jüdische Herkunft verschleiern. Er fungierte in der Folge als deutsch-russischerÜbersetzer für die Wehrmacht, von Juli 1941 bis ca. Dezember 1941 in der Aufklärungs-Abteilung 2 der12. Panzerdivision und anschließend in der Heeresverpflegungsstelle 722 inReval.[2] Er nannte sich Josef Perjell;[3] sein Spitzname war Jupp.
Seine wirkliche Identität wurde von einem Kameraden an der Front entdeckt, der als Homosexueller Interesse an Sally Perel hatte. Als er erkannte, dass Perel Jude war, versicherte er ihm, ihn nicht zu verraten, und eine Freundschaft entwickelte sich. Nachdem er zwei Jahre bei der Wehrmacht war, wurde er zurück ins Deutsche Reich geholt. Hauptmann von Münchow wollte ihn adoptieren und sorgte dafür, dass Sally Perel bis kurz vor Kriegsende auf dieAkademie für Jugendführung der Hitlerjugend inBraunschweig ging. Aufgrund der ständigen Präsenz des Nationalsozialismus an der Schule derHitlerjugend (HJ) begann er nach eigenen Angaben, sich mit dieser Politik zu identifizieren. Später beschrieb er dieDiktatur als Gift, das jeden Tag in die jungen Gehirne geträufelt worden sei. An der HJ-Schule identifizierte ihn ein Lehrer derRassenkunde als Angehörigen der „arischenbaltisch-östlichen Rasse“, nicht als Juden. Perel musste ständig seineBeschneidung verbergen und stets einen kühlen Kopf bewahren, um schnell auf unübliche Anfragen reagieren zu können und eine Entdeckung zu vermeiden. Ab 1943 absolvierte er eine Ausbildung zum Werkzeugmacher beiVolkswagen in Braunschweig. Am Ende desKrieges wurde er nochmals Soldat imVolkssturm. Er wurde von der US-amerikanischen Armee gefangen genommen und kurze Zeit später entlassen.[4]
Leben nach dem Zweiten Weltkrieg
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Außer seinen Brüdern Isaak und David, die beide nach Israelauswanderten, überlebte kein Mitglied der Familie Perel denHolocaust, seine Schwestern und seine Eltern kamen um. Nach dieser Zeit emigrierte Perel 1948 nachIsrael, weil er den jüdischen Staat mit aufbauen wollte.[4] Er brauchte 40 Jahre, um das Erlebte zu verarbeiten, bevor er sich schließlich nach einer Herzoperation 1985 entschloss, ein Buch mit seiner Geschichte zu schreiben.[5] Perel schrieb das Buch in deutscher Sprache. Er gab an, dass dadurch der (verborgene Hitlerjunge) Jupp „aus ihm heraus wollte“.[6] Es erschien 1990 alsEuropa, Europa auf Französisch, 1991 aufHebräisch (קוראים לי שלמה פרלKor’im li Schlomo Perel,Ich heiße Schlomo Perel) und im Folgejahr unter dem TitelIch war Hitlerjunge Salomon auf Deutsch.[7] Das Buch wurde vonAgnieszka Holland 1990 unter dem TitelHitlerjunge Salomon (englischer Titel:Europa, Europa) verfilmt. Sally Perel lebte weiterhin in Israel.
Etwa ab den 1990er Jahren war er meist zweimal jährlich auf Lesetouren durch Deutschland unterwegs. Insbesondere wurde er zu Lesungen und Vorträgen in Schulen eingeladen, um seine Erlebnisse in derZeit des Nationalsozialismus der jungen Generation näher zu bringen. 2018 warnte er angesichts einer erstarkendenAfD vor einem Rechtsruck in Deutschland.[8]
Perel war ab 1959 verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor.[4]Am 2. Februar 2023 starb Sally Perel im Alter von 97 Jahren in Israel.[1]
Ehrungen
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1999 wurde Sally Perel mit demBundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Der Rat seiner Geburtsstadt Peine verlieh ihm am 15. Juni 2000 den Ehrenring.
Am 15. Februar 2016 verlieh die StadtOberhausen Sally Perel den Ehrenring. Diese Entscheidung wurde interfraktionell mit einstimmigem Beschluss im Ältestenrat getroffen.
Seit dem Schuljahr 2018/2019 trägt die Integrierte Gesamtschule inBraunschweig-Volkmarode den NamenSally-Perel-Gesamtschule. Die Umbenennung wurde am 14. September 2018 in seinem Beisein vollzogen.[9]
Seit dem Schuljahr 2019/2020 trägt die Realschule inMeinersen den Namen Sally-Perel-Realschule Meinersen.
Am 26. August 2020 wurde Sally Perel dieEhrenbürgerwürde der Stadt Braunschweig verliehen.[10][11]
Am 22. April 2022 wurde die Grundschule Wallschule in Peine zu seinen Ehren umbenannt in VGS Wallschule Sally Perel Peine. An der historischen Eingangstür der Schule ließ er die Botschaft anbringen: „Ihr seid nicht verantwortlich. Aber ihr seid verantwortlich dafür, dass es nie wieder passiert.“[12]
Werke
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Sally Perel:Ich war Hitlerjunge Salomon. Nicolai, Berlin 1992,ISBN 3-87584-424-6.
- Moshe Shen, Julie Nicholson,Sara Frenkel, Sally Perel:Überleben in Angst: Vier Juden berichten über ihre Zeit im Volkswagen-Werk in den Jahren 1943 bis 1945. Volkswagen AG/Historische Kommunikation, Wolfsburg 2005, weitere 4 Auflagen bis 2014,ISBN 3-935112-21-1, S. 72 ff.Online
Schauspiel
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Du sollst leben. Schauspiel in drei Akten von Carl Slotboom, Plausus Theaterverlag Bonn
Videoinstallation
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- „4 × Sally“ von Friedemann Derschmidt (Filmemacher, Wien) und Shimon Lev (Künstler, Israel) gezeigt am 5. Dezember 2016 imJüdischen Museum Wien[13]
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Salomon Perl (Shlomo Perel): Ein jüdischer Hitlerjunge. In:Reinhard Bein (Hrsg.):Juden in Braunschweig 1900–1945. Materialien zur Landesgeschichte. 2. geänderte und Auflage. Döring, Braunschweig 1988, S. 155–163.[1][2][14]
- Tim Sparenberg:„Die Macht kommt von unten“. Der Grenzgang der „Neuen Menschen“ Stepan Podlubnyj und Sally Perel zwischen Opfer und Täter. In:Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 57 (2009), S. 986–999.
- Uwe Fritsch:„Hitlerjunge Salomon“ – Zum Tod von Sally Perel (21.4.1925–2.2.2023). In:Sozialismus, Heft 3/2023, S. 67–69
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Sally Perel im Katalog derDeutschen Nationalbibliothek
- Sally Perel beiIMDb
- Klaus Dautel: Jurek Becker – Sally Perel: Ich war Hitlerjunge Salomon. In: zum.de. Dezember 1999; abgerufen am 10. Mai 2020 (Biografie).
- Photo- und Dokumentensammlung beim United States Holocaust Memorial Museum, Washington, D.C.
- Ulrike Timm: Zeitzeuge Sally Perel – „Ich habe die Rolle nicht gespielt, ich wurde ein echter Hitlerjunge“. (mp3-Audio, 32,4 MB; 35:23 Minuten) In: Deutschlandfunk-Kultur-Sendung „Radiofeuilleton – Im Gespräch“. 8. Mai 2020; abgerufen am 9. Mai 2020.
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑abNDR: "Hitlerjunge Salomon": Sally Perel mit 97 Jahren gestorben. Abgerufen am 2. Februar 2023.
- ↑Sally Perel:Ich war Hitlerjunge Salomon. Heyne, München 2016,ISBN 978-3-453-53483-4, S. 64.
- ↑Photo des Stammblatts, abgerufen am 8. Juli 2019
- ↑abcSally Perel – „Hitlerjunge Salomon“ feiert 95. Geburtstag (Memento vom 15. November 2020 imInternet Archive), volkswagen-newsroom.com, 7. April 2020
- ↑Bericht zu einer Perel-Lesung bei hiergeblieben.de; abgerufen am 7. Dezember 2012
- ↑Die Tränen flossen nach innen. In:Der Spiegel.Nr. 12, 1992 (online – Sally Perel im Interview mit dem Spiegel).
- ↑Liste von Perels Publikationen. DNB
- ↑Felix Stephan: Sally Perel ist tot: "Hitlerjunge Salomon" wurde 97 Jahre alt. Abgerufen am 19. April 2023.
- ↑Sally Perel Gesamtschule feiert ihre Umbenennung. Abgerufen am 22. September 2018.
- ↑Ehrenbürgerwürde für Sally Perel (Memento vom 16. Juli 2020 imInternet Archive) Mitteilung der Stadt Braunschweig vom 15. Juli 2020 auf braunschweig.de
- ↑Cornelia Steiner:Sally Perel: Ich liebe Braunschweig für immer. In:Braunschweiger Zeitung vom 27. August 2020.
- ↑NDR - Grundschule nach Holocaust-Überlebendem Sally Perel benannt (22. April 2022)
- ↑Wolfgang Paterno:Das dramatische Doppelleben des „Hitlerjungen Salomon“. profil.at, 6. Dezember 2016; abgerufen am 8. Dezember 2016.
- ↑DNB860052826
Personendaten | |
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NAME | Perel, Sally |
ALTERNATIVNAMEN | Perel, Selomo; Perel, Shlomo; Perel, Solomon; Perjell, Josef (Pseudonym); Perjel, Josef (Pseudonym); Peryel, Yozef (Pseudonym) |
KURZBESCHREIBUNG | israelischer Autor deutscher Herkunft |
GEBURTSDATUM | 21. April 1925 |
GEBURTSORT | Peine |
STERBEDATUM | 2. Februar 2023 |
STERBEORT | Tel Aviv-Jaffa |
- Überlebender des Holocaust
- Zeitzeuge des Holocaust
- Autor
- Holocaust-Biograph
- Literatur (Deutsch)
- Autobiografie
- Holocaustliteratur
- Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus
- Deutscher Kriegsgefangener der Vereinigten Staaten
- Deutscher Emigrant in Israel
- Träger des Bundesverdienstkreuzes
- Ehrenringträger der Stadt Oberhausen
- Ehrenbürger von Braunschweig
- Person (Peine)
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