Der erste Teil des Namens der Gemeinde,Salle, stammt aus demgermanischen Wort für „Saal“ und weist auf eine Burg hin, der restliche Namensteil auf einen Mann mit dem lateinischen Namen „Piccius“.[1]
Die Einwohner werdenSallespissiens undSallespissiennes genannt.[2]
Sallespisse liegt im Einzugsgebiet des FlussesAdour. Der Ruisseau du Pas de Salles, ein Nebenfluss desLuy de Béarn, entspringt auf dem Gebiet der Gemeinde ebenso wie der Ruisseau de Rontun, ein Nebenfluss desGave de Pau.[3]
Sallespisse liegt auf einer Anhöhe über dem Tal des Gave de Pau. Aus diesem Grund wurden in zahlreichen Epochen befestigte Anlagen errichtet. Die älteste unter ihnen, genanntTouroun de Tury, stammt aus derFrühgeschichte. Reste eines Erdhügels und von Erdwällen, die sich über 200 m × 150 m erstreckten, sind heute noch sichtbar. Aufgrund dieser strategischen Lage galt Sallespisse als Vorposten zur Verteidigung von Orthez. Das Dorf ist seit demMittelalter eine Station auf derVia Lemovicensis, einem der vierJakobswege in Frankreich nachSantiago de Compostela. Bei derVolkszählung des Béarn im Jahre 1385 wurden in Sallespisse 27 Haushalte gezählt, und das Dorf gehörte zurBailliage von Pau. Die Burg desGrundherrn gehörte der Familie de Salles. Sie wurde während derHugenottenkriege zerstört, anschließend ein neuer Adelssitz an der gleichen Stelle errichtet.[1][4][5]
Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington
Nicolas Jean-de-Dieu Soult
Im Rahmen dernapoleonischen Kriege spielte die Gemeinde am 27. Februar 1814 eine Rolle in derSchlacht bei Orthez zwischen der alliierten Armee unter dem Oberbefehl vonArthur Wellesleys, dem späterenDuke of Wellington, und den französischen Truppen unter dem Kommando von MaréchalNicolas Jean-de-Dieu Soult. Soult plante schon vor der Kampfhandlung einen möglichen Rückzugsweg von Orthez über Sallespisse nach Sault-de-Navailles, wo der Luy de Béarn eine natürliche Verteidigungslinie bilden konnte. Er ließ deshalb zwei Regimenter in Sallespisse zurück. Nachdem die französischen Truppen in der Schlacht geschlagen worden waren, versuchten diese, zuerst geordnet, bald konfus, in alle Richtungen, teilweise auch über Sallespisse, zu entkommen. Die britische Kavallerie verfolgte die Fliehenden, die in Sallespisse eine Zeit lang versuchten, das Dorf zu halten, aber schließlich ihren Rückzug über die Brücke von Sault-de-Navailles fortsetzten.[6][7]
Die Gemeinde erreichte einen Höchststand ihrer Größe mit 875 Einwohnern in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Folge reduzierte sich die Einwohnerzahl bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1950er Jahren auf rund 435. In der Folge setzte eine robuste Wachstumsphase ein, die bis heute andauert.
Jahr
1962
1968
1975
1982
1990
1999
2006
2009
2023
Einwohner
454
482
496
533
573
564
582
589
591
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Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz Quellen:EHESS/Cassini bis 1999,[9]INSEE ab 2006[10][11]
Pfarrkirche, geweihtJohannes dem Täufer. Die erste Erwähnung der Kirche datiert aus dem Jahr 1180. Sie unterstand demBistum Dax und wird im Kopialbuch derKathedrale von Dax mit dem ToponymSanctus Johannes de Sales Pizou erwähnt. Vermutlich handelte es sich um dieBurgkapelle, die gleichzeitig als Pfarrkirche diente. Aufgrund von Spenden und Nachlässen von verschiedenen Schlossherren, bestimmten Gemeindemitgliedern und der Gemeinde selbst konnten im 14. und im 15. Jahrhundert umfangreiche Umbauten durchgeführt werden. In den Jahren 1779 und 1780 wurde die Kirche ausgebessert. Eine Tafel bezeugt umfangreiche Arbeiten im Kircheninneren im Jahre 1843. Diese umfassten u. a. den Bau einer Seitenkapelle und einesHauptaltars und den Ankauf einer Kopie eines Gemäldes vonNicolas Poussin, die Johannes den Täufer zeigt, der die Taufe vornimmt. 1876 wurde die Kirche als überaltert und zu klein für die wachsende Bevölkerung angesehen. Der Architekt der Stadt Orthez, Henri d’Arnaudat, ließ 1877 die Kirche vergrößern und restaurieren. DasSeitenschiff wurde verlängert, das Mittelschiff erhöht, die Fenster reguliert und dasKreuzgratgewölbe imLanghaus sowie das Halbkuppelgewölbe imChor geschaffen. 1898 wurde ein Projekt durch den Architekten Bourdette aus Orthez ins Leben gerufen, um denGlockenturm über dem Eingangsvorbau zu restaurieren und aufzustocken, dessenHelm zerfallen war. 1901 wurden diese Arbeiten abgeschlossen. 1971 zerstörte ein heftiges Gewitter den Kirchturm, dessen Helm anschließend durch ein flacheres Dach ersetzt werden musste. Seine heutige Architektur fügt sich dadurch nicht in die traditionelle Bauweise der Region ein, wenn nicht die weißen Steine Türen und Fenster umrahmten, wie es an den meisten Gebäuden der Region anzutreffen ist. Der Glockenturm barg zeitweise die Schule und sogar das Rathaus.[12][13][14] Wie bei den meisten Kirchen im Béarn, so ist die Pfarrkirche von Sallespisse auch von einem Friedhof umsäumt. Bemerkenswert ist eine sehr große Anzahl von Gräbern ausMarmor, die mehreren Familien gehören, die nicht verwandt sind. Aus ökonomischen Gründen teilen sie sich eine Grabstätte. Einige Gräber gehörenprotestantischen Familien. Sie sind sehr sachlich, ohne Kreuz und mit Grabmälern in Form von Säulen. Ein Ehrenmal für die gefallenen Soldaten der Gemeinde ist ebenfalls auf dem Friedhof aufgestellt.[15]
Francis Jammes
Manoir de Salles. An der Stelle des Gutshauses stand eine Burg im Besitz der Familie de Salles, die dort vermutlich u. a. den ChronistenJean Froissart empfingen. Andere Béarner Adeligen folgten den Salles, bis die Burg in den Hugenottenkriegen im 16. Jahrhundert abbrannte. Das neu errichtete Schloss, Manoir de Salles, genannt, wurde auf dem künstlichen Erdhügel der früheren Burg errichtet und passt sich seiner Form an. Es wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut. Die Gebäude rund das Haupthaus bilden einen Hof und zeigen verschiedene Architekturstile je nach der Epoche ihrer Errichtung oder Restaurierung. Eine monumentale Treppe aus dem späten 18. Jahrhundert weist den Weg vom Innenhof hinauf zum Haupthaus. Eine mit Säulen besetzte Eingangshalle aus dem frühen 19. Jahrhundert führt im Inneren zu den Zimmern des 17. Jahrhunderts. Während der napoleonischen Kriege wurde im Manoir eine Krankenstation zur Versorgung der Verwundeten eingerichtet. Am Ende des 19. Jahrhunderts gelangte die Familie Bigaud de Cazanove in den Besitz des Gutshauses. Ein Mitglied der Familie, Arnaury de Cazanove, empfing hier seinen Freund, den DichterFrancis Jammes, der das Anwesen in seinem GedichtIl est près de Salles verewigte. Das Gutshaus ist heute im Privatbesitz und der Öffentlichkeit nicht zugänglich.[16]
Die Landwirtschaft entwickelte sich aufgrund des fruchtbaren Bodens und ist traditionell der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Gemeinde.[1]
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Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[17] Gesamt = 48
Sallespisse wird durchquert von derRoute départementale 933, der ehemaligenRoute nationale 133, und ist über eine Linie des BusnetzesXL'R über Orthez undAmou mit anderen Gemeinden der Départements Pyrénées-Atlantiques undLandes verbunden.
Daniel Argote, geboren am 21. Juli 1910 inBayonne, gestorben am 10. August 1944 in Orthez, war Schullehrer und Mitglied derRésistance. Zu Beginn desZweiten Weltkriegs wurde er in die französische Armee eingezogen und 1940 imElsass gefangen genommen. Weil er Vater von vier Kindern war, wurde er nach dreizehn Monaten entlassen und wurde im Oktober 1941 Schullehrer in Sallespisse, das auf derDemarkationslinie zwischen derbesetzten undunbesetzten Zone Frankreichs lag. Als Mitarbeiter des Rathauses oblag ihm die Abwicklung der Übergänge zwischen den Zonen. Aufgrund seiner Stellung konnte er falsche Papiere für Zwangsarbeiter undfranzösischen Partisanen ausstellen. Ab Herbst 1943 koordinierte Daniel Argote als Mitglied der Geheimarmee von Orthez die Aktionen des französischen Widerstands in der Region, richtete ein Areal für Fallschirmabwürfe ein, besorgte Waffen und Munition und stellte einen Funkkontakt mitLondon her. Am 10. August 1944 geriet er in Orthez in einen Hinterhalt, als er einem Auftrag zur Ausschleusung von polnischen Deserteuren nachging. Zu seinem Gedenken ist je eine Tafel am Rathaus und an der Schule von Sallespisse aufgehängt, die außerdem seinen Namen trägt.[20][21][22][23]
↑abcConseil régional d’Aquitaine: Sallespisse. visites.aquitaine.fr, archiviert vom Original am 11. Dezember 2017; abgerufen am 11. Dezember 2017 (französisch).Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr
↑Ma commune : Sallespisse. Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne, abgerufen am 11. Dezember 2017 (französisch).
↑Conseil régional d’Aquitaine: Motte de Tury. visites.aquitaine.fr, archiviert vom Original am 11. Dezember 2017; abgerufen am 11. Dezember 2017 (französisch).Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr
↑Manoir de Salles. visites.aquitaine.fr, archiviert vom Original am 11. Dezember 2017; abgerufen am 11. Dezember 2017 (französisch).Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr
↑La voie de Vézelay. Agence de Coopération Interrégionale et Réseau „Chemins de Saint-Jacques de Compostelle“, abgerufen am 11. Dezember 2017 (französisch).
↑Daniel Argote. visites.aquitaine.fr, archiviert vom Original am 11. Dezember 2017; abgerufen am 11. Dezember 2017 (französisch).Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäßAnleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr