Movatterモバイル変換


[0]ホーム

URL:


Zum Inhalt springen
WikipediaDie freie Enzyklopädie
Suche

Sakrament

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Altar der sieben Sakramente vonRogier van der Weyden, um 1448. Linke Tafel: Taufe, Firmung, Bußsakrament; rechte Tafel Weihesakrament, Ehe, Krankensalbung; in der Mitte das Sakrament der Eucharistie als Frucht des Kreuzesopfers
Ausspendung der Gnaden,Johannes Hopffe,Wrisberg-Epitaph, 1585

AlsSakrament bezeichnet man imChristentum einenRitus, der als sichtbares Zeichen beziehungsweise als sichtbare Handlung eine unsichtbare WirklichkeitGottes vergegenwärtigt und an ihr teilhaben lässt.

Wortherkunft

Das WortSakrament stammt vomkirchenlateinischen Begriffsacramentum „Heilszeichen, Heilsmittel, Heilsweg, sichtbares Zeichen der verborgenen Heilswirklichkeit“ ab. Die lateinische Wurzelsacer bedeutet „heilig, unverletzlich“. Das Wortsacramentum wurde zuerst vonTertullian auf die Taufe angewandt[1] und wird in der Theologie als lateinische Übersetzung desgriechischen Wortes μυστήριονmystérion (Geheimnis)[2] neben dem latinisierten griechischen Wortmysterium verwendet.

Geschichte des Sakraments

Ab dem 2. Jahrhundert wurden in derweströmischen Theologie die BegriffeMysterion undSacramentum miteinander verschmolzen. So wurden biblisch bezeugte Ereignisse, die als Momente des göttlichen Heilsplanes angesehen wurden, alsMysteria gekennzeichnet und dabei besondere, einzigartige Ereignisse der irdischen Existenz Jesu – seineGeburt und seineKreuzigung – als dieMysterien bzw. Sakramente schlechthin verstanden.

Schon imImperium Romanum und in der dort weithin verwendetenlateinischen Sprache wurde derBegriffSacramentum verwendet, wo er für einenEid stand, so im Zivilprozess, bei der Verbeamtung oder beim Fahneneid imrömischen Militär. Auch die Geldsumme, die von den streitenden Parteien als Kaution in einem Prozess zu stellen war, wurde damit bezeichnet.[3] In allen diesen Fällen ist zugleich mit demrechtlichen Aspekt auch einreligiöser gegeben: Die Prozesskaution stand im Fall der Niederlage einem Heiligtum bzw. dessen Priester zu, Eid und Fahneneid lieferten den Betroffenen dem Urteil der Gottheit aus bzw. bedeuteten die Weihe (Sacratio) an eine Autorität göttlichen Charakters, nämlich an den als göttliche Person verehrten römischen Kaiser.

DerKirchenvaterAugustinus verwendete die BegriffeSacramentum undMysterium oft in gleicher Weise. Er meinte damit „jeden sinnlich wahrnehmbaren Sachverhalt, dessen Sinn sich nicht darin erschöpft, das zu sein, als was er sich unmittelbar gibt, sondern der darüber hinaus auf eine geistige […] Wirklichkeit hinweist“.[4]

Augustinus, der eine breite Palette an Sakramenten aufführte, so die „Sakramente Israels“ (etwa dieBeschneidung, dieOpfer, dasPaschafest, die Salbung der Priester und der Könige), sah in derMenschwerdung Gottes in Jesus Christus das größte Sakrament. Er baute als erster fundamental eine systematische, philosophisch und theologisch durchdachte Sakramentenlehre auf, indem er die Unterscheidung zwischen einer „Sache“ und einem „Zeichen“ traf. Sachen waren für Augustinus die Dinge, die nicht etwas bezeichnen, sondern die für sich selbst stehen, wie Haus, Tier oder Ähnliches. Zeichen verweisen dagegen nach Augustinus immer auf etwas anderes. Er unterschied die „natürlichen Zeichen“ von den „gegebenen Zeichen“. Mit den natürlichen Zeichen sei in absichtsloser Weise eine Sache erkennbar, etwa wenn der Rauch auf ein Feuer hinweist. Die gegebenen Zeichen hingegen, etwa eine gerichtete Handbewegung, dieHandauflegung oder ein Grußzeichen, würden absichtlich gesetzt, um etwas zur Kenntnis zu bringen. Hierzu gehörte vor allem auch dasWort alsZeichen. Sakramente sind nach Augustinus gegebene Zeichen, die „zu den göttlichen Dingen gehören“, weil sie auf eine heilige Wirklichkeit hinweisen (De civitate Dei X 5: „Sacramentum, id est sacrum signum“ = Sakrament, das ist ein heiliges Zeichen).

Die augustinischeGnadenlehre basiert auf der Vorstellung, dass es jedem Menschen freistehe, dem Willen Gottes zu gehorchen oder zusündigen. Ohne dieGnadeGottes könne der Mensch nicht wirksam das Gute tun. Jedem Menschen aber stehe es frei, sich bewusst gegen die Gnade zu stellen und sündig zu handeln.

Die Zeichen für die göttliche Gnade bestehen aus einer materiellen Handlung und aus Worten, die diese verdeutlichen. Durch die sichtbaren Dinge werden die Glaubenden zu den unsichtbaren Wirklichkeiten geführt.

Der weite, auch hinsichtlich der Anzahl nur ungenau festgelegte Sakramentsbegriff deralten Kirche galt bis ins 12. Jahrhundert. So herrschten im 11. und 12. Jahrhundert noch sehr unterschiedliche Vorstellungen über die Anzahl der Sakramente. Als Epoche der Frühscholastik werden das 11. Jahrhundert oder auch nur dessen zweite Hälfte und zumindest der Anfang des 12. Jahrhunderts betrachtet. Erst in der Frühscholastik entstanden die ersten Sakramentstraktate und mit ihnen, um die Mitte des 12. Jahrhunderts, die Festlegung auf die Zahl Sieben.

Mit Wirkung deraristotelischen Philosophie, die mit der Rezeption unter demKirchenlehrerThomas von Aquin ihren Höhepunkt fand, stand die physische und metaphysische Wirkung im Vordergrund des Interesses. Der Leitsatz lautete: „Die Sakramente bewirken, dass, was sie bezeichnen, mit dem Begriff der Gnade in engere Beziehung gesetzt wird.“ Dass sie Gnade bewirken, erklärte Thomas durch die Wirksamkeit Gottes als „Erstursache“ und der Sakramente, die Gott durch Christus seiner Kirche anvertraut habe, als „Zweitursache“. So ließen sich die sieben sakramentalen Akte als souveräne Eingriffe des Schöpfer- und Erlösergottes in die menschliche Existenz erklären. Gott bediene sich desRitus als eines Werkzeugs, um seine Gnade zu vermitteln, die Sakramente seien dabei der Weg der Heilsvermittlung.

Alle Sakramente bestehen inaristotelischer Sicht aus „Materie“ (altgriechischὕλη,hýlē) und „Form“ (altgriechischμορφή,morphḗ), siehe auchHylemorphismus.

Die „Materie“ sei entweder das sichtbare Element, dasBrot und der Wein in derEucharistie oder das Wasser in derTaufe, oder aber die sinnenfällige, zeichenhafte Handlung, etwa das reuevolle Schuldbekenntnis in der Buße. Die „Form“ bestünde in den Worten, die der Spender zur Verdeutlichung des Elementes bzw. der Handlung ausspricht, so etwa in denAbsolutions- oderKonsekrationsworten durch denPriester. Wo die Sakramente im Sinne ihrer Einsetzung durch Christus und nach dem Willen der Kirche gespendet werden, bewirke das Sakrament unfehlbar die Gnade. Es bewirke sieex opere operato, also durch die Kraft des vollzogenen Aktes selbst. Es genüge zur Wirksamkeit des Sakramentes, dass der Spender, der legitimierte Agent, die Absicht hat, zu tun, was die Kirche tun will, und dass der Empfänger, der Gläubige, dem Gnadenangebot Gottes nicht ablehnend oder gleichgültig gegenübersteht.

Auf demKonzil von Trient (1545–1563) wurde über die Zahl der Sakramente verhandelt. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde in derGeschäftsordnung des Konzils der Sessio VIIDekret über die Sakramente die Siebenzahl der Sakramente – Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe und Ehe – festgelegt.

Legitimation der Sakramentenspendung

In der Praxis reicht die Bedeutung der Sakramentenspendung tiefer, indem sie neben der Verkündigung desWortes Gottes der wesentliche Auftrag jeder Kirche und die wesentliche Begründung ihrer Existenzberechtigung als Institution überhaupt ist. An die formale Darreichung eines Sakramentes wird eine von Gott zugesagte, Heil bringende oder fördernde geistige Wirkung geknüpft. Je nach Glaubensrichtung wird die Legitimation für die Sakramentspendung von „aus den eigenen Reihen“ dazu Berufenen abhängig gemacht, bis hin zu jedermann, der anerkannt christlich getauft ist und taufen kann. Die gegenseitige Anerkennung der Gültigkeit und Wirksamkeit der jeweils gespendeten Sakramente findet nur teilweise statt.

Wesen des Sakramentes

Einer langen theologischen Tradition zufolge wirdJesus Christus selbst als das „Ursakrament“, Ursprung und Ziel des göttlichen Heilshandelns an der Welt, verstanden, so beiAugustinus von Hippo undThomas von Aquin. AuchMartin Luther schrieb: „Nur ein einzig Sakrament kennt die Heilige Schrift, das ist Christus der Herr selbst.“[5]

Die Zahl der Einzel-Sakramente und ihr Verständnis ist in der orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche einerseits und in den aus derReformation hervorgegangenen Kirchen andererseits unterschiedlich. Innerhalb des reformatorischen Zweiges wiederum gibt es starke Differenzen, die jahrhundertelang als kirchentrennend empfunden wurden.

Orthodoxe Kirchen

In denorthodoxen Kirchen werden die Sakramente alsheilige Mysterien (von griechischMysterion, „Geheimnis“) bezeichnet. Eine Siebenzahl der Sakramente ist nie bindend festgestellt worden, da die Orthodoxie daneben auch die gesamte Kirche und alle kirchlichen Handlungen als „sakramental“ und als Mysterium sieht; eine klare Abgrenzung der Sakramente vonSakramentalien existiert nicht.

Der Gedanke an die rechtliche Gültigkeit der Sakramente spielt in der orthodoxen Theologie nur eine untergeordnete Rolle, entscheidend ist vielmehr die tatsächliche Wirksamkeit. Die für westliche Sakramententheologie typischen Diskussionen über die Gültigkeit oder Ungültigkeit von Sakramenten sind für orthodoxe Gläubige daher manchmal schwer nachvollziehbar und werden vielfach alslegalistisch empfunden.

Dennoch spielen Anerkennungsfragen im interkonfessionellen Dialog mit anderen Kirchen eine große Rolle. So ist die Anerkennung von Taufen anderer christlicher Konfessionen in der Orthodoxie ein so großes Problem, dass die Taufe beiÜbertritten mitunter wiederholt werden muss. Hauptschwierigkeit ist die im westkirchlichen Bereich heute übliche zeitliche Trennung zwischen Taufspendung und Firmung, die im ostkirchlichen Bereich oft als nicht rechtgläubig abgelehnt wird. Die Geistaussendung gehört in orthodoxer Tradition untrennbar zurInitiation durch die Taufe hinzu, welche ohne diesen Ritus als unvollständig betrachtet wird.

Auch die Vorstellung, dass heilige Mysterien vonLaien vollzogen werden können, die nicht demKlerus oderMönchtum angehören, ist der orthodoxen Tradition fremd. Deshalb hat die orthodoxe Theologie zum Teil auch große Schwierigkeiten mit den im westlichen Bereich unproblematischen Regelungen zurNottaufe durch Laien. Auch die Ehe wird nach orthodoxem Glauben erst durch den Priestersegen zu einem heiligen Mysterium; die westliche Vorstellung, wonach sich die Eheleute gegenseitig das Ehesakrament spenden und der Priester dies nur bezeugt, wird von den orthodoxen Kirchen abgelehnt.

Als die sieben Mysterien werden gemeinhin bezeichnet:

Diese Ausgliederung bestimmter Mysterien ist jedoch einer Angleichung an die westliche Tradition geschuldet und gilt im orthodoxen Christentum nicht als verbindliche Glaubenswahrheit.

Römisch-katholische Kirche

Der BegriffSakrament hat in der katholischen Theologie mehrere Bedeutungen. Im engeren Sinn bezeichnet er die Einzelsakramente. In einem weiteren, diesem übergeordneten Sinn bedeutet er jede Art von Begegnung von Gott und Mensch, die immersakramental vermittelt ist.

In den Sakramenten wirktJesus Christus selbst. Einer langen theologischen Tradition zufolge wird Jesus Christus als das „Ursakrament“, Ursprung und Ziel des göttlichen Heilshandelns an der Welt, verstanden, so beiAugustinus von Hippo undThomas von Aquin. Er handelt durch seineKirche, so dass dasZweite Vatikanische Konzil auch die Kirche als Ganzes inanaloger Weise als „das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“[6] bezeichnet hat. Seit den 1930er Jahren wurde der Gedanke der Kirche als Grund- oder Wurzelsakrament von Theologen wieKarl Rahner SJ undOtto Semmelroth SJ entwickelt und floss in die Vorlage zuLumen gentium ein.[7]

Das Verständnis des Sakraments setzt denGlauben voraus, das Sakrament fördert und stärkt aber zugleich auch den Glauben. Ihren Ort haben die Sakramente in derLiturgie als Feier der Kirche. Nach katholischer Auffassung stellen sie das in Jesus Christus gewirkteHeil dar, bieten einen Ausblick auf die Vollendung derHeilsgeschichte (vgl. auchEschatologie) und werden so wirksam für die Gegenwart als Orte der Begegnung von Gott und Mensch.[8]

Zu jedem Sakrament gehört ein äußeres Zeichen, durch das eine bestimmte innere Gnade angedeutet und zugleich auch mitgeteilt wird. Diese heiligen, gnadenspendenden Zeichen sind nach der Lehre der katholischen Kirche von Christus eingesetzt. Einige Sakramente, so dieTaufe, dieFirmung und dieWeihe, prägen der empfangenden Person einunauslöschliches Merkmal ein. Daher können diese Sakramente nur einmal empfangen werden.

Die Gültigkeit der Sakramente ist an die in der Tradition vorgegebene und imRecht der Kirche geregelte Form des Vollzugs sowie an die Intention des Spendenden gebunden, das Sakrament der Absicht der Kirche gemäß zu vollziehen. Wer die Taufe nicht empfangen hat, kann die anderen Sakramente nicht gültig empfangen. Die Wirksamkeit der Sakramente ist auch von der inneren Verfassung und Bereitschaft ihrer Empfänger abhängig, dieDisposition genannt wird. Wer ein Sakrament ohne rechte Disposition empfängt, unterliegt einer inneren Sperre, die traditionellObex („Riegel“) genannt wird und den äußerlichen Empfang fruchtlos macht, da die innere Gnade nicht durchdringen kann. Wer ein Sakrament ungültig oder in unwürdiger Weise empfängt oder spendet und dies mit böser Absicht tut, begeht unter Umständen einSakrileg, das eineschwere Sünde sein kann.

Das Ehesakrament spenden sich die Eheleute gegenseitig.[9] Für die Gültigkeit der Eheschließung ist die Abgabe des Eheversprechens vor einem Priester oder Diakon – in Ausnahmefällen vor nur zwei Zeugen – rechtlich erforderlich (Formpflicht).[10] Die Taufe kann bei Lebensgefahr des Täuflings (Nottaufe) von jedem, auch Ungetauften, gespendet werden, sofern der Spender dabei tun will, was die Kirche bei der Taufe tut. Die Spendung der anderen Sakramente ist geweihten Amtsträgern vorbehalten.

Da Sakramente nach einer im 16. Jahrhundert kirchlich bestätigten dogmatischen Auffassung aus sich selbst heraus wirken (ex opere operato), tritt die Wirksamkeit eines Sakramentes aufgrund seines richtigen Vollzugs und unabhängig von der sittlichen Verfassung der spendenden Person ein. Der Grad der Wirksamkeit ist von der Bereitschaft des Empfängers abhängig, die Gnade aufzunehmen. DasSakrament der Ehe spenden sich daher unabhängig von ihrer kirchlichen Zugehörigkeit alle Getauften.

Die Siebenzahl der Sakramente wurde vomzweiten Konzil von Lyon am 6. Juli 1274 festgelegt:

„Die heilige römische Kirche hält fest und lehrt, dass es sieben kirchliche Sakramente sind.
Tenet etiam et docet eadem sancta Romana Ecclesia, septem esse ecclesiastica sacramenta.

Enchiridion Symbolorum 860[11]

Die sieben Sakramente sind:

Taufe, Firmung und Eucharistie sind die drei Sakramente, durch die der Mensch in die Kirche eingegliedert wird. Weil sie innerlich eng zusammenhängen, sollen sie beiKatechumenen jenseits des Kleinkindalters – wenn möglich – in einer einzigen Feier vollzogen werden.[12]

Neben den sieben Sakramenten kennt die katholische KircheSakramentalien, mit denen entweder der Alltag geheiligt werden soll (z. B. Kindersegnung,Weihwasser,Kreuzzeichen, Speisensegnung), besondere Tage gekennzeichnet sind (Aschenkreuz,Fußwaschung,Blasiussegen) oder Personen, Orte oder Gegenstände besonders in den Dienst der Kirche genommen werden (z. B.Abtsbenediktion,Jungfrauenweihe,Kirchweihe).

Anglikanische Kirchen

In denanglikanischen Kirchen besteht Konsens darüber, dass dieTaufe und dieEucharistie die beiden in derLambeth-Quadrilateral erwähnten „Herren-Sakramente“ sind. Die anderen fünf Handlungen, die in der römisch-katholischen Kirche als Sakramente gelten (Firmung, Bußsakrament, Krankensalbung, Ehe und Weihesakrament) werden von vielen Anglikanern ebenfalls als Sakramente[13], von manchen hingegen alsSakramentalien betrachtet. Über diese wird in denneununddreißig Artikeln ausgesagt, dass sie „häufig Sakramente genannt“ werden, jedoch ist hierbei zu beachten, dass die „Neununddreißig Artikel“ lediglich eine historische Darstellung des Glaubens imElisabethanischen Zeitalter darstellen und nicht die gegenwärtige vollständige Glaubenslehre der anglikanischen Kirche enthalten.

Das Taufverständnis ist das gleiche wie in den orthodoxen, römisch-katholischen und evangelischen Kirchen; zum Eucharistieverständnis siehe den entsprechenden Abschnitt im ArtikelEucharistie.

Evangelische Kirchen

Evangelisch-lutherische Kirchen

Martin Luther formulierte sein Sakramentsverständnis, das dem derlutherischen Kirche zugrunde liegt, erstmals in der SchriftVon der babylonischen Gefangenschaft der Kirche 1520. Darin argumentierte er, dass das Sakrament nicht durch den Vollzug allein (ex opere oparato) wirke, sondern immer mit dem Wort der Verheißung, demEvangelium, verbunden sein müsse. Deshalb zählte er nurTaufe,Abendmahl undBeichte zu den Sakramenten, da nur diese von Jesus Christus selbst eingesetzt seien, wobei er selbst die Definition der Beichte / Buße als Sakrament in Zweifel zog, da diese nicht mit einem sichtbaren Zeichen verbunden sei.[14]

DieApologie des Augsburger Bekenntnisses, in der die Lutherischen 1531 die Verständigung mit der katholischen Kirche suchten, definiert im 13. Artikel, dass als Sakramente im strikten Sinne Taufe, Abendmahl und Beichte zu gelten haben:

„Vere igitur sunt sacramenta baptismus, coena Domini, absolutio quae est sacramentum poenitentiae.“

„Wahrhaft jedoch sind Sakramente die Taufe, das Mahl des Herrn, die Absolution, d. h. das Bußsakrament.“

Philipp Melanchthon:Apologie des Augsburger Bekenntnisses In:BSLK, 292, Z. 4

Im weiteren Sinne kann nach Apologie 13 auch dieWeihe (Ordination) zum geistlichen Amt als Sakrament gelten:

„Si autem ordo de ministerio verbi intelligatur, non gravatim vocaverimus ordinem sacramentum. Nam ministerium verbi habet mandatum Dei et habet magnificas promissiones.“

„Wo man aber das Sakrament des Ordens wollt nennen ein Sakrament von dem Predigtamt und Evangelio, so hätte kein Beschwerung die Ordination ein Sakrament zu nennen. Denn das Predigtamt hat Gott eingesetzt und geboten und hat eine herrliche Zusage Gottes.“

Philipp Melanchthon:Apologie des Augsburger Bekenntnisses In:BSLK, Z. 10

DieBekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche weisen darauf hin, dass die Firmung und die Krankensalbung keine Sakramente sein sollen, da sie weder Gottes Befehl noch sein Gebot hätten. Jedoch könnten diese auch in der lutherischen Kirche gebraucht werden, auch wenn sie keine Sakramente sind.

Nachlutherischer Auffassung sind die Sakramente „Zeichen und Zeugnis“ des göttlichen Willens, durch die der Glaube einerseits geweckt, andererseits auch gestärkt wird. Gleichzeitig fordern die Sakramente auch den Glauben, da nur der Glaube das Heil im Sakrament ergreifen kann.[15] Luther stellt die Gültigkeit des Sakramentes in den Zusammenhang mit seinem Leitwortsola fide. Allerdings versteht er den Glauben nicht als eine aktive, dem menschlichen Willen unterstellte Tat. So steht auch bei derKindertaufe nicht der aktive Glauben des Täuflings in den Vordergrund, sondern das Verständnis des Glaubens als göttliches Geschenk. Ebenso betont Luther, dass die Gültigkeit des Abendmahls nicht von der Person oder dem Glauben des Spenders abhängt:

„Ob gleich ein Bube das Sakrament nimmt oder gibt, so nimmt er das rechte Sakrament, das ist Christi Leib und Blut, eben sowohl als der es aufs allerwürdigste handelt. Denn es ist nicht gegründet auf Menschen Heiligkeit, sondern auf Gottes Wort. Und wie kein Heiliger auf Erden, ja kein Engel im Himmel, das Brot und Wein zu Christi Leib und Blut machen kann, also kanns auch niemand ändern noch wandeln, ob es gleich missbraucht wird. Denn um der Person oder Unglaubens willen wird das Wort nicht falsch, dadurch es ein Sakrament geworden und eingesetzt ist. Denn er spricht nicht: Wenn ihr glaubt oder würdig seid, so habt ihr meinen Leib und Blut, sondern: Nehmet, esset und trinket, das ist mein Leib und Blut; weiter: Solches tut (nämlich das ich jetzt tue, einsetze, euch gebe und nehmen heiße). Das ist soviel gesagt: Gott gebe du seist unwürdig oder würdig, so hast du hier seinen Leib und Blut aus Kraft dieser Worte, so zu dem Brot und Wein kommen. Solches merke und behalte nur wohl; denn auf den Worten steht alle unser Grund, Schutz und Wehre wider alle Irrtümer und Verführung, so je gekommen sind oder noch kommen mögen.“

Martin Luther:Großer Katechismus

Im Glauben wird – so die vorherrschende volkskirchliche Auffassung – von den Empfangenden die heilsnotwendige Wirkung ergriffen. Im unwürdigen Nehmen des Sakramentes gerate hingegen die Wirkung zum Gericht. Diese volkskirchliche Auffassung führte dazu, dass imPietismus manche Personen und Gruppen die Sakramente ablehnten und sich damit außerhalb der Kirche stellten („Separatisten“).[16]Da die Beichte schon von Luther nicht eindeutig zu den Sakramenten gezählt wurde und zudem im Zuge derAufklärung ab dem 18. Jahrhundert an Bedeutung verloren hat, kennt dieEvangelische Kirche in Deutschland (EKD) heute nur noch zwei Sakramente,Taufe undAbendmahl.[17]

Evangelisch-reformierte Kirchen

Dieevangelisch-reformierten Kirchen kennen die zwei Sakramente derTaufe und desAbendmahls. In der reformierten Tradition haben die Sakramente jedoch nur die Bedeutung vonSymbolen. Sie sind Zeichen, die eine geistliche Wirklichkeit anschaulich machen, sie jedoch nicht bewirken.[18] Vergleiche auch aus demHeidelberger Katechismus, der wesentlichen Bekenntnisschrift der Reformierten Kirche in Deutschland: „Es sind sichtbare heilige Wahrzeichen und Siegel, von Gott dazu eingesetzt, um uns durch ihren Gebrauch die Verheißung des Evangeliums noch besser verständlich zu machen und zu versiegeln; nämlich, dass er uns wegen des einmaligen Opfers Christi, am Kreuz vollbracht, Vergebung der Sünden und ewiges Leben aus Gnade schenkt (1 Mos 17,11 EU;Röm 4,11 EU;5 Mos 30,6 EU;3 Mos 6,23 EU;Hebr 9,8.9.24 EU;Hes 20,12 EU)“.[19] Dies war das große Streitthema in dem berühmtenMarburger Religionsgespräch zwischen Martin Luther undUlrich Zwingli 1529. In allen anderen Fragen konnten sie sich so verständigen, dass die Unterschiede nicht zur Kirchentrennung führten. DerAbendmahlsstreit blieb jedoch der Grund zur Trennung von lutherischer und reformierter Kirche.

Evangelische Freikirchen

Auch viele evangelischeFreikirchen lehnen die Auffassung des Sakraments als heilswirksames Zeichen ab. Sakramente werden stattdessen analog zur evangelisch-reformierten Tradition beiUlrich Zwingli als Zeichen ohne sakramentale Bedeutung verstanden. Dieses Verständnis ist unter anderem beiBaptisten und imBund Freikirchlicher Pfingstgemeinden anzutreffen.Mennoniten und andereTäufer, wieAmische undHutterer, verzichten meist ganz auf den Begriff Sakrament.[20]

Neuapostolische Kirche

In derNeuapostolischen Kirche gibt es neben der Heiligen Wassertaufe und demHeiligen Abendmahl auch das Sakrament derVersiegelung. Taufe und Versiegelung werden nur einmal an den Gläubigen durchgeführt und bewirken – im neuapostolischen Glaubensverständnis – die sogenannte „Wiedergeburt aus Wasser und Geist“ (siehe auchJoh 3,5 EU). Das Heilige Abendmahl wird in jedem Gottesdienst durch Spendung derAbendmahlshostien gefeiert.

Christian Science

In der Christlichen Wissenschaft (Christian Science) ist das Abendmahl „geistigeKommunion mit dem einen Gott“. Äußeres Zeichen bei den zweimal jährlich in dieser Form nur in den Zweigkirchen stattfindendenGottesdiensten ist eine veränderte Gottesdienstordnung mit dem kniend gebetetenVaterunser am Ende des Gottesdienstes und dem Singen derDoxologie. Dabei werdenBrot undWein, Taufe undAbendmahl geistig gedeutet und empfangen. „Unser Brot, das vom Himmel kommt, ist Wahrheit. Unser Kelch ist das Kreuz. Unser Wein ist die Inspiration der Liebe, der Trank, den unser Meister trank und seinen Nachfolgern empfahl“, schreibt Mary Baker Eddy im Lehrbuch der Religion.

Christengemeinschaft

Die Christengemeinschaft sieht sich als Kultusgemeinschaft. Ihre zentrale Feier ist die „Menschenweihehandlung“, die formal gesehen in ihrer Liturgie mit den Hauptteilen „Evangeliumlesung – Opferung – Wandlung – Kommunion“ Ähnlichkeiten mit dem Aufbau der katholischen Eucharistie aufweist. In der Christengemeinschaft gibt es keine bindende Auffassung der Sakramente. Die Übung im Gemeindeleben miteinander erstreckt sich unter anderem darauf, dies auch bewusst nachzuvollziehen. Man spricht in der Christengemeinschaft vom „Kreis der Sakramente“: Um das zentraleEucharistie­sakrament, die „Menschenweihehandlung“ mit/ohnePredigt scharen sich die sechs anderen Sakramente, die bis auf eines, die „Beichte“ oder „Schicksalsberatung“, von der Idee her nur einmalig in der Biografie vollzogen werden. DieTaufe orientiert den Menschen auf die Beziehung zur „Gemeinde des Christus Jesus“, die überkonfessionell verstanden wird. Die weiteren Sakramente der Christengemeinschaft neben der Menschenweihehandlung sind:

Die Sakramente werden vom Priester jeweils in festgeschriebener Weise und inliturgischen Gewändern mit jahreszeitlich zum Teil unterschiedlichen Wortlauten und Farben durchgeführt.

Literatur

Katholisch

Christengemeinschaft

  • Michael Debus:Auferstehungskräfte im Schicksal. Die Sakramente der Christengemeinschaft. Urachhaus, Stuttgart 2006,ISBN 978-3-8251-7526-9.

Weblinks

Commons: Sakrament – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Sakrament – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. A. Peters:Sakarament, in Hist. WB. Philos. 8, Sp. 1127.
  2. Peter Kuhn:Die Sakramente der Kirche – siebenfältige Einheit. In:Hubert Luthe (Hrsg.):Christusbegegnung in den Sakramenten. Butzon & Bercker Verlag, Kevelaer 1981, S. 127,ISBN 3-7666-9219-4.
  3. Karl Ernst Georges:Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8. Auflage. Hannover 1918 (Nachdruck Darmstadt 1998), Band 2, Sp. 4228f.[1]
  4. Josef Finkenzeller:Die Lehre von den Sakramenten im allgemeinen. Von der Schrift bis zur Scholastik. In:Handbuch der Dogmengeschichte. Bd. 4:Sakramente – Eschatologie. Herder, Freiburg im Breisgau 1980, S. 39.
  5. Martin Luther:Disputatio de Fide infusa et acquisita.WA 6,86,5ff., zitiert bei: Ralf Miggelbrink:Einführung in die Lehre von der Kirche. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003,ISBN 3-534-16321-4, S. 57, auch zum Ganzen.
  6. Dogmatische KonstitutionLumen gentium, 1.
  7. Ralf Miggelbrink:Einführung in die Lehre von der Kirche. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003,ISBN 3-534-16321-4, S. 58.
  8. 2. Vatikanisches Konzil: Konstitution über die Heilige Liturgie des Sacrosanctum Concilium, Nr. 59 und 2; 5-13; vgl. einführend Katechismus der Katholischen Kirche, München u. a. 1993, insbes. Nr. 1114–1152 (S. 324ff.), online unterKatechismus der Katholischen Kirche.
  9. Konzil von Trient, Dekrete, Sessio XXIV
  10. Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1955, S. 186 der Schulausgabe
  11. Herbert Vorgrimler:Sakrament. III. Theologie- u. dogmengeschichtlich. In:Walter Kasper (Hrsg.):Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage.Band 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999,Sp. 1442. 
  12. Die Eingliederung von Kindern im Schulalter in die Kirche, Studienausgabe für die katholischen Bistümer des deutschen Sprachgebietes, 1986
  13. The Catechism. An Outline of the Faith, commonly called the Catechism. Abschnitt „The sacraments“. 15. April 2007, abgerufen am 29. Juni 2011. 
  14. Dorothea Wendebourg:Taufe und Abendmahl. In: Albrecht Beutel (Hrsg.):Luther Handbuch. 3. Auflage. Mohr-Siebeck, Tübingen 2016,S. 462–470. 
  15. Augsburger Bekenntnis Artikel 13.
  16. Eberhard Fritz:„Schmierkäs“ und „Streichpflaster“. Die Ablehnung der Sakramente im württembergischen Radikalpietismus. In: Blätter für Württembergische Kirchengeschichte 114/2014. S. 37–51.
  17. Abendmahl. Mit Brot und Wein Gemeinschaft feiern. In: ekd.de. Abgerufen am 17. März 2022. 
  18. Heidelberger Katechismus, Frage und Antwort 65
  19. Heidelberger Katechismus, Frage und Antwort 66. ubf-net.de
  20. Das lutherisch-mennonitische Gespräch in der Bundesrepublik Deutschland (PDF; 242 kB)
Normdaten (Sachbegriff):GND:4051342-7 (GND Explorer,lobid,OGND,AKS)
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sakrament&oldid=261285733
Kategorien:

[8]ページ先頭

©2009-2026 Movatter.jp