Saint-Jean-de-Losne ist einefranzösischeStadt mit 990 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) imDépartement Côte-d’Or in der RegionBourgogne-Franche-Comté (Bourgogne). Der Name dieser Gemeinde dürfte von einem der GöttinLatona geweihten Tempel abstammen, der allerdings bisher nicht gefunden wurde.
Saint-Jean-de-Losne liegt auf einer Fläche von 0,58 km² am Ufer derSaône und an der Mündung desCanal de Bourgogne (deutsch: Burgund-Kanal). Die Stadt liegt etwa 30 Kilometer südöstlich der DépartementshauptstadtDijon und westlich der etwa 20 Kilometer entfernten StadtDole.
Brücke über die SaôneKupferstich von Saint-Jean-de-Losne aus dem 17. Jahrhundert nachJan Peeters I.
Saint-Jean-de-Losne stammt aus dergallorömischen Zeit, der keltische Name des Ortes war Latona[1], der Name des Ortes im römischen Kaiserreich ist nicht überliefert.Eine frühe Erwähnung findet der Ort in derFredegar-Chronik um das Jahr 660.In den Jahren 673 bis 675 fand in Saint-Jean-de-Losne ein Konzil statt.[2]Am 29. August 1162 fand auf der Brücke über der Saône auf Vermittlung vonHeinrich I. (genannt der Freigiebige) ein Treffen statt, welches zur Lösung der Papstfrage beitragen sollte.Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, sowie der französische KönigLudwig VII. sollten mit den von den meisten Kardinälen und von England und Frankreich anerkanntenPapst Alexander III. und dem von Barbarossa unterstützten, vom römischen Volk ausgerufenen GegenpapstViktor IV. zusammentreffen. Alexander III. verweigerte jedoch seine Teilnahme, so dass der Schlichtungsversuch von Losne zum Scheitern verurteilt war. Zu diesem Treffen war auchWaldemar I. gekommen, der hier Kaiser Barbarossa denLehnseid leistete und dafür Dänemark zu seinem Lehen erhielt.[3]
Anfänglich war der Ort im Einflussbereich derHerzöge von Burgund. Nach Eingliederung ins königliche Herrschaftsgebiet, wurde Saint-Jean-de-Losne Verwaltungssitz. Im Jahre 1227 wurde das Stadtrecht verliehen.[4] Aufgrund der grenznahen Lage wurde Saint-Jean-de-Losne rasch zu einem strategisch wichtigen Ort. Zum Schutz der Salzimporte vonSalins-les-Bains nach Burgund wurde die Ortschaft mit Verteidigungsanlagen ausgestattet. Der aufblühende Handel verhalf Saint-Jean-de-Losne zu wachsendem Wohlstand.[5]
Im 17. Jahrhundert wurden während desDreißigjährigen Krieges Saint-Jean-de-Losne als Grenzstadt des französischen Niederburgunds und die östlich gelegene Stadt Dole als Hauptstadt des habsburgischenHochburgunds zu umkämpften Orten. Für den Sommer 1636 hatten die Kaiserlichen und Spanier parallele Angriffe auf Frankreich in Richtung Paris von Norden und von Süden her geplant. Die Leitung des Angriffs von Süden hatte der kaiserlicheGeneralleutnantMatthias Gallas.[6]
Vor dem geplanten Angriffsbeginn der Kaiserlichen war ein französisches Heer unterHenri de Bourbon-Condé in Hochburgund eingefallen und hatte die Belagerung von Dole aufgenommen. Ein kaiserlich-lothringisches Entsatzheer unter demHerzog von Lothringen undGuillaume de Lamboy entsetzte Dole im August und stieß anschließend bis nach Dijon vor. Dabei plünderten sie auch das Umland von Saint-Jean-de-Losne, bevor sie sich vor stärkeren französischen Kräften zurückziehen mussten. Ende Oktober 1636 zog das kaiserliche Hauptheer unter Gallas vor die Stadt. Der kaiserliche Befehlshaber hatte geplant, Saint-Jean-de-Losne zu erobern, um es als Brückenkopf zu gewinnen und um von hier die Artillerie seines Heeres über die Saône auf den Weg bringen zu können. Ein Angriff auf Paris wurde zu diesem Zeitpunkt nicht mehr beabsichtigt, aber der Herbstfeldzug sollte wenigstens kaum verteidigte Gebiete wie die Gegend umLyon schädigen und der Gewinnung von Winterquartieren im Feindesland dienen. Drei Sturmangriffe des Gallas-Heeres auf die Stadt konnten abgewehrt werden. Die französischen Verteidiger erhielten rechtzeitig Verstärkung mit Weimaraner Söldnern unterJosias Rantzau, die mit Booten auf der Saône ankamen. Die Verteidiger hatten auch den Vorteil, dass sie die Brücke über die Saône kontrollierten. Nach weiteren Sturmversuchen gaben die Gallas-Truppen am 1. November ihre Angriffe wegen schlechter Witterung und mangelnder Munition auf und traten den Rückzug an. Der starke Regen hatte den Angriffsraum vor der Stadt, dasGlacis der Befestigungsanlagen zu einem schwer zu überwindenden Morast gemacht. Ein großer Teil der Artillerie musste vor Ort zurückgelassen werden.[6]
Dieser Misserfolg der kaiserlichen Truppen und die zeitgleichen Misserfolge spanischer Truppen im Norden von Paris bei der Verteidigung der besetzten FestungCorbie führten endgültig zur Aufgabe des Frankreichfeldzuges.[6] KönigLudwig XIII. belohnte den tapferen Einsatz der Einwohner mit der Aufhebung der Steuerpflicht, was erst im Rahmen derFranzösischen Revolution im Juli 1789 wieder rückgängig gemacht wurde.
Die Anfänge des 19. Jahrhunderts waren von denNapoleonischen Kriegen gezeichnet. Anfang 1814 widersetzte sich die Bevölkerung von Saint-Jean-de-Losne österreichischen Einheiten der alliierten Truppen vierzig Tage lang. Nach seiner Rückkehr von der InselElba zeichneteNapoleon per Dekret vom 22. Mai 1815 die Stadt mit dem Orden derLégion d’Honneur aus, welcher seither im Wappen der Stadt geführt wird.
Während desZweiten Weltkrieges wurde am 4. September 1944 die Brücke über die Saône von der sich im Rückzug befindlichen deutschenWehrmacht gesprengt. Zuvor hatte dieRoyal Air Force die Brücke inSeurre bombardiert und zerstört. Damit waren wichtige West-Ost-Verbindungen über die Saône sowie auch die Bahnlinie von Dijon nachLons-le-Saunier unterbrochen.
Die touristische Attraktivität von Saint-Jean-de-Losne ist vor allem durch den örtlichen Hafen als Ausgangspunkt für Fahrten auf einemHausboot amCanal de Bourgogne gegeben.
Die Kirche Saint-Jean-Baptiste[7] kann in mancher Hinsicht als außergewöhnlich in Burgund betrachtet werden. Im Gegensatz zur christlichen Tradition, wonach eine Ausrichtung des Bauwerks in West-Ost-Richtung üblich ist, orientiert sich derChor in diesem Fall in Richtung Jerusalem.Eine weitere Eigenheit liegt im Zusammentreffen zwischen zweier bedeutender kunstgeschichtlicher Epochen.der Chor und dasQuerschiff entstanden während des 15. Jahrhunderts noch imgotischen Stil, wohingegen dasHauptschiff und dasPortal im 16. Jahrhundert im Stil derRenaissance errichtet wurden.
Orgel
Das Portal, in Anlehnung an einen Triumphbogen gestaltet, wird von zwei Toren mit Rundbogen gebildet, welche durch eine Säule imkorinthischem Stil geteilt wurden. Die hölzernen Tore sind noch aus dem 16. Jahrhundert erhalten.
Kanzel
Im Inneren der Kirche wurde dieKanzel aus einem einzelnen roten Gesteinsbrocken (Kalkstein desBajocium) aus den Brüchen beiSampans gehauen und mit dem schwarzen Kalkstein (Sinemurium)Noir de Miéry ergänzt. Ebenso entstanden aus ihm die vier Statuen der Evangelisten am Kanzel-Korpus. Die Statuen vonJohannes dem Täufer (Saint Jean Baptiste) und vonSimon Petrus (St. Pierre) wurden vermutlich von Pfarrer Pierre Longuet 1604 gestiftet.
Gegenüber der Kanzel steht, angelehnt an einen Hauptpfeiler, eine Ehrenbank für die Kirchenverwaltung aus dem 19. Jahrhundert.
Die Orgel wurde vonBénigne Boillot (1725–1795) ab 1765 errichtet und 1768 eingeweiht. Mittlerweile ist diese denkmalgeschützt.[8]
Aus dem Jahr 1820 stammt ein vergoldetes Chorpult ausBronze. Ansonsten finden sich im Inneren der Kirche mehrere Andenken an die historische Schlacht aus dem Jahre 1636, unter anderem zeigt ein Kirchenfenster am Giebel eine Episode dieser Kriegshandlungen.
↑abcLothar Höbelt:Von Nördlingen bis Jankau. Kaiserliche Strategie und Kriegführung 1634–1645. In: Republik Österreich, Bundesminister für Landesverteidigung (Hrsg.):Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums Wien.Band22. Heeresgeschichtliches Museum, Wien 2016,ISBN 978-3-902551-73-3,S.139f.