Sahra Wagenknecht wurde am 16. Juli 1969 in Jena als Tochter einesiranischen Vaters und einerdeutschen Mutter geboren. Ihre Mutter, Gudrun Wagenknecht, arbeitete als Kunsthändlerin und Galeristin für den Staatlichen Kunsthandel in derDDR.[1][2][3] Wagenknechts Vater studierte inWest-Berlin.[4] Ihren Vater sah Wagenknecht bis zum Alter von ca. drei Jahren regelmäßig, ehe dieser in den Iran zurückkehrte. Ab diesem Zeitpunkt brach der Kontakt ab.[5]
Als sie 2009 zum ersten Mal Bundestagsabgeordnete wurde, änderte sie die amtliche Schreibung ihres Vornamens vonSarah zuSahra, entsprechend dempersischen Namen (زهراء Sahra,DMGZahrā'),[6] welcher der ursprünglichen Namensgebung der Eltern entspricht.[7]
Kindheit, Schulzeit und erste politische Tätigkeit
Nach der politischen Wende in der DDR studierte sie ab dem Sommersemester 1990Philosophie undNeuere Deutsche Literatur an derFriedrich-Schiller-Universität Jena und derHumboldt-Universität zu Berlin.[18] Ihr Studium in Berlin brach sie nach Angaben derWirtschaftswoche ab, da sie „an der Ostberliner Humboldt-Universität kein Verständnis mehr für ihr Forschungsziel fand“.[3] Danach immatrikulierte sie sich an der niederländischenReichsuniversität Groningen (RUG) für den Studiengang Philosophie. Nach eigenen Angaben hatte sie zuvor alle Scheine bis auf die Abschlussarbeit in Berlin gemacht und erwarb im September 1996 in Groningen den akademischen GradMagistra Artium (M. A.) mit einer Arbeit beiHans Heinz Holz über die Hegel-Rezeption des jungenKarl Marx.[18] Diese Untersuchung wurde 1997 als Buch veröffentlicht.
Ab 1991 war Wagenknecht Mitglied des Parteivorstandes der PDS.[23]
Laut ihrem WeggefährtenGregor Gysi stach Wagenknecht Mitte der 1990er Jahre mit ihrer „Präsenz“ heraus, weil sie „trotz ihrer Jugend nicht modern, sondern eher konservativ“ wirkte, ihre Reden ankamen und sie völlig anders gekleidet war als alle anderen. „Da war nun diese junge Frau, die unbedingt das Alte [die DDR] wiederhaben wollte.“ Wagenknecht stellte sich in den 1990er Jahren gegen Gysis Reformkurs in der PDS.[24] Zwischen 1995 und 2000 musste Wagenknecht für fünf Jahre aus dem Vorstand ausscheiden, weil Gregor Gysi sie für so untragbar hielt, dass er mit seinem Rückzug gedroht hatte.[23] Von 1991 bis 2010 war Wagenknecht Mitglied der Leitung der vomBundesamt für Verfassungsschutz alslinksextremistisch eingestuftenKommunistischen Plattform (KPF), eines Zusammenschlusses orthodox-kommunistisch orientierter Mitglieder und Sympathisanten innerhalb der Partei, und blieb dies auch nach der Verschmelzung vonWASG und PDS.[25] Ihre damals vertretene „positive Haltung zumStalinismusmodell“ bewertete der Parteivorstand als unvereinbar mit den Positionen der PDS.[26]
Im Jahre 2000 wurde sie erneut in den Parteivorstand der PDS gewählt. Nach Einschätzung Gregor Gysis war sie Gegnerin eines Zusammenschlusses der PDS mit der neugegründeten WASG, deren Spitzenmann Oskar Lafontaine, ihren späteren Ehemann, sie verächtlich als „Sozialdemokraten“ bezeichnete.[24] Im März 2006 gehörte sie zu den Initiatoren derAntikapitalistischen Linken, einer gemeinsamen Gruppierung aus Mitgliedern der WASG und der Linkspartei.[27] Von Juni 2007 bis Mai 2014 war Wagenknecht Mitglied des Parteivorstandes der Partei Die Linke sowie von Oktober 2007 bis Juli 2010 Mitglied der Programmkommission.[28] Ihren innerparteilichen Vorstoß, als Vizevorsitzende der Linken beim ersten Parteitag der fusionierten Partei im Mai 2008 zu kandidieren, beendete sie nach der Ablehnung durch den ParteivorsitzendenLothar Bisky sowie durch Gregor Gysi und verzichtete öffentlich auf diese Kandidatur. Sie wurde auf dem Parteitag mit 70 Prozent der Stimmen erneut in den Parteivorstand gewählt. Auf Vorschlag Gysis und des Parteivorstands wurde sie dann auf dem Bundesparteitag der Linken Anfang Mai 2010 mit 75,3 Prozent der Stimmen zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt.[29] Diese Position hatte sie bis Mai 2014 inne.[30]
In den Folgejahren wurde Wagenknecht innerhalb ihrer Partei mehr und mehr zu einer polarisierenden Person und stellte sich häufig gegen die Parteilinie. Andererseits wurde ihr stets auch ein hoher Einfluss zugerechnet, da sie durch ihre häufigen öffentlichen Auftritte als ein „Gesicht der Partei Die Linke“ galt.[31] Mehrere parteiinterne Kritiker beantragten im Juni 2021 einParteiausschlussverfahren gegen sie mit der Begründung, sie habe der Partei mit dem BuchDie Selbstgerechten „schweren Schaden“ zugefügt.[32] Die Parteiführung kritisierte jedoch den Antrag, und auch der nordrhein-westfälische Landesvorstand stellte sich hinter sie.[33] Die Landesschiedskommission Nordrhein-Westfalen lehnte die Anträge auf Parteiausschluss im September 2021 einstimmig ab.[34] Eine hiergegen gerichtete Beschwerde wies die Bundesschiedskommission der Linken im Mai 2022 zurück.[35]
Aus dem Bundesparteitag inErfurt im Juni 2022, den Wagenknecht zuvor als „vielleicht letzte Chance“ für die Linkspartei bezeichnete, ging ihr Lager geschwächt hervor, da sich die von ihr unterstützten Anträge und Personalien nicht durchsetzen konnten.[36][37][38][39]Ihre Aussagen zum Russland-Ukraine-Krieg führten innerhalb der Linkspartei zu weiteren Distanzierungen bei Parteimitgliedern, zu einem offenen Protestbrief an Parteivorstand und Bundestagsfraktion mit hunderten Unterstützern[40] sowie zum Teil zu Parteiaustritten.[41][42][43] Im Nachgang des Bundesparteitags[36] sowie erneut im Herbst 2022 machte sie öffentlich Andeutungen über eine mögliche Gründung einer neuen Partei.[44][45]Oskar Lafontaine, mit dem sie seit 2014 verheiratet ist, war im März 2022 aus der Linkspartei ausgetreten.[46] Im Oktober 2022 erklärte mehr als die Hälfte des Vorstands vonDie Linke Nordrhein-Westfalen, der Wagenknecht zuvor zu Bundestagswahlen immer auf ihreLandesliste gesetzt hatte,[47] aus Solidarität mit ihr und aus Protest gegen die Parteispitze, sich nicht im selben Monat zur Wiederwahl zu stellen.[48] Als Wagenknecht dagegen im November 2022 vom Linken-BundestagsabgeordnetenChristian Leye nach Duisburg eingeladen wurde, trat als Reaktion die Hälfte des Duisburger Kreisvorstands zurück.[49]
Am 10. Juni 2023 forderte der Parteivorstand der Linken Wagenknecht auf, ihr Mandat im Bundestag mit sofortiger Wirkung niederzulegen, da sie im Rahmen ihres Bundestagsmandats parteischädigende Strukturen aufbaue. Eine bindende Wirkung hatte dieser Beschluss aber nicht, da Wagenknecht als Abgeordnete des Bundestages ein freies Mandat gemäß Art. 38 Abs. 1 Satz 2Grundgesetz (GG) innehat, nur ihrem Gewissen verpflichtet und keinerlei Weisungen unterworfen ist.[50][51][52]
Am 9. Oktober 2023 reichten 50 Mitglieder der Linkspartei einen neuen Antrag auf Parteiausschluss gegen Sahra Wagenknecht bei der Landesschiedskommission Nordrhein-Westfalen ein, da sie aktiv die Gründung einer eigenen Partei vorantreibe.[53]
Parteikarriere im Bündnis Sahra Wagenknecht (seit 2024)
Am 23. Oktober 2023 gab Wagenknecht mit der Vorstellung des VereinsBSW – Vernunft und Gerechtigkeit ihren Austritt aus der ParteiDie Linke bekannt.[54] Wagenknecht wurde am 8. Januar 2024 gemeinsam mitAmira Mohamed Ali Vorsitzende der neugegründeten Partei BSW, die aus dem Verein hervorging.[55] Die Partei ist durch Übertritte von Mandatsträgern im20. Deutschen Bundestag sowie in drei weiteren Landesparlamenten vertreten, während sie 2024 insEuropäische Parlament und in die Landtage von Sachsen, Thüringen und Brandenburg gewählt wurde. Für dievorgezogene Bundestagswahl 2025 war Wagenknecht dieKanzlerkandidatin[56] ihrer Partei und kandidierte auf dem ersten Platz der Landesliste des BSW Nordrhein-Westfalen. Anders als die Spitzenkandidaten aller übrigen im Bundestag vertretenen Parteien stellte sie sich jedoch in keinem Wahlkreis als Direktkandidatin zur Wahl.[57] Das BSW scheiterte aber mit 4,98 Prozent am Einzug in den Bundestag, so dass auch Sahra Wagenknecht ihr Bundestagsmandat verlor.[58]
Am 10. November 2025 gab Wagenknecht bekannt, dass sie auf dem Bundesparteitag Anfang Dezember des Jahres nicht mehr als Bundesvorsitzende kandidieren würde; dort wurde der EuropaabgeordneteFabio De Masi zu ihrem Nachfolger gewählt.[59] Gleichzeitig kündigte sie an, sich weiter in führender Position für das BSW engagieren zu wollen, unter anderem in einer neuen Grundwertekommission unter ihrer Führung, die auf dem Parteitag gegründet wurde.[60][61] Darüber hinaus wird die Partei laut Parteitagsbeschluss ihren Namen ablegen und zum Oktober 2026 inBündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft umbenannt werden.[59]
ZurBundestagswahl 1998 trat Wagenknecht inDortmund als Direktkandidatin der PDS an. Sie errang in ihremWahlkreis 3,25 % der Erststimmen. Die PDS erhielt 2,2 % der Zweitstimmen.
Wagenknecht im Jahr 2018 imBundestag nebenDietmar Bartsch, die beide die Doppelspitze der Linksfraktion bildeten
Nachdem der amtierende Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi am 7. Juni 2015 auf dem Bundesparteitag der Linken inBielefeld seinen Rückzug von diesem Amt zum Herbst des Jahres angekündigt hatte, erklärte sich Wagenknecht, trotz vorheriger Ankündigung, nicht mehr kandidieren zu wollen,[69] bereit, gemeinsam mitDietmar Bartsch in einerDoppelspitze Gysis Nachfolge anzutreten.[70] Am 13. Oktober 2015 lösten Wagenknecht und Bartsch Gysi im Fraktionsvorsitz ab und fungierten bis zum 23. Oktober 2017 gemeinsam als Oppositionsführer in der18. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages. 2017 trat sie erneut im Bundestagswahlkreis Düsseldorf II an, erreichte mit 13,0 % wieder den dritten Platz[71] und kam wieder über Platz 1 der Landesliste Nordrhein-Westfalen[67] in den Bundestag.[72] Seit der Konstituierung des19. Bundestags führten sie dessenLinksfraktion weiter an, verloren jedoch die Oppositionsführerschaft an dieAfD. Wagenknecht war im 19. Deutschen Bundestag stellvertretendes Mitglied imFinanzausschuss sowie imAusschuss für Wirtschaft und Energie.[73][74]Im März 2019 kündigte Wagenknecht an, sich aus gesundheitlichen Gründen sowohl aus den Führungsgremien der BewegungAufstehen zurückzuziehen als auch im Herbst nicht mehr für den Fraktionsvorsitz der Linksfraktion im Bundestag zu kandidieren.[75][76] In verschiedenen Interviews gab sie als Begründung einenBurnout an.[77][78] Am 12. November 2019 schied sie als Fraktionsvorsitzende aus dem Amt. Ihre Nachfolgerin wurdeAmira Mohamed Ali.
Im Januar 2021 nominierte der Landesvorstand derLinkspartei von Nordrhein-Westfalen Wagenknecht für Platz 1 der Landesliste, die damit wieder für dieBundestagswahl im September 2021 kandidierte.[79][80] Mehrere Vorstandsmitglieder der Linken aus anderen Bundesländern forderten sie in Anbetracht ihres BuchesDie Selbstgerechten auf, von der Kandidatur abzusehen.[81][82] Den parteiinternen Kritikern zufolge verunglimpft Wagenknecht in jenem Buch Bewegungen wieUnteilbar,Black Lives Matter oderFridays for Future als „selbstgerecht“ und agiert konträr zur eigenen Partei.[83] Trotz der Kritik wurde Wagenknecht in einer darauf folgenden Kampfabstimmung mit 61 % der Stimmen zur Spitzenkandidatin der Linken in Nordrhein-Westfalen bestimmt.[84]
Bei der Bundestagswahl 2021 erhielt sie über die Landesliste erneut ein Abgeordnetenmandat.[85] Aufgrund ihrerkontroversen Aussagen zum Russland-Ukraine-Krieg in ihren Reden als Abgeordnete mehrten sich Stimmen aus der Partei (z. B. durch denLandesverband Schleswig-Holstein), Wagenknecht aus derBundestagsfraktion der Linken auszuschließen.[86][87] Als Reaktion auf die Aussagen beschloss die Fraktion, dass die Redezeit von Abgeordneten, die eine von der Parteilinie abweichende Position vertreten, durch Fraktionsvorsitzende begrenzt werden kann. Wagenknechts Unterstützer waren in der Bundestagsfraktion gegenüber ihren Kritikern in der Minderheit.[88][89][90] Wagenknecht zählte laut Berichten im März 2023 in der20. Legislaturperiode des deutschen Bundestags zu den Abgeordneten, die am häufigsten bei Sitzungen und namentlichen Abstimmungen fehlten.[91][92] Gleichzeitig zählt sie zu den Abgeordneten mit den höchstenNebeneinkünften im deutschen Bundestag. Bis Ende des Jahres 2022 betrugen diese 792.961,43 Euro, vornehmlich eingenommen durch Buchveröffentlichungen und bezahlte Vorträge.[93]
Obwohl Gysi und Wagenknecht gemeinsame Positionen für die Linke erarbeitet hatten, um Wagenknecht in der Linkspartei zu halten, kam es im Februar 2023 nach Aussage von Gysi zum Bruch zwischen Wagenknecht und den VorsitzendenJanine Wissler undMartin Schirdewan. Grund war, dass diese eine Demonstration von Wagenknecht undAlice Schwarzer, die diese vor dem Hintergrund desRussisch-Ukrainischen Krieges organisiert hatten, nicht ausreichend unterstützten, da sie befürchteten, dass zu der Demonstration auch Rechtsextreme kommen, was dann auch teilweise geschah.[24]
Anfang März 2023 gab Wagenknecht bekannt, nicht erneut für Die Linke anzutreten.[94] Am 23. Oktober 2023 gab sie zusammen mit neun weiteren Bundestagsabgeordneten ihren Austritt aus der Linkspartei bekannt. Sie stellte den VereinBündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit vor und gab bekannt, dass sie und ihre Vereinskollegen eine Parteigründung für das Jahr 2024 vorbereiten und bei zukünftigen Wahlen antreten wollen.[54] Mitte Dezember 2023 wurde dieGruppe BSW im Bundestag mit Sahra Wagenknecht als Vorsitzende konstituiert; die Anerkennung durch den Bundestag[95] erfolgte am 2. Februar 2024.[96] Bei der Bundestagswahl 2025 verpasste das BSW die 5-%-Hürde. Wagenknecht schied damit aus dem Bundestag aus.
Von August 2012 bis August 2014 war Sahra Wagenknecht für die KolumneDer Krisenstab als Autorin für die deutsche TageszeitungNeues Deutschland aktiv.[97][98]
Seit 2019 betreibt Wagenknecht einen eigenenYouTube-Kanal, auf dem sie regelmäßig Videos über aktuelle politische Themen veröffentlicht, vor allem im FormatWagenknechts Wochenschau. Der Kanal hat über 664.000 Abonnenten.[99]
Gemeinsam mitOskar Lafontaine griff Wagenknecht 2018 den Vorschlag zur Gründung einer linken Sammlungsbewegung auf, einer überparteilichen Initiative, die die zerstreuteLinke zusammenführen und ihr eine neue gesellschaftspolitische Dominanz verschaffen soll.[100][101] Der 4. August 2018 war Startdatum der Internetseite der Bewegungaufstehen, die offiziell Anfang September begann.[102]
Wagenknecht bezeichnete Ende November 2018 die französischeGelbwestenbewegung als Vorbild für Deutschland. Sie empfinde es als richtig, dass Menschen sich wehren, wenn Politik ihre Lebensbedingungen wahrnehmbar verschlechtert. Dass rechte Kräfte versuchten, den Protest zu vereinnahmen, und der Protest durch Gewalt unterlaufen würde, bedauere sie.[103] ParteichefBernd Riexinger warnte daraufhin vor dem „Potenzial Ultrarechter in den Reihen der Bewegung“.[104] Wagenknecht rief wenig später, ingelber Weste vor demKanzleramt stehend, zu Protesten auf.[105] Bei der ersten deutschen Gelbwesten-Kundgebung versammelten sich nach Polizeiangaben lediglich rund 100 Teilnehmer. Der Soziologe und langjährigeAttac-BeiratDieter Rucht sah für eine Kopie der Bewegung in Deutschland kaum Potenzial.[106] Bereits 2019 galt das Projekt als gescheitert.[107][108]
In den 90er Jahren vertrat Wagenknecht laut ihrem WeggefährtenGregor Gysi kommunistische Thesen wie die vonWalter Ulbricht, bevor sie laut Gysi die Positionen vonLudwig Erhard „für sich entdeckt“ habe.[24]
Wagenknecht forderte im Jahr 2000 eine Überwindung derkapitalistischen Produktionsverhältnisse. In einem Artikel des Ressorts „Lebensart“ vonZeit Online protokollierteMarc Kayser einen „Traum“ Wagenknechts von einer Begegnung mit einemZeitreisenden, der Grundzüge einer „anderen Gesellschaft“ beschreibt.[109] Eine Rückkehr zum Sozialismus der DDR lehnt Wagenknecht jedoch ab. Nach ihrer Ansicht sollen Leistungen derDaseinsvorsorge wie Wohnen, Bildung, Gesundheit, Wasser- und Energieversorgung, Banken undSchlüsselindustrien durch dieöffentliche Hand getragen werden, um „das Diktat der Rendite und der Aktienkurse“ zu überwinden.[110] Wagenknecht sieht auf der Basis desGrundgesetzes, besondersArtikel 14 Abs. 2 und 3 und Artikel 15, auch Möglichkeiten für eine andere Wirtschaftsordnung jenseits des Kapitalismus.[111] Wagenknecht gehörte innerhalb der Linkspartei lange Zeit, bis 2010, zurAntikapitalistischen Linken und zurKommunistischen Plattform, wo sie auch Mitglied im Bundeskoordinierungsrat war.[112]
Für dieWirtschaftspolitik der StaatenKuba undVenezuela zeigte Wagenknecht Verständnis. Über eine Presseerklärung von 2006 ließ sie mitteilen, „dass die andauernde Existenz des kubanischen Systems einen Hoffnungsschimmer für diejenigen in der sogenanntenDritten Welt bedeutet, die die Verlierer einer markt- und profitorientierten globalisierten Welt sind“.[113] Ebenso verteidigte sie 2008 die vom venezolanischen PräsidentenHugo Chávez beschlossene Verstaatlichung der Ölförderanlagen des US-KonzernsExxonMobil.[114]
Wagenknecht selbst bezeichnete ihre Vorstellung einer neuen Wirtschaftspolitik in ihrem 2013 erschienenen BuchFreiheit statt Kapitalismus als „kreativen Sozialismus“. Sie meine damit eine „Marktwirtschaft ohne Kapitalismus“ und einen „Sozialismus ohne Planwirtschaft“ und grenzte sich vomKommunismus ab.[115][116] Tatsächlich berief sich Wagenknecht auf Vordenker desOrdoliberalismus, deren Ideen sonst eher in derFDP vertreten werden. Wagenknecht schlug etwa 2013 in derFinanzkrise undEurokrise einen Schuldenschnitt und gewisse darauf folgende Maßnahmen vor, um die Euro-Krise zu beenden, gleichzeitig Wirtschaftswachstum zu generieren und die Finanzmärkte zu regulieren.[117]Christian Rickens nannte dies „in seinem Kern erzliberal“.[117] SPIEGEL-Redakteur Hauke Janssen sah 2013 deutliche Unterschiede in der Argumentation von Wagenknecht und der ordoliberalen Theorie, etwa bei den Themen Lohnsteigerung und Arbeitslosigkeit; Wagenknecht vereinnahme Ludwig Erhard „zu unrecht“.[118]
Wagenknecht fordert „eine soziale Absicherung, die die Menschenwürde garantiert“. Dafür sollten „dieHartz-IV-Regelsätze [für 2017] auf 560 Euro monatlich erhöht und demütigende Drangsalierungen abgeschafft werden“. Die aktuellen Zumutbarkeitsregeln seien nicht mit dem Grundgesetz zu vereinbaren. „Das Hartz-System [müsse] überwunden werden, um nicht noch mehr Menschen einem Teufelskreis aus Entrechtung und Verarmung auszusetzen.“ Eine „ordentliche Arbeitslosenversicherung“ müsse so lange vor dem sozialen Absturz schützen, „bis der Betreffende einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat“.[119]
In den 2010er Jahren kritisierte Wagenknecht die Kompromisse der Linkspartei bei den Regierungsbeteiligungen in den Ländern wie das Kürzen sozialer Leistungen und die Privatisierungen in Berlin und lehnte den „Schmusekurs gegenüber Rot-Grün“ der Linkspartei aufgrund der „tiefen politischen Differenz“ mit derSPD und Rot-Grün ab.[112]
DieRiester-Rente betrachtet sie als gescheitert. Das sei zwar weithin Konsens, doch es fehle „der politische Mut, sie abzuwickeln und dafür die gesetzliche Rente zu stärken“. Sie fordert, das Rentenniveau wieder auf 53 % zu erhöhen und das Renteneintrittsalter wieder auf 65 Jahre zu senken. Zur Finanzierung sollten auch Beamte und Selbständige in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden.[120] Die Rentenversicherung Österreichs gilt ihr als Beispiel einer möglichen Alternative für Deutschland.[121][122]
Anfang Juni 2015 unterzeichnete Wagenknecht zusammen mit 150 weiteren Prominenten aus Kultur und Politik einenoffenen Brief an die Bundeskanzlerin, in dem die Gleichstellunggleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften gegenüber der zweigeschlechtlichenEhe gefordert wurde.[123] Im Jahre 2017 befürwortete Wagenknecht dieEhe für alle.[124]
Wagenknecht ist gegen die Forderung vieler Mitglieder der Linkspartei nachoffenen Grenzen. Dies nutze ihrer Meinung nach nur den Eliten in denIndustrieländern, die durch eine dadurch zunehmendeArbeitsmigration von „Dumpinglöhnen“ profitierten. Eine große Mehrheit profitiere davon nicht und solle vor derartigen Niedriglöhnen geschützt werden. Auch den Ländern, in denen es zu Abwanderung komme, schade es: „Denn es sind meist Menschen mit besserer Ausbildung aus der Mittelschicht, die abwandern.“[125][126]
Wagenknecht wies im Januar 2016 auf „Kapazitätsgrenzen“[127] und „Grenzen der Aufnahmebereitschaft in der Bevölkerung“ hin, wofür sie von Teilen ihrer Partei kritisiert wurde.[128] In einem Interview im März 2016 sagte sie dazu:
„Dass es Grenzen der Aufnahmebereitschaft in der Bevölkerung gibt, ist eine Tatsache, und dass Kapazitäten nicht unbegrenzt sind, auch. Das festzustellen ist weder links noch rechts, sondern eine Banalität.“[129]
Weiter kritisierte sie die Flüchtlingspolitik der BundeskanzlerinAngela Merkel als „planlos“,[129] sie habe in Deutschland zu einem „völligen Staatsversagen“ geführt, „auf sozialem Gebiet ebenso wie auf dem der inneren Sicherheit“.[127] Sie forderte eine stärkere Unterstützung des Bundes für die Länder und Kommunen, die den Großteil der Kosten für Flüchtlinge selbst tragen würden und an anderer Stelle kürzen müssten.[130] Wagenknecht warnte davor, „die Armen gegen die Ärmsten auszuspielen“,[129] und nannte als Beispiel drohende Nahrungsengpässe bei derTafel.Wagenknecht bezeichnete die Fluchtursachenbekämpfung der Bundesregierung als „unglaubwürdig“,[131] da Deutschland Waffen in Spannungsgebiete exportiere und Drohneneinsätze der USA „mit logistischer Unterstützung aus Deutschland“ geflogen würden. Die Außenpolitik Merkels in Form einer Unterstützung der „Ölkriege der USA und ihrer Verbündeten“ seien der Grund für die Existenz und Stärke desIslamischen Staates.
Nach densexuellen Übergriffen in Köln Anfang 2016 äußerte Wagenknecht: „Wer sein Gastrecht missbraucht, der hat sein Gastrecht eben auch verwirkt“ und wurde dafür in ihrer Partei und Fraktion großteils kritisiert: DasRecht auf Asyl sei nicht verwirkbar. Lob kam hingegen von derAfD.[132]
Auf dem Parteitag der Linken am 28. Mai 2016 wurde Wagenknecht vonAktivisten der „Antifaschistischen Initiative Torten für Menschenfeinde“ mit einerTorte beworfen. Die Aktivisten rechtfertigten ihre Aktion damit, dass Wagenknecht wie die AfD „den ‚Volkszorn‘ in politische Forderungen“ übersetze. Ihre Parteikollegen verurteilten den Angriff und wiesen die Anschuldigungen zurück.[127] Gegen die am Tortenwurf beteiligten Aktivisten wurde Anzeige erstattet.[133]
Weitere Kritik erntete Wagenknecht Anfang Oktober 2016 für ihr gemeinsames Interview mit der AfD-VorsitzendenFrauke Petry, bei dem sich – trotz Abgrenzungsversuchen Wagenknechts – Übereinstimmungen in der Europa- und Flüchtlingspolitik gezeigt hätten. Auch dieFrankfurter Allgemeine Sonntagszeitung als Veranstalterin schrieb, die beiden seien „oft näher beieinander als gedacht“. Dertaz-RedakteurinUlrike Herrmann, die es als „rechtes Konsensgespräch“ bezeichnet hatte, wurde daraufhin von Wagenknechts EhemannOskar Lafontaine „rechter Schmieren-Journalismus“ einer „neoliberalen Kampfpresse“ vorgeworfen.[134] CDU-GeneralsekretärPeter Tauber bezeichnete aufgrund des Interviews Sahra Wagenknecht und Frauke Petry als „das doppelte Lottchen desPopulismus in Deutschland“.[135]
Nach den Anschlägen vonWürzburg undAnsbach im Sommer 2016 stellte Wagenknecht einen Zusammenhang zur mangelnden Kontrolle bei der Aufnahme von Flüchtlingen her und positionierte sich erneut gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Für ihre Äußerungen erhielt sie erneut teils heftige Kritik aus der eigenen Partei. Der AbgeordneteJan van Aken warf Wagenknecht vor, mit falschen Behauptungen zu argumentieren. Wagenknechts Äußerungen seien nicht mit ihrem Amt alsFraktionsvorsitzende derLinksfraktion imBundestag vereinbar.[136] Er forderte ihren Rücktritt.[137][138] Auch nachdem Wagenknecht ihre Thesen nach erster Kritik relativierte, reagierte ihre Partei mit deutlicher Ablehnung. Ihre Bekundungen sind lautBernd Riexinger „natürlich nicht akzeptabel“.[139] Sie wurden in einem Teil der Presse mit denen der AfD verglichen.[140][141]
Wagenknecht im Jahr 2017
Im Januar 2017 gab Wagenknecht in einem umstrittenenstern-Interview Angela Merkel durch ihre Grenzöffnung für Flüchtlinge sowie durch den Sparkurs bei der Polizei eine „Mitverantwortung“ an demTerroranschlag von Berlin.[142] Beobachter warfen ihr daraufhin zum wiederholten Male eine ideologische Nähe zur AfD vor.[143]
In ihrer Rede im Bundestag am 18. März 2025 erhob Wagenknecht den Vorwurf, Union und SPD würden die AfD stärker machen, da sie mit dieser nicht reden wollten.[144] Im Juli des gleichen Jahres sprach sie sich für das Einreißen der sogenannten „Brandmauer“ und für Gespräche mit der AfD aus. Auf Landesebene in Thüringen hätte man schon Gemeinsamkeiten ausgelotet.[145]Björn Höcke zeigte sich ob dieser Äußerungen erfreut.[146]
Nach der Einstufung der AfD durch dasBundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem sagte Wagenknecht Anfang Mai 2025, es sei „Tatsache [...], dass die Parteien der selbsternannten ‚demokratischen Mitte‘ seit Jahren einen autoritären Umbau unserer Gesellschaft vorantreiben, die freie Meinungsäußerung einschränken, unliebsame politische Kräfte mit undemokratischen Mitteln bekämpfen und massiven Konformitätsdruck erzeugen“. Der Streit über die Neuauszählung der Stimmen derBundestagswahl 2025 nach dem knappen Scheitern des BSW gehöre ebenso „in den gleichen Kontext der Erosion von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie“.[147]
Wagenknecht wegen ihrer Positionen eine Nähe zur AfD odernationalistischer Politik zu unterstellen, hält der Historiker und Journalist Tobias Becker für zu kurz gegriffen, da Wagenknecht gleichzeitig für mehr Flüchtlings- und Entwicklungshilfe, für eine fairere Handelspolitik und für ein Ende westlicher Interventionskriege plädiere. Ihre Aussagen seien durch ein Verständnis für die Sorgen der Migrationsverlierer motiviert, also diejenigen, die imNiedriglohnsektor arbeiten und die Auswirkungen der Migration anders erleben als Besserverdienende.[148]
Klaus Weber hingegen sieht in seinem BuchWagenknecht – Deutsches Volk & nationaler Sozialismus in der Analyse der Art, wie Wagenknecht die Gesellschaft sieht, erhebliche Überschneidungen der zentralen Begrifflichkeiten von Wagenknecht (Lebensraum, Gemeinschaftsgefühl, Stammesbande) mit den Ausführungen Björn Höckes.[149]
Der PolitikwissenschaftlerBenjamin Höhne sagte im Juli 2025, dass es bei Wagenknecht schon immer skeptische Töne gegeben habe, was eineBrandmauer und klare Kante gegenüber der AfD betreffe. Hinter ihrem Signalisieren von Gesprächsbereitschaft sieht er auch eine Option für die Unzufriedenen in der Partei, zur jeweils anderen Partei wechseln zu können.[150]
Im Jahre 1992 beurteilte Wagenknecht in ihrem ArtikelMarxismus und Opportunismus die wirtschaftliche Entwicklung der Sowjetunion in der „Stalin-Zeit“ positiv, insofern sich hier die „Entwicklung eines um Jahrhunderte zurückgebliebenen Landes in eine moderne Großmacht während eines weltgeschichtlich einzigartig kurzen Zeitraums“ vollzog. Durch diese „beeindruckende Modernisierungspolitik Stalins“[151] seien Elend, Hunger,Analphabetismus, halbfeudale Abhängigkeiten und schärfste kapitalistische Ausbeutung überwunden worden.[152]
Nachdem Wagenknecht die schönste ihrer für ihren Bekleidungsstil typischen Blusen zur Verlosung für eine Abo-Werbe-Kampagne der TageszeitungJunge Welt gespendet hatte, wurde sie 1996 gefragt, wie viele Blusen sie spenden würde, wenn es die DDR wieder gäbe. Sie antwortet: „Natürlich alle, die ich habe“.[153]
Wagenknecht (2008)
Ihre Haltung zum Stalinismus wurde selbst innerhalb der Linkspartei teilweise als zu unkritisch empfunden und unter anderen vonGregor Gysi[154] und dem BundestagsabgeordnetenMichael Leutert kritisiert. Letzterer sprach sich 2008 gegen ihre Kandidatur als stellvertretende Parteichefin aus, weil sie sich zu wenig vom Stalinismus distanziere.[155] Mit anderen Mitgliedern der Kommunistischen Plattform sprach sich Wagenknecht 2008 gegen ein allgemeines Gedenken in Form einesGedenksteins auf demZentralfriedhof Friedrichsfelde mit der Aufschrift „Den Opfern desStalinismus“ aus, da sich unter diesen auchFaschisten befunden hätten, drückte aber ihr Mitgefühl mit den unschuldigen Toten aus.[156] Wagenknecht selbst erklärte 2009 ihre umstrittenen Äußerungen zum Stalinismus von 1992 retrospektiv mit „Trotz und Wut überrechte Geschichtsverfälschung“ und distanzierte sich von diesen, da sie „nicht minder einseitig waren als die Geschichtsschreibung des Mainstreams, nur mit umgekehrtem Vorzeichen“.[157]
Noch im Mai 2008 erklärte sie imSpiegel, dass sie den BegriffDiktatur für die DDR (die sie zuvor als „das friedfertigste und menschenfreundlichste Gemeinwesen, das sich die Deutschen im Gesamt ihrer Geschichte bisher geschaffen haben“ bezeichnet hatte) für unangemessen halte.[23] In einem Interview von 2009 setzte sich Wagenknecht kritisch mit dem „repressivenpolitischen System der DDR“ auseinander, lehnte aber eine Charakterisierung der DDR alsUnrechtsstaat ab, weil dies darauf hinauslaufe, sie auf eine Ebene mit derNS-Diktatur zu stellen.[158] Die DDR sei kein demokratischer Staat gewesen, jedoch sei auch im heutigenkapitalistischen System keine echte Demokratie möglich.[159] In einemtaz-Interview im April 2010 erklärte sie ihre Aussagen aus den frühen 1990er Jahren als „Trotzreaktion auf dieses gesellschaftliche Klima, in dem ein Schauermärchen über die DDR das nächste jagte“. Deren ökonomisches System sei „überzentralisiert“ gewesen und die politischeRepression habe „in völligem Kontrast zu den sozialistischen Idealen“ gestanden.[160] Als die PDS 2002 erklärte, dass es keine Rechtfertigung für dieToten an der Mauer gebe, stimmte Wagenknecht als einziges Mitglied des Bundesparteivorstands gegen diese Positionierung.[161][162][163] Sie begründete ihre Ablehnung damit, die PDS dürfe sich nicht von der SPD vorschreiben lassen, wie sie mit ihrer Geschichte umzugehen habe.[164]
Wagenknecht kritisierte 2021 in ihrem BuchDie Selbstgerechten dieIdentitätspolitik linker Parteien, die sie für eine Diskussion unter ökonomisch Privilegierten hält und die das gesamtgesellschaftliche Gemeinschaftsgefühl untergrabe. Durch Identitätspolitik seien Bestrebungen für echteUmverteilungspolitik durch Fragen der Anerkennung ersetzt worden.[148] Das Buch erreichte Platz eins in der Sachbuch-Bestsellerliste desSpiegels.[165][166] Wagenknechts Kritik an „identity politics“ und „wokeness“ machte sie außerhalb Deutschlands zu einer beliebten Gesprächspartnerin rechter Medien als Kronzeugin gegen Sozialdemokratie, Grüne und soziale Bewegungen.Eric Gujer, Chefredaktor der rechtsliberalenNeuen Zürcher Zeitung, führte im November 2021 mit Wagenknecht ein 50-minütiges Interview zum Thema „Identitätspolitik und Cancel-Culture – wie selbstgerecht sind die Linken?“.[167][168] In einem Interview mit der NZZ hatte Wagenknecht bereits im April 2021 gesagt, wer Identitätspolitik betreibe, kämpfe „nicht für Minderheitenrechte im Sinne von Gleichberechtigung“. Die Identitätspolitik wolle „nicht Gleichheit, sondern Ungleichheit, sie bläst die Unterschiede zwischen Ethnien oder sexuellen Orientierungen zu bombastischen Gegensätzen auf“.[169] Das am 12. April 2024 beschlosseneGesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag verurteilte sie in der Bundestagsdebatte am selben Tag als „frauenfeindlich“ und „gefährlichen Irrsinn“. Es mache Eltern und Kinder zu „Versuchskaninchen einer Ideologie, von der nur die Pharmalobby und die Pharmaindustrie profitieren“.[170] Bereits im Juni 2023, noch als Linken-Abgeordnete, warnte sie vor dem Gesetz: „Ich halte das für eine von Ideologie getriebene Politik, für die man in bestimmten Sekten bejubelt wird.“ Sie stellte die Frage, „wie stark Frauenräume noch geschützt sind, wenn sich jeder Mann beliebig zur Frau erklären kann“.[171] In einem Interview im April 2024 sagte sie, man habe „ein Problem, wenn normale Menschen mit einer klassischen Familie sich nicht mehr wertgeschätzt fühl[t]en und jemand, der weiß, männlich undheterosexuell ist, sich fast schon dafür entschuldigen“ müsse.[172]
Während derCOVID-19-Pandemie äußerte Wagenknecht im November 2021, dass sie die Impfung als eine individuelle Entscheidung ansehe und nur ältere Menschen und Risikogruppen sich auf jeden Fall impfen lassen sollten. Die Bundesregierung hatte angesichts der vierten Pandemie-Welle verstärkt zu Impfungen aufgerufen, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern. Zudem behauptet sie,Long COVID, also die möglichen Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung, sei umstritten.[173] Führende Mitglieder der Linken gingen auf Distanz zu Wagenknechts Position.[174][175] Für die Überlastung in Krankenhäusern macht Wagenknecht vor allem den Personalmangel verantwortlich, der durch schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Bezahlung verursacht worden sei. Die Corona-Politik sollte sich ihrer Meinung nach vor allem darauf konzentrieren, diese Missstände zu beheben.[176]
Eine generelleImpfpflicht im Fall von COVID-19 lehnte sie ab, da von COVID-19 nicht alle Teile der Bevölkerung gleichermaßen betroffen seien und die Impfpflicht auch nicht mit dem Ziel der Ausrottung des Virus gerechtfertigt werden könne.[175] Gegenüber demSpiegel vertrat sie die Ansicht, der Impfstoff sei neuartig und schwer einzuschätzen.[177] Im Dezember 2021 stimmte sie gegen einen Gesetzentwurf, der eine Pflicht zur Impfung gegen dasCoronavirus für Beschäftigte aus bestimmten Arbeitsfeldern vorsah.[178]
Als der israelische StaatspräsidentSchimon Peres amTag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2010 als Gast im Deutschen Bundestag sprach, erhoben sich die AbgeordnetenChristine Buchholz,Sevim Dağdelen und Wagenknecht zum Schlussapplaus nicht von ihren Sitzen. Sie wurden deswegen öffentlich und parteiintern kritisiert, so erklärte der Berliner Landeschef der Linkspartei,Klaus Lederer, das Verhalten der Abgeordneten für „inakzeptabel“,[179]Michael Leutert erklärte sie für „nicht wählbar“.[180] Hingegen erhielt Wagenknecht Zuspruch von derNPD.[181] Wagenknecht rechtfertigte ihr Verhalten später:
„Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust habe ich mich selbstverständlich von meinem Platz erhoben. Dass ich nach der Rede von Shimon Peres nicht an den stehenden Ovationen teilgenommen habe, liegt darin begründet, dass ich einem Staatsmann, der selbst für Krieg mitverantwortlich ist, einen solchen Respekt nicht zollen kann.“[182]
Wagenknecht im Jahr 2012
2012 in einem Radio-Interview darauf angesprochen, erklärte sie nochmals:
„Wir haben uns alle erhoben, alle Abgeordneten der Linken, als es darum ging, der Opfer des Holocaust zu gedenken, und das wäre ja auch eine Unverschämtheit gewesen, zu diesem Anlass sitzen zu bleiben. Ich bin sitzen geblieben am Ende der Rede von Peres, weil Peres diese Rede – was ich sehr bedauerlich fand – eben auch genutzt hat, nicht nur zum Gedenken, sondern eben auch um aktuelle Nahostpolitik anzusprechen und teilweise dort auch Passagen drin waren, die schon als Kriegsvorbereitung in Richtung Iran interpretiert werden mussten. Und da muss ich sagen, bei einer solchen Rede kann ich am Ende nicht aufstehen, weil ich bin eine Kriegsgegnerin, ich lehne Kriege ab, und ich hoffe jetzt auch, dass es keinen Krieg im Nahen Osten geben wird.“[183]
2016 äußerte sie über denrussischen Militäreinsatz in Syrien gegenüberRussia Today, es brauche für einen Frieden „mehr Kooperation mit Russland und nicht mehr Konfrontation“, sie fordere für eine weltweite Sicherheitsordnung unter Einbezug Russlands die Auflösung der NATO.[184] In einer Talkshow von Maybrit Illner aus dem Jahr 2016 vertrat Wagenknecht die These, dass der syrische Bürgerkrieg das Ergebnis eines gescheiterten Pipelineprojektes sei.[185]
Wagenknecht vertritt die Ansicht, gute Beziehungen zu Russland seien im Interesse Europas. Sie beruft sich dabei auf die deutsche Außenpolitik unterWilly Brandt, dieNeue Ostpolitik.[186] Nach ihren Worten hat der Westen Putin provoziert, ihm hingegen gehe es um Sicherheitsgarantien.[187] Für denrussischen Truppenaufmarsch entlang der ukrainischen Grenze machte sie die USA verantwortlich.[188] Putin sei kein „durchgeknallter Nationalist“ und hätte gar kein Interesse an einer Aggression gegen die Ukraine. Ein russischer Einmarsch würde lediglich von den USA herbeigeredet, wobei da wohl „der Wunsch der Vater des Gedanken“ sei.[189] Wegen ihres Werbens um Verständnis für den Kurs des russischen PräsidentenWladimir Putin gegenüber derUkraine bekam Wagenknecht in mehreren Medien das Etikett „Putin-Versteherin“.[190][188][191] Putin werde zu Unrecht als irrational verkannt, er sei ein berechenbarer Machtpolitiker, sagt sie.[192] Nach demrussischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 gestand sie ein, sich in ihrer Lagebeurteilung geirrt zu haben: „Dass Putin tatsächlich so weit gehen würde, wie er es jetzt getan hat, hätte ich nicht für möglich gehalten. In der Einschätzung seiner Person und Berechenbarkeit habe ich mich leider geirrt.“ Für diesen „völkerrechtswidrigen Krieg“ gebe es keine Rechtfertigung oder Entschuldigung.[193]
Wagenknecht gehörte zu den Unterzeichnern einer am 1. März 2022 veröffentlichten Erklärung von sieben Vertretern der Linken, nach der die „von den USA in den letzten Jahren betriebene[n] Politik“ für die entstandene Lage mitverantwortlich ist. Ein zentraler Grund für das schlechte Verhältnis zwischen Russland und dem Westen sei dieNATO-Osterweiterung.[194] Auch wurden in der Erklärung die Waffenlieferungen an die Ukraine sowie dieSanktionen gegen Russland seit dem Überfall auf die Ukraine kritisiert.[195] Gregor Gysi widersprach der Erklärung und warf den Unterzeichnern vor, ihr Weltbild von der bösen NATO retten zu wollen, diese habe aber diesmal nichts falsch gemacht. Waffenlieferungen zu verweigern, sei indirekt identisch mit der Leugnung des Rechtes auf Selbstverteidigung.[196] Im April forderte Wagenknecht, mehr auf Verhandlungen undDeeskalation zu setzen.[197]
Am 19. Mai 2022 warf sie der ukrainischen Regierung vor, dieVerhandlungen mit der russischen Seite nach demMassaker von Butscha abgebrochen zu haben, was sie nicht nachvollziehen könne. Gerade das Massaker sei ein Grund gewesen, die Gespräche fortzuführen, ein Waffenstillstand habe kurz bevorgestanden. Auch die USA hätten inAfghanistan und demIrakKriegsverbrechen begangen. Diese seien auch nicht an einem Kompromiss, sondern an einem langen Krieg interessiert, um Russland zu schwächen. Als Beleg nannte sie Aussagen des US-Verteidigungsministers, die sie verkürzt zitierte.[198]
Am 8. September 2022 sorgte Wagenknecht mit einer Bundestagsrede für Empörung, als sie der Regierung vorwarf, „einen beispiellosenWirtschaftskrieg gegen unseren wichtigsten Energielieferanten vom Zaun zu brechen“. Sie forderte das Ende der Russland-Sanktionen[199] und erhielt Applaus aus Teilen ihrer Fraktion – ein anderer Teil war der Sitzung ferngeblieben – und aus derAfD-Fraktion.[200] Die LinkenabgeordnetenHenriette Quade,Katharina König-Preuss undJuliane Nagel schrieben an Parteivorstand und Bundestagsfraktion einen offenen Protestbrief, denen sich hunderte Unterstützer anschlossen.[40] Der ehemalige Linken-ParteivorsitzendeBernd Riexinger widersprach aufTwitter Wagenknechts Deutung des Konflikts und verlangte, es dürfe keine Zweifel geben, „auf welcher Seite die Linke steht“.[199] Nach Angaben der Pressestelle der Linkspartei sind nach Wagenknechts Aussage im September 2022 innerhalb weniger Wochen 809 Mitglieder aus der Partei ausgetreten, so viele wie nie zuvor in der Geschichte der Linkspartei.[89] Der Chef desDeutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes,Ulrich Schneider, trat damals ebenfalls aus der Linkspartei aus und begründete seinen Austritt mit Wagenknechts Rede.[201]
Hinsichtlich der Russlandpolitik der Bundesregierung kritisiert Wagenknecht insbesondere die mitregierenden Grünen, die sie im Oktober 2022 als die „derzeit […] gefährlichste Partei, die wir aktuell im Bundestag haben“, bezeichnete, und begründet dies unter anderem mit den Auswirkungen der Russlandpolitik auf die deutsche Wirtschaft.[202] Daraufhin distanzierten sich innerhalb der Bundestagsfraktion der Linken zahlreiche Genossen von ihr, da sie dadurch die AfD, die ebenfalls im Bundestag sitzt, verharmlost habe.[203] Zusammen mitAlice Schwarzer verfasste sie das am 10. Februar 2023 veröffentlichteManifest für Frieden, in dem BundeskanzlerOlaf Scholz aufgefordert wird, nach dem russischen Überfall auf die Ukraine „die Eskalation der Waffenlieferungen zu stoppen“ und stattdessen für Diplomatie und Verhandlungen einzutreten, indem er sich an die Spitze einer Allianz für einen Waffenstillstand stellt. Der Aufruf und die darin angekündigte KundgebungAufstand für Frieden, auf der Wagenknecht sprach, wurden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.[204] Der AfD-PolitikerBjörn Höcke lobte den Aufruf Wagenknechts ausdrücklich und sah übereinstimmende Positionen, aufgrund derer er sie zu einem Eintritt in die AfD einlade.[205] Die österreichische TageszeitungKurier kommentierte eine Talksendung mit Wagenknecht und Schwarzer: „Den Vorwurf, den russischen Interessen zuzuarbeiten, konnten sie nicht glaubhaft zerstreuen.“[206]
Im April 2023 berichtete dieWashington Post im Rahmen derEnthüllung von Geheimdokumenten, dass in Russland Pläne entwickelt worden seien, in Deutschland eine politischeQuerfront aus AfD, Wagenknecht und linksextremen Kräften zu initiieren und zu unterstützen, deutschlandweite Proteste gegen die Bundesregierung und deren Unterstützung der Ukraine zu bilden, wobei hohe russische Beamte Kontakte zu einer Person aus dem Umfeld Wagenknechts aufgenommen hätten. Wagenknecht bestritt gegenüber derWashington Post, dass sie mit der AfD oder mit russischen Stellen Kontakt pflege oder eine Kooperation habe.[207] Am 28. Mai 2023 veröffentlichteDer Spiegel jedoch einen Artikel, aus dem hervorgeht, dass ihmScreenshots vorlägen, die belegen, dass Wagenknecht trotz bisheriger gegenteiliger Beteuerungen weiterhin in regem Austausch mit ihrem Ex-EhemannRalph Thomas Niemeyer stünde, der als Teil derReichsbürgerbewegung gilt und der sich 2022/2023 als selbsternannter „Exil-Kanzler“ in Moskau mit mehreren russischen Regierungsvertretern zu Verhandlungen über die zukünftige deutsche Regierung traf.[208]
Beim Gründungsparteitag desBündnisses Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (BSW) Ende Januar 2024 forderte sie erneut ein Ende der Sanktionen gegen Russland sowie der Waffenlieferungen an die Ukraine.[209]
Zum Tod des russischen OppositionspolitikersAlexei Nawalny im Februar 2024 kommentierte Wagenknecht: „Der frühe Tod von Alexej Nawalny ist schockierend. Auch wenn noch offen ist, woran Putins Kritiker genau gestorben ist. Fest steht: Nawalny wurde Opfer des autokratischen Systems im heutigen Russland.“[210]
Im Frühjahr 2024 verband sie in zwei Interviews die von ihr geforderten Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland mit dem Vorschlag, die Bevölkerung in von Russland besetzten ukrainischen Gebieten in einem von denVereinten Nationen beaufsichtigten Referendum über ihre Staatszugehörigkeit abstimmen zu lassen. Sie skizzierte außerdem, wie ein Friedensabkommen aussehen könne, und schloss dabei auch Sicherheitsgarantien bzw. eine militärische Beistandspflicht für die Ukraine nicht aus, sollte Russland ein Friedensabkommen brechen. Als Garantiemächte könne sie sich China, die Türkei oder Frankreich vorstellen. Überdies forderte sie, für VerhandlungenGerhard Schröders „Draht zum russischen Präsidenten“ zu nutzen.[211][172] In der ARD-SendungMaischberger, in der sie das Fernbleiben der BSW-Abgeordneten bei einer Rede des ukrainischen PräsidentenWolodymyr Selenskyj im Bundestag verteidigte, beschrieb sie den Krieg in der Ukraine als „Stellvertreterkrieg“ zwischen derNATO und Russland.[212]
Als der CDU-Politiker Frank Sarfeld in der britischenTimes äußerte, Wagenknecht akzeptiere den illegalen Krieg, den Putin in der Ukraine gestartet habe, beantragte sie den Erlass einereinstweiligen Verfügung dagegen. Mit dem Antrag scheiterte sie sowohl vor demLandgericht als auch vor demOberlandesgericht Köln, da die Aussage weder eine Schmähkritik noch ein Fehlzitat darstelle. Vielmehr sei Sarfelds Äußerung von der Meinungsfreiheit gedeckt.[213]
Wie aus Papieren derrussischen Akademie der Wissenschaften hervorgeht, die dem ARD-MagazinKontraste sowie derZeit vorliegen, sehen russische Analysten in Wagenknecht eine wichtige Verbündete gegen „anti-russische Kräfte“ in Deutschland und Europa und sprechen sich für engere Kontakte zu ihr aus.[214]
Im Dezember 2024 erklärte Wagenknecht, sie „verurteile diesen Krieg“. Sie „halte Politiker, die Kriege beginnen – und das gilt auch für Wladimir Putin – für Verbrecher“.[215]
Im Januar 2025 forderte Wagenknecht erneut, an russischen Gasimporten festzuhalten und die Sanktionen gegen Russland zu beenden. Man müsse die „Energieimporte schlicht wieder am Kriterium des niedrigsten Preises ausrichten und nicht an irgendeiner Doppelmoral und Ideologie“. Sanktionen hätten „nichts mit Moral, nichts mit Menschenrechten, nichts mit Friedensliebe zu tun“; sie seien Konjunkturprogramme für die US-Wirtschaft „und ein Killerprogramm für deutsche und europäische Unternehmen“.[216]
Im Januar 2026 wurde bekannt, dass von 13 Personen, die Zugriff auf WagenknechtsFacebook-Account hatten, eine gemäß Facebook ihrenLebensmittelpunkt in Russland habe. Die Daten basieren auf Transparenzregelungen, zu denen Facebook verpflichtet wurde. Nach Bekanntwerden verschwand die Information und Wagenknechts Büro gab zunächst an, sie beschäftige weder in Russland ansässige Mitarbeiter noch Personen mit russischem Pass, später dann, dass eine „langjährige Mitarbeiterin“ mit deutscherStaatsbürgerschaft russische Familienangehörige habe und „ab und zu“ ihre russische Familie besuche. Parallel wurde die Admin-Liste von Wagenknechts Facebook-Account bereinigt und u. a. die Person mit Lebensmittelpunkt in Russland entfernt. Bereits 2022 hatte es einen ähnlichen Fall gegeben, wo auf WagenknechtsYoutube-Kanal bei einem eingeblendeten Twitter-Beitrag das Datum in kyrillischer Schrift erschien. Auf der Plattform passt sich die Spracheinstellung automatisch der Person an, die denTweet sieht und einenScreenshot macht. Damals antwortete Wagenknecht, sie setze eine russischstämmige Mitarbeiterin ein, „die seit vielen Jahren in Deutschland lebt und mich bei Schnitt und Illustration des Videos unterstützt“. Beide Fälle erhielten u. a. deswegen Aufmerksamkeit, da Wagenknecht wegen ihrer Positionen vielfach vorgeworfen wird, als Sprachrohr des Kreml zu agieren.[217][218]
Im Mai 1997 heiratete Wagenknecht den PublizistenRalph Thomas Niemeyer.[219] Die Ehe mit Niemeyer wurde im März 2013 geschieden.[220] In einem Artikel des MagazinsDer Spiegel vom Mai 2023 schreibt der Autor, dass Wagenknecht weiterhin mit ihm in Kontakt stehe.[208]
Im November 2011 erklärteOskar Lafontaine (ehemaliger SPD-Politiker und Kanzlerkandidat, ehemaliger Ministerpräsident des Saarlandes sowie späterer Partei- und Fraktionsvorsitzender der Linken), er und Wagenknecht seien „eng befreundet“ – beide Politiker lebten zu dieser Zeit bereits getrennt von ihren Ehepartnern.[221] Seit Juni 2012 wohnen sie zusammen imsaarländischenMerzig nahe der Grenze zu Frankreich.[222] Seit dem 22. Dezember 2014 ist Wagenknecht mit Lafontaine verheiratet.[223]
Der deutscheForscher Christian Lukhaup und der Biologe Rury Eprilurahman benannten im Jahre 2022 eine in Indonesien entdeckte und von ihnen erstbeschriebene rot gefärbte KrebsartCherax wagenknechtae. Laut demSpiegel möchte Lukhaup dadurch Wagenknechts Engagement „für eine bessere und fairere Zukunft“ würdigen.[224][225]
Die PDS zwischen Antikapitalismus und Sozialdemokratie. Diskussionsbeitrag auf der Bundeskonferenz der Kommunistischen Plattform der PDS am 25./26. Februar 1995 (=Rote Hefte. H. 2). JUKO, Hamburg 1995.
mitAndré Brie,Reiner Oschmann:„Wie macht sich die PDS nicht überflüssig?“ ND im Club – Streitgespräch – Ein Tonbandprotokoll. Neues Deutschland, Berlin 1996.
mitJürgen Elsässer:Vorwärts und vergessen? Ein Streit um Marx, Lenin, Ulbricht und die verzweifelte Aktualität des Kommunismus. KVV Konkret, Hamburg 1996,ISBN 3-930786-06-0.
Antisozialistische Strategien im Zeitalter der Systemauseinandersetzung. Zwei Taktiken im Kampf gegen die sozialistische Welt. Pahl-Rugenstein, Bonn 1995,ISBN 978-3-89144-205-0.
Vom Kopf auf die Füße? Zur Hegelkritik des jungen Marx, oder: Das Problem einer dialektisch-materialistischen Wissenschaftsmethode. Pahl-Rugenstein, Bonn 1997,ISBN 3-89144-231-9 (Zugl.: Groningen, Univ., Mag.-Arb., 1996).
Freiheit statt Kapitalismus. Über vergessene Ideale, die Eurokrise und unsere Zukunft. 2., erweiterte Auflage. Campus, Frankfurt am Main 2012,ISBN 978-3-593-39731-3 (ungekürzte Taschenbuchausgabe: dtv, München 2013,ISBN 978-3-423-34783-9).
Kapitalismus, was tun? Schriften zur Krise. Das Neue Berlin, Berlin 2013,ISBN 978-3-360-02159-5.
The Limits of Choice. Saving Decisions and Basic Needs in Developed Countries. Campus, Frankfurt am Main 2013,ISBN 978-3-593-39916-4 (Zugl.: Chemnitz, Techn. Univ., Diss., 2012).
Couragiert gegen den Strom. Über Goethe, die Macht und die Zukunft. Nachgefragt und aufgezeichnet von Florian Rötzer. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2017,ISBN 978-3-86489-187-8.Leseprobe (PDF; 792 kB).[226]
Sarah Wagner, L. Constantin Wurthmann, Jan Philipp Thomeczek:Bridging Left and Right? How Sahra Wagenknecht Could Change the German Party Landscape. In:Politische Vierteljahresschrift. 27. Juni 2023,ISSN1862-2860,doi:10.1007/s11615-023-00481-3.
Klaus-Rüdiger Mai:Die Kommunistin. Sahra Wagenknecht – eine Frau zwischen Interessen und Mythos. Europa Verlag, München 2024,ISBN 978-3-95890-618-1.
Andrea Maurer:Wut und Widerspruch. Wie Sahra Wagenknechts riskanter Kampf um Macht die Republik erschüttert: ein Bericht. Droemer Knaur, München 2025,ISBN 978-3-426-56319-9.
Der Bruch. Sahra Wagenknecht und Die Linke (2023), Koproduktion von NDR und RBB. Die Dokumentation begleitet ein Jahr lang Sahra Wagenknecht, wie sie sich von ihrer alten Partei entfremdet.
Wagenknecht (2020), Regie:Sandra Kaudelka. Der Dokumentarfilm begleitet Wagenknecht und ihr Team vom Bundestagswahlkampf 2017 bis zu ihrem Rücktritt aus der Spitzenpolitik 2019.[227]
Interview vonGünter Gaus mit Sahra Wagenknecht:Zur Person: Günter Gaus im Gespräch (2004 imRBB,Video,Text)
↑Christian Schneider:Sahra Wagenknecht. Die Biografie. Campus, Frankfurt am Main 2019, S. 53–56.
↑Siehe:Christian Schneider:Sahra Wagenknecht. Die Biografie. Campus, Frankfurt am Main 2019, S. 88.
↑Christian Schneider:Sahra Wagenknecht. Die Biografie. Campus, Frankfurt am Main 2019, S. 88.
↑Couragiert gegen den Strom. Über Goethe, die Macht und die Zukunft. Nachgefragt und aufgezeichnet von Florian Rötzer. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2017.
↑Marc Brost, Stephan Lebert:"Ich sehe mich nicht im Krieg mit den Männern". In:Die Zeit. 21. Juli 2011,ISSN0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 23. August 2024]).
↑abSahra Wagenknecht:Vom Kopf auf die Füße? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch-materialistischen Wissenschaftsmethode. Pahl-Rugenstein-Verlag, Bonn 1997,ISBN 3-89144-231-9, Biographische Angaben zu ihrer Person stammen vermutlich vom Klappentext.
↑Sahra Wagenknecht:The Limits of Choice: Saving Decisions and Basic Needs in Developed Countries. Campus Verlag, 2013,ISBN 978-3-593-39916-4.
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↑Marc Röhlig:(S+) Wagenknecht verdiente knapp 800.000 Euro aus Nebeneinkünften. In:Der Spiegel. 21. März 2023,ISSN2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 21. März 2023]).
↑Sahra Wagenknecht schließt erneute Kandidatur für die Linke aus. In:Der Spiegel. 3. März 2023,ISSN2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 10. Juni 2023]).
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↑Sahra Wagenknecht: EU-Politik zu Kuba ist einseitig und ungerecht. Erklärung zur Abstimmung über den Gemeinsamen Entschließungsantrag der Fraktionen von PPE, PSE, ALDE und UEN zur Haltung der EU gegenüber der kubanischen Regierung. In: sahra-wagenknecht.de. 2. Februar 2006, abgerufen am 8. Dezember 2013.
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↑„Putin ist eine Bestie“: Die Reaktionen zum mutmaßlichen Tod von Alexej Nawalny. In:Der Tagesspiegel Online.ISSN1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 18. Februar 2024]).
↑Livia Gerster, Konrad Schuller:Sahra Wagenknecht zu AfD: Alice Weidel vertritt keine rechtsextremen Positionen. In:FAZ.net. 24. Februar 2024,ISSN0174-4909 (faz.net [abgerufen am 12. April 2024]).
↑Sahra Wagenknecht: BSW-Politikerin bezeichnet Wladimir Putin als Verbrecher. In:Der Spiegel. 19. Dezember 2024,ISSN2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 19. Dezember 2024]).