| Safflorit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol | Saf[1] |
| Andere Namen | |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) | Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana | II/C.08 II/D.23-020[6] 2.EB.15a 02.12.02.11 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse;Symbol | orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m[8] |
| Raumgruppe | Pnnm (Nr. 58)Vorlage:Raumgruppe/58[4] |
| Gitterparameter | a = 5,17 Å;b = 5,95 Å;c = 3,00 Å[4] |
| Formeleinheiten | Z = 2[4] |
| HäufigeKristallflächen | {010}, {001}, {110}, {120}, {130}, {011}, {101}[3] |
| Zwillingsbildung | Fünflinge nach {011}, kreuzförmige Durchdringungszwillinge nach {101} |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 4,5 bis 5 (VHN100 = 792–882 kg/mm2)[7] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 7,2; berechnet: 7,471[7] |
| Spaltbarkeit | deutlich nach {100}[7] |
| Bruch;Tenazität | uneben bis muschelig; spröde[7] |
| Farbe | zinnweiß, dunkelgrau anlaufend; auf polierten Flächen weiß[7] |
| Strichfarbe | grauschwarz[6] |
| Transparenz | undurchsichtig (opak)[7] |
| Glanz | Metallglanz[7] |
Safflorit ist ein eher selten vorkommendesMineral aus derMineralklasse der „Sulfide undSulfosalze“ mit derchemischen Zusammensetzung CoAs2,[4] und damit chemisch gesehenCobaltdiarsenid. Es kristallisiert imorthorhombischen Kristallsystem. Als Verwandte der Sulfide werden dieArsenide in die gleiche Klasse eingeordnet.
Safflorit ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und entwickelt nur kleine, prismatischeKristalle, die meist zu sternförmigenDrillingen mitquirlartigem Aussehen verwachsen ist (Quirlkies). Er kommt allerdings auch in faserigen, radialstrahligenMineral-Aggregaten vor. Auch krustenartige Verwachsungen mit anderen Gangarten sowie derbe und dichte Massen sind bekannt. Frische Mineralproben haben eine zinnweiße Farbe und weisen auf den Oberflächen einen metallischenGlanz auf. An der Luft laufen diese allerdings mit der Zeit dunkelgrau an.
Erstmals erwähnt wurde das Mineral bereits 1817 im Mineral-System vonAbraham Gottlob Werner, der denWeißen Speiskobold in eine faserige, dichte und gestrickte Varietät unterteilt.[9] Eine nähere Beschreibung bezüglich Aussehen und Vorkommen fehlte jedoch. Im gleichen Jahr veröffentlichte allerdings auchAugust Breithaupt eine Neuauflage von Hoffmanns „Handbuch der Mineralogie“, in dem er unter der BezeichnungStrahliger weisser Speiskobold eine ausführliche Beschreibung in Bezug auf Farbe, Kristallform und Bruchverhalten des Minerals und als Fundort die „Grube Daniel“ beiNeustädtel (Schneeberg) (Erzgebirge, Sachsen) abgab. Mithilfe der Lötrohrprobe konnte er zudem feststellen, dass der strahlige weiße Speiskobalt eine Verbindung aus Kobalt und Arsen sein musste.[10] Eine genaue chemische Analyse nahm jedoch erstFriedrich Stromeyer 1832 vor, der die chemische Zusammensetzung auf CoAs2 festlegen konnte.[11]
1835 ersetzte Breithaupt schließlich die bisherige Bezeichnungfaseriger weisser Speiskobalt durch den bis heute gültigen Namen Safflorit[2], in Anlehnung an seinen Gebrauch als blauesPigment zum Färben von Glas und Emaille, das aus Cobalterzen hergestellt und alsSaflor bzw.Safflor bezeichnet wurde (nicht zu verwechseln mit der ebenfalls alsSaflor bezeichnetenFärberdistel!). NachJohann Albrecht Gesner (1744) leitet sich das deutsche Wort Saflor bzw. Safflor vom lateinischensapphirus für den blauen EdelsteinSaphir ab. Safflor wäre demnach eine Zusammensetzung aus sapphiri und color (= saphirfarben).[12][11]
Da der Safflorit bereits lange vor der Gründung derInternational Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrerCommission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Safflorit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[5] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auchMineral-Symbol) von Safflorit lautet „Saf“.[1]
DasTypmaterial des Minerals wird in der Geowissenschaftlichen Sammlung derTechnischen Universität Bergakademie Freiberg (TU-BA) inFreiberg unter den Inventarnummern3865 und107586 aufbewahrt.[13][14]
Bereits in der veralteten8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz (einschließlich Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide und Bismutide) gehörte der Safflorit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung„Sulfide mit M : S < 1 : 1“, wo er gemeinsam mitLöllingit undRammelsbergit sowie im Anhang mitFroodit undPararammelsbergit in der „Löllingit-Reihe“ mit der SystemnummerII/C.08 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeitetenLapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik vonKarl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und MineralnummerII/D.23-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung„Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Safflorit zusammen mitCostibit, Löllingit,Nisbit,Oenit, Rammelsbergit undSeinäjokit die „Löllingitgruppe“ mit der SystemnummerII/D.23 bildet.[6]
Die von derInternational Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[15]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Safflorit in die neu definierte Abteilung „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauenStoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung„M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden, wo es zusammen mitAnduoit,Klinosafflorit, Löllingit, Nisbit,Omeiit und Rammelsbergit die „Löllingitgruppe“ mit der Systemnummer2.EB.15a bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichenSystematik der Minerale nach Dana hat Safflorit die System- und Mineralnummer02.12.02.11. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 1 : 2“ in der„Markasitgruppe (Orthorhombisch:Pnnm)“, in der auchMarkasit,Ferroselit,Frohbergit,Hastit,Mattagamit,Kullerudit, Omeiit, Anduoit, Löllingit, Seinäjokit, Rammelsbergit und Nisbit eingeordnet sind.
Safflorit kristallisiert orthorhombisch in derRaumgruppePnnm (Raumgruppen-Nr. 58)Vorlage:Raumgruppe/58 mit denGitterparameterna = 5,17 Å;b = 5,95 Å undc = 3,00 Å sowie zweiFormeleinheiten proElementarzelle.[4]
Safflorit hat theoretisch einen Cobaltgehalt von 28,23 % bei einem Arsengehalt von 71,77 %.[3] In natürlich entstandenem Safflorit ist allerdings durchMischkristallbildung mitLöllingit (FeAs2) und/oderRammelsbergit (NiAs2) stets ein geringer Anteil Cobalt durchEisen (bis 15 %[16]) bzw.Nickel diadochersetzt.
Vor demLötrohr auf der Kohle verflüchtigt sich das Mineral größtenteils unter starker Entwicklung vonArsenikdämpfen mit typischem Knoblauchgeruch. Zurück bleibt ein bräunlichschwarzes Oxid.[10] Auch beim Zerschlagen von Saffloritproben tritt Arsengeruch auf.[17]
Die Verbindung CoAs2 istdimorph und kommt in der Natur neben dem orthorhombisch kristallisierenden Safflorit noch alsmonoklin kristallisierenderKlinosafflorit vor.


Safflorit bildet sichhydrothermal auf mittelgradigenGängen, wo er meist inParagenese mit anderen Nickel- und Cobalt-Mineralen wie Löllingit,Nickelin, Rammelsbergit undSkutterudit auftritt. Daneben kann Safflorit auch mit gediegenBismut undSilber vergesellschaftet sein. Durch langsame Verwitterung überzieht sich Safflorit allmählich mit einer rosafarbenen Kruste ausErythrin (Kobaltblüte).[3]
Als eher seltene Mineralbildung kann Safflorit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 370 Vorkommen für Safflorit dokumentiert (Stand 2025).[18] Das Mineral jedoch wahrscheinlich viel häufiger anzutreffen, als allgemein angenommen wird. So besteht beispielsweise ein großer Teil des „Speiskobalts“ in verschiedenen, mineralogischen Sammlungen aus Safflorit.[17]
Neben seinerTyplokalität „Grube Daniel“ trat Safflorit noch in vielen weiteren Gruben im BergbaurevierSchneeberg bzw. allgemein im sächsischenErzgebirge zutage. Weitere bekannte Fundorte in Deutschland sind unter anderem verschiedene Gruben beiWittichen,Oberwolfach und anderen Orten im Schwarzwald in Baden-Württemberg;Wölsendorf in Bayern; mehrere Orte im hessischenOdenwald; das BergbaugebietSankt Andreasberg und andere Orte imHarz von Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt; dieGrube Wilder Mann bei Müsen in Nordrhein-Westfalen; verschiedene Gruben beiImsbach, die Uranlagerstätte beiEllweiler und das Eisen/Blei-BergwerkFischbacher Werk bei Niederfischbach in Rheinland-Pfalz sowie die Uranlagerstätte beiRonneburg, der ErztagebauKamsdorf und die Cobaltlagerstätte beiGlücksbrunn in Thüringen.
Weit verbreitet ist Safflorit auch in der RegionCobalt-Gowganda imTimiskaming District in der kanadischen Provinz Ontario und im Gebiet umBou Azzer (Bou Azer) in der marokkanischenProvinz Ouarzazate finden.[19]
In Österreich konnte Safflorit unter anderem amHüttenberger Erzberg in Kärnten, im Brunngrabenrevier der Kupferlagerstätte Schönberg nahe der GemeindeFlatschach und an derZinkwand im Tal desObertalbachs (Schladminger Tauern) in der Steiermark sowie amSilberberg im GemeindegebietBrixlegg-Rattenberg und auf derMasner Alp naheLandeck im TirolerInntal gefunden werden.
In der Schweiz kennt man das Mineral bisher nur aus demKanton Wallis, genauer aus den Bergwerken beiAyer (Val d’Anniviers),Saint-Luc VS undBlüomatttälli.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Aserbaidschan, Bolivien, Brasilien, Chile, China, Ecuador, Frankreich, Griechenland, Iran, Italien, Japan, Kasachstan, Marokko, Mexiko, Norwegen, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, in Spanien, Südafrika, Tschechien, England im Vereinigten Königreich (UK) und in mehreren Bundesstaaten in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[20]
Auch in Gesteinsproben vomOstpazifischen Rücken konnte Safflorit nachgewiesen werden.[21]
Safflorit dient untergeordnet neben anderenCobalterzen als Rohstoff zur Gewinnung von Cobalt.