Sacerdotium
Sacerdotium (seltener auchSazerdotium) bedeutete imLateinischen ursprünglich „Priestertum“. ImMittelalter fasste man unter diesem Begriff jedoch die geistliche Gewalt derkatholischenKurie in Abgrenzung von der weltlichen Gewalt (regnum bzw.imperium) vor allem imHeiligen Römischen Reich zusammen. Beide standen jedoch immer in einer Wechselwirkung zueinander.
ImFrühmittelalter fasste mansacerdotium undregnum als Einheit auf, obwohl beiden unterschiedliche Aufgabenbereiche zufielen. Diese wurden auf demPariser Konzil im Jahre 829 näher bestimmt und festgelegt. Obwohl hierbei der geistlichen Gewalt der Vorrang eingeräumt wurde, ging man bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts von einem harmonischen Zusammenwirken beider Sphären aus. Auf dieser Basis konnten dieottonischen Kaiser ihreKirchenherrschaft ausüben.
Im Zuge dergregorianischen Reformbewegung wurde später scharf zwischen der geistlichen und der weltlichen Sphäre unterschieden und versucht, die weltliche Gewalt der geistlichen unterzuordnen. DerInvestiturstreit war einer der Höhepunkte dieses Konflikts, in dem die Anhänger der weltlichen Macht desKaisers an den früheren Vorstellungen derZweigewaltenlehre festhielten. Als Folge der Auseinandersetzung bildete sich nunmehr die Gemeinschaft derKleriker zu einer irdischen Institution der Kirche heraus, die eigenständig und rechtlich abgeschlossen demPapst unterstand.
Die Päpste versuchten in der folgenden Zeit, die staatliche Sphäre desregnum unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie argumentierten dabei unter anderem mit demLehensrecht. Die Vertreter der weltlichen Herrschaft entgegneten dem mit dem Verweis auf das alterömische Recht, das eine Autonomie der staatlichen Gemeinschaft feststellte. KaiserFriedrich I. verwies darauf, dass seine Herrschaft selbst schließlich gottunmittelbar sei. In diesem Zusammenhang wurde 1157 auch erstmals die Bezeichnungsacrum imperium (lat. „Heiliges Reich“) in der kaiserlichen Kanzlei verwendet, mit der die gottunmittelbare sakrale Natur des Reiches, die allerdings bereits zuvor verschiedentlich postuliert worden war, dargelegt werden sollte. Letztlich konnte das Papsttum seine Herrschaftsansprüche nicht durchsetzen, gab sie allerdings auch nicht auf, sodass es noch im frühen 14. Jahrhundert zu teils heftigen Auseinandersetzungen kam.
Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Tilman Struve:Sacerdotium. In:Lexikon des Mittelalters. Band 7, München 1999, Sp. 1220–1222.
- Ursula Nilgen:Bilder im Wettstreit zwischenRegnum und Sacerdotium. In:Karl Möseneder (Hrsg.):Streit um Bilder. Von Byzanz bisDuchamp. Reimer, Berlin 1997,ISBN 3496011696, S. 27–47 und Farbtafel 1.
- Herbert Grundmann:Sacerdotium-Regnum-Studium. Zur Wertung der Wissenschaft im 13. Jahrhundert. In:Ausgewählte Aufsätze (=Schriften der Monumenta Germaniae Historica. Band 25). 3 Bände. Hiersemann, Stuttgart 1976–1978,ISBN 3-7772-7613-8, Band 3:Bildung und Sprache. 1978,ISBN 3-7772-7803-3, S. 275–291.