Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unterSöldner (Begriffsklärung) aufgeführt.
EinSöldner ist eine gegen Bezahlung (Sold)angeworbene in einembewaffneten Konflikt und in einem fremdenStaat kämpfende Person. Die Tätigkeit als Söldner wird meist im Rahmen eines zeitlich befristeten Vertrags ausgeführt. Ein Verband von Söldnern wird alsSöldnerheer bezeichnet. Söldnerheere sind kein Teil derStreitkräfte, dies unterscheidet sie vonFreiwilligenverbänden und damit auch vonFremdenlegionen.
DasSöldnerwesen oderSöldnertum war bereits in derAntike sehr verbreitet. Es prägte vom Mittelalter bis zurFranzösischen Revolution das europäische Militärwesen. Söldner wurden mit der Einführungstehender Heere und der allgemeinenWehrpflicht seltener. Im 20. Jahrhundert kämpften Söldner u. a. in den Kriegen und Bürgerkriegen in Afrika, Asien und auf dem Balkan, oft im Rahmenprivater Sicherheits- und Militärunternehmen.
Während Zivilisten undKombattanten durch dieGenfer Konventionen geschützt werden, sind Söldner von diesem Schutz ausdrücklich ausgenommen.
EineLegaldefinition des Söldners findet sich in Artikel 47 des ersten Zusatzprotokolls von 1977 zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte, denGenfer Konventionen:[1]
Nach Artikel 47 müssenalle folgenden Kriterien erfüllt sein:
a. wer im Inland oder Ausland zu dem besonderen Zweck angeworben ist, in einem bewaffneten Konflikt zu kämpfen,
b. wer tatsächlich unmittelbar an Feindseligkeiten teilnimmt,
c. wer an Feindseligkeiten vor allem aus Streben nach persönlichem Gewinn teilnimmt und wer von oder im Namen einer am Konflikt beteiligten Partei tatsächlich die Zusage einer materiellen Vergütung erhalten hat, die wesentlich höher ist als die den Kombattanten der Streitkräfte dieser Partei in vergleichbarem Rang und mit ähnlichen Aufgaben zugesagte oder gezahlte Vergütung,
d. wer weder Staatsangehöriger einer am Konflikt beteiligten Partei ist noch in einem von einer am Konflikt beteiligten Partei kontrollierten Gebiet ansässig ist,
e. wer nicht Angehöriger der Streitkräfte einer am Konflikt beteiligten Partei ist und
f. wer nicht von einem nicht am Konflikt beteiligten Staat in amtlichem Auftrag als Angehöriger seiner Streitkräfte entsandt worden ist.
In Art. 1 Abs. 1 der Konvention zur Eliminierung des Söldnerwesens in Afrika findet sich eine nahezu identische Definition. Diese Konvention hat aber nur regionale Bedeutung.
Neben dieser juristischen Definition werden umgangssprachlich alle Personen als Söldner bezeichnet, deren Hauptmotivation für die Teilnahme an einem bewaffneten Konflikt das Streben nach persönlichem Gewinn ist, unabhängig von ihrem tatsächlichen rechtlichen Status. Ein Anführer, der eine Gruppe von Söldnern persönlich befehligt und eigene Pläne zu seinem Nutzen verfolgen kann, kann alsSöldnerführer bezeichnet werden.
Während ausländische Freiwillige, die als reguläre Soldaten dienen, Kombattantenstatus genießen[2][3], werden Söldner nach demKriegsvölkerrecht nicht alsKombattanten betrachtet und haben daher nicht den Anspruch auf den Status desKriegsgefangenen (vgl. Art. 47 Abs. 1 I. Zusatzprotokoll). Gefangene Söldner sind dem Kriegsrecht nach daher als gewöhnlicheZivilisten zu behandeln, die illegalerweise an einem bewaffneten Konflikt teilgenommen haben. Sie können für die Teilnahme am bewaffneten Konflikt nach nationalem Recht schwer bestraft werden. Nach dem Recht ihres jeweiligen Herkunftslandes können sie aufgrund des Militärdienstes für einen fremden Staat bestraft werden – und sie können ihre Staatsangehörigkeit verlieren. Ferner können sie als nicht völkerrechtlich anerkannte Kombattanten im Falle ihrer Gefangennahme durch die gegnerische Kriegspartei nach deren nationalem Strafrecht (z. B. auch wg. Mord) verurteilt werden.
So stellt auch der Dienst in derfranzösischenFremdenlegion – deren Angehörige allerdings genaugenommen keine Söldner, sondern reguläre Angehörige derfranzösischen Streitkräfte sind – für Österreicher und Schweizer nach dem Gesetz eine Straftat dar.
In Österreich ist es für Staatsangehörige gesetzlich verboten, für ein anderes LandKriegsdienst zu leisten. Viele Österreicher, die nach ihrem Söldnerdienst in denJugoslawienkriegen der 1990er Jahre wieder in die Heimat kamen, fanden sich vor dem Strafgericht wieder und wurden teilweise zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Zusätzlich kann einem Österreicher, der für ein anderes Land Kriegsdienst leistet, dieösterreichische Staatsbürgerschaft unwiderruflich entzogen werden.
In Deutschland ist es strafbar, deutsche Staatsangehörige „zugunsten einer ausländischen Macht“ „zum Wehrdienst in einer militärischen oder militärähnlichen Einrichtung“ anzuwerben (§ 109hStGB). Ferner riskiert ein Deutscher den Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit, wenn er in einen bewaffneten Verband eines Staates eintritt, dessen Staatsangehörigkeit er ebenfalls besitzt (§ 28StAG).
In der Schweiz ist es für Staatsangehörige gesetzlich verboten, für ein anderes Land Kriegsdienst zu leisten. Ein Sonderfall ist diePäpstliche Schweizergarde.
Nach dem Recht derUSA (Neutrality Act) riskiert ein US-Bürger, der sich in einem fremden Land zum Militärdienst zur Verfügung stellt, den Verlust derStaatsbürgerschaft. Viele Länder haben ähnliche Gesetze, so dass ein Söldner meist den Verlust seiner Heimat-Staatsbürgerschaft riskiert und zu einerstaatenlosen Person werden kann.
Schon im Altertum wurden Söldnertruppen eingesetzt. KönigDavid hatte Söldner,Krether und Plether waren die Leibwachen des Königs.[6] In denassyrischen Armeen dienten zahlreiche fremde Soldaten, teils unfreiwillig als Teil des Tributs ihrer Heimatstädte,[7] teils als Söldner.[8] Griechische Söldner sind aus Ägypten bekannt. GriechischeHopliten kämpften regelmäßig in Diensten derAchämeniden und bildeten oft den Kern von persischen Armeen (vgl.Xenophon,Anabasis).Agesilaos II. von Sparta kämpfte mit seinen Truppen für Sold mehrfach gegen die persischen Großkönige. Bei den antikenKelten war es üblich, dass sich überschüssige Söhne neues Land suchten und sich als Söldner verdingten. Der karthagische FeldherrHannibal benutzte tausende keltische Söldner bei seinem Einfall in Oberitalien während desZweiten Punischen Krieges (218–201 v. Chr.). Sie machten den gesamten Kern seiner Armee aus.[9]
Söldnerheere wie z. B. dieBrabanzonen und dieArmagnaken tauchten im Spätmittelalter auf, als es sich erwies, dass disziplinierte Söldner in der Schlacht denRittern überlegen waren, obwohl letztere im Zweifel tapferer kämpften. Besonders augenfällig wurde das in derSchlacht von Crécy. Das Söldnerwesen setzte sich in Europa seit dem 14. Jahrhundert allmählich und regional mit unterschiedlichem Tempo gegenüber demfeudalen Kriegswesen durch. Die altenLehensheere wurden durch Söldnertruppen ersetzt, was zum Ende des Ritterdienstes führte und damit auch zu einem wirtschaftlichen Niedergang desAdels. Ausschlaggebend war die Durchsetzung derGeldwirtschaft.
Die Einführung von Söldnerheeren stellte den mittelalterlichenPersonenverbandsstaat vor große finanzielle Herausforderungen. Die Söldner rekrutierten sich meist aus den städtischen und ländlichen Unterschichten. Dies konnten überschuldete Bauern, entflohene Leibeigene, nachgeborene Bauernsöhne, durch die engenZunftordnungen quasi erwerbslose Handwerksgesellen und arbeitslose Bergarbeiter sein. Söldneranführer wurden meist unter den Familienmitgliedern der Feudalherren und deren Gefolge, mitunter auch innerhalb der Bürgerschaften der Städte angeworben, stets aber im fremden Gebiet auf einem speziell dafür eingerichtetenMusterplatz. In italienischen Stadtstaaten etablierte sich als Söldneranführer bzw. Militärunternehmer im späten Mittelalter der Typus desCondottiere. Fremde Bewaffnete verstärkten die eigene militärische Schlagkraft, mussten aber nicht dauerhaft unterhalten werden. Ein Problem stellten die entlassenen Söldner dar, weil sie weder Abfindungen noch Altersruhegelder erhielten; häufig schlossen sie sich zu Räuberbanden zusammen und machten die Straßen unsicher.
Schweizer Söldner, sogenannteReisläufer, galten bis ins 16. Jahrhundert als besonders effektive Kampfkräfte, bis ihre Formationen durchArtillerie, die in dieser Zeit entwickelt wurde, verwundbar wurden. Diepäpstliche Schweizergarde entstammt noch dieser Tradition.
Die deutschenLandsknechte begannen gegen die Schweizer nach derSchlacht bei Marignano, als in vielen Gegenden der Schweiz die Reisläuferei erschwert oder gar verboten wurde, zu konkurrieren, und wurden eine gefragte Truppe des späten 15. und des 16. Jahrhunderts. Sie wurden von allen Mächten Europas angeheuert und konnten – wie vormals die Schweizer – mitunter die Seiten wechseln. „Niederländische“ Landsknechte waren aus Norddeutschland angeworbene, „oberländische“ aus Bayern, Schwaben und Österreich. DerDreißigjährige Krieg wurde von allen Kriegsparteien hauptsächlich mit Söldnern ausgefochten.
Den Söldnern, vor allem denen des Dreißigjährigen Krieges[10], haftet seit jeher ein äußerst negativer Ruf an. Oft werden sie als gescheiterte Existenzen angesehen, die für Geld töteten und den Bauern ihre Existenzgrundlage nahmen. Auch in der Geschichtswissenschaft wurden die Söldnerhaufen immer wieder als Sammelbecken für Kriminelle, fahrendes Gesindel und Ausgestoßene beschrieben. Erst in der letzten Zeit wird versucht, diese wichtige soziale Gruppe wertneutral zu betrachten und ihre Herkunft, ihre Lebensweise und ihre Motivation, Söldner zu werden, zu ergründen.[11] Auch die simple Zuschreibung der Täterrolle ist zu hinterfragen, da sie in vielen Fällen selber von den Kriegsunternehmern oder ihren Offizieren ausgenutzt wurden.[12]
Im 16. Jahrhundert bildete sich im Zuge der Aufstellung immer größerer Heeresverbände allmählich ein Offizierkorps heraus, das sich überwiegend aus demAdel rekrutierte. Meist stammten die Offiziere jedoch aus verschiedenen Ländern, so dass die Gefahr nicht allzu groß war, dass sie den Territorialherren, in dessen Dienst sie standen, entmachten und sich selbst an seine Stelle setzen würden. Traditionelle Herkunftsländer von Söldnern waren über Jahrhunderte dieSchweiz,Schottland,Wales undIrland; so stellten Männer aus diesen Ländern fürFrankreich ganze Regimenter.
Im 18. Jahrhundert „vermieteten“ absolut regierende Landesfürsten „Landeskinder“ als Söldner an andere Staaten. Als ein Beispiel für diese Praxis kann LandgrafFriedrich II. vonHessen-Kassel genannt werden, der am 15. Januar 1776 sogenannteSubsidienverträge unterzeichnete. Gemäß dieser Verträge verpflichtete sich der nordhessische Landgraf,Großbritannien mietweise ein Kontingent Söldner in einer Gesamttruppenstärke von etwa 12.000 Mann zu überlassen. Großbritannien zahlte als Kopfgeld für jeden gemieteten Söldner 30 Taler. Wie Zeitzeugenberichte nachweisen (siehe beispielsweise die AutobiografieMein Leben vonJohann Gottfried Seume), fand die Rekrutierung der Söldner teilweise unter Gewaltanwendung statt. Diehessischen Söldner mussten nach ihrer Verschiffung nach Nordamerika auf Seiten der Briten imAmerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpfen. Auch andere Fürsten deutscher Kleinstaaten, z. B. der Herzog von Braunschweig-WolfenbüttelKarl I., der Fürst von WaldeckFriedrich Karl August, der Markgraf von AnsbachAlexander und der Fürst von Anhalt-ZerbstFriedrich August schlossen mit Großbritannien Subsidienverträge ab und vermieteten eigene Truppen für die Kämpfe auf amerikanischem Boden.[13] Ein weiteres Beispiel für ein Subsidienregiment ist dasKapregiment, das HerzogCarl Eugen von Württemberg derNiederländischen Ostindien-Kompanie (V.O.C.) zur Verfügung stellte.
Im Prozess der Staatenbildung in Europa war nicht so sehr militärische Macht, sondern vielmehr Legitimität und eine funktionierende Finanzverwaltung der Schlüssel zur politischen Macht. Erst mit der Nationalisierung der Armeen im 19. Jahrhundert stieg die Gefahr, die vom Offizierkorps einer Berufsarmee für die politische Elite ausging, wieder an. Im 19. Jahrhundert dienten zahlreiche europäische oder nordamerikanische Söldner bzw. Militärspezialisten in außereuropäischen Armeen, so inChina und den neuen lateinamerikanischen Staaten. Besonders die lateinamerikanischen Marinen, soHaiti oderBrasilien, benötigten qualifizierte Ingenieure und Heizer zum Betrieb moderner Kriegsschiffe. Der ehemalige preußische Major Carl Pauli diente alsCarlos Páuli in den 1890er Jahren bis ca. 1904 in den Armeen von China,Honduras undPeru. Sein WerkTropenvademecum (1907) ist unter anderem ein Ratgeber für den Aufenthalt europäischer Militärberater in außereuropäischen Gebieten.
Aus einer historischen Perspektive wurde im Zuge der Herausbildungstehender Heere der Söldner vomSoldaten abgelöst. Der Soldat konnte nicht mehr beliebig oft die Fronten wechseln, wie dies für einen Söldner des 17. Jahrhunderts möglich war, zumal er nicht mehr über eigene Waffen verfügte. Über das stehende Heer aus Soldaten bildete der Staat ein Gewaltmonopol aus. Während der Beruf des Söldners einer der wohl ältesten Lohnberufe ist, gehörte die vaterländische Motivation zum Selbstverständnis und Fremdbild des Soldaten. In den letzten Jahrzehnten entsteht im Zuge desOutsourcings militärischer Aufgaben an militärische Fachleute, die als Angestellte vonprivaten militärischen Dienstleistern weltweit Kampfhandlungen unterstützen, ein neues Berufsbild, das Züge von Soldat und Söldner vereinigt.
Die heute im 21. Jahrhundert bestehenden privaten Sicherheits- und Militärunternehmen können entgegen der gängigen Medienpraxis durchaus als Söldnerunternehmen bezeichnet werden, da ihre Mitarbeiter zwar nicht direkt von Streitkräften, sondern von der Regierung beschäftigt oder angeworben werden, ihre Verwendung aber durchaus den Tätigkeiten entspricht, die die Genfer Konvention unter Art. 47 zusammenfasst.
Im 20. Jahrhundert waren Söldner hauptsächlich in die Konflikte auf demafrikanischen Kontinent eingebunden. Die Söldner wurden als inoffizielle Hilfstruppen in der Regel von Westmächten für den Kampf gegen den Kommunismus eingesetzt, die sich selbst nicht offiziell in die Angelegenheit der betroffenen Staaten einmischen konnten oder wollten. Häufig wurden Männer aus Europa und Amerika angeworben, die nach „Abenteuern“ suchten, und in Kämpfe geschickt, bei denen klar war, dass sie nicht überleben würden und daher auch nicht bezahlt zu werden brauchten.
Außerdem gab es viele ehemaligeFremdenlegionäre, die es nach ihrem Dienst für Frankreich nach Afrika verschlug, und die sich dort einen neuen Arbeitgeber suchten. Ebenso gab es in Afrika Söldner, die als militärische Wachleute für große Gold- und Diamantenminen arbeiteten oder in denApartheidskonflikten kämpften.
Der bekannteste in Afrika tätige Söldner war der FranzoseBob Denard, der ab den sechziger Jahren in zahlreiche Bürgerkriege undPutschversuche verwickelt war. Große Bekanntheit erlangte auch der irische OffizierMike Hoare, dessen Söldnertruppe 5th Commando als geschlossener Verband einer regulären Einheit gleichgestellt für die kongolesische Armee im Einsatz war. Einen Höhepunkt der Söldneraktivität in Afrika stellte dieBesetzung von Bukavu durch eine Gruppe Söldner unter der Führung des BelgiersJean Schramme dar, mit der der verhaftete RebellenführerMoïse Tschombé freigepresst werden sollte.
Söldner waren seit den Kämpfen, die 1960 infolge derUnabhängigkeit des Kongo ausbrachen, in einer Reihe von Bürgerkriegen in Afrika im Einsatz. Franzosen, Briten und Staatsangehörige aus anderen europäischen Ländern kämpften beispielsweise in denStreitkräften Biafras imBiafra, Angola und auf denSeychellen. Die Söldner kämpften für die, die am meisten zahlten, und erwiesen sich in den ohnehin schon blutigen und erbittert geführten Bürgerkriegen oft als besonders grausam. Einige behaupteten, sie führten einen Kreuzzug gegen den von Kuba und der Sowjetunion unterstützten Kommunismus in Afrika; andere verdingten sich, weil sie den Nervenkitzel liebten, wieder andere, weil sie sonst keine Beschäftigung fanden.
Der berühmteste Söldner imangolanischen Bürgerkrieg war ein Mann ausZypern namensKostas Georgiou. Er hatte im1. britischen Fallschirmjägerregiment gedient und wurde wegen eines Überfalls auf ein Postamt in Nordirland unehrenhaft entlassen. Georgiou, bekannt als „Colonel Callan“, wurde von derFNLA (Volksbefreiungsfront in Angola unter der Führung von Holden Roberto, der auch vom US-GeheimdienstCIA über Zaire unterstützt wurde) zusammen mit einer Truppe britischer, amerikanischer und holländischer Söldner von der CIA rekrutiert. Angeblich brachte er Spione und Deserteure eigenhändig um und terrorisierte die Männer unter seinem Kommando, die selbst ungehindert mit Gewalt und Folter gegen Soldaten und Zivilisten vorgingen. Im Verlauf eines Selbstmordkommandos gegen eine wesentlich stärkerekubanische Brigade wurde er verwundet und später gefangen genommen. Die kommunistischeMPLA (kommunistische Volksbefreiungsbewegung für Angola) wollte die Verbrechen der Söldner publik machen und brachte zehn Briten und drei US-Amerikaner inLuanda vor Gericht. Sie wurden beschuldigt, bezahlte Attentäter zu sein. Kostas Georgiou alias Callan und drei andere wurden am 10. Juli 1976 durch ein Exekutionskommando getötet. Der Prozess in Angolas Hauptstadt und die Brutalitäten, die dabei zur Sprache kamen, zogen die Aufmerksamkeit der Medien auf sich und lösten eine allgemeine Empörung über Söldner und all jene aus, die in diesem Geschäft tätig waren.
Als derVietnamkrieg endete, schlossen sich viele amerikanischeVeteranen zu privaten Sicherheitsunternehmen zusammen. Sie schmuggelten und verkauften Waffen und Drogen ausFernost und begannen die Schlachtfelder der Welt, häufig unter dem Deckmantel derCIA, als lukrative Einnahmequelle anzusehen. Zu den bekannterenprivaten Sicherheits- und Militärunternehmen (PMC) der heutigen Zeit gehörenSandline International, eine britischeparamilitärische Einheit, undExecutive Outcomes, ein privates Unternehmen, das ehemalige Mitglieder dersüdafrikanischen Armee anheuerte. Beide Sicherheitsunternehmen, wie sich derartige Organisationen selbst nennen, wurden schließlich aufgelöst, weil ihre Mitglieder zu oft im Zentrum von Ermittlungen standen und ihre Einsätze ins Kreuzfeuer der Kritik gerieten. Ihre Definition als Söldner ist allerdings umstritten.[14]
Es ist bekannt, dass in denJugoslawienkriegen der 1990er Jahre Söldner direkt nach ihrer Ankunft am Bahnhof von Sarajevo angeheuert wurden. Viele von ihnen waren Soldaten aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks[15], die nach dem Zerfall der Sowjetunion und den politischen Umwälzungen in Osteuropa keine Arbeit gefunden hatten. Außerdem kämpften in den Balkan-Kriegen auch Soldaten aus anderen europäischen Staaten[16][17]. Viele Extremisten[18][19], arbeitslose Ex-Soldaten und Abenteurer[20][21] kämpften auf beiden Seiten als Söldner. Viele dieser Söldner wurden paramilitärischen Gruppen zugeteilt, die die regulären Armeen beider Seiten militärisch unterstützen sollten. Nach Angaben einerUN-Expertenkommission operierten1994 auf dem Gebiet des ehemaligenJugoslawiens 83paramilitärische Gruppen mit einer Gesamtstärke von 36.000 bis 66.000 Kämpfern.[22]
„In der Heimat waren wir arbeitslos, hier werden wir als Helden angesehen.“
–unbekannter Balkan-Söldner
„Ich erzähl dir mal etwas über Freundschaften im Söldnergeschäft. Es gibt sehr nette Kerle, mit denen man durch dick und dünn gehen kann, wirklich nette Jungs. Wenn du sie unter großen Druck setzt, ich meine wirklich sehr großen Druck, der sie bis aufs Äußerste belastet, so dass sie meinen, sie müssten am nächsten Tag sterben, dann musst du mal beobachten, wie sich ihr Charakter verändert. Du wirst sehen, dass aus diesen echten Kerlen richtige Teufel werden können, denen jedes Mittel recht ist.“
–Karl Penta, englischer Söldner 1991 im Balkan:WDR-Dokumentation: Warheads
Im Irak waren im Jahr 2008 rund 20.000 Söldner im Auftrag der britischen und US-Regierung beschäftigt – darunter auch deutsche Ex-Soldaten und ehemalige Polizisten.[23]
Contractors hingegen sind nicht in militärischen Aufträgen tätig, sondern als Privatfirmen im In- und Ausland im Einsatz beispielsweise zur Umsetzung von Regierungsaufträgen u. a. von Hilfsprojekten oder für die Wartung von Flugzeugen, Hubschraubern oder der Kommunikation. Das US-Verteidigungsministerium beschäftigte 2016 rund 30.455 Contractors inAfghanistan, davon 10.151 aus den USA und 13.700 aus Afghanistan selber.[24]
Im Falle der russischen SöldnertruppeGruppe Wagner erwies sich auch aufgrund der Tatsache, dass eine solche Truppe nach russischem Recht bis 2017 verboten war, eine Unterscheidung zwischen offiziellem Militär und Privaten in Auftrag des Staats als schwierig, da es sich im Falle von Wagner um einen verdeckt handelnden Söldnertrupp handelt.[25] Zudem wurden Militäraktionen der Truppe in Syrien auch der eigenen Kontrolle und kommerziellen Ausbeutung von Ölfeldern zugeordnet.[26]
Wie demPiraten haftet dem Söldner ein Ruf von Abenteuer, Geheimnis und Gefahr an. Ein gutes Beispiel sind das Buch und der FilmDie Hunde des Krieges, in denen es um eine fiktive Söldner-Operation im Afrika der 1970er Jahre geht.
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