São Tomé und Príncipe ist nach denSeychellen der zweitkleinste Staat Afrikas. Die beiden namensgebenden Inseln liegen zwischen den zuÄquatorialguinea gehörenden InselnBioko undAnnobón.
Über 90 Prozent der Einwohner leben auf der südlichen, größeren InselSão Tomé, die 48 Kilometer lang und 32 Kilometer breit ist. Sie ist die gebirgigere der beiden Inseln. Die höchste Erhebung beträgt 2024 Meter. Auf São Tomé liegt die gleichnamige Hauptstadt. Die nördlichere, kleinere InselPríncipe ist etwa 16 Kilometer lang und sechs Kilometer breit; ihre höchste Erhebung misst 927 Meter.
Beide Inseln sind Teil einer entlang derKamerunlinie durchvulkanische Aktivitäten entstandenen Gebirgskette, die sich auf dem afrikanischen Kontinent inKamerun fortsetzt. In São Tomé und Príncipe sind die Vulkane nicht mehr aktiv. DerPico Cão Grande ist das Naturwahrzeichen der Insel, er ist einVulkan-Härtling mit 663 m Höhe.
Die südliche Spitze São Tomés liegt nur zwei Kilometer nördlich desÄquators, die zugehörige InselRolas wird vom Äquator direkt überquert.
In São Tomé und Príncipe herrscht durch die gebirgige Topographie beeinflusstes heißes und feuchtestropisches Klima mitRegen- undTrockenzeit. Die Temperatur weist kaum jahreszeitliche Schwankungen auf; die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt an der Küste 28 °C, im Landesinnern 20 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge reicht von 1000 mm im nördlichen Tiefland bis zu 5000 mm an den südwestlichen Gebirgshängen. Die Regenzeit währt von Oktober bis Mai.
Auf den Inseln gibt es eine Vielzahl vonVogelarten sowie Frösche, Schlangen und Chamäleons. Im Nationalpark Obo auf Príncipe gibt es außerdem große Bestände desGraupapageis.
Bevölkerungspyramide von São Tomé und Príncipe (2020)
São Tomé und Príncipe hatte 2020 219.000 Einwohner.[8] Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 1,9 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 30,8 pro 1000 Einwohner[9] vs. Sterbeziffer: 4,7 pro 1000 Einwohner[10]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 3,8.[11]
Bei den Erwachsenen sind dieAnalphabeten deutlich in der Minderheit. Ihr Anteil beträgt 12,1 % (2009). Die Hälfte der Lehrer des Landes ist unterqualifiziert. São Tomé und Príncipe hat Hochschulen, darunter mit der 2014 eröffnetenUniversidade de São Tomé e Príncipe auch eine staatliche Universität.[15] Es gibt ein Ausbildungszentrum für Landwirtschaft, dasCentro de Aperfeiçoamento Técnico Agro-Pecuário. 98 % der Mädchen und 97 % der Jungen besuchen eineGrundschule, der Anteil der Kinder, die eineweiterführende Schule besuchen, liegt bei 38 %. Durch mehrere staatlich finanzierteFörderprogramme soll der Bildungsstandard in dem Inselstaat angehoben werden. Infolgedessen sind erste Erfolge zu verzeichnen. Beispielsweise stieg die Ausbildungsquote bei jungen Männern. Ein Problem des Bildungssystems ist die hohe Anzahl an Mädchen, die die Schule abbrechen. Die Regierung des Landes versucht mit Partnerorganisationen, wie beispielsweise dem Roten Kreuz, diesen sozialen Problemen entgegenzuwirken.[16]
Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 7,8 % des Bruttoinlandsprodukts.[17] Im Jahr 2019 praktizierten in São Tomé und Príncipe ca. 4,9 Ärzte je 10.000 Einwohner.[18] Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 14,5 pro 1000 Lebendgeburten.[19] DieLebenserwartung der Einwohner São Tomé und Príncipes ab der Geburt lag 2022 bei 68,8 Jahren[20] (Frauen: 71,9[21], Männer: 66,1[22]). Die Lebenserwartung stieg von 61,7 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 12 %.[20]
Als Entdecker der Inseln gilt derportugiesische SeefahrerJoão de Santarém. Dieser stand in Diensten des KaufmannsFernão Gomes, welcher vom portugiesischen KönigAlfons V. das Recht erworben hatte, auf eigene Kosten jährlich 100Léguas afrikanischer Küste im Namen der portugiesischen Krone zu erkunden. Am 21. Dezember 1471 entdeckte erSão Tomé und am 17. Januar 1472Santo António (oder auchAntão); letztere Insel wurde 1502 inPríncipe umbenannt.
1485 erfolgte die Gründung der ersten portugiesischen Niederlassung. Einerseits dienten die Inseln als Umschlagplatz für denSklavenhandel zwischen Afrika, Portugal, Brasilien und den karibischen Inseln, andererseits siedelte Portugal von derInquisition ausgewiesene portugiesischeJuden und Strafgefangene hierhin um. 1572 wurde São Tomé und im Folgejahr dann auch Príncipe direkt der portugiesischen Krone unterstellt. In der Folgezeit bildete sich einePlantagenwirtschaft mit wechselndenMonokulturen aus, zunächst im 16. bis 18. JahrhundertZuckerrohr, dann in der ersten Hälfte des 19. JahrhundertsKaffee und schließlich seit etwa 1850Kakao; Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Inseln sogar der größte Kakaoproduzent der Welt.[23]
Am 13. August 1913 wurde von Deutschland und England ein Vertrag unterzeichnet, wonach die beiden Inseln bei einer Zahlungsunfähigkeit Portugals als Entschädigung für Deutschland demdeutschen Kolonialreich einverleibt werden sollten. Durch den Verlust der deutschen Kolonien imFriedensvertrag von Versailles 1919 wurde auch der deutsch-englische Vertrag von 1913 hinfällig.[24]
Mit der Gründung verschiedener Befreiungsbewegungen außerhalb des Landes begann das Ende der Kolonialzeit. InGhana wurde 1960 dasComité de Libertaçao de São Tomé e Príncipe (CLSTP) als Vorläufer derMovimento de Libertação de São Tomé e Príncipe (MLSTP) (ab 1972) gegründet. 1974, nach derNelkenrevolution in Portugal, wurde die MLSTP als legitime Vertretung anerkannt, was schließlich zur Entlassung in dieUnabhängigkeit am 12. Juli 1975 führte. Die MLSTP beherrschte das Land als Einheitspartei die ersten 15 Jahre nach dem Ende der Kolonialzeit.[25]
1991 wurdeMiguel Trovoada zum Präsidenten des Landes gewählt. 1995 kam es zu einemPutsch; die folgenden Regierungen erwiesen sich als relativ instabil.
Am 5. Januar 1999 wurdeGuilherme Posser da Costa zum Ministerpräsidenten ernannt. Allerdings brachtenKorruptionsskandale, in denen gefälschte Schatzbriefe im Wert von 500 Mio. US-Dollar die Hauptrolle spielten, die Regierung schnell in Bedrängnis. Im März 1999 traten der Finanzminister sowie der Präsident der Zentralbank zurück.
Am 16. Juli 2003 kam es zu einem Militärputsch unter Führung von Major Fernando Pereira. Der Präsident Fradique de Menezes befand sich zu dieser Zeit auf Staatsbesuch inNigeria, daher nahmen die Putschisten nur die Premierministerin sowie einige andere Minister fest und kündigten schon am nächsten Tag eine Übergangsregierung und Neuwahlen an. Als Grund für den Putsch gaben sie die unsichere politische Lage auf der Insel an, die durch Ölfunde einige Jahre zuvor und die daraus resultierenden Streitereien entstanden war. Nach acht Tagen wurde der Militärputsch auf Druck der internationalen Gemeinschaft unblutig beendet. In einem „Memorandum of Understanding“ wurde eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung an wichtigen Regierungsentscheidungen zugestanden. Es kam zu einer Regierungsumbildung unter Verbleib der Premierministerin, aber Auswechslung von sieben Ministern.
Im September 2004 kam es erneut zu einer Regierungsumbildung nach einem Bestechungsskandal, in den die PremierministerinMaria das Neves und weitere Minister verwickelt waren. Im Juli 2006 wurde Präsident de Menezes wiedergewählt.[26]
Die Präsidentschaftswahlen des Jahres 2011 gewannManuel Pinto da Costa in der Stichwahl vom 7. August 2011. Er übernahm sein neues Amt am 3. September 2011. Pinto da Costa diente bereits früher als Staatspräsident. Er trat zur Stichwahl der nächsten Wahl am 7. August 2016 nicht an, wodurchEvaristo Carvalho als verbliebener Kandidat gewann. 2021 löste Guilherme Posser da CostaCarlos Vila Nova ab.
Am 25. November 2022 kam es zu einem Putschversuch, der niedergeschlagen wurde, in diesem Zusammenhang wurde der Präsident der Nationalversammlung, Delfim Neves, verhaftet.[27]
Die parlamentarischeRepublik besteht seit der Unabhängigkeit 1975 mit einer Verfassung von 1990.
Staatsoberhaupt ist der Präsident, der alle fünf Jahre direkt gewählt wird und einmal wiedergewählt werden darf. Bei den Wahlen am 7. August 2016 setzte sich Evaristo Carvalho von der Partei ADI gegen den Amtsinhaber Manuel Pinto da Costa durch. Carvalho führte bereits im ersten Wahlgang mit großem Vorsprung gegen den Amtsinhaber. Dieser boykottierte dann den zweiten Wahlgang, womit Carvalho ohne Gegenkandidat antrat.
Der Präsident ernennt den Premierminister unter Berücksichtigung der Mehrheiten im Parlament, also der Nationalversammlung (Assembleia Nacional de São Tomé e Príncipe). Dieses hat 55 Mitglieder und wird nach demVerhältniswahlrecht alle vier Jahre gewählt. Wahlberechtigt ist jeder Bürger ab 18 Jahren.
MLSTP-PSD (Movimento de Libertação – Partido Social Democrata) – 23 Sitze
PCD-GR (Partido de Convergência Democrática – Grupa de Reflexão) undMDFM–UDD (Movimento Democrático das Forças da Mudança undUnião dos Democratas para Cidadania e Desenvolvimento) – 5 Sitze
MCISTP (Movement of Independent Citizens of São Tomé and Príncipe) – 2 Sitze
Die ADI verpasste knapp die absolute Mehrheit und ging daher eine Koalition mit dem kleinen Parteienbündnis PCD-MDFM-UDD ein sowie der fast gleich starken MLSTP-PSD unter Führung vonJorge Bom Jesus, der dann zum Premierminister ernannt wurde. Damit gehörten 53 von 55 Abgeordneten Regierungsfraktionen an und nur zwei der Opposition. Vom 11. November 2022 bis zum 9. Januar 2025 warPatrice Trovoada von derADI, zum vierten Mal nach 2008, 2010–2012 und 2014–2018 Premierminister. Er ist der Sohn vonMiguel Trovoada, welcher von 1995 bis 2001 Präsident von São Tóme und Príncipe war. Seine NachfolgerinIlza Amado Vaz war vom 9. Januar 2025 bis zum 12. Januar 2025 Premierministerin.[28] Seit dem 12. Januar 2025 istAmérico Ramos Premierminister von São Tomé und Príncipe.[29]
São Tomé und Príncipe besteht aus sieben Distrikten:Água Grande,Cantagalo,Caué,Lembá,Lobata,Mé-Zóchi undPagué. Der Distrikt Pagué ist deckungsgleich mit der Autonomen Region Príncipe. Die übrigen sechs Distrikte liegen auf der Insel São Tomé.[30]
Der Staat unterhält Vertretungen in weltweit 19 Staaten, darunter sieben eigeneBotschaften (Äquatorialguinea, Angola, Gabun, Nigeria, Belgien/EU, Portugal, Vereinigte Staaten), der Rest sindHonorarkonsulate.
Zur ehemaligenKolonialmacht Portugal bestehen gute und enge Beziehungen. Auch die Beziehungen zu den Nachbarn imGolf von Guinea,Nigeria undÄquatorialguinea sind gut. Von besonderer Bedeutung sind dabei Fragen der Nutzung der Öl- und Gasreserven. Mit Nigeria besteht eine gemeinsame Wirtschaftszone zur Erschließung der Rohstoffvorkommen im Seegebiet zwischen beiden Ländern.
Im Jahr 2000 bezogen 15,3 % der Haushalte ihr Einkommen aus der Landwirtschaft, 36,5 % aus Industrie, Handel und Dienstleistungen sowie 11,5 % im öffentlichen Sektor.
Bedeutende natürliche Ressourcen sind außerdem weitere landwirtschaftliche Produkte, Fischerei und Erdölvorkommen, die derzeit noch nicht gefördert werden.
DieLandwirtschaft erwirtschaftete 14 % (neben Kakao ist die Erzeugung vonKokosnüssen,Kopra,Zimt,Pfeffer,Kaffee,Bananen,Bohnen,Vanille undGeflügel) des Bruttoinlandsprodukts. Die gesamte bewirtschaftete Fläche erstreckt sich über 484 Quadratkilometer.
Der Anteil derIndustrie am Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2009 15 %. Produziert bzw. verarbeitet werden unter anderem Hemden, Seife,Bier,Fische undKrabben sowiePalmöl.
AufDienstleistungen, vor allem denTourismus, entfielen im Jahr 2009 71 % des Bruttoinlandsprodukts. In den letzten Jahren unterstützt São Tomé und Príncipe verstärkt private Initiativen, den Tourismus zu entwickeln.[36]
Exporten im Wert von 14,0 Millionen Euro standen 2009 Importe im Wert von 93 Millionen Euro gegenüber. Importiert werden, unter anderem ausPortugal (43 %),Frankreich (16 %) undGroßbritannien (14 %), Nahrungsmittel und lebende Tiere, Brennstoffe sowie Kapitalgüter. Wichtigste Exportländer sind Portugal, dieNiederlande,Spanien,Deutschland und dieVolksrepublik China.
São Tomé und Príncipe wies im Jahr 2009 per Saldo keine Verschuldung gegenüber dem Ausland auf (siehe dazu weiter unten: Erdöl), nachdem die Auslandsverschuldung 2002 noch 318 Mio. US-Dollar betragen hatte. São Tomé und PríncipesBruttoinlandsprodukt gehört zu den kleinsten der Welt und betrug 2016 ca. 350 Mio. US-Dollar; das Bruttoinlandsprodukt 2016 pro Einwohner lag bei etwa 1800 US-Dollar. Die Inflationsrate belief sich 2018 auf 7,9 %.[37]
Durch den Verkauf von Offshore-Erdölbohrkonzessionen in der mit Nigeria gemeinsam verwalteten Joint Development Zone (JDZ) erzielen São Tomé und Príncipe 40 % der Einkünfte, während Nigeria 60 % erhält.
In den 1990er-Jahren vermuteten Geologen ca. elf Milliarden Barrel Öl[38]unter und um die Inseln. Für Journalisten und Wissenschaftler – soBartholomäus Grill inDie Zeit im Jahre 2003 – gilt der Inselstaat als„schwarzesBrunei“ oder „zweitesKuwait“ und verfügt über vier MilliardenBarrelÖlreserven.[39]LautGerman Institute for Global and Area Studies wurde bis 2006 in der Tiefsee von São Tomé und Príncipe Erdöl von bis zu einer Milliarde Barrel nachgewiesen.[40]
2003 bot der KonzernChevron einen Vorschuss von 49,2 Millionen Dollar, um dieExplorationsblöcke zu untersuchen. Auch der ÖlkonzernTotal meldete Rechte für den ersten von neun Explorationsblöcken an. Dennoch wurden keine Testbohrungen durchgeführt, da der Konzern an dem Erfolg zweifelte.
Für die Zukunft wird Off-Shore-Förderung von Erdöl und Erdgas erwartet. Die geostrategische Lage inWestafrika, das als Zukunft der Bohrstätten gilt, hat unter Umständen zum ersten ölpolitischen Wettrennen zwischen derVolksrepublik China und denUSA geführt. Beide bemühen sich zurzeit verstärkt diplomatisch um Explorations- und Bohrrechte für nahestehende Firmen. In diesem Zusammenhang scheinen die USA daran interessiert, auf São Tomé einenMarinestützpunkt zu errichten.
São Tomé und Príncipe ist kein Mitglied derWelthandelsorganisation (WTO), verfügt aber über einen Beobachterstatus und hat einen Beitrittsantrag gestellt.[41]
Währung des Inselstaats ist seit 1977 derDobra (Db), welcher im Verhältnis 1 EUR = 24,5 STN fest an denEuro gekoppelt ist.
DerStaatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 127 MillionenUS-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 109 Millionen US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich einHaushaltsdefizit in Höhe von 5 % desBIP.[43]
São Tomé verfügt über einen internationalen Flughafen,Aeroporto International de São Tomé, der aus dem Ausland nur von portugiesischen, gabunischen und angolanischen Fluggesellschaften angeflogen wird und Verbindungen nachLibreville,Luanda,Lissabon,Malabo undAccra anbietet. Die kleine StaatslinieSTP-São Tomé Airways verfügt nur über ein Flugzeug und verbindet die beiden Inseln miteinander. Die wenigen Auslandsflüge übernehmen portugiesische Partner.
Tchiloli, die traditionelle Aufführung der „Tragödie des Marquis von Mantua und Kaiser Karl des Großen“ vor der Kirche São Pedrão de São Tomé anlässlich des Patronatsfestes
In derFolklore von São Tomé und Príncipe ragen zweiRenaissance-Dramen aus dem16. Jahrhundert hervor:São Lourenço (benannt nach dem Gedenktag dieses Heiligen), das identisch ist mit demAuto da Floripes[44], das noch heute im Dorf Neves beiViana do Castelo aufgeführt wird, und „Die Tragödie des Markgrafen von Mantua und Prinz Karl des Großen“, lokalTchiloli genannt.
Tchiloli entwickelte sich zu einer beliebten Theater-, Musik- und Tanzform mit einem einzigen Stück als Repertoire, das unter freiem Himmel von Fischern und Bauern aufgeführt wird. Es wurde im Jahr 2025 in dieUNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.[45]
Bis heute ist die Literaturlandschaft in São Tomé und Príncipe von schwierigen Bedingungen geprägt. Verlage sind rar, zudem existieren in der Republik selbst keine Buchdruckereien. So werden die Autoren häufig in anderen portugiesischsprachigen Ländern wie Portugal und Angola verlegt.
Francisco Stockler (Fâchiku Stockler, 1834–1881) verwendete das são-tomesische Kreolisch (forro) in der Lyrik; es setzte sich jedoch nicht als Schriftsprache durch.
Der von der Insel Príncipe stammende LandbesitzerMarcelo da Veiga (1892–1976) nahm in seinem Werk als erster regelmäßig Bezug auf seine schwarze Hautfarbe und auf São Tomés und Príncipes Situation als Kolonie und Insel. Diese ersten Anzeichen einesNationalbewusstseins auf São Tomé und Príncipe kamen später imneorealistisch geprägten Werk vonFrancisco José Tenreiro (1921–1963) zur vollen Blüte. Von Bedeutung für die Manifestation einer são-toméischen Literatur, als Zeichen eines erwachten Nationalbewusstseins, wurde insbesondere die 1963 von derCasa dos Estudantes do Império in Lissabon veröffentlichteAnthologiePoetas de São Tomé e Príncipe. Die DichterinnenMaria Manuela Margarido (1925–2007) undAlda Espírito Santo (1926–2010) gehörten neben Tenreiro zu den bedeutendsten Namen dieser Phase.
ErsterRoman aus São Tomé war 1937Maiá Poçon vonViana de Almeida (1903–?). Als bedeutendster Romanautor São Tomé und Príncipes gilt jedoch der neorealistisch geprägteSum Marky (1921–2003) seit seinem RomanO Vale das Ilusões von 1956. InNo Altar da Lei (1960) und inVila Flogá (1963) etwa thematisierte er dasBatepá-Massaker im Jahr 1953, als Gutsbesitzer staatliche Repressionen aufgriffen und eine Welle der Gewalt gegen die schwarze Bevölkerungsmehrheit in São Tomé und Príncipe auslösten. Das Thema der kolonialen Unterdrückung nahm er auch in seinem letzten RomanCrónicas de uma Guerra Iventada (2001) wieder auf.
Die Zeit nach der Unabhängigkeit 1975 zeichnete sich durch wenig literarische Aktivität in São Tomé und Príncipe aus. Nach zwei politisch-soziologisch motivierten, literarisch wenig ambitionierten Gedichtsammlungen in den Jahren 1977 und dem 1979 veröffentlichten, literarisch ebenfalls wenig relevanten BandÉ Nosso o Solo Sagradao da Terra von Alda Espírito Santo erschienen erst zum Ende der 1980er wieder nennenswerte Werke. Lyriker wieFernando de Macedo,Maria Olinda Beja oderFrancisco Costa Alegre sind darunter zu nennen. WährendSacramento Neto als produktivster Romanautor der Inselrepublik gilt, zeichnet sich das Werk vonAíto Bonfim (Ângelo de Jesus Bonfim) vor allem durch seine Vielfalt an Themen und Formen aus.[46]
Auch der portugiesische AutorRuy Cinatti (1915–1986) schrieb häufig über são-toméische Themen. Der junge LyrikerTome Nicolau ist in den sozialen Netzwerken wieFacebook oderYouTube mit seiner Lyrik tätig und trat in Portugal aufPoetry-Slams auf.
Seit 2011 entwickelt sich dassão-toméische Kino. International bekannteste Person der são-toméischen Filmschaffenden ist der SchauspielerÂngelo Torres (* 1968), der insbesondere als Schauspieler desPortugiesischen Kinos bekannt ist. Teilweise werden auch internationale Produktionen in São Tomé gedreht, so zum Beispiel 2015Vor der Morgenröte.[47]
↑Isabel Castro Henriques:São Tomé e Príncipe: A invenção de uma sociedade. Lissabon: Vega 2000.
↑Michael Fröhlich:Imperialismus – Deutsche Kolonial- und Weltpolitik 1880–1914. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994,ISBN 3-423-04509-4, S. 123.
↑Tony Hodges & Malyn Newitt,São Tomé e Príncipe: From plantation colony to microstate, London: Westview, 1988.
↑Die wichtigste Quelle für die ersten nachkolonialen Jahrzehnte ist Gerhard Seibert,Comrades, Clients and Cousins: Colonialism, Socialism and Democratization in São Tomé and Príncipe, Leiden: Brill, 2006.