
DerRumi-Kalender (türkischRumi Takvim‚römischer Kalender‘) ist ein auf demjulianischen Kalender basierender, mit derHidschra, der AuswanderungMohammeds vonMekka nachMedina im Jahr 622, beginnenderSolarkalender. Er wurde während derTanzimat-Periode eingeführt und war von 1840 bis 1926 imOsmanischen Reich und derRepublik Türkei gültig. Bei nichtamtlichen Angelegenheiten wurde weiterhin derHidschra-Kalender genutzt. Weil sowohl der Rumi-Kalender als auch der islamische Kalender ihre Jahre nach der Hidschra datieren, gibt es mitunter Datierungsfehler, indem irrtümlich Datumsangaben nach dem Rumi-Kalender als solche nach dem islamischen Kalender interpretiert werden[1]. Die Jahreszahlen für dasselbe Datum können nämlich aufgrund der unterschiedlichen Jahreslänge bis zu 2 Jahre differieren (siehe auch das abgebildete Kalenderblatt).
| Osmanisch | Deutsch |
|---|---|
| مارتMart | März |
| نيسانNisan | April |
| مايسMayıs | Mai |
| حزيرانHaziran | Juni |
| تموزTemmuz | Juli |
| اغستوسAğustos | August |
| ايلولEylûl | September |
| تشرين اولTeşrin-i Evvel | Oktober |
| تشرين ثانیTeşrin-i Sânî | November |
| كانون اولKânûn-ı Evvel | Dezember |
| كانون ثانیKânûn-ı Sânî | Januar |
| شباطŞubat | Februar |
Wie in den meisten islamischen Ländern wurde auch im osmanischen Reich seit jeher für Finanzzwecke ein Sonnenkalender, derjulianische Kalender, neben dem offiziellenislamischen Kalender verwendet. Die Staatseinnahmen beruhten nämlich hauptsächlich auf Abgaben auf die landwirtschaftliche Produktion, die jahreszeitlich gebunden war. Die Ausgaben, soweit kalendermäßig fixiert, wie etwa Soldzahlungen, erfolgten nach dem islamischen Kalender. Nachdem auch für den julianischen Kalender die Jahreszählung nach derHidschra verwendet wurde, ergaben sich aus der unterschiedlichen Jahreslänge von julianischem und islamischem Kalender Synchronisationsprobleme. Zu deren Behebung wurde im Jahr 1677 ein Vorschlag des Obersten Finanzdirektors Hasan Pascha umgesetzt, nach dem man ab diesem Zeitpunkt in der Jahreszählung des julianischen Kalenders alle 33 Jahre ein Jahr überspringen sollte, um die Differenz zwischen Hidschra- und julianischem Kalender auszugleichen. Um die Inkonsistenz zu vermeiden, die mit einem solchen ausgefallenen Jahr verbunden war, wurde 1740 der Jahresanfang auf Anordnung des Finanzdirektors Atıf Efendi vom September auf den März vorverlegt, um den Jahresbeginn des julianischen Jahres mit demMuharram, dem ersten Monat des islamischen Kalenders, zu synchronisieren.
Am 13. März 1840 wurde der julianische Kalender, der bis zu diesem Zeitpunkt nur in Finanzsachen verwendet wurde (سنهٔ مالیه /sene-i mâliye / ‚Finanzjahr‘), im Rahmen der Tanzimat-Periode alsRumi-Kalender auch für den amtlichen Bereich eingeführt. Von da an bestand zwischen der Jahreszählung des Rumikalenders und der derchristlichen Zeitrechnung eine dauernde Differenz von 585 Jahren im Januar sowie Februar und 584 Jahren für die übrigen Daten, weil es 1871 unterlassen wurde, wieder ein Jahr in der Zählung auszulassen.
Am 1. März 1917 wurde der Rumi-Kalender vom julianischen auf den gregorianischen Kalender umgestellt. Auf den 15. Februar 1332 (julianische Hidschra-Zählung) folgte durch Auslassung von 13 Tagen der 1. März 1333 (1917). Weiterhin verlegte man den Jahresanfang auf den 1. Januar. Somit verliefen von da an die Jahre beider Kalender mit einer Differenz von 584 Jahren vollständig parallel.
Mit dem Gesetz Nr. 698[2] wurde Anfang 1926 der gregorianische Kalender als sogenannter „Internationaler Kalender“ (osmanischبین الملل تقویمbeynelmilel takvim) eingeführt. Dabei wurden die Monatsnamen des Rumi-Kalenders übernommen.
Anfang 1945 wurden die MonatsnamenTeşrin-i Evvel,Teşrin-i Sânî,Kânûn-ı Evvel undKânûn-ı Sânî per Gesetz Nr. 4696[3] im Sinne derTurkisierung der Sprache inEkim,Kasım,Aralık undOcak umgeändert.