Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes stammt von 826. Das Dorf Rothbach war ursprünglich Reichsgut.[1] 1280 kauften dieHerren von Lichtenberg das Dorf von Eberhard von Ettendorf.[2] Es gehörte zunächst zumAmt Buchsweiler derHerrschaft Lichtenberg. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde das Amt Buchsweiler um 1330 geteilt und dasAmt Ingweiler ausgegliedert. Rothbach wurde dem Amt Ingweiler zugeschlagen. Anlass dafür kann die Landesteilung gewesen sein, die um 1330 zwischenJohann II. von Lichtenberg, aus der älteren Linie des Hauses, undLudwig III. von Lichtenberg stattfand. Dabei fiel Rothbach in den Teil des Besitzes, der künftig von der älteren Linie verwaltet wurde[3] oder an die mittlere Linie des Hauses[4] – die Angaben sind hier widersprüchlich. 1480 verstarb mit Graf Jakob das letzte männliche Mitglied der Familie derer von Lichtenberg und dessen Erbe und die Herrschaft wurde geteilt. Das Amt Ingweiler gehörte zu dem Teil des Erbes, der anZweibrücken-Bitsch fiel.[5] Zweibrücken-Bitsch gliederte den Ort letztendlich in seineHerrschaft Oberbonn ein.
Von Zweibrücken-Bitsch gelangte die Herrschaft Oberbonn – und mit ihr Rothbach – 1551 als Mitgift anlässlich der Heirat der Amelie von Zweibrücken-Bitsch mit Philipp I. vonLeiningen-Westerburg an diese Familie.[6] In Nachfolge der Leininger wurden dieLandgrafen von Hessen-Homburg und zu einem geringeren Teil die schwedische Adelsfamilie derFreiherren von Sinclair im 17. Jahrhundert Herren der Herrschaft Oberbronn. Durch dieReunionspolitik Frankreichs fielen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch die Herrschaft Oberbronn und das Dorf Rothbach unter französische Oberhoheit. Der hessen-homburgische Teil ging in der Mitte des 18. Jahrhunderts an die FamilieHohenlohe-Waldenburg-Bartenstein über, der Sinclair’sche Anteil an die ebenfalls schwedisch stämmige Familie derer vonLewenhaupt.[7] Hohenlohe musste die Herrschaft 1793 an Frankreich abtreten und wurde dafür später mit Gebieten dessäkularisiertenBistums Würzburg abgefunden.[8] In den Verwaltungsreformen in Folge derFranzösischen Revolution wurde die Herrschaft Oberbronn aufgelöst. Rothbach war nun französisch.
Untertageabbau von VogesensandsteinSchrämmaschine mit Kettensäge
Schon seit Jahrhunderten wird in Rothbach roterVogesen-Sandstein abgebaut, der früher nicht nur als Baumaterial, sondern auch alsSchleifstein für dieIndustrie zum Einsatz kam. Nach demZweiten Weltkrieg wurde der Abbau vorübergehend eingestellt, bis Charles Loegel 1964 die Grundlagen für die heute noch existierendeCarrière Loegel Rothbach (Steinbruch Loegel Rothbach) schuf, in dem der Sandstein mit einem patentierten Wasserstrahl-Verfahren (Loegel-Düse) geschnitten wird. Seit 2012 wird der Sandstein nur noch unter Tage in fünfzig Meter tiefen Galerien abgebaut. Das erfolgt mitSchrämmaschinen, deren überdimensionale Kettensägen mit Schneidkörpern aus Hartmetall und synthetischen Diamanten bestückt sind.[9]
Le Patrimoine des Communes du Bas-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Charenton-le-Pont 1999,ISBN 2-84234-055-8, S. 895–897.
Fritz Eyer:Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts. In:Schriften derErwin-von-Steinbach-Stiftung. 2. Auflage.Band10. Pfaehler, Bad Neustadt an der Saale 1985,ISBN 3-922923-31-3 (268 Seiten, Im Text unverändert, um eine Einführung erweiterter Nachdruck der Ausgabe Strassburg, Rhenus-Verlag, 1938).
Freddy Gutbub, Ernst Hallenberger:Rothbach – Histoire d’un village des Vosges du Nord / Geschichte eines Dorfes in den Nordvogesen. 1991,ISBN 2-9505842-0-9 (Bilingual: in französischer und deutscher Sprache)
Peter Karl Weber:Lichtenberg. Eine elsässische Herrschaft auf dem Weg zum Territorialstaat. Soziale Kosten politischer Innovation. Heidelberg 1993.
↑Oberbronn (Herrschaft). In:Gerhard Köbler:Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 2007,ISBN 978-3-406-54986-1, S. 481.