In den Handel kommen unter der Bezeichnung „Rosenkohl“, „Kohlsprossen“ bzw. „Sprossenkohl“ die abgeschnittenen Röschen, die eine grün-weiße Färbung und einen Durchmesser von 10 bis etwa 50 mm haben.
Rosenkohl ist einezweijährige Pflanze. Werden die Röschen nicht abgeerntet, dann treiben sie nach Überwinterung im Frühjahr zu Sprossen aus, die im Sommer Blüten tragen.[3][4][5]
Erste Belege für den Anbau von Rosenkohl werden datiert auf das Jahr 1587 in den damaligenSpanischen Niederlanden, dem heutigenBelgien.[6][7] Der französische Name istChoux de Bruxelles, der englischeBrussels sprouts. Im deutschsprachigen Raum wurde er als „Brüsseler Sprossen“ oder „Brüsseler Kohl“ bekannt. Ebenso geläufig sind auch die NamenBrabanter Kohl (oder auch nurBrabanter) undRosenwirsing.[8]
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Rosenkohl als Wintergemüse in ganz Europa beliebt und verbreitete sich auch in den Vereinigten Staaten. Heute wird Rosenkohl vor allem in denNiederlanden,Frankreich und imVereinigten Königreich angebaut.
Um bei Rosenkohl den Ertrag zu steigern, werden heute meistensCMS-Sorten (F1-Hybride) angebaut.[9] Als frühe Sorten bewährt haben sich unter anderem:Hossa,Predora undWilhelmsburger. Als späte Sorten:Boxer,Zitadell,Fortress,Harald,Ideal undIgor.
Kalettes sind als Neuzüchtung eine Kreuzung aus Rosenkohl undGrünkohl.
Je nach Sorte wird Rosenkohl von April bis Mai direkt in ein Saatbeet ins Freiland oder ins Frühbeet dünn verteilt ausgesät. Von Mitte Mai bis Ende Juni wird dann verpflanzt. Pflanzt man zu früh, bilden sich keine festen Röschen aus, bei zu später Pflanzung bleiben die Röschen recht klein. Die Pflanzenabstände liegen zwischen 60 × 40 und 70 × 60 cm. Die Jungpflanzen müssen tief eingepflanzt und gut angegossen werden.
HäufigesHacken fördert die Wurzelbildung und die Standfestigkeit der Pflanze. Im Herbst, während der Röschenbildung, muss besonders gut gewässert werden. Mitte September, wenn schon die ersten Röschen herangewachsen sind, kappt man die Triebspitze, damit die Röschen gleichmäßiger und stärker ausfallen. Faulende Knospen müssen regelmäßig entfernt werden. Gelbe Blätter werden ausgebrochen, die grünen Blätter lässt man jedoch am Strunk; sie schützen vorFrost.
Rosenkohl auf einem Feld in Heidelberg (Dezember 2011)
Frühsorten können ab September geerntet werden; die Haupterntezeit liegt jedoch im November und Dezember. Man pflückt die Röschen von unten nach oben vorsichtig vom Strunk ab. Rosenkohl ist in vielen Gebieten winterhart. In sehr kalten Gegenden überwintert man die ganzen Pflanzen in einem geschützten, schattigen Einschlag im Freien. Mehrmalige Fröste unter −10 °C schaden den Röschen sehr.
Gegen den Kohlweißling hat der Rosenkohl eine eigene Abwehrmaßnahme entwickelt. DerKohlweißling heftet seine Eier mithilfe eines Klebstoffes an die Blätter des Rosenkohls, um sicherzustellen, dass dieLarven genug Nahrung finden. Rezeptoren in den Blättern des Kohls erkennen dieses Bindemittel und lösen eine Reaktion aus, wodurch die Pflanze einen Duftstoff aussendet, derSchlupfwespen, die Feinde der Kohlweißlingsraupen, anlockt. Diese legen daraufhin ihre Eierparasitär in die Raupen des Kohlweißlings. Sobald die Larven schlüpfen, fressen diese die Kohlweißlingsraupen von innen heraus auf.[10]
Der früher für Rosenkohl typische bittere Geschmack durch die enthaltenenGlucosinolate wurde seit den 1990er Jahren weggezüchtet.[12]
Wie anderenKohlsorten wird auch Rosenkohl aufgrund seiner Inhaltsstoffe eine gesundheitliche Wirkung zugeschrieben.[13] In größeren Mengen gegessen neigt Rosenkohl wie auch andere Kohlsorten dazu,Blähungen zu verursachen.[14] Ursache dafür sind Zuckerverbindungen wie etwaStachyose, welche in den Pflanzen enthalten sind und erst imDickdarm abgebaut werden, wobei auch bestimmte Gase entstehen.
↑Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner, Ruth Esterhammer, Markus Gasser, Lorenz Hofer, Birte Kellermeier-Rehbein, Heinrich Löffler, Doris Mangott, Hans Moser, Robert Schläpfer, Michael Schloßmacher, Regula Schmidlin, Günter Vallaster:Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Berlin / New York: Walter de Gruyter, 2004; S. 424, 639.