Geburtshaus Reagans in der Bildmitte (2007)Ronald Reagan in einem Rettungsschwimmeranzug (1927)
Ronald Reagan stammte aus bescheidenen Verhältnissen, sein Vater Jack Reagan (1883–1941) war NachkommeirischerImmigranten. Ronald wurde im Haus111 Main Street in Tampico geboren, seine Mutter war Nelle Wilson Reagan (1883–1962). Nach derHigh School besuchte er dasEureka College inEureka, Illinois, welches mit derChristian Church (Disciples of Christ) verbunden ist. Reagan studierte dort neben Wirtschaftswissenschaften und Soziologie auch Theaterwissenschaften und erlangte 1932 den Abschluss.
AlsSportkommentator für die RundfunksenderWOC (AM) in Davenport und WHO (AM) inDes Moines kommentierte er in den 1930er JahrenBaseball-Spiele[3] nur anhand vonTickermeldungen. Als er dieChicago Cubs bei einer Reise nachKalifornien als Reporter begleitete, kam er zu einemCasting in Hollywood. 1937 erhielt Reagan vonWarner Brothers einen Siebenjahresvertrag als Schauspieler. Alleine bis zum Jahre 1939 drehte er 19 Filme.
Reagan in der Army Air Force
Während Reagan in kleineren Filmen Hauptrollen übernahm, spielte er in größeren Filmen meist Nebenrollen, etwa alsSidekick vonErrol Flynn inLand der Gottlosen undSabotageauftrag Berlin. Seine vielleicht beste Rolle hatte er im FilmdramaKings Row (1942) als wohlhabendesWaisenkind, das sein Vermögen und anschließend sein Bein bei einem Arbeitsunfall verliert.[4] Allerdings wurde er direkt nachKings Row im Rahmen derWehrpflicht in dieAir Force berufen, sodass ein positiver Karriereschub ausblieb. Häufig verkörperte Reagan elegante und respektable Persönlichkeiten mit festen Moralvorstellungen und Prinzipien. Er erarbeitete sich Anfang der 1950er Jahre mit Hauptrollen in einigen kleineren Western einen Ruf als „James Stewart für Arme“.[5] Daneben arbeitete er ebenfalls regelmäßig als Sprecher und Erzähler von Filmen, etwa beim oscarprämierten KurzfilmBeyond the Line of Duty.
Ab den 1950er Jahren war Reagan auch regelmäßig im zunehmend populären Fernsehen zu sehen. Er war von 1954 bis 1962 als Gastgeber in 260 Folgen der wöchentlichenAnthologie-SerieGeneral Electric Theater zu sehen, benannt nach dem ElektrokonzernGeneral Electric. In einer Episode aus dem Jahre 1954 spielte er zusammen mitJames Dean die Hauptrollen. Bis Mitte der 1960er Jahre wirkte er an rund 80 Film- und Fernsehproduktionen mit.
Von 1947 bis 1952 und von 1959 bis 1960 war er Präsident der SchauspielergewerkschaftScreen Actors Guild (SAG), was als Beginn seines politischen Engagements gewertet wird.
Am 2. August 1960 bekam er einen Stern auf demHollywood Walk of Fame in der Kategorie Fernsehen.
Ab 1947 war erInformant desFBI vor dem Hintergrund derMcCarthy-Ära und derzweiten Roten Angst, die von einer dezidiertantikommunistischen Stimmung gekennzeichnet war. Als Zeuge vor demKomitee für unamerikanische Umtriebe im November und Dezember des gleichen Jahres schilderte er zwar den aus seiner Sicht schädlichen Einfluss, den linke Kräfte auf dieFilmindustrie in Hollywood ausübten, er nannte jedoch keine Namen.[6] Zudem trat er in einer vielbeachteten Rede vor diesem Komitee gegen eine Verfolgung von Kommunisten ein. Vielmehr seien amerikanische Institutionen sehr wohl in der Lage, sich selbst erfolgreich gegen Unterwanderungsversuche zu wehren.
DerMCA-ChefLew Wasserman war ein großer Förderer der politischen Karriere von Reagan. Wasserman wurden auch Verbindungen zurMafia nachgesagt.[7][8] Während seiner Zeit als Präsident der Schauspielergewerkschaft SAG bevorzugte Reagan das damals größte Medienunternehmen MCA erheblich: Den Einrichtungen SAG der MCA 1952 erlaubte er vertraglich stillschweigend und exklusiv, zugleich alsKünstleragentur tätig als auchProduzent von Unterhaltung sein zu dürfen, beispielsweise von TV-Shows. Beide Funktionen waren bis dahin strikt getrennt, da die Interessen der Schauspieler und Produzenten teilweise gegenläufig sind. Durch diesen Vertrag konnte MCA sehr erfolgreich agieren. MCA, bei der auch Reagan unter Vertrag war, bedankte sich, indem sie ihm beispielsweise durch die Vermittlung von Engagements und Werbeauftritten immer wieder aus finanziellen Engpässen heraushalf. Im Jahr 1962 kam es zu einem Gerichtsprozess, bei dem auch Reagan wegen Korruption angeklagt war. Dieser berief sich mehrfach auf Gedächtnislücken und wurde letztlich aus Mangel an Beweisen freigesprochen. MCA musste die Trennung wiederherstellen und verkaufte die Künstleragentur. Nach Beginn seiner Amtszeit als US-Präsident wurden laufende Verfahren gegen die MCA eingestellt.[9][10][11]
Seine 1940 geschlossene erste Ehe mit dem FilmstarJane Wyman (1917–2007) endete 1948 mit der Scheidung. Von 1952 bis zu seinem Tod war er rund 52 Jahre mitNancy Davis,[12] geborene Anne Frances Robbins, (1921–2016) verheiratet, die kurzzeitig ebenfalls als Schauspielerin arbeitete. Nancy und Ronald Reagan standen auch gemeinsam vor der Kamera, so in den Hauptrollen des KriegsfilmesHellcats of the Navy (1957) vonNathan Juran.[13]
Als Reagans engster Freund galt der SchauspielerRobert Taylor, für den er 1969 die Grabrede hielt.
Reagan hat verschiedeneSpitznamen erhalten und gepflegt: „The Gipper“ bezieht sich auf eine Filmrolle aus dem Jahr 1940, in der er den Football-StarGeorge Gipp spielte. Der Spitzname „The Great Communicator“[14] bezog sich auf eine ihm zugeschriebene Fähigkeit, eine persönliche Beziehung zu den Bürgern aufzubauen und über sie seine politischen Anliegen zu kommunizieren. Ein persönlicher Kosename war „Dutch“, den er von seinem Vater erhielt und der später auch zum Titel von Edmund Morris‘ umstrittener Biografie „Dutch: A Memoir of Ronald Reagan“ wurde.[15]
1985 musste sich Reagan einer Darmkrebs-Operation unterziehen.[16]
General Electric und Hinwendung zum Konservatismus
Seine Moderation derAnthologie-SerieGeneral Electric Theater zwischen 1953 und 1962 brachte ihm weitere Beschäftigung als Konzernrepräsentant vonGeneral Electric (GE), die die Sendung sponserten. Reagan hielt innerhalb von sechs Jahren als Konzernrepräsentant zahlreiche Reden an die Belegschaft.[17]
Der Konzern hatte damals über 250.000 Angestellte in 40 Bundesstaaten. Reagans Vertrag beinhaltete die Pflicht, über aktuellen Klatsch und Tratsch von Hollywood zu sprechen – stattdessen aber reiste er durch die USA und sprach über freies Unternehmertum, Staatsmedizin und ein staatliches Rentensystem.[17] Über seine Reise durch die USA sagte Reagan:
„Da treffe ich nicht ‚die Massen‘, nicht irgendwelche ‚gewöhnlichen Leute‘, nein, ich treffe einzelne Menschen, jeder mit eigenen Hoffnungen und Träumen und einer stillen Zivilcourage, die dieses Land besser funktionieren lässt als jedes andere.“
In seiner Zeit bei GE wandelte sich Reagans politisches Auftreten drastisch. Er bekundete nun öffentlich, sich von einem Linken („liberal“) zu einem Konservativen gewandelt zu haben. Er sagte dazu:
„Nicht ich habe meine Partei verlassen, sie hat mich verlassen.“[17]
Reagan erklärte, seine politischen Ansichten hätten sich in seiner Zeit als Vorsitzender der Schauspielergewerkschaft geändert, als anlässlich einer Gewerkschaftssitzung während eines von Kommunisten initiierten Streiks in Kalifornien ein Funktionär erklärte, er würde die Verfassung derSowjetunion derjenigen der USA vorziehen[17] und im Falle eines Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion nicht für dieUnited States Army, sondern für dieRote Armee kämpfen.[18] In seinem letzten Jahr als Vorsitzender der SAG, als Drehbuchautoren und Schauspieler gemeinsam streikten, konnte Reagan in Verhandlungen mit den US-amerikanischen Filmstudios die Einführung von Krankenversicherungs- und Rentenbeitragszahlungen erwirken.[19]
Reagan wurde wegen seines politischen Engagements schließlich von GE entlassen, bekam aber zugleich das Angebot, weiter arbeiten zu können, vorausgesetzt, er beschränke sich künftig auf das Bewerben von GE-Produkten. Dies lehnte er ab.[17]
Ronald Reagan mit US-Senator und PräsidentschaftskandidatBarry Goldwater 1964
Reagan wurde 1962 Mitglied der Republikanischen Partei, nachdem er zuvor eher denDemokraten zugeneigt gewesen war. ImPräsidentschaftswahlkampf 1964 unterstützte Reagan den Kandidaten der Republikaner, den erzkonservativen und auch parteiintern umstrittenenBarry Goldwater, der sich insbesondere gegen dieBürgerrechtspolitik wandte. Indem durch ein Bundesgesetz dieRassentrennung verboten worden sei, habe man verfassungswidrig in die Rechte der Einzelstaaten(state’s rights) eingegriffen. Reagan hielt für ihn eine weit verbreitete Grundsatzrede,A Time for Choosing, die zwar Goldwater nicht zum Sieg überPräsident Johnson gereichte, ihm aber immerhin mindestens eine Million Dollar an Spenden für seine Kampagne einbrachte.[20] In der Rede wurde Reagans künftiges Programm sichtbar, er trat außenpolitisch für die Befreiung von „Millionen von Menschen, versklavt hinter dem Eisernen Vorhang“, ein und innenpolitisch für die weitestgehende Zurückdrängung staatlichen Einflusses.[21]
Gouverneur Reagan mit seiner Frau Nancy (links) und Präsident Richard Nixon mit dessen Frau Pat in Kalifornien im Juli 1970
Am 8. November 1966 gewann Reagan mit einem Stimmenanteil von 57 Prozent die Wahl zumGouverneur von Kalifornien gegen AmtsinhaberEdmund G. Brown und wurde am 3. Januar 1967 als 33. Gouverneur Kaliforniens vereidigt. Bereits sein Sieg in den Vorwahlen der Republikanischen Partei für dieses Amt fand viel mediales Interesse. Kurz nach Beginn seiner Amtszeit unterzeichnete Reagan ein neues – für die damalige Zeit sehr liberales – Abtreibungsgesetz, wovon er sich später mehr und mehr distanzierte, bis er schließlich einen strikten „Pro-Life“-Standpunkt vertrat.Im Jahr 1968 brachten ihn innerparteiliche GegnerRichard Nixons erstmals – erfolglos – als möglichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten ins Spiel. Als Gouverneur unterstützte er mit seiner Politik die kalifornische Wirtschaft, die in den späten 1960er Jahren einen beachtlichen Aufschwung nahm. Durch die daraus resultierenden Mehreinnahmen an Steuern sowie Ausgabenkürzungen gelang es ihm, den Haushalt des Bundesstaates auszugleichen. Im Jahr 1968 fand gegen Reagan ein erfolgloserRecall statt; damals versuchten Gegner seiner Politik, ihn vorzeitig aus seinem Amt abzuwählen, was aber wegen der hohen Hürden scheiterte (erst 2003 wurde mitGray Davis erstmals ein kalifornischer Gouverneur vorzeitig abgewählt).[22] Bei der Gouverneurswahl am 3. November 1970 wurde Reagan mit 52,8 Prozent der Stimmen wiedergewählt; der DemokratJesse M. Unruh erhielt 45,1 Prozent. Im Januar 1971 begann seine zweite Amtsperiode.
Während seiner Zeit als Gouverneur, vor allem in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, nahmen insbesondere an den Universitäten in Kalifornien die Proteste gegen denVietnamkrieg zu. Reagan war bekannt für seine harte Haltung gegenüber Demonstranten. Er griff sie in öffentlichen Stellungnahmen verbal an. 1969 setzte er Truppen der kalifornischenNationalgarde an derUniversity of California, Berkeley ein, um Studentenproteste gewaltsam aufzulösen.
Zur Gouverneurswahl im November 1974 trat Reagan nicht zu einer Wiederwahl an, obwohl damals (bis 1990) eine dritte Amtszeit nach der Verfassung möglich gewesen wäre. Im Januar 1975 schied er aus dem Gouverneursamt aus und wurde von dem DemokratenJerry Brown, dem Sohn seines Vorgängers, abgelöst. Reagan fasste nach dem Ende seiner Laufbahn inSacramento bereits eine Präsidentschaftsbewerbung ins Auge. So blieb er weiterhin öffentlich präsent. Neben regelmäßigen Auftritten in politischen Fernsehsendungen gehörte er auch der sogenanntenRockefeller-Kommission an, die 1975 unter der Leitung des amerikanischen VizepräsidentenNelson Rockefeller illegale Aktivitäten der US-Geheimdienste untersuchte.
Reagan begann im Sommer 1975, den amtierenden republikanischen PräsidentenGerald Ford, der im August 1974 nach Richard Nixons Rücktritt im Zuge derWatergate-Affäre die Präsidentschaft übernommen hatte, zu kritisieren. Er warf dem Präsidenten außenpolitische Schwäche während der Endphase des Vietnamkrieges vor; auch die bereits von Nixon eingeleiteteEntspannungspolitik lehnte er ab. Innenpolitisch stand Reagan für einen konservativen Kurs, während Ford als deutlich moderater galt. Ende des Jahres startete der ehemalige Gouverneur eine formale Wahlkampagne. Allerdings wurden ihm gegen einen amtierenden Präsidenten nur geringe Chancen auf die Nominierung der Partei eingeräumt. Mit Beginn derVorwahlen im Frühjahr 1976 musste Reagan zunächst einige Niederlagen in den nördlichen Bundesstaaten einstecken. Als die Vorwahlen sich jedoch mehr in die konservativerenSüdstaaten verlagerten, gelang es ihm, mehrere Siege einzufahren; unter anderem im bevölkerungsreichen Texas. Als im August 1976 derNominierungsparteitag der Republikaner begann, war Fords Vorsprung an Delegiertenstimmen zu knapp, um einen Sieg vorherzusehen. Im ersten Wahldurchgang setzte sich Ford dann mit 1187 zu 1070 Stimmen knapp durch. Reagan hinterließ jedoch mit seiner als stark betrachteten (und improvisierten) Parteitagsrede einen souveränen Eindruck. Im eigentlichen Wahlkampf sprach er sich dann zugunsten Fords aus, der am Ende in einer knappen Entscheidung gegenJimmy Carter verlor.
Im Jahr 1980 bewarb sich Reagan erneut um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Innerparteiliche Konkurrenten waren unter anderem der SenatorBob Dole und der ehemalige CIA-DirektorGeorge H. W. Bush. Reagan galt schon zu Beginn des Vorwahlkampfes(Primaries) als Favorit für die Kandidatur und setzte sich klar gegen seine innerparteilichen Konkurrenten durch. Am 15. Juli 1980 wurde er inDetroit, Michigan, auf derRepublican National Convention, demNominierungsparteitag, zum offiziellen Kandidaten der Republikaner gewählt. Reagan erwog, mit dem früheren Präsidenten Gerald Ford als Vizepräsidentschaftskandidaten Jimmy Carter herauszufordern. Ford hatte Reagan eine „geteilte Präsidentschaft“ vorgeschlagen, in der Reagan für innenpolitische Fragen und Ford und Kissinger für außenpolitische Fragen zuständig sein sollten. Nachdem Ford diese Erwägungen öffentlich gemacht hatte, entschied Reagan sich aber für George H. W. Bush als Vizepräsidentschaftskandidaten. Bush hatte in den Vorwahlen nach Reagan die zweitgrößte Anzahl an Bundesstaaten gewonnen.
Es gelang Reagan, eine Koalition ausEvangelikalen, Wirtschaftsliberalen (sieheNeoliberalismus) und wertkonservativen Wählern zu schmieden. Ähnlich wie bereitsRichard Nixon verfolgte er eineSouthern Strategy, die darauf abzielte, weiße Wähler in denSüdstaaten an die Republikaner zu binden. So eröffnete Reagan seinen Hauptwahlkampf am 3. August 1980 ausgerechnet auf derNeshoba County Fair bei der kleinen Stadt Philadelphia im Bundesstaat Mississippi, wo 1964 Mitglieder desKu-Klux-Klans dieMississippi-Bürgerrechtsaktivisten-Morde begangen hatten. In seiner Rede plädierte er dafür, die Rechte derBundesstaaten(state’s rights) zu stärken, was seitBarry Goldwater als Chiffre dafür galt, dass die Südstaaten auch das Recht haben sollten, denCivil Rights Act of 1964 auszuhebeln. Unter anderem sagte Reagan:I believe in states’ rights and I believe in people doing as much as they can for themselves… I believe we have distorted the balance of our government today by giving powers that were never intended to be given in the Constitution to the federal establishment. („Ich glaube an die Rechte der Einzelstaaten und daran, dass die Menschen so viel wie möglich selbst regeln sollten … Ich glaube, dass wir heutzutage das Gleichgewicht in unserer Regierung gestört haben, indem wir der Bundesregierung eine Macht gegeben haben, die ihr nach der Verfassung niemals zugedacht war.“).Paul Krugman interpretierte diesen Auftritt als eine rassistische Botschaft Reagans an dieweißen Suprematisten in den Südstaaten, dass er auf ihrer Seite stehe. Seine These wurde in derNew York Times in mehreren Artikeln kontrovers diskutiert.[23]
Reagan gewann diePräsidentschaftswahl am 4. November 1980 gegen den glücklos amtierenden Präsidenten Jimmy Carter und den unabhängigen KandidatenJohn B. Anderson. Reagan erhielt 50,7 % und Carter 41,0 % der Stimmen. ImElectoral College hatte Reagan 489 Wahlmänner und Carter nur 49. Die Republikaner verzeichneten auch deutliche Zugewinne imRepräsentantenhaus und erhielten erstmalsseit 1954 wieder eine Mehrheit der Mandate imSenat. Diese hielt bis 1987. Neben den ökonomischen Aspekten wurde der Wahlsieg begünstigt durch denKalten Krieg: Ende 1979 wardie Sowjetunion in Afghanistan einmarschiert; Reagans Vorgänger Carter war Schwäche in der Außenpolitik vorgeworfen worden.
20. Januar 1981: Reagan und seine Frau Nancy bei den Feierlichkeiten zur Amtseinführung als PräsidentReagan am 11. Juni 1982 mit dem Regierenden Bürgermeister von BerlinRichard von Weizsäcker und BundeskanzlerHelmut Schmidt amCheckpoint Charlie in West-Berlin
Am 20. Januar 1981 wurde Reagan als 40. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Er war damals mit 69 Jahren der bei Amtsantritt älteste Präsident. Sein Schwur bei derAmtseinführung wurde ihm vom Obersten BundesrichterWarren E. Burger abgenommen. In der 20-minütigen Antrittsrede rief er eine „Ära der nationalen Erneuerung“ aus. Reagan kündigte Einsparungen bei denStaatsausgaben und eine Senkung der Steuern an. Die amerikanischenGeiseln im Iran erwähnte er nicht; diese wurden während seiner Rede vonTeheran freigelassen. Mit Kosten von 8 Mio. US-Dollar war seine Amtseinführung die bis dahin teuerste in der amerikanischen Geschichte.[24] Innenpolitisch hatte Reagan als ältester Präsident bei Amtsantritt lautE. J. Dionne besonders große Zustimmungswerte bei den jüngeren Wählern.[25]
Bei derPräsidentschaftswahl 1984 kandidierte er erfolgreich für eine zweite Amtszeit. Er erhielt 58,8 % der abgegebenen Wählerstimmen; der demokratische KandidatWalter Mondale, der unter Carter Vizepräsident gewesen war, erhielt 40,6 %. Reagan hatte lediglich in Mondales HeimatstaatMinnesota und in der BundeshauptstadtWashington, D.C. (die nicht zu den Bundesstaaten zählt) keine Stimmenmehrheit erlangt. ImWahlmännerkollegium gingen so 525 von 538 Stimmen an ihn. Er wurde am 20. Januar 1985 erneut zum Präsidenten vereidigt;George Bush blieb Vizepräsident.
Am 30. März 1981 wurde Reagan bei einemAttentat verletzt. AuchSecret-Service-AgentTim McCarthy, der Polizist Thomas Delanty und Reagans PressesekretärJames Brady wurden angeschossen; Brady erlitt schwere Hirnschädigungen und Lähmungen. Der geistig verwirrte AttentäterJohn Hinckley, Jr. wurde im Juni 1982 von einem Gericht in Washington für unzurechnungsfähig erklärt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Reagan kehrte am 25. April 1981 ins Weiße Haus zurück. Hinckley wurde am 10. September 2016 entlassen.[26]
Seine Außenpolitik beschrieb Reagan als „Frieden durch Stärke“.[28] Sie war geprägt von seinerantikommunistischen Haltung gegenüber demOstblock.[29] Reagan versuchte, den Einflussbereich der USA zu erweitern und die Welt zu seinen Vorstellungen von Freiheit und Demokratie zu führen. Er war telegen und konnte mit herausragender Rhetorik die Herzen und Gefühle vieler Amerikaner für sein Ziel gewinnen, dieSowjetunion, das von ihm damals so bezeichnete „Reich des Bösen“, ideologisch und militärisch herauszufordern und den sowjetisch-kommunistischen Einfluss in derDritten Welt mit allen Mitteln zu bekämpfen (Reagan-Doktrin). Reagan sammelte politische Witze über die Sowjetunion und gab diese bei Politikertreffen zum Besten.[30]
Er gab dieEntspannungspolitik seiner republikanischen Vorgänger Nixon und Ford auf, da die massive Überlegenheit derSowjetunion bezüglich konventioneller Waffensysteme nach seiner Auffassung die Wiederherstellung der gleichen militärischen Stärke der beiden damaligen Supermächte notwendig machte. Bereits im Wahlkampf forderte er eine Erhöhung der Militärausgaben. Des Weiteren war Reagan entschlossen, in der Dritten Welt mit fast jedem Regime zusammenzuarbeiten, das von sich behauptete,Kommunisten zu bekämpfen (sieheKirkpatrick-Doktrin), was unter anderem zu einer konsequenten Unterstützung von antikommunistischenMilitärdiktaturen führte. Sounterstützten die USA gegen erhebliche innen- und außenpolitische Widerstände die rechtsgerichtete Militärregierung vonEl Salvador. Diese führte einenschmutzigen Krieg gegen Aufständische und politische Gegner und ermordete dabei Anfang der 1980er Jahre etwa 40.000 Oppositionelle.[31] Die auf den – von der US-Regierung offiziell bestrittenen bzw. verharmlosten[32] – Massenmord an den Oppositionellen folgende relative innenpolitische Ruhe in El Salvador erklärte die Reagan-Regierung der amerikanischen Öffentlichkeit damit, dass die erfolgreich durchgeführte Landreform der dortigen Regierung zu einer allgemeinen Befriedung geführt hätte.[31]
Ein Teil der zusätzlichen Rüstungsausgaben floss in die sogenannteStrategic Defense Initiative (SDI), die zu seiner Zeit nicht realisiert, jedoch auch unter seinen Nachfolgern fortgesetzt wurde. Ziel dieses Programms war es, die USA gegen Angriffe feindlicher Atomraketen zu schützen und damit das klassischeGleichgewicht des Schreckens zu Gunsten der USA aufzuheben. Ebenso wurde unter Reagan das ProgrammMarine der 600 Schiffe verwirklicht, das die Flottenstärke derUS Navy auf fast 600 Einheiten steigerte.
Nachdem Reagan in seiner ersten Amtszeit eine neue Runde des Rüstungswettlaufs eingeläutet hatte, der die Sowjetunion aufgrund ihrer wirtschaftlichen Schwierigkeiten letztlich nicht mehr folgen konnte, startete er in seiner zweiten Amtszeit mehrere Abrüstungsinitiativen. Reagan trafMichail Gorbatschow im November1985 auf derGenfer Gipfelkonferenz und im Oktober 1986 beimGipfeltreffen in Reykjavík. Reagan und Gorbatschow kamen im Dezember 1987 imINF-Vertrag überein, die in Europa aufgestellten nuklearen Mittelstreckenraketen abzurüsten.
Mit der offiziellen Begründung, den kommunistischen Einfluss inLateinamerika bekämpfen zu müssen, führte die Regierung Reagan über ihre gesamte Amtszeit hinweg einenverdeckten Krieg gegen diesandinistische Regierung inNicaragua. Für die von derCIA organisiertenContras wurden ehemalige Mitglieder der gefürchteten Nationalgarde Nicaraguas rekrutiert. Die Finanzierung erfolgte durch Waffengeschäfte mit demIran (sieheIran-Contra-Affäre) und Drogengeschäfte.[33] Der von 1981 bis 1990 geführteContra-Krieg ruinierte die Wirtschaft Nicaraguas; 20.000 bis 60.000 Menschen starben.[34]Eine von Reagan selbst eingerichtete Untersuchungskommission unter dem Vorsitz vonJohn Tower rügte den Präsidenten; mehrere leitende Beamte mussten zurücktreten. Die USA wurden am 27. Juni 1986 vomInternationalen Gerichtshof inDen Haag für ihre direkte und indirekte militärische Teilnahme im Contra-Krieg zur Beendigung der „ungesetzlichen Anwendung von Gewalt“ gegen Nicaragua und Zahlung von Reparationen verurteilt.[35] Auf die Weigerung der USA, das Urteil anzuerkennen, versuchte derSicherheitsrat der Vereinten Nationen, eine Resolution zu verabschieden, welche alle Staaten dazu aufrief, das internationale Gesetz zu befolgen. Die USA legten gegen die Resolution aber ihr Veto ein.[36]
Am 14. Oktober 1983 wurdeGrenadas PremierministerMaurice Bishop vonHudson Austin abgesetzt. Bishop wurde fünf Tage später hingerichtet. DieOrganisation Ostkaribischer Staaten bat die Vereinigten Staaten um Unterstützung und am 25. Oktoberfielen die Vereinigten Staaten in Grenada ein.[37] Zum Zeitpunkt der Invasion befanden sich nach Angaben der kubanischen Regierung 784 Kubaner auf Grenada, die meisten davon Bauarbeiter, aber auch Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer und 44 dem Militär zuzuordnende Personen. Diese Angaben wurden von mehreren amerikanischen und britischen Journalisten bestätigt.[38] Tatsächlich wurde Kuba vom ehemaligen Premierminister Maurice Bishop um militärische Unterstützung gebeten. Aufgrund von Befürchtungen, den USA einen Vorwand für eine Kuba-Invasion zu liefern, lehnte die kubanische Regierung diese jedoch ab.[39] Für die Invasion unter dem CodenamenOperation Urgent Fury waren 7000 Marines im Einsatz. Nach einer Woche endeten die Kämpfe mit dem Tod bzw. der Verwundung von 84 Kubanern, 135 Amerikanern und etwa 400 Grenadiern. Die Invasion wurde mit Ausnahme der MilitärdiktaturenChile,Guatemala undUruguay von allen Ländern Lateinamerikas verurteilt. DerUNO-Sicherheitsrat stimmte am 28. Oktober 1983 mit großer Mehrheit für eine Resolution, in der die US-Invasion als eine krasse Verletzung internationalen Rechts bezeichnet und das schwere Bedauern der Vereinten Nationen ausgedrückt wurde.[40] Die USA legten sofort ihr Veto gegen die Resolution ein.[41] Reagans Antwort auf die Resolution lautete:One hundred nations in the UN have not agreed with us on just about everything that’s come before them where we’re involved, and it didn’t upset my breakfast at all.[42]
„We begin bombing in five minutes.“
Am 11. August 1984 erlaubte sich Reagan während einer Mikrofonsprechprobe einen als makaber empfundenen Scherz, er habe die Bombardierung der Sowjetunion angeordnet. Die Medien veröffentlichten diese nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Tonprobe(We begin bombing in five minutes), die weltweit heftige Kritik auslöste.[43]
Reagan am 12. Juni 1987 bei seiner Berliner Rede mit dem Appell an Gorbatschow, die Mauer einzureißen und das Brandenburger Tor zu öffnen
Reagan besuchte die Bundesrepublik Deutschlandim Juni 1982 und war 1985 anlässlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes erneut zu Gast in Deutschland. Der Besuch auf einemSoldatenfriedhof in Bitburg löste eine breite Debatte aus (sieheBitburg-Kontroverse). 1985 und 1986 trafen Reagan und der sowjetische GeneralsekretärMichail Gorbatschow zu Abrüstungsverhandlungen unter der BezeichnungSTART (Strategic Arms Reduction Talks), diese kamen zunächst nicht voran. 1987 jedoch konnte er mit Gorbatschow den Vertrag zur Abschaffung der amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenraketen in Europa (INF-Vertrag) unterzeichnen. Am 12. Juni 1987 hielt Reagan von einem Holzgerüst, welches vor den Sperranlagen derBerliner Mauer amBrandenburger Tor aufgebaut worden war, eine Rede, in welcher er Gorbatschow aufforderte, die Mauer niederzureißen: „Come here to this gate! Mr. Gorbachev, open this gate!Mr. Gorbachev, tear down this wall!“.[44][45]Reagan wurde am 9. November 1992 – genau drei Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer – zumEhrenbürger von Berlin ernannt.[46]
Reagan an seinem Schreibtisch imOval Office, 1982Reagan erklärt seine Steuersenkungen in einer Rede im Fernsehen (1981)
Ende der 1970er Jahre hatte sich die wirtschaftliche Situation der Vereinigten Staaten zunehmend verschlechtert. Die expansive Geldpolitik derUS-Notenbank hatte zu einer Inflation von 10–15 % geführt. Gleichzeitig stagnierte das wirtschaftliche Wachstum bei steigenden Arbeitslosenzahlen. Für Stagnation der Wirtschaft bei gleichzeitiger Inflation wurde der BegriffStagflation geprägt.
Während die Regierungen von Nixon, Ford und Carter auf nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik gesetzt hatten, vollzog Reagan einenParadigmenwechsel hin zu einerangebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Durch eine solche angebotsorientierte Wirtschaftspolitik wird versucht, mithilfe besserer Produktions- und Wachstumsbedingungen die wirtschaftliche Situation nachhaltig zu stärken. 1981 beschloss der Kongress eine Steuerreform sowie kleinere Reformen der Sozialversicherungssysteme. Diese Politik wurde auch alsReaganomics bezeichnet.
Ein wichtiges Prinzip hinter Reagans Reformen war dieTrickle-down-Theorie, welche davon ausgeht, dass Wohlstand in die unteren Gesellschaftsschichtendurchsickert.[47] Das Prinzip seinerSteuerpolitik entsprach in etwa jenem derLaffer-Kurve. Danach sind Steuersenkungen für Unternehmen besonders wirtschaftsfördernd, da diese dann mehr investieren und so die Arbeitslosigkeit reduzieren, was letztlich sogar zu höheren Steuereinnahmen führe.
Anfang 1981, bei der Amtsübernahme durch Ronald Reagan, betrug dieStaatsverschuldung der USA 930 Milliarden Dollar. Die Steuersenkungspolitik und die starke Erhöhung der Staatsausgaben, insbesondere für Rüstungsgüter, zeigten aber zunächst unerwünschte Wirkungen: Die US-Wirtschaft drohte sich zu überhitzen, dieInflationsrate stieg 1982 auf 5,8 Prozent. DieUS-Notenbank reagierte darauf mit Zinserhöhungen, was zu einerRezession führte. DieArbeitslosigkeit stieg auf zwölf Millionen Personen, Unternehmensgewinne gingen zurück. Danach erholte sich dieWirtschaft, die Arbeitslosigkeit sank und die Inflation wurde wieder eingedämmt. DasHaushaltsdefizit der Vereinigten Staaten stieg dennoch weiter an, vor allem bedingt durch die enormen Militärausgaben und die Steuernachlässe für Unternehmen und Kapitalerträge. Finanzmittel für Sozialprogramme wie jene aus den Zeiten desNew Deal oder derGreat Society wurden unter Reagan daher drastisch gekürzt. Trotzdem wuchs die Staatsverschuldung bis Ende 1988 um 179,6 Prozent auf 2,6 Billionen Dollar.[48] Der NobelpreisträgerPaul Krugman hat Reagan daher vorgeworfen, mit seiner Wirtschaftspolitik die Wettbewerbsfähigkeit der USA drastisch vermindert zu haben: Die von ihm verantwortete Staatsverschuldung habe zu hohen Zinsen geführt, wodurch sehr viel ausländisches Kapital in die USA geflossen sei, was wiederum eine Überbewertung des US-Dollar zur Folge gehabt habe, die amerikanische Produkte auf dem Weltmarkt verteuert und so Arbeitsplätze vernichtet habe.
Reagan befürwortete grundsätzlich freien Handel als Motor von Wachstum und Wohlstand, warnte jedoch vor unfairen Praktiken und setzte in Einzelfällen gezielte Zölle durch, um Vertragsverletzungen zu ahnden. In einer Radioansprache von 1987 betonte er, dass dauerhafter Protektionismus Märkte schrumpfen, Gegenzölle auslöse und Arbeitsplätze kosten könne, während Ausnahmen gerechtfertigt seien, wenn klare Belege für unfaire Handelspraktiken vorlägen, etwa im japanischen Halbleitermarkt; Zölle sollten Mittel gegen spezifisches Fehlverhalten, nicht generelle Handelspolitik sein.[49][50]
O’Connor war im Jahr 1981 die erste Frau, die zur Richterin ernannt wurde. Sie blieb bis zum Jahr 2006 als Richterin am Supreme Court. Bis 2018 war der von Reagan zuletzt berufene Kennedy Richter am Obersten Gerichtshof. Weitere Berufungen erfolgten an niedrigere Bundesgerichte.
Wie kaum ein anderer verstand es Reagan alsgreat Communicator,[51] dass die Präsidentschaft auf der Kraft derSymbole beruhte und er neben der absoluten Macht auch immer dieHegemonie benötigte, um alle mitzunehmen. Gerade seine Argumentation, dass Washington nicht die Lösung der Probleme darstelle, sondern Teil des Problems sei, verlangte nach starker Symbolik.[52] So konnte Reagan auch dieOlympischen Spiele 1984 in Los Angeles als ein Beispiel für seinen Ansatz verwenden, dass die private Initiative Geld einbringe, während die staatlich finanziertenOlympischen Sommerspiele 1976 nur Schulden aufgehäuft hatten.[53] So ließ er auch die kalifornische KultbandThe Beach Boys bei seiner zweiten Amtseinführung spielen, um sosymbolisch seinen Bezug zurfreien, selbstorganisierten Jugend zu unterstreichen.[54] Auch Reagans Reden zeigen, dass er sich der Kraft der Worte und der Symbolik bewusst war und so die amerikanische Bevölkerungmitnehmen konnte.[55]
Für diePräsidentschaftswahl 1988 war Reagan aufgrund des22. Verfassungszusatzes von einer weiteren Kandidatur für das Weiße Haus ausgeschlossen. Im Wahlkampf schlug er seinen VizepräsidentenGeorge H. W. Bush, der die bisherige Politik weiterführen sollte, als Nachfolger vor. Am 8. November 1988 gewann Bush gegen den DemokratenMichael Dukakis. Turnusgemäß wurde Bush am 20. Januar 1989 zum neuen Präsidenten vereidigt und löste Reagan damit nach acht Jahren im Weißen Haus ab.
Reagan (rechts) mit seiner Frau und dem Newport News Shipbuilding Chairman undCEOBill Fricks mit einem Modell derRonald Reagan, Mai 1996Reagan mit Michail Gorbatschow (1992)
Nach Ende seiner Präsidentschaft Anfang 1989 zog sich Reagan mit seiner Frau Nancy nach Kalifornien zurück. Im Mai 1994 unterzeichnete er gemeinsam mit seinen beiden Vorgängern Carter und Ford einen Brief an den Kongress, in dem sich die drei ehemaligen Präsidenten für ein Verbot vonhalbautomatischen Waffen aussprachen. Hier vertrat Reagan eine andere politische Position als viele seiner republikanischen Parteikollegen.[56]
Reagan bekannte sich im November 1994 in einem persönlichen Brief an die US-Bevölkerung zu der kurz zuvor bei ihm diagnostiziertenAlzheimer-Krankheit. Erste Symptome des Leidens hatten sich wahrscheinlich bereits gegen Ende seiner Präsidentschaft gezeigt. Danach wurde er nur noch sporadisch in den Medien erwähnt, meist ging es um die Verschlechterung seines Zustandes. Noch bis 1998 besuchte Reagan regelmäßig sein Büro in derPräsidentenbibliothek inSimi Valley, wo er zumindest im Frühstadium seiner Krankheit noch an verschiedenen Projekten arbeitete. Später erlitt er bei einem Sturz einen Hüftbruch, von dem er sich aber trotz seines hohen Alters schnell erholte. Zuletzt war seine Demenz so weit fortgeschritten, dass er grundlegende Tätigkeiten nicht mehr selbst erledigen konnte.
Reagan starb am 5. Juni 2004 zu Hause inBel Air im Alter von 93 Jahren an einerLungenentzündung. Er hinterließ seine Frau und die drei KinderMichael Reagan (1945–2026),[57][58]Patti Davis (* 1952) undRonald Prescott Reagan (* 1958); seine 1941 geborene Tochter Maureen war bereits 2001 anKrebs gestorben. Sein Leichnam wurde imKapitol der Vereinigten Staaten auf einemKatafalk aufgebahrt und später in Kalifornien in der für ihn errichteten Präsidentenbibliothek beigesetzt.[59]Mit 93 Jahren und vier Monaten erreichte er das bis dahin höchste Alter eines ehemaligen US-Präsidenten. Er überholte damitJohn Adams, der fast 91 Jahre alt geworden war.[60]
Zu allen Zeiten seiner politischen Karrieren hob Reagan die Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt durch verschiedene Termini hervor. Bereits 1964 bezeichnete er die USA als „last best hope of man on earth“,[61][62] später (1989) mit dem biblischen Bild als „himmlische Stadt auf dem Berg“ („City upon a Hill“).[63] Im Kern ging es dabei um eine Beschreibung der US-amerikanischen Rolle in der Weltpolitik. Obwohl auch schonJohn F. Kennedy den Terminus „City upon a Hill“ genutzt hatte, war es Reagan, der den Begriff zu einem seiner Markenzeichen machte. In seiner Abschiedsrede als Präsident sagte er dazu:
“I’ve spoken of the shining city all my political life, but I don’t know if I ever quite communicated what I saw when I said it. But in my mind it was a tall proud city built on rocks stronger than oceans, wind-swept, God-blessed, and teeming with people of all kinds living in harmony and peace, a city with free ports that hummed with commerce and creativity, and if there had to be city walls, the walls had doors and the doors were open to anyone with the will and the heart to get here. That’s how I saw it and see it still …”[63]
Wie kein anderer Präsident vor ihm betonte Reagan seineGottesfurcht und inszenierte seinen christlichen Glauben sehr medienwirksam. Er unterbrach seine Reden, um das versammelte Volk zum stillen Gebet aufzufordern, und führte das lang vergessene „God Bless America“ wieder ein.[64] Er berief auch erstmals bekennendeEvangelikale als Minister insein Kabinett und christliche Gruppierungen wie die derreligiösen Rechten zuzuordnendeMoral Majority spielten zumindest in den ersten Jahren seiner Präsidentschaft eine wichtige Rolle.
Konservativen US-Amerikanern gilt Reagan (Stand Februar 2009) vielfach als der beste Präsident überhaupt bzw. als bester Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders unter Republikanern ist seine Idealisierung sehr ausgeprägt.[65][66] Dies liegt zum einen an seiner Innenpolitik, mit welcher, so die Annahme, derSozialstaat abgebaut und so die Steuern gesenkt worden seien; diese Politik gilt vielen heutigen Republikanern als positiver Gegenentwurf zur von ihnen als „sozialistisch“ gebrandmarkten Sozial- und Gesundheitspolitik einesBarack Obama. Die von Reagan betriebene neoliberale WirtschaftspolitikReaganomics führte zusammen mit hohen Rüstungsausgaben zu einem zeitweiligen konjunkturellen Aufschwung, der jedoch auf einem Rekord-Haushaltsdefizit generiert wurde, da großen Unternehmen erhebliche Steuersenkungen zuteilwurden. Die Inflationsrate, die unter seinem Vorgänger Carter bis zu 15 % betragen hatte, sank bis 1989 dauerhaft auf unter 5 Prozent.[67]
Zum anderen gilt ihnen Reagans Außenpolitik als Erfolg, da seine harte Haltung gegenüber demOstblock zu dessen Zusammenbruch und zum Fall derBerliner Mauer geführt habe. Diese Ansicht wird unter anderem von dem Historiker Paul Kengor vertreten.[68] Andere Historiker, wie zum Beispiel Max Boot, schreiben diese Ergebnisse den Handlungen von Michail Gorbatschow zu, gleichzeitig lobt Boot aber Reagans pragmatische Zusammenarbeit mit Gorbatschow trotz seiner starken antikommunistischen Grundhaltung.[69][70] Paul Kengor ist hingegen der Auffassung, dass dieKommunistische Partei der Sowjetunion einen Reformer wie Gorbatschow nie zum Generalsekretär gewählt hätte ohne den wirtschaftlichen und militärischen Druck, den Reagan in seiner ersten Amtszeit auf die Sowjetunion ausgeübt hatte.[68] Der HistorikerMelvyn P. Leffler schrieb, Reagan habe durch seine Bemühungen, Beziehungen mit der sowjetischen Führung aufzunehmen und das Wettrüsten zu beenden, dazu beigetragen, ihn zu gewinnen. Reagan sei Gorbatschows unentbehrlicher Juniorpartner gewesen, „der den Rahmen für die dramatischen Veränderungen festlegte, die keiner von beiden in absehbarer Zeit erwartet hatte.“[71]
Mitunter wird Reagan vorgeworfen, seine aggressive Politik in den Jahren von 1981 bis 1985 habe die Welt fahrlässig an den Rand eines Atomkriegs geführt.Völkerrechtswidrige Militärinterventionen wie jene inGrenada, verdeckte CIA-Operationen wie dieOperation Cyclone in Afghanistan oder die Unterstützung vonDiktatoren wieSuharto inIndonesien hätten überdies ebenso wie dieIran-Contra-Affäre die moralische Autorität der USA unterminiert.
Weite Teile der Republikanischen Partei berufen sich hingegen bis heute auf Reagans Erbe. Auch Reagans Bekenntnis zum Christentum gilt vielen amerikanischen Konservativen als vorbildlich.
Unter liberalen und demProgressivismus nahestehenden Amerikanern wird Reagans Innenpolitik kritisiert, durch die Streichung von finanziellen Mitteln für Sozialprogramme und zu Gunsten der Streitkräfte zu wachsenden Armutszahlen geführt und die soziale Ungerechtigkeit vergrößert habe. So vertritt die prominente DemokratinElizabeth Warren die Ansicht, Reagan habe eine Politik eingeleitet, die „die Reichen reicher und die Mächtigen mächtiger“ gemacht habe. Allerdings wurde der Sozialstaat als solcher von Reagan nicht abgeschafft, da viele Programme desNew Deal oder derGreat Society unter ihm fortbestanden, wenn auch in drastisch gekürzter Form.
Kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt hatten im Dezember 1988 63 Prozent der Amerikaner eine positive Meinung von seiner Amtszeit, nur 29 Prozent sahen sie negativ. Einen höheren Zustimmungswert erreichte unter allen Präsidenten der Nachkriegszeit nurBill Clinton (66 Prozent) im Januar 2001.[72]
In den USA wurde dieRonald Reagan Presidential Foundation gegründet,[73] die Reagans Wirken als Präsident weltweit würdigt und der Nachwelt zugängig macht und mit ihrem Geld beispielsweise auch die Anfertigung und Aufstellung von Denkmälern fördert.[74]
Reagan blieb vielen Amerikanern als „großer Kommunikator“ in Erinnerung, da es ihm gelang, einige seinergesetzgeberischen Initiativen durch einen demokratisch dominiertenKongress zu bringen, indem er in der Öffentlichkeit dafür warb und so Druck auf die Senatoren und Abgeordneten ausübte.[75][76] Allerdings war die US-Innenpolitik zu dieser Zeit generell weniger polarisiert als in späteren Jahrzehnten.
Reagans Fähigkeit, die Sprache der „einfachen Leute zu sprechen“, seine humorvolle und bisweilen selbstironische Art und sein demonstrativ zur Schau getragener Optimismus trafen ein weitverbreitetes Bedürfnis vieler Amerikaner, die durch die Krisenerscheinungen der 1970er-Jahre (unter anderemVietnamkrieg,Watergate-Affäre,Ölpreiskrisen undGeiselnahme von Teheran) verunsichert waren.[77] Gerade seine hohen Zustimmungswerte bei jungen Menschen wurden auf seine Wahrnehmung als freundliche und unaufgeregte Autoritätsfigur zurückgeführt.[78] Der Fernsehmoderator und ehemalige KongressabgeordneteJoe Scarborough wies in diesem Zusammenhang auf Reagans Erfahrung als Schauspieler hin, die ihm ermöglichte, den „ikonischen Amerikaner, der an das glaubt, was noch vor ihm liegt“, überzeugend zu verkörpern. In seiner Kommunikation zielte Reagan auf den „common sense“ des Durchschnittsbürgers ab und stand damit meist gegen die Meinung der professionellen Politikbeobachter, der Medien, Intellektuellen und der Wirtschaftseliten. Der Kern von Reagans Einstellung, so Scarborough, sei es gewesen, „unablässig den Status quo infrage zu stellen“ und damit nach und nach die politische Landschaft zu verändern.[79]
1989:Elizabeth II. schlug Reagan am 14. Juni 1989 zum Ritter des britischen VerdienstordensOrder of the Bath, des „Höchst ehrenvollen Ordens vom Bade“[81]
2011: Vor der US-Botschaft inLondon wurde am 4. Juli 2011 eine Statue von Ronald Reagan enthüllt. Die Statue soll an diePolitik der Stärke gegenüber derSowjetunion erinnern.[82]
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