Movatterモバイル変換


[0]ホーム

URL:


Zum Inhalt springen
WikipediaDie freie Enzyklopädie
Suche

Robert Viktor von Puttkamer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Robert Viktor von Puttkamer (*5. Mai1828 inFrankfurt (Oder); †15. März1900 auf GutKarzin bei Stolp inPommern) war einpreußischer Staatsmann, der vor allem wegen der von ihm als Innenminister in den 1880er Jahren betriebenen konservativen Personalpolitik in der preußischen Richter- und Beamtenschaft von erheblicher Bedeutung für die weitere Verwaltungsgeschichte Preußens bzw. desDeutschen Reiches war. Puttkamer entstammte der pommerschen AdelsfamiliePuttkamer.

Der HistorikerEckart Kehr hat 1929 zuerst darauf hingewiesen, dass die flächendeckende und dauerhafte Durchdringung des preußischen Staatsapparats mitkonservativen „Gesinnungsbeamten“ wesentlich mit dem lange wenig beachteten Wirken Puttkamers in Verbindung gebracht werden müsse.[1] Die neuere regionalgeschichtliche Forschung konnte etwa mit Blick aufOstpreußen zeigen, „dass Puttkamer politische Konformität bis hinab zur Ebene derAmtsvorsteher zu erzwingen trachtete.“[2] Unter ihm brach die „seit den Reformen der Jahre nach 1807 nie verlorengegangene“[3]liberale Beamtentradition ab.

Herkunft

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Sein VaterEugen von Puttkamer war von 1839 bis 1847Polizeipräsident in Berlin und von 1851 bis 1860 Oberpräsident derProvinz Posen. Seine Mutter Emilie (1803–1852) war eine geborenevon Zitzewitz. Auch seine Brüder machten im preußischen Staat Karriere:Richard wurde Landrat,Bernhard Landtags- sowie Reichstagsabgeordneter undJesco Regierungspräsident. Die Schwester Elisabeth heiratete einen entfernten Verwandten, den GeneralmajorBernhard von Puttkamer.

Leben

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
Robert Viktor von Puttkamer

Er studierteRechtswissenschaften inHeidelberg,Genf undBerlin. Nach Abschluss des Studiums 1854 trat er in den Staatsdienst. Von 1860 bis 1866 war erLandrat imLandkreis Demmin. In dieser Funktion erwarb er das persönliche VertrauenOtto von Bismarcks, der ihn 1866 als Vortragenden Rat in das neu geschaffene Bundeskanzleramt berief, bevor er 1871 Regierungspräsident desRegierungsbezirks Gumbinnen wurde. 1874 wurde er Bezirkspräsident imBezirk Lothringen desReichslands Elsaß-Lothringen.

Von 1873 bis 1891 war Puttkamer für denReichstagswahlkreis Regierungsbezirk Gumbinnen 7 Mitglied desReichstags, wo er sich denDeutschkonservativen anschloss.

Im Jahr 1877 übernahm Puttkamer die Funktion desOberpräsidenten derProvinz Schlesien, bevor er am 14. Juli 1879preußischer Kultusminister wurde. In dieser Funktion trug er zur Entschärfung desKulturkampfs zwischen dem Reich und der katholischen Kirche bei. Zwischen den beiden deutschenOrthographischen Konferenzen von 1876 und1901 ließ er per Erlass vom 21. Januar 1880 in den Schulen Preußens die „vereinfachte deutscheRechtschreibung“ einführen. Am 18. Juni 1881 wurde Puttkamer preußischer Innenminister und am 11. Oktober 1881 er Vizepräsident desPreußischen Staatsministeriums. In diesen Funktionen bemühte er sich vor allem, liberale Beamte aus dem Staatsdienst zu entfernen und durch konservative zu ersetzen. Zudem setzte er dieSozialistengesetze streng um, was ihm die Gegnerschaft linker und liberaler Kräfte einbrachte. Hier ist vor allem sein „Streikerlass“ vom 11. April 1886 zu nennen.[4]

KönigFriedrich III. schrieb Puttkamer Anfang Juni 1888 einen groben und beleidigenden Brief und provozierte so wie beabsichtigt dessen Rücktritt am 8. Juni 1888. KronprinzWilhelm schrieb am 10. Juni entrüstet an GroßherzogFriedrich I. von Baden, dass es sich bei dem Brief des todkranken Vaters um ein alleiniges Werk der KaiserinVictoria im Verbund mitfreisinnigen Politikern gehandelt habe.Ministerpräsident Bismarck unternahm nichts gegen die Behandlung Puttkamers, gab sich nach außen hin aber „wütend und perplex“ und bestritt, dass die Aktion des Königs mit ihm abgesprochen gewesen war.[5]

Puttkamer wurde dannDomherr zuMerseburg und ab 1889 Mitglied desPreußischen Herrenhauses. KönigWilhelm II. berief ihn 1891 in den Staatsdienst als Oberpräsidenten derProvinz Pommern zurück; dieses Amt bekleidete Puttkamer bis 1899. Außerdem zeichnete er ihn mit demSchwarzen Adlerorden aus.[6]

Robert von Puttkamer war der Urgroßvater des Politikwissenschaftlers und SchriftstellersChristian Graf von Krockow.

Familie

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Er heiratete 1854 in Posen seine CousineIda von Puttkamer (1830–1920), diese war eine Tochter des preußischen LandratsAlbert von Puttkamer (1797–1861) und dessen Ehefrau derAuguste von Pape (1795–1834). Das Paar hatte fünf Söhne und 2 Töchter, von denen eine früh starb:

  • Jesko Albert Eugen (1855–1917), Gouverneur von Kamerun ⚭ 1914 Elisabeth Passow
  • Wilhelm (1857–1895), preußischer Offizier
  • Bernhard (1858–1941), Polizeipräsident von Kiel und Stettin ⚭ 1886 Magarethe Johanna Karoline Elisabeth von Puttkamer (* 21. Januar 1863)
  • Albert August Wilhelm (1861–1931), 1906–1917 Regierungspräsident von Colmar ⚭ Magarethe Elisabeth Marie von Eickstedt-Peterswald (* 23. August 1872)
  • Maximilian Albert August (1865–1920), Herr auf Klein-Machmin, preußischer Landrat ⚭ 1900 Rosine von Wessely (* 1883)
  • Hedwig Karoline Eva Maria (1869–1923) ⚭Oscar von Chelius (1859–1923), preußischer Generalleutnant

Siehe auch

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]

Literatur

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
  • Albert von Puttkamer:Staatsminister Robert von Puttkamer. Ein Stück preußischer Vergangenheit 1828–1900. K. F. Koehler, Leipzig 1928.
  • Gustav Seeber (Hrsg.):Gestalten der Bismarckzeit. Akademie-Verlag, Berlin (Ost) 1978, S. 355–377.
  • Wolfgang Neugebauer:Puttkamer, Robert Viktor von. In:Neue Deutsche Biographie. (NDB).Band 21. Duncker & Humblot, Berlin 2003,ISBN 3-428-11202-4,S. 20–21 (deutsche-biographie.de). 
  • Ellinor von Puttkamer (Bearbeiterin):Geschichte des Geschlechts v. Puttkamer (= Deutsches Familienarchiv, Band 83–85). 2. Auflage, Degener, Neustadt an der Aisch 1984, S. 688–689.
  • Christian Graf von Krockow:Zu Gast in drei Welten. Erinnerungen, Stuttgart/München 2000, S. 30–35.
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser 1906.S. 631

Weblinks

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
Commons: Robert Viktor von Puttkamer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]
  1. Eckart Kehr:Das soziale System der Reaktion unter dem Ministerium Puttkamer. In:Die Gesellschaft. Jg. 6 (1929), Nr. 2, S. 253–274.
  2. Patrick Wagner:Bauern, Junker und Beamte. Lokale Herrschaft und Partizipation im Ostelbien des 19. Jahrhunderts. (=Moderne Zeiten. Bd. 9), Göttingen 2005,ISBN 978-3-89244-946-1, S. 512.
  3. Werner Conze (Hrsg.: Ulrich Engelhardt, Reinhart Koselleck und Wolfgang Schieder):Gesellschaft-Staat-Nation. Gesammelte Aufsätze. Stuttgart 1992, S. 291.
  4. Abgedruckt in:Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II. Abteilung:Von der Kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881–1890), 4. Band:Arbeiterrecht, bearbeitet von Wilfried Rudloff, Darmstadt 2008, Nr. 39
  5. John C. G. Röhl:Wilhelm II. Band 1:Die Jugend des Kaisers, 1859–1888. 1993; 3. Auflage 2009,ISBN 978-3-406-37668-9, S. 817
  6. John C. G. Röhl:Wilhelm II.Der Aufbau der Persönlichen Monarchie, 1888–1900. 2001,ISBN 3-406-48229-5, S. 575
Regierungspräsidenten in Gumbinnen

Theodor von Schön (1809–1813) |Georg Heinrich Ludwig Nicolovius (1813–1816) |Ernst Ludwig Wlömer (1816–1825) |Johann Friedrich Heuer (1825–1832) |Thoma (1832–1839) |Johann Carl Friedrich Braun (1839–1846) |Gustav von Saltzwedel (1846–1851) |Fedor Curd von Byern (1851–1859) |Eduard Moritz von Kries (1859–1864) |Friedrich Maurach (1864–1871) |Robert Viktor von Puttkamer (1871–1874) |Otto von Westarp (1875–1879) |Albrecht von Schlieckmann (1879–1881) |Otto Steinmann (1881–1894) |Wilhelm von Hegel (1895–1904) |Hermann Wilhelm Stockmann (1905–1913) |Friedrich Karl Gramsch (1913–1915) |Georg von Lambsdorff (1915–1919) |Magnus von Braun (1919–1920) |Otto Rosencrantz (1920–1933) |Herbert Rohde (1933–1945)

Preußische Kultusminister
Preußische Innenminister

Friedrich Ferdinand Alexander zu Dohna-Schlobitten |Wilhelm zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein |Friedrich von Schuckmann |GustavAdolf Rochus von Rochow |Adolf Heinrich von Arnim-Boitzenburg |Ernst von Bodelschwingh der Ältere |Alfred von Auerswald |Friedrich von Kühlwetter |Franz August Eichmann |Otto Theodor von Manteuffel |Ferdinand von Westphalen |Eduard Heinrich von Flottwell |Maximilian von Schwerin-Putzar |Gustav von Jagow |Friedrich Albrecht zu Eulenburg |Botho August Wendt Graf zu Eulenburg-Wicken |Robert Viktor von Puttkamer |Ernst Ludwig Herrfurth |Botho August Wendt Graf zu Eulenburg-Wicken |Ernst Matthias von Köller |Gustav Wilhelm Eberhard von der Recke von der Horst |Kreuzwendedich Georg von Rheinbaben |Hans Christian Friedrich Wilhelm von Hammerstein-Loxten |Theobald von Bethmann Hollweg |Friedrich Ludwig Elisa von Moltke |Johann (Hans) von Dallwitz |Friedrich Wilhelm von Loebell |Wilhelm (Bill) Arnold Drews |Rudolf Breitscheid |Wolfgang Heine |Carl Severing |Adolph Alexander Eberhard Dominicus |Carl Severing |Albert Grzesinski |Heinrich Waentig |Carl Severing |Franz Bracht |Hermann Göring |Wilhelm Frick |Heinrich Himmler |Paul Giesler

Oberpräsidenten in Schlesien
Oberpräsidenten der Provinz Pommern

Karl von Ingersleben (1815–1816) |Johann August Sack (1816–1831) |Moritz Haubold von Schönberg (1831–1835) |Wilhelm von Bonin (1835–1852) |Ernst Senfft von Pilsach (1852–1866) |Ferdinand von Münchhausen (1867–1882) |Ulrich von Behr-Negendank (1883–1891) |Robert Viktor von Puttkamer (1891–1899) |Helmuth von Maltzahn (1900–1911) |Wilhelm von Waldow (1911–1917) |Hermann Freiherr von Ziller (1917–1918) |Georg Michaelis (1918–1919) |Julius Lippmann (1919–1930) |Carl von Halfern (1930–1933) |Franz Schwede (1935–1945)

Bezirkspräsidenten des Bezirks Lothringen (bis 1872 als Préfet)
Présidents du Département de la Lorraine

Leonce von Könneritz (März–September 1871) |Guido Henckel von Donnersmarck (1871–1872) |Botho zu Eulenburg (1872–1873) |Adolf von Arnim-Boitzenburg (1873–1874) |Robert von Puttkamer (1875–1876) |Friedrich von Reitzenstein (1877–1880) |Adalbert von Flottwell (1881–1882) |Hans von Hammerstein-Loxten (1883–1900) |Friedrich von Zeppelin-Aschhausen (1901–1912) |Karl von Gemmingen-Hornberg (1913–1918)

Abgeordnete des Reichstagswahlkreises Regierungsbezirk Gumbinnen 6

George William von Simpson (1867–1874) |Robert Viktor von Puttkamer (1874) |Adolf Hillmann (1875–1878) |George William von Simpson (1878–1884) |Eduard Maubach (1884–1889) |Otto Steinmann (1890–1894) |Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode (1895–1910) |Fritz Kochan (1910–1912) |Hermann Reck (1912–1918)

Abgeordnete des Reichstagswahlkreises Regierungsbezirk Gumbinnen 7

Gotthard von Tyszka (1867) |Gustav von Saltzwedel (1867–1871) |Leopold von Hoverbeck (1871–1875) |Robert Viktor von Puttkamer (1875–1877) |Eugen Müllner (1877–1878) |Julius von Mirbach-Sorquitten (1878–1881) |Walter Lejeune Dirichlet (1881–1884) |Max von Redecker (1884–1886) |Julius von Mirbach-Sorquitten (1886–1898) |Julius von Queis (1898–1903) |Ferdinand Rogalla von Bieberstein (1903–1918)

Personendaten
NAMEPuttkamer, Robert Viktor von
ALTERNATIVNAMENPuttkamer, Robert Viktor von (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNGdeutscher Politiker, MdR
GEBURTSDATUM5. Mai 1828
GEBURTSORTFrankfurt (Oder)
STERBEDATUM15. März 1900
STERBEORTGutKarzin,Pommern
Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Robert_Viktor_von_Puttkamer&oldid=263583796
Kategorien:

[8]ページ先頭

©2009-2026 Movatter.jp