Robert Schumann besaß eine literarisch-musikalische Doppelbegabung. Gedichte, künstlerische Prosa, Dramenentwürfe und musikalische Kompositionen standen in jungen Jahren gleichberechtigt nebeneinander.[4] Erst nach 1830 wurde die Musik zum Mittelpunkt seines Lebenskonzeptes, und er verstand sich selbst als Tondichter.[5] Sowohl in seinen Kompositionen als auch spätestens ab 1834 mithilfe seiner literarischen Arbeiten strebte er nach einer zukunftsträchtigen, poetischen Musik, wobei er sich von derProgrammmusikFranz Liszts distanzierte.[6]
Vielen Zeitgenossen galten seine Werke als zu schwierig. Lange hielt sich dasBonmot, er habe als Genie begonnen und als Talent geendet,[7] die späten Werke seien von seiner in diepsychiatrische Klinik führenden Krankheit geprägt. Mit der musikwissenschaftlichen Diskussion des Spätwerkes hat sich der Blick darauf verändert.[8] Schumanns Gesamtwerk wird inzwischen anerkannt, er gilt als einer der großen Komponisten des 19. Jahrhunderts.
Robert Schumann wuchs inZwickau auf. Schon als Kind begann er zu komponieren und lernte das Klavierspiel. Ab 1828 studierte er zunächst inLeipzig und dann inHeidelberg insgesamt zwei Jahre Jura, widmete sich aber mehr seinen literarischen und musikalischen Interessen. 1830 kehrte er nach Leipzig zurück, um Pianist zu werden. Er nahm Klavierunterricht beiFriedrich Wieck und Unterricht inMusiktheorie beiHeinrich Dorn. Als dauerhafte Beschwerden an der rechten Hand eine Virtuosenlaufbahn vereitelten, konzentrierte er sich auf das Komponieren.[9]
1834 gründete Schumann zusammen mit Friedrich Wieck und anderen in Leipzig dieNeue Zeitschrift für Musik, für die er zehn Jahre lang als Redakteur, Autor und Herausgeber arbeitete. Wegen des erbitterten Widerstandes von Friedrich Wieck musste sich Schumann die Erlaubnis, dessen TochterClara zu heiraten, 1840 vor Gericht erstreiten. 1843 kam er durchFelix Mendelssohn Bartholdy kurzzeitig als Lehrer an dasConservatorium der Musik in Leipzig. 1844 zog er nachDresden, wo er als Komponist sehr produktiv war und ab 1847 auch als Chorleiter wirkte. 1850 wurde Schumann StädtischerMusikdirektor inDüsseldorf.
Nachdem er schon in verschiedenen Phasen seines Lebens ernsthafte seelische Krisen erlebt hatte, unternahm Schumann 1854 einen Suizidversuch. Seine letzten Jahre verbrachte er in derRicharz’schenHeilanstalt in Endenich beiBonn.
Robert Schumann war das jüngste von fünf Kindern des Buchhändlers und VerlegersAugust Schumann (1773–1826) und dessen FrauJohanne Christiane geb. Schnabel (1767–1836[10]). Als diese erkrankte, wurde dem jungen Robert dieFamilie seiner Taufpatin Eleonore Caroline Elisabeth Ruppius ein zweites Zuhause. August Schumann verfasste Romane und hatte überregional einen guten Ruf als Übersetzer englischsprachiger Autoren. Von 1807 an führte er gemeinsam mit seinem Bruder die VerlagsbuchhandlungGebrüder Schumann in Zwickau, die für die Förderung allgemeiner Bildung durch Herausgabe von Klassikern aller Nationen im Taschenbuchformat bekannt war. Robert Schumann hatte vier ältere Geschwister: Emilie (1796–1825), Eduard (1799–1839), Carl (1801–1849) und Julius (1805–1833). Die älteren Brüder gingen später alle ins Verlagsgeschäft.[11]
Schon bevor Schumann im Alter von sieben Jahren Klavierunterricht bei Johann Gottfried Kuntsch (1757–1855) erhielt, hatte er kleine Klavierstücke komponiert. „Ich genoss die sorgfältigste und liebevollste Erziehung“, bekundete Schumann später.[12] Recht bald verfasste er – angeregt von der literarischen und verlegerischen Tätigkeit seines Vaters sowie der Lektüre in dessen reichhaltiger Bibliothek – Gedichte, Romanfragmente und Aufsätze sowie selbstkritische Texte und führte ein Tagebuch. 1846 erinnerte er sich: „Es drängte mich imer zum Producieren, schon in frühesten Jahren, war’s nicht zur Musik, so zur Poësie.“[13] Besonders prägten ihn die romantischen Schriftsteller sowie vor allemJean Paul.[14] Der Vater unterstützte Roberts literarische Interessen und seine musikalischen Ambitionen.
Schumanns Schulausbildung war umfassend. Er lernteLatein,Griechisch undFranzösisch und galt als außergewöhnliches Sprachtalent. Als Jugendlicher gründete er ein Schulorchester, daneben auch einen literarischen Verein,[15] in dem er mit Mitschülern verschiedene Werke, unter anderem acht Dramen vonFriedrich Schiller, in verteilten Rollen las. „[E]r war von der absoluten Gewißheit beherrscht, künftig ein berühmter Mann zu werden – worin berühmt, das war noch sehr unentschieden, aber berühmt unter allen Umständen“, hielt sein JugendfreundEmil Flechsig fest, dessenErinnerungen an Robert Schumann vor allem über Schumanns Jugend- und Studienzeit Aufschluss geben.[16]
Schumanns musikalische Ausbildung blieb indessen während der Schulzeit nahezu dilettantisch. Sobald er besser Klavier spielte als sein Lehrer, empfahl dieser ihm das Selbststudium, was Schumann unter anderem durch den Besuch musikalischer Aufführungen und das Lesen von Partituren und Klavierauszügen umzusetzen suchte. Im Rückblick schrieb Schumann über die Zeit von etwa 1820 bis 1824: „… Freies Phantasiren (täglich viele Stunden) … Krankhafte Sehnsucht nach Musik u. Clavierspiel, wenn ich lange nicht gespielt … Violoncell u. Flöte bei Stadtdir. Meißner … In der Phantasie am stärksten … Hinreißendes Feuer meines Vortrags … Gänzlicher Mangel einer Leitung fühlbar: Gehör, Technik insbesondere, Theorie […]“[17]
Robert Schumanns Reifezeugnis vom 15. März 1828
1826 starb August Schumann, der schon länger an Unterleibsbeschwerden und einem „Nervenübel“ sowie zuletzt auch an Schwindelanfällen gelitten hatte, im Alter von 53 Jahren.[18] Dadurch und durch den TodCarl Maria von Webers in demselben Jahr zerschlug sich Robert Schumanns Hoffnung, von Webers Schüler werden zu können.[19] August Schumann hinterließ seiner Familie ein kleines Vermögen. Roberts Anteil wurde von einem Vormund verwaltet, dem Zwickauer Tuch- und Eisenwarenhändler Gottlob Rudel. Als Robert Schumann sein Abitur gemacht hatte (mit dem zweitbesten Prädikat „omnino dignus“), entschied seine Mutter gemeinsam mit dem Vormund, dass erRechtswissenschaften studieren solle.[20]
Am 29. März 1828 schrieb sich Schumann an derLeipziger Universität als Jurastudent ein. Nachdem er bereits als Schüler am Gymnasium in Zwickau Mitglied einesburschenschaftlichenSchülervereins gewesen war, wurde er 1828 Mitglied der Alten Leipziger BurschenschaftMarkomannia.[21] Noch um 1835 kam er in das Register einer polizeilichen Ermittlungsakte, die gegen die burschenschaftliche Bewegung an der Universität Leipzig gerichtet war.[22] 1828 bewohnte er dieselbe Wohnung wie Emil Flechsig, dessen Briefwechsel mit Schumann von Schumann selbst im Hinblick auf „die Nachwelt“ schon 1828 für bedeutend gehalten wurde: „[D]enn daß unsere Briefe einmal gedruckt werden, ist ausgemacht.“[23]
Leipzig war damals mit rund 41.000 Einwohnern nachDresden die zweitgrößte StadtSachsens. Es war die Stadt der Messen, des Buchhandels und des Buchdrucks. Renommierte Verlage wieBrockhaus,Reclam undBreitkopf & Härtel hatten hier ihren Sitz. Das LeipzigerGewandhausorchester brillierte mit Aufführungen, wie Schumann sie bisher noch nicht erlebt hatte.
Clara Wieck 1828, im Jahr ihres ersten großen Auftritts als Pianistin, Elfenbeinminiatur (Ausschnitt)
Noch vor dem Beginn der Vorlesungen des Sommersemesters begegnete Schumann im Haus des kunstliebenden ProfessorsErnst August Carus und seiner FrauAgnes Carus dem Mann, der sein Leben verändern sollte:Friedrich Wieck. Wieck, der Theologie studiert und als Hauslehrer gearbeitet hatte, warautodidaktisch in Klavierspiel, Kompositionslehre, Musikalienhandel und Musikpädagogik gebildet und genoss als Klavierpädagoge einen ausgezeichneten Ruf. Sein Ansatz, der MethodeBernhard Logiers folgend, bestand aus der Kombination von Klavierspiel und -technik sowie einer grundlegenden Ausbildung in Musiktheorie. Seine erfolgreichste Schülerin war seine Tochter Clara, die Schumann am 31. März 1828 erstmals sah.[24]
Vom 24. April 1828 bis zum 14. Mai 1828 unternahm Schumann zusammen mit seinem Freund Gisbert Rosen eineMulus-Reise durch Bayern, die ihn zu Wirkungsstätten Jean Pauls führte und auf der er in München vonHeinrich Heine empfangen wurde.[25] Jean Paul und Heinrich Heine waren nebenE. T. A. Hoffmann die für Schumanns Denken und Schaffen wichtigsten Dichter.[26][14]
Die Vorlesungen des Sommersemesters hatten bereits am 12. Mai 1828 begonnen.[27] Zwar schrieb er seiner Mutter, er „gehe regelmäßig in die Kollegien“, verbrachte seine Zeit aber hauptsächlich mit Musik, Schreiben und Lesen, besuchtephilosophische Vorlesungen zum Beispiel beiWilhelm Traugott Krug, blieb aber auch manchen Vormittag im Schlafrock bei „lyrischer Faulenzerey“. Manchmal plagten ihn seine Unentschlossenheit und das schlechte Gewissen, worüber seine Tagebücher und Jugendbriefe Auskunft geben. Aus dem Tagebuch: „Es überläuft mich eiskalt, wenn ich denke, was aus mir werden soll.“[28] Und in einem Brief an seine Mutter: „Ich muss an die Jurisprudenz, so kalt, so trocken sie auch sein mag, ich w i l l überwinden: und wenn der Mensch nur w i l l – er kann ja A l l e s […] und ich will nicht mit trüben Blicken in eine Zukunft schauen, die doch so glücklich sein kann, wenn ich nicht wanke.“[29]Im August 1828 begab sich Schumann in Sachen musikalischer Fortbildung in Wiecks Hände. Doch es fehlten ihm im Gegensatz zu Clara Wieck entscheidende Grundlagen sowohl beim Pianistenhandwerk als auch in der Kompositionstechnik. Die Enttäuschung war groß. Schumann ließ sich immer häufiger bei Wieck entschuldigen und kam schließlich gar nicht mehr zum Unterricht.[30] Wie Emil Flechsig berichtete, beschäftigte er sich in dieser Zeit immer mit dem Neuesten in der Literatur: „Heines Reisebilder, Menzels deutsche Geschichte – besonders viel Lektüre von Jean Paul, dessen Stil und Manier er leider zu sehr nachahmte in seinen Schreibereien, die er täglich mehrere Stunden fortsetzte.“[31] Zudem komponierte er 1828 neben Klavierwerken auch Lieder, von denen er zwei später zu langsamen Sätzen seiner Klaviersonaten op. 11 und op. 22 umformte.[32]
Musikalische Soiree bei Thibaut, Aquarell um 1829
Im Mai 1829 wechselte Schumann für drei Semester an dieRuprecht-Karls-Universität Heidelberg, um sich endlich ernsthaft der Rechtswissenschaft zu widmen.[33] Er schloss sich 1830[34] demCorps Saxo-Borussia Heidelberg an.[35] In fachlicher Hinsicht erwies sich der Ortswechsel als vertane Zeit. Unter den Professoren konnte ihn nurAnton Friedrich Justus Thibaut faszinieren, weil dieser – selbst hochmusikalisch – in seinem Haus regelmäßig Musikabende insbesondere mit Werken vonGiovanni Pierluigi da Palestrina undGeorg Friedrich Händel veranstaltete.[36] Und weil in dieser Zeit eine Reise nach Italien aus seiner Sicht einfach lebensnotwendig war, rang Schumann seiner Mutter die Mittel dafür ab. „Italien, Italien, summte mir’s von Kindesbeinen um mein Herz“, schrieb er ihr.[37] Was ihn dort hinzog, war „das ganz tolle, bewegsame, lebendige Leben“. Er wollte die „weißen glänzenden Städte“, „die Orangendüfte, südliche Blumen“ und die „Italiänerinnen mit den feurig-schmachtenden Augen“ kennenlernen.[38] Er besuchte dasTeatro alla Scala und war beeindruckt von Rossini-Aufführungen mit der SängerinGiuditta Pasta; aber insgesamt vermochte er der italienischen Musik wenig abzugewinnen.[39]
Am 10. April 1830 reiste Schumann zusammen mit zwei Freunden von Heidelberg aus nach Frankfurt am Main zu einem KonzertNiccolò Paganinis. Paganinis Virtuosität und dessen Kompositionen wirkten sich auf Schumann in zweierlei Hinsicht aus: „Paganini reizte auf’s Aeußerste zum Fleiß“ beim Klavierüben, und Schumann plante virtuose Variationen über PaganinisLa Campanella, wovon sich allerdings nur einige Skizzenblätter erhalten haben.[40]
Friedrich Wieck um 1830, Gemälde imRobert-Schumann-Haus in ZwickauRobert Schumann 1830, anonyme Miniatur auf Elfenbein (Ausschnitt)
Aus Heidelberg schrieb Schumann am 30. Juli 1830 seiner Mutter, dass er nach langem inneren Ringen[41] beabsichtige, den Beruf eines Musikers zu ergreifen: „Folg ich meinem Genius, so weist er mich zur Kunst, und ich glaube zum rechten Weg.“ Innerhalb von sechs Jahren wollte er „mit jedem anderen Klavierspieler wetteifern“. Auf sein Bitten hin wandte sich die Mutter anFriedrich Wieck – „mit Zittern und innerer Angst“, denn aus ihrer Sicht hätte Robert die Pianistenlaufbahn schon zehn Jahre früher anfangen müssen, um damit das „Brod fürs Leben“ verdienen zu können.[42] Schon nach zwei Tagen erhielt sie Antwort. Wieck schrieb: „Ich mache mich anheischig, Ihren Herrn Sohn, den Robert, bei seinem Talent und seiner Phantasie binnen drei Jahren zu einem der größten jetzt lebenden Klavierspieler zu bilden, der geistreicher und wärmer alsMoscheles und großartiger alsHummel spielen soll.“ Allerdings verband er dies mit der Bedingung, dass Schumann anders als in Heidelberg seine „zügellose Phantasie, verbunden mit so viel schwankendem Sinne“ bezwinge und regelmäßig zum Unterricht erscheine.[30]
Schumann ging voller guter Vorsätze zurück nach Leipzig und bezog dort zunächst ein Zimmer im Hause Wiecks. Damals freundete er sich mit Wiecks Tochter Clara an. Er ging mit ihr manchmal spazieren, konnte mit dem neun Jahre jüngeren Mädchen aber noch wenig anfangen. Neben dem Klavierunterricht hatte er – erstmals in seinem Leben – von Juli 1831 bis Februar/März 1832 bei Heinrich Dorn einen „ordentlichen Compositionsunterricht“. Generalbassstudien und kontrapunktische Übungen standen im Mittelpunkt. Danach bildete sich Schumann autodidaktisch weiter und gelangte mit der Zeit zu einer objektivierenden Distanz zur in der Klavierimprovisation gewonnenen subjektiven „Eingebung des Augenblickes“.[43]
Die angestrebte Karriere als Konzertpianist musste er allerdings bald aufgeben. Verstreute Bemerkungen in seinen Tagebüchern weisen darauf hin, dass 1831 manifest werdende Probleme mit der rechten Hand schon eine Vorgeschichte hatten: Er erwähnte einen kranken Arm (Dezember 1828), einen betäubten Finger (Januar 1830) und schließlich „unendlichste Schmerzen im Arm“ (September 1830). In seinemProjektenbuch notierte er, nachdem er im Sommer 1831 intensiv und ohne befriedigenden Erfolg an Frédéric ChopinsVariationen über „Là ci darem la mano“ geübt hatte: „Ohngefähr im October 1831 Erlahmung meiner rechten Hand.“[44] Daraus erwuchsen chronische Beschwerden, laut seinem Tagebuch im Mai 1832 zunächst am rechten Mittelfinger, dann in der ganzen rechten Hand. Friedrich Wieck führte diese Behinderung darauf zurück, dass Schumann ein mechanisches Übungsgerät verwendet hatte, mit dem einzelne Finger zurückgehalten werden konnten, um sie gezielt zu stärken.[45] Eine dauerhafte Beeinträchtigung der ganzen Hand – und die Tatsache, dass Schumann das Problem als „Schwäche“ und „Lähmung“ beschrieb, aber nicht über Schmerzen klagte – spricht jedoch eher gegen das Übungsgerät als Ursache. Auch Clara Schumann erinnerte sich später an keinen solchen Zusammenhang.[46] Um eineSehnenscheidenentzündung kann es sich nicht gehandelt haben, weil diese sehr schmerzhaft gewesen wäre. Der aufMusikermedizin spezialisierte NeurologeEckart Altenmüller kommt zu dem Ergebnis, dass bei Schumann eine tätigkeitsspezifischefokale Dystonie vorlag, besser bekannt als „Musikerkrampf“.[47] Im August 1832 schrieb Schumann seiner Mutter, es habe keinen Sinn mehr, das Klavierstudium fortzusetzen. In einem Brief im November teilte er ihr mit, er halte seine Beschwerden für unheilbar.[48]
Eine Seite aus Schumanns Skizzenbuch V mit Generalbass-StudienAnalytische Abschrift derFuge c-Moll aus J. S. BachsWohltemperiertem Klavier I
Schumann konzentrierte sich nunmehr auf das eigenständige Erlernen von Kompositionstechniken; satztechnische Werkanalysen und eigene Übungen dazu stellte er über Lehrbuchstudien; wertvolles Anschauungsmaterial lieferte ihm hierbei vor allem dasWohltemperierte Klavier vonJohann Sebastian Bach.[49] Seinem ehemaligen Lehrer Johann Gottfried Kuntsch schrieb er darüber, dasWohltemperierte Klavier sei seine Grammatik, „und die beste ohnehin. Die Fugen selbst hab’ ich der Reihe nach zergliedert […].“[50]
Anfänglich komponierte Schumann fast ausschließlich für Klavier, sein Opus 1 sind dieAbegg-Variationen (1829/1830), Stücke, die einer wohl aufMeta Abegg zurückgehenden Phantasieperson „Comtesse d’Abegg“ gewidmet sind und auf der Notenfolge A-B-E-G-G aufbauen. Zu seinen ersten Kompositionen gehören auch diePapillons op. 2 (1829–1832), ein Zyklus aus kleinen Klavierstücken, den Schumann seinen drei Schwägerinnen widmete. Den einzelnen Stücken ordnete er bestimmte Textstellen aus dem RomanFlegeljahre vonJean Paul zu, erkennbar an Schumanns Randnotizen in seinem Exemplar des Romans.[51]
Von den frühen Kompositionen ist im Zusammenhang mit Schumanns strapaziösen Fingerübungen die 1829 begonnene und 1833 in endgültiger Fassung fertiggestellteToccata op. 7 erwähnenswert, ein hochvirtuoses Stück mit besonderer Belastung für die äußeren, eigentlich schwächeren Finger.[36]
Im Frühjahr 1831 ging Schumann eine Beziehung mit einer jungen Frau ein, die er in seinen Tagebüchern „Christel“ nannte. Am 8. Juni 1831, seinem 21. Geburtstag, gab er ihr denDavidsbündlernamen „Charitas“.[52] Die Affäre hatte offenbar Folgen, denn am 4. Oktober 1836 erhielt Schumann den Brief einer gemeinsamen Freundin über „Hoffnungen, von denen ich nichts wissen mag“ – vermutlich eine Schwangerschaft.[53] Im Januar 1837 heißt es dann im Tagebuch: „Ein Mägdlein. (a. 5ten, glaub’ ich)“.Gerd Nauhaus, der Herausgeber der Tagebücher bezweifelte noch, dass es sich dabei um ein Kind des Komponisten handelte.[54] Andere Forscher, darunterJudith Chernaik undEric Frederick Jensen, sind wiederum überzeugt, dass das „Mägdlein“ Schumanns Tochter war. Darauf deutet auch das Resümee seiner Beziehung mit „Charitas“, zu der er bemerkte: „Folgen davon im Januar 1837“.[55]
Der Schumann-BiographJohn Worthen vermutete als Erster, dass es sich bei der Geliebten um ein Dienstmädchen der Familie Wieck handelte.[56] Nach den Forschungen vonKlaus Martin Kopitz könnte „Christel“ tatsächlich eine Leipziger „Dienstmagd“ namens Johanne Christiane Apitzsch (1806–1838) gewesen sein, die am 2. Januar 1837 imJacobshospital eine uneheliche Tochter zur Welt brachte.[57]
Die letzte Begegnung mit ihr sowie die Zahlung von 2 Talern „[a]n Charitas zu Weihnacht“ vermerkte Schumann unter dem 27. Dezember 1837.[58] Ob er sich bei ihr mitSyphilis ansteckte, wie seine Erinnerungen vom September 1855 nahelegen, ist umstritten.[59]
Im zweiten Halbjahr 1833 geriet Schumann in eine psychische Krise mit Wahn- und Suizidvorstellungen, die er in einem Tagebuch-Rückblick als „fürchterlichste Melancholie“ beschrieb.[60] Ein Arzt machte ihm Hoffnungen, diese Krise durch eine Heirat zu überwinden. 1834 verlobte er sich mitErnestine von Fricken geb.von Zedtwitz, von der er dachte, sie werde ihn „retten“.[61] Er hielt die Verlobte für die Tochter eines reichenböhmischenBarons. Dass es sich um böhmischen Adel handelte, traf zwar zu, allerdings war Ernestine einAdoptivkind und nicht erbberechtigt. Schumann löste die Verlobung vor Ablauf eines Jahres, setzte der jungen Dame jedoch ein musikalisches Denkmal: denCarnaval (1834/1835).[62] Er zitierte den Namen des böhmischen StädtchensAsch, aus dem die Familie von Fricken stammte, am Anfang der meisten Stücke desZyklus mit der Tonfolge A–Es–C–H oder As–C–H. Diese Tonfolgen kommen auch im Namen Schumanns und inFasching vor, wie der Zyklus ursprünglich heißen sollte. Ein Stück trägt den TitelEstrella; mit diesem Pseudonym ist Ernestine von Fricken gemeint.[63]Chiarina, der Titel eines anderen Stücks, bezieht sich auf Clara Wieck.[64] Seine 1833 alsEtüden im Orchestercharakter von Florestan und Eusebius begonnenen und 1837 alsXII Études Symphoniques veröffentlichtenSinfonischen Etüden sind wenigerEtüden im Wortsinn als vielmehr Variationen über ein eingangs vorgestelltes Thema, das von Ernestine von Frickens Vater Ignaz von Fricken stammt. Dieser ist in der Fußnote auf der zweiten Seite der Erstausgabe gemeint: „Les notes de la melodie sont de la Composition d’un Amateur.“[65]
1833 hatte sich um Schumann ein Kreis junger Künstler gebildet, die sich regelmäßig im Leipziger LokalZum Arabischen Coffe Baum einfanden. Sie nannten sichDavidsbündler und verstanden sich als Gegenpol zu den „Philistern“, denSpießbürgern. Vorbilder waren dieSerapionsbrüder um E.T.A. Hoffmann. In der Tradition der damals beliebten Geheimbünde trugen die Davidsbündler Phantasienamen. Wie bei Hoffmann standen die Namen der Mitglieder einerseits für reale Personen, andererseits aber immer mehr für literarische Figuren mit besonderen künstlerischen und ästhetischen Ansichten. Der Bund und die Phantasienamen spielen in einigen Werken Schumanns eine Rolle, außer imCarnaval zum Beispiel auch in denDavidsbündlertänzen, zudem in Artikeln derNeuen Zeitschrift für Musik.[66]
Neue Leipziger Zeitschrift für Musik, Titel des ersten Jahrgangs von 1834
Zusammen mit Friedrich Wieck, dem gleichaltrigenLudwig Schuncke († 7. Dezember 1834 in Leipzig) und einigen weiteren Freunden gründete Schumann im April 1834 die 1835 inNeue Zeitschrift für Musik umbenannteNeue Leipziger Zeitschrift für Musik und machte damit derAllgemeinen musikalischen Zeitung Konkurrenz, in der er selbst 1831 einen bedeutenden Beitrag über Chopins op. 2, dieVariations sur "Là ci darem la mano" de "Don Juan" de Mozart, veröffentlicht hatte.[67] Da die Mitbegründer für das Projekt kaum Zeit aufbringen konnten, übernahm er zehn Jahre lang den größten Teil der Arbeit als Herausgeber und Redakteur und schrieb auch selbst viele Beiträge. Im Juli 1844 gab Schumann die Leitung der Zeitschrift an seinen AutorOswald Lorenz ab.[68]Die allgemeine Zielrichtung der Zeitschrift formulierte Schumann im ersten Heft des Jahrgangs 1835: „[D]ie alte Zeit und ihre Werke anzuerkennen, darauf aufmerksam zu machen, wie nur an so reinem Quelle neue Kunstschönheiten gekräftigt werden können – sodann die letzte Vergangenheit als eine unkünstlerische zu bekämpfen, für die nur das Hochgesteigerte des Mechanischen einigen Ersatz gewährt habe – endlich eine junge, dichterische Zukunft vorzubereiten, beschleunigen zu helfen“.[69][68] In seinen 1854 erschienenenGesammelten Schriften über Musik und Musiker ersetzte er den Begriff derjungen, dichterischen Zukunft durch den derneuen, poetischen Zeit. Mit dieser Maxime erfasste Schumann auch seinen eigenen künstlerischen Werdegang vom dichtenden und komponierenden Kind und Jugendlichen zum erwachsenen Komponisten, der, ausgehend von der musikalischen Poetik Jean Pauls, „gekräftigt“ an den Werken Beethovens und vor allem Johann Sebastian Bachs, seine eigene poetische Musik schuf. Schumann drückte folgerichtig vielen seiner Besprechungen von Werken und Aufführungen seinen Stempel auf: den der poetisierenden Kritik, vergleichbar mitE. T. A. Hoffmann, der Jahrzehnte zuvor unter dem PseudonymJohannes Kreisler für dieAllgemeine musikalische Zeitung in einem ähnlichen Stil geschrieben hatte. In Schumanns Texten ist alles vertreten, ernsthafte Auseinandersetzung, subtiler Spott, aber auch wie beiGiacomo MeyerbeersHugenotten höhnischer Verriss.[70]
Schumann wie auch die anderen Autoren schrieben unter zahlreichen Pseudonymen und Kürzeln. Er selbst verwendete über dreißig, darunter die Namen der fiktiven FigurenFlorestan und Eusebius.Florestan verkörperte den leidenschaftlichen Schumann,Eusebius den in sich gekehrten Schumann.Meister Raro, für den Friedrich Wieck Pate stand, war die Figur eines Ratgebers. Schumann nutzte die unterschiedlichen Charaktere, um verschiedene Sichtweisen von Werken darzustellen.[68]
Robert Schumann und Clara Wieck, die durch das von Robert 1830 entworfene Variationsthema[71] von Claras op. 3 und Roberts op. 5 bereits musikalisch eng verbunden waren,[72] wurden 1835 zum Liebespaar: „Der erste Kuß im N o v e m b e r.“[73] Claras Vater unternahm in der Folgezeit alles, um jeden Kontakt zwischen den frisch Verliebten zu unterbinden. Nichts war mehr möglich, kein Treffen, selten Briefe, die unter geradezu konspirativen Umständen übermittelt wurden, Blicke nur aus der Entfernung. Im August 1837 verlobten sich Robert Schumann und Clara Wieck heimlich. Schumann bat Clara Wieck in einem Brief vom 13. August 1837 um ihre Zustimmung, bei Friedrich Wieck um ihre Hand anzuhalten. Sie solle ihrem Vater einen beigefügten Brief mit seinem Heiratsantrag übergeben. „Schreiben Sie mir ein einfaches Ja […].“ Clara antwortete umgehend: „Nur ein einfaches ›Ja‹ verlangen Sie? So ein kleines Wörtchen – so wichtig! […] [I]ch thue es […].“[74] Anfang September 1837 wurde der Brief nach einigem Zögern übergeben. Friedrich Wieck ließ Clara zunächst im Ungewissen.[75] Schumann berichtete Clara am 18. September von seinem anschließenden Gespräch mit Wieck, der eine Heirat ausschloss: „Diese Unterhaltung mit Ihrem Vater war fürchterlich […]. Ich bin angegriffen an der Wurzel meines Lebens.“[76]
Die 1838 vollendetenKreisleriana wollte Schumann ursprünglich Clara Wieck widmen, sah jedoch auf Wunsch Claras davon ab, da sie eine Eskalation der Streitigkeiten mit Friedrich Wieck befürchtete. Gedanklich ist der Zyklus dem SchriftstellerE. T. A. Hoffmann verpflichtet, der seinen Kapellmeister Kreisler nicht nur als Pseudonym für dieLeipziger musikalische Zeitung verwendet, sondern ihn auch literarisch zum Charakter erhoben hatte. Schließlich widmete Schumann dieKreislerianaFrédéric Chopin, für den er große Bewunderung hegte.[77] Wie Chopin darauf reagierte und was dieser von weiteren Werken Schumanns hielt, ist weitgehend unbekannt. DenCarnaval jedenfalls schätzte er nicht, und in seinem Klavierunterricht verwendete er nichts von Schumann.[78]
Auch andere Pianisten verhielten sich Schumanns Stücken gegenüber zurückhaltend:Franz Liszt, der einige Schumann’sche Werke in sein Repertoire genommen hatte, erlitt nach eigenem Bekunden damit ein „großes Fiasko“. Selbst Clara, die maßgeblich zur größeren Bekanntheit von Schumanns Klavierwerken beitrug, spielte bei ihren öffentlichen Konzerten nur vereinzelt das eine oder andere Stück. Die Zuhörer hatten einen anderen Geschmack.Ludwig van Beethoven wurde verehrt,Mendelssohn Bartholdy,Chopin undScarlatti waren beliebt.Sigismund Thalberg undFriedrich Kalkbrenner wurden damals häufig zu Gehör gebracht, aber auchHenri Herz, der dem 20-jährigen Schumann als Vorbild diente und den dieser später wegen seiner seichten Klaviermusik attackierte.[79]
Vom 3. Oktober 1838 bis zum 5. April 1839 lebte Schumann inWien, wo er ein Zimmer in derSchönlaterngasse Nr. 679 (heute Nr. 7a) im 1. Stock bewohnte.[80] Er traf dort mit zahlreichen Musikerkollegen zusammen und versuchte insbesondere, seineNeue Zeitschrift für Musik zu etablieren, scheiterte aber an der Ablehnung der Wiener VerlegerTobias Haslinger undAnton Diabelli, an die er vonGraf Joseph Sedlnitzky, dem Chef der Zensurbehörde, verwiesen worden war. Wie Schumann befürchtet hatte, zeigte es sich, „dass niemand die Zeitung als zu Jung-Deutschland-mäßig“ mochte. Dennoch brachte der Wienaufenthalt ein bedeutendes Ergebnis: Schumann entdeckte beiFerdinand Schubert die noch unveröffentlichteGroße Sinfonie in C-Dur von dessen verstorbenem BruderFranz Schubert, sorgte für deren Drucklegung und übergab sieFelix Mendelssohn Bartholdy, der sie am 31. März 1839 in Leipzig postum zur Uraufführung brachte.[81]
Robert Schumann, 1839Clara Wieck, 1840, kurz vor ihrer Vermählung
Im Juli 1839 versuchten Robert Schumann und Clara Wieck die hoffnungslos erscheinende Situation mit einer Klage vor Gericht zu beenden, die darauf gerichtet war, dass entweder Claras Vater der Ehe zustimmen oder von Amts wegen eine Einwilligung herbeigeführt werden sollte.[82] Um seine Position im Prozess gegen Wieck zu verbessern, bemühte sich Schumann erfolgreich um die „Doctorschaft“ derUniversität Jena. Am 24. Februar 1840 verlieh ihm die philosophische Fakultät die Doktorwürdein absentia. Dazu hatte Schumann einen handgeschriebenen Lebenslauf,[83] Sittenzeugnisse und mehrere von ihm verfasste, als „Promotionsschrift“ gewertete Aufsätze eingereicht.[84]
Bereits ab dem 16. Juli 1840 richteten Robert Schumann und Clara Wieck ihre erste gemeinsame Wohnung ein, in der sie ihre gesamte Leipziger Zeit über wohnten. Sie lag in der Inselstraße Nr. 5 (heute Nr. 18,Schumann-Haus), in dem Leipziger Viertel, wo sich auch Buch- und Musikalienverlage angesiedelt hatten – nach Clara „ein kleines, trauliches, aber freundliches Logis“.[85][86][87] Persönlichkeiten des Leipziger und internationalen Musiklebens wieFelix Mendelssohn Bartholdy,Hector Berlioz,Franz Liszt undIgnaz Moscheles waren dort in der Folgezeit gern gesehen;[88][89] in einem Musikerhaushalt war die Unterhaltung der Gäste mitKammermusik und Lesungen selbstverständlich.[90]
Am 1. August 1840 erteilte das Gericht die Heiratserlaubnis. Am 12. September, einen Tag vor Clara Wiecks 21. Geburtstag, heiratete das Paar in derGedächtniskirche vonSchönefeld bei Leipzig, tafelte und feierte in Leipzig bei einer Tante Claras und machte nachmittags einen Ausflug zum englischen Garten des RittergutesZweinaundorf.[82][91][92]
Robert und Clara Schumann: Zwölf Gedichte aus Rückert’s Liebesfrühling für Gesang und Pianoforte Op. (1841), Titelblatt
In seiner Ehe mit Clara versuchte Schumann stets Einfluss auf ihr Leben und Schaffen zu nehmen. Er wünschte nicht, dass sie weiter ihren Konzerttätigkeiten nachging. Schon 1839 hatte er ihr geschrieben: „Das erste Jahr unserer Ehesollst Du die Künstlerin vergeßen,sollst nichts als Dir u. Deinem Haus und Deinem Mann leben, […].“[93] Andererseits bestärkte er sie im eigenen Komponieren. Sein Ziel war musikalische Zweisamkeit in Einheit.[93] So veröffentlichte das Ehepaar 1841Zwölf Gedichte aus Rückerts Liebesfrühling für Gesang und Pianoforte als op. 37 (Robert Schumann) und op. 12 (Clara Schumann), ohne dass die Autorschaft der einzelnen Lieder offenbart wurde.[94] Schumann schätzte Clara vor allem bei der Entstehung und Revision seiner Klavierkompositionen als Kritikerin und folgte manchmal ihren Ratschlägen, so z. B. bei denNachtstücken op. 23.[95]Im Falle der Klaviersonate g-Moll op. 22 hatte er bereits 1838 auf Drängen Claras einen neuen Schlusssatz komponiert.[96] Die gegenseitige Würdigung und Kritik der Werke hatte Robert Schumann im ersten Eintrag in das gemeinsameEhetagebuch vom 13. September 1840 – an Clara gerichtet – angeregt: „Eine Zierde unsres Tagebüchleins soll […] die Kritik unserer künstlerischen Leistungen werden[.]“[97]
1840 wurde ein Jahr großer Produktivität, in dem rund die Hälfte seines gesamten Liedschaffens entstand (darunter derLiederkreis op. 39 und dieDichterliebe op. 48); das Jahr wird daher häufig als sein „Liederjahr“ bezeichnet. 1841 komponierte Schumann seineSinfonie Nr. 1 in B-Dur, dieFrühlingssinfonie. Sie wurde am 31. März 1841 unter dem Dirigat von Felix Mendelssohn Bartholdy uraufgeführt. Die innerhalb kürzester Zeit vollbrachte Komposition und der überwältigende Publikumserfolg dieser Sinfonie galten Robert und Clara Schumann als Bestätigung dafür, sich gegen alle Widerstände für ein gemeinsames Künstlerleben entschieden zu haben. Entsprechend bezeichnete Friedrich Wieck das Werk Schumann gegenüber als „Widerspruchssymphonie“.[98][99] Noch im selben Jahr vollendete Schumann dieSinfonie in d-Moll. Am 6. Dezember 1841 uraufgeführt, kam sie beim Publikum nicht recht an. 12 Jahre später hat Schumann sie überarbeitet, bekannt ist sie heute als seine vierte und letzte Sinfonie.
1842 war Schumanns „Kammermusikjahr“. In dichter Folge entstanden die drei Streichquartette op. 41 (Juni/Juli), das Klavierquintett Es-Dur op. 44 (September/Oktober), das Klavierquartett op. 47 (Oktober/November) und die Phantasiestücke op. 88 für Klavier, Violine und Violoncello (Dezember).[100]
1843 war Schumann für kurze Zeit amLeipziger Konservatorium Lehrer in den Fächern Klavier, Komposition und Partiturspiel.[101] Das Jahr 1843 stand im Übrigen vorwiegend im Zeichen der Komposition und der Einstudierung vonDas Paradies und die Peri op. 50 für Soli, Chor und Orchester. Die Uraufführung – zugunsten des Konservatoriums – fand am 3. Dezember 1843 im Gewandhaus statt.[102]
In dieser Zeit versuchte Friedrich Wieck Schumann zu helfen, indem er in seinen Schriften immer wieder auf die Vorbildlichkeit von dessen Musik – nicht nur in Interpretationen seiner Tochter Clara – hinwies und ihn nebenFrédéric Chopin,Felix Mendelssohn Bartholdy,Ignaz Moscheles undCarl Maria von Weber zu seinen künstlerischen Vorbildern erklärte.[103] Mit einem Versöhnungsbrief vom 21. Januar 1843 an Clara Schumann[104] und einem nachfolgenden Besuch Claras bei ihrem Vater in Dresden wurde der Kontakt zwischen Friedrich Wieck und dem Ehepaar Schumann wieder angebahnt. In einem Brief vom 15. Dezember wandte sich Friedrich Wieck direkt an Schumann. Darin heißt es: „Wir können uns, der Clara und der Welt gegenüber, nicht mehr fern stehen. Sie sind jetzt auch Familienvater – warum lange Erklärungen?“ Wieck versicherte Schumann seine Anteilnahme an dessen Talent und dessen „schönen und wahren Bestrebungen“. Den Brief unterzeichnete er mit „Ihr Vater Fr. Wieck“. Robert Schumann blieb jedoch Friedrich Wieck gegenüber reserviert.[105]
Da die Geldsorgen wuchsen, begab sich Clara Schumann im Januar 1844 wieder auf Konzerttournee, unter anderem nach Russland, was ihr 6000 Taler einbrachte. Schumann begleitete sie, in den Augen der Bewunderer Claras oft nur als Gatte einer europaweit bekannten Pianistin. Schumanns 1. Sinfonie wurde in Sankt Petersburg in einem Privatkonzert aufgeführt.[106]
Robert und Clara Schumann, Lithografie vonEduard Kaiser mit persönlicher Widmung des Paars, 1847Robert Schumann, im März 1850, Daguerreotypie von Johann Anton Völlner
1844 zerschlug sich Schumanns Hoffnung, Nachfolger von Mendelssohn Bartholdy amLeipziger Gewandhaus zu werden. Schumann zog daraufhin am 15. Dezember 1844 mit seiner Familie nachDresden. Die Folgezeit bis 1846 war geprägt von Krankheiten, er klagte über Abspannung, Nervenschwäche, Angstzustände, Schwindelanfälle, Hörstörungen – und er wurde schwermütig. Möglicherweise litt er an einerbipolaren Störung, auch als manisch-depressive Krankheit bezeichnet. Wahrscheinlich trug auch eine früher erworbeneSyphilis zum Krankheitsbild bei[107], insbesondere zum neurokognitiven Verfall sowie zu den Schwindelanfällen und Hörstörungen[108].
Seine depressiven Phasen bekämpfte Schumann wie schon oft durch kontrapunktische Studien. Dabei entstanden die Werke für Pedalflügel op. 56, 58 und 60, die Fugen op. 72 sowie der Kanon aus op. 124. Auch dieSinfonie in C-Dur (heute als Nr. 2 bekannt) trägt thematische und satztechnische Merkmale, die an Bach’sche Werke und deren „seltene Seelenzustände“[109] erinnern. Schumann selbst vermutete, dass das Komponieren dieser Sinfonie bei ihm eine therapeutische Wirkung gehabt habe. Rückblickend schrieb er am 2. April 1849 an den DirigentenGeorg Dietrich Otten inHamburg: „Die Symphonie schrieb ich im Dezember 1845 noch halb krank; mir ist’s, als müßte man ihr dies anhören. Erst im letzten Satz fing ich an mich wieder zu fühlen; wirklich wurde ich auch nach Beendigung des ganzen Werkes wieder wohler.“[110] Schumann war in Dresden sehr produktiv. Unter anderem vollendete er 1845 seinKlavierkonzert a-Moll op. 54, schrieb seine OperGenoveva op. 81 (1847/48) und die BühnenmusikManfred op. 115 (1848), außerdem zahlreiche Werke in anderen Gattungen: Klavierwerke, Kammermusik, Lieder, Chorgesang, Werke für Chor und Orchester.
Im November 1847 löste SchumannFerdinand Hiller als „Liedmeister“ der DresdenerLiedertafel, eines Männergesangsvereins, ab. Um auch Werke für einen größeren gemischten Chor aufführen zu können, gründete er Anfang 1848 denVerein für Chorgesang und übernahm dessen Leitung.[111]
Zu den Waffen! – der erste derDrei Freiheitsgesänge, Autograf von 1848
1848/49 entwickelte sich Dresden zu einer Hochburg der deutschen Revolutionsbewegung. Robert Schumann war für die republikanische Staatsform, trat aber – anders alsRichard Wagner, dem Schumann Mitte Oktober 1830 begegnet war[112] – öffentlich nicht dafür ein. Am 10. April 1849 schrieb er an Ferdinand Hiller: „Sehr fleißig war ich in dieser ganzen Zeit – mein fruchtbarstes Jahr war es – als ob die äußern Stürme den Menschen mehr in sein Inneres trieben, so fand ich nur darin ein Gegengewicht gegen das von Außen so furchtbar hereinbrechende.“[113] Als es am 3. Mai 1849 zumDresdner Aufstand kam, und Schumann am 5. Mai zu einer Sicherheitswache eingezogen werden sollte, floh er mit seiner Familie nachMaxen auf das Rittergut der befreundeten Familie Serre. Die Arroganz von auch nach Maxen geflüchteten Aristokraten trug dazu bei, dass die Schumanns nach wenigen Tagen nachKreischa umzogen, wo Schumann Ruhe zum Komponieren fand.[114] Wieder zurück in Dresden, verfiel Schumann in einen Schaffensrausch, der dazu beitrug, dass die Revolutionszeit bei ihm zu einer besonders kreativen Phase wurde. Ausdruck seiner republikanischen Gesinnung sind die für seinen Chor 1848 komponiertenDrei Freiheitsgesänge und die 1849 erschienenenVier Märsche op. 76 für Klavier.[115][116][117] Am 7. November 1849 zog der Musikkritiker Louis Ehlert in derKönigli. Preuß. Staats-Kriegs- und Friedenszeitung ein Resümee: „[E]r hat sich in allem versucht. Das ist das Kriterium eines Genies. […] Seine Produktionskraft ist so ungeheuer, er hat uns in den letzten Jahren so überschüttet mit Werken aller Art, daß er an vielen Orten Deutschlands bereits hinreichend bekannt ist.“[118]
Schumanns nochmalige Bemühungen um den Posten des Leipziger Gewandhauskapellmeisters scheiterten, und bevor sein Vorhaben, Hofkapellmeister in Dresden zu werden, konkret werden und Erfolg haben konnte, erhielt er im Dezember 1849 das Angebot, die Nachfolge von Ferdinand Hiller als Städtischer Musikdirektor inDüsseldorf anzutreten.[119] Vertragspartner war seinerzeit der Musikverein (heuteStädtischer Musikverein zu Düsseldorf). Die Schumanns zögerten zunächst, das ihnen vertraute Sachsen zu verlassen, aber am 1. September 1850 verließen sie Dresden Richtung Westen.
Der Empfang Robert Schumanns in Düsseldorf[120] war herzlich: Orchester und Chor hatten einige seiner Stücke einstudiert. Es gab eigens für ihn einen Ball und ein Souper. Schumann wurde von Hiller in künstlerische Kreise eingeführt. Die Begeisterungsfähigkeit der Rheinländer steckte Schumann an: Er komponierte 1850 neben vielen anderen neuen Werken im November und Dezember auch seine3. Sinfonie in Es-Dur, die sogenannteRheinische.
Als städtischer Musikdirektor hatte Schumann vielfältige Aufgaben: die Leitung des aus Berufsmusikern und Amateuren bestehenden Orchesters, dessen Träger derAllgemeine Musikverein der Stadt war, und die Leitung des Gesangsvereins, dessen Mitglieder aus der bürgerlichen Mittel- und Oberschicht stammten. Er hatte pro Wintersaison zehn Abonnementskonzerte mit diesen beiden Vereinigungen zu planen, einzustudieren und zu leiten. Zudem war er verpflichtet, in zwei katholischen Kirchen Düsseldorfs vier größere Aufführungen zu veranstalten. Darüber hinaus musste er den Düsseldorfer Anteil an den gemeinsam mit Köln und Aachen veranstaltetenNiederrheinischen Musikfesten vorbereiten und durchführen.[121]
Titelblatt der Erstausgabe vonDer Rose Pilgerfahrt, Illustration vonTheodor Mintrop
Schumann fühlte sich durch diese Aufgaben herausgefordert, einen wesentlichen Teil seiner kompositorischen Tätigkeiten auf die breite Öffentlichkeit auszurichten. Das gelang ihm besonders mit seiner3. Sinfonie, der revidiertend-Moll-Sinfonie (der späteren 4. Sinfonie) und dem „Märchen“Der Rose Pilgerfahrt für Soli, Chor und Klavier (auch in der späteren Bearbeitung mit Orchester) sowie mit Werken einer von Schumann neu geschaffenen Gattung: der Ballade alsConcert-Musikstück für Solostimmen, Chor und Orchester. In diesen Zusammenhang gehören auch seine Orchesterouvertüren „zu mehreren der schönsten Trauerspiele“, wie SchillersBraut von Messina und ShakespearesJulius Caesar. Soireen dienten ihm ab 1851 als kompositorisches Experimentierfeld für seine neuen Kammermusikwerke.[121]
Bereits in der ersten Saison ergaben sich bei den Proben mit dem Orchester und besonders mit dem Chor Probleme, die Schumann nicht in den Griff bekam. Als das fast nur eigenen Kompositionen gewidmete 8. Abonnementskonzert sehr kritisch rezensiert wurde, notierte er sich im Haushaltsbuch: „Bedenken wegen Bleibens in D.“ Seine über seine Dienstverpflichtungen hinausgehende Initiative, mit einemQuartettkränzchen künstlerisch hochstehende Kammermusik zu pflegen, musste er nach einigen Monaten aufgeben.[121]
Die Schwierigkeiten, die Schumann mit Chor und Orchester hatte, steigerten sich im Laufe seines Düsseldorfer Engagements. Gesundheitliche Probleme körperlicher und psychischer Art verminderten seine Kommunikationsfähigkeit bei Proben und Aufführungen immer mehr. 1842 hatte er in einem Brief anTheodor Avé-Lallemant ein Dirigat abgelehnt: „Von der Direction meiner Symphonie entbinden Sie mich. Ich bin sokurzsichtig, daß ich keine Note, keinen Menschen sehen kann.“[122] Nun aber fehlte ihm die entsprechende Selbsteinschätzung.[123] Er war von den Voraussetzungen und der Persönlichkeitsstruktur her eigentlich ungeeignet für das Düsseldorfer Amt. Verstärkt wurde Schumanns tragischer Realitätsverlust durch Clara Schumanns Haltung. Sie hatte ihn zur Übernahme des Postens ermutigt. Sie war ihm zwar vor allem bei den Chorproben alsKorrepetitorin eine große Stütze, schob aber wie Schumann in Verkennung der Tatsachen alle Schuld für die eskalierenden Schwierigkeiten auf andere und versuchte, ihn gegen Angriffe abzuschirmen.[124] Schumann verlor dennoch das Vertrauen und die Unterstützung der Choristen und der Musiker. Einige Male musste er durch den Klavierlehrer und MännerchordirigentenJulius Tausch vertreten werden. Letztmals am 3. März 1853 errang Schumann in Düsseldorf einen Erfolg mit der Aufführung seiner revidierten4. Sinfonie (d-Moll op. 120).[121]
Robert Schumann, 1853, Zeichnung vonJean-Joseph-Bonaventure LaurensJohannes Brahms, 1853, Zeichnung von Jean-Joseph-Bonaventure Laurens
Im Herbst 1853 besuchteJohannes Brahms (damals 20 Jahre alt) Robert Schumann. Brahms hatte 1853 den GeigerJoseph Joachim (1831–1907) kennengelernt und dieser hatte ihn überredet, Schumann in Düsseldorf zu besuchen. Schumann schätzte Brahms als Komponist überaus. Die beiden freundeten sich an und musizierten gemeinsam mit Schumanns Schüler und FreundAlbert Dietrich (1829–1908). Dies und ein neuer Schaffensschub, der schon im August 1853 begonnen hatte, bewirkten einen Umschwung im persönlichen Befinden Schumanns und brachten ihm große künstlerische Befriedigung. Ein Ausdruck dessen ist die von Albert Dietrich, Johannes Brahms und Robert Schumann im Oktober 1853 gemeinsam für Joseph Joachim verfassteF.A.E.-Sonate für Violine und Klavier. Die in dieser Zeit entstandenen konzertanten Werke für Klavier und Violine gelten als ein letzter Höhepunkt in Schumanns Schaffen.[121] Schumann war von Brahms’ Können als Pianist und Komponist begeistert. Er bewirkte, dass der MusikverlagBreitkopf & Härtel einige Werke von Brahms veröffentlichte. Außerdem publizierte er – fünf Jahre nach seinem letzten Artikel für dieNeue Zeitschrift für Musik (seit 1845 warFranz Brendel der Herausgeber) – unter dem TitelNeue Bahnen eineEloge auf Brahms, „der den höchsten Ausdruck der Zeit in idealer Weise auszusprechen berufen“ sei.[125] Brahms empfand Schumanns prophetische Worte als Verpflichtung und Belastung; sie verstärkten seine Unsicherheit gegenüber den eigenen Kompositionen. Viele bis dahin entstandene Werke vernichtete er und geriet in eine kompositorische Krise. Fünf Jahre lang suchte er nach einer zukunftsträchtigen Perspektive – dann sah Brahms sich mit denSerenadenop. 11 undop. 16 sowie mit seinem in einem langen Umwandlungsprozess entstandenen1. Klavierkonzert (op. 15) auf dem von Schumann prophezeiten Weg.[126]
Ein Eklat in einer Orchesterprobe zum 1. Abonnementskonzert der Wintersaison 1853/54 führte dazu, dass Schumann vom Komitee des Musikvereins gebeten wurde, zukünftig nur noch eigene Werke zu dirigieren und die Leitung abzugeben. Schumann kündigte daraufhin zum 1. Oktober 1854 und trat zum Konzert vom 10. November 1853 nicht mehr ans Dirigentenpult. Nun stellte er auch das Komponieren ein.[121]
Vom 24. November bis zum 22. Dezember 1853 begleitete Schumann seine Frau auf einer Konzertreise durch Holland. Clara spielte dabei mit viel Beifall außer SchumannsKlavierkonzert a-Moll op. 54 auch dessenKonzert-Allegro d-Moll op. 134, dasKlavierquintett op. 44 und dasKlavierquartett op. 47. Schumanns 1. und 2. Symphonie wurden bejubelt und auchDer Rose Pilgerfahrt op. 112 traf den Geschmack des Publikums, das Schumann als Berühmtheit feierte. Am 17. Januar 1854 schrieb Schumann dazu: „In allen Städten wurden wir mit Freuden, ja mit vielen Ehren bewillkommnet. Ich habe mit Verwunderung gesehen, wie meine Musik in Holland beinahe heimischer ist, als im Vaterland.“[127] Zwei Tage später reiste das Ehepaar nach Hannover, wo Clara konzertierte und Joseph Joachim SchumannsPhantasie für Violine und Orchester op. 131 spielte.[128] Letzte produktive Aktivitäten Schumanns vor der Krise von 1854 waren die Anlage einerDichtergarten für Musik genannten Anthologie und das Schreiben der Vorrede für seineGesammelten Schriften über Musik und Musiker.[121]
Pontonbrücke am Rhein bei Düsseldorf, Stich um 1850
Am 10. Februar 1854 verstärkten sich Schumanns psychische Leiden sprunghaft. Er klagte vor allem über „Gehöraffektionen“. Töne, Akkorde, ganze musikalische Stücke tobten in seinem Kopf und raubten ihm den Schlaf.[129] Die 2006 veröffentlichten Krankenakten Schumanns lassen einen Zusammenhang mit einerSyphilis vermuten. Aber auch einebipolare Störung und andere Ursachen kommen in Betracht.[130][131] Allerdings spricht gegen eine bipolare Störung, dass manische Phasen nach den Kriterien der Internationalen Klassifikation Psychischer Störungen der WHO ICD-11[132] im gesamten Leben Schumanns nicht nachweisbar sind.[133] Auch längere depressive Phasen, die die Arbeitsfähigkeit von Schumann schwer beeinträchtigten, sind nicht sicher nachweisbar. Nach allen verfügbaren Dokumenten litt Schumann unter starken Stimmungsschwankungen, die jedoch meist im Zusammenhang außergewöhnlicher Produktivität auftraten, sodass der Psychiater und Kreativitätsforscher Holm-Hadulla nicht von bipolarer Störung spricht, sondern von kreativer Bipolarität. Er schlägt eine systemische Erklärung für Schumanns psychischem Zusammenbruch Anfang 1854 vor: Mitte 1853 hatte Schumann durch die Entlassung als städtischer Musikdirektor und die vorhergehenden verletzenden Angriffe eine schwere persönliche Kränkung erlitten. Er spürte, dass sein emotionaler und kreativer Schwung abnahm und auch die Beziehung zu Clara ihm nicht mehr den Elan verlieh, wie zu früheren Zeiten. Clara Schumann war auf der Höhe ihrer künstlerischen Fähigkeiten, mit dem achten Kind schwanger und von außergewöhnlicher Vitalität während Robert sich zunehmend zurückzog, übermäßig Alkohol konsumierte und den Verlust seines kreativen Schwungs schmerzlich wahrnehmen musste, insbesondere auch im Verhältnis zu dem von ihm so verehrten jungen Johannes Brahms.[134]
Am 12. Februar 1854 erwähnte Schumann in einem Brief anJulius Stern in Berlin, mit dem er einen Stellenwechsel erwogen hatte, „[…] die hiesigen Zustände […], in denen freilich auch keine sonderliche Harmonie ist, ohngefähr so wie der 1ste Accord im Finale der 9ten Symphonie“.[135] Am 17. Februar schrieb er nachts ein Thema für Klavier auf, von dem er meinte, es hätten ihn „Engel als Gruß von Mendelssohn und Schubert“ hören lassen,[136] und zu dem er vom 18. bis zum 26. FebruarVariationen verfasste.[137]
Tag und Nacht wurde Schumann währenddessen von seiner Frau und seinen Kindern beobachtet und stand bereits unter ärztlicher Aufsicht, konnte allerdings trotzdem am 27. Februar 1854 in einem unbeobachteten Augenblick die Wohnung in der Bilker Straße 1032 (heute Nr. 15) verlassen. Er strebte der nahenOberkasseler Pontonbrücke zu, stieg über das Geländer und stürzte sich, nachdem er seinen Ehering ins Wasser geworfen hatte, in den Fluss. Er wurde vom Brückenmeister Joseph Jüngermann und weiteren, unbekannten Männern gerettet,[138] nach Hause geleitet und von einem herbeigerufenen Arzt betreut. Clara Schumann ließ man nicht zu ihm. Sie suchte mit ihren Kindern Zuflucht bei einer Freundin. VomSuizidversuch und davon, wie Schumann aufgefunden worden war, wurde sie erst 1856 unterrichtet.[139]
Am 4. März 1854 wurde Schumann auf eigenen Wunsch in die vom PsychiaterFranz Richarz 1844 eröffneteAnstalt für Behandlung und Pflege von Gemütskranken und Irren inEndenich beiBonn eingeliefert. Schon vorher hatte er sich Uhr, Geld, Notenpapier und Schreibfedern sowie Zigarren zurechtgelegt. Nach den abwesenden Kindern und Clara Schumann erkundigte er sich bei der Abreise nicht.[140] Seine Stelle als Musikdirektor blieb zunächst unbesetzt; das Gehalt wurde bis zum neuen Jahr weiter an die Familie ausgezahlt.[141]
Schumanns Krankheit und die Umstände seiner Unterbringung in Endenich sind seit je Anlass für Vermutungen und Kolportagen gewesen. Ein typisches Beispiel ist in verschiedenen Biographien zu Robert oder Clara Schumann zu lesen. Danach habe Robert Schumann sich entschieden, in eine Nervenheilanstalt zu gehen, weil er sich als „Verbrecher“ gesehen habe, der seiner Frau „ein Leid antun“ könnte. Dies ist durch Fakten nicht belegt und mittlerweile höchst umstritten. In seinen Tagebuchaufzeichnungen, die bis zum 17. Februar reichen, steht hierüber nichts. Dagegen könnte Berthold Litzmanns Clara-Schumann-Biografie Ausgangspunkt dafür sein; denn Litzmann zitierte darin als Erster aus Clara Schumanns Tagebuch, in dem die Tage und Nächte vom 21. bis zum 26. Februar 1854 erfasst sind. Das führte dazu, dass später drei zeitlich auseinanderliegende Fakten daraus unzulässig zusammengezogen worden sind: „[E]r sprach immer davon, er sei ein Verbrecher und solle eigentlich immer in der Bibel lesen […] In den Nächten hatte er oft Momente, wo er mich bat, von ihm zu gehen, weil er mir ein Leid antun könnte! […] Da plötzlich 9 ½ Uhr stand er vom Sopha auf und wollte seine Kleider haben, denn er sagte, er müsse in die Irrenanstalt, da er seiner Sinne nicht mehr mächtig sei und nicht wissen könne, was er in der Nacht am Ende täte.“[142] Einsicht in dieses Tagebuch erhielt Litzmann von der ältesten Schumann-Tochter Marie.[143]
Die 2006 veröffentlichten Endenicher Krankenakten ergeben zusammen mit Briefzeugnissen, Tagebuch- und Haushaltsbucheinträgen sowie mit zeitgenössischen Berichten ein Bild der Vorgeschichte und des Verlaufs von Schumanns Erkrankung.[144]
Im Aufnahmebuch der Klinik lautete die Diagnose „Melancholie mit Wahn“. Später wurde von unbekannter Hand „Paralysie“ hinzugefügt.[145] Die Ergebnisse der direkt nach Schumanns Tod von Richarz und Peters durchgeführten Obduktion deuteten auf eineparalysie générale incomplète (unvollständige Paralyse) hin.[146]
Für die Paralyse kannte man in Endenich keine spezielle Therapie. Für die „Melancholie mit Wahn“ dagegen standen Therapien zur Verfügung. Das therapeutische Gesamtkonzept, nach dem Richarz seine Klinik führte, war das reformpsychiatrische Konzept „no-restraint“, „kein Zwang“. Der Leitgedanke dabei war die Vermeidung mechanischer Zwangsmaßnahmen gegenüber den Patienten.[147] In den Krankenberichten ist aber zu lesen, dass Schumann mindestens einmal in eine Zwangsjacke gesteckt wurde.[148]
Die traditionelle Behandlung der „Melancholie mit Wahn“ bestand im Abfluss gestauter, krank machender Säfte. Schumann erhielt daher neben dem nahezu täglichen Klistier vielfach Abführ- und Durchfallmittel. Auch das Anlegen von Fontanellen, künstlichen Eiterherden, wurde bei Schumann zweimal praktiziert. Weitere Medikamente bekam Schumann gegen Blutarmut, Unruhezustände, Nahrungsverweigerung und Appetitlosigkeit.[149] Wenn Schumann trotz Nötigung Arzneien nicht einnehmen wollte, mischte man sie ihm ins Essen und in Getränke. Zusätzlich erhielt er lauwarme Bäder und kalte Waschungen. Bei hochgradigen Erregungszuständen wurde ihm manchmal das Klavierspielen verboten. Man nahm ihm dann Noten und Bücher vorübergehend weg. Damit Schumann zur Ruhe kommen konnte, wurden die Kontakte zu seiner Familie und nahestehenden Personen zunächst ausgesetzt. Sie sollten nur dann wieder aufgenommen werden, wenn Schumann danach verlangte.[150]
EineNeurolues ist allen Indizien nach die wahrscheinlichste Diagnose.[151][152][153] Allerdings ist auch hier zu fragen, wie relevant diese Diagnose für Schumanns psychische Störungen war. Das Leitsymptom der Neurolues ist eine Demenz, d. h. eine Störung des der psychischen Funktionen aufgrund einer Hirnschädigung.[154] Eine Demenz lässt sich jedoch in Zeiten der psychischen Krisen vor seiner Verbringung nach Endenich nicht nachweisen. Die späten Kompositionen und auch seine ersten Briefe aus Endenich enthalten keine Anhaltspunkte für eine Demenz. Deswegen ist naheliegend auch andere Ursachen für die Verstärkung seiner psychischen Beschwerden in Endenich in Erwägung zu ziehen, vor allem die soziale Isolation und die sehr eingreifenden experimentellen Behandlungsmaßnahmen.[155]
Synopse des Beginns eines von Robert Schumann 1830 skizzierten Themas, das in Clara Wiecks op. 3 und in Robert Schumanns op. 5 sowie in den Zweitfassungen von Clara Schumanns op. 20 und Johannes Brahms’ op. 9 Verwendung fand
Die täglichen Aufzeichnungen von Richarz und seinem Mitarbeiter Peters erfassen das häufige Auf und Ab von Schumanns Befinden. Klares Denken, Halluzinationen und Wahnideen wechselten sich in Schumanns gesamter Endenicher Zeit ab, standen sich oft unvermittelt gegenüber und vermischten sich. In der Anfangszeit bestand die Hoffnung, Schumann beruhigen und damit heilen zu können. Zwischen Schumanns erstem Brief an Clara Schumann im September 1854 und seinem letzten Brief an sie im Mai 1855 zeichnete sich eine aktive Phase mit vielfältigen Kontakten nach draußen ab. Danach wurden die Niederschriften und die brieflichen und mündlichen Auskünfte der Ärzte immer pessimistischer.[144]
In der ersten Phase der Ruhigstellung machten die Ärzte Schumanns Kontakte nach draußen, vor allem zu seiner Familie, von seinem Verlangen danach abhängig.[150] Doch Schumann, der am 11. April 1854 meinte, er habe „zu viel Böses gethan“ und „es sei von der höchsten Behörde befohlen, dass er in der Hölle verbrannt werde“, zeigte daran kein Interesse.[156] Da er unter der Aufsicht eines Wärters das Haus in Begleitung verlassen durfte, machte er Spaziergänge bis nach Bonn.[157] Er beschäftigte sich – wie seit seiner Jugendzeit[158] – intensiv mit Schach und spielte öfter Domino.[159] Er blieb aber in sich gekehrt. Peters beklagte, dass seine Schweigsamkeit „sein inneres Leben sehr schwierig oder gar nicht erforschen läßt“.[160]
Schumanns nach draußen gerichtete Phase begann, nachdem er im September, kurz vor dem 14. Hochzeitstag, Peters gegenüber davon gesprochen hatte, dass Düsseldorf untergegangen und Clara und die Kinder tot seien.[161] Um ihm diesen Wahn zu nehmen, bat Peters Clara Schumann um einen Brief an ihren Mann. So kam es zum ersten Briefwechsel seit der Einweisung.[150] Zu Schumanns erstem Brief an Clara schrieb Peters im Krankenbericht vom 15. September 1854: „[…] während des Abfassens viel von Stimmenhören gequält, (seine Frau sey wahnsinnig).“[162] Ab nun nahm Schumann wieder regen Anteil am Leben außerhalb der Anstalt. Er korrespondierte auch mit seinen Kindern, Johannes Brahms, Joseph Joachim und mit Verlegern. Zwischen September 1854 und Mai 1855 schrieb er etwa 25 Briefe, von denen sich 18 erhalten haben. In dieser Zeit äußerte Schumann vielfach den Wunsch, Endenich wieder verlassen zu können. Ab und zu spielte er Klavier. Er studierte Kompositionen von Brahms, so zum Beispiel dessenVariationen über ein Thema von Robert Schumann op. 9, worin wie in den Variationen über dasselbe Thema von Clara Schumann das Variationenthema aus Claras op. 3 und Roberts op. 5 verwoben ist und die Verbundenheit dieser drei Menschen aufzeigt.[163] Am 11. Januar 1855 hatte er erstmals Besuch, und zwar von Johannes Brahms. Kurz darauf, am 22. Januar 1855, hatte er laut Krankenbericht einen „Anfall großer Angst, der Wärter habe ihn vergiftet, er werde wahnsinnig, müsse in ein Irrenhaus gebracht und sorgfältig verwahrt werden“. Im Frühjahr 1855 fühlte sich Schumann von der „Nemesis“ und einem „bösen Weib“ verfolgt und meinte, ein „Dämon nehme ihm die Sprache“.[164] Zwischenzeitlich jedoch war er fähig zu komponieren: im März 1855 arbeitete er an seinen Begleitungen zu Paganinis Capricen.[165] In demselben Monat korrespondierte er mit dem VerlegerFritz Simrock über Werkspublikationen und brachte die Druckvorlage für den Klavierauszug seinerFestouvertüre mit Gesang über dasRheinweinlied op. 123 im April 1855 persönlich zu ihm nach Bonn.[166] Neuerscheinungen seiner Kompositionen, um die sich hauptsächlich Clara Schumann und Johannes Brahms kümmerten, wurden ihm jeweils zugesandt.[167] Regelmäßig verfolgte er die Berichte in der ZeitschriftSignale für die musikalische Welt.[140] Nach außen kommunikationsfähig, holten ihn zunehmend Halluzinationen und Wahnideen ein. In den Krankenakten wurden auch Sprachstörungen, Zornesausbrüche, Unruhezustände, stundenlanges Brüllen und Schreien sowie gelegentliche Aggressivität gegen Wärter und Ärzte festgehalten. Immer wieder aber hatte Schumann entspannte Zeiten, in denen der Eindruck entstand, sein Zustand bessere sich.[168] Insgesamt gesehen versuchte Schumann in dieser aktiven Phase auch in Endenich ein selbstbestimmtes Leben zu führen und strebte danach, die Anstalt so bald wie möglich zu verlassen. Da er sich daran gehindert sah, kündigte er am 4. Mai 1855 an, an einen Notar zu schreiben, der den Arzt verklagen solle. Dazu kam es aber nicht.[169]
Zwei Choräle, die Schumann wahrscheinlich im Juni 1856, in der Zeit intensiver Bibellektüre, komponiert und notiert hat[170]
Am 5. Mai 1855 schrieb Schumann seinen letzten Brief an Clara Schumann. Darin kündigte er einen ausführlicheren Brief an („Es wehet ein Schatten darin“), der aber nicht zustande kam.[171] Danach korrespondierte er mit niemandem mehr, obwohl er dazu aufgefordert wurde, und zog sich wieder in sich selbst zurück. Am 9. Mai 1855 verlangte er letztmals danach, nach Hause gelassen zu werden.[172] Weiterhin spielte er manchmal Klavier. Joseph Joachim berichtete, dass Schumann eigene Kompositionen nur noch verstümmelt wiedergeben konnte.Joseph von Wasielewski hörte Schumann im Sommer 1855 am Klavier phantasieren. Er schilderte sein Spiel als ungenießbar und verglich ihn mit einer Maschine, deren Mechanismus zerstört ist.[173] Häufig führte Schumann Gespräche mit sich selbst und mit eingebildeten Personen. Seine Gedanken konnte er immer weniger ordnen[156] und litt an den Erinnerungen an frühere moralische Verfehlungen. In diesem Zusammenhang notierte er auch, er sei 1831 syphilitisch gewesen und mit Arsenik behandelt worden.[174] Seine schöpferischen Fähigkeiten hatte er nicht gänzlich verloren: im Januar 1856 komponierte er eine Fuge.[175] Am 1. Mai 1856 wurde in den Krankenakten letztmals erwähnt, dass Schumann Klavier spielte.[176] Meist konnte er sich kaum mehr verständlich ausdrücken, auch nicht, als ihn Johannes Brahms im April und im Juni 1856 besuchte.[177] Clara Schumanns Plan vom April 1856, Schumann nach Düsseldorf zu holen und dort selbst zu pflegen, wurde nicht verwirklicht.[178] Ab Mitte Juli 1856 aß Schumann immer weniger.[179] Am 26. Juli 1856 hatte er „Zuckungen in verschiedensten Muskeln, des Gesichts und der Gliedmaßen“. Schleimrasseln deutete auf eine Lungenentzündung hin.[180]
Joseph Joachim,Johannes Brahms undBettina von Arnim besuchten ihn und berichteten unterschiedlich über sein Befinden.[181] Während Bettina von Arnim Schumann für gesund, den Arzt dagegen für krank hielt,[182] erkannten Brahms und Joachim bei ihren Besuchen den fortschreitenden Verfall von Schumanns Persönlichkeit.[183]
Frontdeckel und Titelseite vonStieler’s Hand-Atlas – Schumann machte sich aus einem solchen Exemplar alphabetische Exzerpte und versuchte damit, „eine Ordnung der Welt herzustellen, die ihm längst abhanden gekommen war“[184] Bilder von Schumanns Kindern und Clara Schumann, die Joachim und Brahms bei ihren Besuchen mitbrachten
Der erste Besucher, der zu Schumann gelassen wurde, war Joseph Joachim. Er konnte am 24. Dezember 1854 eine halbe Stunde lang mit Schumann sprechen und brachte ihm ein Bild von Schumanns Kindern und neue Kompositionen von Brahms,Woldemar Bargiel und sich selbst mit. Schumann wirkte aufgeschlossen, aber unkonzentriert. Er „brachte sehr viel auf Gehörhallucinationen beruhende Wahnideen melancholischen Charakters vor, diesselben jedoch als unbegründet bezeichnend und belachend“.[185] Joachims drei Besuche im Mai 1855 dienten unter anderem dazu, nachzuprüfen, ob Bettina von Arnims Behauptungen stimmten. Sie ergaben aber insgesamt ein deutliches Bild von Schumanns weiterem Niedergang und dem redlichen Bemühen der Ärzte um eine Heilung.[186]
Brahms sah Schumann am 31. März und am 19. August 1854, ohne ihn sprechen zu können. Am 11. Januar, am 23. Februar und am 2. April 1855 dagegen konnten sich beide ausführlich unterhalten. Bei seinem Besuch im Februar brachte Brahms Schumann ein Bild Clara Schumanns mit und berichtete ihm von Claras familiärem Leben in Düsseldorf und von ihren Konzertreisen. Schumann ging es dabei so gut, dass er mit Brahms zusammen amTafelklavier musizieren und ihn zum Abschied unter der Aufsicht eines Wärters eine Teilstrecke des Wegs zum Bonner Bahnhof begleiten konnte. Unterwegs sprach Schumann davon, dass er sich bisweilen von Endenich fortwünsche.[187] Im Februar 1856 wollte Brahms Schumann in eine Kaltwasseranstalt verlegen lassen, gab den Plan aber wegen Schumanns schlechtem Zustand auf. Am 10. April 1856 fand Brahms Schumann in bedenklicher Verfassung. Schumann konnte nicht mehr verständlich sprechen. Am 8. Juni 1856 brachte ihm Brahms zum Geburtstag einen großenStieler’schen Atlas mit, aus dem sich Schumann in der Folgezeit wie bisher aus einem im März 1855 erhaltenen Schuberth’schen Atlas alphabetische Indices erstellte.[165][188]
Clara Schumann wurden Besuche in Endenich aus medizinischen Gründen von Anfang an verwehrt. Im Sommer 1854 bat sie Peters in einem Brief, es sie wissen zu lassen, sobald ein Besuch ohne Nachteil für ihren Mann stattfinden könne.[189] Erst als Schumanns Ende erkennbar war, wurde sie am 23. Juli 1856 nach Endenich gerufen.[190] Sie wollte den unrettbar Kranken sofort besuchen, verzichtete aber auf Anraten der Ärzte und des mitgereisten Brahms darauf, obwohl sie schon in Endenich war. Sie sah Schumann schließlich erst am 27. Juli 1856, zwei Tage vor seinem Tod. Sie war sich sicher, dass er sie erkannte. Zu dieser Zeit hatte Schumann bereits die Essensaufnahme verweigert.[165]
Das Grab von Robert Schumann und seiner EhefrauClara auf demAlten Friedhof in Bonn
Am 29. Juli starb Robert Schumann; niemand war zugegen. Am Abend des 31. Juli 1856 wurde er auf demAlten Friedhof in Bonn zu Grabe getragen. Aus Clara Schumanns Tagebuch: „Seine liebsten Freunde [Johannes Brahms, Joseph Joachim und Albert Dietrich][191] gingen ja voran, ich hinterher (unbemerkt), und so war es am besten, gewiß in seinem [Robert Schumanns] Sinne!“[192]
Clara Schumann überlebte ihren Mann um 40 Jahre. Sie wurde neben ihm im gemeinsamenEhrengrab beigesetzt.
Emilie (1796–1825): litt unter schweren Depressionen und nahm sich das Leben.
Eduard (1799–1839): führte die Firma nach August Schumanns Tod weiter; war verheiratet mit Maria Therese geb. Semmel (1805–1887), eine Tochter.
Carl (1801–1849), Buchdrucker und Verleger inSchneeberg; Robert Schumann hatte zu ihm und seiner ersten Ehefrau Rosalie geb. Illing (1809–1833) ein besonders herzliches Verhältnis.
Julius (1805–1833), Buchhändler in Zwickau, verheiratet mit Emilie Sophie Wilhelmine geb. Lorenz (1810–1860); vier Kinder.
Marie Friederike Elisabeth (1. September 1841 – 14. November 1929): Taufpate war u. a.Felix Mendelssohn Bartholdy, Marie hatte eine enge Bindung an Clara Schumann, führte den Haushalt; begleitete ihre Mutter bei Konzertreisen, unterrichtete Schüler ihrer Mutter und war ihre Assistentin amHoch’schen Konservatorium in Frankfurt. Verheiratet mit dem Oberschullehrer Heinrich Hettich.[196]
Elise (25. April 1843 – 1. Juli 1928): Schülerin vonFriedrich Kiel, Klavierlehrerin in Frankfurt, verheiratet mit dem Kaufmann Louis Sommerhoff, vier Kinder.[197]
Julie (11. März 1845 – 10. November 1872): lebte wegen ihrer gefährdeten Gesundheit die meiste Zeit bei Freunden Clara Schumanns im Süden; verheiratet mit dem Grafen Vittorio Amadeo Radicati di Marmorito,[198] gestorben im Alter von 27 Jahren während ihrer dritten Schwangerschaft. Brahms widmete ihr dieAlt-Rhapsodie op. 53 sowie seineVariationen über ein Thema von Robert Schumann op. 23. Robert Schumann komponierte für seine Tochter die Sonate op. 118 Nr. 1.
Emil (8. Februar 1846 – 22. Juni 1847): starb schon als Kleinkind, Taufpatin war die SängerinLivia Frege.
Ludwig (20. Januar 1848 – 9. Januar 1899): erfolgloser Schulbesuch, abgebrochene Berufsausbildungen; als geisteskrank diagnostiziert, lebte er fast 30 Jahre in derLandesversorgungsanstalt für unheilbare Geisteskranke imSchloss Colditz.[199]
Ferdinand (16. Juli 1849 – 6. Juni 1891): wurde Bankangestellter in Berlin; verheiratet mit Antonie geb. Deutsch, sieben Kinder; wurde drogenabhängig, lebte von der Unterstützung seiner Mutter.[200]
Eugenie (1. Dezember 1851 – 25. September 1938): verbrachte ihre Kindheit und Jugend aufgrund der Konzerttätigkeit ihrer Mutter zum größeren Teil bei einer Freundin Clara Schumanns bzw. in Pensionaten, bevor sie als 20-Jährige für etwa 20 Jahre zu ihrer Mutter und ihrer ältesten Schwester Marie nach Frankfurt zog; lebte anschließend 20 Jahre als Klavierlehrerin in England; ihre Lebensgefährtin war die SängerinMarie Fillunger.
Felix (11. Juni 1854 – 16. Februar 1879): kam etwa drei Monate nach dem Beginn von Schumanns Zeit in der Nervenheilanstalt auf die Welt. Robert Schumann entschied sich in einem Brief an seine Frau vom 18. September 1854, von drei auf dem Standesamt angegebenen Vornamen den Namen Felix als Rufnamen zu wählen: „Wenn Du wissen willst, welcher mir der liebste Name, so erräthst Du ihn wohl, der Unvergeßliche!“ Damit war der Name des bereits am 4. November 1847 verstorbenen Felix Mendelssohn Bartholdy gemeint.[201] Seine Schwester Eugenie schrieb in ihren 1927 erschienenen Memoiren von dem ärztlichen Urteil, Felix sei nicht stark genug für eine Karriere als Instrumentalist. Deshalb sei entschieden worden, er solle seine Schullaufbahn bis zum Abitur machen und dann Jura studieren.[202] Er infizierte sich im Alter von 19 Jahren mitLungentuberkulose, litt daran fünf Jahre, machte literarische Versuche und starb mit 24.[203]
Titelblatt von Robert Schumanns erster erhaltener Komposition: Psalm 150 aus dem Jahr 1822
Schon 1817, noch vor dem ersten Klavierunterricht, komponierte Robert Schumann nach eigenen Angaben einige Klavierstücke. Ab 1822 entwarf er mehrere musikalische Großprojekte mit größerer Besetzung, die er aber nur ansatzweise verwirklichen konnte.In seinemProjektenbuch erfasste er seine frühen, später verworfenen, teilweise unvollendeten und zu seinen Lebzeiten unveröffentlichten Werke, darunter die Vertonung des 150. Psalms (1822), Bruchstücke einer Oper (1822/23), 11 Lieder (1827/28), 8 Polonaisen für Klavier zu vier Händen (1827), Variationen über ein Thema vonPrinz Louis Ferdinand von Preußen für Klavier (1828), ein Klavierquintett c-Moll (1828/29) und Anfänge eines Klavierkonzertes in F-Dur (1830). Als dauerhafte Beschwerden an der rechten Hand eine Virtuosenlaufbahn vereitelten, widmete sich Schumann ganz dem Komponieren. Das erste veröffentlichte Werk waren die unter dem NamenThème sur le nom Abegg varié pour le pianoforte 1831 erschienenenAbegg-Variationen op. 1.[204]
Op. 1 bis op. 23, entstanden zwischen 1827 und 1839, sind ausschließlich Werke für Soloklavier. In den Folgejahren widmete sich Schumann systematisch und schwerpunktmäßig nacheinander weiteren Gattungen. Es entstanden Lieder, Orchesterwerke und konzertante Werke, Kammermusik, Oratorien, Bühnenmusik, Chormusik, eine Oper, polyphone Werke für Klavier, Pedalflügel und Orgel, Werke für Kinder und Jugendliche sowie geistliche Musik. Letzte gültige Werke sind die sogenanntenGeistervariationen über ein eigenes Thema in Es-Dur für Klavier (1854) und die in Endenich niedergeschriebenen Klavierbegleitungen zu den 24 Capricen für Violine solo von Paganini. In Endenich entstanden zudem zwei Choralsätze und einige Fugen, die aber verloren gingen.[205]
Bis etwa 1845 arbeitete Robert Schumann seine Werke am Klavier aus. Danach komponierte er meist am Stehpult und benutzte das Klavier gelegentlich als Kontrollinstrument. Aus Schumanns Tagebuch: „Ich habe das Meiste, fast Alles, das kleinste meiner Stücke in Inspiration geschrieben, vieles in unglaublicher Schnelligkeit, so meine 1ste Symphonie in B Dur in vier Tagen, einen Liederkreis von zwanzig Stücken ebenso, die Peri in (ebenso) verhältnismäßig kurzer Zeit. Erst vom Jr. 1845 an, wo ich anfing alles im Kopf zu erfinden und auszuarbeiten, hat sich eine ganz andere Art zu componiren zu entwickeln begonen.“[206]
Konzert für Klavier und Orchester in a-Moll op. 54 (Originalfassung des 1. Satzes: Mai 1841; Revision: August 1841, Januar 1843, nochmals bis Ende Juli 1845; 2. und 3. Satz: 1845)
Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester F-Dur op. 86 (18. Februar bis 11. März 1849); auch Fassung für Klavier und Orchester vom Komponisten
Introduktion und Allegro appassionato. Konzertstück für Klavier und Orchester op. 92 (18.–26. September 1849)
Konzert für Violoncello und Orchester in a-Moll op. 129 (Oktober/November 1850); auch Fassung für Violine und Orchester vom Komponisten
Konzert-Allegro mit Introduktion für Klavier und Orchester op. 134 (24.–30. August 1853)
Fantasie C-Dur für Violine und Orchester op. 131 (1853)
Manfred. Dramatisches Gedicht in drei Abteilungen nachLord Byron für elf Sprechrollen, sieben Solostimmen, fünfstimmigen Chor und Orchester op. 115 (1848)
Der Königssohn, Ballade vonLudwig Uhland für Solostimmen, Chor und Orchester op. 116 (1851)
Ouverture mit Gesang über das Rheinweinlied für Tenor, Chor und Orchester op. 123 (1853)
Des Sängers Fluch. Ballade nach Ludwig Uhland op. 139 (Text: 1851; Skizzen und Partitur: Januar 1852; revidiert am 9. Oktober 1852)
Vom Pagen und der Königstochter. vier Balladen von Emanuel Geibel für Solostimmen, Chor und Orchester op. 140 (1852)
Das Glück von Edenhall, Ballade nach Ludwig Uhland, bearbeitet von L. Hasenclever, für Männerstimmen, Soli, Chor und Orchester op. 143
Neujahrslied von Friedrich Rückert für Chor und Orchester op. 144
Missa sacra (Messe in c-Moll) für vierstimmigen Chor und Orchester op. 147 (Februar bis April 1852; Offertorium und Fassung mit Orgelbegleitung: März 1853)
Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 1 d-Moll op. 63 (1847)
Adagio und Allegro für Klavier und Horn (Violine oder Violoncello ad libitum) op. 70 (14.–17. Februar 1849)
Drei Fantasiestücke für Klavier und Klarinette (Oboe, Violine oder Violoncello ad libitum) op. 73 (11.–13., möglicherweise 15. Februar 1849)
Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 2 F-Dur op. 80 (Skizzierung und Ausarbeitung: 2.–4. August 1847, Revision: 26. September bis 1. November 1847 und 5.–9. April 1849)
Fantasiestücke op. 88 für Klavier, Violine und Violoncello (1849) IRomanze. Nicht schnell, mit innigem Ausdruck IIHumoreske. Lebhaft IIIDuett. Langsam, und mit Ausdruck IVFinale. Im Marsch Tempo
Fünf Stücke im Volkston für Violoncello (Violine ad libitum) und Klavier op. 102 (13.–15. und 17. April 1849)
Violinsonate Nr. 1 a-Moll op. 105 (12.–16. September 1851)
Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 3 g-Moll op. 110 (2.–9. Oktober 1851)
Märchenbilder für Klavier und Viola (Violine ad libitum) op. 113 (1.–4. März 1851)
Violinsonate Nr. 2 d-Moll op. 121 (26. Oktober bis 2. November 1851), gewidmet „dem lieben Freunde und MeisterFerdinand David“
Märchenerzählungen für Klarinette (Violine ad libitum), Viola und Klavier op. 132 (9.–11. Oktober 1853)
Violinsonate Nr. 3 a-Moll WoO 2 (einschließlich Satz II und IV aus derF.A.E.-Sonate, einer Gemeinschaftskomposition von Robert Schumann, Johannes Brahms undAlbert Dietrich) (21. Oktober bis 1. November 1853)
Fünf Lieder für eine Singstimme und Klavier op. 40 (1840)
Frauenliebe und -leben. Acht Lieder nachAdelbert von Chamisso für eine Singstimme und Klavier op. 42 (Skizzierung: 11. und 12. Juli, Ausarbeitung: August 1840, Revision: 7. Mai 1843)
Romanzen und Balladen für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 45 (1840)
Dichterliebe. Liederkreis ausHeinrich HeinesBuch der Lieder für eine Singstimme und Klavier op. 48 (24. Mai bis 1. Juni 1840)
Romanzen und Balladen für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 49 (1840) IDie beiden Grenadiere, Text: Heinrich Heine IIDie feindlichen Brüder, Text: Heinrich Heine IIIDie Nonne, Text:Abraham Emanuel Fröhlich
Lieder und Gesänge für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 51 (1842)
Romanzen und Balladen für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 53 (1840)
Belsatzar. Ballade nachHeinrich Heine für eine tiefe Singstimme und Klavier op. 57 (7. Februar 1840)
Romanzen und Balladen für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 64 (1841–1847)
Lieder und Gesänge für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 77 (1841–1850)
Lieder für die Jugend op. 79 (Ende April – Ende Juni 1849)
Drei Gesänge für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 83 (1850)
Der Handschuh, Ballade von Friedrich von Schiller für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 87 (1850)
Sechs Gesänge für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 89,Jenny Lind gewidmet, (1850, Libretti vonWilfried von der Neun)
Sechs Gedichte vonNikolaus Lenau und Requiem (altkatholisches Gedicht) für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 90 (1850)
Drei Gesänge ausLord ByronsHebräischen Gesängen für eine Singstimme mit Begleitung einer Harfe oder eines Klaviers op. 95 (1849)
Lieder und Gesänge für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 96 (1850)
Lieder und Gesänge aus Goethes Wilhelm Meister op. 98a (1849)
Sieben Lieder vonElisabeth Kulmann zur Erinnerung an die Dichterin für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 104 (1851)
Sechs Gesänge für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 107 (1851/52)
Vier Husarenlieder von Nikolaus Lenau für eine Baritonstimme mit Klavierbegleitung op. 117 (März 1851)
Drei Gedichte aus denWaldliedern vonGustav Pfarrius für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 119 (1851)
Fünf heitere Gesänge für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 125 (1851)
Lieder und Gesänge für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 127 (1850–1851)
Gedichte der KöniginMaria Stuart für eine Singstimme und Klavier. Aus einer Sammlung altenglischer Gedichte in einer Übersetzung vonGisbert von Vincke op. 135 (9.–10., 13.–15. und 16. Dezember 1852)
Vier Gesänge für eine Singstimme mit Klavierbegleitung op. 142 (1852)
Minnespiel aus Friedrich Rückerts„Liebesfrühling“ für eine und mehrere Singstimmen mit Klavierbegleitung op. 101 (1849)
Mädchenlieder für zwei Soprane oder Sopran und Alt mit Klavierbegleitung op. 103
Drei Lieder für drei Frauenstimmen mit Klavierbegleitung op. 114 (1853)
Spanische Liebeslieder. Ein Zyklus von Gesängen aus dem Spanischen für eine und mehrere Stimmen mit Begleitung des Pianoforte zu vier Händen op. 138 (1849)
Schön Hedwig, Ballade vonFriedrich Hebbel für Deklamation mit Klavierbegleitung op. 106
Zwei Balladen für Deklamation mit Klavierbegleitung op. 122 I„Ballade vom Haideknaben“ von Friedrich Hebbel II„Die Flüchtlinge“, Ballade vonPercy Bysshe Shelley
Sechs Lieder für vierstimmigen Männergesang, op. 33 (1840)
Fünf Lieder für gemischten Chor, op. 55 (1846)
Vier Gesänge für gemischten Chor, op. 59 (1846)
Drei Lieder für Männerchor, op. 62 (1847)
Ritornelle von Friedrich Rückert in canonischen Weisen für mehrstimmigen Männergesang, op. 65 (1847)
Romanzen und Balladen für gemischten Chor, Heft 1, op. 67 (März/April 1849)
Romanzen für Frauenstimmen mit Klavier ad libitum, Heft 1 op. 69 (1849)
Romanzen und Balladen für gemischten Chor, Heft 2, op. 75 (März/April 1849)
Beim Abschied zu singen für Chor mit Begleitung von zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotten und zwei Hörnern oder des Pianoforte op. 84 (1847)
Romanzen für Frauenstimmen mit Klavier ad libitum, Heft 2 op. 91 (1849)
Jagdlieder. Fünf Gesänge ausHeinrich Laubes Jagdbrevier mit Begleitung von vier Hörnern ad libitum op. 137 (1849)
Vier doppelchörige Gesänge für gemischten Chor a cappella op. 141 (1849) [Eigentlich: "Vier doppelchörige Gesänge für grössere Gesangvereine" (nach der Ausgabe von Clara Schumann, Breitkopf & Härtel 1887)]
Romanzen und Balladen für gemischten Chor, Heft 3, op. 145 (1849)
Romanzen und Balladen für gemischten Chor, Heft 4, op. 146 (1849)
Robert Schumann wurde in Fachkreisen und bei Musikfreunden zunächst hauptsächlich als Musikkritiker wahrgenommen. Seine frühveröffentlichten Werke für Soloklavier (Opus 1 bis Opus 23) kannten dagegen nur wenige.[208]
Mit der Übernahme der Chefredaktion derNeuen Zeitschrift für Musik 1835 wurde Schumann in Deutschland und auch in Frankreich zumindest als Rezensent bekannt und hatte durch ein weitgespanntes Korrespondentennetz Kontakte zu den europäischen und amerikanischen Musikzentren. Das erleichterte es ihm, Verleger für seine Werke zu finden. Als Komponist stand er aber noch im Schatten Felix Mendelssohn Bartholdys.[209]
Franz Liszt war 1837 der erste Rezensent, der Schumann’sche Klavierwerke der interessierten Öffentlichkeit im Detail vorstellte. Angeregt von Hector Berlioz, dessenSymphonie fantastique Schumann in der Klavierfassung von Franz Liszt zwei Jahre vorher ausführlich analysiert hatte, und gebeten von dem VerlegerMaurice Schlesinger, besprach er in derRevue et Gazette musicale de Paris Schumanns op. 5, op. 11 und op. 14.[210][211] Diese Werke lagen Berlioz und Liszt bereits in französischen Ausgaben vor, weil deutsche und französische Musikverlage Paralleleditionen neuer Musik in Deutschland und Frankreich vereinbart hatten.[212] Liszt sah Schumanns Werke als Beispiele für eine auch von ihm selbst angestrebte musikalische Poetik und als Ausdruck eines neuen Ideals fortschrittlichen Komponierens. In der Folgezeit nahm er gelegentlich Teile aus Schumanns Klavierzyklen, zum Beispiel aus demCarnaval, in seine Konzertprogramme auf, allerdings ohne damit Erfolg beim Publikum zu haben.[213] Später führte er Orchesterwerke, Konzerte, die dritte Abteilung derSzenen aus Goethes Faust, denManfred und die OperGenoveva auf. 1855 beschrieb er Schumann als einen Wegbereiter der musikalischen Fortschrittspartei in Deutschland.[214]
Ab 1840 wurden auch breitere Kreise auf Schumanns Kompositionen aufmerksam. Seineklavierbegleiteten Lieder wurden von musikbegeisterten Laien gekauft und gesungen sowie von Sängerinnen wieWilhelmine Schröder-Devrient undJenny Lind in ihre Programme aufgenommen und auch innerhalb von Konzerten dargeboten, die Clara Schumann veranstaltete.[215][216] Mit seiner1. Sinfonie und demKlavierkonzert sowie mit demKlavierquintett und demKlavierquartett hatte er vor allem durch Aufführungen unter Felix Mendelssohn Bartholdy sowie mit seiner Frau Clara Schumann am Klavier erste größere Erfolge. Nun wurde er europaweit auch als Komponist wahrgenommen und lernte viele internationale Komponisten und Instrumentalisten persönlich kennen, von denen einige seinetwegen oder um bei Mendelssohn Bartholdy zu musikalischen Studien nach Leipzig gekommen waren.[217]
Nur gelegentlich veröffentlichte Schumann eigene Werke als Beilagen seiner Zeitschrift. Wichtiger waren von 1831 an die Veröffentlichungen in sorgsam ausgesuchten Verlagen:Kistner (Leipzig) ab 1831,Hofmeister (Leipzig) ab 1832,Friese (Leipzig) ab 1834,Haslinger (Wien) ab 1836,Breitkopf & Härtel (Leipzig) ab 1837,Schuberth (Hamburg und Leipzig) ab 1841,Whistling (Leipzig) ab 1843, Simrock (Bonn) ab 1844,Peters (Leipzig) ab 1844,Senff (Leipzig) ab 1850, Arnold (Elberfeld) ab 1852 sowie mehrere kleine Verlage ab 1840.[218]
Etwa zwei Drittel seiner insgesamt 156 mit oder ohne Opuszahlen veröffentlichten Werke aus den verschiedensten Gattungsbereichen erschienen zwischen 1846 und 1854. Am erfolgreichsten waren seine vier Symphonien undDas Paradies und die Peri. Seine OperGenoveva brachte bei der Uraufführung einen Achtungserfolg.[219]
Bereits ab 1848 wurden Schumann’sche Werke – als erstesDas Paradies und die Peri am 4. April 1848 mit 2000 Zuhörern – in New York City aufgeführt. Die ersten Drucke von Schumann’schen Werken erschienen in New York 1850, nachdem der Verlag Julius Schuberth dort eine Niederlassung angesiedelt hatte.[220]
Nach 1850 wurde Schumann von den Vertretern derNationalen Schulen Nord- und Osteuropas als Vorbild und Lehrmeister angesehen. 1869 erschien im Moskauer VerlagPetr Jurgensen eine Gesamtausgabe von Schumanns Klavierwerken.Tschaikowski meinte 1871, „daß die Musik der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts als eine Periode in die Geschichte der Kunst eingehen wird, die spätere Generationen als die Schumannsche bezeichnen werden“.[221]
In Frankreich setzten sich Komponisten mehrerer Generationen, zum BeispielGeorges Bizet,César Franck,Gabriel Fauré undClaude Debussy, mit Schumanns Kompositionen auseinander.[208] In Deutschland war einePolarisierung eingetreten. Dort wurden Schumann und seine Werke durch Richard Wagner und den Wagnerismus bedrängt und abgewertet, besonders nachdemFriedrich Nietzsche 1886 inJenseits von Gut und Böse Schumann als „nur noch eindeutsches Ereignis“ bezeichnet hatte.[222] Im Gegenzug wurde Schumann zum Gewährsmann der Antiwagnerianer stilisiert.[223]
Clara Schumann und Johannes Brahms waren nach Schumanns Tod die Ersten, die auch dessen frühe Klavierwerke öffentlich aufführten. Vorher geschah das hauptsächlich im privaten Rahmen oder in Hauskonzerten. Bereits im Januar 1862 schrieb der KritikerEduard Hanslick, dass es unter den Pianisten inzwischen „theils Bedürfniß, theils Mode, also jedenfalls unausweichlich geworden“ sei, Schumann aufs Programm zu setzen.[224] Und 1863 merkte er an, nachdem es Mode geworden sei, in allen Konzerten Bach und Schumann zu spielen, glaube jedes halbwüchsige Mädchen, sich mit dem Schwierigsten dieser beiden Komponisten produzieren zu müssen.[225]
Clara Schumann und Johannes Brahms gaben zwischen 1879 und 1893Robert Schumann’s Werke als eine Art Gesamtausgabe heraus. In diese Ausgabe wurden aber einige späte Kompositionen Schumanns nicht aufgenommen, und es fehlen ein kritischer Bericht und weitere philologische Angaben.[226]
Schon während desDeutschen Kaiserreichs und danach vor allem während derNS-Herrschaft wurde Schumann immer enger als deutschnational interpretiert und propagiert.Gustav Mahler und in seiner Nachfolge die Komponisten derSchönberg-Schule wandten sich sowohl gegen dieneudeutsche Abwertung als auch gegen die deutschnationale Vereinnahmung Schumanns, indem sie unter anderem seine neuartigen, strukturellen Qualitäten hervorhoben.[208]
In der nationalsozialistisch geprägten Musikwissenschaft wurde Schumann zum typisch deutschen Genie erhoben und gleichzeitig zum Komponisten der Innerlichkeit verkleinert. Er wurde zum Antisemiten stilisiert, der Mendelssohn als Juden kritisiert und abgelehnt habe. Um das zu belegen, wurden Primärquellen zurechtgestutzt und verfälscht. DasViolinkonzert d-Moll erlebte 1937 in einer verstümmelten Bearbeitung seine Uraufführung. Es sollte das überaus populäre Violinkonzert Mendelssohn Bartholdys ersetzen.[227]
Mit der Spätwerkdiskussion seit dem späten 20. Jahrhundert und mit der Verfügbarkeit vieler bis dahin schwer zugänglicher Primärquellen änderte sich der Blick auf Schumanns Werke und damit auch auf seine letzten Kompositionen.[208] Das Violinkonzert wird inzwischen in seiner Urfassung musiziert. Robert Schumanns Werke sind umfänglich im Konzertleben, an den Musikhochschulen und in der Musikwissenschaft präsent und werden nahezu lückenlos auf Datenträgern angeboten. Eine neue Grundlage für Forschung und Praxis bietet die gerade entstehendeNeue Robert-Schumann-Gesamtausgabe (RSA). Sie wird herausgegeben von derRobert-Schumann-Gesellschaft e. V. Düsseldorf in Verbindung mit demRobert-Schumann-Haus in Zwickau. Sie wird erarbeitet von derRobert-Schumann-Forschungsstelle Düsseldorf.[228]
Trotz vieler Einzeluntersuchungen zur Schumann-Rezeption fehlt aber immer noch eine umfassende, wissenschaftliche Darstellung der Rezeptionsgeschichte der Schumann’schen Werke.[229]
Eines der bekanntesten Instrumente, auf dem Robert Schumann spielte, war der Flügel vonConrad Graf, den dieser Robert und Clara 1839 anlässlich ihrer Hochzeit schenkte.[230] Dieses Instrument stand in Schumanns Arbeitszimmer in Düsseldorf; später schenkte es Clara Schumann dem Komponisten Johannes Brahms. Nach dem Wechsel einiger Aufenthaltsorte erhielt es schließlich die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien; jetzt ist es im Kunsthistorischen Museum in Wien ausgestellt.[231]
Der zum Schumanjubiläumsjahr 2010 eingeweihte Schumann-Ballon (rechts) und der nachfolgendeZwickau-Ballon (übernächster links davon) beim Ballonfest, 20. Mai 2018.
Runde Geburtstage oder Todestage bieten vielfach Anlass für Festveranstaltungen oderMusikwettbewerbe.So wurde zur 100. Wiederkehr seines Todestages derInternationale Robert-Schumann-Wettbewerb ins Leben gerufen. 1960, zu seinem 150. Geburtstag, veranstaltete man nacheinander in Berlin den „II. Schumann-Wettbewerb“ in den Fächern Gesang und Streichquartett und in Zwickau ein weiteresSchumann-Fest. Mit dem dritten Wettbewerb „übersiedelte“ dieser Wettbewerb endgültig nach Zwickau. Seit 1992 findet ebenfalls in Zwickau alle vier Jahre der Internationale Robert-Schumann-Chorwettbewerb statt, organisiert vomFörderverein Interkultur e. V.[232]
Ein weiteres Zentrum von Schumann-Festen istDüsseldorf, das zum Beispiel 2010 anlässlich seines 200. Geburtstages ein 17-tägiges Schumannfest veranstaltet.
Seit 1998 veranstaltet der „VereinSchumannhaus Bonn e. V.“ jährlich dasBonner Schumannfest, bis 2012 im Spätherbst, seit 2013 erstmals im Frühjahr von Ende Mai bis Anfang Juni.
Seit dem Jahr 2000 wird durch die ehrenamtlichen Mitglieder des Kunst- und Kulturvereins „Robert Schumann“ Kreischa e. V. die (alle zwei Jahre stattfindende) Schumanniade inKreischa undMaxen organisiert. Bei dem jeweils dreitägigen Festival treten stets renommierte Künstler aus dem In- und Ausland auf, die u. a. durchPeter Schreier, den Ehrenvorsitzenden des Vereins, nach Kreischa vermittelt werden.[233]
Erinnerungen an Felix Mendelssohn Bartholdy – vom Jahre 1835 bis zu seinem Tode [1847]. Handschrift um 1848. In:Musik-Konzepte, Band 14/15, S. 99–122 (Volltext aufWikisource); Nachdruck: edition text + kritik, München 1980
F. Gustav Jansen,Robert Schumanns Briefe. Neue Folge. 2. verm. und verbesserte Auflage, Leipzig: Breitkopf & Härtel 1904 (archive.org).
Hermann Erler,Robert Schumann’s Leben. Aus seinen Briefen geschildert von Hermann Erler. Mit zahlreichen Erläuterungen und einem Anhang, enthaltend die nicht in die „Gesammelten Schriften“ übergegangenen Aufsätze R. Schumann’s, Berlin: Ries & Erler 1887, 2 Bände (Digitalisat).
Hermann Abert:Robert Schumann. Harmonie-Verlag, Berlin 1903 (Volltext bei zeno.org).
Wolfgang Boetticher:Robert Schumann – Einführung in Persönlichkeit und Werk. Berlin 1941. Überarbeitete Neuausgabe unter dem Titel:Robert Schumann – Leben und Werk. Noetzel Verlag 2004,ISBN 3-7959-0804-3.[239]
André Boucourechliev:Robert Schumann in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1958.
Ernst Bücken: Robert Schumann. Köln: Staufen Verlag 1940.
Ernst Burger:Robert Schumann – Eine Lebenschronik in Bildern und Dokumenten. Schott Verlag, Mainz 1999,ISBN 3-7957-0343-3.
Wilhelm Joseph von Wasielewski:Robert Schumann. Eine Biographie. Dresden 1858. 4., umgearbeitete und vermehrte Auflage, hrsg. von Waldemar von Wasielewski, Breitkopf & Härtel, Leipzig 1906. Nachdruck der 4. Auflage: Sändig, Walluf b. Wiesbaden 1972.[240]
Bernhard R. Appel (Hrsg.):Robert Schumann in Endenich (1854–1856). Krankenakten, Briefzeugnisse und zeitgenössische Berichte. Schott Verlag, Mainz 2006,ISBN 3-7957-0527-4.
Joachim Bauer, Jens Blecher (Hrsg.):Der „akademische“ Schumann und die Jenaer Promotion von 1840 (=Schriftenreihe des Universitätsarchivs Leipzig. Band 14). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2010,ISBN 978-3-86583-530-7.
Bodo Bischoff:Monument für Beethoven. Die Entwicklung der Beethoven-Rezeption Robert Schumanns. Köln 1994,ISBN 3-925366-26-1.
Bodo Bischoff:Das Bach-Bild Robert Schumanns. In: Michael Heinemann, Hans-Joachim Hinrichsen (Hrsg.):Bach und die Nachwelt. Band 1:1750–1850. Laaber 1997,ISBN 3-89007-322-0, S. 421–499.
Bodo Bischoff:„Der geistlichen Musik die Kraft zuzuwenden, bleibt ja wohl das höchste Ziel des Künstlers.“ Zur Religiosität in Leben und Werk Robert Schumanns. In: Gotthard Fermor (Hrsg.):Spiritualität der Musik. Religion im Werk von Beethoven und Schumann. Rheinbach 2006,ISBN 3-87062-081-1, S. 55–80.
Bodo Bischoff:Trennung, Trauer und Tod in Leben und Werk Robert Schumanns. In: Gotthard Fermor (Hrsg.):Spiritualität der Musik. Religion im Werk von Beethoven und Schumann. Rheinbach 2006,ISBN 3-87062-081-1, S. 81–105.
Ingrid Bodsch (Hrsg.):Zwischen Poesie und Musik. Robert Schumann – früh und spät. Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung; [eine Ausstellung des StadtMuseums Bonn und der Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau e. V.; Ernst-Moritz-Arndt-Haus, Bonn, 29. Juni – 8. Oktober 2006, Robert-Schumann-Haus Zwickau und Galerie am Domhof, Zwickau, 22. Oktober 2006 – 14. Januar 2007]. Bonn u. a.: Stroemfeld 2006,ISBN 3-86600-000-6. Darin:
Ute Bär:„Ich möchte junge, so ehrlich strebende Künstler gern fördern.“ Robert Schumanns Beziehungen zu Ruppert Becker, Albrecht Dietrich und Wilhelm Joseph von Wasielewski. S. 143.
Ute Bär:Ruppert Becker. Notizen. S. 185.
Beatrix Borchard:Ein Bündnis verwandter Geister: Robert Schumann, Clara Schumann, Joseph Joachim und Johannes Brahms. S. 231.
Linda Ma-Kircher:Robert Schumann in Wien. S. 89.
Irmgard Knechtges-Obrecht:Robert Schumann in Düsseldorf. S. 121.
Gerd Nauhaus:Der junge Schumann. Leben und Dichtung. S. 17.
Gerd Nauhaus:Robert Schumann. Jünglingswallfahrten. S. 41.
Uwe Henrik Peters:Robert Schumann. Melancholische Gemütszustände und schöpferische Kraft. S. 107.
Michael Struck:Die Werke aus Robert Schumanns Düsseldorfer Schaffensjahren. S. 253.
Thomas Synofzik:„… den ich nicht hätte herausgeben sollen …“ Robert Schumanns kompositorische Anfänge. S. 51.
Ingrid Bodsch (Hrsg.):Unterwegs mit Schumann. Ein Reisebegleiter für Musikfreunde. Verlag StadtMuseum Bonn, Bonn 2010,ISBN 978-3-931878-27-6.
Edda Burger-Güntert:Robert Schumanns Szenen aus Goethes Faust – Dichtung und Musik. Rombach Verlag, Freiburg i. Br. 2006,ISBN 3-7930-9455-3.
Martin Demmler:Schumanns Sinfonien. Ein musikalischer Werkführer. Beck, München 2004,ISBN 3-406-44811-9 (Vorschau in der Google-Buchsuche).
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↑Brief an Flechsig vom 17. März 1828. In:Jugendbriefe von Robert Schumann, nach den Originalen mitgetheilt von Clara Schumann. 4. Auflage. Leipzig 1914, S. 15 (Digitalisat bei archive.org).
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 67.
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↑Schumann und seine Dichter: Bericht über das 4. Internationale Schumann-Symposion am 13. und 14. Juni 1991 im Rahmen des 4. Schumann-Festes, Düsseldorf. Hrsg. von Matthias Wendt, Mainz u. a. 1993.
↑Helge Dvorak:Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II:Künstler. Winter, Heidelberg 2018,ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 633.
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↑abErnst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 73.
↑Brief an Therese Schumann vom 16. September 1829.
↑Brief an Friedrich Wieck vom 6. November 1829, abgedruckt in Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 78.
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 98 f.
↑In dem Brief vom 30. Juli 1830 an seine Mutter sprach Schumann sogar von einem lebenslangen Kampf: „Mein ganzes Leben war ein zwanzigjähriger Kampf zwischen Poesie und Prosa, oder nenn’ es Musik undJus.“ (Er war damals zwanzig Jahre alt.)
↑Robert Schumanns Mutter in einem Brief an Friedrich Wieck vom 7. August 1830, zitiert nach Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 86.
↑Bernhard R. Appel:Vom Einfall zum Werk. Robert Schumanns Schaffensweise. Schott, Mainz u. a. 2010,ISBN 978-3-7957-0683-8, S. 64 f.
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 104.
↑Bernhard R. Appel:Vom Einfall zum Werk. Robert Schumanns Schaffensweise. Schott, Mainz u. a. 2010,ISBN 978-3-7957-0683-8, S. 60 f.
↑Georg Eismann:Robert Schumann. Ein Quellenwerk über sein Leben und Schaffen. Bd. 1, Leipzig 1956, S. 76.
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 103, Abbildungen von Schumanns Handexemplar derFlegeljahre.
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 94.
↑Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig, hrsg. vonAnnegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka (=Schumann-Briefedition, Serie II, Band 15), Köln 2016, S. 78
↑Robert Schumann:Tagebücher. Band 2, hrsg. von Gerd Nauhaus, Leipzig 1987, S. 31 und S. 459, Anmerkung 53.
↑Robert Schumann:Tagebücher. Band 1, hrsg. von Georg Eismann, Leipzig 1971, S. 422.
↑John Worthen:Robert Schumann: Life and Death of a Musician. New Haven u. London 2007, S. 72.
↑Robert Schumann:Tagebücher. Band 3, hrsg. von Gerd Nauhaus. Leipzig 1982, S. 34.
↑Bernhard R. Appel (Hrsg.):Robert Schumann in Endenich (1854–1856). Krankenakten, Briefzeugnisse und zeitgenössische Berichte. Schott, Mainz 2006, S. 326 f.
↑Robert Schumann:Tagebücher. Band 1:1827–1838. hrsg. von Georg Eismann, Leipzig 1971, S. 421.
↑Brief an Clara Wieck vom 11. Februar 1838. In: Eva Weissweiler (Hrsg.):Clara und Robert Schumann Briefwechsel. Band I, S. 95 f.
↑Arnfried Edler:Robert Schumann. München 2009, S. 24 f.
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↑Wilhelm Joseph von Wasielewski:Robert Schumann. Dresden 1858, S. 135 (books.google.com).
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 127, Abbildung 225.
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 131, 134 und 300.
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↑Der „akademische“ Schumann und die Jenaer Promotion von 1840 (Schriftenreihe des Universitätsarchivs Leipzig, Band 14), hrsg. von Joachim Bauer und Jens Blecher. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2010,ISBN 978-3-86583-530-7.
↑Arnfried Edler:Robert Schumann und seine Zeit. 3., überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Laaber 2008, S. 36.
↑Berthold Litzmann:Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen. Band 1. Leipzig 1902, S. 426.
↑In Wirklichkeit die großzügigeBeletage eines hellen Neubaus mit Musikzimmer, Arbeitszimmer („Redactionsstübchen“), Salon, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Mädchenkammer, Küche, Badewanne, Innenklosett, Weinkeller, Kohlenkeller und Nutzgarten. Siehe Janina Klassen:Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit. Köln u. a. 2009, S. 179 f.
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 216.
↑Janina Klassen:Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit. Köln u. a. 2009, S. 186.
↑Janina Klassen:Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit. Köln u. a. 2009, S. 181.
↑Janina Klassen:Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit. Köln u. a. 2009, S. 90.
↑abClara und Robert Schumann Briefwechsel.Kritische Gesamtausgabe. Hrsg. von Eva Weissweiler. Bd. 2, Basel, Frankfurt a. M. 1987, S. 571.
↑Margit L. McCorkle:Robert Schumann. Thematisch-Bibliographisches Werkverzeichnis. München 2003, S. 156–158.
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↑Margit L. McCorkle:Robert Schumann. Thematisch-Bibliographisches Werkverzeichnis. München 2003, S. 90.
↑Ernst Burger:Robert Schumann – Eine Lebenschronik in Bildern und Dokumenten. Schott, Mainz 1999, S. 192.
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↑Margit L. McCorkle:Robert Schumann. Thematisch-Bibliographisches Werkverzeichnis. München 2003, S. 218 f.
↑Tomi Mäkelä,Christoph Kammertöns, Lena Esther Ptasczynski (Hrsg.):Friedrich Wieck – Gesammelte Schriften über Musik und Musiker. Peter Lang, Frankfurt am Main 2019,ISBN 978-3-631-76745-0,S.110, 111, 121, 123, 129 und passim.
↑Ernst Burger:Robert Schumann – Eine Lebenschronik in Bildern und Dokumenten. Schott, Mainz 1999, S. 218.
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↑Bernhard R. Appel:Robert Schumann in Endenich (1854-1856) : Krankenakten, Briefzeugnisse und zeitgenössische Berichte. Schott, Mainz 2006,ISBN 3-7957-0527-4,S.1298–1313.
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↑Gudrun Henneberg:Idee und Begriff des musikalischen Kunstwerks. Tutzing 1983, S. 219.
↑abcdefgNachweise für das gesamte KapitelDüsseldorf in Arnfried Edler:Robert Schumann. In:Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 2., neubearbeitete Ausgabe, Personenteil, Band 15. Kassel u. a. 2006, Sp. 273–279.
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↑Brief an August Strackerjan, in:Robert Schumanns Briefe. Neue Folge. 2., vermehrte und verbesserte Auflage. Hrsg. von F. Gustav Jansen, Leipzig 1904, S. 390.
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 311–314.
↑Schumanns Aufzeichnungen vom Februar 1854 in seinem Haushaltsbuch:Handschrift undÜbertragung veröffentlicht in: Robert Schumann:Tagebücher. Band 3, hrsg. von Gerd Nauhaus, Leipzig 1982.
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↑Rainer Matthias Holm‐Hadulla, Asimina Koutsoukou-Argyraki:Bipolar Disorder and/or Creative Bipolarity: Robert Schumann's Exemplary Psychopathology - Combining Symptomatological and Psychosocial Perspectives with Creativity Research. In:Psychopathology.Band50,Nr.6, 2017,ISSN0254-4962,S.379,doi:10.1159/000479883 (academia.edu [abgerufen am 6. Februar 2026]).
↑Rainer Matthias Holm‐Hadulla, Asimina Koutsoukou-Argyraki:Bipolar Disorder and/or Creative Bipolarity: Robert Schumann's Exemplary Psychopathology - Combining Symptomatological and Psychosocial Perspectives with Creativity Research. In:Psychopathology.Band50,Nr.6, 2017,ISSN0254-4962,S.379,doi:10.1159/000479883 (academia.edu [abgerufen am 6. Februar 2026]).
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↑abErnst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 318.
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↑Briefe Robert Schumanns an Brahms, in denen er dessen Variationen erwähnt, die Herkunft des Zitates aber nicht erkennt. Zitiert auf der Website des Schumann-Portals.
↑Zitiert bei Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 331.
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↑Charakterisierung der drei Berichte in: Helmut Reuter:Geschichte der Psychologie. Göttingen 2014, S. 106 (books.google.com).
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 329.
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↑Bernhard R. Appel (Hrsg.):Robert Schumann in Endenich (1854–1856). Krankenakten, Briefzeugnisse und zeitgenössische Berichte. Schott, Mainz 2006, S. 33.
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↑Brief von Brahms an Cara Schumann über seinen Besuch im Februar 1855 abgedruckt bei Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 329.
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↑abDie Familie wird dargestellt auf der Website des Schumann-Portals.
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↑Arnfried Edler:Robert Schumann und seine Zeit. 3., überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Laaber 2008, S. 340 f.
↑Detlef Altenburg:Robert Schumann und Franz Liszt. In:Robert Schumann und die französische Romantik. Hrsg. von Ute Bär. Mainz 1997, S. 131–136.
↑Christiane Winkel:Lieder. In:Schumann-Handbuch. Hrsg. vonUlrich Tadday, Stuttgart u. a. 2008, S. 455.
↑Ernst Burger:Robert Schumann. Schott, Mainz 1999, S. 196.
↑Arnfried Edler:Robert Schumann und seine Zeit. 3., überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Laaber 2008, S. 342.
↑Margit L. McCorkle:Robert Schumann. Thematisch-Bibliographisches Werkverzeichnis. München 2003, S. 27–31.
↑Margit L. McCorkle:Robert Schumann. Thematisch-Bibliographisches Werkverzeichnis. München 2003, S. 24.
↑Nancy B. Reich:Robert Schumann’s Music in New York City, 1848–1898. In:Schumanniana nova. Festschrift Gerd Nauhaus zum 60. Geburtstag. Hrsg. von Bernhard R. Appel u. a., Sinzig, 2002, S. 570, 579; S. 591–595: eine Liste der Erstaufführungen von Schumann’schen Werken aller Gattungen in New York zwischen 1848 und 1898.
↑Svetlana Petuchova:Čajkovskij und Schumann – ein Versuch. In:Mitteilungen 20 der Tschaikowsky-Gesellschaft. Königstein im Taunus 2013, S. 4–6.
↑Das Buch ist der NS-Ideologie verpflichtet, philologisch unzuverlässig und nur mit kritischer Einstellung brauchbar. Quellen wurden teilweise verstümmelt und verfälscht angeführt. Siehe dazuGerd Nauhaus:Tendenzen der Schumann-Forschung. Abgerufen am 8. Mai 2019.