Richtstätte

EineRichtstätte, auchRichtplatz,Richtstatt,Enthauptungsstätte,Hauptstatt oderHauptstätte genannt, war früher ein Ort, an dem einVerurteilterhingerichtet wurde.[1] Die Begriffe standen früher auch für den Ort, an demGericht gehalten wurde.[2]
Für eine öffentliche Hinrichtung wurde das erhöhteSchafott genutzt. Für eine aufgemauerte Anlage war die volkstümliche BezeichnungRabenstein üblich.[3][4] Die Bezeichnung bezieht sich angeblich auf die Anwesenheit von zahlreichenRaben an der Richtstätte.[5]
Beschreibung
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Die Richtstätte befand sich zumeist außerhalb von Ortschaften an auffälliger Stelle, zum Beispiel an einer Wegkreuzung oder auf einem Hügel. Dort wurde weithin sichtbar derGalgen aufgestellt. Auch andereHinrichtungsarten waren üblich. Gelegentlich wurde durch eine Richtplatztafel auf die Richtstätte hingewiesen.
Der Weg zum Richtplatz war oft ein indirekter Teil der Bestrafung, der Verurteilte wurde den Schaulustigen präsentiert oder mit einem Pferd zum Richtplatz geschleift. Nach der Hinrichtung ließ man die Hingerichteten zur Abschreckung teils bis zur Verwesung am Galgen hängen. Hingerichtete wurden in ungeweihter Erde begraben, oft direkt in der näheren Umgebung zum Galgen.
Vielerorts hat sich der Richtplatz in Flurnamen erhalten, zum BeispielGalgenberg oderGalgenacker oder – in derRumantschia in derSchweiz – dieFuorcha.
Ausgrabungen auf Richtplätzen
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Umfangreichere Grabungskampagnen auf deutschen mittelalterlichen Richtstätten sind bislang 2010 auf demGalgenhügel beiAlkersleben als Richtplatz des 10. bis 12. Jahrhunderts sowie 2014 und 2018 auf demGalgenberg beiBad Belzig erfolgt.[6][7]Funde sind auch inHessisch Lichtenau (Richtplatz um 1300), auf dem Galgenhügel inNeuss, inPerleberg (Grabung) sowie inGroß-Pankow (geräderte Person aufgefunden) gemacht worden.In Bad Belzig wurden 13 Bestattete und etliche Einzelknochen gefunden.[8]
Sonstiges
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]2009 waren die Richt- und Gerichtsstätten in Deutschland vomBund Heimat und Umwelt (BHU) als „Kulturdenkmäler des Jahres“ und somit Orte von besonderer kultureller und kulturgeschichtlicher Bedeutung ernannt.[9]
Bekannte Richtstätten
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Reher Galgen inHagen
- Richtstätte Bensheim, Hessen
- Richtstätten in Frankfurt am Main
- Hochgericht Hanau
- Richtstätte Hohenems
- derRabenstein in Köln
- derRabensteinplatz in Leipzig
- Richtstätten in Salzburg
- Hochgericht Steinheim
- Richtstätten in Stuttgart
- Richtstätten in Tirol
- Wiener Hinrichtungsstätten
- Hinrichtungsstätten am Wienerberg
- Richtstätten in Wuppertal
- Horní Slavkov: gemauerter Richtplatz "Galgenberg" (šibeniční vrch) mit Portal, Stadtwappen und Jahreschronik für 1598. Datiert um 1500[10] Tschechien.
- Der Rabenstein inMarburg
- Gibet de Montfaucon vor den Mauern vonParis, um 1460
- Richtstätte vor den Mauern vonNürnberg (Bildausschnitt aus derSchedelschen Weltchronik 1493)
- Rabenstein inBerlin, um 1510
- Richtstätte vonHameln auf dem Galgenberg
Siehe auch
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Jost Auler (Hrsg.)Richtstättenarchäologie. archaeotopos, Dormagen 2008,ISBN 978-3-938473-07-8 (Online).
- Jost Auler (Hrsg.):Richtstättenarchäologie. Band 2, archaeotopos, Dormagen 2010,ISBN 978-3-938473-12-2.
- Jost Auler(Hrsg.):Richtstättenarchäologie. Band 3, archaeotopos, Dormagen 2012,ISBN 978-3-938473-17-7.
Weblinks
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- Jost Auler:Richtstätten-Archäologie. Grabungen an Orten des Grauens. In:Spiegel Online. 24. August 2005.
- Angelika Franz:Henkersplätze im Hinterhof. In:Spiegel Online. 22. Oktober 2008.
- Schwertrichtstätte am Rabenstein in Marburg (Hessen)@1@2Vorlage:Toter Link/www.myheimat.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2024.Suche in Webarchiven)
Einzelnachweise
[Bearbeiten |Quelltext bearbeiten]- ↑Duden online:Richtstätte undRichtplatz
- ↑Anne-Marie Dubler: Richtstätte. In:Historisches Lexikon der Schweiz. 28. Oktober 2010.
Richtplatz. In:Jacob Grimm,Wilhelm Grimm (Hrsg.):Deutsches Wörterbuch.Band 14:R–Schiefe – (VIII). S. Hirzel, Leipzig 1893,Sp. 901 (woerterbuchnetz.de).
Richtplatz. In: Adelung:Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart 1793 (zeno.org). - ↑Duden online erwähnt unterRabenstein nur den Galgen, aber auch Enthauptungsstätten wurdenRabenstein genannt.
- ↑Rabenstein. In: Adelung:Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. 1793 (zeno.org, Ziffer 2: „erhabener gemauerter Platz, auf welchem man die Missethäter zu enthaupten pflegt“).
- ↑Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. 10. Auflage, F. A. Brockhaus, Leipzig 1853.
- ↑Grabungen auf dem Galgenberg bei Bad Belzig, abgerufen am 26. August 2020.
- ↑Ausgrabungen auf dem Galgenhügel Alkersleben 2010, abgerufen am 26. August 2020.
- ↑ZDF History: Geköpft, gerädert, gehenkt. Was am Richtplatz geschah. Film von Kathrin Beck, 2020
- ↑Gisela Wilbertz:Richtstätten in Lippe – Ein Beitrag zur Aktion „Kulturdenkmal des Jahres 2009“. In: Lippischer Heimatbund e. V. und Landesverband Lippe (Hrsg.):Heimatland Lippe.Band 102,Nr. 8. Lippischer Zeitungsverlag Giesdorf, August 2009,ISSN 0017-9787,S. 212 f. (Heimatland Lippe 102.2009.08).
- ↑Baudenkmale und Denkmalzonen der Karlsbader Region, Tschechische Republik, Verlag Region Karlovy Vary, 1. Auflage 2005, S. 23.