Reserveoffiziere sindReservisten, die einenOffizierdienstgrad führen.
Reserveoffizier der Bundeswehr ist, wer einenDienstgrad trägt, der gemäßAnordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten denOffizieren vorbehalten ist[1] und einer derLaufbahnen derReserve zugeordnet ist.[A 1][2][3][A 2] GemäßZentraler Dienstvorschrift 14/5 sind die Dienstgrade derDienstgradgruppenGenerale,Stabsoffiziere,Hauptleute undLeutnante den Offizieren vorbehalten.[4]
Beorderte Reserveoffiziere sind entsprechend ihrem Dienstgrad für Dienststellungen eingeplant, die denen der anderen Offiziere entsprechen. Reserveoffiziere in einemWehrdienstverhältnis werden wie alle anderen entsprechenden Offiziere verwendet. Hinsichtlich Befehlsbefugnis auf Grundlage derVorgesetztenverordnung und hinsichtlich Disziplinarbefugnis aufgrund derWehrdisziplinarordnung sind Reserveoffiziere in einem Wehrdienstverhältnis den sonstigen Offizieren gleichgestellt.[5][6][7]
Für die Deckung des Personalbedarfs der Reserveoffiziere ist seit 2012 die Abteilung VI desBundesamts für Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) zuständig; zuvor war die Abteilung V desPersonalamtes der Bundeswehr damit betraut. Das BAPersBw verfolgt dazu drei Wege:
Die Eignungsfeststellung erfolgt im zentralenAssessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr (ACFüKrBw), der vormaligen Offizierbewerberprüfzentrale in Köln; bis 2012 prüften Heer und Marine in den Zentren für Nachwuchsgewinnung (heute:Karrierecenter der Bundeswehr). Die Bundeswehr stellte folgendes Anforderungsprofil für die Laufbahn der Reserveoffiziere auf:[8]
Die Reserveoffiziere werden nach Bedarf sowie Eignung, Leistung und Befähigung befördert, i. d. R.:
Die Beförderungsreihenfolge der Reserveoffiziere in den Laufbahnen desmilitärfachlichen Dienstes, des Geoinformationsdienstes, desSanitätsdienstes und desMilitärmusikdienstes weicht von oben genannter Dienstgradfolge ab. Für dieSanitätsoffiziere (Human- und Veterinärmediziner, Pharmazeuten und Zahnmediziner) gelten darüber hinauseigene Dienstgrade.
In der Geschichte der Bundesrepublik wurden vereinzelt Personen in einer der Laufbahnen der Reserve in dieDienstgradgruppe derGenerale befördert. ZumBrigadegeneral:Hans-Adolf von Blumröder,Hans Wilhelm Busch,Peter Dade,Heinz Herre,Friedrich August Freiherr von der Heydte,Horst Kraehe,Horst Niemack,Eberhard Graf von Nostitz,Dieter Seegers-Krückeberg,Adolf Wicht,Hans-Heinrich Worgitzky; zumGeneralmajor:Wolfgang Langkau; und zumGeneralleutnant:Reinhard Gehlen.[9] Fast alle Reserveoffiziere, die in der Bundeswehr in einen der Generalsdienstgrade befördert wurden, waren im zivilen Beruf hochrangige Mitarbeiter desBundesnachrichtendienstes (BND) oder derDeutschen Bundespost.[10] Der zivile BND sollte imVerteidigungsfall in die militärischen Kommandostrukturen der internationalenNATO eingegliedert werden. Die leitenden Beamten des BND benötigten deswegen entsprechend hohe Reservedienstgrade, um im Kriegsfall auf Augenhöhe mit den Generalen der verbündetenMilitärnachrichtendienste arbeiten zu können.[11]
1967 wurden im Auftrag desBundesministeriums der Verteidigung (BMVg) wehrsoziologische Untersuchungen vonRudolf Warnke unter Mitarbeit vonWilhelm Bierfelder durchgeführt.[12] Den Ergebnissen nach wurden Reservisten im Durchschnitt mit 25 bis 26 Jahren zum Reserveoffizier befördert. Sehr häufig wurden die jungen Reserveoffiziere alsZugführer oder stellvertretendeKompaniechefs eingesetzt. Mehrheitlich waren die Befragten Studenten derRechtswissenschaft,Philologie undPädagogik, gefolgt vonWirtschafts- undSozialwissenschaft.
Bei entsprechender Qualifikation können sich Reserveoffiziere für einen Auslandseinsatz im Sinne einer besonderen Auslandsverwendung bewerben. Unter den bisher während derAuslandseinsätze der Bundeswehr ums Leben gekommen deutschen Soldaten sind zwei Reserveoffiziere. Bei Selbstmordanschlägen in Afghanistan fielen 2005 ein Oberstleutnant[13] und 2007 ein Hauptmann.[14]
Viele tausende Reserveoffiziere der Bundeswehr sind imReservistenverband und den dortigen regionalenArbeitskreisen Reserveoffiziere (AKRO) organisiert, welche ihrerseits auf internationaler Ebene in derConfédération Interalliée des Officiers de Réserve (CIOR) mit alliierten Reserveoffiziersvereinigungen zusammenarbeiten.
DieNationale Volksarmee gewann ihre Reserveoffiziere vorrangig unter den Studenten der Hoch- und Fachschulen.An diesen Schulen wurde, wie auch beim obligatorischen Reserve-Wehrdienstwährend des Studiums, für die Bewerbung als Reserveoffizieranwärter massiv geworben.
Da die Übungen der Reserveoffiziere wesentlich kürzer waren als der drei Monate lange Reservistenwehrdienst der Mannschaften und Unteroffiziere, hatte die Laufbahn auch eine gewisse Attraktivität.
Siehe auch:Liste der Kapitäne zur See der Reserve der Kriegsmarine
Mit Einführung der allgemeinenWehrpflicht im Zuge derPreußischen Heeresreform (1807–1814) vonScharnhorst,Gneisenau,Boyen undClausewitz stieg auch die Bedeutung derReservisten für das Militär an. ImKaiserreich genoss der „bürgerliche Reserveoffizier“ hohes Ansehen. Die Bedeutung, die dem Militär zu dieser Zeit zukam, findet sich in den Worten des PhilologenUlrich von Wilamowitz-Moellendorff wieder:[15]
„Ich war damals schon jahrelang Professor wie heute, dachte und denke nicht gering von meinem Lehramte. […] Aber wie geringfügig kam alles, was unsereiner leisten kann, demgegenüber vor was mein Hauptmann mit seiner […] Arbeit erreichte, der Erzieher, der Hochschullehrer des Volkes.“
Nach der Beförderung übten die ausgebildeten Reserveoffiziere in derLandwehr. Mit denRoonschen Reformen von 1860 dienten sie fortan in allen Waffengattungen. Im Jahr 1914 zählte die Statistik mehr als 120.000 Reserveoffiziere in den Dienstgraden von Leutnant bisMajor. Der HistorikerHeiger Ostertag urteilte über ihre Leistungen im Ersten Weltkrieg positiv, nämlich dass sie[16]
„militärische Leistungsträger waren und – unter Berücksichtigung ihrer relativ kurzen Ausbildungszeit – die aktiven Offiziere voll ersetzten.“
Überwiegend stammten die Reserveoffiziere ausbürgerlichen Familien. Ihre Väter waren meist Beamte, Gutsherren, Industrielle und Angehörige der freien Berufe (Rechtsanwälte, Ärzte etc.). Reserveoffiziere nahmen mitunter im zivilen Berufsleben leitende Funktionen in Wirtschaft und Verwaltung wahr. Der HistorikerFriedrich Meinecke formulierte 1946 die Stellung des Offiziers in der preußisch-deutschen Gesellschaft in folgendem Satz:[17]
„Der preußische Leutnant ging als junger Gott, der bürgerliche Reserveleutnant wenigstens als Halbgott durch die Welt“
Reserveoffiziere übernahmen allerdings ihre Kosten für Ausrüstung, Bekleidung, Unterbringung und Verpflegung selbst. Die gesamten Aufwendungen beliefen sich je nach Truppengattung auf zwischen 2000 und 3000Mark. Damit wurden die Angehörigen der unteren Mittelschicht wieHandwerker undVolksschullehrer von dieser elitären Laufbahn de facto ferngehalten. Formal schrieb der Dienstherr den Bewerbern das Erreichen derObersekundareife einesGymnasiums vor. Diese sogenanntenEinjährig-Freiwilligen dienten gemäß den Richtlinien nur ein Jahr anstelle von drei Jahren imHeer oder bei derMarine.
Dem fähigsten Drittel ermöglichte das aktiveOffizierskorps seines Truppenteils durch Zuwahl den Aufstieg zum Reserveoffizier. Die Anwärter erhielten nach bestandener Prüfung dasOffizierspatent zumLeutnant der Reserve. Damit waren siehoffähig.
Ganze Bevölkerungsschichten wieKatholiken oderSozialdemokraten undethnische Minderheiten wiePolen,Elsässer undDänen wurden systematisch diskriminiert und weniger befördert. Allen voran Bürgerjüdischen Glaubens wurden vom Offiziersstand fast vollständig ausgeschlossen. ImDeutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurden erstmals zwischen 100 und 200 jüdische Reserveoffiziere ernannt (22 davon in derbayerischen Armee); diese Phase endete jedoch schnell wieder.[18] Von den seit 1880 in der preußischen Armee dienenden 30.000 jüdischen Einjährig-Freiwilligen wurde bis 1914 kein einziger zum Reserveoffizier befördert, während 300 der in dieser Zeit dienenden 1500 zum Christentum übergetretenen ehemaligen Juden die begehrte Reserveoffiziersstellung erhielten.[19] Außerhalb desKönigreichs Bayern, das sich toleranter zeigte, wurde vor dem Ersten Weltkrieg zum letzten Mal 1885 ein jüdischer Reserveoffizier ernannt.[18] Im Jahr 1911 gab es imKönigreich Preußen lediglich 21 ältere jüdische Reserveoffiziere, die alle vor 1880 ernannt worden waren.[20] Ein wesentlicher Faktor war dasKooptationssystem, da die neu ernannten Reserveoffiziere vom aktiven Offizierskorps des betreffenden Regiments hinzugewählt werden mussten. Von 1878 bis 1910 gab es im preußischen Heer gar keine jüdischen Berufsoffiziere,[20] 1907 im ganzen Reichsheer unter den aktiven Offizieren und Beamten im Offiziersrang nur 16 Juden. Ein bekanntes Beispiel für die antisemitische Haltung der Armee ist der Fall des nationalliberalen PolitikersWalther Rathenau, der trotz seiner großbürgerlichen Herkunft nicht in das Offizierskorps aufgenommen wurde.[19] Nur in Bayern zählte man 1912 eine nennenswerte Anzahl von jüdischen Reserveoffizieren, in erster LinieÄrzte undVeterinäre, die Offiziersrang hatten.[18]

Das System der Offizierausbildung in den Vereinigten Staaten unterscheidet grundsätzlich nicht zwischen der Ausbildung zum (aktiven) Offizier oder Reserveoffizier. Damit durchlaufen die Offizieranwärter der Reservetruppenteile gemeinsam mit den aktiven Offizieranwärtern die Ausbildung gemeinsam. Spezielle Ausbildungsgänge für Reserveoffizieranwärter in Teilzeit gibt es nur in derNationalgarde des Heeres. Offiziere der Nationalgarde erhalten ein Doppelpatent (englischDouble-Commission) vom Gouverneur ihres Bundesstaates und gleichzeitig vom Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Grundsätzlich verpflichten sich Offizieranwärter in den US-Streitkräften freiwillig für eine Gesamtdienstzeit von acht Jahren, die sich aus der Dienstzeit in einer aktiven Einheiten und in der Reserve zusammensetzt. Nach Ablauf der vertraglichen aktiven Dienstzeit werden sie einer Einheit als Reserveoffizier zugeteilt. Reserveoffiziere, soweit sie nicht längerfristig aktiven Dienst innerhalb der Streitkräfte leisten, unterstehen folgenden Status:
Einen allgemeinen Status für Reserveoffiziere wie in Deutschland mit derAllgemeinen Reserve gibt es in den Vereinigten Staaten nicht. Ein Reserveoffizier, der nicht zur Mobilisierung zur Verfügung steht und damit keiner der obengenannten Kategorien zugehört, verliert seinen Status. Er ist nicht mehr berechtigt, seinen letzten Dienstgrad zu führen oder Privilegien aus dem Reservestatus wahrzunehmen.
Offizieranwärter der Nationalgarde besuchen im Regelfall ein Offizieranwärterschule oder speziellen Offizierlehrgang. Die Officer Training School der Luftwaffe bietet hier einen verkürzten Lehrgang für Reserveoffizieranwärter derAir National Guard an. Bei derArmy National Guard bestehen drei Möglichkeiten:[22][23]
DieUnited States Merchant Marine Academy derUnited States Maritime Administration inKings Point,New York, bildet nautische Reserveoffiziere aus. Die Studenten werden für einen Beruf alsNautischer Offizier,Schiffsingenieur oder für die maritime Wirtschaft vorbereitet. Gleichzeitig sind sie Offizieranwärter derUnited States Navy Reserve. Neben fünf Jahren Dienst in der Handelsmarine oder maritimen Wirtschaft sind acht Jahre als Dienst als Reserveoffizier in einer Teilstreitkraft obligatorisch. Ein Drittel der Absolventen dient jedoch nach Abschluss direkt als aktiver Offizier in den Streitkräften.
DasReserve Officer Training Corps (ROTCdeutschetwa Reserveoffizier-Ausbildungskorps) ist ein Ausbildungsprogramm anColleges undUniversitäten zur Rekrutierung und Ausbildung von Offizieren. Für die inhaltliche Ausgestaltung sind die Teilstreitkräfte verantwortlich. Die Ausbildung im Rahmen des ROTC-Programms ist auf ein vierjährigesGrundständiges Studium zum Bakkalaureus ausgerichtet. Mit erfolgreichen Studienabschluss der Hochschule erhalten die Offizieranwärter dasOffizierspatent, die Beförderung zumLeutnant oderLeutnant zur See und beginnen ihren Dienst als Offizier. Mindestdienstzeit für Absolventen des ROTC ist heute drei Jahre in der aktiven Truppe, bei Nutzung von Militärstipendien oder aufwändiger Ausbildung ist die Mindestdienstzeit länger. Der ausschließliche Dienst in der Reserve ist nur in Ausnahmefällen möglich. Der erfolgreiche Abschluss des ROTC wird im Abschlusszeugnis der Hochschule oft als Nebenfachabschluss inMilitary Science,Naval Science oderAerospace Studies bescheinigt. Die Offizieranwärter des ROTC sind keine aktiven Soldaten und unterliegen nicht der Militärgerichtsbarkeit. In der letzten zwei Jahren der Ausbildung gehören sie aber zurReserve ihrer gewählten Teilstreitkraft.[22][23]