Der offizielle Staatsname in der AmtsspracheRumänisch als auch im Englischen lautetMoldova. Er geht zurück auf den FlussMoldova (deutsch: Moldau; nicht zu verwechseln mit derMoldau in Tschechien), auch wenn das heutige Staatsgebiet nicht mehr von diesem Fluss berührt wird.
Die offizielle Bezeichnung in Deutschland und Österreich lautetRepublik Moldau;[9][10] in der SchweizRepublik Moldova.[11] In deutschsprachigen Ländern wird der Staat nichtamtlich häufig Moldawien genannt.
Die Staatsbürger werden demzufolge im Deutschen als Moldauer, Moldawier oder Moldovaner[12] bezeichnet, im EnglischenMoldovan, auchMoldavian.[13]
Die Republik Moldau erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über 350 Kilometer und west-östlich über 150 Kilometer auf einer Gesamtfläche von 33.843 Quadratkilometern. Damit zählt der Staat imweltweiten Vergleich zu den kleineren. Das Kerngebiet liegt zwischen den beiden größten FlüssenDnister (moldauisch/rumänischNistru) undPruth (Prut) und damit in der historischen LandschaftBessarabien. Der Norden grenzt an diePodolische Platte derWestukraine.
Der südlichste Punkt der Republik Moldau istGiurgiulești, wo der Staat auf 600 m Längelinksufrig Zugang zurDonau hat. Die südöstliche Landesspitze reicht fast – bis auf gut zwei Kilometer – an denDnister-Liman heran, den Mündungsarm des Flusses Dnister in das Schwarze Meer. Ein kleinerer Teil des Staates mit etwa 17 % der Bevölkerung auf 12 % der Fläche liegt östlich (= links) des Dnister und hat sich 1992 im Zuge desTransnistrien-Konflikts unter dem NamenTransnistrien abgespalten.
DerPruth mündet nahe der Südgrenze der Republik Moldau in dieDonau. Die größerenNebenflüsse (Bîc,Răut undBotna) verlaufen großteils parallel und entwässern zumDnister.
Die Landschaft ist flachwellig (zwischen30 m und430 m) und zu 80 % Kulturland, was der fruchtbarenSchwarzerde in derSteppe des Südens zu verdanken ist. Im Norden ziehen sichhügelige Ebenen mit lichtenEichenwäldern und Baumsteppen. Die höchste Erhebung der Republik Moldau ist derDealul Bălănești (430 m). Das warme, trockene Klima ermöglichtWein- und Obstbau in großem Maßstab.
189.385,9 Hektar sind als Schutzgebiete ausgewiesen, das entspricht 5,61 % der Staatsfläche (Stand: 2018). Seit 2013 besteht mit dem 33.792,09 ha großenParcul Național Orhei südlich vonOrhei der ersteNationalpark der Republik Moldau. Das 2018 geschaffeneBiosphärenreservatPrutul de Jos amBeleu-See umfasst 14.771,04 ha.[14] Ein zweiter Nationalpark,Parcul Național Nistrul de Jos, wurde am 31. März 2022 durch Parlamentsbeschluss gebildet. Das Gebiet umfasst 61.883,99 ha.[15] Am 20. Oktober 2000 trat die Republik Moldau derRamsar-Konvention bei, einem Übereinkommen zum Schutz international bedeutsamer Feuchtgebiete. Die Gesamtfläche derdrei Ramsar-Gebiete des Staates beträgt 94.705 ha und überschneidet sich teilweise mit dem Gebiet des Biosphärenreservates bzw. einem der Nationalparks.
Die Republik Moldau hatte zum 1. Januar 2025 2,4 Millionen Einwohner.[18] Die Einwohnerzahl sank um 2,1 %. Zum Bevölkerungsrückgang trug ein Sterbeüberschuss (Geburtenziffer: 12,1 pro 1000 Einwohner[19] vs. Sterbeziffer: 16,6 pro 1000 Einwohner[20]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,61, die der Region Europa und Zentralasien betrug 1,7.[21] DieLebenserwartung der Einwohner Moldaus ab der Geburt lag 2022 bei 68,6 Jahren[22]. DerMedian des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 36,1 Jahren.[23] Im Jahr 2023 waren 19,1 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,[24] während der Anteil der über 64-Jährigen 12,7 Prozent der Bevölkerung betrug.[25]
Die Bevölkerung der Republik Moldau ist unterschiedlicherethnischer Herkunft: Die größte Gruppe machten zur Volkszählung 2024 (ohne Transnistrien) dierumänischsprachigenMoldauer mit 77,2 % aus, darauf folgten Rumänen (7,9 %),Ukrainer (4,9 %),Gagausen (4,2 %),Russen (3,2 %),Bulgaren (1,6 %),Roma (0,4 %) sowie einige Juden, Deutsche, Polen, Belarussen,Tataren, Ungarn usw.[26][27]
Sowohl in der gesamten Republik Moldau als auch jeweils östlich sowie westlich des Dnister machen die drei großen Volksgruppen der Moldauer, Ukrainer und Russen zusammen über 91 % der Bevölkerung aus. Getrennt betrachtet ist die Verteilung jedoch unterschiedlich: Während in Transnistrien von 555.347 Einwohnern 31,9 % Moldauer (gegenüber 40,1 % zu Sowjetzeiten 1989), aber 30,3 % Russen und 28,9 % Ukrainer sind,[27] machen in der restlichen Republik Moldau dierumänischen Moldauer 77,2 % und 7,9 % Rumänen (bei 4,9 % Ukrainern und 3,2 % Russen) der 2.401.200 Einwohner aus.[26]
Bevölkerung der Republik Moldau nach Ethnizität (Zensusdaten 1959–2014)
* Ob die Moldauer eine von den Rumänen getrennte Ethnie bilden oder ein Teilvolk der Rumänen sind, ist umstritten.
** Es gibt Kritik an diesen Zahlen: 7 von 10 Beobachtergruppen innerhalb des Europarates zufolge wurde Einwohnern von Volkszählern empfohlen, sich als Moldauer und nicht als Rumänen zu bezeichnen. 18,8 % der Teilnehmer bezeichneten sich als Moldauer, gaben aber an, Rumänisch als Muttersprache zu sprechen.[34]
2017 waren 3,5 % der Bevölkerung imAusland geboren. Häufigste Herkunftsstaaten waren die Ukraine und Russland mit jeweils 60.000 Personen.[35][36]
Die Amtssprache istRumänisch.[37] Als Ausdruck einessprachlichen Separatismus hatte die Regierung 1994 dafür in der Verfassung zwischenzeitlich die Bezeichnung „moldauische Sprache“ durchgesetzt. Diese Bezeichnung war bereits in der Zeit der Moldauischen SSR verwendet worden, die allerdings keinen Status als Amtssprache besaß. Seit 2013 wird die Bezeichnung „moldauische Sprache“ nicht mehr offiziell verwendet.
Die Alltagssprache in Chișinău und den Zentren der Rajons entspricht der moldauisch gefärbten Variante des Rumänischen(moldoveneasca). Es gibt einige aus dem Russischen entlehnteNeologismen, an deren Stelle im mehr westlich orientierten rumänischen Nachbarstaat englische oder französische Entlehnungen verwendet werden.
In der Republik Moldau wird jährlich der offizielle FeiertagLimba Noastră cea Română begangen, der an den 31. August 1989 erinnert, an dem Rumänisch in derMoldauischen SSR Amtssprache wurde.
Ab 1940/1944 wurde in der Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik daskyrillische Alphabet (wieder-)verwendet. Mit demZerfall der Sowjetunion ab 1989 und der Unabhängigkeit 1991 wurde schließlich die Einführung der lateinischen Schrift beschlossen (sieheHintergründe zur moldauischen Sprache). In der von der Republik Moldau abtrünnigen Region Transnistrien wird Moldauisch offiziell nach wie vor in kyrillischer Schrift geschrieben.
Bedingt durch die lange Zugehörigkeit zum Russischen Reich und später zur Sowjetunion kommt derrussischen Sprache eine Sonderrolle zu. Das Russische ist im Alltag besonders in den größeren Städten und in der Wirtschaft präsent. Einen offiziellen Status als Amtssprache besitzt es jedoch nur in den StaatsteilenGagausien (neben demGagausischen) und inTransnistrien (neben demUkrainischen). Einer Studie aus dem Jahr 2011 zufolge besitzen 99 % der Bevölkerung Kenntnisse des Russischen.[38] Für 11,1 % der Bevölkerung ist es die Muttersprache.[39] In mehreren größeren Städten gibt es russischsprachige Mehrheiten, insbesondere inBălți, wo Russisch de facto auch auf offizieller Ebene verwendet wird.
Die Republik Moldau hat eine reiche Religionsgeschichte. Die 500-jährige Kirchenarchitektur ist auch ein wichtiger Faktor für den Tourismus. In der Zeit der Zugehörigkeit zur UdSSR hat sichchristliches Brauchtum neben althergebrachten Sitten und Bräuchen erhalten, darunter Familienbräuche und Feste. Auf dem Land sind Glaube und Traditionen viel ursprünglicher erhalten als beispielsweise in der urban geprägten Hauptstadt Chișinău.
In den Jahren nach derPerestroika und seit der Unabhängigkeit sind in der Republik Moldau viele alte Kirchen, Konvente, Felsenklöster, Kathedralen und kleine Dorfkirchen wiedererrichtet oder neu gegründet worden. Aber das geistliche und kirchliche Leben verläuft nicht in ruhigen Bahnen. Historisch waren viele ortsfremde Religionen auf moldauischem Territorium aktiv und es gab Auseinandersetzungen zwischen der BessarabischenEparchie und dem MoskauerPatriarchat, die bis heute nicht gelöst sind. 2001 gab derEuropäische Gerichtshof für Menschenrechte wegen Einschränkung der Religionsfreiheit einer Klage derbessarabischen Eparchie gegen die Republik Moldau recht.
Die Zahl der russisch-orthodoxen Kirchen ist in den ersten zwölf Jahren der Unabhängigkeit von 280 auf über 1000 sprunghaft angestiegen.[42]
Bei der Volkszählung 2024 bekannten sich 95 Prozent der moldauischen Bevölkerung zum orthodoxen Christentum.[43]
Das katholischeBistum Chișinău umfasst (Stand: 2019) 20 Pfarreien mit ca. 20.000 Katholiken, die überwiegend polnischer, rumänischer und deutscher Abstammung sind. Bischof der 2001 gebildeten Diözese istAnton Coșa.
Heutzutage gibt es noch etwa 25.000Juden in der Republik Moldau. Andere Schätzungen gehen gar von nur noch 1.000 praktizierenden Juden aus. Nach der Unabhängigkeit der Republik Moldau wanderten viele Juden nachIsrael und in dieVereinigten Staaten aus.[44][45] Vor demZweiten Weltkrieg gab es in der damaligenMoldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik einen bedeutenden jüdischen Bevölkerungsanteil. Die heutige HauptstadtChișinău war zudem bereits um 1900 ein Zentrum jüdischen Lebens imRussischen Kaiserreich. So bildeten Juden mit einem Anteil von 45,9 % laut einer Zählung aus dem Jahr 1897 die größte Bevölkerungsgruppe in der Stadt. Allerdings gab es auch in der Republik MoldauAntisemitismus. Schon in der Zarenzeit 1903 gab es dasPogrom von Kischinjow. Während derdeutschen und rumänischen Besatzung 1941 bis 1944 fielen schließlich weite Teile der jüdischen Bevölkerung demHolocaust zum Opfer.
In der Republik Moldau haben Schüler, die Minderheiten angehören, das Recht auf Unterricht in ihrerMuttersprache.[46] Das Einkommensniveau der Lehrkräfte an Schulen und Hochschulen ist niedrig.[46]Der Staat besitzt zahlreicheUniversitäten und Hochschulen. Mehr als ein Dutzend öffentlicher und privater Hochschulen befinden sich in Chișinău, daneben gibt es Universitäten inBălți,Cahul,Comrat,Taraclia undTiraspol.
Traditionell hat diefranzösische Sprache im Bildungssystem der Republik Moldau einen hohen Stellenwert. Die Sprache wird bereits ab dem Alter von acht Jahren in der Grundschule gelehrt. Gut 40 % aller Schüler in derSekundarstufe wählen Französisch als erste Fremdsprache. Im gesamten Staat gibt es acht zweisprachige Gymnasien, die etwa 3000 Schüler bis zumBaccalauréat führen. Eine Vertretung der Hochschulagentur der Frankophonie (Agence universitaire de la Francophonie, AUF) in Chișinău unterstützt sechs französischsprachige Studiengänge an mehreren moldauischen Universitäten (Stand: 2018).[47]
Die Gesundheitsausgaben des Staates betrugen 2021 7,8 % des Bruttoinlandsprodukts.[48] Im Jahr 2020 praktizierten in Republik Moldau 40,6 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.[49] Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 14,2 pro 1000 Lebendgeburten.[50] DieLebenserwartung der Einwohner Moldaus ab der Geburt lag 2022 bei 68,6 Jahren[22] (Frauen: 73,3[51], Männer: 64,2[52]). Die Lebenserwartung stieg von 66,4 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 3 %.[22]
DieHIV-Infektionsrate in der erwachsenen Bevölkerung beträgt 0,6 %.[53] In Moldau gibt es im europäischen Vergleich die höchste HIV/AIDS-Infektionsrate. 2022 traten 929 neue Fälle auf. In den letzten Jahren müssten es 16.000 gewesen sein. Nur 67 % wissen davon. 2022 wurden 16.000 intravenös Drogensüchtige und 8000 Prostituierte auf HIV getestet. Bis 2030 soll die AIDS-Krise in Moldau im Griff sein.[54]
Das Gebiet der heutigen Republik Moldau wurde imAltertum von verschiedenen Völkern besiedelt. Im 2. Jahrhundert kamenrömische Siedler aus dem westlich gelegenenDakien hinzu, es bildete sich eine dako-romanische, später rumänische Kultur. Nachdem der Einfluss des römischen Reiches geschwunden war und seine Truppen im Jahr 271 die Region verließen, zogen während derVölkerwanderung verschiedene Volksgruppen durch das Gebiet und ließen sich auch teilweise hier nieder, darunterHunnen,Ostgoten und Ostslawen (Anten), späterProtobulgaren,Magyaren,Petschenegen,Kumanen und dieGoldene Horde (Mongolen). Die Region stand unterungarischer Oberhoheit und wurde um 1350 von Siedlern rumänischer Sprache und Kultur aus der RegionMaramuresch besiedelt, die unter dem FürstenBogdan I. 1359 ein unabhängigesFürstentum Moldau gründeten. Wichtigster Herrscher im 15. Jahrhundert warȘtefan cel Mare, der in zahlreichen Schlachten gegen Invasionen desOsmanischen Reichs,Polens und der Tataren kämpfte. 1512 musste sich das Fürstentum den Osmanen unterwerfen und blieb für die nächsten 300 Jahre einVasallenstaat.
Nach derOktoberrevolution 1917 in Russland konstituierte sich am 21. Dezember ein moldauisch-bessarabischer Landesrat, derSfatul Țării. Dieser proklamierte am 2. Dezember 1917 dieMoldauische Demokratische Republik, zunächst als Teilrepublik eines neuen,föderal organisierten Russlands. Im Januar 1918 besetzten rumänische Truppen das Gebiet westlich des Dnister. Der Widerstand desRumtscherod gegen die Besetzung wurde niedergeschlagen und das Parlament erklärte unter dem Druck der Besatzung die Unabhängigkeit von Russland bzw. der Ukraine. Am 27. März 1918 stimmte eine Mehrheit des Parlaments für die Vereinigung mit Rumänien und legalisierte damit nachträglich die faktisch bereits vollzogene Eingliederung Bessarabiens in den rumänischen Staat. Im Gegensatz zu den Staaten desVölkerbunds erkannten dieBolschewiki die Rechtmäßigkeit dieser Abstimmung und des Anschlusses nicht an. Auch die 1922 gegründeteSowjetunion erkannte die Abtretung Bessarabiens nicht an. In den mehrheitlich rumänischsprachigen Gebieten derUkrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik östlich des Dnister wurde 1924 eineMoldauische Autonome Oblast gebildet, die sieben Monate später zurMoldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik erhoben wurde. Offizielle Hauptstadt warChișinău – aufgrund der „rumänischen Besetzung“ wurde jedochBalta (heute Ukraine), nach 1929Tiraspol zum Regierungssitz bestimmt.
Ab 1929 durften Frauen an Kommunalwahlen teilnehmen; jedoch wurde dasFrauenwahlrecht von ihrem Bildungsgrad, der sozialen Stellung und besonderen Verdiensten gegenüber der Gesellschaft abhängig gemacht.[55][56] Die Verfassung von 1938 stellte Männer und Frauen in wahlrechtlicher Hinsicht gleich,[57] und das Wahlgesetz von 1939 führte aus, dass Frauen und Männer, die lesen und schreiben konnten, ab 30 zu den Wahlen zugelassen waren.[58]
Das zuRumänien gehörige Gebiet Bessarabiens wurde zusammen mit der nördlichenBukowina im Juni 1940 mit deutscher Zustimmung als Konsequenz des geheimen Zusatzprotokolls desHitler-Stalin-Pakts von derRoten Armee besetzt und von der Sowjetunion annektiert. Am 2. August 1940 wurde dieMoldauische Sozialistische Sowjetrepublik (MSSR) mit Chișinău (russischKischinjow) als Hauptstadt errichtet, indem man Bessarabien mit dem westlichen Teil der Moldauischen ASSR vereinigte. Diedeutsche Bevölkerung in Bessarabien, deren Vorfahren der russische KaiserAlexander I. 1813 als Kolonisten ins Land gerufen hatte, wurde von derVolksdeutschen Mittelstelle fast vollständig in das Deutsche Reich umgesiedelt. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen und Männer wurde eingeführt.[59]
Nach dem 22. Juni 1941 besetzten deutsche und rumänische Truppen im Rahmen desUnternehmens Barbarossa auch die Moldauische SSR. Rumänien konnte dadurch im Sommer 1941 Bessarabien und die nördliche Bukowina zurückerobern. Das Land zwischen den Flüssen Dnister undSüdlichem Bug – nördlich vom ukrainischenBar – verwaltete Rumänien dann unter dem NamenTransnistria. Nach dem Zweiten Weltkrieg fielen mit demFriedensvertrag von 1947 Bessarabien, dasHerza-Gebiet und die nördliche Bukowina an die Sowjetunion, und die früheren sowjetischen Verwaltungseinheiten und russischen Ortsnamen wurden erneut eingeführt.
Seit Mitte der 1980er-Jahre entwickelte sich eine Nationalbewegung der Rumänen in derMoldauischen SSR. Sie bekam politisch ein immer größeres Gewicht, übernahm schließlich noch vor demZerfall der Sowjetunion die Macht und spielte eine wichtige Rolle bei der Unabhängigkeitserklärung des Staates. 1989 wurde daherRussisch als zweite Amtssprache abgeschafft und die Rückkehr zurrumänischen Sprache in lateinischer Schrift beschlossen. Dem widersetzten sich die ukrainischen, russischen und gagausischen Minderheiten.[60] Auch gab es starke Bestrebungen, das Land mit Rumänien zu vereinigen.
Die Moldauische SSR wurde 1991 schließlich zur vollständig unabhängigen Republik Moldau und Rumänisch (kurzzeitigMoldauisch) zur Amtssprache erklärt. Nach der Unabhängigkeitserklärung wurde das allgemeine Wahlrecht 1993 bestätigt.[61]
Aufgrund der neuen, von vielen Bevölkerungsgruppen als nationalistisch empfundenen Politik der Republik Moldau kam es schon ab 1989 zu größeren Konflikten zwischen der Zentralregierung in Chișinău und den überwiegend von ethnischen Minderheiten bewohnten Gebieten, insbesondereTransnistrien undGagausien. Letztere Regionen riefen 1990 die Unabhängigkeit von der Republik Moldau aus, auch in anderen Staatsteilen kam es zu Massenprotesten. In Transnistrien eskalierte die Situation ab 1992, es kam zu einem Krieg mit über 1000 Toten, der schließlich mit der De-facto-Unabhängigkeit dieses Staatsteils endete. Die Kämpfe wurden erst durch das Eingreifen der auf transnistrischem Territorium stationierten russischen14. Armee unter Führung von GeneralAlexander Lebed beendet. Verhandlungen zur Lösung desTransnistrien-Konflikts führten bislang zu keinem Erfolg, so dass sich beide Konfliktparteien inzwischen mit demStatus quo weitgehend arrangiert haben.
Im Gegensatz zu Transnistrien konnte die Region Gagausien 1994 erfolgreich und friedlich wieder in die Republik Moldau eingegliedert werden. Zuvor war ein umfangreiches Autonomieabkommen ausgehandelt worden, das schließlich von Gagausien akzeptiert wurde.
Nach dem Rücktritt Voronins 2009 und einer Phase kommissarischer Präsidenten wurde am 16. März 2012Nicolae Timofti zum Präsidenten der Republik Moldau gewählt. DieEuropäische Union und Moldau unterzeichneten am 27. Juni 2014 ein Assoziierungsabkommen, das eine vertiefte und umfassende Freihandelszone umfasst und im Juli 2016 in Kraft trat.
Im Februar 2014 fand in Gagausien ein mit der Zentralregierung in Chișinău nicht abgestimmtes Referendum statt, bei dem 94 % der Wähler den Beitritt der Republik Moldau zur russisch dominierten Zollunion befürworteten und fast 70 % der Beteiligten sich für die Unabhängigkeit Gagausiens aussprachen, sollte die Republik Moldau durch eine Vereinigung mit Rumänien ihre Selbständigkeit verlieren.[63]
Vom 23. Dezember 2016 bis 24. Dezember 2020 warIgor Dodon von derPartei der Sozialisten der Republik Moldau (PSRM) Präsident der Republik Moldau. Der OligarchVladimir Plahotniuc, der zwar kein Regierungsamt innehatte, aber seit Ende 2016 Chef der mitregierenden Demokratischen Partei (PDM) war, verlor seinen bis dahin großen Einfluss auf die moldauische Politik und Wirtschaft[64][65] mit der verlorenenParlamentswahl im Februar 2019 und flüchtete in der Folge ins Ausland. Das Verfassungsgericht suspendierte am 9. Juni 2019 Präsident Dodon zwischenzeitlich von seinem Amt und setzte den bisherigen RegierungschefPavel Filip als Interim-Staatspräsidenten ein. Dodon verlor letztlich sein Amt bei derPräsidentschaftswahl am 15. November 2020, Nachfolgerin im Amt ist die pro-europäische PolitikerinMaia Sandu.[66]
Ende September 2021 lief ein Gaslieferungsvertrag zwischen Moldau undGazprom aus. Gazprom forderte einen sehr hohenGaspreis; Moldau rief den Notstand aus.[67] Der Konflikt konnte Anfang November 2021 bereinigt werden.[68] Offensichtlich bot Russland dem russlandhörigenIlan Șor einen separaten Gasvertrag für dessen Region an.[69]
Aufgrund desRussischen Überfalls auf die Ukraine 2022 erfuhr Moldau einen Zustrom vieler Ukrainer; im Verhältnis zur Einwohnerzahl war die Republik zeitweise der am stärksten betroffene Staat in Europa. Viele westliche Staaten sicherten Moldau Hilfen in Form von finanzieller Unterstützung, Ausrüstung und Umsiedlung von Flüchtlingen zu. Beispielsweise holtenÖsterreich undLiechtenstein rund 2500 ukrainische Flüchtlinge aus dem Staat.
Außerdem sperrte die Regierung den Luftraum des Staates für mehrere Tage und öffnete ihn am 21. März 2022 nur in Richtung Rumänien.[70] Russland und seine Interessensvertreter setzten Moldau mit verringerten Gaslieferungen – die staatliche Gasgesellschaft Moldovagaz gehört zu 51 Prozent Gazprom – und bezahlten Demonstrationen gegen die Regierung unter Druck.[71][69]
Mit der Zeit war auch die Republik Moldau indirekt vom Krieg in der benachbarten Ukraine betroffen. So trafen russische Raketenteile ein grenznahes Dorf im Norden Moldaus.[72] Nach starken Luftangriffen Russlands auf die Ukraine kam es in einigen Regionen der Republik Moldau zu Stromausfällen.[73]
Im September 2022 drohte Russland der Republik Moldau mit militärischen Maßnahmen, sollte die Sicherheit der russischen Truppen in der SeparatistenregionTransnistrien bedroht werden. Laut dem Russischen AußenministerSergei Lawrow riskiere Moldau damit einen militärischen Konflikt mit Russland, da jede Gefährdung der Sicherheit russischer Truppen nach internationalem Recht als Angriff auf Russland gewertet wird.[74]
Im Januar 2026 erklärte die moldauische PräsidentinMaia Sandu, im Falle einesReferendums für den Zusammenschluss mitRumänien zu stimmen.[75]
Diese Regierung unter MinisterpräsidentinMaia Sandu scheiterte am 12. November 2019 bei einem Misstrauensvotum der mitregierenden Sozialisten, das die Demokratische Partei unterstützte.[78]
Ein die moldauische Politik beherrschendes Thema ist der Umgang mit den separatistischen RegionenTransnistrien undGagausien. Während Gagausien einen von der moldauischen Regierung angebotenen Autonomiestatus akzeptierte, gestalten sich die Verhandlungen mit Transnistrien wesentlich schwieriger. Nach demTransnistrien-Konflikt 1992 etablierte sich inTiraspol einDe-facto-Regime umIgor Smirnov, das das Gebiet jenseits desDnister kontrolliert und dort eigene Verwaltungsstrukturen aufgebaut hat.[81]
Der Transnistrien-Konflikt ist nicht nur eine Auseinandersetzung zwischen Eliten in Chișinău und Tiraspol oder zwischen verschiedensprachigen Bevölkerungsteilen; er hat daneben auch eine geostrategische Dimension um den Einfluss derGroßmächteUSA undRussland inSüdosteuropa. Diese internationale Dimension erschwert es bedeutend, den Konflikt zu lösen. Die Verhandlungsbemühungen in den letzten 20 Jahren scheiterten trotz – oder wegen – internationaler Vermittlungsbemühungen Russlands, derUkraine, der USA, derEuropäischen Union oder derOrganisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) immer wieder daran, dass jede Seite bemüht war, nicht zu viel nachzugeben, und daher mit Hilfe von Verbündeten eine Konfliktlösung blockierte. So bei den Verhandlungen über die alsKozak-Plan bekannte Initiative derRussischen Föderation, welche die Bildung einesBundesstaates auf dem Territorium der Republik Moldau vorsahen, die im November 2003 scheiterten. Moldauische Regierungskreise sahen in dem Abkommen zu viele Vorteile für Transnistrien. Manche Beobachter vermuteten 2001, dass die Eliten auf beiden Seiten nicht an einer Konfliktlösung interessiert sind, sondern am Erhalt desStatus quo, der beiden Seiten Einnahmequellen erschließt.[82]
Vom 7. August 2008 bis 16. August 2008 fand derKaukasuskrieg 2008 statt: russische Truppen fielen in Georgien ein. Transnistrien fror am 12. August 2008 alle Kontakte zur Regierung in Chișinău ein, da „der klare und starke Ausdruck der Republik Moldau fehle, die Aggression Georgiens gegenüberSüdossetien undAbchasien zu verurteilen.“ Am 26. August warnte Russlands PräsidentDmitri Medwedew den Staatschef der Republik Moldau Voronin vor einer militärischen Lösung des Konflikts nach georgischem Vorbild. „Der Krieg um Südossetien sei eine Warnung an alle.“
In Anlehnung an den Ausgang des 2006 durchgeführten Referendums, wonach 97 % der transnistrischen Bevölkerung für den Anschluss an Russland gestimmt hätten, wandte sichMichail Burla – Vorsitzender des Obersten Rates von Transnistrien – im April 2014 mit einer formalen Anfrage an denKreml, die abtrünnige Provinz ins Staatsgebiet der Russischen Föderation aufzunehmen.[83]
Reibungspunkte zwischen den Nachbarstaaten boten in der Vergangenheit sowohl die Schulden der Republik Moldau bei den rumänischen Elektrizitätswerken als auch die kulturelle Identität der Rumänen, die in der Republik Moldau die Mehrheit stellen. Der größte Teil der Republik Moldau bildete zusammen mit der heutigen rumänischen RegionWestmoldau das ReichStefans des Großen (sieheFürstentum Moldau) – des gemeinsamen Nationalhelden beider Staaten – und war von 1918 bis 1940/1944 rumänisches Territorium.
EineBewegung zur Vereinigung von Rumänien und Moldau kam zwischen 1990 und 1992 auf (1991 zerfiel die Sowjetunion); ab 1993 distanzierte die Republik Moldau sich wieder von Rumänien. Mit dem Staatsbesuch des rumänischen PräsidentenTraian Băsescu inChișinău im Januar 2005 sowie dem darauf folgenden Gegenbesuch des moldauischen PräsidentenVladimir Voronin erreichten die moldauisch-rumänischen Beziehungen einen Höhepunkt und galten als so gut wie nie zuvor.
Nach derParlamentswahl am 5. April 2009 kam es zu heftigen Straßenschlachten. Der rumänische Botschafter wurde zunächst ausgewiesen und die Visumpflicht für rumänische Staatsbürger wieder eingeführt.
Generell unterstützt Rumänien die Republik Moldau bei der Annäherung an die EU sowie in der Transnistrien-Frage. Rumänien plädiert für den Erhalt der territorialen Integrität des Nachbarstaates und lehnt den transnistrischen Separatismus ab.
Rumänische Vorfahren reichen für Moldauer aus, um die rumänische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Diese Möglichkeit nutzen viele, da sie von der Reisefreiheit in der EU profitieren wollen und auf bessere berufliche Möglichkeiten sowie ein höheres Einkommen hoffen.
Am 5. Dezember 2011 kündigte dieEuropäische Kommission ein umfangreiches Freihandelsabkommen mit der Republik Moldau an. Entsprechende Verhandlungen wurden als Teil des geplanten Assoziierungsabkommens aufgenommen. Die Freihandelsräume sollen nach dem Willen der EU der langfristigen politischen Stabilisierung des Staates dienen. Derzeit (Stand 2011) gilt für die Republik Moldau ein bevorzugter Zugang zum europäischen Markt; die EU ist Haupthandelspartner des Landes.[91]
Am 27. Juni 2014, drei Monate nachdem Russland dieKrim besetzt und annektiert hatte, wurde inBrüssel das wirtschaftliche und politische Assoziierungsabkommen zwischen der Republik Moldau und der EU geschlossen. Am 2. Juli 2014 ratifizierte dasmoldauische Parlament das EU-Assoziierungsabkommen. Die russische NachrichtenagenturRIA Novosti meldete daraufhin: „Anhänger der EU-Integration bejubelten dieses Ereignis vor dem Parlament.“ Sie behauptete, gegen Gegner der EU-Annäherung würden Strafverfahren eingeleitet.[92]
Allgemein wird von westlichen Beobachtern angenommen, dass Russland den moldauischen Kurs einer Annäherung an die Europäische Union mit Argwohn verfolgt und diesen auch zu behindern versucht. Im November 2013 verhängte Russland einen Einfuhrstopp für moldauischen Wein, weil dort Spuren von Plastik-Weichmachern gefunden worden seien. Die gemessenen Werte lagen aber unter denen der für russisches und europäisches Trinkwasser erlaubten Grenzwerten. Da Wein mehr als 25 % der landwirtschaftlichen Exporte der Republik Moldau ausmacht und der Großteil der Exporte bis dahin nach Russland ging, war dies ein Schlag gegen die moldauische Wirtschaft. Westliche Beobachter vermuteten, das Embargo sei eine Warnung Russlands angesichts der Assoziierungsgespräche der Republik Moldau mit der EU.[93]Am Tag der Ratifizierung der Assoziierungsvereinbarung mit der EU verhängte Russland ein Importverbot für Fleischprodukte aus Moldau.
Nach derAnnexion der Krim 2014 und dem damit verbundenen Bruch desBudapester Memorandums wuchsen in Chișinău die Ängste vor einer möglichen russischen Aggression. Vor allem im energiepolitischen Bereich besteht eine hohe Abhängigkeit von Russland. Zwar verliert Russland als Außenhandelspartner sukzessive an Bedeutung; Moldau ist (Stand 2014) in mehreren Schlüsselsektoren wie Landwirtschaft, Lebensmittel, Textilien etc. immer noch auf den russischen Markt angewiesen. Die moldauische Regierung befürchtete daher, der Kreml könnte in der Zukunft politische und wirtschaftliche Druckmittel verwenden, um die europäische Integration des Staates zu torpedieren.[94]
2017 bekam Moldau den Beobachterstatus in der Eurasischen Wirtschaftsunion verliehen.[95]
Am 20. Oktober 2024 hielt das Parlament einReferendum mit dem Ziel, denEU-Beitritt in derVerfassung zu verankern, ab. Eine knappe Mehrheit sprach sich für die Verfassungsänderung aus.[99]
Die Vereinigten Staaten unterstützen dieSouveränität und dieterritoriale Integrität der Republik Moldau. Im Januar 2010 wurde im Beisein von Premierminister Vlad Filat inWashington, D.C. ein Abkommen derMillennium Challenge Corporation (MCC) unterzeichnet, in dem die Vereinigten Staaten (Regierung Obama) der Republik Moldau in einem Zeitraum von fünf Jahren Hilfe bei Landwirtschaft und Infrastruktur in Höhe von 262 MillionenUS-Dollar zusichern.[100]
Als ehemalige Sowjetrepublik ist die Republik Moldau auch Mitglied derGUS. Andere politische Organisationen, deren Mitglied die Republik Moldau ist, sind:
Diemoldauischen Streitkräfte gliedern sich inHeer undLuftstreitkräfte. Wegen derBinnenlage des Staates hat Moldau keineMarine. In der Republik Moldau gibt es eineWehrpflicht; der Dienst dauerte 2016 12 Monate.[103] Moldau gab 2017 knapp 0,4 % seiner Wirtschaftsleistung oder 29,7 Millionen US-Dollar für seine Streitkräfte aus. Das Verteidigungsbudget des Staates ist eines der kleinsten der Welt.[104]
Das Gebiet der Republik Moldau ist in fünf Munizipien (Municipii; SingularMunicipiu) und 32Rajons (Raioane; Sg.Raion) unterteilt. Daneben gibt es zwei autonome territoriale Einheiten. Zwei der Munizipien (Comrat und Tiraspol) sindde jure Teil einer autonomen territorialen Einheit (Gagausien bzw. Transnistrien), ein weiteres Munizip (Bender) wirdde facto – wie Teile des Rajons Căușeni – von Transnistrien kontrolliert.
Transnistrien (de jure autonome territoriale Einheit mit besonderem Rechtsstatus, tatsächlich jedoch ein stabilisiertesDe-facto-Regime ohne internationale Anerkennung)[105][106]
Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts pro Kopf
Die Republik Moldau lebt vor allem von der Landwirtschaft sowie von der damit verbundenen Industrie. Das Klima begünstigtObst- undWeinbau. Wein ist neben Branntwein und Konserven (Obst/Gemüse) ein Hauptexportartikel, dazu kommen Textilerzeugnisse und kleinere Elektrogeräte. Die hohe Luftqualität verdankt der Staat dem Umstand, dass er kein Industriestaat ist.[107]
Die Arbeitslosenquote wird 2017 mit nur 4,1 % angegeben. Unterbeschäftigung ist jedoch verbreitet und die Löhne sind sehr niedrig. Im selben Jahr arbeiteten 32,3 % aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 12 % in der Industrie und 55,7 % im Dienstleistungssektor. Die Republik Moldau gehört zu den letzten europäischen Staaten, in denen ein großer Teil der Arbeitskräfte noch im primären Sektor beschäftigt ist. Die Gesamtzahl der Arbeitskräfte wird für 2017 auf 1,29 Millionen geschätzt, davon sind 49 % Frauen.[111]
Vor ihrer Unabhängigkeit Anfang der 1990er-Jahre war die Republik Moldau eine der wohlhabendsten Sowjetrepubliken. Seit 1992 hat sich infolge des ungelöstenTransnistrien-Konflikts die wirtschaftliche Lage drastisch verschlechtert. Der durchschnittliche Monatslohn stieg von 30 Euro (ca. 465Lei) im Februar 2003 auf 102 Euro (ca. 1695 Lei) im Jahr 2006, Pensionisten bekommen im Schnitt 12 Euro im Monat. Um das Existenzminimum zu decken, waren 2003 mindestens 100 Euro nötig. Hierbei ist aber die enorme Bedeutung derSchattenwirtschaft zu beachten, durch die das tatsächliche Einkommen Vieler teilweise enorm gesteigert wird. Die offiziellen Statistiken sind daher nur begrenzt aussagekräftig.[112][113][114]
In der Republik Moldau gilt in der Regel eineMehrwertsteuer von 20 %. Einige Lebensmittel, wie Brot oder Milch, aber auch Gas oder der Postversand, sind mit einer ermäßigten Steuer von 8 % belegt. Seit 2014 dürfen sich dessen Bürger visafrei in der EU bewegen. Die Europäische Union hat der Republik Moldau umfangreiche Finanzhilfen zugesagt.
Die Republik Moldau ist einer der ärmsten Staaten Europas, nach dem BIP pro Kopf der wirtschaftsschwächste Staat in Europa. Ein Viertel der Bevölkerung ist daher ins Ausland abgewandert; von dort überweisen diese Emigranten Geld in die Republik Moldau, das in der Summe mehr ausmacht als dessen BIP.
2021 exportierte die Republik Moldau Waren im Wert von 3144,5 Mio.US-Dollar – hauptsächlich Nahrungsmittel (25,8 %), Elektrotechnik (16,6 %), Rohstoffe (ohne Brennstoffe; 11,6 %) und Textilien (11,3 %). Weitere wichtige Ausfuhrgüter waren Getränke und Tabak (6,7 %), Möbel und Möbelteile (5,0 %), chemische Erzeugnisse (4,9 %), natürliche Öle, Fette und Wachse (3,9 %), Baustoffe, Glas und Keramik (2,1 %) sowie Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile (2,0 %). Andere Exportgüter machten einen Anteil von 10,1 % aus. Die wichtigsten Zielstaaten waren 2022:[115]
Die Importe der Republik Moldau beliefen sich 2021 auf 7176,8 Mio. US-Dollar. Die Haupteinfuhrgüter waren chemische Erzeugnisse (14,4 %), Nahrungsmittel (10,7 %), Petrochemie (8,3 %), Maschinen (7,6 %), Elektrotechnik (7,3 %), Textilien (7,2 %), Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile (6,4 %), Gas (4,2 %), Elektronik (4,0 %) und Metallwaren (3,0 %). Der Anteil der sonstigen Importgüter betrug 26,9 %. Die bedeutendsten Partner auf der Importseite waren 2022:[115]
Am 27. März 2006 setzte die russische Regierung ein Verbot für den Import von moldauischen undgeorgischen Weinprodukten in Kraft. Das Verbot – das offiziellen Angaben zufolge wegen zu hoher Schadstoffbelastungen erfolgt sein soll – führte zu heftiger Kritik seitens der betroffenen Weinproduzenten in der Republik Moldau und Georgien. Etwa 82 % des gesamten moldauischen Weinexports ging nach Russland, das damit der wichtigste Exportpartner für moldauischen Wein war.[116][117] Gegen Ende 2006 wurde das Importverbot für moldauische Weine wieder aufgehoben.[118]
DerStaatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben in Höhe von umgerechnet 2,46 Mrd.US-Dollar, dem standen Einnahmen von 2,29 Mrd. US-Dollar gegenüber. Das entspricht einemDefizit von 2,2 % desBIP.[53]
Das Eisenbahnnetz hat eine Länge von 1190 km und ist in1520‑mm-Breitspur ausgeführt. Es gibt keine elektrifizierten Strecken, der Verkehr wird mit Dieseltriebfahrzeugen durchgeführt. Im Moment gibt es im internationalen Personenverkehr direkte Verbindungen nachKiew,Iași undBukarest. Der inländische Bahnverkehr ist wegen des sehr geringen Angebots unbedeutend.
Das gesamte Straßennetz umfasste 2012 etwa 9352 km, wovon 8835 km asphaltiert sind.[53] Der Strassenzustand außerhalb vonChișinău ist meist mangelhaft. Autobahnen gibt es keine und es sind auch keine in Planung.
Regional und national ist der Bus das wichtigste Transportmittel im Personenverkehr. Für den internationalen Verkehr gibt es Busverbindungen in zahlreiche europäische Großstädte.
Mit dem Zugang zu Dnister und Pruth verfügt der Staat über wichtige Binnenwasserstraßen. Am nur wenige hundert Meter breiten Zugang zurDonau entstand derzollfreieHafen Giurgiulești, der fürSeeschiffe bis 7 Metern Tiefgang erreichbar ist.
Der erste Flug eines Verkehrsflugzeugs zwischen Frankfurt und Chișinău fand am 7. Juli 2003 statt. Es handelte sich um einen Charterflug derLufthansa, auf dem 182 Passagiere mit einemAirbus A321 befördert wurden. Es war auch die erste Landung dieses Flugzeugtyps auf dem Flughafen Chișinău.
Ein seit Anfang 2003 andauernder Konflikt im Luftfahrtsektor konnte beigelegt werden. Die Wiederaufnahme von Direktflügen zwischen Frankfurt und Chișinău erfolgte im Juli 2005. Sie wurden vonAir Moldova (IATA-Code: 9U) und dem deutschenCodesharing-PartnerCirrus Airlines durchgeführt.
In der Republik Moldau erscheinen vier national verbreiteteTageszeitungen. 2017 nutzten 76,1 % der Einwohner Moldaus das Internet.[122]
Die staatliche RundfunkanstaltTeleradio-Moldova (TRM) produziert die Hörfunkprogramme Radio Moldova und betreibt den Auslandsradiosender Radio Moldova Internațional (RMI). RMI stellt Sendungen in rumänischer, englischer, russischer, französischer und spanischer Sprache her, die über das Internet verbreitet werden. TRM überträgt zudem die beiden Fernsehprogramme Moldova 1 und Moldova International (Moldova TVI).TVR Moldova ist ein rumänisches Programm für Moldawier. Es wurde aufgrund einer Vereinbarung zwischen beiden Ländern gegründet und zeigt ein Vollprogramm mit Sendungen aus beiden Ländern, in etwa vergleichbar mit3sat im deutschsprachigen Raum.
Anfang 2014 äußerten Vertreter der EU und der OSZE Bedenken zur Pressefreiheit in der Republik Moldau. Hintergrund war das plötzliche Verbot mehrerer oppositioneller Fernsehsender.[123] Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2022, welche vonReporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte die Republik Moldau Platz 40 („zufriedenstellende Lage“) von 180 Ländern.[124]
Sowjetische Briefmarke von 1991 mit den moldauischen Musikinstrumentenfluier (Flöte),cobsa (Laute),cimpoi (Sackpfeife),nai (Panflöte) undțimbal (Hackbrett).
Die Volksmusik der Republik Moldau ist vom kulturellen Erbe verschiedener Völker seit der Zeit derDaker geprägt und ähnelt in vielem derMusik Rumäniens, in welche durch die Lage am Rand Südosteuropasslawische Elemente gelangt sind. Die Überlieferung innerhalb der im Lauf der Jahrhunderte wenig veränderten ruralen Kultur ließ eigenständige Regionalstile entstehen, in denen Einflüsse derbulgarischen, ungarischen,osmanischen, ukrainischen Musik und derMusik der Roma vorhanden sind. Die Volksmusik steht bis heute großteils im Zusammenhang mit jahreszeitlichen Festen und Übergangsriten. Eine weitere wesentliche Traditionslinie ist die Musik der Hirten (ciobani), die sich unter anderem im vorherrschenden solistischen Gesang – während Chorgesang eher selten ist, in der engen Verbindung von Vokal- und Instrumentalmelodien, in der Verwendung bestimmter Musikinstrumente und in einer epischen Liedtradition zeigt.
Die professionellen Volksmusiker sind seit dem frühen Mittelalter alslăutari (Singularlăutar, abgeleitet von der verschwundenen Zupflautelăută, von arabischal-ʿūd) bekannt. Die Namen mancherlăutari sind seit dem 15. Jahrhundert überliefert. Ihr Ensemble, mit dem sie bei Festen Tanzmusik spielen, heißttaraf und besteht aus Flöten (allgemeinfluier) und Violinen (vioara) als den führenden Melodieinstrumenten. Als rhythmisches Begleitinstrument tritt häufig die Knickhalslautecobsă hinzu. Weitere Instrumente einestaraf-Ensembles sind bei unterschiedlichen BesetzungenBratsche,Kontrabass,Zymbal (Hackbrett),Klarinette,Nai (Panflöte) undcimpoi (Sackpfeife).
Zur Hirtentradition gehören die solistisch gesungenen Heldenepen, besonders die sehr alte Geschichte des SchafesMiorița, die von der Ermordung eines jungen Schäfers erzählt. Typische Musikinstrumente der Hirten sind verschiedene Flöten, darunter die Längsflötetilincă ohne Fingerlöcher, sowie die Langtrompetetrâmbiţă (entsprechend der ukrainischentrembita), die Sackpfeife und dieMaultrommeldrîmbă.
Zu den einstimmigen Chorgesängen bei jahreszeitlichen Festen und Familienfeiern gehören diecolindă in der Weihnachtszeit und diemalanca am Vorabend des Neujahrstages. Die Melodien der lyrischen Lieder sind stark ornamentiert und verfügen im Unterschied zu den melodisch und rhythmisch einfach strukturierten Hirtenliedern über einen relativ großen Tonumfang von über einerOktave. Zeremonielle und unterhaltende Volkstänze sind ein wesentlicher Teil der Musikkultur und kommen in über 300 namentlich benannten Variationen vor. In ihrer Gestalt und rituellen Funktion stehen sie mit anderen regionalen Tänzen in der Karpatenregion und auf der Balkanhalbinsel in Beziehung.
Die bulgarische Minderheit pflegt eine eigene Volksmusiktradition ihrerostthrakischen Heimat, in derantiphonale Gesänge vorkommen. Die Musik derGagausen enthält die meisten Elemente aus der osmanischen Musik, zu der reich ornamentierte komplexe Melodien und Rhythmen gehören.[125]
Eine der Republik Moldau zuzuordnende klassische Musik entstand Ende des 18. Jahrhunderts, als in den Opern russischer Komponisten Elemente moldauischer Volksmusik auftauchten. Als das östliche Gebiet desFürstentums Moldau 1812 ein Teil des Russischen Kaiserreichs geworden war, wuchs der Einfluss russischer Komponisten, von denen sich einige in Chișinău niederließen. Dort wurde 1919, unter rumänischer Regierung, das Unirea-Konservatorium eingerichtet, die erste höhere Bildungseinrichtung in Bessarabien, welche auch die professionelle Musikausbildung beförderte. Die in den 1930er-Jahren gegründeten Sinfonieorchester mussten sich nach einer Zwangspause während des Zweiten Weltkriegs in der sozialistischen Zeit der sowjetischen Kulturpolitik unterordnen. 1955 wurde in Chișinău die heutige Nationaloper eröffnet. Die vormals eher kleinen Ensembles wurden zu größeren Orchestern erweitert und man integrierte die moldauischen Volksmusikkomponisten mit dem Auftrag zur kontinuierlichen Produktion neuer Lieder in einen Komponistenverband (Uniunea compozitorilor din Moldova).[126][127] Volksmusikveranstaltungen und -wettbewerbe in den über das ganze Land verteiltenKulturpalästen waren integraler Bestandteil des sozialen Zusammenhalts sowjetischer Kulturpolitik.[128] Nach der Unabhängigkeit begann die musikalische Rückbesinnung auf die Volksmusik. Manche wollten die nationale Kultur von ausländischen Einflüssen befreien; andere wollten eigene musikalische Elemente mit den Neuerungen der internationalen klassischen Musikszene zu verbinden.[129]
Klassische moldauische Komponisten warenAlexandru Cristea (1890–1942), der Komponist der NationalhymneLimba Noastră,Ștefan Neaga (1900–1951), Vasile Zagorschi (1926–2003), Zlata Tkach (1928–2006) und Iulia Țibulschi (* 1933). Der KomponistArkady Luxemburg (* 1939) lebt und arbeitet seit 1995 in Kalifornien.
Der 1990 neu gegründete moldauische Fußballverband hat eine solide Grundlage für den nationalen Fußball geschaffen. 2006 wurde das 10.500 Zuschauer fassendeZimbru-Stadion neu eröffnet, ein Großteil der Ressourcen des Verbandes wurde in die Ausbildung für Nachwuchstrainer gesteckt, staatsweite Fußballakademien sind im Aufbau.[130]
Im BereichFormationstanzen gehört der moldauische ClubDSC Kodryanka Kishinev seit vielen Jahren zur Weltspitze. Der Club wurde mehrmals Europa- und Weltmeister.
Im Rugby (Rugby Union) spielt dieNationalmannschaft in der EM-Gruppe B1 zusammen mit Deutschland, Polen, Tschechien, den Niederlanden und Belgien. Die letzten beiden Länderspiele (2010) gegen Polen (36:25) und die Ukraine (28:19) wurden deutlich gewonnen. In der IRB-Rangliste steht die Republik Moldau auf Rang 30. Der Rugby-Verband umfasst sieben Vereine mit 2600 registrierten Spielern.
Aufgrund der wechselhaftenGeschichte der Republik Moldau und anderer Einflüsse von außen (Handelswege) gibt es viele Einwirkungen auf die Gebäudestilistik. In der christlich-orthodox geprägten Republik Moldau, in der sich Polen, Österreicher und Westukrainer niederließen, gibt es viele Kirchen, die nach römisch-katholischem Vorbild errichtet sind, so die Domkirche des Heiligen Nikolaus inBălți wie die katholischen Kirchen inCamenca und in Chișinău. Der Klassizismus des 19. Jahrhunderts beeinflusste die Stile ebenso wie die Arbeiten armenischer Architekten – Kirche der Grablegung in Belgorod am Dnjestr (15. Jahrhundert), die Gottesmutter-Kirche (1803) in Chișinău und die armenischen Kirchen in Bălți (20. Jahrhundert) und Hîncești (19. Jahrhundert).
Unter der Herrschaft desosmanischen Imperiums vom 15. bis zum 18. Jahrhundert wurden Kirchen oft heimlich gebaut. DieKirche der Gewandlegung inCăușeni bildet ein Glanzlicht dieser Zeit. Zum Schutz vor Entdeckung gab man ihr ein unauffälliges Äußeres. Die Kirche wurde halb in den Boden eingegraben, spätersäkularisiert und zu einem Stall umfunktioniert.
Die intensivste Gründungsperiode in der Geschichte der moldauischen Architektur ist das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts. In großer Zahl wurden Kirchen, Kathedralen und Klöster gebaut, was auf die Stabilisierung der politischen Situation zurückzuführen ist. Russland war im Laufe des gesamten 19. Jahrhunderts bemüht, seinen Einfluss inBessarabien zu festigen. So war man bestrebt, den russischen Stil in der Kirchenarchitektur durchzusetzen. Das Russische Reich sparte nicht an Geld für den Kirchenbau. Angesichts riesiger zur Verfügung stehender Geldsummen entstanden Perlen der Kirchenarchitektur, wie die Kapelle des Mädchengymnasiums in Chișinău und das Ensemble auf dem ehemaligen Domplatz mit dem riesigen Kirchendom als Glockenturm.
Viele moldauischeBurgen aus demMittelalter (historische Gebiete waren z. B.Fürstentum Moldau,Bessarabien) liegen heute auf den TerritorienRumäniens und derUkraine und nur noch wenige auf moldauischem Territorium, besonders zu nennen hier dieBurg Soroca und die zur Festung erweiterteBurgBender (Tighina). Viele kulturhistorisch wertvolle Gebäude befinden sich in der HauptstadtChișinău. Einige davon könnten alsStadtpalais angesehen werden.[132] Die moldauische Denkmalschutzbehörde AIRM weist nahezu 900 Baudenkmäler aus, darunter 49Herrenhäuser vonBojaren, aber ohne moldauische Burgen,Schlösser,Festungen oder Stadtpalais gesondert aufzulisten.[133]
Karl Weinhuber (Hrsg.) Patricia Dămoc, Guido Schratzer:Die Republik Moldau. Geschichte und Politik - Der lange Weg nach Europa, 2025, Verlag BoD Norderstedt,ISBN 978-3-7693-3564-4. Dieses Buch bietet einen tiefgehenden Einblick in die Geschichte und das aktuelle politische System der Republik Moldau
Klaus Bochmann, Vasile Dumbrava, Dietmar Müller, Victoria Reinhardt (Hrsg.):Die Republik Moldau. Ein Handbuch. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2012,ISBN 978-3-86583-557-4 (umfangreiches wissenschaftliches Handbuch zur Geschichte, Gesellschaft und Kultur Moldaus).
Klemens Büscher:Das politische System Moldovas. In: Wolfgang Ismayr (Hrsg.) Unter Mitarbeit vonSolveig Richter und Markus Soldner:Die politischen Systeme Osteuropas. 3. Auflage. VS, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010,ISBN 978-3-531-16201-0, S. 515–552 Pp.,ISBN 978-3-531-17181-4 Kt.
Vasile Dumbrava:Sprachkonflikt und Sprachbewusstsein in der Republik Moldova (= Sprache, Mehrsprachigkeit und sozialer Wandel, Band 4), Peter Lang, Frankfurt am Main [u. a.] 2004,ISBN 3-631-50728-3 (Dissertation Universität Leipzig 2002, 21 cm).
Kilian Graf:Der Transnistrien-Konflikt: Produkt spätsowjetischer Verteilungskämpfe und Zerfallskonflikt der implodierten Sowjetunion. Hamburg, Disserta, Hamburg 2010,ISBN 978-3-942109-30-7.
Elfi Hartenstein:Moldawisches Roulette. dtv, München 2004,ISBN 3-423-24431-3 – Roman über eine deutsche Lehrerin, die in der Republik Moldau ins Visier der Politmafia gerät.
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