| Rennsteig | |
|---|---|
Typische Markierungstafel | |
| Karte | |
| Daten | |
| Länge | 170 kmdep1 |
| Lage | Thüringer Wald,Thüringer Schiefergebirge,Frankenwald |
| Betreut durch | Rennsteigverein |
| Markierungszeichen | WeißesR |
| Startpunkt | Hörschel 51° 0′ 29″ N,10° 13′ 44″ O51.00805555555610.228888888889 |
| Zielpunkt | Blankenstein 50° 24′ 0″ N,11° 42′ 0″ O50.411.7 |
| Typ | Fernwanderweg |
| Höhenunterschied | 787 mdep1 |
| Höchster Punkt | Großer Beerberg,983 m ü. NHN |
| Niedrigster Punkt | Hörschel,Werraufer,196 m ü. NHN |
| Schwierigkeitsgrad | mittel |
| Jahreszeit | ganzjährig |
| Aussichtspunkte | Großer Inselsberg,Plänckners Aussicht |
| Besonderheiten | Folgt Handelspfaden, die sich teilweise bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. |





DerRennsteig ist ein etwa 170 km langerKammweg sowie ein historischer Grenzweg imThüringer Wald,Thüringer Schiefergebirge undFrankenwald. Außerdem ist er der älteste und mit etwa 100.000 Wanderern jährlich der meistbegangeneWeitwanderweg Deutschlands. Er beginnt imEisenacher OrtsteilHörschel am Ufer derWerra und endet imRosenthaler OrtsteilBlankenstein an derSelbitzbrücke. SeinWegzeichen ist ein weißes R.
Seine erste Erwähnung fand der Rennsteig alsRynnestig in einer am 10. August 1330 inSchmalkalden ausgefertigten Urkunde über den Verkauf von Lehen derReichsabtei Hersfeld durch Ludwig und Sibodo von Frankenstein bei der Beschreibung des Verlaufes des HersfelderWildbanns.[1] Etymologen sind sich über die Bedeutung des Namens nicht schlüssig. Er lässt sich auf die JägerspracheRain im Sinne von Grenze zurückführen. Im Althochdeutschen ist derrenniweg im Gegensatz zu befahrbarenHeerstraßen ein schmaler Lauf- oder Reitweg.In der Bergfreiheit fürGoldlauter von 1546 ist dann vomRensteig die Rede. Andere Quellen benannten ihn alsRenstieg.[2]
Neben dem bekannten Rennsteig gab es im gesamtdeutschen Raum etwa 250 weitereRennsteige und Rennwege. Sie waren teilweise älter und teilweise jünger als der des Thüringer Waldes. Die Deutung als reiner Grenzweg lässt sich damit teilweise widerlegen.
ImMittelalter markierte der Rennsteig die Grenze desHerzogtums Franken zurLandgrafschaft Thüringen. Er grenzt deutlich diefränkischen GebieteSüdthüringens vom überwiegendthüringisch-obersächsisch geprägtenThüringen ab.
Im Jahre 1829 unternahm der TopografJulius von Plänckner die erste Rennsteigwanderung von Blankenstein nach Hörschel, nachdem er die beiden Orte auf Grund der Topografie als Beginn und Endpunkt des Rennsteiges ermittelt hatte. Er kartografierte den Weg, seine Beschreibung fand 1832 zusammen mit der Erstveröffentlichung einer Rennsteigkarte Eingang in dasTaschenbuch für Reisende durch den Thüringerwald und begründete die touristische Nutzung des Rennsteigs.[3][4]
DerRennsteigverein veranstaltete von 1897 bis 1942 jährlich um die Pfingstzeit die große „Runst“, eine Rennsteigwanderung. Die Rennsteigwanderung wurde in sechs Etappen bestritten. Nach diesen Etappen orientieren sich die meisten heutigen Wegbeschreibungen.
Während der deutschen Teilung war der Rennsteig nicht durchgehend begehbar, da er insgesamt sechsmal die damaligeinnerdeutsche Grenze überschritt. In dieser Zeit begann er offiziell am Vachaer Stein, einem Pass kurz vor der Hohen Sonne, und endete in Neuhaus am Rennweg. Hörschel war seit 1952 aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Grenze Sperrgebiet, ebenso führt der Weg östlich von Neuhaus durch ehemaliges Sperrgebiet. In Oberhof bestand in der Zeit derDDR ein (später abgerissenes) Hotel in Form eines Grenzsteines.
Nach mehr als 40 Jahren der Trennung wurde der Rennsteig anlässlich der ersten deutsch-deutschen Rennsteigwanderung vonBrennersgrün nachSpechtsbrunn am 28. April 1990 wieder offiziell eröffnet und ist wieder durchgehend begehbar.Dorothee Wilms, die damaligeBundesministerin für innerdeutsche Beziehungen, undSybille Reider, die Ministerin für Handel und Tourismus der DDR, durchschritten symbolisch an der Schildwiese bei Spechtsbrunn das Grenzband. Ein Gedenkstein „Frei ist der Kammweg“ und verschiedene Informationstafeln erinnern an die Geschichte und das Ereignis.
Der Ausbaugrad des Weges spiegelt seine Geschichte noch immer wider: Während der westliche Teil bis Neuhaus über eine hohe Dichte an Schutzhütten und Rastgelegenheiten sowie eine dichte Ausschilderung verfügt, hat der Abschnitt in Franken nur wenig dieser Infrastruktur zu bieten. Zudem führt ein beträchtlicher Teil des östlichen (oberfränkischen) Abschnitts noch immer an zum Teil stark befahrenen Straßen entlang.
In Thüringen wurde der Rennsteig am 23. September 1997 alsKulturdenkmal in das Denkmalbuch des Freistaates Thüringen eingetragen.[5] Im September 2006 erfolgte eine Korrektur aus denkmalrechtlichen Gründen. Seitdem ist der Höhenweg nicht alsDenkmalensemble, sondern als Einzelkulturdenkmal im Sinne einer Sachgesamtheit ausgewiesen.[6] Der Denkmalschutz bezieht sich auf den historischen Verlauf des Rennsteigs sowie seine Sachteile Grenzsteine, Wegweiser, Gedenksteine und Schrifttafeln sowie Wegkreuzungen, Pässe und Raststätten.[7]
Entlang des Rennsteigs stehen etwa 1300 historischeGrenzsteine. Seit dem 16. Jahrhundert wurde der Rennsteig, der überwiegend ein Grenzweg war, mit diesen politischen Hoheitszeichen markiert. Besonders bemerkenswert sind die 13 Dreiherrensteine, von denen jedoch nur zehn direkt am Rennsteig liegen. Im Volksmund entstand für diese Grenzsteine die BezeichnungRennsteigstein. Die noch vorhandenen Grenzsteine stammen überwiegend aus dem 18. Jahrhundert.
Außer Grenzsteinen stehen am Rennsteig auchForststeine sowieSteinkreuze undGedenksteine.
„Ein deutscher Bergpfad ist’s! Die Städte flieht er und birgt im Dickicht seinen scheuen Lauf.“
„Zur Juni-Zeit etwa, wenn aus den Schluchten der bewaldeten Höhen, die das Thüringer Becken durchziehen, die schweren Düfte des Jasmins, des Faulbaums quollen, waren es köstliche Wandertage, hier durch das von Industrie fast freie, mild-begünstigte, fruchtbare Land mit seinen freundlichen Haufendörfern aus Fachwerkbauten; und kam man dann aus der Gegend des Ackerbaus in die der vorwiegenden Viehzucht und verfolgte den sagenumwobenen Höhenpfad des mit Fichten und Buchen bestandenen Kammgebirges, den ›Rennsteig‹, der mit seinen Tiefblicken ins Werratal sich vom Frankenwald gegen Eisenach, die Hörselstadt, erstreckt, so wurde es immer schöner, bedeutender, romantischer…“
Der Rennsteig war bis Ende 2010 ein vomDeutschen Wanderverband ausgezeichneterQualitätswanderweg.[8] Er wurde um 1890 vonAugust Trinius für die Wanderbewegung entdeckt und vor allem durch die Publikationen des 1896 gegründetenRennsteigvereins weit über die Grenzen Thüringens und Frankens bekannt. DerRennsteig-Radwanderweg wurde am 19. Juni 2000 eröffnet. Er ist überwiegend mit einerwassergebundenen Decke versehen, teilweise wird er auf ruhigen Landstraßenabschnitten geführt. Mitunter weicht er vom historischen Rennsteig ab, so werden starke Steigungen vermieden. Er ist 30 km länger als der Wanderweg. Im Winter, bei hohem Schnee, sindSkilanglauf oder Wanderungen mitSchneeschuhen möglich und der Rennsteig wird in Teilbereichen als Winterwanderweg gepflegt.
Als Sprachgrenze trennt der Rennsteig dieostfränkischenDialekteHennebergisch,Itzgründisch undOberfränkisch von den thüringischen DialektenZentralthüringisch,Ilmthüringisch undSüdostthüringisch, die im Gebirge, auf der Nordseite und östlich des Thüringer Waldes gesprochen werden.
Des Weiteren bildet der Rennsteig dieWasserscheide zwischen denSystemen vonWerra/Weser,Saale/Elbe undMain/Rhein. AmDreistromstein beiSiegmundsburg treffen dieEinzugsgebiete aller Flüsse aufeinander.
Der Rennsteig gilt als grobe Grenze für eine Zutat derThüringer Bratwurst und wird deswegen auchKümmeläquator genannt: Nördlich des Rennsteigs beinhaltet die BratwurstKümmel, südlich davon nicht.[9]
Der Rennsteig verläuft auf derKammlinie des Thüringer Mittelgebirges von Nordwest nach Südost meist in Höhen von rund 500 bis 970 Metern.Er beginnt im Eisenacher StadtteilHörschel an der Werra (196 m ü. NHN) und endet nach 168,3 km (historische Länge) inBlankenstein an der Saale (414 m ü. NHN). Im Jahr 2003 wurde der Rennsteig durch das Thüringer Landesamt für Vermessung und Geoinformation neu vermessen; dabei wurde eine Gesamtlänge von 169,29 km ermittelt. Der Rennsteig überquert die ehemaligeinnerdeutsche Grenze insgesamt sechsmal.Die Markierung ist durchweg sehr gut, meist ein weißesR, dasMareile genannt wird. Seit 2008 wurden auf Wunsch von Wandervereinen sechs lokale Alternativrouten ausgeschildert, die die Hauptverkehrsstraßen vermeiden oder reizvolle Aussichtspunkte anbinden. Diese Varianten sind insgesamt etwa 22 Kilometer lang und wurden mit einem blauen R gekennzeichnet. Entlang des Rennsteiges gibt es zahlreiche Rastplätze und circa alle 5 bis 10 Kilometer kleine offene Unterstandshütten. Zur medizinischen Versorgung wurden Stützpunkte der Thüringer Bergwacht eingerichtet.[10]
Der Bachlauf derSpitter überquert im Bereich des NaturschutzgebietesEbertswiese, auf 700 Meter Höhe, als einziges fließendes Gewässer im mittleren Teil des Rennsteigs den Verlauf des Höhenweges, um dann den nahe gelegenenSpitterfall zu speisen. Ein zweiter, den Rennsteig querender Bachlauf befindet sich mit derDober im südöstlichen, schon zumFrankenwald gerechneten Teil direkt an der thüringisch-bayerischen Grenze westlich vonBrennersgrün, einem Ortsteil der StadtLehesten.
Quer zum Rennsteig verlaufen vier Tunnel: Zum einen der nach ihm benannteRennsteigtunnel, mit seinen 7916 und 7878 Metern (zwei Röhren) der längste Straßentunnel Deutschlands. Dabei handelt es sich um den im Jahr 2003 eröffneten Autobahntunnel derA71. Der zweite ist der 3039 Meter langeBrandleitetunnel, der 1884 eröffnet wurde und dieBahnstrecke Erfurt–Schweinfurt unter dem Thüringer Wald hindurchführt. Beide Tunnel kreuzen sich mit einem vertikalen Abstand von nur sieben Metern. Der dritte ist der 549 Meter langeFörthaer Tunnel derWerrabahn. Der vierte ist der 8314 Meter langeTunnel Bleßberg derBahnstrecke Nürnberg–Erfurt.
Die traditionellen sechs Etappen gestalten sich wie folgt:
Der Rennsteig berührt die StadtEisenach, denWartburgkreis, die KreiseGotha,Schmalkalden-Meiningen, die StadtSuhl, denIlm-Kreis, die KreiseHildburghausen,Saalfeld-Rudolstadt,Sonneberg,Kronach und denSaale-Orla-Kreis.
Von Nordwest nach Südost:Hörschel,Clausberg,Wolfsburg-Unkeroda,Ruhla,Steinbach,Brotterode,Bad Tabarz,Floh-Seligenthal,Tambach-Dietharz,Oberhof,Suhl-Goldlauter,Schmiedefeld am Rennsteig,Stützerbach,Allzunah,Frauenwald,Neustadt am Rennsteig,Masserberg,Friedrichshöhe,Siegmundsburg,Scheibe-Alsbach,Steinheid,Neuhaus am Rennweg,Ernstthal,Spechtsbrunn,Tettau,Steinbach am Wald,Lauenhain,Lehesten,Grumbach,Schlegel,Blankenstein
Die Auswertung der Messergebnisse aus dem Jahr 2003 ergab eine Länge von 169,294 km. Trotzdem wird weiterhin die historische Zahl 168,3 km als Längenangabe verwendet. Insgesamt verlaufen 121,457 km auf dem Originalrennsteig, während 47,837 km verändert verlaufen.Auch die verschiedenen Wegetypen wurden wie folgt ermittelt:
| Wegezustand | Länge | Prozent |
|---|---|---|
| Asphalt | 013,312 km | 007,86 % |
| Pflaster | 001,605 km | 000,95 % |
| Beton | 000,050 km | 000,03 % |
| Mineralischer Untergrund | 130,078 km | 076,84 % |
| Bohlen oder Brücken | 000,176 km | 000,10 % |
| Hackstreu | 004,238 km | 002,50 % |
| Unbefestigt | 009,835 km | 011,72 % |
| Gesamt | 169,294 km | 100,00 % |
Der Rennsteig verläuft auf 14,761 km durch Bayern. Der maßtechnische Mittelpunkt befindet sich ungefähr amGroßen Dreiherrenstein bei Neustadt am Rennsteig.

Vom Rennsteig gehen weitere Regional- und Fernwanderwege aus oder teilen sich einen Abschnitt mit dem Rennsteig: