Schutzhaftbefehl des Reichssicherheitshauptamtes gegenMaria Fischer, unterschrieben mit „gez.: Dr. Kaltenbrunner“ (13. Mai 1943)
Mit der Gründung des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) erreichte die von Heinrich Himmler seit derMachtübernahme 1933 vorangetriebene und vonReinhard Heydrich gewollte Verselbstständigung des nationalsozialistischen Gewaltapparates eine neue Hochphase. Unmittelbar gebunden an die Vorbereitung des deutschenÜberfalls auf Polen warWalter Schellenberg beauftragt worden, ein Konzept für eine im Kriegszustand die innere Staatssicherung gewährleistende Institution auszuarbeiten.[1] Deren Zielstellung sollte darin bestehen, den einheitlichen Einsatz aller Kräfte gegen jegliche Störung und Zerstörung sicherzustellen. Dabei bestand die von Heydrich verfolgte Grundposition darin, keine Vermischung zwischen den Strukturen der Sicherheitspolizei, die die Kriminalpolizei und diePolitische Polizei in sich vereinte, und dem Sicherheitsdienst der NSDAP zuzulassen.
Im Frühjahr 1939 lagen erste Eckpunkte der zukünftigen Institution vor. An den von Heydrich/Schellenberg ausgearbeiteten Eckpunkten und an der Besetzung der Führungspositionen entzündete sich jedoch Streit.Werner Best, der Stellvertreter von Heydrich, dem eine solche Ausarbeitung am ehesten zugestanden hätte, kritisierte zwei wesentliche Punkte der Ausarbeitung von Schellenberg scharf. Best stellte sich gegen die Eigenständigkeit der drei Grundformationen und forderte, dass der Sicherheitsdienst in der Sicherheitspolizei aufgehen müsse. Außerdem wandte er sich gegen die Position, die Ausbildung des Personals ausschließlich an der weltanschaulichen Haltung zum Nationalsozialismus festzumachen. Seine Forderung bestand in der Sicherstellung einer juristischen Grundqualifikation des Personals des RSHA.
Dieser Streit wurde auch öffentlich geführt und führte letztendlich zum Bruch zwischen Best und Heydrich, als am 27. September 1939 das Reichssicherheitshauptamt formal nach den Auffassungen Heydrichs installiert wurde. Chef des RSHA im Range einesSS-Obergruppenführers wurde Reinhard Heydrich. Nach dessen Tod am 4. Juni 1942 inPrag an den Folgen einesAttentats führte Heinrich Himmler als „Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei“ zunächst kommissarisch das RSHA, bis am 30. Januar 1943Ernst Kaltenbrunner neuer RSHA-Chef wurde. Schellenberg, ein enger Mitarbeiter Heydrichs, hatte vergeblich versucht, dessen Nachfolger zu werden. Nach demKriegsende wurde Kaltenbrunner im erstenNürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wegen seinerKriegsverbrechen in dieser Funktion zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Zielsetzung, Struktur und Aufgabenverteilung im Reichssicherheitshauptamt waren von Beginn an auf eine Organisation des Krieges ausgerichtet. In ihr wurden die bereits 1936 begonnenen Schwerpunkte neu zusammengefasst, Leitinstanzen des inneren Terrors konsequenter miteinander vernetzt und erstmals staatliche Institutionen wie die Kriminalpolizei und die Geheime Staatspolizei mit Parteiinstanzen der NSDAP zusammengefügt. Damit verbanden sich die polizeiliche und nachrichtendienstliche Aufklärung, ausgestattet mit der Exekutivgewalt, mit den Instrumentarien von Schutzhaft und Konzentrationslagern. Die Aufgabenbereiche des RSHA umfassten alle „sicherheitspolitischen und nachrichtendienstlichen Belange“, eigneten sich in zunehmender Weise die Kompetenzen der anderen nachrichtendienstlich arbeitenden Institutionen an. In der Endphase des „Dritten Reiches“ unternahmen sie Schritte, sich der Aufgaben der Außenpolitik zu bemächtigen.[2]
Unter die Zuständigkeit des Amtes fielen die Durchsetzung der „Judenpolitik“,rassenbiologischer Ziele des NS-Systems genauso wie die Verhaftung und Isolierung von „politisch unzuverlässigen“ Personen. Ein Novum waren die dem RSHA unterstellten und vom Personal des Amtes geführtenEinsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD, die in den besetzten Gebieten unter dem Deckmantel der Bekämpfung „aller reichs- und deutschfeindlichen Elemente“ Führungsschichten zu eliminieren hatten und dabei Massenmorde und Kriegsverbrechen begingen. Dies bedeutete vor allem inPolen und später in derSowjetunion planmäßigeMassaker an staatlichen und kulturellen Repräsentanten dieser Länder, auch an katholischen Priestern undkommunistischenPolitoffizieren, sowie anRoma und vor allem an Juden. Gegen die jüdische Bevölkerung erfolgten nachHasspropaganda bereits im Vorfeld gezieltPogrome, Massenerschießungen und Massendeportationen. In der Sowjetunion leitete das RSHA die sogenannten „Säuberungsaktionen“ gegen sowjetische Kommunisten und Juden. Über 500.000 Menschen fielen diesen Aktionen zum Opfer. Im „Judenreferat“ IV B 4 des RSHA organisierte SS-ObersturmbannführerAdolf Eichmann in Personifikation einesSchreibtischtäters und zugleich Praktikers die „Endlösung der Judenfrage“. Auch innenpolitisch verfügte das RSHA über umfassende Vollmachten. Es nutzte vor allem die willkürlich verordnete „Schutzhaft“ und die von ihr eingeführte sogenannte „kriminalistische Vorbeugungsarbeit“ zur Bekämpfung politischer wie „rassischer“ Gegner (Juden, „Zigeuner“). Die „Meldungen aus dem Reich“ lieferten detaillierte Berichte über die Stimmung der intensiv bespitzelten Bevölkerung. 1944 wurden große Teile desAmts Ausland/Abwehr imOKW dem RSHA eingegliedert und auf das neueMilitärische Amt (Amt Mil), das Amt IV (Gestapo) und VI (Ausland) aufgeteilt.[3]
Während in der wissenschaftlichen Diskussion das RSHA lange Zeit als eher locker zusammengeführtes Verwaltungsbüro faktisch getrennter Behörden (Sipo und SD) gesehen wurde, sehen neuere Untersuchungen in ihm ein die nationalsozialistische Herrschafts- und Vernichtungspraxis stark radikalisierendes Element.[4]Als „Institution neuen Typs“ verkörperte es die Verbindung von SS und Polizei zu einem die völkische Gesellschaftsauffassung des NS bewusst pflegenden und ausformenden Organ, das nicht in erster Linie Befehle nur ausführte, sondern diese eigenständig vorbereitete, formulierte und – vor allem in den Einsatzgruppen – auch selbst durchführte. Dabei konnte es diese Befehle und Zielvorgaben nach eigenen Vorstellungen in der Praxis noch erweitern und im Sinne des Nationalsozialismus radikalisieren.[5]
Seine Führungsschicht – in derEugen Kogon noch eine überdurchschnittliche Anzahl zweitklassiger oder gescheiterter Akademiker sah[6] – bestand tatsächlich überproportional aus hochgebildeten Akademikern und Aufstiegsbeamten mit polizeilicher Fachausbildung, die sich aus eigenem Antrieb heraus in den Dienst der Sache stellten. Die Führungsschicht des RSHA entspricht insofern nicht der Vorstellung von blinden Befehlsempfängern, sondern rekrutierte sich ausÜberzeugungstätern,[7] die denHolocaust und die polizeiliche Herrschaftspraxis bewusst bejahten.Anders als es die Formulierung „Schreibtischtäter“ unterstellt, waren die verantwortlichen Mitarbeiter des RSHA nicht nur verwaltend tätig, sondern durch häufige Abkommandierungen, Versetzungen und freiwillige Meldungen direkt am Holocaust beteiligt. Ihre am Schreibtisch entwickelten Arbeitsvorgaben wurden nicht allein von fernen Befehlsempfängern ausgeführt, sondern auch von ihnen selbst. Als Beispiel kann hierOtto Ohlendorf gelten, der einerseits das Amt III des RSHA in Berlin leitete, aber auch dieEinsatzgruppe D in der Sowjetunion führte.
Zur Zeit seiner Gründung im September 1939 umfasste des Reichssicherheitshauptamt sechs Ämter die mit römischen Zahlen bezeichnet wurden. Während das Amt I (Organisation) alle zentrale Bereiche der Verwaltung, Organisation, des Personals, des Rechts sowie der Finanzierung beinhaltete, waren die Ämter II bis VI fachlicher Natur. Vor allem ihrer Herkunft nach deckten sie die sicherheitsrelevanten Bereiche nationalsozialistischer Herrschaft, der Gestapo, der Kriminalpolizei, des inneren und äußeren Nachrichtendienstes ab. Eine Ausnahme bildete lediglich das ursprüngliche Amt II (Gegnerforschung) und Auswertung. Es besaß anfangs keinen eigenen Unterbau in Form landesweit verteilter Einzelinstitutionen.[8]
Infolge des Ausscheidens vonWerner Best Anfang 1940 aus der Institution erfolgte eine nochmalige Strukturveränderung. Das bisherige Amt II rückte im Verwaltungsaufbau an das Ende und wurde nun mit Amt VII (Weltanschauliche Forschung und Auswertung) bezeichnet. Das bisherige Amt I wurde nochmals aufgeteilt. Während das Amt I die Bereiche Personal, Erziehung und Ausbildung sowie Disziplinar in sich vereinte, nahm das neue Amt II die Bereiche Verwaltung, Recht, Organisation und Haushalt auf. Ein erster Schritt zur Verbreiterung der Basis für die eigene Grundlagenforschung des Amt VII war, sich der „Verbindungsstelle Deutsche Bücherei – Leipzig“, die systematisch als Auskunftsinstrument ausgebaut wurde, zu versichern.[9]
Mit Erlass Himmlers vom 27. September 1939 setzte sich das RSHA ab dem 1. Oktober 1939 wie folgt aus den bisherigen Hauptämtern Sipo und SD zusammen:
Amt I (Organisation, Verwaltung, Recht):Werner Best
Im Laufe des Jahres 1940 konnte Müller Six auch den Bereich „Gegnerforschung“ entziehen. Die umfassende Zuständigkeit des Amtes I für Personal und Organisation sprengte bald dessen Kapazität, so dass eine Teilung in ein Amt I (Personal), ab Juni 1940 unter SS-Brigadeführer und Generalmajor der PolizeiBruno Streckenbach, und Amt II (Organisation), ab Sommer 1940 unter SS-Brigadeführer und Generalmajor der PolizeiHans Nockemann, erforderlich wurde. Das bisherige Amt II erhielt die neue Bezeichnung Amt VII (Weltanschauliche Forschung und Auswertung).
I C 1 (Allgemeine Angelegenheiten der Leibesübungen): unbesetzt
I C 2 (Körperschulung und militärische Ausbildung): unbesetzt
I D (Strafsachen): wahrgenommen von SS-Brigadeführer und Generalmajor der PolizeiBruno Streckenbach
I D 1 (Dienststrafsachen): SS-Sturmbannführer und Regierungsrat Schulz
I D 2 (SS-Disziplinarsachen): SS-SturmbannführerWalter Haensch
Amt II (Organisation, Verwaltung und Recht): Chef SS-Standartenführer und Oberst der PolizeiHans Nockemann (ab 19. November 1942 SS-ObersturmbannführerRudolf Siegert, ab 1943 SS-StandartenführerKurt Prietzel, ab 1. März 1944 SS-StandartenführerJosef Spacil)
II A (Organisation und Recht): SS-Sturmbannführer und OberregierungsratRudolf Bilfinger
II A 1 (Organisation der Sipo und des SD): SS-Hauptsturmführer und RegierungsassessorAlfred Schweder
II A 2 (Gesetzgebung): SS-Sturmbannführer und RegierungsratKurt Neifeind
II A 3 (Justizangelegenheiten, Schadensersatzansprüche): SS-Sturmbannführer und RegierungsratFriedrich Suhr (Nachfolger von SS-SturmbannführerPaul Mylius)
II A 4 (Reichsverteidigungsangelegenheiten): SS-Sturmbannführer und RegierungsratWalter Renken
II A 5 (Verschiedenes: Feststellung der Volks- und Staatsfeindlichkeit, Vermögenseinziehung, Aberkennung der Staatsangehörigkeit): SS-Sturmbannführer und RegierungsratHeinz Richter
II B (Grundsatzfragen des Paßwesens und der Ausländerpolizei): MinisterialratJohannes Krause
II B 1 (Paßwesen I): Regierungsrat Max Hoffmann, Regierungsrat Baumann
II B 3 (Ausweiswesen und Kennkarten): RegierungsratRolf Kelbling
II B 4 (Grundsatzfragen für Ausländerpolizei und Grenzsicherung): OberregierungsratRudolf Kröning
II C a (Haushalt und Wirtschaft der Sipo): SS-Standartenführer und MinisterialratRudolf Siegert
II C 1 (Haushalt und Besoldung): SS-Standartenführer und MinisterialratRudolf Siegert
II C 2 (Versorgung und sächliche Kosten): SS-Sturmbannführer und RegierungsratArnold Kreklow
II C 3 (Unterkunft und Gefangenenwesen): SS-Sturmbannführer und RegierungsratRudolf Bergmann (neben den Polizeigefängnissen auch zuständig für dieArbeitserziehungslager)
II C 4 (Wirtschaftsstelle): SS-Sturmbannführer und AmtsratJosef Meier
II C b (Haushalt und Wirtschaft des SD): nicht besetzt, Vertreter SS-ObersturmbannführerCarl Brocke
II C 7 (Haushalt und Besoldung des SD): SS-HauptsturmführerOskar Radtke
II C 8 (Beschaffung, Versicherung, Verträge, Liegenschaftswesen, Bauwesen und Kraftfahrwesen): SS-Sturmbannführer Schmidt
II C 9 (Prüfung und Revision): SS-SturmbannführerArthur Wettich
II D (Technische Angelegenheiten): SS-ObersturmbannführerWalter Rauff
II D 1 (Funk-, Foto- und Filmwesen) SS-Sturmbannführer und PolizeiratReiner Gottstein
II D 2 (Fernschreib- und Fernsprechwesen): SS-Sturmbannführer und Polizeirat Walter
II D 3 a (Kraftfahrwesen der Sipo): SS-Hauptsturmführer und Hauptmann der SchutzpolizeiFriedrich Pradel (Mitarbeiter vom Oktober 1941 bis September 1942August Becker als Inspekteur für die im Osten eingesetztenGaswagen)
II D 3 b (Kraftfahrwesen des SD): SS-HauptsturmführerWilli Gast, SS-Untersturmführer Heinrich
II D 4 (Waffenwesen): SS-Sturmbannführer und PolizeiratErich Lutter
II D 5 (Flugwesen): SS-Sturmbannführer und Major der SchutzpolizeiGeorg Leopold
II D 6 (Bewirtschaftung der technischen Fonds der Sipo und des SD): PolizeiratAdolf Kempf
Amt III (Deutsche Lebensgebiete – SD-Inland): Chef SS-StandartenführerOtto Ohlendorf
III A (Fragen der Rechtsordnung und des Reichsaufbaus): SS-SturmbannführerKarl Gengenbach, ab Ende 1941 SS-SturmbannführerWolfgang Reinholz
III A 1 (Allgemeine Fragen der Lebensgebietsarbeit): SS-HauptsturmführerJustus Beyer
III A 2 (Rechtsleben): SS-Hauptsturmführer und RegierungsratHeinrich Malz
III A 3 (Verfassung und Verwaltung): durch Gruppenleiter betreut, ab 1944Erhard Mäding
IV A (Opposition): SS-Obersturmbannführer und OberregierungsratFriedrich Panzinger,
IV A 1 (Kommunismus, Marxismus und Nebenorganisationen, Kriegsdelikte, illegale und Feindpropaganda): SS-Sturmbannführer und KriminaldirektorJosef Vogt, ab August 1941 SS-HauptsturmführerGünther Knobloch als Sachbearbeiter für die „Ereignismeldungen der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD in der UdSSR“
IV A 2 (Sabotageabwehr, Sabotagebekämpfung, Politisch-polizeiliche Abwehrbeauftragte, Politisches Fälschungswesen): SS-Hauptsturmführer und KriminalkommissarHorst Kopkow (1939 SS-ObersturmführerBruno Sattler, ab Sommer 1940 SS-SturmbannführerKurt Geißler)
IV A 3 (Reaktion, Opposition, Legitimismus, Liberalismus, Emigranten, Heimtücke-Angelegenheiten – soweit nicht IV A 1): SS-Sturmbannführer und KriminaldirektorWilly Litzenberg
IV A 4 (Schutzdienst, Attentatsmeldung, Überwachungen, Sonderaufträge, Fahndungstrupp): SS-Sturmbannführer und KriminaldirektorFranz Schulz
IV B: (Weltanschauliche Gegner): SS-SturmbannführerAlbert Hartl
IV B 1 (Politischer Katholizismus): SS-Sturmbannführer und RegierungsratErich Roth
IV B 2 (Politischer Protestantismus, Sekten): SS-Sturmbannführer und RegierungsratErich Roth
IV B 3 (Sonstige Kirchen, Freimaurerei): zur Zeit unbesetzt, ab Dezember 1942Otto-Wilhelm Wandesleben
IV C (Karteiwesen): SS-Obersturmbannführer und OberregierungsratFritz Rang
IV C 1 (Auswertung, Hauptkartei, Personenaktenverwaltung, Auskunftstelle,A-Kartei, Ausländerüberwachung, Zentrale Sichtvermerkstelle): Polizeirat Paul Matzke
IV C 2 (Schutzhaftangelegenheiten): SS-Sturmbannführer, Regierungs- und KriminalratEmil Berndorff
IV C 3 (Angelegenheiten der Presse und des Schrifttums): SS-Sturmbannführer und RegierungsratErnst Jahr
IV C 4 (Angelegenheiten der Partei und ihrer Gliederungen): SS-Sturmbannführer und KriminalratKurt Stage
IV D (Besetzte Gebiete): SS-ObersturmbannführerErnst Weinmann
IV D 1 (Protektoratsangelegenheiten, Tschechen im Reich):Gustav Jonak, ab September 1942 SS-SturmbannführerBruno Lettow, ab November 1943 SS-ObersturmbannführerKurt Lischka
IV D 3 (Vertrauensstellen, Staatsfeindliche Ausländer): SS-Hauptsturmführer und KriminalratErich Schröder, ab Sommer 1941 SS-SturmbannführerKurt Geißler
IV D 4 (Besetzte Gebiete: Frankreich, Luxemburg, Elsass und Lothringen, Belgien, Holland, Norwegen, Dänemark): SS-Sturmbannführer und RegierungsratBernhard Baatz
IV E (Abwehr): SS-Sturmbannführer und Regierungsrat Walter Schellenberg; ab Juli 1941 SS-SturmbannführerWalter Huppenkothen
IV E 1 (Allgemeine Abwehrangelegenheiten, Erstattung von Gutachten in Hoch- und Landesverratssachen,Werkschutz und Bewachungsgewerbe): SS-Hauptsturmführer und KriminalkommissarKurt Lindow
IV E 2 (Allgemeine Wirtschaftsangelegenheiten, Wirtschaftsspionageabwehr): Regierungsamtmann Sebastian
IV E 3 (Abwehr West): SS-Hauptsturmführer und KriminalratHerbert Fischer
V A (Kriminalpolitik und Vorbeugung): SS-StandartenführerPaul Werner
V A 1 (Rechtsfragen, internationale Zusammenarbeit und Kriminalforschung): Regierungs- und Kriminalrat Franz Wächter, später SS-Sturmbannführer und Regierungs- und KriminalratJosef Menke
V A 2 (Vorbeugung): SS-Sturmbannführer und RegierungsratFriedrich Riese
Amt VI (Ausland – SD-Ausland): SS-Brigadeführer und Generalmajor der PolizeiHeinz Jost, ab 1942 SS-Brigadeführer und Generalmajor der PolizeiWalter Schellenberg
VI A (Allgemeine auslandsnachrichtendienstliche Aufgaben mit sieben Referaten): SS-ObersturmbannführerAlfred Filbert, ab Juli 1941 Walter Schellenberg, ab Januar 1944 SS-StandartenführerMartin Sandberger
Beauftragter des Amtes VI für die Nachprüfung aller nachrichtendienstlichen Verbindungen einschließlich der Sicherung der Verbindungs- und Kurierwege und des Einsatzes dernachrichtendienstlichen Mittel des Amtes VI im In- und Ausland: verantwortlich Gruppenleiter VI A
Beauftragter des Amtes VI für die Überprüfung und Sicherung der den SD-(Leit)Abschnitten gestellten Auslandsaufgaben: unbesetzt
Beauftragter I (West) für die SD-(Leit)Abschnitte Münster, Aachen, Bielefeld, Dortmund, Köln, Düsseldorf, Koblenz, Kassel, Frankfurt/M., Darmstadt, Neustadt, Karlsruhe, Stuttgart: SS-ObersturmbannführerHeinrich Bernhard
Beauftragter II (Nord) für die SD-(Leit)Abschnitte Bremen, Braunschweig, Lüneburg, Hamburg, Kiel, Schwerin, Stettin, Neustettin: SS-ObersturmbannführerHermann Lehmann
Beauftragter III (Ost) für die SD-(Leit)Abschnitte Danzig, Königsberg, Allenstein, Tilsit, Thorn, Posen, Hohensalza, Litzmannstadt, Breslau, Liegnitz, Oppeln, Kattowitz, Troppau, Generalgouvernement: SS-SturmbannführerKarl von Salisch
Beauftragter IV (Süd) für die SD-(Leit)Abschnitte Wien, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg, München, Augsburg, Bayreuth, Nürnberg, Würzburg, Prag: SS-SturmbannführerHermann Lapper
Beauftragter V (Mitte) für die SD-(Leit)Abschnitte Berlin, Potsdam, Frankfurt/O., Dresden, Halle, Leipzig, Chemnitz, Dessau, Weimar, Magdeburg, Reichenberg, Karlsbad: SS-ObersturmbannführerKarl Thiemann
VI B (Deutsch-italienisches Einflussgebiet in Europa, Afrika und dem Nahen Osten mit zehn Referaten, im Plan nicht aufgeführt): zurzeit nicht besetzt, ab 1943 SS-StandartenführerEugen Steimle
VI C (Osten, Russisch-japanisches Einflussgebiet mit elf Referaten, im Plan nicht aufgeführt): vakant, ab April 1941 SS-Obersturmbannführer und OberregierungsratHeinz Gräfe, ab März 1944 SS-SturmbannführerErich Hengelhaupt.
VI C 13: „Forschungsstelle Orient“ Berlin; seit Sept. 1944 an der Univ. Tübingen (hier genannt „Außenstelle VI G 11“); Mitarb. Walter Lorch, ein Geograph;Otto Rössler[10]
VI D (Westen, Englisch-amerikanisches Einflussgebiet mit neun Referaten, im Plan nicht aufgeführt): nicht besetzt, ab September 1942 SS-SturmbannführerTheodor Paeffgen
VI E (Erkundung weltanschaulicher Gegner im Ausland mit sechs Referaten, im Plan nicht aufgeführt): SS-ObersturmbannführerHelmut Knochen, ab Juni 1942 SS-ObersturmbannführerWalter Hammer
VI F (Techn. Hilfsmittel für den Nachrichtendienst im Ausland mit sieben Referaten, im Plan nicht aufgeführt): SS-ObersturmbannführerWalter Rauff
VI G: „Dienststelle Dr. Wilfried Krallert“ (ab 1943, wissenschaftlich methodischer Nachrichtendienst und Volkstumspolitik, im Plan nicht aufgeführt): SS-HauptsturmführerWilfried Krallert. Name im Umgang mit Institutionen, die „RSHA“ evtl. störte:Reichsstiftung für Länderkunde.[11]
VI S (ab 1943, Schulung, Widerstandsbekämpfung, im Plan nicht aufgeführt): SS-HauptsturmführerOtto Skorzeny
Amt VII (Weltanschauliche Forschung und Auswertung – SD-Ausland) Chef SS-StandartenführerFranz Six, (Vertreter: April 1941 bis 18. November 1943 SS-Obersturmbannführer und OberregierungsratPaul Mylius), Chef ab Ende 1943 SS-ObersturmbannführerPaul Dittel
VII A (Materialerfassung): SS-Obersturmbannführer und OberregierungsratPaul Mylius
1942 konnte sich Reinhard Heydrich gegenüber dem Chef des HauptamtesOrdnungspolizei (HA Orpo),Kurt Daluege, im Kampf um weitere Zuständigkeiten für das RSHA durchsetzen. So gingen die Zuständigkeiten der Abteilung II des HA Orpo, also für das Passwesen, die Ausländerpolizei, das Meldewesen, Wehrersatzwesen, Staatsangehörigkeitswesen und Auswanderungswesen sowie der Abteilung V mit dem Polizeiverwaltungsrecht, Polizeistrafrecht, Waffenwesen und die Gesundheitspolizei an das RSHA über.
In der Fortdauer des Krieges gewannen die Referate der Gestapo für die besetzten Gebiete immer größere Bedeutung. In einer erneuten Umorganisation des RSHA im März 1944 wurden so drei Hauptgruppen gebildet, die in folgende Abteilungen gegliedert waren:
DasMilitärische Amt (Amt Mil, auchAmt M) entstand im Mai 1944 aus der Zusammenlegung der Abteilungen Z (Zentralabteilung), Abwehr I (Spionage) und Abwehr II (Sabotage und Zersetzung der Wehrkraft im Feindesland) des aufgelöstenAmts Ausland/Abwehr. Nach demAttentat vom 20. Juli 1944, an dem AmtschefGeorg Alexander Hansen beteiligt war, wurde das Amt Walter Schellenberg unterstellt. Es war in acht Abteilungen gegliedert, die zuletzt von folgenden Chefs geleitet wurden:
Das Archiv des Reichssicherheitshauptamtes wurde aus Berlin am 23. Juli 1943 in dasKZ Theresienstadt aus Gründen des Luftschutzes verlagert. Dort wurden dafür dieSudetenkaserne und dieBodenbacher Kaserne (NS-Namen), das Zeughaus und zwei weitere Häuser des Konzentrationslagers in der besetzten Tschechoslowakei geräumt.Mit dem Archiv kamen ca. 200 Berliner Beamte und ihre Familien. Die Inanspruchnahme dieser Gebäude für die Unterbringung des reichsweiten KZ-Archivs verschärfte die Raumsituation der dortigenKZ-Häftlinge weiter. Das Archiv war dieAbteilung IV A 6a (Konzentrationslagerpapiere) des RSHA. Die Tore E I der ehemaligenFestung Theresienstadt wurden verschlossen und von tschechischen Gendarmen und Mitgliedern des Ordnungsdienstes der sog.Ghettowache bewacht. Das Archiv wurde im Frühjahr 1945 vernichtet.[12]
Robert Gellately:Die Gestapo und die deutsche Gesellschaft. Die Durchsetzung der Rassenpolitik 1933–1945. 2. Auflage. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1994,ISBN 3-506-77487-5.
Helmut Krausnick und Hans-Heinrich Wilhelm:Die Truppe des Weltanschauungskrieges. Die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD 1938–1942. DVA, Stuttgart 1981,ISBN 3-421-01987-8.
Stephan Linck:Der Ordnung verpflichtet: Deutsche Polizei 1933–1949. Der Fall Flensburg. Schöningh, Paderborn 1999,ISBN 3-506-77512-X.
Reinhard Rürup (Hrsg.):Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt auf dem „Prinz-Albrecht-Gelände“. Eine Dokumentation. 8. Auflage. Willmuth Arenhövel, Berlin 1991.
Johannes Tuchel und Reinold Schattenfroh:Zentrale des Terrors. Prinz-Albrecht-Straße 8: Das Hauptquartier der Gestapo. Siedler, Berlin 1987,ISBN 3-88680-267-1.
Michael Wildt (Hrsg.):Das Reichssicherheitshauptamt. NS-Terror-Zentrale im Zweiten Weltkrieg. Hentrich & Hentrich, Berlin/Leipzig 2019,ISBN 978-3-95565-360-6.
Friedrich Wilhelm:Die Polizei im NS-Staat. Die Geschichte ihrer Organisation im Überblick. 2., durchges. u. verbesserte Aufl. Schöningh, Paderborn 1999,ISBN 3-506-77513-8.
Stephen Tyas:RSHA. Reich Security Main Office: Organisation, Activities, Personnel. Fonthill Media, Stroud, Gloucestershire 8. April 2022.
↑Vgl. insgesamt: Michael Wildt:Generation des Unbedingten Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburger Edition der HIS Verlagsgesellschaft. Hamburg 2003.
↑Michael Wildt:Generation des Unbedingten Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburger Edition der HIS Verlagsgesellschaft, Hamburg 2003, S. 855 ff. und S. 203 ff.
↑Vgl. die Kritik an Eugen Kogons Einschätzung in seinem WerkDer SS-Staat bei Michael Wildt:Generation des Unbedingten Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburger Edition der HIS Verlagsgesellschaft. Hamburg 2003, S. 15.
↑Michael Wildt:Generation des Unbedingten Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburger Edition der HIS Verlagsgesellschaft. Hamburg 2003, S. 855.
↑ Michael Wild (Hrsg.):Das Reichssicherheitshauptamt. NS-Terror-Zentrale im Zweiten Weltkrieg. Hentrich & Hentrich Verlag, Leipzig 2019.
↑Monika Gibas:Arisierung in Leipzig, Leipziger Universitätsverlag 2007, S. 133ff.
↑Lorch & Rössler firmierten später unter „VI G“, so auch meistens in der heutigen wiss. Lit. über sie. – Die Spuren der „Forschungsstelle Orient“ sind dünn gesät, darüber muss dringend gearbeitet werden. Die Auslagerung der FG nach Tübingen, wieHerf sie in „Propaganda for the Arab world“ S. 199–202 und vor allem in den Anm. dazu darstellt, wäre ein wichtiges Beispiel für eine institutionalisierte Kooperation des RSHA mit Universitätsinstituten, die dabei jedoch in den Orga-Plan des RSHA eingebunden blieben. Chef der FG Orient war Walter Lorch; ein „Walter T. Lorch“ publizierte 1971, im Reprint 1973, eine Bibliographie über Entwicklungshilfe in Asien im HamburgerInstitut für Asienkunde, wo er eine nunmehr wichtige Rolle spielte; in den 1950er Jahren publizierte er zur Landschaftspflege, auch im staatlichen Auftrag (Bundesanstalt für Naturschutz und Landschaftspflege, 1957). 1938/39 verfasste er Publikationen zur „Wüstungsforschung“, der Suche nach ehemaligen menschlichen Siedlungen mittels einerPhosphatmethode, u. a. in einer Reihe „Arbeiten zur Landes- und Volksforschung“. Unter demselben Namen wurde 1941 überUrmenschen in Westeuropa publiziert. Lorch gehörte, sieht man die Publikationsorte und die Herausgeber nach 1945, zum Netzwerk der NS-Raumforscher um das „Ahnenerbe“ undHeinrich Hunke. Im Univ.-Archiv Freiburg gibt es eine Spur seiner NS-Zeit: #C 67/1830 aus 1944, Lorch,Abhandlungen für die „Forschungsstelle Orient“. Siehe auchEmil Forrer. Sein langjähriger Arbeitgeber nach 1945, das Institut für Asienkunde Hamburg, verweigert noch 2011 die Auskunft auf wissenschaftliche Anfragen nach Lorch.
↑Siehe die Anm. zu VI C 13! Auch:Michael Fahlbusch,Wilfried Krallert (1912–1969). Ein Geograf und Historiker im Dienst der SS. In:Karel Hruza (Hrsg.):Österreichische Historiker 1900–1945: Lebensläufe und Karrieren in Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei in wissenschaftsgeschichtlichen Portraits. Wien 2008, S. 793–836. Zur Reichsstiftung:Online, Appendix S. 348 (und folgende), auch als Print lieferbar. Bericht des Reiner Olzscha vom SS-Hauptamt über die SS-Feldmullahs.
↑Hans Günther Adler:Theresienstadt 1941–1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft. 2. Auflage. J.C.B Mohr, Tübingen 1960, S. 136 f. und S. 198 f.
52.50611113.385556Koordinaten:52° 30′ 22″ N,13° 23′ 8″ O