Die Stadt liegt inSüdwestsachsen, etwa 18 km vonPlauen und 19 km vonZwickau entfernt. Der Ort auf rund 380 m liegt im sächsischen Teil desVogtlandes. Durch den heutigen Stadtteil Mylau, der früher eine eigene Stadt war, fließt dieGöltzsch. Die vergleichbar große StadtGreiz, im thüringischen Vogtland gelegen, befindet sich nur rund 5 km nordwestlich.
Die Ursprünge der Stadt liegen vermutlich in einer slawischen Ansiedlung am Raumbach. Im Jahre 1085 soll derNaumburger BischofGünther I. von Wettin im Zuge deutscher Besiedelung eine hölzerne Kirche geweiht haben.[2][3] Diese wurde um 1100 in Stein ausgeführt, bald darauf jedoch von einfallenden heidnischenSlawen zerstört und um 1140 wieder aufgebaut. Nachweislich ließen sich Anfang des 12. Jahrhunderts auchfränkische Siedler nieder. Um 1180 erfolgte schließlich die großräumige Besiedlung des nördlichenVogtlandes durch Deutsche. Der Ort entwickelte sich im Tal nahe derBurg Mylau in verkehrsgünstiger und sicherer Lage schnell zu einer aufstrebenden Kleinstadt. Im Jahre 1224 ist in Reichenbach ein Herrensitz erwähnt, der einstVorwerk der Burg Mylau war. Er unterstand ab 1270 denVögten von Plauen.
Der Name, damals noch Richenbach, vermutlich nach den wasserreichen Bächen im Gebiet der heutigen Altstadt benannt, ist urkundlich erstmals 1212 belegt, die jedoch ältere Siedlung erhielt schon um 1240 Stadtrecht und wird in einer Urkunde von 1271 als „civitatis richenbach“, alsobefestigte Kleinstadt mit Verteidigungs-, Handels- und Selbstverwaltungsrechten, erwähnt.
Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind noch am Sebastian-Bach-Platz in größerem Umfang sichtbar, an die ehemaligen Stadttore erinnert unter anderem der Straßenname Mylauer Tor zwischen Markt und Roßplatz, dem ehemaligen Viehmarkt. Der Standort des Oberen Tores ist durch die Nachbildung einerkursächsischen Postmeilensäule aus dem Jahre 1724 markiert. Der genaue Verlauf der einstigen Stadtmauer ist anhand eines historischen Stadtmodells imNeuberinmuseum erkennbar. Erstaunlich ist hierbei die Lage derStadtkirche St. Peter und Paul, deren älteste Teile im Turmfuß ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammen, außerhalb der Befestigung, was auf wahrscheinlich hölzerne Vorgängerbauten oberhalb der fränkischen Siedlung – also zwischen Altstadt und ummauerter Stadt – hinweist.
Reichenbach wurde 1336 von den Böhmen erobert und im Jahr 1367 durch HeinrichReuß,Vogt von Plauen, dem deutschen Kaiser und böhmischen KönigKarl IV. mit den umliegenden Dörfern verkauft. Im Jahr 1422 erfolgte die Verpfändung der Stadt an dieWettiner. Reichenbach wurde im Frühjahr 1430 samt Kirche vonHussiten völlig zerstört. Aufgrund seiner günstigen Lage wurde es wieder aufgebaut und entwickelte sich zu einer regional bedeutsamen Handwerker- und Händlersiedlung. Im 15. Jahrhundert kam Reichenbach an die Herren vonMetzsch, welche den Umbau der damaligen Burg zum Wohnschloss vornahmen. Die urkundliche Nennung des Herrensitzes alsRittergut ist für 1577 belegt. Die Familie von Metzsch saß über die Jahrhunderte auf Reichenbach und musste zwei Brände ihres Schlosses in Kauf nehmen.
Nach demDreißigjährigen Krieg etablierte sich dieTuchmacherei und brachte Wohlstand in die Stadt. Nach vorangegangenen Stadtbränden bemühte man sich auch um größere Feuersicherheit, allerdings vorerst ohne Erfolg. 1681 brannten 135 Wohnhäuser nieder. 1690 erließ der Rat eine Feuerlöschordnung. Zu jener Zeit waren um die 300 Tuchmacher in der Stadt tätig, bis 1720 waren es etwa 500. Am 17. August 1720 ereignete sich ein weiterer Stadtbrand, bei dem etwa 500 der 700 Wohnhäuser vernichtet wurden. Die weitgehende Zerstörung des Ortes führte zu einem wirtschaftlichen Niedergang, da viele Handwerker den Ort verließen und sich andernorts eine neue Existenz aufbauten.[4] Nachdem 1773 das Schloss teilweise wieder aufgebaut worden war, erforderte der Brand von 1833 einen kompletten Neubau. 1856 übernahm die Stadt Reichenbach das Herrenhaus und eröffnete darin 1875 ein Museum.
An die als bedeutende Poststraße genutzte alteFrankenstraße im Verlauf der heutigenB 173 („Hofer Chaussee“) erinnert neben derkursächsischen Distanzsäule im Zentrum auch die noch zum Teil erhaltene kursächsische Ganzmeilensäule am Gasthaus Schwarze Katze in Oberreichenbach.
1833 wurde das historische Rathaus in der Mitte des Marktplatzes als markantestes Gebäude bei einem erneuten Stadtbrand zusammen mit Wohnquartieren und einem ganzen Scheunenviertel vernichtet. 1846 beschleunigte die Eröffnung des erstenReichenbacher Bahnhofs als vorläufige Endstation derBahnstrecke Leipzig–Hof(Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn) die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Von der Eisenbahn gingen in den folgenden Jahren mit Streckenerweiterungen und Neubauten in RichtungNürnberg und in die Orte des Umlandes immer wieder Impulse für Industrieansiedlungen aus. So eröffnete 1895 dieBahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke und 1902 dieRollbockbahn. Streckenabschnitte der längst verschwundenenNebenbahnen sind noch heute im Reichenbacher Stadtbild erkennbar.
Die Industriebetriebe lockten zahlreiche neue Bewohner in die Stadt, die hauptsächlich in denKammgarn- undStreichgarnspinnereien oder Webereien Arbeit fanden. Zu einer exportorientierten, international bekannten Firma entwickelte sich zum Beispiel die 1883 gegründete Woll- und SeidenwebereiSchultz & Donner. Zudem siedelten sich metallverarbeitende Betriebe an und im frühen 20. Jahrhundert folgte unter anderem diePapierherstellung und -verarbeitung.
August Horch setzte seinen Innovations- und Unternehmergeist von 1902 bis 1904 ebenfalls in Reichenbach in die Tat um und baute mit demHorch Tonneau das erste sächsischeAutomobil. Im Jahre 1903 stellte er das erste deutsche Auto mit einem Vierzylindermotor vor, dasModell 3 mit einem Hubraum von 2382 cm³ und einer Leistung von 22 PS (16 kW).
Das StädtischeElektrizitätswerk mitÜberlandzentrale machte Reichenbach 1909 zu einer modernen Stadt. Der 1926 nach einem Entwurf von StadtbaumeisterRudolf Ladewig errichteteWasserturm sicherte den gestiegenen Wasserbedarf der Stadt. Im selben Jahr wurde der Grundstein für den ebenfalls von Ladewig geplanten und 1928 vollendeten Neubau derHöheren Textilfachschule gelegt, die heute ein Standort derWestsächsischen Hochschule ist.
1924 wurde Reichenbach bezirksfrei.
Am 28. Juni 1925 wurde erstmals eine Bergprüfungsfahrt des ADAC an der Strecke Reichenbach-Schwarze-Tafel-Mühlwand durchgeführt. Diese „Mühlwander Bergrennen“ wurden von 1921 bis 1981 vomAlaunwerk zur „Schwarzen Tafel“ durchgeführt. Im Jahr 2004 lebte diese Tradition mit historischen Rennwagen und Motorrädern wieder auf.
Mit der Landung des LuftschiffsLZ 127 „Graf Zeppelin“ in Brunn am 28. September 1930 erlebte die Region ein Spektakel, dem über 130.000 begeisterte Zuschauer beiwohnten.[7]
Auch Reichenbach wurde von den Gewalttaten desNationalsozialismus nicht verschont, die hier mit der Gründung derNSDAP-Ortsgruppe im August 1923 ihren Anfang nahmen. Direkt nach derMachtübernahme Hitlers 1933 setzten Durchsuchungen von Parteiheimen, Häusern und Wohnungen ein, die in der Besetzung des Volkshauses (heutiges Stadthaus am Markt) und dem Hissen vonHakenkreuz- undSS-Fahne ihren vorläufigen Höhepunkt fanden. Ab März 1933 setzten Verhaftungen unliebsamer Personen, wie etwa SPD- und KPD-Funktionären, sowie Abgeordneter und Oberbürgermeister Dr. Karl Kühn ein. Unter den Verhafteten war auch der aus Chemnitz stammende ReichstagsabgeordneteAlbert Janka (KPD), der mit weiteren Gefangenen im damaligen „Volkshaus“ gefoltert wurde und die Torturen nicht überlebte. Überlebende der dortigen Verhöre wurden später in dasKZ Sachsenburg überführt.[8]
Die kleine jüdische Gemeinde Reichenbachs verzeichnete zur Volkszählung am 16. Juni 1933 noch 19 Mitglieder, die in den folgenden Jahren schrittweise deportiert wurden. Bis zum 31. Dezember 1940 verblieben noch vier Reichenbacher Juden.[9]
Während desZweiten Weltkriegs wurden im Zuge von Metallsammlungen private Eisenzäune, vier Denkmäler, vier Kirchenglocken, Inventar des Heimatmuseums und Einrichtungsgegenstände (Waschbecken) aus den Reihen der Friseurinnung für die Rüstungsindustrie geopfert.[10]
Nach 186 Fliegeralarmen in den Vorjahren wurde am 21. März 1945 Reichenbach erstmals direkt angegriffen. Bei demamerikanischenBombenangriff durch 34B-17 Bomber wurden 161 Menschen getötet, 73 Gebäude komplett zerstört und 675 beschädigt.[11] Die damalige Albertschule, heute Friedensschule, wurde zu dieser Zeit alsLazarett genutzt; derSchutzbunker davor sollte die Bewohner vor derartigen Angriffen schützen.
Der Bahnhof wurde nur leicht beschädigt, und es ging nur die Bebauung im heutigen „Park des Friedens“ und entlang der Bahnhofstraße verloren. Die bedeutendsten Bombenopfer waren der „Kaiserhof“ an der Stelle des heutigen Neuberinhauses, Gasthof und Hotel „Goldenes Lamm“ an der Stelle der heutigenSparkasse am Postplatz und die Großdruckerei Carl Werner.
Am 17. April 1945 wurde die Stadt Reichenbach, nachdem sie von OberbürgermeisterOtto Schreiber auf Drängen des Feuerwehr-Unterführers Hermann Thoß[12] entgegen den Befehlen kampflos übergeben worden war, von US-amerikanischen Truppen besetzt, die wiederum am 1. Juli 1945 von derSowjetarmee abgelöst wurden. Die kampflose Übergabe der Stadt an die US-Amerikaner ersparte Reichenbach ein Inferno dreier Bombenangriffe.
Aufgrund der Lage in derSowjetischen Besatzungszone gehörte Reichenbach ab 1949 zur neu gegründetenDDR und wurde Kreisstadt des 55.000 Einwohner zählenden neuenKreises Reichenbach im Bezirk Chemnitz (1953 inBezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), nachdem es seine Bezirksfreiheit verloren und kurzzeitig demKreis Plauen-Land angehört hatte. Bekannt war Reichenbach durch die zahlreichen Kalender und Ansichtskarten vom VerlagBild und Heimat.
Reichenbach blieb weiterhin Kreisstadt des nun sächsischen Landkreises Reichenbach, verlor jedoch nach derDeutschen Wiedervereinigung neben vielen Arbeitsplätzen zahlreiche Einwohner. 1995 wurde die Stadt Teil desVogtlandkreises und war somit nicht mehr Kreisstadt, behielt jedoch zahlreiche Stellen des neuen Landratsamtes und erhielt den TitelGroße Kreisstadt. Am 1. Mai 2003 wurde die Stadt vonReichenbach/Vogtl. inReichenbach im Vogtland umbenannt.[13] Vom 7. bis 9. September 2007 fand in Reichenbach derTag der Sachsen statt.
Die Stadt profitiert von ihrer Lage an derA 72 zwischen denOberzentrenPlauen undZwickau und der Nachbarschaft zurthüringischenKreisstadtGreiz. Sie selbst ist alsMittelzentrum in der langfristigen Raumordnung verankert, sodass mittlerweile zahlreiche neue Arbeitsplätze in denIndustrie- undGewerbegebieten entstanden sind. Das Stadtbild ist von sanierten Gründerzeitbauten und Wohngebieten verschiedener Art geprägt und verlor vor allem im Rahmen der 5. sächsischenLandesgartenschau (1. Mai – 18. Oktober 2009) und vonStadtumbauprogrammen die einst charakteristische Dichte von historischen, aber wenig ansehnlichen Industriebauten.[14]
Gleichwohl wurden und werden auch vergleichsweise historisch wertvolle Gebäude in der Innenstadt abgerissen und Überkapazitäten in den DDR-Großwohnsiedlungen am Stadtrand abgebaut. Insbesondere in der Innenstadt versucht die Stadtverwaltung mit Grünflächengestaltung und Schaffung von Parkmöglichkeiten auf den entstandenen Brachflächen die Attraktivität zu steigern.[15] In einigen Bereichen (Am Graben, Kirchgasse, Johannisgasse, Obere und Untere Dunkelgasse) ist das für eine Altstadt typische Stadtgefüge durch Abrisse erheblich beeinträchtigt.
Oberreichenbach wurde am 1. Januar 1908 eingemeindet. Cunsdorf folgte am 1. April 1924.[16] Brunn und Friesen wurden am 1. März 1994 eingegliedert[17], Rotschau am 1. Januar 1996.[18] Schneidenbach kam am 1. Januar 1999 hinzu.[19]
Zum 1. Januar 2016 fusionierten Mylau (mit dem am 1. Januar 1996 eingemeindeten Obermylau) und Reichenbach im Vogtland zur neuen Stadt Reichenbach im Vogtland.[20]
Die Wahlbeteiligung stieg von 55,2 % auf 60,5 % an.
Aufgrund derFusionsvereinbarung mit der NachbargemeindeMylau zum 1. Januar 2016 waren im Stadtrat die Wählervereinigungen GVM (Gewerbeverein Mylau) und IV FFW (Interessenvereinigung Feuerwehr Mylau) vertreten, die jedoch nicht mehr zur Wahl antraten. Die BIM (Bürgerinitiative Mylau) formierte sich zur Bürgerinitiative Reichenbach-Mylau (BI-RM) um und stellte neben den bisherigen Stadträten auch Reichenbacher Bürger auf. Keiner der zuvor im Gemeinderat von Mylau vertretenen Stadträte schaffte die Wiederwahl in den Reichenbacher Stadtrat.
Basierend auf den Ergebnissen derStadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die Sitze des Stadtrates nun folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:[22]
Bei der Wahl am 26. März 2023 wurde derLinkenpolitiker Henry Ruß mit 48,3 % der Stimmen zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Der Amtsinhaber Raphael Kürzinger kam dagegen nur auf 38,1 %.[26] Die Amtsübergabe erfolgte am 8. Mai 2023.[27]
Sein Vorgänger im Amt des Oberbürgermeisters war seit dem 9. Mai 2016 Raphael Kürzinger (CDU).[28]Bei der Wahl für den neuen Oberbürgermeister am 17. April 2016 setzte er sich im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit (55,49 %) gegen drei Mitbewerber durch (Wahlbeteiligung: 40,5 % ↓).[29][30]
Dessen Vorgänger im Amt des Oberbürgermeisters der Großen Kreisstadt war seit 1. August 2001 Dieter Kießling (CDU). Er führte die Amtsgeschäfte vom 1. Januar 2016 durch den Zusammenschluss mit Mylau alsAmtsverweser.
Das Neuberin-Museum zum Leben und Werk der BühnenreformerinFriederike Caroline Neuber wird durch den Kulturraum Vogtland-Zwickau als regional bedeutsame Einrichtung gefördert. Zu den Ausstellungen gehören die Theatergeschichte des 18. Jahrhunderts, die Stadtgeschichte und Sonderausstellungen.
Die PfarrkircheSt. Peter und Paul beherbergt eineSilbermann-Orgel von 1725. Der älteste Teil der Kirche ist derromanische Turmstumpf mit quadratischem Grundriss aus dem 12. Jahrhundert, auf dem 1780 ein achteckigerbarocker Aufbau errichtet wurde. Weitere Kirchen sind die evangelischeTrinitatis-Kirche und die katholische Kirche St. Marien. DieBurg Mylau im Reichenbacher StadtteilMylau ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burgen in Sachsen und steht seit 1980 unterDenkmalschutz.
Gedenktafel derFIR am ehemaligen Hotel Goldener Anker am Marktplatz zur Erinnerung an die zahlreichen politischen Gegner der NS-Diktatur, die dort in einem frühen „Schutzhaftlager“ gefangen und gefoltert wurden
Ehrenmal von 1946 in der Bahnhofstraße für alleOpfer des Faschismus. Seit 1990 ist es allen „Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ gewidmet.
Grabstätten auf dem Friedhof des Ortsteils Cunsdorf für vierpolnische und einenjüdischen Häftling, die während desZweiten Weltkriegs Opfer von Zwangsarbeit wurden
Im benachbartenNeumark (Vogtland) hat dieVogtlandbahn ihr Wartungs- und Reparaturzentrum. Seit Juni 2001 war Reichenbach eine Station imICE-Streckennetz derDeutschen Bahn. Da die ICE-Strecke Nürnberg-Dresden damals wie gegenwärtig nicht durchgängig elektrifiziert ist, kam mit der Deutschen Bahn AG der dieselbetriebeneICE TD zum Einsatz, der auf der kurvenreichen Strecke durch dieNeigetechnik Fahrzeitgewinne einbrachte. Nach häufigen Pannen wurde er bereits im Dezember 2002 von übergangsweise eingesetzten lokbespannten IC-Zügen bzw. in IC-Farben umlackierten Triebwagen derBaureihe 612 alsIntercitys abgelöst. Mit diesen Triebwagen betrieb dieDB Regio ab Dezember 2006 auch den Regionalexpress unter der MarkeFranken-Sachsen-Express. Mit der Fertigstellung der Elektrifizierung kamen zunächst Doppelstockwendezüge zum Einsatz, die mittlerweile von den neuen Triebwagen desElektronetz Mittelsachsen abgelöst wurden.
Zurzeit halten in Reichenbach sowohl der Regionalexpress RE3 Dresden–Chemnitz–Zwickau–Reichenbach–Plauen–Hof (Betreiber:Bayerische Oberlandbahn unter der MarkeMitteldeutsche Regiobahn) als auch die Regionalbahn RB2 Zwickau Zentrum(–Werdau)–Reichenbach–Plauen–Adorf(–Cheb) (Betreiber:Die Länderbahn unter der MarkeVogtlandbahn) im Stundentakt.
Reichenbach wird imvertaktetenÖPNV desVerkehrsverbunds Vogtland von zahlreichen Buslinien bedient. Taktgeber für das Bussystem ist dabei der zentraleRendezvous-Knoten am Postplatz, welcher im Februar 2022 eingerichtet wurde. Dort verkehren die Linien 80, 82 und 85, die zusammenhalbstündliche (am Wochenende stündliche) Verbindungen in 4 Richtungen bieten:
Die am Rendezvous teilnehmenden Linien sind als Stadt-Umland-Linien ausgeführt, verkehren also über die Stadt hinaus in die angrenzenden Gemeinden. Beispielsweise verkehrt die Linie 80 ab Netzschkau abwechselnd als Linie 83 nach Treuen und als Linie 84 nach Elsterberg, wodurch auch diese Linien indirekt am Rendezvous teilnehmen.
Neben dem Postplatz fungiert weiterhin noch derObere Bahnhof als Umsteigepunkt im Busnetz, hauptsächlich für die weiteren Regionallinien.
Zwischen dem bebauten Stadtgebiet und der A 72 befinden sich ein Gewerbegebiet und zwei zusammenhängende Industriegebiete, welche die Stadt gemeinsam mit der Gemeinde Heinsdorfergrund ausgewiesen hat. Ein weiteres Gewerbegebiet mit einigen Industriebetrieben befindet sich an der B 173 (Zwickauer Straße) am nordöstlichen Stadtrand.
Vorherrschende Branchen sind Druck- und Papierverarbeitung, Einzelhandel,Maschinenbau/Metallverarbeitung, Textilindustrie undTourismus.
Das privat betriebeneParacelsus-Klinikum Reichenbach ist mit 185 Betten ein Krankenhaus der Regelversorgung, am 1. Oktober 2022 wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet.[33] Ende März 2023 schloss das Klinikum, der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin in Halle, Thomas Frese, erwarb die Kassenarztsitze der Paracelsus Sachsen MVZ GmbH und startete die neue „Praxisnah MVZ GmbH“ in Räumen des Klinikums.[34][35]
Das EisenbahnverkehrsunternehmenIntEgro Verkehr hat seinen Sitz in der Stadt.
Bis zum 31. Dezember 2015 existierte mit demVogtland Regional Fernsehen (VRF) ein über Kabel empfangbarer Regionalfernsehsender.[36] Nach dessen Insolvenz sendet seit 1. Februar 2017TV Westsachsen tagesaktuelle Beiträge aus der Region.[37]
DieWestsächsische Hochschule Zwickau betreibt in Reichenbach den Fachbereich Textil- und Ledertechnik mit den dazugehörigen Studiengängen Textil- und Ledertechnik (Diplom mit verschiedenen Vertiefungsrichtungen)
Öffentliche Schulen
Die Stadt verfügt über einGymnasium (Goethe-Gymnasium mit den Standorten Ackermannstrasse und Friedensschule), eineOberschule (Weinholdschule) und dreiGrundschulen (Dittesschule, Friederike-Caroline-Neuber-Schule und Weinholdschule).Darüber hinaus verfügen die angrenzenden Städte und Gemeinden über weitere Grund- und Oberschulen, die auch von Reichenbacher Schülern besucht werden.In Reichenbach befindet sich außerdem eineFörderschule für körperlich und geistig Behinderte.
Privatschule
Die städtischen Allgemeinbildungsangebote werden von der HANSA-Handelsschule (Fachoberschule) ergänzt.
DieVolkshochschule des Vogtlandkreises bietet an ihrem Reichenbacher Standort zahlreiche Kurse an, die vor allem dem Erwerb von Sprachkenntnissen dienen. Darüber hinaus offerieren zahlreiche Kulturvereine und dieMusikschule Vogtland umfangreiche Freizeit-Bildungsangebote.
Bibliotheken
Die städtische Jürgen-Fuchs-Bibliothek hat ein Angebot anBelletristik, Kinder- und Sachliteratur. Sie befindet sich auf zwei Etagen im historischen Rathaus am Markt und wurde nach einem der großen Söhne der Stadt benannt.
Außerdem verfügt das Goethe-Gymnasium über eine Schulbibliothek mit umfangreicher Lehr- und Sachbuchsammlung im Schulteil Goetheschule sowie die Fachgruppe Textil- und Ledertechnik der Westsächsischen Hochschule über eine Zweigbibliothek der Hochschulbibliothek Zwickau am Standort in der Reichenbacher Klinkhardtstraße hinter dem historischen Hochschulgebäude.
Günther Thaden (1904–2001), Bürgermeister von Schöneck/Vogtl., Genealoge
Harry Trommer (1904–1980), Schriftsteller, Sagenforscher und Jurist
Willy Rudolf Foerster (1905–1966), Ingenieur und einer der führenden IndustriellenJapans, seinerzeit, bis zur Enteignung durch die Nazis, der reichste Europäer Japans.
Kurt Schwabe (1905–1983), Chemiker, Pionier der elektrochemischen Sensorik, Hochschullehrer und Rektor der Technischen Universität Dresden
Rudolf Korndörfer (1906–1992), Oberregierungsrat und SS-Sturmbannführer, Leiter der Geheimen Staatspolizei in Kassel und Kommandeur von Einsatzkommandos in Jugoslawien
Ernst Ahnert (1859–1944), zu seiner Zeit ein deutschlandweit bekannter Stenograf, u. a. von Reden Otto von Bismarcks und bei den Friedensverhandlungen in Versailles (1919). Ahnert erhielt an der Realschule in Reichenbach seine erste systematische Ausbildung als Stenograf[41]
August Horch (1868–1951), Gründer vonHorch undAudi, hatte in Reichenbach von 1902–1904 seine erste Fabrik[42]
Rudolf Ladewig (1893–1945), von 1925 bis 1934 Architekt in Reichenbach, später Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus
Sandra Gerbert:Die frühe Industrialisierung in den vogtländischen Städten Reichenbach, Mylau und Netzschkau. in:Sächsische Heimatblätter 66(2020)2, S. 106–112
Alfred Harendt:Bomber über Reichenbach. In:Die Stunde Null. Tatsachenberichte über Erlebnisse aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Hrsg. von Ursula Höntsch. Verlag der Nation, Berlin 1966.
Johann Balthasar Olischer:Entwurff einer Chronica der alten Voigtländischen Stadt Reichenbach. Friedrich Lankischens Erben, Leipzig 1729 (Digitalisat).
Richard Steche:Reichenbach. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 11. Heft:Amtshauptmannschaft Plauen. C. C. Meinhold, Dresden 1888, S. 69.
Reichenbach im Vogtland (Hrsg.):Zur Geschichte der Stadt REICHENBACH im Vogtland Eigenverlag, Reichenbach 2012,ISBN 978-3-932626-32-6.
↑Alfred Harendt:Bomber über Reichenbach. In:Die Stunde Null. Tatsachenberichte über Erlebnisse aus den letzten Tagen des 2. Weltkrieges. Hrsg. von Ursula Höntsch. Verlag der Nation, Berlin 1966, S. 28.
↑Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen:Reichenbach im Vogtland im Regionalregister Sachsen
↑Stadtumbau Reichenbach im Vogtland. (Memento vom 14. März 2016 imInternet Archive) 54. Tagung des Deutsch-Österreichischen URBAN-Netzwerkes. Flächen im Wandel – Umnutzung innerstädtischer Areale. Reichenbach im Vogtland. Vom Industriestandort zum Park der Generationen (2008);Microsoft PowerPoint. In: deutscher-verband.org (PDF; 12,7 MB), abgerufen am 25. April 2016.
↑Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Hrsg. vomStatistischen Bundesamt. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995,ISBN 3-8246-0321-7.
↑Hans Sauer:Ernst Ahnert, ein bedeutender Repräsentant der Stenografiebewegung und seine frühen Jahre in Zwickau, in:Cygnea. Schriftenreihe des Stadtarchivs Zwickau, Nr. 14 (2016), S. 45–55.