DieReformierte Kirche in Ungarn (ungarisch:Magyarországi Református Egyház) ist die nationalereformierte Kirche Ungarns und die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft inUngarn. Laut Volkszählung 2001 bekennen sich 15,9 Prozent der Bevölkerung des Landes zumreformierten Glauben.[1]
Die Reformierte Kirche in Ungarn entstand im Jahr 1567 bei derSynode vonDebrecen durch die Annahme des zweitenHelvetischen Bekenntnisses und desHeidelberger Katechismus. Den reformierten FürstenStephan Bocskai,Gábor Bethlen undGeorg I. Rákóczi gelang es im Lauf der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts jeweils für eine kurze Zeit, von denHabsburgern dieReligionsfreiheit für Ungarn zu erzwingen. Doch bald wurden die ungarischen Reformierten wieder gewaltsam unterdrückt. 1849 unterstützte der reformierte Bischof von Debrecen offen den ungarischen FreiheitskämpferLajos Kossuth. Erst nach demösterreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 kam es wieder zu einer relativen Religionsfreiheit in Ungarn. Im Jahr 1891 erhielt die Reformierte Kirche in Ungarn eineKirchenverfassung. Infolge desVertrags von Trianon von 1920 und der damit einhergehenden Gebietsverluste Ungarns verlor die Reformierte Kirche in Ungarn rund die Hälfte ihrer Mitglieder – teils an bereits bestehende Kirchen wie dieEvangelische Kirche H.B. in Österreich (im Fall derGemeinde in Oberwart) und teils an neu gegründete Kirchen wie dieReformierte Kirche in Rumänien (westlicher Kirchendistrikt) oder dieReformierte Kirche in Transkarpatien. Während der deutschen Besatzung imZweiten Weltkrieg setzte sich die kirchliche Organisation „Guter Hirte“ für das Leben von Verfolgten ein. In derkommunistischen Zeit wurden der staatliche Religionsunterricht abgeschafft und die kirchlichen Vereine verboten. Für kirchliche Belange war das Staatsamt für kirchliche Angelegenheiten zuständig. Nachdem 1989 derEiserne Vorhang gefallen war, wurde 1990 ein Gesetz über die Religions- und Gewissensfreiheit erlassen.
Die Kirche ist in 1200 Gemeinden in 27Senioraten (ungarischegyházmegye) in 4 Kirchensprengeln beziehungsweise Kirchendistrikten (ungarischegyházkerület) gegliedert. Die vier Kirchensprengel sind der Kirchensprengel diesseits derTheiß mit Sitz inMiskolc, der Kirchensprengel jenseits der Theiß mit Sitz inDebrecen, der Kirchensprengel an derDonau mit Sitz inBudapest und dertransdanubische Kirchensprengel mit Sitz inVeszprém. Seniorate und Kirchensprengel werden jeweils von einer Doppelspitze geleitet: Neben demSuperintendenten beziehungsweiseBischof (ungarischpüspök) als geistlichem Leiter steht ein Kurator als weltlicher Leiter. Auch an der Spitze der Synode stehen ein geistlicher Synodenpräsident (= leitender Bischof) und ein Landeskurator. Leitender Bischof ist seit 2024József Steinbach, der Bischof des Kirchendistrikts Transdanubien (als Nachfolger des zurückgetretenenZoltán Balog, der ab 2021 amtiert hatte).
Die Reformierte Kirche in Ungarn ist Mitglied derWeltgemeinschaft Reformierter Kirchen, derGemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und desÖkumenischen Rats der Kirchen. In mehreren anderen Ländern bestehen ungarischsprachige reformierte Kirchen, die im Weltbund der ungarischen Reformierten und in der Beratenden Synode der ungarischen Reformierten mit der Reformierten Kirche in Ungarn verbunden sind.