Dieser Artikel beschreibt Anlagen zum Betrieb von EDV-Rechentechnik. Zu der deutschen Band sieheRechenzentrum (Band).
Rechenzentrum imCERNServer im Rechenzentrum vonCERN
MitRechenzentrum (kurz:RZ; oder aus demEnglischenentlehnt: [das]Datacenter) bezeichnet man sowohl das Gebäude als auch die Räumlichkeiten, in denen die zentraleRechentechnik (z. B.Rechner und die zum Betrieb notwendigeInfrastruktur) einer oder mehrerer Unternehmen bzw. Organisationen untergebracht ist. Ihr kommt damit eine zentrale Bedeutung in der Nutzung vonEDV in Unternehmen, Verwaltungen oder anderen Institutionen zu.
Stand 2025 gibt es mehr als 10.000 Rechenzentren weltweit. Von den mehr als 1.000 der großen Rechenzentren (Hyperscaler) gehören mehr als die Hälfte den dreiBig-Tech-UnternehmenAlphabet,Amazon undMicrosoft.[1]
Die gängige Abkürzung istRZ, organisationsabhängig kann mitZER (zentrale Einrichtung Rechenanlagen) ebenfalls ein Rechenzentrum gemeint sein.
In den Betrieben und staatlichen Einrichtungen derDDR waren entsprechende Einrichtungen häufig mitOrganisationsabteilungen verbunden und wurden alsOrganisations- und Rechenzentrum, abgekürztORZ, bezeichnet.
Zahlreiche Server der Wikimedia Foundation in mehrerenRacks
Rechenzentren waren häufig einer administrativen Stelle zugeordnet, zum Beispiel derFinanzverwaltung, einer Forschungseinrichtung, einerHochschule oder einem kommerziellen Betrieb wie einerBank oder einerVersicherung. Diese administrativen Stellen haben die Anforderung, großeDatenmengen zu verarbeiten, etwa die Steuererklärungen aller Bürger eines Bundeslandes. Deshalb war auch eine umfangreiche Maschinenausstattung notwendig, die nur konzentriert in einem Rechenzentrum gepflegt werden konnte. Mittlerweile ist dasOutsourcen von Rechenzentren eine häufige und erfolgreich umgesetzte Option.
In den Prä-PC-Zeiten wurden vom Staat sog. Gebietsrechenstellen geschaffen, die die Aufgabe hatten, Rechenkapazität für staatliche Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Meist unterstanden diese Gebietsrechenstellen den Landesämtern für Statistik und Datenverarbeitung, gelegentlich waren sie auch Hochschulen zugeordnet.[2] In der DDR gab es sogenannteDatenverarbeitungszentren, sie entsprechen heute etwa denkommunalen Gebietsrechenzentren.
Moderne Rechenzentren stellen eine hochredundante Infrastruktur bereit, in der Server mit minimalengeplanten Ausfallzeiten arbeiten können. Sämtliche für den Betrieb benötigten Anlagen sind mehrfach vorhanden. Beispielsweise sorgen Klimageräte für die dringend benötigte Kühlung der Hochleistungsrechner, es werden allerdings mehr Geräte genutzt als für die im normalen Betrieb abgegebene Wärmemenge benötigt würden. Auf diese Weise können regelmäßig einzelne Aggregate gewartet werden, ohne dass es Auswirkungen auf den gesamten Betrieb hat. Die gleiche Anforderung für die Bereitstellung der Stromversorgung zu erfüllen, ist jedoch deutlich aufwändiger. Moderne hochwertige Server besitzen üblicherweise zwei Netzteile, die unabhängig voneinander den gesamten Server versorgen können. Diese Netzteile werden in einerKreuzverkabelung mit unterschiedlichen Stromführungen verbunden. Auf diese Weise kann jeweils eine Seite der Stromversorgung gewartet werden, ohne die Server zu stören. Jede Stromversorgung umfasst eine eigeneUSV und eigeneNetzersatzanlagen, deren Wartung somit ebenfalls keine Ausfallzeiten erzeugt. Geräte mit nur einem Netzteil würden dann einenSingle Point of Failure darstellen, wenn sie nicht mittels eines automatischenTransferschalters mit der jeweils stromführenden Schiene verbunden werden. Abgeschlossen wird diese Installation mittels eines doppelten (redundanten) Anschlusses der Stromversorgung an unterschiedliche Transformatoren und getrennte Netzbereiche des lokalenEnergieversorgungsunternehmens. Wartungen an dieser Infrastruktur sind, trotz der Eigenschaft, dass nun erst nach drei bis fünf aufeinander folgenden Fehlern eine Störung möglich wird, noch immer sorgfältig zu planende und abzustimmende kritische Eingriffe, da Fehlhandlungen der Infrastruktur-Administration hier noch nicht automatisiert abgefangen werden können.
Rechenzentren stellen eine Grundvoraussetzung für dieDigitalisierung dar und haben großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung.[3] Sie werden als unverzichtbar betrachtet, um den wachsenden Bedarf nach digitalen Anwendungen zu decken und sichern in Deutschland mehr als 200.000 Arbeitsplätze.[4] Konkret gab es im Jahr 2017 in deutschen Rechenzentren 130.000 Vollbeschäftigte, weitere 85.000 Arbeitsplätze waren direkt von Rechenzentren abhängig.[5]
Jährlich werden in Deutschland über 8 Mrd. Euro in den Bau, die Modernisierung und die IT von Rechenzentren investiert. Davon fließen knapp 7 Mrd. Euro in die IT-Hardware, und etwas über 1 Mrd. Euro in Neubau und Modernisierung von RZ-Gebäuden, Gebäudetechnik und -sicherheit.[6]
Die Branche verzeichnet seit Jahren zweistellige Wachstumsraten. Trotz steigender Investitionen schrumpfen jedoch die Marktanteile sowohl auf globaler Ebene, insbesondere mit Blick auf Asien und Nordamerika, als auch auf europäischer Ebene, wo das Wachstum in Deutschland nicht mit jenem in Skandinavien und den Niederlanden mithalten kann.[7] Einer der Gründe liegt dabei in den hohen Stromkosten. Insbesondere bei den Stromnebenkosten in Form von Steuern, Abgaben und Netzentgelten tragen Rechenzentren in Deutschland die europaweit höchste Last.[8] Da diese Situation seit vielen Jahren besteht,[9] findet zunehmend eine anteilige Verlagerung von Rechenzentrumskapazitäten ins Ausland statt. Zwischen 2010 und 2020 wird eine Abnahme des Weltmarktanteils deutscher Rechenzentren von 5 % auf 4 % prognostiziert.[10] Hinzu kommt das Problem des Fachkräftemangels in der Branche[6], welches jedoch auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten ist.
Ein Rechenzentrum auf dem Stand der Technik ist mit zwei Räumen ausgestattet, einem Sicherheitsraum für die sog. Feintechnik (IT-Systeme) und einem Raum für die sog. Grobtechnik (Klimatisierung, Energieversorgung, Löschmittel etc.). Ein Rechenzentrum kann mit einem geräumigenDoppelboden ausgestattet sein, durch den nicht nur die Verkabelung, sondern auch kühle Luft von derKlimaanlage zu den Geräten geführt wird. Netzwerkschränke stehen sich in geschlossenen Reihen mit ihren Vorderseiten oder Rückseiten gegenüber. Weil die Geräte Luft vorn ansaugen und hinten ausblasen, werden damit sogenanntekalte Gänge undheiße Gänge gebildet. Vor den Schränken wird kühle Luft aus dem Boden ausgeblasen und hinter den Schränken warme Luft an der Decke abgesaugt.Eine Maßnahme zur kostenmindernden Effizienzsteigerung der Kühlung im Rechenzentrum ist die Einhausung von Kaltgängen (auchKaltgangeinhausung oder Cold Aisle Containment genannt), in die die kalte Luft aus dem Doppelboden einströmt.
Server-Racks mit hohen Wärmeverlustleistungen (> 10 kW pro Rack) sind mit einer Kühlung über einen Druckdoppelboden nicht mehr ausreichend zu kühlen. Dafür gibt es spezielle Rackkühlungen mittels Wasser- oder Kältemittelkreislauf, die die Wärme direkt am Rack abführen.
Die hohe Leistungsdichte und damit einhergehende Wärmeentwicklung erfordert nicht nur aufwendige Maßnahmen zur Kühlung, sondern bewirkt durch den Lärm der in den Geräten enthaltenenVentilatoren auch, dass während des Aufenthalts im Feintechnikraum evtl. auch einGehörschutz erforderlich ist. Eine direkte Rackkühlung ist gegenüber einer indirekten Luftkühlung energieeffizienter und auch weniger laut.
Abhängig vom administrativen Umfeld gibt es unterschiedlich starke Sicherheitsanforderungen an Rechenzentren. Meist wird lediglich der Zutritt kontrolliert und die Räume sind durchAlarmanlagen gesichert. Einige sind sogar in einemBunker untergebracht, der unterirdisch mehrere Stockwerke umfasst, Druckwellen, Hitze und ionisierende Strahlung fernhält und mitunter sogarEMP-gesichert ist. Der Zutritt ist auf jeden Fall strikt reglementiert.
Dem Brandschutz und der Vermeidung von Feuern wird ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Neben Brandabschottungen sind es Löschanlagen, die Hardwareschäden minimieren können. Wasser, Löschschaum oder Pulverlöschsysteme können einemGroßrechner mehr Schaden zufügen als ein verschmortes Kabel. Aus diesem Grund werden in modernen Rechenzentren vielfachHalone als Löschmittel vorgehalten.Im Gegensatz zu bisher verwendeten Löschgasen beruht deren Wirkung hauptsächlich auf Unterbrechung des Brandes auf chemischem Weg (ähnlich wie bei Pulver als radikalischer Inhibitor), während z. B.Stickstoff oderArgon die Flammen nur durch die Verdrängung desSauerstoffs bei Flutung des Raumes ersticken. Die Gase sind elektrisch nicht leitfähig und Kurzschlüsse werden vermieden. Durch die Begrenzung der Gaskonzentration auf einen festgelegten Wert sind die Räume von gesunden Personen weiterhin begehbar. Andere Gase wieKohlenstoffdioxid sind bei neu errichteten Rechenzentren wegen der toxischen Wirkung sogar verboten. Der Einsatz von Löschgasen bewirkt allerdings einenÜberdruck, so dass der Einsatz von Druckentlastungsklappen erforderlich ist.Problematisch ist auch die rechtzeitige Früherkennung eines Brandes. Konventionelle punktförmigeBrandmelder sind für den Einsatz in einem Rechenzentrum schlecht geeignet, weil durch den Einsatz von Kühlsystemen bis zu 1 m dicke Warmluftpolster unter der Decke entstehen können, so dass der Rauch nicht an den Melder gelangt. Darüber hinaus arbeiten moderne Server-Racks mit hohen Luftwechselraten, die den Rauch stark verdünnen. Der BranchenverbandBITKOM empfiehlt daher den Einsatz hochsensibler Rauchansaugsysteme.[12]
Alternativ oder ergänzend zu einer Branderkennung und automatischen -löschung gibt es auchSauerstoffverarmungssysteme, die den Anteil des Luftsauerstoffs so weit absenken (von 21 % auf 13,5 % bis 17 %) und durchinertes Gas austauschen (in der Regel Stickstoff), dass sich ein Feuer nur sehr schwer oder gar nicht mehrentzünden kann. Der verbleibende O2-Partialdruck bei z. B. 15 % entspricht dem in einer Höhe von 2700 m, so dass es für gesunde Menschen nur minimale Einschränkungen gibt.[13]
Die Archivierung von wichtigenDatensicherungen findet in einem anderenBrandabschnitt mit zum Teil höheren Schutzwertigkeiten (Temperatur im Brandfall max. 50 °C) statt.
Durch Bauarbeiten, Wartungsarbeiten oder Reparaturarbeiten im Rechenzentrum kommt es zuStaubablagerungen. Baustaub hat durch die grobe Körnung sogar eine schleifende,abrasive Eigenschaft und kann zu Schäden an beweglichen Teilen, wie Lüfter und Backup-Komponenten führen. Staub behindert die nötige Wärmeabfuhr und kann Korrosion, Überhitzung und Ausfälle verursachen. Ruß durch Rauchentwicklungen z. B. nach einem Brandschaden kann die Wärmeabfuhr der RZ-Komponenten vermindern und ist wieZink-Whisker elektrisch leitfähig. Dadurch erhöht sich das Risiko von Kurzschlüssen an Baugruppen und Elektronik der RZ-Komponenten. Bauarbeiten im Rechenzentrum können dermaßen Staub erzeugen, dass der Betrieb der IT-Systeme ernsthaft gefährdet ist und dieIT-Sicherheit rapide sinkt. Als anerkannter Standard für die Sauberkeit von Rechenzentren gilt dieISO 14644-1 Klasse 8. Führende Hardware-Hersteller fordern für einen einwandfreien Betrieb ihrer Hardware die Einhaltung dieser Reinraumklasse. Die DIN EN ISO 14644 war ursprünglich für Reinräume und „kritische Umgebungen“ vorgesehen, hält aber zunehmend auch in Rechenzentren Einzug.
Ein Test-Rechenzentrum ist einReallabor oder eine Prüfeinrichtung, wo die übliche Rechenzentrumsinfrastruktur vorhanden ist. Mit einem Test-Rechenzentrum ist somit die optimale Umgebung gegeben, neue Innovationen und Lösungen im Bereich Rechenzentrum zu entwickeln. Weiterhin können erfolgversprechende Ansätze, Technologien, Ideen,Proofs of Concept oder Produkte im Rahmen eines Test-Rechenzentrums erprobt und getestet werden. Ein Test-Rechenzentrum bietet auch die Möglichkeit,Open Innovation oder Co-Innovation zu betreiben. Dabei können neue Kooperationen mit Unternehmen, Startups und Forschungsinstituten entstehen und Know-how ausgetauscht werden.
Um für Katastrophen,engl. disaster, (z. B. ein Erdbeben, ein Anschlag oder ein Brand) oder Ausfallzeiten,engl. downtime, (geplant für z. B. Updates oder ungeplant bei Störungen) gerüstet zu sein, gibt es als Redundanz-Szenario dasBackup-Rechenzentrum (manchmal auchGeo-Redundanz). Dabei wird ein zweites Rechenzentrum, räumlich vom Originalrechenzentrum deutlich getrennt (je nach Anforderung und möglichen Ausfallszenarien in einem anderen Stadtteil, Land oder sogar Kontinent), möglichst komplett dupliziert. Die Duplizierung gilt sowohl für dieHardware als auch für dieSoftware und die jeweils aktuellen Daten. Sollte das Originalrechenzentrum ausfallen, so kann der Betrieb im Backup-Rechenzentrum fortgesetzt werden. Limitierende Faktoren sind die Duplizierung der Daten pro Zeitspanne und die „Umschaltzeit“. Auch eine nur teilweise Redundanz z. B. nur der unternehmenskritischen Systeme und Daten ist aus Kostengründen anzutreffen.
Hochsicherheitsrechenzentren sind bis zu einigen Dutzend oder gar Hunderten von Metern unter der Erde in Stollen, Bunkern und ähnlichen Umgebungen untergebracht. DasBSI fordert inzwischen einen Mindestabstand für georedundante Rechenzentren von 100 km, wobei mindestens 200 km empfohlen werden.
Notfallpläne und Ausstattung sehen oft vor, dass die Arbeitsräume der Mitarbeiter bis auf die Ausstattung des einzelnen Arbeitsplatzes 1:1 kopiert werden, sodass die Arbeiten in den Räumlichkeiten des Backup-Rechenzentrums mit sehr kurzer Verzögerung fortgesetzt werden können.
Der Grund für die Aufwendungen in Zeit, Personal und Geld ist nachvollziehbar: Der Ausfall eines Rechenzentrums wird als Unternehmensgefährdung bis hin zur Insolvenz angesehen.
Um die doppelte Ausrüstung nicht nur für den Notfall stehen zu lassen, der nur eher selten eintritt, wird in der Regel auch diese Rechenkapazität genutzt. Es wird daher nach Produktions- und Testsystemen unterschieden. So kann zum Beispiel der Server, der für die Produktion genutzt wird, im Hauptrechenzentrum stehen, während ein identischer Server im Backuprechenzentrum nur zur Entwicklung und zum Testen genutzt wird. Bei einem Ausfall des Hauptrechenzentrums wird der Entwicklungs- und Testserver für die Aufrechterhaltung der Produktivsysteme genutzt. Es ist für diese Zeit dann zwar kein Entwickeln mehr möglich, aber die akut wichtigere Produktion fällt nicht aus.
In der Kombination aus Haupt- und Backup-Rechenzentrum wächst aber auch die Gefahr, notwendige Erweiterungen und Ergänzungen (Klima, Energie, Zutritt, Überwachung, Energieeffizienz) nicht oder nur verspätet vorzunehmen, da es ja eine vermeintlich weitere Sicherheitsstufe durch das Vorhandensein eines Backup-Rechenzentrums gibt.
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In jeder Konfiguration von Rechenzentren ist ein Notfall- oder Katastrophenmanagement unabdingbar. Jeder Beteiligte muss im Ernstfall wissen, was zu tun und wer zu informieren ist. Die Grundlage dieses Wissens und Handelns ist das Notfallhandbuch, in dem alle relevanten Informationen über das Rechenzentrum, die eingesetzten Systeme und Infrastrukturen, die „schnelle Eingreiftruppe“ und der Ablaufplan inkl. aller Personen und deren Kontaktdaten enthalten sein müssen. Zur Überprüfung der Notfallszenarien sind realistische und periodische Tests durchzuführen.
Im Jahr 2018 betrug der Stromverbrauch der Rechenzentren weltweit ca. 205 Terra-Wattstunden (TWh).[14] Da es sich bei der Bestimmung des weltweiten Energieverbrauchs von Rechenzentren aber im Allgemeinen um modellbasierte Hochrechnungen handelt, ist dieser Wert ein Näherungswert und keine empirisch quantifizierte Größe.
Im Jahr 2018 betrug derEnergiebedarf der Rechenzentren in Deutschland 14 Milliarden Kilowattstunden.[15] Bis 2020 stieg er auf 16 Milliarden, also drei Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs.[16] Davon entfällt nur ein Teil auf den tatsächlichen Betrieb der IT,[17] ca. 50 Prozent werden durchKühlung,USV und andere Komponenten verursacht.[18] Große Rechenzentren können einen dauerhaften Leistungsbezug von 100 MW elektrischer Energie aufweisen.[19]
Auf die geschätzten 85 Rechenzentren in der Schweiz entfallen fast vier Prozent des Schweizer Stromverbrauchs (Stand: 2022).[20] Im Jahr 2019 betrug der Stromverbrauch der Rechenzentren undServerräume in der Schweiz rund 2,1 Milliarden Kilowattstunden oder 3,6 Prozent des gesamten Schweizer Stromverbrauchs. Im Jahr 2013 lag der Stromverbrauch der schweizerischen Rechenzentren noch bei rund 1,7 Milliarden Kilowattstunden oder 2,8 Prozent des Gesamtstromverbrauchs in der Schweiz.[21]
2023 überstieg der Stromverbrauch von RechenzentrenIrlands erstmals den der Gesamtheit der irischen Haushalte.[22] LautInternationaler Energieagentur (IEA) machten Rechenzentren 2022 etwa 1,0 bis 1,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs aus. Mit demBoom von Sprachmodellen undgenerativer KI ist dieser weiter stark angewachsen, sodass bis 2030 vielerorts mindestens von dessen Verdopplung ausgegangen wird.[23]
2024 berichteteThe Guardian, dass die von 2020 bis 2022 verursachtenCO2-Emissionen der Rechenzentren vonGoogle,Microsoft,Meta undApple die zunächst veröffentlichten Zahlen um das 7-fache übertrafen.Amazon nimmt dabei weiterhin die Spitze der Emittenten in der Gruppe derGAFAM-Konzerne ein.[23] Diesbezüglich soll im stillgelegtenKernkraftwerk Three Mile Island sogar wieder ein Reaktor in Betrieb genommen werden.[24]
Alle Maßnahmen, die zu einer effizienteren Ressourcenauslastung des IT-Equipments, einer Reduktion der CO2-Emissionen sowie zu einer höherenEnergieeffizienz beitragen, werden unter den BegriffGreen IT subsumiert. Seit 2006 zählt Green IT zu den Leitthemen der IT-Branche und konnte sich weitestgehend von dem Vorwurf befreien, bloßes Marketinginstrument zu sein. Herstellerunabhängige Empfehlungen zur Gestaltung einer RZ-Umgebung im Sinne der Green IT sind auf Webseiten desBitkom,[18] von Gartner,[17] dem Borderstep Institut[25] und Uptime Institute[26] zu finden. Größere Rechenzentren in Deutschland (von wenigen Ausnahmen abgesehen, z. B. Rechenzentren die reine Netzknoten sind) fallen ab 2024 unter die Vorgaben desEnergieeffizienzgesetz.
Rechenzentren besitzen aufgrund ihres hohen Energiebedarfs, der mit einem erheblichen Kühlbedarf für das Abwärmemanagement einhergeht, ein großes Potenzial für die Wärmeauskopplung. Zur Steigerung derEnergieeffizienz kann die im Betrieb entstehende Abwärme mitGroßwärmepumpen genutzt und die gewonnene Wärmeenergie anschließend inNah- undFernwärmenetze eingespeist werden. Mit Stand 2017 wird dies z. B. in Rechenzentren inStockholm undHelsinki bereits praktiziert.[19] Unter Einsatz vonFlüssigkeitskühlung können Temperaturen von bis zu 60 °C erreicht werden, was ausreichend ist, um ohne Wärmepumpeneinsatz direkt inFernwärmenetze der vierten Generation einzuspeisen.[27] Alternativ ist auch eine direkteEinspeisung inKalte Nahwärmenetze möglich, da diese auf einem ausreichend niedrigen Temperaturniveau arbeiten, um erzeugerseitig auf eine Wärmepumpe verzichten zu können. Praktiziert wird letzteres z. B. in kalten Nahwärmesystemen inZürich,Wallisellen undHeerlen.[28]
Rechenzentren bieten zudem hohes Flexibilitätspotenzial inintelligenten Stromnetzen. Da Rechenzentren üblicherweise nur teilausgelastet sind und manche Rechenoperationen nicht zeitkritisch sind, kann Rechenleistung bei Bedarf sowohl räumlich als auch zeitlich verschoben werden. Somit kann regional der Verbrauch gezielt gesenkt oder erhöht werden, ohne dass dies Auswirkungen auf die erbrachte Dienstleistungen hat. Weiteres Potenzial ergibt sich über die üblicherweise installierten Systeme zurUnterbrechungsfreien Stromversorgung wieBatterien undNotstromaggregate, die ebenfalls für die Erbringung von Regelleistung oder Spitzenlastdeckung eingesetzt werden können. Auf diese Weise könnten Systemkosten minimiert werden. Insgesamt wird für möglich gehalten, dass europäische Rechenzentren im Jahr 2030 ein Lastverschiebungspotenzial von einigen GW bis einigen Dutzend GW besitzen.[27]
Eine 2025 weltweit durchgeführte Recherche auf Basis vonCopernicus-Daten legt nahe, das sich knapp 7.000 der untersuchten 8.808 Rechenzentren in Regionen befinden, deren Temperaturbereiche und mitunter Luftfeuchtigkeit außerhalb dem für den effizienten Betrieb von Rechenzentren empfohlenen Rahmen lägen. Die gewählten Standorte erzeugten damit nicht nur unnötig hohe Ressourcen- und Energiebedarfe, sondern würden beim jetzigen Stand mittelfristig auch erhöhte Ausfallrisiken aufgrund vonKlimafolgen aufweisen.[29]
Die Konzerne Amazon, Microsoft und Google kündigten 2024 an, für den Betrieb ihrer Rechenzentren wieder auf Atomkraft zu setzen. Die Konzerne geben als Argument den erhöhten Energiebedarf an, der durch Technologien wieKI entsteht. Microsoft plant den Nachbarreaktor des in den 1970er Jahren havarierten AKW inHarrisburg wieder zur Inbetriebnahme verhelfen.Michael Terrell, Senior Director für Energie und Klima bei Google kommentiert die Entscheidung: „Wir sind der Meinung, dass Kernenergie eine wichtige Rolle spielen kann, um unseren Bedarf rund um die Uhr auf saubere Weise zu decken.“[30]
Um einen umweltschonenden Betrieb eines Rechenzentrums nachzuweisen, sind verschiedene Zertifizierungen auf dem Markt verfügbar. Hierzu zählen beispielsweise die Zertifizierungen nachEMAS oder die Zertifizierung nach demBlauen Engel. Eine Zertifizierung ist vor allem für Rechenzentren interessant wenn diese ihre Dienstleistungen an Dritte verkaufen und somit die Zertifizierung als zusätzliches Marketingargument verwenden können. Bisher mit dem Blauen Engel ausgezeichnet wurden dasBundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, dasGSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung und dasHöchstleistungsrechenzentrum Stuttgart.[31]
Viele Rechenzentren werden mit personellem und technischem Aufwand überwacht und können nur von autorisiertemPersonal betreten werden. Einige Rechenzentren zeigen im Rahmen vonTagen der offenen Tür einen Teil ihrer Systeme kleinen, geführten Besuchergruppen.[32] Kommerzielle Rechenzentren und Anbieter von RZ-Flächen bieten – insbesondere für potenzielle Neukunden – Führungen an.
Jürgen Dube:Computer für Genossenschaften. Die Geschichte der genossenschaftlichen Rechenzentralen. Dt. Genossenschafts-Verlag, Wiesbaden 1993,ISBN 3-87151-002-5
Karl-Rudolf Moll:Informatik-Management. Aufgabengebiete – Lösungswege – Controlling. Springer, Berlin u. a. 1994,ISBN 3-540-57458-1
Torsten Gründer, Joachim Schrey (Hrsg.):Managementhandbuch IT-Sicherheit. Risiken, Basel II, Recht. Erich Schmidt, Berlin 2007,ISBN 978-3-503-10002-6
Sonja Palfner,Gabriele Gramelsberger:Rechenzentrum, in: Nadine Marquardt, Verena Schreiber (Hrsg.):Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen der Gegenwart. Transcript, Bielefeld 2012, S. 231–236 (Digitalisat)
↑Jillian Ambrose, Jillian Ambrose Energy correspondent:Ireland’s datacentres overtake electricity use of all urban homes combined. In:The Guardian. 23. Juli 2024,ISSN0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 27. Juli 2024]).
↑abIsabel O'Brien:Data center emissions probably 662% higher than big tech claims. Can it keep up the ruse? In:The Guardian. 15. September 2024,ISSN0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 16. September 2024]).
↑abCarolina Koronen et al.:Data centres in future European energy systems — energy efficiency, integration and policy. In:Energy Efficiency.Band13, 2020,S.129–144,doi:10.1007/s12053-019-09833-8.
↑Svenja Bergt:Tech-Branche will Atomkraft verwenden: Ein tückisches Narrativ. In:Die Tageszeitung: taz. 16. Oktober 2024,ISSN0931-9085 (taz.de [abgerufen am 18. Oktober 2024]).